An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

WACKEN-VORBEREITUNG vom 09. Juli 2002

 

IRON SAVIOR „Condition Red“ 10
Sanctuary/Noise, 2001

Iron Savior - Condition Red

Keine Ahnung, wie Heavy Metal riecht. Auch weiß ich nicht, wie er schmeckt. Wenn es aber jemanden geben sollte, der nicht so recht weiß, wie Heavy Metal klingt, kann sich die ultimative Lehrstunde mit IRON SAVIORs „Condition Red“ verschaffen. Diese Scheibe ist so urwüchsig und obendrein so voller Ideen, als hätte es hunderte (oder waren es tausende) andere Tonträger zwischen 1985 und 2002 nie gegeben. Selbst die Drag Queen der Szene, Rob Halford - komischerweise von einigen immer noch als Metal God bezeichnet (was haben wir gelacht) - hat diese Art der Musik schon zigmal tot gesagt. Aber der Meinung waren Anfang der 90er viele. Hätte es die Wiederbelebung der Szene nicht durch den Black und Death Metal-Underground gegeben, hätte „Condition Red“ gut und gerne die Initialzündung für eine neue Heavy Metal-Ära sein können. So ist sie zumindest ein echtes Highlight innerhalb einer unüberschaubaren Veröffentlichungsflut. Und das ist eine ganze Menge. Und um ganz sicher zu gehen: Wer es vor allem mit frühen Judas Priest oder Accept zu „Metal Heart“- und „Balls To The Wall“-Zeiten hält, wird bei IRON SAVIOR vor Rührung eine Träne wegdrücken müssen. Übrigens gibt es auf „Condition Red“ eine Cover-Version von „Crazy“ des überbelichteten Seal. Merkwürdig. Hatten nicht erst Angel Dust auf ihrer letzten Scheibe ein Seal-Stück gecovert (siehe Abgehört vom 22. Januar 2002)? Der Typ scheint sich zum metal-internen Kult-Neger zu entwickeln.
So, und wenn Ihr Euch die CD um den Sänger, Gitarristen und Produzenten Piet Sielck zugelegt habt, könnt Ihr ja mal am Silberling lecken und am Booklet schnuppern. Vielleicht gibt es ja doch die Möglichkeit, herauszubekommen, wie Heavy Metal schmeckt und riecht.
„Ironbound“ 

JUB

KALMAH „They Will Return“ 9
Century Media/Ranka Publishing, 2002

Kalmah - They Will Return

Stimmt, der Vergleich des Labels mit Children Of Bodom ist gar nicht so weit hergeholt. Und doch sind KALMAH weit mehr als nur eine weitere Band, die mal eben Death Metal mit hübschen Melodien verquickt. Denn bei diesen Finnen bekommen wir genau das Quentchen Besonderheit, was so vielen ihrer musizierenden Landsleute zu eigen ist: Melancholie. KALMAHs Melodien scheinen bei allem Tempo, bei aller Aggressivität und bei all dem zeitweiligen Bombast unter Tränen geschrieben. Das ist an manchen Stellen so eindringlich, daß man den betreffenden Song immer und immer wieder hören möchte (zum Beispiel „Kill The Idealist“, „My Nation“). Aber keine Angst, hier gibt es kein gequirltes Gothic-Gewimmer. KALMAH - einst als Ancestor als reine Death Metal-Band unterwegs - packen zu. Gitarren werden als das behandelt, was sie sind: Bretter, die man splittern lassen sollte.
Mit dem Megadeth-Cover „Skin O’ My Teeth“ führen uns KALMAH überdeutlich vor Augen, wie extrem unterschiedlich die Auffassung von Heavy Metal sein kann. Denn, obwohl das Megadeth-Stück wirklich Klasse ist, will es so gar nicht auf diese CD passen. Und für Musik-Historiker ist in „My Nation“ noch ein klassisches Cream-Riff versteckt. Viel Spaß beim Ermitteln.
„Principle Hero“

JUB

ANGRA "Hunters And Prey" 3
Steamhammer/SPV, 2002

Angra - Hunters And Prey

ANGRA sind zurück und erfreuen einmal mehr die Gemüter derer, die bei butterweichem Melodic Metal Herzklopfen bekommen. Doch vorher gilt es noch die, für ANGRA-Verhältnisse, gnadenlose Abrißbirne in Form von "Live And Learn" tapfer zu überstehen. Dann endlich lassen es sich die Brasilianer gut gehen und lehnen sich zurück, machen es sich gemütlich und kuscheln fast schon stürmisch bei "Bleeding Heart" miteinander. Hach, wie sie jauchzen und frohlocken, als im allgemeinen Trubel der neckischen Turteleien der fünf Freunde vom Boxenturm eine Handtasche purzelt und deren Inhalt - ein Kajalstift, eine Packung Tempos, Lippenpflege und Kippen - über den Boden kullert.
Nein, sie haben nichts verlernt, die feschen Knaben. Nach wie vor sind sie unschlagbar darin, Songs zu schreiben, die problemlos beim Sender Ostseewelle laufen können und sich dennoch als Metal-Band zu verkaufen. Auch der etwas rhythmisch wildere Titelsong weiß mit einem Homosexualitätsfaktor von mindestens sieben von zehn aufzuwarten. Danach schließen sich wieder Songs an, die sich hervorragend dazu eignen, eine Szenerie von Heckliebe praktizierenden Schuljungen zu untermalen. "Eyes Of Christ" zum Beispiel ist "cool":  Der gesellschaftskritische Zeigefinger kreist auf Hochtouren im Text des Liedes und endet mit: "Please beg for a miracle" (Bitte bete für ein Wunder). Großartig, die Welt reißt langsam die Hufen hoch und die fromme, "macht Euch die Erde zu Untertan"-predigende Christenmeute flennt auf Knien und wartet auf ein Wunder. That´s Metal! Zwei Akustik- , ähm, "Nummern" ("Rebirth", Heroes Of Sand"), ein Genesis-Cover von "Mama" (stellt Euch mal vor, Impaled Nazarene würden so ein Stück covern) sowie der Titelsong nochmal in Portugisisch gesungen, komplettieren das Mini-Album. Als Bonus gibt es einen Videoclip von "Rebirth".
Für ANGRA-Fans sicher essentiell, allerdings hätte ich mich bei Nichterscheinen der CD sicher auch nicht unbedingt schwarz geärgert.
"Bleeding Heart"

THOMAS

VANDEN PLAS „Beyond Daylight“ 10
Inside Out/SPV, 2002

Vanden Plas - Beyond Daylight

Beim Prog Metal werden vermutlich den wenigsten als erstes deutsche Bands einfallen. Die Teutonen stehen dann doch eher für Mitsing-Refrains und straighten Bang-Stoff. Dabei haben wir doch in unseren Breitengraden mit VANDEN PLAS eine Band zu laufen, die es nahezu im Vorbeigehen mal eben mit sämtlichen Größen des Prog Metal-Genres aufnehmen kann. Ganz aktuell fallen mir da Symphony X ein (siehe Abgehört vom 25. Juni 2002). Diese Amis sind definitiv eine Festung. Allerdings ragen VANDEN PLAS’ Türme wenigsten genauso machtvoll in den Himmel wie bei Symphony X. Und, was soll ich sagen - bei allen Arrangement-Zaubereien, bei den absolut beeindruckenden Einzelleistungen der Musiker - VANDEN PLAS sind unglaublich eingängig. Die Kaiserslauterner belassen harmonische Melodie-Folgen wie sie sind, schrauben nicht um der „Kunst“ willen Tonkonstruktionen ein, die am Ende alles zwar wahnsinnig kompliziert erscheinen lassen, dann doch aber wieder nur für einen kleinen Hörerkreis zu erschließen sind. Um nicht falsch verstanden zu werden: „Beyond Daylight“ ist ein geradezu klassisches Prog Metal-Album, und trotzdem wird es für Melodic oder Power Metal-Bevorzuger ebenso konsumierbar sein. Selbst Anhängern der ruppigeren Metal-Spielarten sei diese Scheibe sehr empfohlen, kreieren VANDEN PLAS doch nicht nur faszinierende Melodien, sondern erlauben sich durchaus dem Status einer Heavy Metal Band gerecht zu werden. Hammer-Album.
„Phoenix“

JUB

ROSE TATTOO „Pain“ 7
Steamhammer/SPV, 2002

Rose Tattoo - Pain

Darauf haben garantiert unzählige Heavy Metal-Fans gewartet: ein ROSE TATTOO-Album mit nagelneuem Studio-Material. Und wie in einigen Magazinen zu lesen gewesen sein soll (ich hörte es), hat man diese Scheibe abgefeiert, wie eine Offenbarung. Ist sie aber nicht. Das soll nicht heißen, daß die Zutaten im Großen und Ganzen nicht stimmen würden: Ein bißchen Aerosmith der 70er, ein bißchen AC-DC, hier eine Prise Rhythm & Blues, dort ein Touch Country, etwas Punk. Die Rotzigkeit alter Tage wird zwar nicht ganz erreicht, ist aber zu erahnen, Pete Wells beglückt uns immer noch mit einem herrlichen Slide-Gitarren-Spiel und Angry Anderson ... Halt. Genau an dieser Stelle stimmt es nicht mehr. Was hat der kleine häßliche Glatzkopf einst gereiert. Jedes Lied klang wie nach einer Nacht voll Whiskey, Kokain, Chicks und geschwungener Fäuste eingesungen. Diesmal hört man deutlich, daß sich olle Angry zwischendurch in einem Hotel-Bett ausruhen konnte. Das ist natürlich nicht schlecht, denn der Mann kann ja singen. Allerdings ist das auch nicht ganz ROSE TATTOO. Schade eigentlich. Nichtsdestotrotz macht „Pain“ Laune und ist für fröhliche Momente und Partys goldrichtig.
„Heat Of The Moment“

JUB

DREAM EVIL „Dragon Slayer“ 10
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Dream Evil - Dragon Slayer

Noch so eine Produzenten-Band. Hier hat der schwedische Regler-Verschieber Fredrik Nordström unter dem DREAM EVIL-Banner ein paar beachtliche Musiker versammelt. Besonders heraus ragt Sänger Niklas Istfeldt, der Nordström als Background-Shouter bei der Aufnahme einiger Hammerfall-Sachen aufgefallen sein soll. Und angesichts der Stimmengewalt von Niklas, der Joakim Cans von Hammerfall schon durchs Telefon locker an die Wand singt, ist es einmal mehr verwunderlich, welche merkwürdigen Wege dieses Musik-Business doch manchmal geht. Aber nicht mosern, denn Niklas Istfeldt hat jetzt einen angemessenen Platz in einer Band, die um Längen besser ist als Hammerfall. Das beginnt bei der wirklich vorzüglichen Gitarrenarbeit, die immer einen gut gemeinten Hang zum Thrash aufweist. Trotzdem haben wir es hier ganz eindeutig mit powervollem Heavy Metal zu tun, der sich in Melodien förmlich aalt. Für die Ewigkeit sind „Chasing The Dragon“, „The Prophecy“ und natürlich „Heavy Metal In The Night“ sowie „H.M.J.“, was "Heavy Metal Jesus" heißt. Und schließlich dürft Ihr bei „The Chosen Ones“ auf die Knie fallen und ungläubig „dreamevil-dreamevil“ stammeln. Dies ist eine der Scheiben, wie man sie ständig erhofft aber kaum noch erwartet.
„The Prophecy“/„Chasing The Dragon“/„The Chosen Ones"

JUB

FALCONER „Chapters From A Vale Forlorn“ 7
Metal Blade, 2002

Falconer - Chapters From A Vale Forlorn

Mithotyn sind noch nicht einmal richtig Vergangenheit, da belebt Stefan Weinerhall - Protagonist genannter Schweden - die Szene bereits wieder mit einer neuen Band. FALCONER heißt diese und bietet eine Mischung aus Heavy Metal und Folk. Weinerhall beschränkt sich aber nicht darauf, ganz platt eine 80er-Jahre-Retro-Mucke abzuliefern, sondern verpaßt dem Ganzen eine eigene Färbung. Da schimmern die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre mit Mithotyn schon durch. In einem Billing mit typischen Viking Metal-Bands würden FALCONER deshalb auch überhaupt nicht rausbrechen.
Der Gesang ist zwar durchgehend clean, aber nicht typisch truemetallisch, die Stimme liegt eher in dem Bereich von Irish Folk-Bands, nur nicht so versoffen. Wenn es hymnisch wird bei FALCONER, muß man auch zu keiner Zeit kitschige Chöre auf Kinderlied-Melodien fürchten. Die „Chapter From A Vale Forlorn“ hat dann doch eher schwermütige Weisen zu bieten. Songs wie „We Sold Our Homesteads“ haben dann gar etwas von Moritaten, die in simplem Singsang gehalten einst mit einem Zeigestock an Schautafeln vorgetragen wurden.
Manchmal hat man allerdings das Gefühl, FALCONER würden etwas zu zurückhaltend agieren. „The Clarion Call“ ist eindeutig dem Konzept der Band unterworfen und wurde in Fesseln gelegt, um an jeder Stelle wirklich schön nett zu klingen. Und bei „Portals Of Light“ sagt vermutlich sogar Mutti „Oh Jung, was hast Du da für hübsche Musik an“. 
Im schlimmsten Fall könnte sich zum Ende der CD Langeweile einstellen, denn Musik ohne Ecken und Kanten - wie in diesem Fall - muß einfach etwas abwechslungsreicher gestaltet werden, um 40 Minuten auf dem gleichen Level zu beeindrucken.
„Stand In Veneration“

JUB

RED AIM „Flesh For Fantasy“ 10
Metal Blade, 2002

Red Aim - Flesh For Fantasy

„Aroma“
Daß man aus der sogenannten Stoner Rock-Ecke doch tatsächlich noch dermaßen überrascht werden kann, ist schon beachtlich. Erst recht, wenn es auch wie im Falle von RED AIM heißt, man orientiere sich an Black Sabbath oder Kyuss. Mit solchen Vergleichen wird die Scheibe „Flesh For Fantasy“ aber schmerzlich unter Wert verkauft, denn RED AIM wildern ebenso im 70er-Glam Rock, wie es Bezüge zu den frühen Metal-Formationen jenes Jahrzehnts, Bloodrock oder Grand Funk Railroad, gibt. Besonders Sänger Dr. Don Rogers prägt die Musik seiner Band nachhaltig. Mal klingt er wie eine Mischung aus Glen Danzig und Chris Isaak , dann wiederum - beim Scorpions-Cover „Rock You Like A Hurricane“ - nach einem tiefer gelegten Blackie Lawless. Und die Falsett-Uriah-Heep-Chöre hätte Rogers sicher auch bereichert.
Textlich gibt es ganz schwere Kost, so im Stile „Steck Deinen Finger in Deine Rosette bis Du das Licht siehst“. Unter dieser Überschrift sind Titelzeilen wie „Kneel Down And Blow For Forgiveness“ oder „Aprilfuckers“ nur all zu logisch.
Und während man auf den meisten CDs endlos lange auf einen Hiddentrack wartet, den man sich hätte durchaus sparen können, markiert das versteckte Lied von RED AIM einen echten Höhepunkt.
„Hidden Track“/„Rock You Like A Hurricane“
Und weil es sich bei dieser Band um eine deutsche handelt, gibt es einen Bonus-Punkt. 

JUB

JUSTICE  "The Hammer Of Justice" 7
Common Ground Media/Alive, 2002

Justice - The Hammer Of Justice

Eine starke aber auch ungewöhnliche Platte haben die Franken von JUSTICE da eingespielt. Stark deswegen, weil der Mix aus Death Metal und Thrash funktioniert. Glasklar drücken Klampfen und Rhythmusfraktion aus den Boxen. Gibt es Songs, komponiert und gespielt mit größter Fingerfertigkeit. Und einen Sänger, der nicht nur wie Luzifers Nachbar klingen kann, sondern auch mit klaren und melodischen Gesängen jongliert, als sei das ganz einfach. Ungewöhnlich deshalb, weil ich aller Güte der Musik zum Trotze häufig das Gefühl hatte, andere Bands zitatweise rausgehört zu haben, ohne daß es wie absichtliches Klauen aber auch nicht nach zufälliger Ähnlichkeit klingt. "Highshool Death" verbreitet ganz klar Six Feet Under-Vibes, der Refrain von "That´s The Living In Me" läßt in mir den Gedanken an Bathorys "Gods Of Thunder Of Wind And Of Rain" routieren u.s.w. aber das kann damit zusammenhängen, daß sich im Frankenlande eine Coverband umhertreiben soll, welche auch JUSTICE heißt und alles quer durch den Gemüsegarten covert, was mit Metal zu tun hat. Die Logos der Bands ähneln sich frappierend ... Wie dem auch sei, eine unterhaltsame Platte ist "The Hammer Of Justice" definitiv.
"That´s The Living In Me" 

THOMAS

DOMINE "Stormbringer Ruler (The Legend Of The Power Supreme)" 6
Dragonheart/Audioglobe/SPV, 2001

Domine - Stormbringer Ruler (The Legend Of The Power Supreme)

In Italien schon eine große Nummer sind DOMINE, und das kann ihnen bei uns schonmal als nachteilhaft ausgelegt werden. Wir erinnern uns nur mal an Mesmerize, Labyrinth und Konsorten. Aber DOMINE sind irgendwo in der Grauzone zwischen gut (frühe White Skull) und böse (oben genannte Bands) anzusiedeln. Heißt, daß Songs mit rosa Homo-Keyboard und billigem Odin/Walhalla-Schwulst (wobei sich "billig" auf die Umsetzung, nicht auf das Thema bezieht) sich mit Metal-Hymnen reinsten Wassers, gespielt mit Gefühl für die Sache, die Waage halten. Sänger Morby kann die Songs retten und zerstören beidermaßen gut. Diese Platte ist ein metallisches Wechselbad der Gefühle und zu sechzig Prozent empfehlenswert. Macht sechs Punkte.
"The Fall Of The Spiral Tower"

THOMAS 

PRETTY MAIDS „Planet Panic“ 9
Massacre Rec, 2002

Pretty Maids - Planet Panic

Denk ich an die PRETTY MAIDS in den 80ern, kann ich mir ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Allein „Schicke Mädels“ zu heißen, war schon Klasse. Dann aber noch diese beknackten Band-Photos, die vor Krampf Töne von sich gaben. Da wollten ein paar kühle Skandinavier uns doch tatsächlich den heißen Glam Rocker machen und waren dabei einfach nur peinliche Witzfiguren. Naja, und der in meinen Ohren damals eher müde Melodic Metal konnte auch nichts reißen.
Wen wundert’s, daß ich seit damals nichts mehr von der Band vernommen habe. Wozu auch? Dabei produzierten die Dänen fleißig eine Platte nach der anderen. Mittlerweile kommen sie mit „Planet Panic“ auf 15 Teile. 
Nun, und PRETTY MAIDS sind anno 2002 alles andere als mißratene Tunten. Das Back-Cover zeigt vier toughe und zum Teil sonnenbebrillte Finsterlinge in derber Lederkluft, und die Musik der Scheibe läßt sich zwar weiterhin als Melodic Metal an, besitzt aber einen sehr hohen Power-Anteil. Schon der Opener „Virtual Brutality“ gibt die Marschrichtung vor: Satte Melodien und deftige Gitarren-Walzen treffen auf modernen Elektronik-Firlefanz. Letzterer wird aber dermaßen sparsam eingesetzt, daß er eindeutig als Stilmittel erkennbar ist und die PRETTY MAIDS-Musik bereichert. Von Anbiederung an Trends keine Spur.
Während die einzelnen Stücke sich ob ihrer gängigen Gestaltung schnell ins Melodien-Merkzentrum vorarbeiten, bleibt die Scheibe wegen ihres Abwechslungsreichtums äußerst haltbar. Vom düster dramatischen „Face Of My Enemy“ über die Ballade „Natural High“ bis zum Speed-Kracher „Who’s Gonna Change“ ist auf „Planet Panic“ nämlich eine Menge los. Und - glaubt es einfach - wer diese Art von Musik mag, wird hier keine Füller finden.
„Face Of My Enemy“ 

JUB
[vor][zurück]