WIZARD
„Odin“ 10
LMP/SPV, 2003
„Thor's
Hammer“
Eingebung
oder Berechnung? WIZARD hätten ein "Head Of The Deceiver" Teil II
nie und nimmer abliefern können. Mit einem Song wie "True Metal" war
die Metal-Klischee-Schiene bis zum Äußersten ausgereizt und
ein Nachschlag hätte das werden können, was man in einigen Kreisen
Bands wie Manowar, Majesty oder Manowar schon immer anlastet: peinlich.
Das aber nicht, weil das Feiern der eigenen Szene oder die pure Lust am
Heavy Metal etwa Gründe wären, verschämt auf den Boden zu
blicken. Vielmehr sind einige Riffs irgendwann einfach nicht mehr aufzukochen
und einige Texte halt nicht mehr singbar, weil selbst die Reime schon 100mal
benutzt wurden. Manowar konnten diese Schiene nur deshalb fast 20 Jahre
unbeschadet fahren, weil ihnen tatsächlich immer wieder etwas Neues
eingefallen ist. Daß diese Band nun völlig abgedriftet ist,
mag verstehen wer will. Aber vielleicht ist ja auch das Anbiedern an ein
Massen-Publikum eine Weiterentwicklung.
Anders bei
WIZARD. Die verließen ihre Leder-Nieten-Metall-Texte und erinnerten
sich der Götterwelt unserer Vorfahren. Mit dem für WIZARD typisch
schlicht betitelten Album "Odin" huldigen sie dem nordischen Göttervater,
erzählen Geschichten über den Kriegsgott Thor, den zwielichtigen
Loki. Offenbar hat dieser Themenwechsel auch zu einer veränderten
Herangehensweise an die Kompositionen geführt. Noch nie waren Songs
bei WIZARD so eingängig und unverkrampft. Jedes Stück birgt Hit-Potential,
hat perfekte Melodien, nahezu maximale Arrangements. Auch wenn man WIZARD
immer noch irgendwo den Hang zu (alten wohlgemerkt) Manowar anhört,
sind sie auf "Odin" vor allem von den deutschen Größen beeinflußt.
Running Wild, Grave Digger und Blind Guardian sind wiederzuhören.
Aber erwartet keine Kopie, sondern einfach das Beste der genannten im Wizard-Stil
kulminierend.
"The Hall
Of Odin"
JUB
CARNAL
LUST "Whore Of Violence" 8
Diamond Prod./Adipocere,
2003
Das Booklet
dieser CD ist eine absolute Frechheit. Nun sind schon mal die Texte abgedruckt
und Du kannst sie nicht lesen, da sie wie auf verbranntem Papier große
dunkle Flecken aufweisen. Was damit bezweckt wird, weiß ich nicht.
Damit wird für meine Begriffe allerdings der gesamte Inhalt des eh
schon knapp bemessenen Beipack-Heftchens fragwürdig, denn viel mehr
ist nicht drin. Außer ein paar nichts sagende kleine Musiker-Fotos.
Aber hier geht es vermutlich um irgend eine künstlerische Aussage
(CARNAL LUST sind halt Franzosen), die ich offenbar nicht kapiere.
Die Musik
auf "Whore Of Violence" schon eher, denn die ist von klassischer Natur.
Old School Death Metal der schwedisch bis skandinavischen Form. Das hat
zur Folge, daß innerhalb der brachialen und mit ungestümer Wut
gespielten Songs klitzekleine Melodieschübe wahrzunehmen sind, die
nach Amon Amarth auf LSD klingen. "Lost Into The Chaos" oder "Last
Soldier" sind dafür wunderbare Klangbeispiele. Aber nicht nur die
Melodie-Detektive und Filigran-Freunde kommen voll auf ihre Kosten, sondern
auch die kompromißlosen Grinder, da sich CARNAL LUST streckenweise
selbst zu überholen versuchen, indem sie völlig ungebremst der
Raserei verfallen. Hört Euch nur "Grind Porc" an. Völlig kaputt.
"Human
die"
JUB
AFTER
ALL „Mercury Rising“ 5
Mausoleum
Records, 2002
Schwierig,
schwierig. Die Band ist eigentlich verdammt gut. Auch dieses ständige
Wandern zwischen 80er-Heavy Metal, Thrash und Doom kommt ziemlich angenehm.
Selbst Prog-Fans könnten hier unter Umständen ein Zuhause finden.
Und da sich die Hörgewohnheiten oft am Gesang reiben, kann AFTER ALL
selbst auf dieser Position eine beeindruckende Besetzung bescheinigt werden.
Und doch tut sich das Album "Mercury Rising" sehr schwer. Womöglich
liegt es an den zum Teil doch recht dramatischen bis tragischen Melodien,
die äußerst pathetisch klingen und der ständig allgegenwärtigen
Härte einiges von ihrer Kraft nehmen. Vielleicht solltet Ihr mal "Descending
Pain", "Twist Of Fate" und "Black God White Devil" nacheinander antesten,
um einen Überblick über das musikalische Schaffen der Band zu
erhalten (Prog/Psychedelic/Doom/Heavy Metal). Wenn Euch diese drei Songs
zusagen, müßt Ihr die Scheibe kaufen.
„The Shadow
Wall“
JUB
EMPEROR
"Scattered Ashes - A Decade Of Emperial Wrath" 9
Candlelight
Records, 2003
Dies hier wird
weniger die Geschichte einer Band, sondern vielmehr die Story über
ein oberflächliches Vorurteil, wie ich es mir nie im Leben zugetraut
hätte. Denn bisher war ich eher ein EMPEROR-Kritikaster, empfand die
aufgeblasenen Mammut-Werke der Norweger eher nervig statt stilbildend.
Die Doppel-CD "Scattered Ashes" hat mich allerdings gezwungen, mich intensiv
mit dem Schaffen der Band auseinanderzusetzen. Und siehe da, es reicht
doch nicht, hier mal einen Sampler-Beitrag zu hören, dort mal eine
EP einzulegen oder zu wieder ganz anderer Zeit mit EMPEROR-Musik auf einer
Party zugedröhnt zu werden. Denn Ihsahn und Konsorten haben in den
rund zehn Jahren ihres Bestehens einen Fundus an großer Musik hinterlassen,
daß es einem mulmig wird. Black Metal, ob räudig-rauh oder symphonisch
pompös, Industrial, Progressive Metal mit Jazz-Versatzstücken,
Death Metal, Gothic - den Skandinaviern war nichts fremd. Und egal, welcher
Stilistik sie den Vorrang gaben: Sie blieben immer ultra-hart, machten
an dem Charakter ihrer Musik keine Abstriche. Selbst in Soundtrack-Gefilden
("In The Wordless Chamber") blieben EMPEROR ganz Black Metal. Und so wie
die Band am Ende offensichtlich einer Vielzahl von Gruppen, die später
kamen, den musikalischen Weg bereitete, verleugneten sie nie die eigenen
Wurzeln ("A Fine Day To Die" ganz im Bathory-Stil der "Under The Sign Of
The Black Mark").
Meist fragt
man sich, wozu es "Best Of..."-Sampler gibt, wenn der Fan eh schon alles
zu Hause zu stehen hat. Einen Grund habe ich herausgefunden: Wenn man nämlich
eine Band bisher scheute wie der Teufel das Weihwasser, können solche
Sampler bekehrend wirken. Bei EMPEROR gibt es noch weitere Gründe,
bekommt man hier doch einiges bisher Ungehörtes geboten. Obendrein
wird jede Phase der Band gestreift. Das akustisch mitzuerleben ist einfach
unglaublich.
"Wrath
Of The Tyrant"/"In The Wordless Chamber"/"A Fine Day To Die"
JUB
OBSCURANT
„Lifeform: Dead“ 4
Woodcut Records,
2003
Oh, diese finnländischen
Menschen. Wäre der Name Obscurity nicht schon zigmal an Bands vergeben,
würden diese Dunkelheitsbeschwörer ebenso heißen. So begnügte
man sich mit OBSCURANT. Aber beim Plattentitel wollte man ordentlich einen
draufsetzen: "Lifeform: Dead". Na, an solchen Worten kann doch kein Gothic-Fan,
der etwas auf sich hält, vorbeigehen. Und dann gibt es auf dem Debüt-Album
dieser Band auch die volle Breit-Seite: "Ending Life", "Death Declaration",
"Obsessed To Kill" ... Man ist unglücklich und will eigentlich sterben.
Aber zuvor versucht man, seinen Depri per Platte unter die Leute zu streuen,
denen es dann hoffentlich bald genauso mies geht. Das ist eine ganz hinterfotzige
Art von Amoklauf. Allerdings wird sich die Anhängerschaft von OBSCURANT
erst einmal in Grenzen halten, ist der Gothic Metal der Finnen doch nicht
nur hausbacken, sondern meist auch tötlich langweilig. Wenn sie nämlich
wie bei "Resurrection To Unknown" richtig schön langsam werden, neigen
die Zuhörer in den Schlaf der Seligen zu sinken. Und auch dieser Wechsel
zwischen knarrzigem Kreisch-Gesang und cleanem Getöne bringt keine
Abwechslung in die Musik, weil es einfach nur klingt wie bei 100 anderen
Combos auch. Für Gothic-Alles-Hörer sicher eine Neuentdeckung,
wer auf Qualität schaut, läßt OBSCURANT eher links liegen.
„Obsessed
To Kill“
JUB
2 TON
PREDATOR "Demon Dealer" 9
Die Hard Music,
2003
War die letzte
2TON PREDATOR-Scheibe "Boogie" noch so interressant wie die Verdauungsprobleme
von Rudolph Mooshammers Hund Daisy (siehe Abgehört
vom 18. Dezember 2001), haben die Nordmänner auf ihrer neuen Langrille
dermaßen an Qualität zugelegt, daß man aufhorchen muß.
Ob man will oder nicht. Zentnerschwere Grooves pumpen sich durch die Ohren,
nihilistische Brüllmelodien und ein meterdicker Gitarrensound walzen
alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt. Es ist, als habe man die
besten Momente von Pantera und moderneren Entombed mit einem ordenlichen
Maß Haß und Weltuntergangsstimmung kombiniert und dabei ausgiebig
Carnal Forge gehört.
Besonders
der Titeltrack erinnert an die Schweden. Treibender Beat und aggressivster
Gesang mit unterschwelligen, bösen Leads. Leute, vorbei ist die Zeit,
als 2TON PREDATOR noch als pseudoböse Möchtegern-Hardcorecombo
vor sich her rumpelten. Heißt die neuen 2TON PREDATOR willkommen
und legt Euch "Demon Dealer" zu. Egal ob Death Metaller, Hardcorefreak
oder Thrasher, niemand wird von dieser CD enttäuscht sein. Zu dieser
Musik kann man, auch wenn man allein ist, einen Moshpit starten und die
Zimmereinrichtung pulverisieren, ohne es wirlich zu merken. Überraschung
gelungen, Jungs!
"Demon
Dealer"
THOMAS
A TRIBUTE
TO URIAH HEEP "A Return To Fantasy" 9
Century Media
Records, 2003
Allein die
Idee, ein Tribute-Album für URIAH HEEP zu machen, hätte zehn
Punkte verdient. Allerdings wollen wir hier nicht Ideen bewerten. Und doch:
Nach 70er-Jahre-Größen wie Black Sabbath, Deep Purple, Queen,
Pink Floyd oder Led Zeppelin waren diese Wegbereiter des Heavy Metal längst
fällig. Erst recht, da der Beitrag URIAH HEEPs für die Metal-Geschichte
nicht geringer einzuschätzen ist als der von Deep Purple. Und so hat
sich ein illustre Band-Liste zusammengefunden, um mehr oder weniger bekannte
Heep-Stücke in den eigenen Sound zu transferieren. Tad Morose und
Vintersorg versuchen sich an "Rainbow Demon", wobei die Power Metaller
besser aussehen. Narnias "Sunrise" ist verdammt nah am Original und Metalium
verstärkten sich live für "Gypsy" mit dem Original-Heep-Keyboarder
Ken Hensley. Hervorragende Beiträge auf diesem Sampler sind Sacred
Steels "Return To Fantasy", Liege Lords "Too Scared To Run" oder Nightingales
"Stealin'". Jack Frost tun sich im wahrsten Sinne das Wortes mit "Lady
In Black" schwer. Auch Onward haben es mit dem Übersong "Bird Of Prey"
nicht leicht. Vor allem im Gesangs-Bereich, auch vermißt man die
Falsett-Stimmen. Lana Lane ("Weep In Silence"), Easy Livin' ("Circle Of
Hands") und Freebase ("Suicidal Man") sind nicht weltbewegend aber immer
noch ziemlich gut. Das liegt aber vor allem an dem grandiosen Song-Material,
das uns URIAH HEEP hinterließen. Vielleicht kann diese CD ein Anstoß
sein, sich künftig mit den Originalen zu beschäftigen. Neben
Atomic Rooster hat es aus den 70er Jahren wohl kaum eine Heavy Metal-Band
mehr verdient.
"Bird Of
Prey"
JUB
DRIVE,
SHE SAID „Real Life“ 5
Frontiers
Records, 2003
Was für
ein dämlicher Band-Name: "Fahr, sagte sie". Aber Musiker-Helden sind
ja bekanntlich manchmal ein wenig schrullig. Und Mark Mangold kann durchaus
von sich behaupten, einer der ganz Großen im Melodic Metal-Genre
zu sein. So schrieb er zum Beispiel Songs für Valhalla, American Tears,
Touch oder - hat nun nix mit Metal zu tun - Michael Bolton. Ein Denkmal
setzte der Keyboarder sich aber garantiert mit seiner Mitarbeit am Album
"Signs Of Life" von The Sign (siehe Abgehört
vom 10. April 2001). Also konnte man auf Großes hoffen, wenn
Mangold eine eigene Band startet. Aber ach. Michael Bolton war gegen diesen
Schnulzen-Sumpf, der sich da auf der Scheibe "Real Life" auftut, ein Punk.
Streckenweise würde man sich von einer abgehalfterten Bar-Band besser
unterhalten fühlen. Und urplötzlich platzt bei Mangold der Knoten.
Mit "Overdrive" - Titel Nummer sechs - machen DRIVE, SHE SAID nicht nur
einen auf Led Zeppelin, sondern liefern einen richtig harten Rocker ab.
Gefolgt von "Find Your Place", dem vielleicht besten Stück auf der
CD. "All Your Heart" und "When Will It Be Love?" haben einen Hang zu Def
Leppard während ihrer "Hysteria"-Phase und "How Can I Be Sure?" ist
eine großartige Ballade mit einem pompösen zweiten Teil (hat
was von Queen). Schließlich erinnert "Believe" an Toto, wenn hier
auch vor allem deren Pop-Zeit gestriffen wird. Wie soll man solch ein Album
werten. Niemand wird sich eine Scheibe kaufen, die zwischen "außerordentlich"
und "zum Kotzen" schwankt. Damit wird die Musik dieser Band vor allem dem
Mainstrem-Publikum zugänglich werden, denn bei den Amis läuft
soetwas ja im Radio. Freunde der harten, aber melodiösen Musik wird
diese Scheibe dann doch eher verborgen bleiben, denn zuviele Songs auf
diesem Album haben mit Metal soviel zu tun wie Daniel Küblböck
mit einem Mann.
"Overdrive"
JUB
STRAPPING
YOUNG LAD "SYL" 8
Century Media/Magic
Arts Publ., 2003
Man mag von
Devin Townsend halten was man will, eines muß man ihm aber zugestehen,
ob man seine Musik mag oder nicht. Er ist ein Ausnahmetalent vor dem Herrn.
Selten gibt es Musiker, die hier noch mit dem Gesang einer Nachtigall ein
Steve Vai-Album veredeln und da schon mit der eigenen Band Alben aufnehmen,
die ganze Städte einreißen (z.B."City" '97), wie ein junger
Gott Gitarre spielen können, produzieren wie ein ganz Großer,
und dann mit einem Progressivalbum überraschen. Nun schickt sich der
Kanadier wieder an, den Hammer kreisen zu lassen. "SYL" ballert so extrem
aus den Lautsprechern, daß sich selbst Fear Factory in die Hosen
machen. Kein Wunder, steht dem schmächtigen, wuselhaarigen Energiebündel
wieder sein alter Kumpel Gene Hoglan zur Seite, welcher nicht umsonst ehrfürchtig
als einer der begnadetsten Thrash Metal-Schlagzeuger der Welt gilt. Mit
ihm zusammen bricht Townsend einmal mehr Geschwindigkeitsrekorde. Beim
Titel "Aftermath" etwa ist die Musik streckenweise so schnell, daß
sie einem vorkommt, als würden die Töne unverändert stehen
bleiben. Das Ohr scheint dieser Geschwindigkeit nicht gewachsen zu sein.
Sehr interressant. Bleibt nur zu hoffen, daß Devins Aussage, dies
sei die letzte STRAPPING YOUNG LAD Scheibe, nur ein vorläufig gefasster
Entschluß war.
"Aftermath"
THOMAS
POENARI
"Demo 2002" 3
Eigenproduktion,
2002
Düstermucke
im EBM-Keller. Das belgische Duo POENARI will Dark Electric Music machen.
Elektronisch ist das Zeug auf jeden Fall, aber "dark" - ich weiß
nicht genau, ob eine grummlige Stimme und breite Keyboard-Klänge wirklich
"dark" sind. Die beiden Protagonisten - Elke de Smedt und Bert de Visscher
- sind von Hause aus Gitarristen. Warum sie nicht wie der Schuster bei
ihren Leisten blieben, ist mir ein Rätsel. Erst recht, da ihnen diese
Art von Musik ohrenscheinlich eigentlich nicht liegt. Zumindest beeindruckt
das Duo mit seinen Pseudonymen: Domini Mortiis Adductor und Isis Urania
von Svartsyn. Und übrigens, diese Vier-Track-CD ist gerade mal sieben
Minuten lang. Also überlegt Euch, ob Ihr dafür fünf Euro
berappen wollt. http://welcome.to/poenari,
clavicul@hotmail.com
"Vampiric
Lifecode"
JUB