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- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" - des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung. Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten. ABGEHÖRT vom 08. Juni 2004 TANKARD "Beast Of Bourbon" 8 AFM Rec.,2004
Die Frankfurter Thrasher scheinen
in den letzten Jahren wieder zu erstarken. Ende der 90er glaubte man, daß
der Zug für die Band abgefahren sei. Doch mit den jüngeren Alben
machten die Musiker um Koloß Gerre wieder einiges an verlorenem Boden
gut. Mit ihrem neuen Album "Beast Of Bourbon" wird die Qualitätskurve
einmal mehr deutlich nach oben zeigen. Grund dafür sind nicht zuletzt
die "neu" eingestiegenen Musiker an der Gitarre und am Schlagzeug, welche
von Platte zu Platte besser aufeinander eingespielt sind und mit wahrhaft
gelungener Instrumentierung überzeugen können. So spielen TANKARD
heute wesentlich progressiver als noch mit dem alten Kult-Line-up. TANKARD
machen richtig Lack, die Snare donnert und doch haben sie Melodien im Gepäck,
die sich sofort festsetzen. "Slipping From Reality" und "Die With A Beer
In Your Hand" sind wahre Hits. Der Rest der Platte knallt und ist typisch
Tankard und doch irgendwie anders. Eben gut aufeinander eingespielt.
THOMAS A.O.K. "Kinderlieder frei ab 18" 7 Locomotive Music, 2004
Im Kinderland ist ganz schön
was los: Ohne Hoden ist es natürlich nicht lustig, da kann man schon
neidisch werden, wenn Peter seine Nüsse schütteln geht und alle
Kinder ihm dabei helfen. Und wenn die Steppkes mal nicht da sind, wird
mit Fünf gegen Einen solange gerubbelt, bis er rot ist. Hänschen
klein vögelt sich durch sämtliche Puffs und läßt sich
zu Hause von seiner Alten bei SM-Spielchen verdreschen. Am Ende wird das
Weib allerdings mit einem Beil erlegt. Der Butzemann ist übrigens
auch nicht zimperlich, wenn er im Haus herum geht und die Kinder innerlich
verbluten läßt und die Köpfe hinter sich schmeißt.
Der kleine Hurenbock treibts dann vor Geilheit schon mal mit Schafen und
Marylin Männchen spannt hinter Bäumen, bis er beim Jackeln ums
Leben kommt. Und Bob, der sich mit seinem dicken Hamburger in der Hose
beim Superstar-Wettbewerb bewirbt, hat einen Freund namens Joe Hinterlader.
Wenn's um das Puperzen verstopfen geht, kennen die beiden keine Zügelung.
Mit Brutalo-Kasper, vor dem alle Kinder Angst haben, und den zerhackten
Gartenzwergen wollen die Sexualdärme aber nichts zu tun haben.
JUB INCAPACITY "Chaos Complete" 9 Cold Rec., 2003
Mit INCAPACITY gibt es ein Wiedersehen
mit einem alten Bekannten. Andreas "Drette" Axelsson, seines Zeichens ehemaliger
Gitarrist der grenzgenialen Edge Of Sanity (R.I.P.), fand sich auf dieser
Platte mit einigen Mitgliedern von Pan-Thy-Monium und Unmoored zusammen,
um das zu tun, was er am besten kann, nämlich das Zelebrieren von
arschtretendem Wasa-Tod. Die Kombination von hymnischen Gitarrenläufen
und bollerndem Schlagzeug sowie abwechselndem Kreisch- und Grunzbrüll
wirkt dabei weder antiquiert noch ausgeleiert. INCAPACITY gehen durchs
Ohr wie ein Schneidbrenner. Dabei hinterlassen nicht nur die rasenden Passagen
einen bleibenden Eindruck, sondern auch die, logischerweise, an E.O.S.
erinnernden getragenen Momente. Im Labelinfo stand, daß INCAPACITY
wie eine Mischung aus E.O.S. und Carnal Forge klingen. Das kann man durchaus
unterschreiben.
THOMAS SEVENTH KEY "The Raging Fire" 8 Frontiers/Soulfood, 2004
Wahrscheinlich ist es einfach so,
daß man - wenn man die Progressive-Schule von Kansas durchlaufen
hat - es einfach drauf hat. Billy Greer, seines Zeichens Basser bei den
US-amerikanischen Fricklern, hat mit seinem zweiten SEVENTH KEY-Album wie
schon mit dem Debüt (siehe Abgehört
vom 18. Dezember 2001) ein beeindruckendes Stück Melodic Metal
abgeliefert. Die Melodien bei "The Sun Will Rise", "Always From The Heart"
und "You Cross The Line" sind perfekt. Beide Stücke konnte man pro
Tag zehn-, 15mal hören, ohne sich angepißt zu fühlen. Am
besten im Sommer - und im Urlaub. Ich garantiere einen Stimmungsanstieg
ins Unermeßliche. Auch der Rocker "Pyramid Princess" (mit "Zeppelinschem
Kashmir"-Teil) und der Groover "Run" sind große Klasse. Party-Mucke
á la "Sin City" gelingt auch einem Greer nur mittelmäßig
und in den langsamen Gefilden ("It Should Have Been You") klingt er leider
zu durchschnittlich. Die restlichen Songs sind zwar keine 10er wie die
eingangs erwähnten, liegen aber ganz deutlich über der lediglich
soliden Arbeit der meisten Melodic-Truppen von heute.
JUB ZORN "Menschenfeind" 8 Neon Knights/Soulfood, 2003
Es gibt Black Metal-Bands, die sind
extrem. Dann gibt es die, welche auf Teufel-komm-raus provozieren wollen,
und zuguterletzt gibt es noch die Kandidaten, die so richtig einen verbummelt
haben. Zu letzterer Kategorie gehören zweifelsohne ZORN. Laßt
Euch mal folgende Songtitel auf der Zunge zergehen: "Endsieg", "Kristallnacht",
"Faustschlag (In die christliche Welt)" oder "Die Gegenoffensive". Aber
hallo! Als i-Tüpfelchen nennen die schwarzen Recken ihr Werk schelmisch
"Terror Black Metal". Auch musikalisch spielen die Jungs nicht im Sand.
Rau, teilweise absichtlich schräg und stets um atmosphärische
Monotonie bemüht, verbraten die Deutschen gerne mal das eine oder
andere Bathory-Zitat. Meistens kommt das in den Ansätzen zu den Soli
zur Geltung. Man kommt nicht umhin, sich die eine oder andere Nostalgie-Träne
aus dem Knopfloch zu wischen. Schön zu sehen, daß es da draußen
noch Bands gibt, die wissen, wie man räudigen Black Metal spielt.
Zwar bleibt der eine oder andere Song ideentechnisch etwas auf der Strecke,
aber um so richtig zu hassen, taugt die Musik allemale. Also, Evil-Face
aufgesetzt, und "play" gedrückt, ihr Black Metal-Horden da draußen!
THOMAS MEMORIZED DREAMS "Theater Of Life" 8 Sound Riot Rec., 2004
In nur knapp drei Jahren haben diese
Norweger zwei Namen verschlissen, bevor sie bei MEMORIZED DREAMS landeten.
Hinzu kamen diverse Stil-Wechsel. Unter Symphonic Divine ging es 1999 mit
Power Metal los. Als eine Frau den Fronter-Posten einnahm, wandt man sich
eher Rock-orientierten Stücken zu, bevor es mit Progressive Metal
unter Dreamscape weiterging. Nun, und schließlich fanden die Jungs
Power Metal doch am besten, so daß sie 2002 wieder beim Anfang waren
und endlich jenen Namen trugen, den sie immer noch inne haben (immerhin
schon fast zwei Jahre).
JUB EMBOLISM "Mindchaos" 7 Forensick Music, 2002
Ihr steht auf zarte Melodiebögen,
auf ausgefeilte Arrangements und schöne Gesänge? Dann könnt
ihr direkt zur nächsten Review überspringen. Denn EMBOLISM pflastern
dem geneigten Hörer ein paar frisch gefällte Baumstämme
um die rosa Öhrchen, daß es nur so peitscht. Grindcore der rabiatesten
Art. Dieser wird mit Crust-Elementen aufgefrischt. Allerdings kann man
nicht sagen, daß EMBOLISM nur Krach machen. Dafür sind ihre
Songs zu nachvollziehbar, manchmal sogar eine Spur eingängig. Einziges
Manko ist der zu leise Snaresound, der für diese Art von Musik enorm
wichtig ist. Ansonsten ist EMBOLISM eine prima CD gelungen.
THOMAS ZYKLON "Aeon" 9 Candlelight/PHD, 2003
Da hat die Emperor-Gedächtnisband
um Samoth und Trym namens ZYKLON doch tatsächlich für einen echten
Donnerschlag gesorgt. Nach "World Ov Worms" (siehe Abgehört
vom 16. Oktober 2001) hielt sich meine Begeisterung für diese
Band echt in Grenzen. Mit "Aeon" entzünden die Norweger jedoch einen
wahren Flächenbrand. Dem Black Metal-Grundgerüst wurde hier nämlich
ein noch stabileres Death Metal-Gestell angeschraubt, das der Musik ZYKLONs
noch mehr Durchschlagskraft und vor allem straightere Strukturen verleiht.
Auf "Aeon" geht es doch tatsächlich vor allem halsbrecherisch und
gnadenlos nach vorn los. Aber Samoth und Trym wären nicht Ex-Emperoristen,
wenn sie nicht auch auf ihrem Zweitling Lehrbeispiele für vertrakte
Gitarrenfiguren abliefern würden ("Specimen Eruption"). Zum Teil extreme
Tempi-Unterschiede (allein in "No Name Above The Names" ist so einiges
los) verschaffen einen aufregenden Hörgenuß. Mit "Electric Current"
wird es dann gar Industrial-lastig und mit "An Electric Manner" gibt es
zum Schluß doch tatsächlich die Krönung dieses sehr guten
Albums: ein starker atmosphärischer Song mit einer geradezu außerirdischen
Hintergrund-Melodie, die fast etwas mystisch wirkt. Auf diesem Niveau werden
ZYKLON auch in Zukunft ganz oben kicken.
JUB THE QUIREBOYS "100% Live 2002" 7 Demolition Rec./Zomba, 2003
Meine Herren, wie gingen mir die
QUIREBOYS ihrer Zeit als "Kerrang!"- und "Metal Star"-Posterboys auf den
Beutel. Geflißentlich ignorierte ich diese Band, wo und wie ich nur
konnte. Dummerweise mußte ich mir ihre CD aus "beruflichen" Gründen
nun doch anhören. Doch, o Wunder, statt schwulem Gesülze und
ideenlosem Trallala knallte mir auf "100%Live 2002" absolut geiler gute
Laune Rock'n'Roll entgegen. Ein fröhliches Klimper-Klavier begleitet
hier die party-tauglichen Refrains und zum Auto fahren einladenden Riffs.
QUIREBOYS haben Dreck unter den Fingernägeln, Fett im Haar und Whiskey
im Kopf. Sie spielen nicht die kaputten Rock'n'Roller, nein, sie sind welche.
Zu dieser Einsicht gelange ich nun nach 15 Jahren des Ignorierens. Besser
spät als nie.
THOMAS WE "Lightyears Ahead" 8 Black Balloon Records, 2003
Man kann es aber auch kompliziert
machen: Nicht nur, daß der Musik von WE das Prädikat "Cosmic
Biker Rock" verpaßt wird. Nein, dem Album "Lightyears Ahead" wird
im Booklet auch noch eine Science-Fiction-Story unter dem Titel "The Rise
And Fall Of Spaceport 22 Benfric. The Annals Of The Freakweb" zur Seite
gestellt. Solch ein Drumherum ist nicht selten ein Zeichen dafür,
daß die Musik vermutlich nicht ausreicht, um nachhaltig Eindruck
zu hinterlassen. Dabei ist bei diesen Norwegern das Gegenteil der Fall.
JUB UNDERTOW "34 CE" 8 Silverdust Rec./Soulfood, 2003
Zweifellos kann man sagen, daß
es zwei Arten von Bands gibt: die Bands, die es vormachen, und die Bands,
die es nachmachen. UNDERTOW befinden sich gerade auf dem Weg von zweiter
Kategorie in die erste. War ihr Werk "Unite" in meinen Ohren noch der langweilige
Versuch, Life Of Agony und Crowbar zu kopieren, haben sie auf "34 CE" schon
weitaus mehr zu bieten. Zum Ersten haben sie sich aus dem songschreiberischen
Korsett herausgewunden. Heuer müssen sie nicht mehr beweisen, wie
klasse sie Kirk Windstein und Co. nachspielen können. Dennoch klingt
die Musik schwer und alles andere als fröhlich. Auch in Sachen Melodieführung
haben UNDERTOW so einige kleine Perlen hervorgezaubert. "Captured", "BushIDo"
oder "Stand By", um nur drei zu nennen, nagen sich im Gehör fest.
Ob man es will oder nicht. Die Grooves kommen satt und die Instrumentierung
als solche mit frischen Ideen. "34 Ce" ist eine Platte, die ich von UNDERTOW
nicht unbedingt erwartet hätte. Nicht schlecht, Herr Specht.
THOMAS OLD WAINDS/NAV "We Are The North" 7 Miriquidi Prod./City Of The Dead Rec., 2004
Mit "We Are The North" handelt es
sich um eine Split-CD, die die EPs "Through The Chaos To Eternal Winter"
von OLD WAINDS und "Hymn To The Cold Silence" von NAV vereint. Und gemeinsam
haben diese beiden Bands einiges: Sie stammen aus Rußland, spielen
räudigsten Underground-Black Metal und beschwören die winterliche
Eiseskälte. Dabei gehen OLD WAINDS für meine Begriffe einen Tick
wilder zu Werke. Dafür sorgen vor allem die extremen Blast-Phasen
und der heisere, trotzdem kraftvolle Gesang. Die Gitarren sind gengretypisch
sehr spitz angelegt. Jeder Death Metal-Fan wird hier die Hände über
dem Kopf zusammenschlagen. Solchen Klampfen-Klang akzeptieren die Kollegen
aus der bleischweren Fraktion nicht einmal, wenn die Gitarren noch gar
nicht eingestöpselt sind. Zurück zu OLD WAINDS. Die Songs sind
äußerst simpel gestrickt. Ein Melodiefragment wird pro Song
endlos wiederholt, die Drums schlagen hölzerne Breaks dazu.
JUB MONSTER MAGNET "Monolithic Baby!" 8 Steamhammer/SPV, 2004
Beständigkeit ist selten geworden
im Musik-Business. Schnell wird einer Band das Festhalten an einer Stilrichtung
als Einfallslosigkeit ausgelegt oder mangelnde Innovation vorgeworfen.
Und das fast ausschließlich von Kritikastern der schreibenden Zunft,
die in ihrem Leben noch nie ein Lied schrieben und meist nicht einmal ein
Instrument halten können.
Jub |