JUB
HALFORD
„Resurrection“ 5
Metal-Is/Sanctuary
Records, 2000
„Made In
Hell“
Da guck einer
an. Robbie ist wieder da. Und der, der einst den Heavy Metal mit Pauken
und Trompeten zu Grabe trug, ist jetzt mehr Heavy Metal als seine Stammformation
Judas Priest es auf ihren zurückliegenden Tonträgern ohne ihren
einstigen Frontmann war.
Ohne nach
links oder rechts zu schauen, sind die Songs von „Resurrection“ mit ganz
wenigen Ausnahmen von einer hohen Qualität. Priest hätte diese
Scheibe nach der „Painkiller“ sicher gut zu Gesicht gestanden, wenn der
genannte Kracher dadurch auch nicht getoppt worden wäre.
Betrachtet
man sich allerdings das ganze Drumherum, die Entwicklung von Rob Halford
oder die von Priest zum Beispiel, oder den Rummel, der um die Rückkehr
von Bruce Dickinson zu Iron Maiden gemacht wurde, erhält diese Scheibe
schon eine ganz andere Dimension.
Von einer
ehrlichen Metal-Platte ist dieser Tonträger soweit entfernt, wie Sybille
Rauch von einem Comeback. Mit Halfords Karriere lief es schon seit Fight
eher bescheiden. Priest machen seit dem Weggang ihres Frontmanns auch nur
New Metal für Senioren und verbuchen dementsprechende Rückgänge
bei den Verkaufszahlen. Was liegt also näher, als mit Judas Priest
den gleichen Tanz wie mit Maiden aufzuziehen. Das saniert nicht nur die
Geldbörsen der Musiker, sondern verhilft auch den Plattenbossen zu
einem neuen Pool. Und da die alten Priester bockig sind, muß die
Metal-Festung mit „Resurrection“ sturmreif geschossen werden. Rückendeckung
gibt es dabei von dem anderen Heimkehrer, Bruce Dickinson, in ...
„The One
You Love To Hate“
„The Metal-God
ist back“? Welcher Metal-Gott. Einen Typen mit diesem Titel habe ich mir
bisher etwas anders vorgestellt. Nicht mit rosa Feder-Boa, zusammengekniffenen
Pobacken und Ratte im Darm. Wenn Rob „Gay“ Halford in seiner Lederkluft
über die Bühne turnt, erinnert er bestimmt nicht an martialische
Metal-Acts. Hier haben wir es eher mit der visuellen Parodie eines Village-People-Typen
zu tun.
„Night
Fall“
JUB
HALFORD
„Live Insurrection“ 6
Metal-Is/Sanctuary
Records, 2001
Boah. Das ist
ein Angriff auf der ganzen Breite. Kaum sind im Judas-Priest-Lager die
Qualmwolken der „Resurrection“-Einschläge verzogen, startet die nächste
Bombardement-Welle. Und das gleich als Doppel-Live-CD. Die zeigt Rob in
bester Form. Ob neues HALFORD-Material, Fight-Songs oder ältere Priest-Bringer,
es kracht. Und da CDs heute nicht nur nach Qualität, sondern auch
nach gebotener Spielzeit gekauft werden, sind jene, die die Priorität
auf die Quantität legen, bei 110 Spielminuten bestens bedient. Obendrein
gibt es noch drei neue Studio-Songs.
„The Hellion/Electric
Eye“
JUB
ANFALL
"Feuer, Eis und Energie" 1
Century Media/Magic
Arts Publ., 2000
Dieser Bandname
ist sowas von bezeichnend. Denn einen mittelschweren Anfall von Schwäche
bekam ich, als ich mir "Feuer, Eis und Energie" zum ersten Male zu Gemüte
führte. Ihre kennt das sicher, die Hände bewegen sich wie von
Zauberhand geführt Richtung Gesicht, welches sich daraufhin in ihnen
vergräbt und der Oberkörper sinkt langsam krampfartig runter
bis auf die Tischplatte, während man nur leere Laute aus sich herauspressen
kann.
ANFALL präsentieren
auf ihrer fünften! Veröffentlichung einen Querschnitt aller möglichen
musikalischen 08/15-Deutschpunk-Durchschnittlichkeiten in einem Mix, der
wirklich zum Schreien langweilig ist. Dazu kredenzen sie Fünf-Minuten-Instant-Reime
der Marke "Reim dich, oder ich freß dich" (In der Mitte...entspringt
sie...die Energie). Inhaltlich gibt es Themen wie "Die Polizei ist doof,
wir sind toll, keiner kann sich mit uns messen!"
Hurra! Ihr
meint, ich soll mir die Platte lieber noch einmal anhören? Ja, natürlich.
Oh, da fällt mir auf einmal siedend heiß ein, daß ich
vergaß, das Licht auf Arbeit auszumachen. Ich muß weg. Tschüß!
"Feuer,
Eis und Energie"
THOMAS
THE
SIGN „Signs Of Life“ 10
Frontiers
Records/Now & Then/Sumthing/XIII BIS Records/Point Music, 2000
Hier haben
wir es mit einer dieser typischen Supergroups aus den Staaten zu tun.
Mit dabei sind Keyboarder Mark Mangold (Touch, American Tears, Drive She
Said, Flesh & Blood, Mystic Healer), Gitarren-Held und Sänger
Randy Jackson (Zebra), Sänger Terry Brock (Strangeways, Le Roux),
am Baß Billy Greer (Kansas) sowie Schlagzeuger Bobby Rondinelli (Rainbow,
Black Sabbath, Blue Öyster Cult).
„Stranded“
Schon beim
ersten Stück „I’m Alive“ wird deutlich, daß auf dieser Scheibe
weit mehr passiert als nur popeliger Melodic-Metal. Aber trotzdem haben
die fünf Perfektionisten nicht vergessen, daß Songs erst einmal
ins Ohr gehen müssen, bevor sie bei den Leuten wirken. Überflüssiges
Gewichse auf den Instrumenten braucht man bei THE SIGN nicht befürchten,
und doch merkt man in jeden Ton, welche Klasse die einzelnen Mitstreiter
dieser Band besitzen. Und mit diesen Qualitäten wuchert die Band ungeniert.
„The Wait“
Von Song zu
Song schraubt sich „Signs Of Life“ in ungeahnte Höhen, funktioniert
als Auto-Radio-Recorder-Dauerbrenner ebenso wie als Kleinod für den
Genießer, der es mit den Kopfhörern hält.
„Desperate
Heart“
JUB
EYE HATE GOD "Confederacy
Of Ruined Lives" 6
Century Media/Magic Arts Publ.,
2000
"Self Medication Blues"
Aua! So einen asozialen Lärm
habe ich schon lange nicht mehr gehört. Stellt Euch die Abartigkeit
des Grindcore vor, wie sie im Vollsuff die Schwere des Doom vergewaltigt.
Währenddessen werden die beiden besoffenen Junkies aber noch vom simpel
strukturierten Punk mit Urinduschen und Ohrfeigen gegeißelt. In der
Zwischenzeit zieht Gevatter Noisecore schonmal die x-mal gebrauchten Spritzen
mit Heroin für die drei Galgenvögel auf. Das Ergebnis dieser
bizarren Nacht im Duschraum des Heimes für geistig Minderbemittelte
hört neun Monate später auf den Namen EYE HATE GOD. Nachzuhören
ist das Ganze auf ihrer CD "Confederacy Of Ruined Lives". So abartig, ekelerregend
und krank die Musik auf dieser Scheibe auch ist, im gleichen Maße
gefällt sie mir. Hilfe! Bin ich jetzt asozial?!
"Revelation/Revolution"
THOMAS
ENID
„Abschiedsreigen“
1
CCP Records,
2000
„Weg der
Weisung“
ENID ist das
Projekt eines Deutschen mit Namen Martin Wiese. Und schaut man sich den
jungen Mann genauer an mit seiner Fielmann-Brille, der Frisur zwischen
Pelzmütze und Afro-Look und dem weichwurstigen Schwiegermutters-Liebling-Gesicht,
könnte man meinen, er habe mit ENID versucht, seiner bisherigen Bedeutungslosigkeit
ein Ende zu bereiten. Vielleicht wollte er ja auch nur Erika aus der einstigen
9b imponieren, die sich immer nur von den Jungs mit der großen Klappe
ficken ließ. Wie auch immer.
Das Debüt
„Nachtgedanken“ wartete mit zum Teil netten Melodie-Ideen auf und war auch
um ein mittelalterliches Flair bemüht. Allerdings wirkte es durch
die unsäglichen Keyboard- und Gitarren-Sounds sowie den Einsatz eines
Drum-Computers wie ein Demo für kommende Studioaufnahmen. Bei CD zwei
hätte man sich denken können: „Na ja, mehr Zeit für die
Aufnahmen, mehr Bock, vielleicht mehr Geld - kann ja was werden.“ Falsch
gedacht. Das Keyboard klingt weiterhin wie aus dem Spielzeuggeschäft
und - obwohl der Schlagzeuger diesmal lebt (Moritz Neuner) - auch beim
Drumming hatte der Klang-Macher verklebte Ohren. Nun und die Gitarren erinnern
an die polnische Black Metal-Band Veles. Soll heißen, wie in einem
Glas herumschwirrende Mücken.
Das
schlimmste ist diesmal aber, daß der pseudokünstlerische „Anspruch“
bis zum völligen Kollaps bemüht wird. Angefangen bei den überladenen
Arrangements bis hin zur Lyrik, bei der sich jeder echte Lyriker auf die
Schenkel klopfen würde, weil er die Texte von Martin Wiese für
Parodien hielte.
Wenn man völlig
voll oder bekifft wäre, könnte man Martin diese Peinlichkeiten
mit einem mitleidigen Lächeln verzeihen. Nur wird viel zu schnell
klar, daß sich der junge Mann für ein elitäres Wesen hält,
das trotz seines bisher stinklangweiligen Lebens der Menschheit Weisheiten
mitzuteilen hat. Schätze, mit Erika hat es auch diesmal nicht geklappt,
denn die läßt nur Typen mit Eiern über sich rüber.
Eigentlich
ist die CD unerträglich. Allerdings wird das Zusammenfriemeln der
musikalischen Ideen eine gewisse Mühe gemacht haben. Daher geht ENID
bei den Punkten nicht ganz leer aus.
„Meer der
Einsamkeit“
JUB
NYCTOPHOBIC
"Insects" 6
Morbid Rec./SPV,
2000
Nach kurzem,
witzigen Intro beginnen NYCTOPHOBIC den lärmenden Reigen gleich so,
wie er sich die CD über durchzieht. Mit heftigem Hard-Grindcore mit
Death/Thrash-Einsprenkseln weiß "Insects" aufzuwarten. Die Songs
sind mit Liebe zum Detail strukturiert worden, da hat sich die Band wirklich
Mühe gegeben. So werden viele Songs mit einem eigenen Intro versehen
(viele von ihnen sind Filmsamples), die Grind-Parts mit Spielwitz versehen
und die Texte mit Inbrunst herausgeschrien/gekreischbrüllt. Doch da
liegt der Hase im Pfeffer. Am Gesang werden sich die Geister scheiden.
Der Death Metal-Fan dürfte sich mit der Musik leicht anfreunden können,
im gleichen Maße aber am psychopatischen Hardcore-Gebrülle stören,
da der echte Death Metal-Gesangsstil nur selten zum Einsatz kommt.
Ging zumindest
mir so. Ansonsten reißen NYCTOPHOBIC aber alles ein, was sich ihnen
in den Weg stellt.
"Co(g)-existence"/"Haze"/"They"
THOMAS
SACRIVERSUM
„Beckettia“ 3
Serenades
Records/Connected, 2000
Frauen spielten
in der Geschichte der Menschheit meist negative Rollen. Durch weibliche
Intrigen kamen Herrscher zu Fall, brachen Staatengebilde in sich zusammen.
- Und SACRIVERSUM wandten sich vom Death Metal ab und dem Gothic zu. Die
Schuldige heißt in diesem Fall Alexandra, die sich der 1992 in Polen
gegründeten Band irgendwann als Sängerin anschloß. Warum
die Jungs die Marschrichtung änderten und keinen Arsch in der Hose
hatten, ist an dieser Stelle nicht bekannt.
Es folgten
Line-Up-Querelen (vielleicht weil dem ein oder andere die neue Ausrichtung
nicht ganz gefiel?), die auch eine neue Sängerin mitbrachten, die
jetzt Kate heißt. - Und die wirklich einfach nur schlecht singt.
„An Act
Without Words“
Bei „Beckettia“
handelt es sich um das Debüt von SACRIVERSUM, die durchaus ein paar
gute Einfälle aufzuweisen haben. Allerdings wird manch gute Nummer
durch unpassende Einschübe zerrissen, die dann oft eher in Erinnerung
bleiben, als der gute Wille.
Death Metal-Fans
werden mit dieser Scheibe absolut nichts anzufangen wissen. Für guten
Gothic ist die Musik zu sperrig und dem Progressive-Anhänger
dürften SACRIVERSUM zu ungeschickt agieren.
„Not Me“
JUB
THE BLOODLINE "Opium Hearts"
6
Serenades/Connected, 2000
Das Roman Schönsee vom Death
Metal in Reinkultur die Schnauze voll hat, zeigte er bereits mit seinen
Ex-Bands Pyogenesis und Dystrophy, die allesamt schon mal härtere
Mucke zockten. Sein neues Baby hört auf den Namen THE BLOODLINE und
ist vom reinen Pop (Pyogenesis) genausoweit entfernt wie vom thrashigen
Geschrote (alte Dystrophy). Eher bewegt sich Schönsee heuer in Gefilden,
in denen auch zum Beispiel Crematory zu Hause sind. Melancholische Schummer-Riffs
und verhaltene Drumbeats sind das Grundgerüst des BLOODLINE-Sounds.
Dazu gibt es einen an Massacra zu "Sick"-Zeiten erinnernden Gesang, also
kehlig gepreßt aber nicht zu tief, sowie technisch nicht allzu aufwendige
Leads, was aber eher aus der Tatsache heraus resultiert, daß der
Meister nur eine gesunde Hand hat. Von daher, Hut ab. "Opium Hearts" ist
sicher kein Meilenstein des Düster Metals, aber um Längen besser
als Dystrophy's "Spiegel meiner Kälte"-CD und dem Murks, den Pyogenesis
heutzutage so verzapfen.
"Lost Souls In The Land Of Delight"
THOMAS
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