An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

DREAMTIDE-Spezial  vom 09. März 2004


DREAMTIDE „Dreams For The Daring“ 10
Frontiers/Soulfood, 2003

DREAMTIDE - Dreams For The Daring

Die meisten Tonträger, die in der Neuzeit zur Veröffentlichung kommen, kann man getrost ignorieren. Viele andere sind nicht besonders gut, einige solide und wenige großartig. Und ganz selten tauchen Scheiben auf, die vielleicht nicht Euer Leben aber zumindest Eure Haltung zur Musik verändern. Dies hier ist solch eine CD.
Skepsis ist angebracht, denn in den unzähligen Fan- und Webzines werden fast wöchentlich unzählige "Meilensteine" angepriesen, die sich beim Anhören dann als Rohrkrepierer erweisen. Die Käufer des "Dreams For The Daring"-Vorgängers, "Here Comes The Flood", werden da vielleicht schon etwas wacher auf diese Ankündigung reagieren, denn "Here Comes ..." barg trotz einiger Schwächeanfälle bereits starkes Potential (siehe Abgehört vom 6. August 2002). Aber Musiker wie Helge Engelke, der schon Fair Warning dominierte, scheinen unerschöpfliche Quellen zu besitzen, die von Zeit zu Zeit überzusprudeln drohen, wenn sie keinen Kanal finden.
"Dreams For The Daring" ist ein Melodic Metal-Meisterwerk, dem ausschließlich Top-Songs inne wohnen. Die Melodien wirken sämtlichst ungehört, soll heißen, haben Harmonien, denen man nicht alle Nase lang bekannte Weisen zuordnen möchte. Ähnlich ist es um die vor Innovation (an dieser Stelle ist dieses viel zu oft mißbräuchlich verwandte Wort angebracht) strotzenden Gitarrenriffs bestellt. Sie sorgen von Song zu Song für Überraschungsmomente und treiben uns ein Lächeln der Freude ins Gesicht. Denn dieses Album hier macht Freude, Gänsehaut, Beine und wirbelt die eigene All-Time-Faves-Hitliste durcheinander.
Wenn der Opener "Dream Real" beginnt, geschieht dies sanft. Melodic-Fans, die es nun aber eher mit Sachen wie Prime Time oder Urban Tale halten, könnten von der plötzlich über sie kommenden Gitarren-Lawine vom Sessel gefegt werden. Also reißt den Regler erst auf, wen Ihr Euch auf das eingestellt habt, was da kommt. Denn bei DREAMTIDE ist selbst der Klampfen-Sound neu. Und trotz überbordender Wucht bleibt alles hochmelodiös und eingängig.
Wundert Euch schließlich nicht über die Alternative Mixes am Ende der Scheibe. Die sollten eigentlich als reguläre Versionen aufs Album, wurden von der Plattenfirma allerdings als zu modern empfunden. Bei "Eden" und "Live And Let Live" ist diese Haltung verwunderlich. "Land Without Justice" hat die Entschlackung allerdings gut getan.
"Dream Real"/"Live And Let Live"/"I'll Be Moving On"/"You Can't Burn My Heart"/"Eden"/"Dreams Are Free"/"Land Without Justice"

JUB

SURTURS LOHE "Wo einst Elfen tanzten" 8
Christhunt Productions, 2001

SURTURS LOHE - Wo einst Elfen tanzten

"Heimatverbundener Pagan Metal" tragen SURTURS LOHE auf ihrem Banner und sind damit Protagonisten einer Szene, die vor allem in Deutschland selbst innerhalb der Metal-Szene müde belächelt wird. Die einen verpassen allen Bands, die es wagen deutsch zu singen und dann noch obendrein das Wort "Heimat" im Munde führen, den Nazi-Paß (warum auch immer), andere sehen in diesen Kapellen ewig Gestrige, die nicht begriffen haben, daß wir in einer Zeit des voranstürmenden Fortschritts leben, in der Naturgeschwurbel und Heimatgeseier einfach keinen Platz mehr haben. Wir wollen schnell von Ort zu Ort: Also weg mit den Wäldern und ein graues Betonband hingebaut. Auch möchte jeder von all den Kuchen und Küchelchen, die sich da stündlich irgend welche Marketingstrategen ausdenken, soviel wie möglich abhaben. Denn wir brauchen doch all den Konsummüll, unbedingt.
Wer sich diesem Schwachsinn verweigert, ist doof. Wer dagegen vorgeht, saudoof oder Schlimmeres. Damit ist schon mal klar, wo Ihr SURTURS LOHE einordnen könnt.
Ich sage, Leute wie diese Thüringer sind unserer Zeit um Jahrhunderte voraus. Denn den Einklang des Menschen mit der Natur einzufordern, ist keine Marotte nostalgisch verbrämter Nationalisten, sondern die letzte Notwendigkeit zur Rettung der Menschheit. Man nehme nur ein Zitat des Sioux-Medizinmannes Tahca Ushte (John Fire Lame Deer), der in seiner Biographie klarstellte: "Will die westliche Welt überleben, muß sie von uns Indianern lernen, mit den Gaben der Schöpfung umzugehen." Und warum nicht hier in Deutschland einen Grundstein für die Zukunft legen.
Nun, ich will nicht zuviel in das Schaffen SURTURS LOHE legen, denn es geht doch immer noch vor allem um Musik. Und die ist vor allem spartanisch gestaltet. Immer im getragenen Tempo gehalten, dominieren Riffwiederholungen, die nicht nur Entspanntheit suggerieren, sondern diese tatsächlich auslösen. Hinzu kommen zahlreiche Folk-Elemente und stark hymnisch/episch angelegte Melodiebögen, denen zum Teil wirklich schöne Weisen inne wohnen.
"Wo einst Elfen tanzten" ist ein Höralbum, kein Stoff für Partys oder zum Bangen. Gut geeignet, um es bei Sonnenwendfeiern am Lagerfeuer laufen zu lassen. Oder, wenn man mit Gleichgesinnten beisammensitzt, die nicht nur zusammenkommen, um sich Scheiße labernd ins Koma zu saufen.
"Fichtenland Teil 2"/"Die Sage vom siebenten Herbst"

JUB

DOMAIN „The Sixth Dimension“ 8
Miriquidi Productions, 2003

DOMAIN - The Sixth Dimension

Erst machen sie zehn Jahre gar nichts, und jetzt scheinen sich DOMAIN gar auf ein Album pro Jahr einschießen zu wollen. Ob die Veteranen nicht wissen, daß das heutzutage nicht mehr üblich ist? Lücken überbrückt man doch wohl mit EPs, Remixen, Live-Alben. Jaja, auch in der Heavy Metal-Szene. Aber die deutschen Melodic Power-Metaller arbeiten nach alter Schule. Nicht nur, was das Zeitlimit betrifft, sondern auch musikalisch gesehen. Denn die Songs von "The Sixth Dimension" hätten so vermutlich auch auf einem Album des Jahres 1987 zu hören sein können. Vielleicht nicht ganz so geschliffen.
Dieses dritte DOMAIN-Album seit der Arbeitswiederaufnahme ist unbestritten das härteste. Auch wegen der starken Power-Schlagseite. Allerdings sind die Songs im Gegensatz zu einem Großteil auf den beiden Vorgängerscheiben bei weitem nicht so einschmeichelnd. Nicht Mitwippen ist das oberste Gebot, sondern verzücktes Lauschen ("World Gone Crazy" oder "Talk To The Wind" zum Beispiel). Natürlich gibt es auch den DOMAIN-typischen Singalong á la "One Million Lightyears From Home" und "Mystery Stone". Diesmal heißt das Stück "King's Tears". Und, hey, sogar balladiert wird auf diesem kraftvollen Album. Dabei macht die Band in "One Perfect Moment" eine mehr als nur passable Figur.
Jedoch hätte bei allem Anspruch dem ein oder anderen Song ein Hauch mehr Leichtigkeit gut getan. "Last Exit Moon" ist solch einer und wird vermutlich schnell zu jenen Stücken gehören, die man hin und wieder beim Genuß der CD überhört.
"Talk To The Wind"

JUB

DIE GASTREZENSION: Deddy, ehem. Moderator von INTERREGNUM

VISIONS OF ATLANTIS "Eternal Endless Infinity" 2
TTS Media Musik, 2002

VISIONS OF ATLANTIS - Eternal Endless Infinity

Visions Of Atlantis zu beurteilen, gleicht einem ungeliebten Mitarbeiter ein Arbeitszeugnis auszustellen. Es war ganz nett, daß er da war, noch besser  ist's, daß er geht. Will man ihm keinen Steine in den Weg legen, drückt man  sich vorsichtig aus. Wer zum Beispiel für die Belange seiner Kollegen Einfühlungsvermögen bewies, wollte nichts anderes als Sex am Arbeitsplatz. Klingt erst mal gut, ist für die zukünftige Tätigkeit als Hausmeister in einer Schwesternschule nicht optimal.
Die nette Beurteilung der CD könnte ungefähr so klingen: VISION OF ATLANTIS setzten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein, auf ihrem Debütalbum nach ernsthaftem Symphonic Bombast Metal zu klingen. (Nicht schon wieder unausgereiftes Bombastgedudel.) Die weibliche und die männliche Stimme bemühten sich um ausreichend Hingabe und Tongenauigkeit. (Sie hört sich an, als würde man bei ihr an den Knöppen spielen, er sollte sich bei Star Search bewerben.) Schon nach zwei von zehn Titeln hat man einen ausreichenden Überblick über das künstlerische und kreative Niveau dieser Band. (Das erklärt sich selbst.) Die kompositorischen Erfordernisse wurden ordnungsgemäß, den allgemein gültigen Regeln entsprechend, abgearbeitet. (Sie sind innovativ wie ein Legastheniker beim Zirkel schreibender Arbeiter.) In der Lyrik zeigten sie Interesse am Mythos Atlantis. (Genauso untergegangen sind die graugeschriebenen Texte auf dem Booklet.)
"Mermaid's Wintertale"

DEDDY

SUPREME MAJESTY „Danger“ 4
Massacre/Soulfood, 2003

SUPREME MAJESTY - Danger

Das ist die pure 80er-Jahre-Mucke. Neenee, nicht NWOBHM oder deutsches Kraftfutter. Ich denke da eher an Mr. Mister oder A-ha. Nur das SUPREME MAJESTY für popmusikalische Verhältnisse den Gitarren doch etwas zuviel Raum geben. Der Keyboard-Sound ist aber altbacken und klingt so, wie wir ihn schon vor 15 Jahren doof fanden. Hinzu kommt, daß dieser symphonische Melodic Metal der Schweden vom Schlage Stratovarius/Sonata Arctica nicht nur die weichgespülte Variante genannter Bands darstellt, sondern auch im songwriterischen Bereich recht mühevoll gestemmt klingt. Kann man hören, muß man aber nicht.
„Heroes Of Our Lands“

JUB

LAST TRIBE „The Uncrowned“ 7
Frontiers/Soulfood, 2003

LAST TRIBE - The Uncrowned

Hey, die Schweden mit den unschlagbaren Hits sind wieder am Start. LAST TRIBE hatten auf ihrem Debüt "The Ritual" (siehe Abgehört vom 9. Oktober 2001) unter anderem mit "Spellbound" und "Black Widow" 1-A-Ohrwürmer im Programm. Auch Album Nummer zwei, "Witch Dance" hate ein paar akurate Nummern anzubieten. Nun, und das ist natürlich auf "The Uncrowned" nicht anders. Allein der Opener "Healer" könnte in Melodic Metal-Carts wochenlang die Spitzenposition blockieren. Aber hallo, da sind auch wieder jene Schweden mit einem neuen Album auf dem Markt, die einfach kein durchgehend hochwertiges Produkt zustande bekommen. Auch diesmal gibt es Schwachpunkte, die man schon mal gern überhört (zum Beispiel "Sacrifice", "Otherworld"). Was auf jeden Fall gefällt, ist die arg hart wummernde Gitarre, die manchem Melodic-Fan ganz schön ans Nervengerüst gehen könnte. Auch sind LAST TRIBE um Abwechslung bemüht, die Magnus Karlsson hin und wieder mit seinen häufigen Solo-Eigenwilligkeiten zunichte macht. Ob man diese Gitarren-Künststücke in dieser Fülle braucht, liegt allerdings im Fokus des Betrachters.
„Healer“

JUB
[vor][zurück]