IRON SAVIOR „Condition Red“
10
Sanctuary/Noise, 2001
Keine Ahnung, wie Heavy Metal riecht.
Auch weiß ich nicht, wie er schmeckt. Wenn es aber jemanden geben
sollte, der nicht so recht weiß, wie Heavy Metal klingt, kann sich
die ultimative Lehrstunde mit IRON SAVIORs „Condition Red“ verschaffen.
Diese Scheibe ist so urwüchsig und obendrein so voller Ideen, als
hätte es hunderte (oder waren es tausende) andere Tonträger zwischen
1985 und 2002 nie gegeben. Selbst die Drag Queen der Szene, Rob Halford
- komischerweise von einigen immer noch als Metal God bezeichnet (was haben
wir gelacht) - hat diese Art der Musik schon zigmal tot gesagt. Aber der
Meinung waren Anfang der 90er viele. Hätte es die Wiederbelebung der
Szene nicht durch den Black und Death Metal-Underground gegeben, hätte
„Condition Red“ gut und gerne die Initialzündung für eine neue
Heavy Metal-Ära sein können. So ist sie zumindest ein echtes
Highlight innerhalb einer unüberschaubaren Veröffentlichungsflut.
Und das ist eine ganze Menge. Und um ganz sicher zu gehen: Wer es vor allem
mit frühen Judas Priest oder Accept zu „Metal Heart“- und „Balls To
The Wall“-Zeiten hält, wird bei IRON SAVIOR vor Rührung eine
Träne wegdrücken müssen. Übrigens gibt es auf „Condition
Red“ eine Cover-Version von „Crazy“ des überbelichteten Seal. Merkwürdig.
Hatten nicht erst Angel Dust auf ihrer letzten Scheibe ein Seal-Stück
gecovert (siehe Abgehört vom
22. Januar 2002)? Der Typ scheint sich zum metal-internen Kult-Neger
zu entwickeln.
So, und wenn Ihr Euch die CD um
den Sänger, Gitarristen und Produzenten Piet Sielck zugelegt habt,
könnt Ihr ja mal am Silberling lecken und am Booklet schnuppern. Vielleicht
gibt es ja doch die Möglichkeit, herauszubekommen, wie Heavy Metal
schmeckt und riecht.
„Ironbound“
JUB
KALMAH „They Will Return“
9
Century Media/Ranka Publishing,
2002
Stimmt, der Vergleich des Labels
mit Children Of Bodom ist gar nicht so weit hergeholt. Und doch sind KALMAH
weit mehr als nur eine weitere Band, die mal eben Death Metal mit hübschen
Melodien verquickt. Denn bei diesen Finnen bekommen wir genau das Quentchen
Besonderheit, was so vielen ihrer musizierenden Landsleute zu eigen ist:
Melancholie. KALMAHs Melodien scheinen bei allem Tempo, bei aller Aggressivität
und bei all dem zeitweiligen Bombast unter Tränen geschrieben. Das
ist an manchen Stellen so eindringlich, daß man den betreffenden
Song immer und immer wieder hören möchte (zum Beispiel „Kill
The Idealist“, „My Nation“). Aber keine Angst, hier gibt es kein gequirltes
Gothic-Gewimmer. KALMAH - einst als Ancestor als reine Death Metal-Band
unterwegs - packen zu. Gitarren werden als das behandelt, was sie sind:
Bretter, die man splittern lassen sollte.
Mit dem Megadeth-Cover „Skin O’
My Teeth“ führen uns KALMAH überdeutlich vor Augen, wie extrem
unterschiedlich die Auffassung von Heavy Metal sein kann. Denn, obwohl
das Megadeth-Stück wirklich Klasse ist, will es so gar nicht auf diese
CD passen. Und für Musik-Historiker ist in „My Nation“ noch ein klassisches
Cream-Riff versteckt. Viel Spaß beim Ermitteln.
„Principle Hero“
JUB
ANGRA "Hunters And Prey"
3
Steamhammer/SPV, 2002
ANGRA sind zurück und erfreuen
einmal mehr die Gemüter derer, die bei butterweichem Melodic Metal
Herzklopfen bekommen. Doch vorher gilt es noch die, für ANGRA-Verhältnisse,
gnadenlose Abrißbirne in Form von "Live And Learn" tapfer zu überstehen.
Dann endlich lassen es sich die Brasilianer gut gehen und lehnen sich zurück,
machen es sich gemütlich und kuscheln fast schon stürmisch bei
"Bleeding Heart" miteinander. Hach, wie sie jauchzen und frohlocken, als
im allgemeinen Trubel der neckischen Turteleien der fünf Freunde vom
Boxenturm eine Handtasche purzelt und deren Inhalt - ein Kajalstift, eine
Packung Tempos, Lippenpflege und Kippen - über den Boden kullert.
Nein, sie haben nichts verlernt,
die feschen Knaben. Nach wie vor sind sie unschlagbar darin, Songs zu schreiben,
die problemlos beim Sender Ostseewelle laufen können und sich dennoch
als Metal-Band zu verkaufen. Auch der etwas rhythmisch wildere Titelsong
weiß mit einem Homosexualitätsfaktor von mindestens sieben von
zehn aufzuwarten. Danach schließen sich wieder Songs an, die sich
hervorragend dazu eignen, eine Szenerie von Heckliebe praktizierenden Schuljungen
zu untermalen. "Eyes Of Christ" zum Beispiel ist "cool": Der gesellschaftskritische
Zeigefinger kreist auf Hochtouren im Text des Liedes und endet mit: "Please
beg for a miracle" (Bitte bete für ein Wunder). Großartig, die
Welt reißt langsam die Hufen hoch und die fromme, "macht Euch die
Erde zu Untertan"-predigende Christenmeute flennt auf Knien und wartet
auf ein Wunder. That´s Metal! Zwei Akustik- , ähm, "Nummern"
("Rebirth", Heroes Of Sand"), ein Genesis-Cover von "Mama" (stellt Euch
mal vor, Impaled Nazarene würden so ein Stück covern) sowie der
Titelsong nochmal in Portugisisch gesungen, komplettieren das Mini-Album.
Als Bonus gibt es einen Videoclip von "Rebirth".
Für ANGRA-Fans sicher essentiell,
allerdings hätte ich mich bei Nichterscheinen der CD sicher auch nicht
unbedingt schwarz geärgert.
"Bleeding Heart"
THOMAS
VANDEN PLAS „Beyond Daylight“
10
Inside Out/SPV, 2002
Beim Prog Metal werden vermutlich
den wenigsten als erstes deutsche Bands einfallen. Die Teutonen stehen
dann doch eher für Mitsing-Refrains und straighten Bang-Stoff. Dabei
haben wir doch in unseren Breitengraden mit VANDEN PLAS eine Band zu laufen,
die es nahezu im Vorbeigehen mal eben mit sämtlichen Größen
des Prog Metal-Genres aufnehmen kann. Ganz aktuell fallen mir da Symphony
X ein (siehe Abgehört vom 25.
Juni 2002). Diese Amis sind definitiv eine Festung. Allerdings ragen
VANDEN PLAS’ Türme wenigsten genauso machtvoll in den Himmel wie bei
Symphony X. Und, was soll ich sagen - bei allen Arrangement-Zaubereien,
bei den absolut beeindruckenden Einzelleistungen der Musiker - VANDEN PLAS
sind unglaublich eingängig. Die Kaiserslauterner belassen harmonische
Melodie-Folgen wie sie sind, schrauben nicht um der „Kunst“ willen Tonkonstruktionen
ein, die am Ende alles zwar wahnsinnig kompliziert erscheinen lassen, dann
doch aber wieder nur für einen kleinen Hörerkreis zu erschließen
sind. Um nicht falsch verstanden zu werden: „Beyond Daylight“ ist ein geradezu
klassisches Prog Metal-Album, und trotzdem wird es für Melodic oder
Power Metal-Bevorzuger ebenso konsumierbar sein. Selbst Anhängern
der ruppigeren Metal-Spielarten sei diese Scheibe sehr empfohlen, kreieren
VANDEN PLAS doch nicht nur faszinierende Melodien, sondern erlauben sich
durchaus dem Status einer Heavy Metal Band gerecht zu werden. Hammer-Album.
„Phoenix“
JUB
ROSE TATTOO „Pain“ 7
Steamhammer/SPV, 2002
Darauf haben garantiert unzählige
Heavy Metal-Fans gewartet: ein ROSE TATTOO-Album mit nagelneuem Studio-Material.
Und wie in einigen Magazinen zu lesen gewesen sein soll (ich hörte
es), hat man diese Scheibe abgefeiert, wie eine Offenbarung. Ist sie aber
nicht. Das soll nicht heißen, daß die Zutaten im Großen
und Ganzen nicht stimmen würden: Ein bißchen Aerosmith der 70er,
ein bißchen AC-DC, hier eine Prise Rhythm & Blues, dort ein Touch
Country, etwas Punk. Die Rotzigkeit alter Tage wird zwar nicht ganz erreicht,
ist aber zu erahnen, Pete Wells beglückt uns immer noch mit einem
herrlichen Slide-Gitarren-Spiel und Angry Anderson ... Halt. Genau an dieser
Stelle stimmt es nicht mehr. Was hat der kleine häßliche Glatzkopf
einst gereiert. Jedes Lied klang wie nach einer Nacht voll Whiskey, Kokain,
Chicks und geschwungener Fäuste eingesungen. Diesmal hört man
deutlich, daß sich olle Angry zwischendurch in einem Hotel-Bett ausruhen
konnte. Das ist natürlich nicht schlecht, denn der Mann kann ja singen.
Allerdings ist das auch nicht ganz ROSE TATTOO. Schade eigentlich. Nichtsdestotrotz
macht „Pain“ Laune und ist für fröhliche Momente und Partys goldrichtig.
„Heat Of The Moment“
JUB
DREAM EVIL „Dragon Slayer“
10
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Noch so eine Produzenten-Band. Hier
hat der schwedische Regler-Verschieber Fredrik Nordström unter dem
DREAM EVIL-Banner ein paar beachtliche Musiker versammelt. Besonders heraus
ragt Sänger Niklas Istfeldt, der Nordström als Background-Shouter
bei der Aufnahme einiger Hammerfall-Sachen aufgefallen sein soll. Und angesichts
der Stimmengewalt von Niklas, der Joakim Cans von Hammerfall schon durchs
Telefon locker an die Wand singt, ist es einmal mehr verwunderlich, welche
merkwürdigen Wege dieses Musik-Business doch manchmal geht. Aber nicht
mosern, denn Niklas Istfeldt hat jetzt einen angemessenen Platz in einer
Band, die um Längen besser ist als Hammerfall. Das beginnt bei der
wirklich vorzüglichen Gitarrenarbeit, die immer einen gut gemeinten
Hang zum Thrash aufweist. Trotzdem haben wir es hier ganz eindeutig mit
powervollem Heavy Metal zu tun, der sich in Melodien förmlich aalt.
Für die Ewigkeit sind „Chasing The Dragon“, „The Prophecy“ und natürlich
„Heavy Metal In The Night“ sowie „H.M.J.“, was "Heavy Metal Jesus" heißt.
Und schließlich dürft Ihr bei „The Chosen Ones“ auf die Knie
fallen und ungläubig „dreamevil-dreamevil“ stammeln. Dies ist eine
der Scheiben, wie man sie ständig erhofft aber kaum noch erwartet.
„The Prophecy“/„Chasing The Dragon“/„The
Chosen Ones"
JUB
FALCONER „Chapters From A
Vale Forlorn“ 7
Metal Blade, 2002
Mithotyn sind noch nicht einmal richtig
Vergangenheit, da belebt Stefan Weinerhall - Protagonist genannter Schweden
- die Szene bereits wieder mit einer neuen Band. FALCONER heißt diese
und bietet eine Mischung aus Heavy Metal und Folk. Weinerhall beschränkt
sich aber nicht darauf, ganz platt eine 80er-Jahre-Retro-Mucke abzuliefern,
sondern verpaßt dem Ganzen eine eigene Färbung. Da schimmern
die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre mit Mithotyn schon durch.
In einem Billing mit typischen Viking Metal-Bands würden FALCONER
deshalb auch überhaupt nicht rausbrechen.
Der Gesang ist zwar durchgehend
clean, aber nicht typisch truemetallisch, die Stimme liegt eher in dem
Bereich von Irish Folk-Bands, nur nicht so versoffen. Wenn es hymnisch
wird bei FALCONER, muß man auch zu keiner Zeit kitschige Chöre
auf Kinderlied-Melodien fürchten. Die „Chapter From A Vale Forlorn“
hat dann doch eher schwermütige Weisen zu bieten. Songs wie „We Sold
Our Homesteads“ haben dann gar etwas von Moritaten, die in simplem Singsang
gehalten einst mit einem Zeigestock an Schautafeln vorgetragen wurden.
Manchmal hat man allerdings das
Gefühl, FALCONER würden etwas zu zurückhaltend agieren.
„The Clarion Call“ ist eindeutig dem Konzept der Band unterworfen und wurde
in Fesseln gelegt, um an jeder Stelle wirklich schön nett zu klingen.
Und bei „Portals Of Light“ sagt vermutlich sogar Mutti „Oh Jung, was hast
Du da für hübsche Musik an“.
Im schlimmsten Fall könnte
sich zum Ende der CD Langeweile einstellen, denn Musik ohne Ecken und Kanten
- wie in diesem Fall - muß einfach etwas abwechslungsreicher gestaltet
werden, um 40 Minuten auf dem gleichen Level zu beeindrucken.
„Stand In Veneration“
JUB
RED AIM „Flesh For Fantasy“
10
Metal Blade, 2002
„Aroma“
Daß man aus der sogenannten
Stoner Rock-Ecke doch tatsächlich noch dermaßen überrascht
werden kann, ist schon beachtlich. Erst recht, wenn es auch wie im Falle
von RED AIM heißt, man orientiere sich an Black Sabbath oder Kyuss.
Mit solchen Vergleichen wird die Scheibe „Flesh For Fantasy“ aber schmerzlich
unter Wert verkauft, denn RED AIM wildern ebenso im 70er-Glam Rock, wie
es Bezüge zu den frühen Metal-Formationen jenes Jahrzehnts, Bloodrock
oder Grand Funk Railroad, gibt. Besonders Sänger Dr. Don Rogers prägt
die Musik seiner Band nachhaltig. Mal klingt er wie eine Mischung aus Glen
Danzig und Chris Isaak , dann wiederum - beim Scorpions-Cover „Rock You
Like A Hurricane“ - nach einem tiefer gelegten Blackie Lawless. Und die
Falsett-Uriah-Heep-Chöre hätte Rogers sicher auch bereichert.
Textlich gibt es ganz schwere Kost,
so im Stile „Steck Deinen Finger in Deine Rosette bis Du das Licht siehst“.
Unter dieser Überschrift sind Titelzeilen wie „Kneel Down And Blow
For Forgiveness“ oder „Aprilfuckers“ nur all zu logisch.
Und während man auf den meisten
CDs endlos lange auf einen Hiddentrack wartet, den man sich hätte
durchaus sparen können, markiert das versteckte Lied von RED AIM einen
echten Höhepunkt.
„Hidden Track“/„Rock You Like
A Hurricane“
Und weil es sich bei dieser Band
um eine deutsche handelt, gibt es einen Bonus-Punkt.
JUB
JUSTICE "The Hammer
Of Justice" 7
Common Ground Media/Alive, 2002
Eine starke aber auch ungewöhnliche
Platte haben die Franken von JUSTICE da eingespielt. Stark deswegen, weil
der Mix aus Death Metal und Thrash funktioniert. Glasklar drücken
Klampfen und Rhythmusfraktion aus den Boxen. Gibt es Songs, komponiert
und gespielt mit größter Fingerfertigkeit. Und einen Sänger,
der nicht nur wie Luzifers Nachbar klingen kann, sondern auch mit klaren
und melodischen Gesängen jongliert, als sei das ganz einfach. Ungewöhnlich
deshalb, weil ich aller Güte der Musik zum Trotze häufig das
Gefühl hatte, andere Bands zitatweise rausgehört zu haben, ohne
daß es wie absichtliches Klauen aber auch nicht nach zufälliger
Ähnlichkeit klingt. "Highshool Death" verbreitet ganz klar Six Feet
Under-Vibes, der Refrain von "That´s The Living In Me" läßt
in mir den Gedanken an Bathorys "Gods Of Thunder Of Wind And Of Rain" routieren
u.s.w. aber das kann damit zusammenhängen, daß sich im Frankenlande
eine Coverband umhertreiben soll, welche auch JUSTICE heißt und alles
quer durch den Gemüsegarten covert, was mit Metal zu tun hat. Die
Logos der Bands ähneln sich frappierend ... Wie dem auch sei, eine
unterhaltsame Platte ist "The Hammer Of Justice" definitiv.
"That´s The Living In Me"
THOMAS
DOMINE "Stormbringer Ruler
(The Legend Of The Power Supreme)" 6
Dragonheart/Audioglobe/SPV, 2001
In Italien schon eine große
Nummer sind DOMINE, und das kann ihnen bei uns schonmal als nachteilhaft
ausgelegt werden. Wir erinnern uns nur mal an Mesmerize, Labyrinth und
Konsorten. Aber DOMINE sind irgendwo in der Grauzone zwischen gut (frühe
White Skull) und böse (oben genannte Bands) anzusiedeln. Heißt,
daß Songs mit rosa Homo-Keyboard und billigem Odin/Walhalla-Schwulst
(wobei sich "billig" auf die Umsetzung, nicht auf das Thema bezieht) sich
mit Metal-Hymnen reinsten Wassers, gespielt mit Gefühl für die
Sache, die Waage halten. Sänger Morby kann die Songs retten und zerstören
beidermaßen gut. Diese Platte ist ein metallisches Wechselbad der
Gefühle und zu sechzig Prozent empfehlenswert. Macht sechs Punkte.
"The Fall Of The Spiral Tower"
THOMAS
PRETTY MAIDS „Planet Panic“
9
Massacre Rec, 2002
Denk ich an die PRETTY MAIDS in den
80ern, kann ich mir ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Allein „Schicke
Mädels“ zu heißen, war schon Klasse. Dann aber noch diese beknackten
Band-Photos, die vor Krampf Töne von sich gaben. Da wollten ein paar
kühle Skandinavier uns doch tatsächlich den heißen Glam
Rocker machen und waren dabei einfach nur peinliche Witzfiguren. Naja,
und der in meinen Ohren damals eher müde Melodic Metal konnte auch
nichts reißen.
Wen wundert’s, daß ich seit
damals nichts mehr von der Band vernommen habe. Wozu auch? Dabei produzierten
die Dänen fleißig eine Platte nach der anderen. Mittlerweile
kommen sie mit „Planet Panic“ auf 15 Teile.
Nun, und PRETTY MAIDS sind anno
2002 alles andere als mißratene Tunten. Das Back-Cover zeigt vier
toughe und zum Teil sonnenbebrillte Finsterlinge in derber Lederkluft,
und die Musik der Scheibe läßt sich zwar weiterhin als Melodic
Metal an, besitzt aber einen sehr hohen Power-Anteil. Schon der Opener
„Virtual Brutality“ gibt die Marschrichtung vor: Satte Melodien und deftige
Gitarren-Walzen treffen auf modernen Elektronik-Firlefanz. Letzterer wird
aber dermaßen sparsam eingesetzt, daß er eindeutig als Stilmittel
erkennbar ist und die PRETTY MAIDS-Musik bereichert. Von Anbiederung an
Trends keine Spur.
Während die einzelnen Stücke
sich ob ihrer gängigen Gestaltung schnell ins Melodien-Merkzentrum
vorarbeiten, bleibt die Scheibe wegen ihres Abwechslungsreichtums äußerst
haltbar. Vom düster dramatischen „Face Of My Enemy“ über die
Ballade „Natural High“ bis zum Speed-Kracher „Who’s Gonna Change“ ist auf
„Planet Panic“ nämlich eine Menge los. Und - glaubt es einfach - wer
diese Art von Musik mag, wird hier keine Füller finden.
„Face Of My Enemy“
JUB
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