GEORGE THOROGOOD & THE
DESTROYERS "Ride 'Til I Die" 9
Eagle Records, 2003
Ja ja, ich weiß. Eigentlich
ist GEORGE THOROGOOD nicht gerade prädestiniert für eine Sendung
wie INTERREGNUM. Aber egal, denn der harte Blues Rocker aus Delaware/USA
kann ohne Probleme auch die Herzen von Heavy Metal-Fans erweichen. Und
das nicht nur der simplen Tatsache wegen, daß er mit seiner Klampfe
so manchen heftigen Ton zu zaubern weiß, nein. Vielmehr macht das
Rythm and Blues-Material des Sängers und Gitarristen bereits seit
25 Jahren einen Heidenspaß. Während er den Blues durchaus auch
mal Baumwollfelder-tragisch zu interpretieren versteht ("Don't Let The
Bossman Get You Down"), geht es bei Thorogood doch vor allem ruppig, fix
und rauh zu Sache. Boogie ist das Machtwort, in beinahe jeder Note Party
angesagt.
Da die wenigsten von Euch das Schaffen
von Thorogood in früheren Zeiten kennen werden, fehlt Euch natürlich
der Vergleich zum heutigen Material. Trotzdem kann ich Euch versichern,
er geht immer noch so unverkrampft und erdig zur Sache wie zu jener Zeit
Ende der 70er Jahre, als GEORGE THOROGOOD & THE DESTROYERS mit der
Punkwelle und der damit einhergehenden wachsenden Popularität von
Pub-rockenden Bluesbands á la Inmates oder Dr. Feelgood auch in
Europa fast einen Superstar-Status erlangte. Einzig Thorogoods Stimme hat
nicht mehr die Kratzbürstigkeit von einst. Das tut der Wirkung von
"Ride 'Til I Die" allerdings keinen Abbruch.
"American Made"/"The Fixer"/"You
Don't Love Me, You Don't Care"
JUB
TOURNIQUET "Where Moth And
Rust Destroy" 10
Metal Blade, 2003
Widersprüche können der
Motor für eine ständige kreative Weiterentwicklung, für
ein ständiges Fortschreiten sein. Anders kann ich mir die Existenz
der Band TOURNIQUET nicht erklären. Das Trio zählt zu den innovativsten
und besten Progressive Metal Bands weltweit, verarbeitet in seiner Musik
jedoch sowohl Thrash Metal als auch Hardcore oder Doom. Zur Stamm-Besetzung
gehört kein Gitarrist, obwohl die Klampfen auf "Where Most And Rust
Destroy" - eingespielt von Marty Friedman (ex-Megadeth) und Bruce Franklin
(Trouble) - einem einen Zentimeter tiefen Scheitel ziehen. Obendrein sind
die mit sechssaitigen Solo-Ausflügen veredelten Songs einmal mehr
ausschließlich von Schlagzeuger(!!!!) Ted Kirkpatrick komponiert
worden. Und schließlich prangt ein übelst verrotteter Schädel
auf dem CD-Cover und doch sind TOURNIQUET bekennende Christen, was sie
auch in ihren Texten zum Ausdruck bringen. Erwartet man da nicht eher etwas
mehr Betulichkeit in Image und Musik?
Laßt Euch um Gottes Willen
unbedingt auf "Where Moth And Rust Destroy" ein, und Ihr werdet so etwas
wie eine musikalische Offenbarung erleben. Die Stücke sind durchweg
hochmelodiös, dabei immer zwingend heavy, erwecken meist den Eindruck,
sie würden straight nach vorn gespielt, strotzen allerdings nur so
vor Wendungen und Einfällen. Läßt man TOURNIQUETs Musik
als Ganzes auf sich wirken, bekommt man fast ausschließlich gängige
Groover, Headbanger-freundliches und mitwippbares Material zu hören.
Lauscht man jedoch selektiv und folgt den einzelnen Tonspuren, wird man
vermutlich nach Tagen mit der CD noch nicht fertig sein. Allein was Ted
Kirkpatrick auf seinem Schlagzeug fabriziert, ist eigentlich nicht von
dieser Welt (zum Beispiel "Drawn And Quartered" oder "Architeuthis" - übrigens
arrangiert in typischer Carnivore-Manier. Wer's hört, weiß,
was ich meine). Von den Gitarren ganz zu schweigen. Jedes Solo hat seine
Bestimmung, hebt sich vom üblichen Flitzefinger-Gepose ab. Die Erleuchtung
in diesem Zusammenhang ist "Healing Waters Of The Tigris". Doom Metal in
Reinkultur geben uns die drei Amis mit "In Death We Rise", wobei der Siebenminüter
ungewöhnlich monoton und simpel klingt. Den progressivsten Ausbruch
markiert "Drawn And Quartered". Hier ist nichts mit straight. Ein musikalisches
Element von Akustik-Part bis Speed-Anfall, angereichert mit Samples und
überraschenden Effekten, reiht sich an das nächste.
Textlich bewegt man sich auf dem
Boden des Alten Testaments, schreckt aber auch vor Horror-Phantasien nicht
zurück. Allerdings beten TOURNIQUET ihre christliche Botschaft nicht
herunter, sondern setzen die Dinge meist ins Verhältnis zum Heute.
Also keine Mission, vielmehr eine Meinung.
Der Vorgänger "Microscopic
View Of A Telescopic Realm" war ebenso unglaublich wie völlig anders
als das vorliegende Album. Wer TOURNIQUET noch nicht kennt, kann sich getrost
beide Alben zulegen.
"Drawn And Quatered"/"Healing
Waters Of The Tigris"
JUB
CHILDREN OF FALL "Ignition
For Poor Hearts" 9
Flight 13/CD-Promo, 2003
Was für ein Brett! Die CHILDREN
OF FALL sind gekommen, um Dich mal eben im Vorbeigehen aufzumischen. Allerdings
strecken sie Dich nicht mit einer Death, Black, oder Thrash Metalkeule
nieder. Vielmehr verwenden sie eine durchgeknallte Mischung aus Crustcore-Eruptionen,
Doomcore, fiesen Melodie-Riffs, welche auch meinetwegen Dark Funeral hätten
einfallen können, Hardcore und schleichender Verzweiflung, um Dich
dem Wahn anheim fallen zu lassen. Das Gekeife des Frontmannes paßt
sich interessanterweise dem jeweiligen Stil perfekt an, ohne sich jedoch
großartig zu verändern. Tompa Lindberg fiele mir als Vergleich
ein. Bei dem ganzen Core-Zeug, was die Schweden verzapfen, fällt positiv
auf, daß sie nicht auf billige Allgemeinplätze zurückgreifen
und ihre Musik deshalb sehr frisch wirkt. Interessant sind auch die Texte,
in denen es im Großen und Ganzen um sozialkritische Ansichten geht.
Doch auch hier wurden Rage Against The Machine-Plattheiten weiträumig
umschifft. Auf die Texte näher einzugehen, würde hier den Rahmen
sprengen. Doch wenn Ihr "Ignition For Poor Hearts" mal in den Händen
haltet, werft ruhig mal einen Blick auf die Lyrik. Gelungene CD.
"Sick Of Medicine"
THOMAS
CRYPTOPSY "None So Live" 7
Century Media, 2003
Spielt diese CD doch einfach mal
Bekannten vor, die schon Iron Maiden oder Accept nervig finden. Für
solche Leute dürften CRYPTOPSY klingen wie die Geräusche aus
drei Stahlwalzwerken und von fünf Großbaustellen und das alles
mitten in einer Stellungsschlacht des Ersten Weltkrieges.
Diese Kanadier sind in der Szene
ja bestens bekannt und haben mit ihrem extrem wüsten Death/Grind-Stil
seit 1994 eine Vielzahl Nachahmer gefunden. Interessant ist auch für
Kenner mitzuerleben, daß die Band dieses scheinbare Chaos auf der
Bühne zu reproduzieren weiß, denn bei "None So Live" handelt
es sich um einen Konzertmitschnitt. Allerdings ist diese Tatsache für
den akustisch die CD Konsumierenden nicht wirklich von Bedeutung, denn
CRYPTOPSY klingen auf ihren Studio-Alben auch nicht anders, als vor Publikum.
Viel Spaß damit.
"White Worms"
JUB
KARMAKANIC "Entering The Spectra"
8
Regain Records, 2002
Jonas Reingold, Mitglied der schwedischen
Progressiv-Band The Flower Kings, müßte eigentlich glücklich
sein. Denn seine Stammformation versteht es nicht nur, herausragende Melodien
zu entwickeln, sondern bindet diese immer wieder in raffinierte progressive
Strukturen ein, daß es eine Freude ist. Aber Reingold war das Ganze
offenbar zu eingängig, so daß er mal eben zwischen Frühstücks-Tee
und den ersten Maulereien seiner sich aus den Kojen schälenden Band-Kollegen
im Tour-Bus ein paar kleine unbedeutende Songs schrieb, die er jetzt mit
der Band KARMAKANIC der Allgemeinheit zu Gehör bringt. Nun, und wer
The Flower Kings kennt, dem sei gesagt: Die sind gegen KARMAKANIC eine
Boygroup. Denn Reingold macht auf "Entering The Spectra" zum einen auf
ganz frühe Yes, zum anderen werden vielleicht alte Rock-Hasen den
jazz-rockenden Krautrock wieder erwachen hören. Wenn auf "Entering
..." gesungen wird, klingt es bezaubernd schön (Beatles, Pink Floyd).
Doch wehe, wenn sie losgelassen. Denn die Instrumental-Parts - alle logischerweise
ausgedehnt - haben es in sich. Absolut nichts für sanfte Gemüter.
Das hier ist höhere Mathematik, mit der ich eigentlich überhaupt
nichts am Hut habe. Wenn sie allerdings zu solchen Ergebnissen führt,
werde ich meine Haltung zum Spiel mit den Zahlen eventuell noch einmal
überdenken müssen.
"One Whole Half"
JUB
TENEBRE "Electric Hellfire
Kiss" 7
Regain Records, 2002
Was für manche Bands ein Fluch
sein kann, entpuppt sich für andere wiederum als Segen. Während
es immer wieder Combos gab, die daran zerbrachen, zu sehr an der Machart
ihrer Vorbilder zu kleben, haben wir mit TENEBRE eine Band am Start, die
ihr eklektisches Vorgehen zu einer Tugend entwickelte, die die CD "Electric
Hellfire Kiss" zu einem hörenswerten und kurzweiligen Vergnügen
macht. So treffen sich in dem Titelsong Sisters Of Mercy und sämtliche
finnische Gothic Metal-Bands aus der Riege HIM und To Die For, läßt
Sänger Victor ständig sein Mighty Mighty Bosstones-Organ die
Oberhand gewinnen, erfahren wir Moonspellsche Schwermut ("Descend From
Heaven"), fließen Stoner Rock-Elemente mit ein ("Starlet Wolverine"),
schauen Danzig um die Ecke ("Beauty Destroyed"), gibt es Bezüge zu
Tiamat ("Death Becomes You"), hat "Nocturnal Rhapsody" gar das Synthesizer-Intro
von The Sweets Hit "Action" und und und. Das alles ist mit einem geschickten
Händchen für gute Melodien und einem Hang zur Dramatik aufbereitet,
daß einem "Electric Hellfire Kiss" durchaus ans Herz wachsen kan.
"Beauty Destroyed"
JUB
BOOMERANG
"Weaveworld" 7
Trance Music/Pängg Distr.,
2002
Die Band aus Frankenthal hat sich
gänzlich dem Power Metal verschrieben. Dieser definiert sich in diesem
Fall über treibende Drums, flotte Rhythmus-Gitarren und einen kraftvollen
und nie zu hohen Gesang.
BOOMERANG verzichten auch weitgehend
auf Mini-Opern, barock anmutende Gitarren-Kapriolen, künstliche Chöre
und dergleichen. Immer vorwärts prescht die Musik, mit geilen, schwungvollen
Melodien ohne Kitsch. Natürlich sucht man stets nach Vergleichen und
so auch in diesem Fall. Die ersten beiden Blind Guardian-Platten scheinen
hier Pate gestanden zu haben als BOOMERANG ans Komponieren gingen. Doch
das ist weniger ein Vorwurf denn eine Wertschätzung. Denn was wird
einem heute nicht alles als Power Metal verkauft und hat gerade mal so
viel mit Power zu tun wie Omas Gebiß im Reinigungsbad. Somit betreiben
BOOMERANG also keinen Etikettenschwindel, sondern hauen eine starke CD
raus, die jedem Blind Guardian-Fan der ersten Stunde gefallen sollte. www.boomerang-metal.de
/ stefan@der-bierfreund.de
"Of Blood And Honour"
THOMAS
LOGH "The Contractor And The
Assassin"
7
Bad Taste Rec/CD-Promo, 2003
Diese Brit-Pop (?)-Band ist wahrlich
nichts für INTERREGNUM (schon wieder so ein Schlenzer). Allerdings
sei jenen unter Euch, die ständig Scheiße drauf sind und es
auch bleiben möchten, diese Band nicht vorenthalten. Denn diese kleine
EP zieht sowas von runter. In der Grundstimmung könnten die Songs
durchaus einem der Gothic-Szene verhafteten Musiker eingeschossen sein,
nur haben die Stücke dafür einen zu starken Hang zum Psychedelic.
Besonders krass kommen die Intrumentals "The King Of Romania", "NoFo" und
"Wild Card". Diese Sachen scheinen Ende der 60er in einer Opium-Höhle
geschrieben. Irgendwie ziemlich geil das Ganze. Appropos "ganz". Von LOGH
gibt es außer dieser EP auch eine CD in voller Länge, und die
heißt "The Raging Sun".
"NoFo"
JUB
CRADLE OF FILTH „Damnation
And A Day“ 9
Sony Music, 2003
Obwohl mit fast 80 Minuten eines
der längsten Werke auf dem Heavy Metal-Markt, bedarf es eher weniger
Worte, um das neue CRADLE OF FILTH Output zu beschreiben. Denn die Briten
um Sänger Dani Filth sind sich ihrer Linie seit 1994, als der Meilenstein
"The Principle Of Evil Made Flesh" erschien, absolut treu geblieben. Wir
sehen die Band immer noch fest im Black Metal verhaftet, auch wenn diese
Band es gar schon in die Tages-Rotation von MTV schaffte. Und Cradle haben
auch 2003 nichts von ihrem Horror-Image eingebüßt. Wenn dieses
bisher vor allem in den Texten manifestiert wurde, sind es diesmal wieder
die musikalischen Elemente, die einem Schauer über den Rücken
jagen. Jedes einzelne Stück dieser CD spricht in Bildern, die ein
gotisches Ambiente mit grausigen Szenen suggerieren. Ähnlich dem Flair
alter Hammer-Studio-Filme. Unterstützt wird die Wirkung des Death/Thrash/Black
Metal-Infernos durch eingestreute Orchester-Passagen, die Fix-Punkte auf
dem Album markieren und den Eindruck eines Soundtracks noch verstärken.
Die hysterische Art von Dani Fith
zu singen, wird einmal mehr für kompromißlose Verehrung oder
Ablehnung sorgen. Vor allem zieht der Mann in keinem Song einen Stimmenstil
durch, sondern wechselt ständig von Gekeife zu erbitterten Schreien
oder sinkt in bösartiges Gegrowle ab. Wenn man die Aufgabe hätte,
das neue CRADLE OF FILTH-Album mit einem Wort zu umreißen, dann fiele
mir nur "Erhabenheit" ein.
JUB
DARK GAMBALLE "Merizo Nanen"
7
Redblack, 2002
Wenn wir CDs für die einzelnen
"Abgehört"-Sendungen heraussuchen, geschieht das nicht mit Blick auf
eine mögliche Abwechslung, sondern relativ willkürlich. Denn
gerade dieses Zufalls-Prinzip hat in der Vergangenheit gezeigt, daß
so meist die besten Zusammenstellungen entstehen. Dabei kommt es dann manchmal
auch zu Zusammenführungen, wo in einer Sendung bei zwei Bands nahezu
das gleiche gesagt werden kann. Und wenn wir bei Tenebre von Einflüssen
ohne Ende sprachen, dann gilt dies für DARK GAMBALLE nicht minder.
Allerdings sind es hier weniger Bezüge zu einzelnen Bands, als daß
vielmehr einige Stilmittel voll ausgereizt werden. So haben die Tschechen
von DARK GAMBALLE auf "Merizo Nanen" Gothic ebenso verpackt wie Industrial,
EBM, Trip Hop oder New Metal. Selbst Crossover in der Faith No More-Gangart
ist zu vernehmen, sogar die stimmlichen Eigenarten von Glen Danzig kommen
zu Ehren (Opener). Und die verschiedenen Spielarten werden nicht etwa gleichberechtig
in die Songs integriert, sondern jedes Lied steht kompakt und von Fremdeinflüssen
frei jeweils für die ein oder andere Stilistik. Dabei sind DARK GAMBALLE
ein paar Perlen gelungen, die Weltklasse darstellen. Allein "Múry"
ist eine Gothic-Hymne der Spitzenklasse. Bei dem neumetallischen Zeug oder
den trippigen Ausflügen wird es dann banaler. Auch im elektronisch
gestriffenen Bereich agieren die Tschechen nicht immer hörenswert.
DARK GAMBALLE singen meist tschechisch.
Nur hin und wieder werden englische Parts eingestreut. Aber allein "Múry"
zeigt, daß es völlig egal ist, welche Sprache Du verwendest,
wenn der Text harmonisch mit der Musik verschmilzt.
"Múry"
JUB
BULLETHOLE "Incarceration"
7
Black Lotus Rec., 2003
Aus Griechenland sind bei uns eher
Düsterkapellen wie Rotting Christ, Necromantia oder Thou Art Lord
bekannt. Mit BULLETHOLE lernen wir nun eine andere Visitenkarte metallischer
Prägung der Hellenen kennen. Das Trio zockt finstersten Hardcore mit
extremem Death Metal-Einschlag. Dabei bedient es sich beiden Lagern, ohne
sich auf eine Seite festzunageln. Man kann also nicht mit Bestimmtheit
sagen, ob BULLETHOLE eine Hardcore-Band mit Death Metal-Elementen sind
oder eher eine Death Metal-Band mit Hardcore-Touch. Groove-Rhythmen gesellen
sich zu Carcass/Arch Enemy-Riffs, ohne daß es befremdlich wirkt.
Dann sind es wieder Ami-Death-Zitate, die bemüht werden, zu denen
Biohazard-mäßig geschrien wird, und im Hintergrund gurgelt eine
Verließ-tiefe Grindcore-Stimme. So befremdlich die Hardkern-Death
Metal-Kombination auch klingen mag, die Griechen machen das mit Chick.
"Incarceration" knallt und groovt an allen Ecken und stellt eine gelungene
CD dar.
"Nothing Will Remain"
THOMAS
KATATONIA "Viva Emptiness"
10
Peaceville, 2003
KATATONIA-Fans haben es gut. Sie
werden nie das Gefühl haben, ihre Lieblingsband wiederhole sich. Egal,
was die Schweden veröffentlichen: Die Band definiert sich jedesmal
auf eine ganz bestimmte Art und Weise neu. Man denke an das Black Metal-Opus
"Ihva Elohim Meth ... The Revival" von 1992. Das paßte voll in die
Zeit, bezauberte aber damals schon mit seiner Schwermuth und den eindringlichen
Melodien. "Dance Of December Souls" von 1993 war nicht weniger düster,
hatte aber mehr vom Doom, als von Black Metal oder gar Gothic. Mit "Scarlet
Heavens" auf der Split mit Primordial überraschten KATATONIA mit Cure-
und The Cult-Flair, so daß man die Platten-Hülle immer wieder
hin und her wendete, um ungläubig festzustellen, daß hier tatsächlich
die Schweden am Werk waren. "For Funerals To Come" 1995 schien dann den
Umbruch zu markieren, den die Band dann mit "Brave Murder Day" endgültig
vollzog: Gothic Metal der eindringlichsten und schönsten Sorte. "Brave
Murder Day" hatte durchaus noch Längen, die waren aber nur eine vorübergehende
Erscheinung.
Das neueste Werk der Band, "Viva
Emptiness", ist gotische Kunst in Vollendung. Die bezaubernden Melodien
umschmeicheln den glasklaren Gesang von Jonas Renkse, der getrost zu den
gesanglichen Speerspitzen des Gothic-Genres gezählt werden kann. Allerdings
- wer bekommt schon solche Songs an die Seite gestellt.
Wenn es auch anno 2003 vor allem
Harmonien sind, die KATATONIAS Musik bestimmen, ist doch der Hang zu mehr
Dynamik unüberhörbar. In "One Year From Now" und "Walking By
A Wire" wird diese Achterbahnfahrt der Gefühle auf die Spitze getrieben.
"Criminals" und "Omerta" sind solch unwiderstehlichen, ja geradezu herzzerreißenden
Weisen, daß man heulen möchte. Die Gitarren, die wie in "Will
I Arrive" nahezu Noise-Wände aufbauen, nimmt man bei den ersten zwei,
drei Durchläufen gar nicht wahr. Zu perfekt ist jede einzelne Note
plaziert. Drängen sich die Vier-Saiter jedoch stärker ins Bewußtsein,
wird dieser Teil der Songs zu einem neuen Element der Faszination.
Ihr seht, die neue KATATONIA ist
eigentlich unglaublich.
"Criminals"
JUB
[vor][zurück]