An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 09. September 2003


WIZARD „Odin“ 10
LMP/SPV, 2003

WIZARD - Odin

„Thor's Hammer“
Eingebung oder Berechnung? WIZARD hätten ein "Head Of The Deceiver" Teil II nie und nimmer abliefern können. Mit einem Song wie "True Metal" war die Metal-Klischee-Schiene bis zum Äußersten ausgereizt und ein Nachschlag hätte das werden können, was man in einigen Kreisen Bands wie Manowar, Majesty oder Manowar schon immer anlastet: peinlich. Das aber nicht, weil das Feiern der eigenen Szene oder die pure Lust am Heavy Metal etwa Gründe wären, verschämt auf den Boden zu blicken. Vielmehr sind einige Riffs irgendwann einfach nicht mehr aufzukochen und einige Texte halt nicht mehr singbar, weil selbst die Reime schon 100mal benutzt wurden. Manowar konnten diese Schiene nur deshalb fast 20 Jahre unbeschadet fahren, weil ihnen tatsächlich immer wieder etwas Neues eingefallen ist. Daß diese Band nun völlig abgedriftet ist, mag verstehen wer will. Aber vielleicht ist ja auch das Anbiedern an ein Massen-Publikum eine Weiterentwicklung.
Anders bei WIZARD. Die verließen ihre Leder-Nieten-Metall-Texte und erinnerten sich der Götterwelt unserer Vorfahren. Mit dem für WIZARD typisch schlicht betitelten Album "Odin" huldigen sie dem nordischen Göttervater, erzählen Geschichten über den Kriegsgott Thor, den zwielichtigen Loki. Offenbar hat dieser Themenwechsel auch zu einer veränderten Herangehensweise an die Kompositionen geführt. Noch nie waren Songs bei WIZARD so eingängig und unverkrampft. Jedes Stück birgt Hit-Potential, hat perfekte Melodien, nahezu maximale Arrangements. Auch wenn man WIZARD immer noch irgendwo den Hang zu (alten wohlgemerkt) Manowar anhört, sind sie auf "Odin" vor allem von den deutschen Größen beeinflußt. Running Wild, Grave Digger und Blind Guardian sind wiederzuhören. Aber erwartet keine Kopie, sondern einfach das Beste der genannten im Wizard-Stil kulminierend.
"The Hall Of Odin"

JUB

CARNAL LUST "Whore Of Violence" 8
Diamond Prod./Adipocere, 2003

CARNAL LUST - Whore Of Violence

Das Booklet dieser CD ist eine absolute Frechheit. Nun sind schon mal die Texte abgedruckt und Du kannst sie nicht lesen, da sie wie auf verbranntem Papier große dunkle Flecken aufweisen. Was damit bezweckt wird, weiß ich nicht. Damit wird für meine Begriffe allerdings der gesamte Inhalt des eh schon knapp bemessenen Beipack-Heftchens fragwürdig, denn viel mehr ist nicht drin. Außer ein paar nichts sagende kleine Musiker-Fotos. Aber hier geht es vermutlich um irgend eine künstlerische Aussage (CARNAL LUST sind halt Franzosen), die ich offenbar nicht kapiere.
Die Musik auf "Whore Of Violence" schon eher, denn die ist von klassischer Natur. Old School Death Metal der schwedisch bis skandinavischen Form. Das hat zur Folge, daß innerhalb der brachialen und mit ungestümer Wut gespielten Songs klitzekleine Melodieschübe wahrzunehmen sind, die nach Amon Amarth auf LSD klingen. "Lost Into The Chaos"  oder "Last Soldier" sind dafür wunderbare Klangbeispiele. Aber nicht nur die Melodie-Detektive und Filigran-Freunde kommen voll auf ihre Kosten, sondern auch die kompromißlosen Grinder, da sich CARNAL LUST streckenweise selbst zu überholen versuchen, indem sie völlig ungebremst der Raserei verfallen. Hört Euch nur "Grind Porc" an. Völlig kaputt.
"Human die"

JUB

AFTER ALL „Mercury Rising“ 5
Mausoleum Records, 2002

AFTER ALL - Mercury Rising

Schwierig, schwierig. Die Band ist eigentlich verdammt gut. Auch dieses ständige Wandern zwischen 80er-Heavy Metal, Thrash und Doom kommt ziemlich angenehm. Selbst Prog-Fans könnten hier unter Umständen ein Zuhause finden. Und da sich die Hörgewohnheiten oft am Gesang reiben, kann AFTER ALL selbst auf dieser Position eine beeindruckende Besetzung bescheinigt werden. Und doch tut sich das Album "Mercury Rising" sehr schwer. Womöglich liegt es an den zum Teil doch recht dramatischen bis tragischen Melodien, die äußerst pathetisch klingen und der ständig allgegenwärtigen Härte einiges von ihrer Kraft nehmen. Vielleicht solltet Ihr mal "Descending Pain", "Twist Of Fate" und "Black God White Devil" nacheinander antesten, um einen Überblick über das musikalische Schaffen der Band zu erhalten (Prog/Psychedelic/Doom/Heavy Metal). Wenn Euch diese drei Songs zusagen, müßt Ihr die Scheibe kaufen.
„The Shadow Wall“

JUB

EMPEROR "Scattered Ashes - A Decade Of Emperial Wrath" 9
Candlelight Records, 2003

EMPEROR - Scattered Ashes - A Decade Of Emperial Wrath

Dies hier wird weniger die Geschichte einer Band, sondern vielmehr die Story über ein oberflächliches Vorurteil, wie ich es mir nie im Leben zugetraut hätte. Denn bisher war ich eher ein EMPEROR-Kritikaster, empfand die aufgeblasenen Mammut-Werke der Norweger eher nervig statt stilbildend. Die Doppel-CD "Scattered Ashes" hat mich allerdings gezwungen, mich intensiv mit dem Schaffen der Band auseinanderzusetzen. Und siehe da, es reicht doch nicht, hier mal einen Sampler-Beitrag zu hören, dort mal eine EP einzulegen oder zu wieder ganz anderer Zeit mit EMPEROR-Musik auf einer Party zugedröhnt zu werden. Denn Ihsahn und Konsorten haben in den rund zehn Jahren ihres Bestehens einen Fundus an großer Musik hinterlassen, daß es einem mulmig wird. Black Metal, ob räudig-rauh oder symphonisch pompös, Industrial, Progressive Metal mit Jazz-Versatzstücken, Death Metal, Gothic - den Skandinaviern war nichts fremd. Und egal, welcher Stilistik sie den Vorrang gaben: Sie blieben immer ultra-hart, machten an dem Charakter ihrer Musik keine Abstriche. Selbst in Soundtrack-Gefilden ("In The Wordless Chamber") blieben EMPEROR ganz Black Metal. Und so wie die Band am Ende offensichtlich einer Vielzahl von Gruppen, die später kamen, den musikalischen Weg bereitete, verleugneten sie nie die eigenen Wurzeln ("A Fine Day To Die" ganz im Bathory-Stil der "Under The Sign Of The Black Mark").
Meist fragt man sich, wozu es "Best Of..."-Sampler gibt, wenn der Fan eh schon alles zu Hause zu stehen hat. Einen Grund habe ich herausgefunden: Wenn man nämlich eine Band bisher scheute wie der Teufel das Weihwasser, können solche Sampler bekehrend wirken. Bei EMPEROR gibt es noch weitere Gründe, bekommt man hier doch einiges bisher Ungehörtes geboten. Obendrein wird jede Phase der Band gestreift. Das akustisch mitzuerleben ist einfach unglaublich.
"Wrath Of The Tyrant"/"In The Wordless Chamber"/"A Fine Day To Die"

JUB

OBSCURANT „Lifeform: Dead“ 4
Woodcut Records, 2003

OBSCURANT - Lifeform: Dead

Oh, diese finnländischen Menschen. Wäre der Name Obscurity nicht schon zigmal an Bands vergeben, würden diese Dunkelheitsbeschwörer ebenso heißen. So begnügte man sich mit OBSCURANT. Aber beim Plattentitel wollte man ordentlich einen draufsetzen: "Lifeform: Dead". Na, an solchen Worten kann doch kein Gothic-Fan, der etwas auf sich hält, vorbeigehen. Und dann gibt es auf dem Debüt-Album dieser Band auch die volle Breit-Seite: "Ending Life", "Death Declaration", "Obsessed To Kill" ... Man ist unglücklich und will eigentlich sterben. Aber zuvor versucht man, seinen Depri per Platte unter die Leute zu streuen, denen es dann hoffentlich bald genauso mies geht. Das ist eine ganz hinterfotzige Art von Amoklauf. Allerdings wird sich die Anhängerschaft von OBSCURANT erst einmal in Grenzen halten, ist der Gothic Metal der Finnen doch nicht nur hausbacken, sondern meist auch tötlich langweilig. Wenn sie nämlich wie bei "Resurrection To Unknown" richtig schön langsam werden, neigen die Zuhörer in den Schlaf der Seligen zu sinken. Und auch dieser Wechsel zwischen knarrzigem Kreisch-Gesang und cleanem Getöne bringt keine Abwechslung in die Musik, weil es einfach nur klingt wie bei 100 anderen Combos auch. Für Gothic-Alles-Hörer sicher eine Neuentdeckung, wer auf Qualität schaut, läßt OBSCURANT eher links liegen.
„Obsessed To Kill“

JUB

2 TON PREDATOR "Demon Dealer" 9
Die Hard Music, 2003

2 TON PREDATOR - Demon Dealer

War die letzte 2TON PREDATOR-Scheibe "Boogie" noch so interressant wie die Verdauungsprobleme von Rudolph Mooshammers Hund Daisy (siehe Abgehört vom 18. Dezember 2001), haben die Nordmänner auf ihrer neuen Langrille dermaßen an Qualität zugelegt, daß man aufhorchen muß. Ob man will oder nicht. Zentnerschwere Grooves pumpen sich durch die Ohren, nihilistische Brüllmelodien und ein meterdicker Gitarrensound walzen alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt. Es ist, als habe man die besten Momente von Pantera und moderneren Entombed mit einem ordenlichen Maß Haß und Weltuntergangsstimmung kombiniert und dabei ausgiebig Carnal Forge gehört.
Besonders der Titeltrack erinnert an die Schweden. Treibender Beat und aggressivster Gesang mit unterschwelligen, bösen Leads. Leute, vorbei ist die Zeit, als 2TON PREDATOR noch als pseudoböse Möchtegern-Hardcorecombo vor sich her rumpelten. Heißt die neuen 2TON PREDATOR willkommen und legt Euch "Demon Dealer" zu. Egal ob Death Metaller, Hardcorefreak oder Thrasher, niemand wird von dieser CD enttäuscht sein. Zu dieser Musik kann man, auch wenn man allein ist, einen Moshpit starten und die Zimmereinrichtung pulverisieren, ohne es wirlich zu merken. Überraschung gelungen, Jungs!
"Demon Dealer"

THOMAS

A TRIBUTE TO URIAH HEEP "A Return To Fantasy" 9
Century Media Records, 2003

A TRIBUTE TO URIAH HEEP - A Return To Fantasy

Allein die Idee, ein Tribute-Album für URIAH HEEP zu machen, hätte zehn Punkte verdient. Allerdings wollen wir hier nicht Ideen bewerten. Und doch: Nach 70er-Jahre-Größen wie Black Sabbath, Deep Purple, Queen, Pink Floyd oder Led Zeppelin waren diese Wegbereiter des Heavy Metal längst fällig. Erst recht, da der Beitrag URIAH HEEPs für die Metal-Geschichte nicht geringer einzuschätzen ist als der von Deep Purple. Und so hat sich ein illustre Band-Liste zusammengefunden, um mehr oder weniger bekannte Heep-Stücke in den eigenen Sound zu transferieren. Tad Morose und Vintersorg versuchen sich an "Rainbow Demon", wobei die Power Metaller besser aussehen. Narnias "Sunrise" ist verdammt nah am Original und Metalium verstärkten sich live für "Gypsy" mit dem Original-Heep-Keyboarder Ken Hensley. Hervorragende Beiträge auf diesem Sampler sind Sacred Steels "Return To Fantasy", Liege Lords "Too Scared To Run" oder Nightingales "Stealin'". Jack Frost tun sich im wahrsten Sinne das Wortes mit "Lady In Black" schwer. Auch Onward haben es mit dem Übersong "Bird Of Prey" nicht leicht. Vor allem im Gesangs-Bereich, auch vermißt man die Falsett-Stimmen. Lana Lane ("Weep In Silence"), Easy Livin' ("Circle Of Hands") und Freebase ("Suicidal Man") sind nicht weltbewegend aber immer noch ziemlich gut. Das liegt aber vor allem an dem grandiosen Song-Material, das uns URIAH HEEP hinterließen. Vielleicht kann diese CD ein Anstoß sein, sich künftig mit den Originalen zu beschäftigen. Neben Atomic Rooster hat es aus den 70er Jahren wohl kaum eine Heavy Metal-Band mehr verdient.
"Bird Of Prey"

JUB

DRIVE, SHE SAID „Real Life“ 5
Frontiers Records, 2003

DRIVE, SHE SAID - Real Life

Was für ein dämlicher Band-Name: "Fahr, sagte sie". Aber Musiker-Helden sind ja bekanntlich manchmal ein wenig schrullig. Und Mark Mangold kann durchaus von sich behaupten, einer der ganz Großen im Melodic Metal-Genre zu sein. So schrieb er zum Beispiel Songs für Valhalla, American Tears, Touch oder - hat nun nix mit Metal zu tun - Michael Bolton. Ein Denkmal setzte der Keyboarder sich aber garantiert mit seiner Mitarbeit am Album "Signs Of Life" von The Sign (siehe Abgehört vom 10. April 2001). Also konnte man auf Großes hoffen, wenn Mangold eine eigene Band startet. Aber ach. Michael Bolton war gegen diesen Schnulzen-Sumpf, der sich da auf der Scheibe "Real Life" auftut, ein Punk. Streckenweise würde man sich von einer abgehalfterten Bar-Band besser unterhalten fühlen. Und urplötzlich platzt bei Mangold der Knoten. Mit "Overdrive" - Titel Nummer sechs - machen DRIVE, SHE SAID nicht nur einen auf Led Zeppelin, sondern liefern einen richtig harten Rocker ab. Gefolgt von "Find Your Place", dem vielleicht besten Stück auf der CD. "All Your Heart" und "When Will It Be Love?" haben einen Hang zu Def Leppard während ihrer "Hysteria"-Phase und "How Can I Be Sure?" ist eine großartige Ballade mit einem pompösen zweiten Teil (hat was von Queen). Schließlich erinnert "Believe" an Toto, wenn hier auch vor allem deren Pop-Zeit gestriffen wird. Wie soll man solch ein Album werten. Niemand wird sich eine Scheibe kaufen, die zwischen "außerordentlich" und "zum Kotzen" schwankt. Damit wird die Musik dieser Band vor allem dem Mainstrem-Publikum zugänglich werden, denn bei den Amis läuft soetwas ja im Radio. Freunde der harten, aber melodiösen Musik wird diese Scheibe dann doch eher verborgen bleiben, denn zuviele Songs auf diesem Album haben mit Metal soviel zu tun wie Daniel Küblböck mit einem Mann.
"Overdrive"

JUB

STRAPPING YOUNG LAD "SYL" 8
Century Media/Magic Arts Publ., 2003

STRAPPING YOUNG LAD - SYL

Man mag von Devin Townsend halten was man will, eines muß man ihm aber zugestehen, ob man seine Musik mag oder nicht. Er ist ein Ausnahmetalent vor dem Herrn. Selten gibt es Musiker, die hier noch mit dem Gesang einer Nachtigall ein Steve Vai-Album veredeln und da schon mit der eigenen Band Alben aufnehmen, die ganze Städte einreißen (z.B."City" '97), wie ein junger Gott Gitarre spielen können, produzieren wie ein ganz Großer, und dann mit einem Progressivalbum überraschen. Nun schickt sich der Kanadier wieder an, den Hammer kreisen zu lassen. "SYL" ballert so extrem aus den Lautsprechern, daß sich selbst Fear Factory in die Hosen machen. Kein Wunder, steht dem schmächtigen, wuselhaarigen Energiebündel wieder sein alter Kumpel Gene Hoglan zur Seite, welcher nicht umsonst ehrfürchtig als einer der begnadetsten Thrash Metal-Schlagzeuger der Welt gilt. Mit ihm zusammen bricht Townsend einmal mehr Geschwindigkeitsrekorde. Beim Titel "Aftermath" etwa ist die Musik streckenweise so schnell, daß sie einem vorkommt, als würden die Töne unverändert stehen bleiben. Das Ohr scheint dieser Geschwindigkeit nicht gewachsen zu sein. Sehr interressant. Bleibt nur zu hoffen, daß Devins Aussage, dies sei die letzte STRAPPING YOUNG LAD Scheibe, nur ein vorläufig gefasster Entschluß war.
"Aftermath"

THOMAS

POENARI "Demo 2002" 3
Eigenproduktion, 2002

POENARI - Demo 2002

Düstermucke im EBM-Keller. Das belgische Duo POENARI will Dark Electric Music machen. Elektronisch ist das Zeug auf jeden Fall, aber "dark" - ich weiß nicht genau, ob eine grummlige Stimme und breite Keyboard-Klänge wirklich "dark" sind. Die beiden Protagonisten - Elke de Smedt und Bert de Visscher - sind von Hause aus Gitarristen. Warum sie nicht wie der Schuster bei ihren Leisten blieben, ist mir ein Rätsel. Erst recht, da ihnen diese Art von Musik ohrenscheinlich eigentlich nicht liegt. Zumindest beeindruckt das Duo mit seinen Pseudonymen: Domini Mortiis Adductor und Isis Urania von Svartsyn. Und übrigens, diese Vier-Track-CD ist gerade mal sieben Minuten lang. Also überlegt Euch, ob Ihr dafür fünf Euro berappen wollt. http://welcome.to/poenari, clavicul@hotmail.com
"Vampiric Lifecode"

JUB
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