DEAD
REMAINS "Deathless Torture" 7
Eigenproduktion,
2004
Endlich haben
die Neubrandenburger Death Metaller DEAD REMAINS das geschafft, wonach
sie eigentlich seit Jahren streben: Der zweite Tonträger ist da. Allerdings
haben sie die Zeit zwischen "The Unloved Stepsons Of God" (1998) und dem
neuen Teil mit ausgiebiger Konzert-Tätigkeit ausgefüllt, woraus
zumindest eine überaus große regionale Popularität erwuchs.
Und live sind DEAD REMAINS definitiv eine Macht, was schon Deadheads alias
Thomas völlig ausgeklingte Performance belegt.
Doch nun zu
"Deathless Torture". Was unüberhörbar gleich bei den ersten Klängen
auffällt, ist der unzureichende Sound. Mangels finanzieller Ausstattung
und fehlerhafter Technik ist ein Teil entstanden, das undergroundigen Demo-Charakter
besitzt, allerdings zu "Unloved Stepsons ..." einen qualitativen Sprung
darstellt. Schwachpunkte sind diesmal allerdings das viel zu leise Schlagzeug,
die unterproduzierten Gitarren und der schwankende, manchmal einen Tick
zu laute Gesang. Nichtsdestotrotz kommt das Material sehr ungestüm
herüber, wirkt bei weitem nicht so grollend deathig wie bei den Live-Gigs.
Ich möchte fast sagen, daß sich in einigen Songs Black Metal
und Grindcore eingeschlichen haben.
Textlich ragt
für mich die Idee des Titelsongs heraus, der aus der Feder von Gitarrist
Maschine stammt. Hier geht es um einen Typen, der ununterbrochen gefoltert
wird, unermeßliche Schmerzen leidet, seine freigelegten Eingeweide
förmlich riecht und blutet, blutet, blutet - aber einfach nicht sterben
will. Überhaupt haben sich die ostdeutschen Nordmänner zum Teil
übler Thematiken angenommen, die Death- und Grind-Fraktion wird es
freuen. www.deadremains.de, tony@deadremains.de
"Slimy
Sins"/"Reptile"/"Da Vinci"/"Deathless Torture"
JUB
VIRULENT
"Azoth" 9
Eigenproduktion,
2002
Die Band VIRULENT
konnte sich in der holländischen und mit Abstrichen auch in der internationalen
Death Metal-Szene einen kleinen aber feinen Namen machen. Vorraussetzung
dafür war die äußerst gelungene MCD "Under The HeX Of Amdusias"
sowie Gigs mit Größen wie Altar und God Dethroned. Trotzdem
verloren die Holländer ihren Deal mit Skullcrusher Rec. Die Flinte
ins Korn zu werfen, kam dem mittlerweile um einen festen Bassisten reicheren
Todesensemble glücklicherweise nicht in den Sinn. So beschloß
man, auf eigene Faust eine Drei-Song-Promo-CD aufzunehmen, die dem Vorgänger
in Sachen Qualität in nichts nachsteht. Einmal mehr hören wir
Death Metal mit deutlichem Morbid Angel-Einschlag. Auf "Azoth" ist jedoch
die Eingängigkeit, die "Under The HeX Of Amdusias" von Zeit zu Zeit
auszeichnete, einer unterhaltsamen Komplexität gewichen. So sind die
Leadgitarren sehr an den Stil von Trey Azaghtoth angelehnt. Die Melodien
derer kriechen wie ein mittelalterlicher Pestzug durch die Songs, was einem
mitunter eine Gänsehaut der Faszination verschafft. Hoffentlich ist
diese talentierte Band bald wieder mit einem Deal ausgestattet. Ein ganzes
Album der Jungs wäre mal eine willkommene Abwechslung zu den Häppchen-Veröffentlichungen.
Mit "Azoth" im Rücken sollte dies aber zu bewerkstelligen sein. http://go.to./virulent
"Crowning
The 4th Age"
THOMAS
ENDART
"Bullride"
10 (BANDS BATTLE-Band 2004)
Eigenproduktion,
2003
Sind die Labelleute
taub? Oder etwa nur damit beschäftigt, attraktive Musikerinnen zu
bügeln? Wenn sie nicht gerade wieder einmal der xten Kopie eines gerade
angesagten Acts hinterherhecheln. Denn ENDART sind eine Band, die dem größtmöglichen
Teil der Heavy Metal-Welt zugänglich gemacht werden sollte. Zu allem
Überfluß gibt es diese Band aus der Umgebung von Bonn (für
alle, die es nicht mehr wissen: war mal die Hauptstadt der BRD) bereits
seit 1989.
Keine Ahnung,
wie die bisherigen Veröffentlichungen von ENDART klangen, allerdings
vermute ich mal ganz dreist, daß sie mit dem neuen Output "Bullride"
ihr ultimatives Meisterwerk vprgelegt haben. Denn Mängel sind nicht
auszumachen.
Fulminant
startet man mit schwedischer Schule in Form von "Kiss The Kerb" in die
Scheibe, gefolgt von einem Death Metal-Wunderwerk namens "Footprints In
The Snow", das nahezu popmusikalische Eingängigkeit besitzt. "Shoot"
ist straighter Death Metal á la Master, dem sich der ultimative
Melodic Death-Hit "Eyes In The Gloom" anschließt, "Tell You The Truth"
ist nicht minder vortrefflich. "Into The Pit" bekommt zwar einen ganz zarten
New Metal-Touch, hat aber solche Wucht, daß es nur geil ist. Sprung
zu "End Of Times", d e m Groover auf dieser Platte. Da bleibt kein Arsch
auf dem Polster.
Und ENDART
covern. Zum einen "Big City Nights" von den Scorpions, was gut kommt, allerdings
von Red Aim spritziger interpretiert wurde. Aber der Back Street Boys-Song
"Larger Than Life" ist unschlagbar. Das Ding wird in Euren Playern routieren,
bis beißender Qualm aus dem Schacht kommt.
"Eyes In
The Gloom"/"Larger Than Life"
JUB
FLESHCRAWL
"Made Of Flesh" 10
Metal Blade,
2004
Wenn der Name
FLESHCRAWL fällt, weiß der qualitätsbewußte Death
Metal-Fan, daß es um Deutschlands größte Band in Sachen
Todesmetall der schwedischen Prägung geht. Kontinuität wird nicht
nur bei Running Wild groß geschrieben. Mit Scheuklappen aus menschlicher
Haut gefertigt, gehen die Ulmer unbeirrt ihren Weg und verkommen dabei
keineswegs zu einer Karikatur ihrer selbst, sondern haben mit "Made Of
Flesh" einen soundtechnisch perfekt in Szene gesetzten Haßbatzen
abgeliefert, der ihre Fans und alle Anhänger der alten Schweden-Schule
vor Geilheit aufjauchzen lassen wird. Jeder Schuß ist ein Treffer,
will heißen, es gibt auf der Platte absolut keine Ausfälle.
Starke Melodiebögen soweit das Ohr reicht. Bolt Thrower-artige, vor
sich hin tackernde Doublebass und dermaßen tief gestimmte Klampfen,
daß man mit jedem ausklingenden Ton Angst um die Membrane seiner
Boxen hat. Dazu hat das Quintett mit "Beneath The Dying Sun", "Flesh Bloody
Flesh" und "Damned In Fire" ein paar echte Hits im Gepäck.
Sieg auf der
ganzen Linie. Wie es aussieht, müssen die Death Metal-Zombies unter
Euch wohl oder übel weitere fünfzehn Euro in ihre CD-Sammlung
investieren.
"Flesh
Bloody Flesh"
THOMAS
PROFANITY
"Slaughtering Thoughts" 7
Cudgel Agency,
2000
Holla, hier
sind absolute Maniacs am Werke. Die Jungs von PROFANITY spielen einen Death
Metal, der so technisch ist, daß man zu dem Schluß kommt, daß
die Musiker außer Proben und dem Hören von Morbid Angel-Platten
keine weiteren Hobbys haben können. Man wird dermaßen mit Riffs,
Breaks und Fills zugeschüttet, daß einem die Luft wegbleibt.
Gespielt wird auf absolutem Top-Niveau, was die technische Seite anbelangt.
Dabei versuchen die Ostdeutschen, stets die Schallmauer zu durchbrechen.
"Giants Of Void Vortex" etwa knallt wie ein Hurrican über Dich hinein
und löst Dir das Fleisch von den Knochen. Herrlicher Blast mit Widerhaken.
Doch dann wieder Breaks und Tempiwechsel, die so komplex sind, daß
man sich einmal mehr beim Weghören ertappt. Ich glaube, daß
es PROFANITY nicht in erster Linie darum geht, klar definierte Songs zu
schreiben, sondern daß es sich eher um musikalische Genies handelt,
die sich beim Proben, bei Auftritten und Aufnahmen in erster Linie in einen
wahren Rausch spielen und sich mal richtig ausfrickeln wollen. Sozusagen
die Dream Theater des Death Metal. Sollen sie, sie machen es ja gut. Für
meinen Geschmack ist das jedenfalls ein bißchen zu viel des Guten.
"Soultornado
- Hate Burns Inside"
THOMAS
BESESSEN
"Schlachthof" 7 (BANDS BATTLE-Band 2004)
Hartworks/Twilight
Vertrieb, 2004
Die Wismarer
Band BESESSEN dürfte wohl zu den absolut durchgeknalltesten Live-Bands
Deutschlands zählen. Das dürfte nicht zuletzt an Frontmann Tilo
Lürtzing liegen. Oder habt Ihr schonmal eine Band erlebt, bei der
sich der Sänger bei Auftritten eine brennende Zigarettenkippe unter
die Vorhaut klemmt? Aber hier geht es ja nicht um unterhaltsame Liveshows,
sondern um Tonkonserven. "Schlachthof" stellt im Vergleich zum Vorgänger
"Ich bin..." eine Steigerung dar. Sound und Covergestaltung sind sehr professionell.
Was die Musik anbelangt, kann man durchaus von Death Metal reden, der sich
nicht in schwedische oder amerikanische Stilraster zwängen läßt.
Die Norddeutschen nehmen sich aus allen Variationen des Death Metals raus,
was ihnen gefällt und stricken die Songs frei von Zwängen. Das
ist schonmal ein dicker Pluspunkt. So gibt es Dismember-artige Gitarrenläufe,
Leadbreaks, die durchaus Göteborgqualität aufweisen. Dann wieder
Cannibal Corpse-Gefrickel mit unheilverkündenden Mollriffs der Marke
Grave.
Die Zutaten
sind also exquisit gewählt. Allerdings ist das Endresultat sehr sperrig,
da den Songs von Zeit zu Zeit der rote Faden abhanden kommt. Am eingängigsten
ist der Rausschmeißer "Brecher", der einen leichten Hardcore-Touch
aufweist. www.band-besessen.de
"Brecher"
THOMAS