An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

IM STUDIO: DEAD REMAINS, SPEZIAL vom 10. Februar 2004


DEAD REMAINS "Deathless Torture" 7
Eigenproduktion, 2004

DEAD REMAINS - Deathless Torture

Endlich haben die Neubrandenburger Death Metaller DEAD REMAINS das geschafft, wonach sie eigentlich seit Jahren streben: Der zweite Tonträger ist da. Allerdings haben sie die Zeit zwischen "The Unloved Stepsons Of God" (1998) und dem neuen Teil mit ausgiebiger Konzert-Tätigkeit ausgefüllt, woraus zumindest eine überaus große regionale Popularität erwuchs. Und live sind DEAD REMAINS definitiv eine Macht, was schon Deadheads alias Thomas völlig ausgeklingte Performance belegt.
Doch nun zu "Deathless Torture". Was unüberhörbar gleich bei den ersten Klängen auffällt, ist der unzureichende Sound. Mangels finanzieller Ausstattung und fehlerhafter Technik ist ein Teil entstanden, das undergroundigen Demo-Charakter besitzt, allerdings zu "Unloved Stepsons ..." einen qualitativen Sprung darstellt. Schwachpunkte sind diesmal allerdings das viel zu leise Schlagzeug, die unterproduzierten Gitarren und der schwankende, manchmal einen Tick zu laute Gesang. Nichtsdestotrotz kommt das Material sehr ungestüm herüber, wirkt bei weitem nicht so grollend deathig wie bei den Live-Gigs. Ich möchte fast sagen, daß sich in einigen Songs Black Metal und Grindcore eingeschlichen haben.
Textlich ragt für mich die Idee des Titelsongs heraus, der aus der Feder von Gitarrist Maschine stammt. Hier geht es um einen Typen, der ununterbrochen gefoltert wird, unermeßliche Schmerzen leidet, seine freigelegten Eingeweide förmlich riecht und blutet, blutet, blutet - aber einfach nicht sterben will. Überhaupt haben sich die ostdeutschen Nordmänner zum Teil übler Thematiken angenommen, die Death- und Grind-Fraktion wird es freuen. www.deadremains.de, tony@deadremains.de
"Slimy Sins"/"Reptile"/"Da Vinci"/"Deathless Torture"

JUB

VIRULENT "Azoth" 9
Eigenproduktion, 2002

VIRULENT - Azoth

Die Band VIRULENT konnte sich in der holländischen und mit Abstrichen auch in der internationalen Death Metal-Szene einen kleinen aber feinen Namen machen. Vorraussetzung dafür war die äußerst gelungene MCD "Under The HeX Of Amdusias" sowie Gigs mit Größen wie Altar und God Dethroned. Trotzdem verloren die Holländer ihren Deal mit Skullcrusher Rec. Die Flinte ins Korn zu werfen, kam dem mittlerweile um einen festen Bassisten reicheren Todesensemble glücklicherweise nicht in den Sinn. So beschloß man, auf eigene Faust eine Drei-Song-Promo-CD aufzunehmen, die dem Vorgänger in Sachen Qualität in nichts nachsteht. Einmal mehr hören wir Death Metal mit deutlichem Morbid Angel-Einschlag. Auf "Azoth" ist jedoch die Eingängigkeit, die "Under The HeX Of Amdusias" von Zeit zu Zeit auszeichnete, einer unterhaltsamen Komplexität gewichen. So sind die Leadgitarren sehr an den Stil von Trey Azaghtoth angelehnt. Die Melodien derer kriechen wie ein mittelalterlicher Pestzug durch die Songs, was einem mitunter eine Gänsehaut der Faszination verschafft. Hoffentlich ist diese talentierte Band bald wieder mit einem Deal ausgestattet. Ein ganzes Album der Jungs wäre mal eine willkommene Abwechslung zu den Häppchen-Veröffentlichungen. Mit "Azoth" im Rücken sollte dies aber zu bewerkstelligen sein. http://go.to./virulent
"Crowning The 4th Age"

THOMAS

ENDART "Bullride" 10 (BANDS BATTLE-Band 2004)
Eigenproduktion, 2003

ENDART - Bullride

Sind die Labelleute taub? Oder etwa nur damit beschäftigt, attraktive Musikerinnen zu bügeln? Wenn sie nicht gerade wieder einmal der xten Kopie eines gerade angesagten Acts hinterherhecheln. Denn ENDART sind eine Band, die dem größtmöglichen Teil der Heavy Metal-Welt zugänglich gemacht werden sollte. Zu allem Überfluß gibt es diese Band aus der Umgebung von Bonn (für alle, die es nicht mehr wissen: war mal die Hauptstadt der BRD) bereits seit 1989.
Keine Ahnung, wie die bisherigen Veröffentlichungen von ENDART klangen, allerdings vermute ich mal ganz dreist, daß sie mit dem neuen Output "Bullride" ihr ultimatives Meisterwerk vprgelegt haben. Denn Mängel sind nicht auszumachen.
Fulminant startet man mit schwedischer Schule in Form von "Kiss The Kerb" in die Scheibe, gefolgt von einem Death Metal-Wunderwerk namens "Footprints In The Snow", das nahezu popmusikalische Eingängigkeit besitzt. "Shoot" ist straighter Death Metal á la Master, dem sich der ultimative Melodic Death-Hit "Eyes In The Gloom" anschließt, "Tell You The Truth" ist nicht minder vortrefflich. "Into The Pit" bekommt zwar einen ganz zarten New Metal-Touch, hat aber solche Wucht, daß es nur geil ist. Sprung zu "End Of Times", d e m Groover auf dieser Platte. Da bleibt kein Arsch auf dem Polster.
Und ENDART covern. Zum einen "Big City Nights" von den Scorpions, was gut kommt, allerdings von Red Aim spritziger interpretiert wurde. Aber der Back Street Boys-Song "Larger Than Life" ist unschlagbar. Das Ding wird in Euren Playern routieren, bis beißender Qualm aus dem Schacht kommt.
"Eyes In The Gloom"/"Larger Than Life"

JUB

FLESHCRAWL "Made Of Flesh" 10
Metal Blade, 2004

FLESHCRAWL - Made Of Flesh

Wenn der Name FLESHCRAWL fällt, weiß der qualitätsbewußte Death Metal-Fan, daß es um Deutschlands größte Band in Sachen Todesmetall der schwedischen Prägung geht. Kontinuität wird nicht nur bei Running Wild groß geschrieben. Mit Scheuklappen aus menschlicher Haut gefertigt, gehen die Ulmer unbeirrt ihren Weg und verkommen dabei keineswegs zu einer Karikatur ihrer selbst, sondern haben mit "Made Of Flesh" einen soundtechnisch perfekt in Szene gesetzten Haßbatzen abgeliefert, der ihre Fans und alle Anhänger der alten Schweden-Schule vor Geilheit aufjauchzen lassen wird. Jeder Schuß ist ein Treffer, will heißen, es gibt auf der Platte absolut keine Ausfälle. Starke Melodiebögen soweit das Ohr reicht. Bolt Thrower-artige, vor sich hin tackernde Doublebass und dermaßen tief gestimmte Klampfen, daß man mit jedem ausklingenden Ton Angst um die Membrane seiner Boxen hat. Dazu hat das Quintett mit "Beneath The Dying Sun", "Flesh Bloody Flesh" und "Damned In Fire" ein paar echte Hits im Gepäck. 
Sieg auf der ganzen Linie. Wie es aussieht, müssen die Death Metal-Zombies unter Euch wohl oder übel weitere fünfzehn Euro in ihre CD-Sammlung investieren.
"Flesh Bloody Flesh"

THOMAS

PROFANITY "Slaughtering Thoughts" 7
Cudgel Agency, 2000

PROFANITY - Slaughtering Thoughts

Holla, hier sind absolute Maniacs am Werke. Die Jungs von PROFANITY spielen einen Death Metal, der so technisch ist, daß man zu dem Schluß kommt, daß die Musiker außer Proben und dem Hören von Morbid Angel-Platten keine weiteren Hobbys haben können. Man wird dermaßen mit Riffs, Breaks und Fills zugeschüttet, daß einem die Luft wegbleibt. Gespielt wird auf absolutem Top-Niveau, was die technische Seite anbelangt. Dabei versuchen die Ostdeutschen, stets die Schallmauer zu durchbrechen. "Giants Of Void Vortex" etwa knallt wie ein Hurrican über Dich hinein und löst Dir das Fleisch von den Knochen. Herrlicher Blast mit Widerhaken. Doch dann wieder Breaks und Tempiwechsel, die so komplex sind, daß man sich einmal mehr beim Weghören ertappt. Ich glaube, daß es PROFANITY nicht in erster Linie darum geht, klar definierte Songs zu schreiben, sondern daß es sich eher um musikalische Genies handelt, die sich beim Proben, bei Auftritten und Aufnahmen in erster Linie in einen wahren Rausch spielen und sich mal richtig ausfrickeln wollen. Sozusagen die Dream Theater des Death Metal. Sollen sie, sie machen es ja gut. Für meinen Geschmack ist das jedenfalls ein bißchen zu viel des Guten.
"Soultornado - Hate Burns Inside"

THOMAS

BESESSEN "Schlachthof" 7 (BANDS BATTLE-Band 2004)
Hartworks/Twilight Vertrieb, 2004

BESESSEN - Schlachthof

Die Wismarer Band BESESSEN dürfte wohl zu den absolut durchgeknalltesten Live-Bands Deutschlands zählen. Das dürfte nicht zuletzt an Frontmann Tilo Lürtzing liegen. Oder habt Ihr schonmal eine Band erlebt, bei der sich der Sänger bei Auftritten eine brennende Zigarettenkippe unter die Vorhaut klemmt? Aber hier geht es ja nicht um unterhaltsame Liveshows, sondern um Tonkonserven. "Schlachthof" stellt im Vergleich zum Vorgänger "Ich bin..." eine Steigerung dar. Sound und Covergestaltung sind sehr professionell. Was die Musik anbelangt, kann man durchaus von Death Metal reden, der sich nicht in schwedische oder amerikanische Stilraster zwängen läßt. Die Norddeutschen nehmen sich aus allen Variationen des Death Metals raus, was ihnen gefällt und stricken die Songs frei von Zwängen. Das ist schonmal ein dicker Pluspunkt. So gibt es Dismember-artige Gitarrenläufe, Leadbreaks, die durchaus Göteborgqualität aufweisen. Dann wieder Cannibal Corpse-Gefrickel mit unheilverkündenden Mollriffs der Marke Grave.
Die Zutaten sind also exquisit gewählt. Allerdings ist das Endresultat sehr sperrig, da den Songs von Zeit zu Zeit der rote Faden abhanden kommt. Am eingängigsten ist der Rausschmeißer "Brecher", der einen leichten Hardcore-Touch aufweist. www.band-besessen.de
"Brecher"

THOMAS
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