An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT-SPEZIAL vom 10. April 2001


DARK SKY "Believe It" 1
Goodlife Rec./Pängg Distr., 2000

Dark Sky - Believe It

BOAAAAHHHRRR!!! Was ist das denn? Beim ersten Song bin ich gleich erstmal vor Lachen unter den Tisch gefallen. Anscheinend sind Pur auf den Geschmack gekommen, nachdem sie "Final Countdown" von Europe gehört haben und wollen jetzt so richtig harten Metal spielen. Auch der zweite Song "Stay Young" ist ein Brüller. So windelweich und homosexuell kann man doch nicht klingen. Doch, können sie! Und sie ziehen ihr Ringelpietz-mit-Anfassen-in-der-Rosa-Lila-Sauna konsequent bis zum letzten, vierzehnten Song "Eternity" durch. Da kennen sie nichts. Die Gitarren sind so hart wie ein Pudelkrönchen, das Keyboard füllt die Ohren mit rosa Zuckerwatte und die Songs sind so kantig und ungestühm wie ein Obstsalat mit Schlagsahne.
Belive It? Nein, ich kann es einfach nicht glauben.
"Rock Me"

THOMAS 

EXMORTEM „Berzerker Legions“ 6
Hammerheart, 2001

Exmortem - Berzerker Legions

"Berzerker Legions“
Ja was? Dänemark? Es ist eher selten, daß es aus dem Land der Olsenbande vernünftige Acts bis an die Ohren des geneigten Metal-Fans vordringen. Aber wenn, dann hatten sie es bisher in sich. Ganz vorne an steht King Diamond. D.A.D. hatten auch Witz. Oder Mordulv dürften den Extrem-Underground-Black-Metaller erfreut haben.
Jetzt macht das Mutterland der Pornographie mit einem Death-Metal-Nackenbrecher von sich Reden: EXMORTEM. Diese Band veröffentlicht ihre dritte CD unter dem Titel „Berzerker Legions“. Und hier ist der Name Programm. Denn was auf dieser Scheibe gebolzt wird, hätte einer Legion von Berserkern sicher alle Ehre gemacht. Death Metal der alten Schule, außerordentlich heftig, sehr rasch heruntergespielt. Vielleicht gehen die Jungs insgesamt ein wenig zu vertrackt zu Werke, aber das ist in der Szene ja gerade angesagt.
„The Conqueror“

JUB

HALFORD „Resurrection“ 5
Metal-Is/Sanctuary Records, 2000

Halford - Resurrection

„Made In Hell“
Da guck einer an. Robbie ist wieder da. Und der, der einst den Heavy Metal mit Pauken und Trompeten zu Grabe trug, ist jetzt mehr Heavy Metal als seine Stammformation Judas Priest es auf ihren zurückliegenden Tonträgern ohne ihren einstigen Frontmann war.
Ohne nach links oder rechts zu schauen, sind die Songs von „Resurrection“ mit ganz wenigen Ausnahmen von einer hohen Qualität. Priest hätte diese Scheibe nach der „Painkiller“ sicher gut zu Gesicht gestanden, wenn der genannte Kracher dadurch auch nicht getoppt worden wäre.
Betrachtet man sich allerdings das ganze Drumherum, die Entwicklung von Rob Halford oder die von Priest zum Beispiel, oder den Rummel, der um die Rückkehr von Bruce Dickinson zu Iron Maiden gemacht wurde, erhält diese Scheibe schon eine ganz andere Dimension.
Von einer ehrlichen Metal-Platte ist dieser Tonträger soweit entfernt, wie Sybille Rauch von einem Comeback. Mit Halfords Karriere lief es schon seit Fight eher bescheiden. Priest machen seit dem Weggang ihres Frontmanns auch nur New Metal für Senioren und verbuchen dementsprechende Rückgänge bei den Verkaufszahlen. Was liegt also näher, als mit Judas Priest den gleichen Tanz wie mit Maiden aufzuziehen. Das saniert nicht nur die Geldbörsen der Musiker, sondern verhilft auch den Plattenbossen zu einem neuen Pool. Und da die alten Priester bockig sind, muß die Metal-Festung mit „Resurrection“ sturmreif geschossen werden. Rückendeckung gibt es dabei von dem anderen Heimkehrer, Bruce Dickinson, in ...
„The One You Love To Hate“
„The Metal-God ist back“? Welcher Metal-Gott. Einen Typen mit diesem Titel habe ich mir bisher etwas anders vorgestellt. Nicht mit rosa Feder-Boa, zusammengekniffenen Pobacken und Ratte im Darm. Wenn Rob „Gay“ Halford in seiner Lederkluft über die Bühne turnt, erinnert er bestimmt nicht an martialische Metal-Acts. Hier haben wir es eher mit der visuellen Parodie eines Village-People-Typen zu tun.
„Night Fall“

JUB

HALFORD „Live Insurrection“ 6
Metal-Is/Sanctuary Records, 2001

Halford - Live Insurrection

Boah. Das ist ein Angriff auf der ganzen Breite. Kaum sind im Judas-Priest-Lager die Qualmwolken der „Resurrection“-Einschläge verzogen, startet die nächste Bombardement-Welle. Und das gleich als Doppel-Live-CD. Die zeigt Rob in bester Form. Ob neues HALFORD-Material, Fight-Songs oder ältere Priest-Bringer, es kracht. Und da CDs heute nicht nur nach Qualität, sondern auch nach gebotener Spielzeit gekauft werden, sind jene, die die Priorität auf die Quantität legen, bei 110 Spielminuten bestens bedient. Obendrein gibt es noch drei neue Studio-Songs.
„The Hellion/Electric Eye“

JUB

ANFALL "Feuer, Eis und Energie" 1
Century Media/Magic Arts Publ., 2000

Anfall - Feuer, Eis und Energie

Dieser Bandname ist sowas von bezeichnend. Denn einen mittelschweren Anfall von Schwäche bekam ich, als ich mir "Feuer, Eis und Energie" zum ersten Male zu Gemüte führte. Ihre kennt das sicher, die Hände bewegen sich wie von Zauberhand geführt Richtung Gesicht, welches sich daraufhin in ihnen vergräbt und der Oberkörper sinkt langsam krampfartig runter bis auf die Tischplatte, während man nur leere Laute aus sich herauspressen kann.
ANFALL präsentieren auf ihrer fünften! Veröffentlichung einen Querschnitt aller möglichen musikalischen 08/15-Deutschpunk-Durchschnittlichkeiten in einem Mix, der wirklich zum Schreien langweilig ist. Dazu kredenzen sie Fünf-Minuten-Instant-Reime der Marke "Reim dich, oder ich freß dich" (In der Mitte...entspringt sie...die Energie). Inhaltlich gibt es Themen wie "Die Polizei ist doof, wir sind toll, keiner kann sich mit uns messen!"
Hurra! Ihr meint, ich soll mir die Platte lieber noch einmal anhören? Ja, natürlich. Oh, da fällt mir auf einmal siedend heiß ein, daß ich vergaß, das Licht auf Arbeit auszumachen. Ich muß weg. Tschüß!
"Feuer, Eis und Energie"

THOMAS

THE SIGN „Signs Of Life“ 10
Frontiers Records/Now & Then/Sumthing/XIII BIS Records/Point Music, 2000

The Sign - Signs Of Life

Hier haben wir es mit einer dieser typischen Supergroups aus den Staaten zu tun.  Mit dabei sind Keyboarder Mark Mangold (Touch, American Tears, Drive She Said, Flesh & Blood, Mystic Healer), Gitarren-Held und Sänger Randy Jackson (Zebra), Sänger Terry Brock (Strangeways, Le Roux), am Baß Billy Greer (Kansas) sowie Schlagzeuger Bobby Rondinelli (Rainbow, Black Sabbath, Blue Öyster Cult).
„Stranded“
Schon beim ersten Stück „I’m Alive“ wird deutlich, daß auf dieser Scheibe weit mehr passiert als nur popeliger Melodic-Metal. Aber trotzdem haben die fünf Perfektionisten nicht vergessen, daß Songs erst einmal ins Ohr gehen müssen, bevor sie bei den Leuten wirken.  Überflüssiges Gewichse auf den Instrumenten braucht man bei THE SIGN nicht befürchten, und doch merkt man in jeden Ton, welche Klasse die einzelnen Mitstreiter dieser Band besitzen. Und mit diesen Qualitäten wuchert die Band ungeniert.
„The Wait“
Von Song zu Song schraubt sich „Signs Of Life“ in ungeahnte Höhen, funktioniert als Auto-Radio-Recorder-Dauerbrenner ebenso wie als Kleinod für den Genießer, der es mit den Kopfhörern hält.
„Desperate Heart“

JUB

EYE HATE GOD "Confederacy Of Ruined Lives" 6
Century Media/Magic Arts Publ., 2000

Eye Hate God - Confederacy Of Ruined Lives

"Self Medication Blues"
Aua! So einen asozialen Lärm habe ich schon lange nicht mehr gehört. Stellt Euch die Abartigkeit des Grindcore vor, wie sie im Vollsuff die Schwere des Doom vergewaltigt. Währenddessen werden die beiden besoffenen Junkies aber noch vom simpel strukturierten Punk mit Urinduschen und Ohrfeigen gegeißelt. In der Zwischenzeit zieht Gevatter Noisecore schonmal die x-mal gebrauchten Spritzen mit Heroin für die drei Galgenvögel auf. Das Ergebnis dieser bizarren Nacht im Duschraum des Heimes für geistig Minderbemittelte hört neun Monate später auf den Namen EYE HATE GOD. Nachzuhören ist das Ganze auf ihrer CD "Confederacy Of Ruined Lives". So abartig, ekelerregend und krank die Musik auf dieser Scheibe auch ist, im gleichen Maße gefällt sie mir. Hilfe! Bin ich jetzt asozial?!
"Revelation/Revolution"

THOMAS

ENID „Abschiedsreigen“ 1
CCP Records, 2000

Enid - Abschiedsreigen

„Weg der Weisung“
ENID ist das Projekt eines Deutschen mit Namen Martin Wiese. Und schaut man sich den jungen Mann genauer an mit seiner Fielmann-Brille, der Frisur zwischen Pelzmütze und Afro-Look und dem weichwurstigen Schwiegermutters-Liebling-Gesicht, könnte man meinen, er habe mit ENID versucht, seiner bisherigen Bedeutungslosigkeit ein Ende zu bereiten. Vielleicht wollte er ja auch nur Erika aus der einstigen 9b imponieren, die sich immer nur von den Jungs mit der großen Klappe ficken ließ. Wie auch immer.
Das Debüt „Nachtgedanken“ wartete mit zum Teil netten Melodie-Ideen auf und war auch um ein mittelalterliches Flair bemüht. Allerdings wirkte es durch die unsäglichen Keyboard- und Gitarren-Sounds sowie den Einsatz eines Drum-Computers wie ein Demo für kommende Studioaufnahmen. Bei CD zwei hätte man sich denken können: „Na ja, mehr Zeit für die Aufnahmen, mehr Bock, vielleicht mehr Geld - kann ja was werden.“ Falsch gedacht. Das Keyboard klingt weiterhin wie aus dem Spielzeuggeschäft und - obwohl der Schlagzeuger diesmal lebt (Moritz Neuner) - auch beim Drumming hatte der Klang-Macher verklebte Ohren. Nun und die Gitarren erinnern an die polnische Black Metal-Band Veles. Soll heißen, wie in einem Glas herumschwirrende Mücken.
Martin WieseDas schlimmste ist diesmal aber, daß der pseudokünstlerische „Anspruch“ bis zum völligen Kollaps bemüht wird. Angefangen bei den überladenen Arrangements bis hin zur Lyrik, bei der sich jeder echte Lyriker auf die Schenkel klopfen würde, weil er die Texte von Martin Wiese für Parodien hielte.
Wenn man völlig voll oder bekifft wäre, könnte man Martin diese Peinlichkeiten mit einem mitleidigen Lächeln verzeihen. Nur wird viel zu schnell klar, daß sich der junge Mann für ein elitäres Wesen hält, das trotz seines bisher stinklangweiligen Lebens der Menschheit Weisheiten mitzuteilen hat. Schätze, mit Erika hat es auch diesmal nicht geklappt, denn die läßt nur Typen mit Eiern über sich rüber.
Eigentlich ist die CD unerträglich. Allerdings wird das Zusammenfriemeln der musikalischen Ideen eine gewisse Mühe gemacht haben. Daher geht ENID bei den Punkten nicht ganz leer aus.
„Meer der Einsamkeit“

JUB

NYCTOPHOBIC "Insects" 6
Morbid Rec./SPV, 2000

Nyctophobic - Insects

Nach kurzem, witzigen Intro beginnen NYCTOPHOBIC den lärmenden Reigen gleich so, wie er sich die CD über durchzieht. Mit heftigem Hard-Grindcore mit Death/Thrash-Einsprenkseln weiß "Insects" aufzuwarten. Die Songs sind mit Liebe zum Detail strukturiert worden, da hat sich die Band wirklich Mühe gegeben. So werden viele Songs mit einem eigenen Intro versehen (viele von ihnen sind Filmsamples), die Grind-Parts mit Spielwitz versehen und die Texte mit Inbrunst herausgeschrien/gekreischbrüllt. Doch da liegt der Hase im Pfeffer. Am Gesang werden sich die Geister scheiden. Der Death Metal-Fan dürfte sich mit der Musik leicht anfreunden können, im gleichen Maße aber am psychopatischen Hardcore-Gebrülle stören, da der echte Death Metal-Gesangsstil nur selten zum Einsatz kommt.
Ging zumindest mir so. Ansonsten reißen NYCTOPHOBIC aber alles ein, was sich ihnen in den Weg stellt.
"Co(g)-existence"/"Haze"/"They"

THOMAS

SACRIVERSUM „Beckettia“ 3
Serenades Records/Connected, 2000

Sacriversum - Beckettia

Frauen spielten in der Geschichte der Menschheit meist negative Rollen. Durch weibliche Intrigen kamen Herrscher zu Fall, brachen Staatengebilde in sich zusammen. - Und SACRIVERSUM wandten sich vom Death Metal ab und dem Gothic zu. Die Schuldige heißt in diesem Fall Alexandra, die sich der 1992 in Polen gegründeten Band irgendwann als Sängerin anschloß. Warum die Jungs die Marschrichtung änderten und keinen Arsch in der Hose hatten, ist an dieser Stelle nicht bekannt.
Es folgten Line-Up-Querelen (vielleicht weil dem ein oder andere die neue Ausrichtung nicht ganz gefiel?), die auch eine neue Sängerin mitbrachten, die jetzt Kate heißt. - Und die wirklich einfach nur schlecht singt.
„An Act Without Words“
Bei „Beckettia“ handelt es sich um das Debüt von SACRIVERSUM, die durchaus ein paar gute Einfälle aufzuweisen haben. Allerdings wird manch gute Nummer durch unpassende Einschübe zerrissen, die dann oft eher in Erinnerung bleiben, als der gute Wille.
Death Metal-Fans werden mit dieser Scheibe absolut nichts anzufangen wissen. Für guten Gothic ist die Musik zu sperrig und dem Progressive-Anhänger  dürften SACRIVERSUM zu ungeschickt agieren.
„Not Me“

JUB

THE BLOODLINE "Opium Hearts" 6
Serenades/Connected, 2000

The Bloodline - Opium Hearts

Das Roman Schönsee vom Death Metal in Reinkultur die Schnauze voll hat, zeigte er bereits mit seinen Ex-Bands Pyogenesis und Dystrophy, die allesamt schon mal härtere Mucke zockten. Sein neues Baby hört auf den Namen THE BLOODLINE und ist vom reinen Pop (Pyogenesis) genausoweit entfernt wie vom thrashigen Geschrote (alte Dystrophy). Eher bewegt sich Schönsee heuer in Gefilden, in denen auch zum Beispiel Crematory zu Hause sind. Melancholische Schummer-Riffs und verhaltene Drumbeats sind das Grundgerüst des BLOODLINE-Sounds. Dazu gibt es einen an Massacra zu "Sick"-Zeiten erinnernden Gesang, also kehlig gepreßt aber nicht zu tief, sowie technisch nicht allzu aufwendige Leads, was aber eher aus der Tatsache heraus resultiert, daß der Meister nur eine gesunde Hand hat. Von daher, Hut ab. "Opium Hearts" ist sicher kein Meilenstein des Düster Metals, aber um Längen besser als Dystrophy's "Spiegel meiner Kälte"-CD und dem Murks, den Pyogenesis heutzutage so verzapfen.
"Lost Souls In The Land Of Delight"

THOMAS
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