ANGEL
DUST „Enlighten The Darkness“ 9
Century Media
Records/Magic Arts Publishing
„Let Me
Live“
Mit „Bleed“
lieferten ANGEL DUST 1999 bereits ein Album ab, das einen ob seiner bohrenden
Melodien geradezu in die Knie zwang. Diese Methode setzt sich auf „Enlighten
...“ fort. Also wollte man mit „Border Of Reality“ 1998 und dem Nachfolger
nicht etwa bloß mal gucken, wie’s nach all den Jahren läuft
- vielmehr haben Dirk Thurisch (voc), Bernd Aufermann (git, voc), Steven
Banx (key), Frank Banx (bg, voc) und Dirk Assmuth der Metal-Szene tatsächlich
eine neue Nuance hinzugefügt. Mit der kompromißlosen Thrash-Phase
aus den Mittachtzigern haben Angel Dust zwar nichts mehr zu tun, können
ihren Stilwandel zu kraftvollen Metal-Epen mit perfekten Melodien allerdings
jederzeit als ernst zu nehmende Weiterentwicklung verkaufen.
„Cross
Of Hatred“
Mit Thurisch
haben sich Angel Dust einen ganz großen Vokalisten an Land gezogen,
der den Stil der Band wesentlich mitbestimmt. Und er kann sogar melancholisch
klingen: Der kleine obligatorische Balladenblock mit „Beneath The Silence“
und „Still I’m Bleeding“ wirkt um einiges gelungener, als die schwülstigen
Versatzstücke auf „Bleed“. Die Band wächst also auch auf diesem
Gebiet.
„Enjoy!“
JUB
CEMETARY
1213 „The Beast Divine“ 8
Century Media
Records/Magic Arts Publishing
Cemetary -
Sundown - CEMETARY 1213. Das ist gleichbedeutend mit Death Metal/Gothic
- Industrial/Electronic - Gothic/Industrial/Thrash Metal. Und trotz dieser
mehr oder weniger unterschiedlichen Bandnamen sowie Stilrichtungen haben
wir es hier doch nur mit einem Typen zu tun: Mathias Lodmalm.
„Firewire“
Von den Schweden
Cemetary, die zwischen 1992 und 1997 fünf Alben veröffentlichten,
zu Sundown kam es angeblich, um einem bestehenden Plattenvertrag zu entkommen.
Offenbar war dieser Umstand eine willkommene Begründung für einen
radikalen Wechsel der musikalischen Marschrichtung, der sich besonders
in Sundowns zweiter Scheibe „Glimmer“ (99) manifestierte. Die erneute Änderung
des Namens soll sich nun ausschließlich aus Stilwandel-Ambitionen
vollzogen haben, verwundert aber insofern, als daß dem einstigen
Bandnamen lediglich eine Zahl angepappt wurde. Und die musikalischen Unterschiede
zu Cemetary scheinen weitaus größer zu sein, als die zu Sundown.
Verwirrend das Ganze? Die Abgründe des Musik-Geschäfts sind ebenso
unergründlich wie die sprichwörtlichen Gotteswege.
Aber, was
spielt das ganze Hin und Her überhaupt für eine Rolle, wenn so
ausgezeichnete Musik dabei herauskommt wie auf „The Beast Divine“.
„Silicon
Karma (It Just Can’t Stay The Same)“
Auf den Punkt
gebracht, dürften CEMETARY 1213 die Essenz aus dem Besten der beiden
Vorläufer-Kapellen sein. Man trifft auf „The Beast Divine“ ebenso
auf sanft anmutende Gothic-Melodien wie auf betörende Gitarrenbollwerke.
„Sunset
Grace (Let-Me-Die-Alone)“
JUB
PRIMORDIAL
„Spirit The Earth Aflame“ 9
Hammerheart
Records/Connected
„The Burning
Season“
Die typische
Metal-Meßlatte läßt sich bei PRIMORDIAL nicht anlegen.
Black Metal ist es zu keinem Moment. Auch Folk-Metal kann hier als Kategorie
nicht herangezogen werden. Da weben zum Beispiel Gitarren einen Klangteppich,
für den sonst eigentlich Keyboards zuständig sind, bewegt sich
der Gesang zwischen Gekeife und Bänkel-Barde, hat die Truppe trotz
musik-historischer Anleihen keinen Hang zu mittelalterlichen Weisen. Am
einfachsten macht man es sich, PRIMORDIAL diesen Viking/Pagan-Metal-Button
anzustecken, denn dieser Szenezweig ist musikalisch nicht so kompromißlos
abgesteckt, wie eben Black oder auch Death und Thrash Metal. Und was da
alles geht, zeigt unter anderem der Song ...
„The Cruel
Sea“
Wenn PRIMORDIAL
sich - wie eigentlich die meisten Bands - Kategorien verweigern, sind sie
eine der wenigen Bands, denen man dies zugestehen mag. Diese hymnischen,
schwermütigen, mystisch angehauchten Songs, die auch ohne verzerrte
Gitarre funktionieren würden, die bildhaft sind, so daß man
sie beinahe greifen möchte, sind fast einmalig.
„Children
Of The Harvest“
JUB
HATE
FOREST „Darkness“ 7
Miriquidi
Productions
Herrlicher
räudiger Black Metal wird uns auf der „Darkness“-EP von HATE FOREST
geboten. Die Ukrainer nennen das True Aryan Black Metal (wie auch Nocturnal
Mortum), haben damit aber nicht gleich eine neue Richtung erfunden. Diese
Art des Geschrotes gab es schon vor 15 Jahren, ist aber in den zurückliegenden
drei Jahren nach dem abklingen des Neo-Black-Metal-Booms ein wenig selten
geworden.
Die auf „Darkness“
enthaltenen Stücke stammen übrigens von dem Debüt-Tape
von HATE FOREST namens „Seythia“, das 1999 erschien.
"Seythia"
JUB
MYSTERIUM
„The Glowering Facades Of Night“ 3
Prophecy Productions
„Auf ihrem
Debüt-Album thematisieren Mysterium verschiedene, teilweise fiktive
Mysterien und Mythen. Stets im Vordergrund steht die Faszination für
das Unbekannte, Unerklärliche und Geheimnisvolle. Trotz der Weitläufigkeit
und Abstraktion der Themen bleibt immer ein starker, enger Bezug zu der
Wirkung und Wahrnehmung der einzelnen Figuren, die an der Geschichte teilhaben.
Die Musik projiziert nicht nur ein Bild des jeweiligen Mythos, sondern
drückt auch ohne lyrische Untermalung die beklemmende, traurige und
hoffnungslose Stimmung der im Text beschriebenen Figuren aus. So schwankt
die musikalische Umsetzung zwischen verträumten, beklemmenden und
hoffnungslosen, dramatischen und aggressiven Szenarien.“ (Label-Zitat)
Schau an, was man nicht alles aus einer stinknormalen Gothic-Mucke heraushören
kann. Bei Mysterium haben wir all das, was Durchschnitts-Fan erwartet:
Flöte, Frauen-Gesang, rauhe und cleane Männer-Stimme, ein paar
Akustik-Parts, ein Klimper-Klavier. Die Songs sind lang, die Ideen spärlich.
„Ceremony
Of The Nightfall“
JUB
ATARI
TEENAGE RIOT „Rage E.P.“ 5
DHR
Schwer zu sagen,
was das für Musik ist. Wer Ec8tor kennt, weiß, in welche Richtung
ATARI TEENAGE RIOT gehen: Das blanke Gebretter. Gitarren werden scheinbar
über gerade kurzschließende Verstärker gejagt, Effektgeräte
fallen vom Tisch und bersten unter einem elektronischen Blitzgewitter auseinander.
Manche nennen das Electro-Hardcore. Um unter Umständen Aufmerksamkeit
in einer Szene zu erregen, deren Gemeinde sich weniger mit elektronischen
Hyper-Blast-Beats anfreunden kann, mischt Rage Against The Machine-Gitarrist
Tom Morello bei dem Stück „Rage“ mit.
„Rage“
Warum Morello
dabei ist, bleibt unklar. Bei dem Song „Rage“ hätte vermutlich auch
der Milchmann die benötigten Riffs besorgen können. Bei „Too
Dead For Me“ wahrscheinlich auch. Allerdings geht es hier mehr zur Sache.
Das Ganze erinnert sehr an die kreative Hochzeit des Punk Mitte der 70er
Jahre, als jeder, der Bock hatte, irgendein Instrument massakrierte.
„Too Dead
For Me“
JUB
[vor]