An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 09. Januar 2001


ANGEL DUST „Enlighten The Darkness“ 9
Century Media Records/Magic Arts Publishing

Angel Dust - Enlighten The Darkness

„Let Me Live“
Mit „Bleed“ lieferten ANGEL DUST 1999 bereits ein Album ab, das einen ob seiner bohrenden Melodien geradezu in die Knie zwang. Diese Methode setzt sich auf „Enlighten ...“ fort. Also wollte man mit „Border Of Reality“ 1998 und dem Nachfolger nicht etwa bloß mal gucken, wie’s nach all den Jahren läuft - vielmehr haben Dirk Thurisch (voc), Bernd Aufermann (git, voc), Steven Banx (key), Frank Banx (bg, voc) und Dirk Assmuth der Metal-Szene tatsächlich eine neue Nuance hinzugefügt. Mit der kompromißlosen Thrash-Phase aus den Mittachtzigern haben Angel Dust zwar nichts mehr zu tun, können ihren Stilwandel zu kraftvollen Metal-Epen mit perfekten Melodien allerdings jederzeit als ernst zu nehmende Weiterentwicklung verkaufen.
„Cross Of Hatred“
Mit Thurisch haben sich Angel Dust einen ganz großen Vokalisten an Land gezogen, der den Stil der Band wesentlich mitbestimmt. Und er kann sogar melancholisch klingen: Der kleine obligatorische Balladenblock mit „Beneath The Silence“ und „Still I’m Bleeding“ wirkt um einiges gelungener, als die schwülstigen Versatzstücke auf „Bleed“. Die Band wächst also auch auf diesem Gebiet.
„Enjoy!“

JUB

CEMETARY 1213 „The Beast Divine“ 8
Century Media Records/Magic Arts Publishing

Cemetary 1213 - The Beast Divine

Cemetary - Sundown - CEMETARY 1213. Das ist gleichbedeutend mit Death Metal/Gothic - Industrial/Electronic - Gothic/Industrial/Thrash Metal. Und trotz dieser mehr oder weniger unterschiedlichen Bandnamen sowie Stilrichtungen haben wir es hier doch nur mit einem Typen zu tun: Mathias Lodmalm.
„Firewire“
Von den Schweden Cemetary, die zwischen 1992 und 1997 fünf Alben veröffentlichten, zu Sundown kam es angeblich, um einem bestehenden Plattenvertrag zu entkommen. Offenbar war dieser Umstand eine willkommene Begründung für einen radikalen Wechsel der musikalischen Marschrichtung, der sich besonders in Sundowns zweiter Scheibe „Glimmer“ (99) manifestierte. Die erneute Änderung des Namens soll sich nun ausschließlich aus Stilwandel-Ambitionen vollzogen haben, verwundert aber insofern, als daß dem einstigen Bandnamen lediglich eine Zahl angepappt wurde. Und die musikalischen Unterschiede zu Cemetary scheinen weitaus größer zu sein, als die zu Sundown.  Verwirrend das Ganze? Die Abgründe des Musik-Geschäfts sind ebenso unergründlich wie die sprichwörtlichen Gotteswege.
Aber, was spielt das ganze Hin und Her überhaupt für eine Rolle, wenn so ausgezeichnete Musik dabei herauskommt wie auf „The Beast Divine“.
„Silicon Karma (It Just Can’t Stay The Same)“
Auf den Punkt gebracht, dürften CEMETARY 1213 die Essenz aus dem Besten der beiden Vorläufer-Kapellen sein. Man trifft auf „The Beast Divine“ ebenso auf sanft anmutende Gothic-Melodien wie auf betörende Gitarrenbollwerke.
„Sunset Grace (Let-Me-Die-Alone)“

JUB

PRIMORDIAL „Spirit The Earth Aflame“ 9
Hammerheart Records/Connected

Primordial - Spirit The Earth Aflame

„The Burning Season“
Die typische Metal-Meßlatte läßt sich bei PRIMORDIAL nicht anlegen. Black Metal ist es zu keinem Moment. Auch Folk-Metal kann hier als Kategorie nicht herangezogen werden. Da weben zum Beispiel Gitarren einen Klangteppich, für den sonst eigentlich Keyboards zuständig sind, bewegt sich der Gesang zwischen Gekeife und Bänkel-Barde, hat die Truppe trotz musik-historischer Anleihen keinen Hang zu mittelalterlichen Weisen. Am einfachsten macht man es sich, PRIMORDIAL diesen Viking/Pagan-Metal-Button anzustecken, denn dieser Szenezweig ist musikalisch nicht so kompromißlos abgesteckt, wie eben Black oder auch Death und Thrash Metal. Und was da alles geht, zeigt unter anderem der Song ...
„The Cruel Sea“
Wenn PRIMORDIAL sich - wie eigentlich die meisten Bands - Kategorien verweigern, sind sie eine der wenigen Bands, denen man dies zugestehen mag. Diese hymnischen, schwermütigen, mystisch angehauchten Songs, die auch ohne verzerrte Gitarre funktionieren würden, die bildhaft sind, so daß man sie beinahe greifen möchte, sind fast einmalig.
„Children Of The Harvest“

JUB

HATE FOREST „Darkness“ 7
Miriquidi Productions

Hate Forest - Darkness

Herrlicher räudiger Black Metal wird uns auf der „Darkness“-EP von HATE FOREST geboten. Die Ukrainer nennen das True Aryan Black Metal (wie auch Nocturnal Mortum), haben damit aber nicht gleich eine neue Richtung erfunden. Diese Art des Geschrotes gab es schon vor 15 Jahren, ist aber in den zurückliegenden drei Jahren nach dem abklingen des Neo-Black-Metal-Booms ein wenig selten geworden. 
Die auf „Darkness“ enthaltenen Stücke stammen übrigens von dem  Debüt-Tape von HATE FOREST namens „Seythia“, das 1999 erschien.
"Seythia"

JUB

MYSTERIUM „The Glowering Facades Of Night“ 3
Prophecy Productions

Mysterium - The Glowering Facades Of Night

„Auf ihrem Debüt-Album thematisieren Mysterium verschiedene, teilweise fiktive Mysterien und Mythen. Stets im Vordergrund steht die Faszination für das Unbekannte, Unerklärliche und Geheimnisvolle. Trotz der Weitläufigkeit und Abstraktion der Themen bleibt immer ein starker, enger Bezug zu der Wirkung und Wahrnehmung der einzelnen Figuren, die an der Geschichte teilhaben. Die Musik projiziert nicht nur ein Bild des jeweiligen Mythos, sondern drückt auch ohne lyrische Untermalung die beklemmende, traurige und hoffnungslose Stimmung der im Text beschriebenen Figuren aus. So schwankt die musikalische Umsetzung zwischen verträumten, beklemmenden und hoffnungslosen, dramatischen und aggressiven Szenarien.“ (Label-Zitat) Schau an, was man nicht alles aus einer stinknormalen Gothic-Mucke heraushören kann. Bei Mysterium haben wir all das, was Durchschnitts-Fan erwartet: Flöte, Frauen-Gesang, rauhe und cleane Männer-Stimme, ein paar Akustik-Parts, ein Klimper-Klavier. Die Songs sind lang, die Ideen spärlich. 
„Ceremony Of The Nightfall“

JUB

ATARI TEENAGE RIOT „Rage E.P.“ 5
DHR 

Atari Teenage Riot - Rage E.P.

Schwer zu sagen, was das für Musik ist. Wer Ec8tor kennt, weiß, in welche Richtung ATARI TEENAGE RIOT gehen: Das blanke Gebretter. Gitarren werden scheinbar über gerade kurzschließende Verstärker gejagt, Effektgeräte fallen vom Tisch und bersten unter einem elektronischen Blitzgewitter auseinander. Manche nennen das Electro-Hardcore. Um unter Umständen Aufmerksamkeit in einer Szene zu erregen, deren Gemeinde sich weniger mit elektronischen Hyper-Blast-Beats anfreunden kann, mischt Rage Against The Machine-Gitarrist Tom Morello bei dem Stück „Rage“ mit.
„Rage“
Warum Morello dabei ist, bleibt unklar. Bei dem Song „Rage“ hätte vermutlich auch der Milchmann die benötigten Riffs besorgen können. Bei „Too Dead For Me“ wahrscheinlich auch. Allerdings geht es hier mehr zur Sache. Das Ganze erinnert sehr an die kreative Hochzeit des Punk Mitte der 70er Jahre, als jeder, der Bock hatte, irgendein Instrument massakrierte.
„Too Dead For Me“

JUB
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