Abgehört vom 9. August 2005




GOMORRHA
"Time Of Apocalypse"
Erschienen: 1999
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.gomorrha666.de.vu
GOMORRHA - Time Of Apocalypse On Air: "Die Nacht des Todes"

Die Nachfolger "Demo 2001" (siehe Abgehört vom 11. November 2003) und "Sexual Perversity By Autopsy" (siehe Abgehört vom 6. April 2004) sind bei INTERREGNUM bereits eingehend besprochen worden. Jetzt schlußendlich ist das CD-Debüt von GOMORRHA an der Reihe. Das erschien 1999 und nannte sich "Time Of Apocalypse" und beinhaltete auch jeweils ein paar Stücke der vorangegangenen Demos "Die Nacht des Todes" und "Ready To Kill". Und schon kennt Ihr die gesamte Diskographie der ostdeutschen Band. Und es ist wirklich eine äußerst unterhaltsame Angelegenheit, den Veröffentlichungen der Band ein paar Augenblicke zu schenken. Denn GOMORRHA sind mittlerweile zu schrillen Death/Grindern geworden, die sich unheimlich gern Splatter-Themen zuwenden, waren sie 1999 auf "Time Of Apocalypse" noch ein Relikt der Mitt-80er, als unzählige Bands beinahe unabhängig voneinander den Thrash, Death und Black Metal erfanden. All diese Stile sind in der GOMORRHA-Musik vorhanden und werden mit der gleichen wilden Unbekümmertheit dargeboten wie es einst Sodom oder Venom taten. "Time ..." will keinen Qualitätspreis gewinnen, reiht sich bei den aus den Bauch heraus gespielten Tonträgern aber ganz vorn mit ein.
Und hier gibt es ununterbrochen auf die Backen, meine Herren. Ob in wütenden Blast-Parts oder dezent gedrosseltem Tempo - die Wucht der Songs kommt einer Druckwelle gleich. Geil ist hier auch der rumpelige Gitarrensound. So wollen es die Old-School-Fans haben.
8 von 10

JUB



ECLIPSE
"Second To None"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.eclipsemania.com
ECLIPSE - Second To None On Air: "Light Of Day"

Wo Extrem-Metal-Bands viel mit Brutalität und halt extremen Stilelementen reißen können, müssen Melodic-Kapellen perfekte Songs entgegensetzen. Diese Perfektion gelingt mangels Talent recht selten. Bei ECLIPSE aus Schweden sieht das Ganze anders aus, denn Sänger und Gitarrist Erik Martensson ist eines jener Talente, das vermutlich nur die Gitarre anzuschauen braucht, damit sie die erste beeindruckende Melodie spielt. Das zweite Werk der Band, "Second To None", ist eine Lehrstunde für all jene, die so gerne Melodic-Metal-Stars wären , weil sie glauben, daß man in dieser Szene immer noch die geilsten Weiber aufreißen kann. Ob dem so ist, sei dahingestellt. Mit solcher Musik jedenfalls beeindruckt man nicht nur scharfte Geräte, sondern auch jenen Teil der Melodic-Fans, die die Musik um der Songs Willen mögen. Und Martensson - selbst ein totales Milchgesicht - macht Musik, die reifer nicht sein könnte. Stücke wie "Nothing Between Us", "Light Of Day" (vielleicht heißt er auch "Something You Do", da ist sich das Label nicht ganz sicher) oder "Body And Soul" können nicht besser gemacht werden. Hört man den Opener "Always Standing", dem die Gitarrenkunst eines Eddie van Halen anhaftet, und hält "Street Of Gold" dagegen, wo es wie bei einigen anderen Stücken auch eher in die leichtfüßige Richtung früher Europe geht, kann man sich ungefähr vorstellen, wie hoch diese Scheibe einzuordnen ist. Mit der CD "Second To None" kann man fast alles machen - sie nebenbei hören, ihr intensiv lauschen oder sie als Soundtrack bei der nächsten Autobahnfahrt verwenden (wenn man nicht gerade im Stau steht).
10 von 10

JUB



RAZORBACK
"Animal Anger"
Erschienen: 2004
Label: Massacre/Soulfood
Homepage: www.razorback-online.com
RAZORBACK - Animal Anger On Air: "The Hymn"

Jubel brandet auf. Die Melodic-Metal-Gemeinde in Deutschland dürfte sich einig sein: Hier ist ein neuer Stern geboren. Was RAZORBACK auf ihrem Debüt-Album "Animal Anger" bieten, ist eisame Klasse. Ohne Füller ist ein Album entstanden, das sich nicht nur mit den größten Werken dieses Genres der letzten 20 Jahre messen kann, sondern davon sogar noch einige hinter sich läßt.
Natürlich kommt solch ein Meisterwerk nicht von ungefähr. Rolf Munkes (g), Markus Bielenberg (bg) und Pierre Fienhold (dr) sind der Rest von Vanize, die sich 2002 auflösten. Chris Heun (g) war bei Shylock tätig und Stefan Berggren ist erprobter Company-Of-Snakes-Sänger. Sein Organ ist in der Szene ziemlich einmalig. Es meistert wirklich alle Stimmungen, klingt mal zerbrechlich, mal pathetisch. Allerdings hat er auch großes Glück, sein Talent für solch großartige Song zwischen treibend und pompös wie "The Hymn", "One By One", "A New King In Town" oder "Lone Wolf" einsetzen zu können. Ja verdammt - ganz ehrlich: Wie gelingt es Musikern bei einem Überangebot an Heavy-Metal-Scheiben (auch auf dem Melodic-Sektor) solche Songs zu schreiben?
Bleibt zu hoffen, daß diese Band wirklich als solche bestehen bleibt und nicht an Business-Kack oder Ego-Tripps zerbricht. Hier wäre es wirklich außerordentlich bedauerlich.
10 von 10

JUB



STYX
"Big Bang Theory"
Erschienen: 2005
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.styxworld.com
STYX - Big Bang Theory On Air: "Don't Need No Doctor"

STYX sind wieder da. - Das konnte man in den zurückliegenden zehn Jahren immer wieder mal schreiben. Da gab es sogar neue Alben, einiges davon live. Diesmal haben die us-amerikanischen Melodic-Götter einen Rundumschlag in der Musik-Historie vorgenommen. Mit "Big Bang Theory" legen sie ein Cover-Album vor, wie es in seiner Qualität nur von Bands vom Schlage STYX kommen kann. Egal, was die Band um die verbliebenen Original-Mitglieder der erfolgreichsten Besetzung, Tommy Shaw und James Young, anpacken, es gelingt. "I'm The Walrus" von den Beatles als Live-Version, "Can't Find My Way Home" von Blind Faith, was ganz stark am Original liegt, "Don't Need No Doctor", das zwar Humble Pie keine Konkurrenz machen kann aber einen herzhaften Charme versprüht, "A Salty Dog" von Procoul Harum ist ein Highlight, ebenso "Wishing Well" von Free. Dazu gibt es Songs von The Who, Willie Dixon, Allman Brothers, Lovin' Spoonful, Jimi Hendrix, The Pretty Things, Jethro Tull und Crosby, Stills, Nash & Young. Viel Wert legten STYX auf die für die jeweiligen Songs typischen Merkmale, ließen die Stücke aber trotzdem alle irgendwie ein bißchen wie STYX klingen. Ganz im Gegensatz zu "Blue Collar Man @ 2120". Diese neue Version eines eigenen Hits geriet bemüht.
Die neuen Band-Mitglieder machen einen tadellosen Job. Besonders Lawrence Gowan, der Denis de Young ersetzen muß, ist ein Hauptgewinn. Das konnte der Musiker auch auf der diesjährigen Deutschlandtour beweisen. Und die Rhythmusgruppe,bestehend aus Ricky Phillips (bg) sowie Todd Suchermann (dr), ist eine sichere Bank. Wäre schön, wenn da jetzt bald wieder ein Album mit eigendem Material hinterher käme.
9 von 10

JUB



FALLEN SAINTS
"The Source Of Decease"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.fallen-saints.de
FALLEN SAINTS - The Source Of Decease On Air: "Nothing Is Stronger"

Nach Battlesword haben wir hier die zweiten deutschen Amon Amarth. Denn daß die schwedischen Viking-Metaller die musikalischen Vorbilder von FALLEN SAINTS sind, ist unüberhörbar. Dabei sind den Musikern doch wirklich ein paar schöne Gitarrenmelodien eingefallen, die ihren Helden sehr nahe kommen. Allerdings ist es immer ein weing suspekt, wenn man sich als Band ausschließlich an dem Schaffen einer anderen Kapelle orientiert. Das kann kultig sein - wie im Falle der deutschen Debauchery, die voll im Six-Feet-Under-Fahrwasser schwimmen - aber auch völlig daneben gehen (man denke an die slowakischen Frown, die nahezu alles von Type O Negative kopierten). Im Falle von FALLEN SAINTS bleibt es bei Orientierungen, die der Band noch ein paar Türen für Eigenes offen lassen, wenn davon auf "The Source Of Decease" auch noch recht wenig zum Vorschein kommt.
Eigenständig ist in jedem Fall schon Mal der Gesang, der weniger martialisch düster klingt. Sänger Oliver Meier ist mehr am verzweifelten Brüllen. Desweiteren sind FALLEN SAINTS tempomäßig etwas limitiert. Alles niederwalzende und vorwärtsdrängende Songs gibt es hier nicht. Man stampft gedrosselt durch das Dickicht und manchmal scheint die Band gar stehen zu bleiben ("Welcome To Your Nightmare"). Das sorgt nicht gerade für Abwechslung.
Trotzdem bleibt am Ende der Scheibe ein vorwiegend positiver Eindruck, auch wenn das bei den oben genannten kritischen Bemerkungen nicht den Eindruck vermittelt. Aber man hört den meisten Songs einfach an, daß die Musiker ein Gespür für griffige Melodien haben, die sogar hin und wieder ins Ohr gehen. Bei FALLEN SAINTS wird es auf jeden Fall interessant, den weiteren Entwicklungsweg zu beobachten.
6 von 10

JUB



DYNAMIC LIGHTS
"Shape"
Erschienen: 2005
Label: DVS Records
Homepage: www.dynamiclights.net
DYNAMIC LIGHTS - Shape On Air: "In The Hands Of A Siren"

Das Erstlingswerk der Italiener von DYNAMIC LIGHTS ist ein wahrer Ohrenschmaus für alle Prog-Fans. Im Opener „In The Hands Of A Siren“ steuert Jamina Jansson (Wolverine) leckere Gesangsparts bei. Im Mittelpart von „One Thousend Nothing“ bekommt Keyboarder Giovanni Bedetti die Möglichkeit, seine klassische Ausbildung unter Beweis zu stellen. „Connecting“ ist die obligatorische Ballade auf der CD. Kurze, sparsam instrumentierte 2:08 Minuten geht der Song nahtlos in „The Big Show“ über und könnte auch Teil des letztgenannten Songs sein. Stakkato-Rhythmik, brettharte Gitarren, vertrackte Gesangsmelodien, ein stets präsentes Klavier, der transparente Sound, bei dem jedes Instrument zur Geltung kommt - die Band hat ein sicheres Gefühl für Melodien, welche üblicherweise bei einer Prog-Band wie dieser soviel in einem Song vorhanden sind, daß es für einige Alben andersgearteter Musik gereicht hätte. Sänger Matteo Infante singt zwar genregerecht hoch, seine Stimme kneift aber nicht in den Ohren.
Mag so mancher rumnörgeln, DYNAMIC LIGHTS schielten zu sehr auf ihre Vorbilder Pain Of Salvation und Fates Warning. Entscheidend ist doch, ob die Musik gut ist und gefällt. - Um bei Vergleichen zu bleiben, DYNAMIC LIGHTS haben zwar nicht das Fahrrad erfunden, haben aber zumindestens Licht am Rad. 
9 von 10

DEDDY



ETERNAL PAIN
"In Pain We Trust ... Relicts For Revenge"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.eternalpain.com
ETERNAL PAIN - In Pain We Trust ... Relicts For Revenge On Air: "Bloodred Massacre"

Der Thrash Metal ist in Deutschland zu Hause. Diese Aussage scheint von der allgemeinen Entwicklung im Heavy Metal zwar nicht ganz bestätigt zu werden, wenn ich mir aber Bands wie Delirium Tremens, Bitterness, Secretum oder Antagonist betrachte, dann weiß ich, daß es stimmt. Das Pech der Teutonen ist es seit gut eineinhalb Jahrzehnten, daß sie im eigenen Land nichts bedeuten. Zumindest, wenn man sich das Label-Interesse betrachtet.
ETERNAL PAIN gehören zu der genannten Riege von wirklich bedeutenden Thrash-Metal-Formationen, die aber trotzdem im eigenen Saft schmoren, weil sich offenbar kein Label für sie interessiert.
Vor gut zwei Jahren brachte die Band eine CD unter dem Titel "In Pain We Trust ... Relicts For Revenge" heraus, die einen Überblick über das Schaffen der Kapelle seit 1996 gibt. Wäre diese CD eine LP, hieße die Seite 1 "Relicts" und deckte die Jahre 1996 bis 1999 ab, und die zweite Seite wäre "Revenge" betitelt und befaßte sich mit den Jahren von 1999 bis 2002. So markiert den Bruch auf dem Silberling lediglich eine etwas längere Pause, die bei weitem nicht die Zeit beansprucht, die man benötigen würde, um eine Platte umzudrehen.
Aber das ist eigentlich nebensächlich, denn hier geht es vor allem um die Musik. Und da bekommen wir Old-School-Thrash-Metal geboten, daß einem das Herz aufgeht. ETERNAL PAIN bewegen sich ganz diszipliniert in selbst auferlegte Grenzen und bewegen sich dadurch selbstbewußt und sicher auf dem immer noch ausreichend großen Terrain der deutschen Thrash-Metal-Tradition. Was nicht bedeutet, die Band würde von Kreator über Destruction bis Angel Dust die alten Meister kopieren, wenngleich hier und da auch bereits bekanntes durchblitzt. Vielmehr haben ETERNAL PAIN ohrenscheinlich unbekümmert draufloskomponiert und meist rasante Songs zusammengezimmert, die streckenweise sogar recht hübsch ins musikalische Merkzentrum vordringen.
8 von 10

JUB



SCHANDMAUL & ORCHESTER
"Kunststück - Live aus dem Circus Krone"
Erschienen: 2005
Label: Fame Recordings/Edel
Homepage: www.schandmaul.de
SCHANDMAUL - Kunststück - Live aus dem Circus Krone On Air: "Der Clown"

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich SCHANDMAULs Schaffen bisher weniger verfolgte. Trotz mangelnder Vorkenntnisse halte ich "Kunststück" für eine Schandtat. Im Moment scheint diese Kolaboration von Mittelaltercombo und Orchester löblich betrachtet zu werden, eines Tages könnte diese CD aber zum Schandfleck in der Diskographie der Band werden. Warum? Einfach weil sie einem auf schändliche Art die Langeweile in die kostbare Zeit treibt. Man fühlt sich als Konsument zwar nicht gleich geschändet, aber doch belästigt. Fans - wie jene, die dem Ereignis im Circus Krone am 27. April diesen Jahres beiwohnten - würden mich sicher am liebsten an den Schandpfahl stellen, aber in wahrhaftiger Offenheit dürfte auch der SCHANDMAUL-Anhänger feststellen, daß die aufgeblasenen Orchester-Arrangements nicht unbedingt immer zu den sehr speziellen Songs dieser Band passen wollen. Vielleicht ist das ja auch die beste Gute-Nacht-Musik für Schandbuben, ich fühle mich jedoch kaum unterhalten.
4 von 10

JUB



ELECTRO BABY
"Electro Babyland"
Erschienen: 2003
Label: Eucalipdisc
Homepage: www.electrobaby.de
kein cover On Air: "Devil's Whore"

Stoner Rock aus deutschen Landen ist zwar selten, aber dafür meist recht außergewöhnlich. So auch im Falle von ELECTRO BABY, die sich als Mischung aus Monster Magnet, Soundgarden und Corrosion Of Conformity präsentieren. Obendrein tauchen Rage Against The Machine ("Rock'n'Roll Ör Die") auf und werden in der zweiten Hälfte der CD überhaupt immer wieder mal Crossover- und Nu-Metal-Elemente strapaziert. Das macht die CD "Electro Babyland" auf jeden Fall noch bunter als sie mit der genannten Mischung eh schon ist, läßt aber auch die Vermutung zu, daß das Quartett gern auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen möchte.
Markant ist allerdings in erster Linie die Energie, die diese verdammte Musik versprüht. Und daß die Jungs Spaß an dem Zeug haben, das sie machen, zeigt obendrein die Band-Präsentation. Nicht nur die Pseudonyme (Robmaster Flash, El Matador, Drumgod und Olli Buster) haben Pfiff, sondern auch die Huldigung an B-Film-Königin Julie Strain ist originell. Und vor allem war es fällig, daß sich auch mal Deutsche zu einer Verneigung vor dieser Dame herablassen. Denn diese Frau ist nicht nur als Schauspielerin ein ganz schriller Vogel, sondern schiebt vor allem einen ganz ausgezeichneten Körper durch die Gegend. Und der ist dann noch weit über 1,80 Meter groß.
7 von 10

JUB



SPIRITUAL BEGGARS
"Demons"
Erschienen: 2005
Label: Inside Out/SPV/Savage Messiah Music
Homepage: www.spiritualbeggars.com
SPIRITUAL BEGGARS - Demons On Air: "Salt In Your Wounds"

In Sachen Retro-Rock sind die SPIRITUAL BEGGARS spätestens seit ihrem Album "Ad Astra" von 1999 in Europa ein leuchtendes Fanal. Allerdings müssen sich sämtliche Scheiben nach diesem Highlight an eben jenem messen lassen. Und da wird es schwierig. Natürlich hat auch "Demons" einen Berg an Zutaten, mit denen die Schweden um Michael Amott zweifellos eine starke Scheibe ablieferten, allerdings sind die Songs auf diesem nunmehr sechsten Album längst nicht so emotional und außergewöhnlich wie auf "Ad Astra". Auch diese fast schon genial zu bezeichnenden Riff-Wellen fehlen fast völlig. Zu hören bestenfalls noch bei "Salt In Your Wounds".
Diesmal ist die Band zwar abwechslungsreicher, bedient sich neben 70er-Heavy-Metal auch des Spacerock á la Hawkwind oder wird bluesig bis psychedelisch, manchmal wünscht man sich aber, es würde mehr knallen. Vielleicht muß man sich aber auch erst an die etwas differenzierter zu Werke gehenden SPIRITUAL BEGGARS gewöhnen.
8 von 10

JUB



DEPRESSIVE REALITY
"Growling Death"
Erschienen: 2004
Label: Nice To Eat You Records
Homepage: www.volny.cz/depressive
DEPRESSIVE REALITY - Growling Death On Air: "Shapeless Mortality"

Ja ja, die Realität ist manchmal ganz schön hart. Denn real betrachtet ist "Growling Death" der Prager Band DEPRESSIVE REALITY ein recht müder Beitrag zur Richtung Death-Metal-mit-aggressivem-Frauengesang. Sängerin Jana klingt verdammt räudig, manchmal ein bißchen wie unsere Sabina Classen. Allerdings ist das tschechische Mädchen kaum zu Nuancierungen in der Lage. Von daher ist der Aha-Eeffekt, daß hier eine Dame growlt, bald aufgebraucht. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, daß die Musik von DEPRESSIVE REALITY eher aus der Resteecke zusammengklaubt wurde. Die Stücke sind alle recht behäbig. Und wenn es mal ein bißchen mehr zur Sache geht, dann wird (in diesem Fall) lediglich gerockt. Von Durchschlagskraft oder Brutalität keine Spur. Wie das gemeint ist, versteht Ihr spätestens, wenn ich Euch sage, daß der Baß in der Musik der Tschechen dominiert.
5 von 10

JUB



ALICE COOPER
"Dirty Diamonds"
Erschienen: 2005
Label: Spitfire/Alive
Homepage: www.alicecooper.com
ALICE COOPER - Dirty Diamonds On Air: "Sunset Babies (All Got Rabies)"/"The Saga Of Jesse Jane"

So, jetzt muß ich einmal mehr zu einer Rede ansetzen. Warum sind oftmals die ersten zwei, drei Alben großer Künstler die besten? Ganz einfach. - Zu Beginn einer Karriere gehen jene Musiker recht unbefangen an das Schreiben ihrer Musik heran. Und so entstehen Tonträger, die vor Energie strotzen und das songschreiberische Talent der Komponisten und Texter bündeln. Ziel ist es, berühmt zu werden, live zu spielen und Mädchen zu hacken. Geld fließt, ein gewisser Standard wird erreicht. Und den gilt es dann irgendwann zu halten. 
Spätestens an dieser Stelle wird taktiert. Die Musiker fangen an schwurbeliges Zeug in Interviews von sich zu geben, um ja keinen potentiellen CD-Käufer zu verprellen. Und was das schlimmste ist, die Musik leidet darunter. Zum einen will man seine Fans behalten, andererseits neue Käuferschichten knacken. Das geht meist mit - für einen Fan der ersten Stunde - recht unausgegorenen Alben einher, was oft die Anbiederung an Trends mit einschließt. Hin und wieder kommt es zu einem totalen Richtungswechsel, um mit dem Schmus erreichte Kauferfolge zu wiederholen. Schaut Euch die Karrieren von Metallica, Mötley Crüe, Megadeth, Scorpions, Bon Jovi, Crematory, Paradise Lost usw. an. Ich könnte diese Liste jetzt unendlich fortsetzen.
Was hat das nun mit ALICE COOPER zu tun? Eine ganze Menge, denn uns Alice dreht seine Fahne bereits seit 20 Jahren in den Wind. Die 70er erlebte der Ami eh nur im Strom, so daß seine Alben durchweg musikalische Achterbahnfahrten waren, denen man immer wieder Geniestreiche abgewinnen konnte. Als er sich in den 80ern dem reinen Melodic Metal zuwandte kackte er ziemlich ab, denn da gab es bessere. Mit "Trash" gelang ihm 1989 ein echter Paukenschlag, allerdings war seine Musik auf diesem Album recht weichgespült. Das Niveau konnte er mit "Hey Stoopid" (1991) und "The Last Temptation" (1994) halten. Er war aber längst nicht mehr so erfolgreich.
Danach folgte eine sinnlose Reise durch den Crossover, New Metal und Altherren-Rock. Erfolglos.
Und jetzt heißt es, ALICE COOPER wende sich den alten Zeiten zu. Wieder so eine verzweifelte Kehrtwendung, um wenigstens den Rest der alten Fans zu befriedigen? Die Jungen wollten sich vom Schock-Rocker, der ihr Großvater sein könnte und so gruselig ist wie ein Entenbraten, einfach keine Geschichten erzählen lassen. Also: Schuster bleib bei Deinen Leisten.
Nun, und so ist "Dirty Diamonds" ein Sammelsurium voller Selbstzitate. Jazz, Country, Rock'n'Roll, Blues, Heavy Rock sind irgendwie Bestandteile unterschiedlicher Songs, die alle so schlecht nicht sind. Aber richtig gut ist das auch nicht. Man hört den Stücken förmlich an, daß sie gemacht wurden, um unserem Alice sein Altenteil zu finanzieren. Erstaunlich, daß er noch tourt.
Ich bin weit davon entfernt, ALICE COOPER abzuschreiben. Aber ich rechne nicht wirklich mehr mit einer Scheibe, die uns plettet. Trotzdem wünsche ich ihm mit "Dirty Diamonds" einen großen kommerziellen Erfolg. Angesichts jener Großtaten, die er der Rock-Musik hinterließ, hat er das auf jeden Fall verdient.
5 von 10

JUB



ASRAI
"Touch In The Dark"
Erschienen: 2004
Label: Transmission
Homepage: www.asrai.net
ASRAI - Touch In The Dark On Air: "Tower"

So kann's gehen. Da veröffentlichen ASRAI zwei treffliche EPs ("Pale Light" und "In Front Of Me") und können dieses Niveau mit ihrem Longplayer nicht halten. Nicht, daß die Band jetzt gnadenlos abkackt. Aber über eine Spielzeit von fast 50 Minuten ist das nur unwesentlich variierende Material der holländischen Gothic-Band recht langatmig. Erst recht, da sich auf der CD "Touch In The Dark" Füller wie zum Beispiel "Child" befinden.
An der Stimme der Sängerin Margriet Mol gibt es nichts zu deuteln. Auch sind die Melodien der meisten Songs ziemlich eindringlich. Allerdings könnte die Band sich durchaus hin und wieder mal von der Tanzflächen-Füller-Metalität abwenden und etwas mehr Spannung in die Musik einfließen lassen. Die Scheibe bleibt aber trotz allem eine empfehlenswerte, da das wirklich überdurchschnittlich gute Material überwiegt.
7 von 10

JUB


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