An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 10. Juni 2003


GEORGE THOROGOOD & THE DESTROYERS "Ride 'Til I Die" 9
Eagle Records, 2003

George Thorogood &The Destroyers - Ride 'Til I Die

Ja ja, ich weiß. Eigentlich ist GEORGE THOROGOOD nicht gerade prädestiniert für eine Sendung wie INTERREGNUM. Aber egal, denn der harte Blues Rocker aus Delaware/USA kann ohne Probleme auch die Herzen von Heavy Metal-Fans erweichen. Und das nicht nur der simplen Tatsache wegen, daß er mit seiner Klampfe so manchen heftigen Ton zu zaubern weiß, nein. Vielmehr macht das Rythm and Blues-Material des Sängers und Gitarristen bereits seit 25 Jahren einen Heidenspaß. Während er den Blues durchaus auch mal Baumwollfelder-tragisch zu interpretieren versteht ("Don't Let The Bossman Get You Down"), geht es bei Thorogood doch vor allem ruppig, fix und rauh zu Sache. Boogie ist das Machtwort, in beinahe jeder Note Party angesagt.
Da die wenigsten von Euch das Schaffen von Thorogood in früheren Zeiten kennen werden, fehlt Euch natürlich der Vergleich zum heutigen Material. Trotzdem kann ich Euch versichern, er geht immer noch so unverkrampft und erdig zur Sache wie zu jener Zeit Ende der 70er Jahre, als GEORGE THOROGOOD & THE DESTROYERS mit der Punkwelle und der damit einhergehenden wachsenden Popularität von Pub-rockenden Bluesbands á la Inmates oder Dr. Feelgood auch in Europa fast einen Superstar-Status erlangte. Einzig Thorogoods Stimme hat nicht mehr die Kratzbürstigkeit von einst. Das tut der Wirkung von "Ride 'Til I Die" allerdings keinen Abbruch.
"American Made"/"The Fixer"/"You Don't Love Me, You Don't Care"

JUB

TOURNIQUET "Where Moth And Rust Destroy" 10
Metal Blade, 2003

Tourniquet - Where Moth And Rust Destroy

Widersprüche können der Motor für eine ständige kreative Weiterentwicklung, für ein ständiges Fortschreiten sein. Anders kann ich mir die Existenz der Band TOURNIQUET nicht erklären. Das Trio zählt zu den innovativsten und besten Progressive Metal Bands weltweit, verarbeitet in seiner Musik jedoch sowohl Thrash Metal als auch Hardcore oder Doom. Zur Stamm-Besetzung gehört kein Gitarrist, obwohl die Klampfen auf "Where Most And Rust Destroy" - eingespielt von Marty Friedman (ex-Megadeth) und Bruce Franklin (Trouble) - einem einen Zentimeter tiefen Scheitel ziehen. Obendrein sind die mit sechssaitigen Solo-Ausflügen veredelten Songs einmal mehr ausschließlich von Schlagzeuger(!!!!) Ted Kirkpatrick komponiert worden. Und schließlich prangt ein übelst verrotteter Schädel auf dem CD-Cover und doch sind TOURNIQUET bekennende Christen, was sie auch in ihren Texten zum Ausdruck bringen. Erwartet man da nicht eher etwas mehr Betulichkeit in Image und Musik?
Laßt Euch um Gottes Willen unbedingt auf "Where Moth And Rust Destroy" ein, und Ihr werdet so etwas wie eine musikalische Offenbarung erleben. Die Stücke sind durchweg hochmelodiös, dabei immer zwingend heavy, erwecken meist den Eindruck, sie würden straight nach vorn gespielt, strotzen allerdings nur so vor Wendungen und Einfällen. Läßt man TOURNIQUETs Musik als Ganzes auf sich wirken, bekommt man fast ausschließlich gängige Groover, Headbanger-freundliches und mitwippbares Material zu hören. Lauscht man jedoch selektiv und folgt den einzelnen Tonspuren, wird man vermutlich nach Tagen mit der CD noch nicht fertig sein. Allein was Ted Kirkpatrick auf seinem Schlagzeug fabriziert, ist eigentlich nicht von dieser Welt (zum Beispiel "Drawn And Quartered" oder "Architeuthis" - übrigens arrangiert in typischer Carnivore-Manier. Wer's hört, weiß, was ich meine). Von den Gitarren ganz zu schweigen. Jedes Solo hat seine Bestimmung, hebt sich vom üblichen Flitzefinger-Gepose ab. Die Erleuchtung in diesem Zusammenhang ist "Healing Waters Of The Tigris". Doom Metal in Reinkultur geben uns die drei Amis mit "In Death We Rise", wobei der Siebenminüter ungewöhnlich monoton und simpel klingt. Den progressivsten Ausbruch markiert "Drawn And Quartered". Hier ist nichts mit straight. Ein musikalisches Element von Akustik-Part bis Speed-Anfall, angereichert mit Samples und überraschenden Effekten, reiht sich an das nächste.
Textlich bewegt man sich auf dem Boden des Alten Testaments, schreckt aber auch vor Horror-Phantasien nicht zurück. Allerdings beten TOURNIQUET ihre christliche Botschaft nicht herunter, sondern setzen die Dinge meist ins Verhältnis zum Heute. Also keine Mission, vielmehr eine Meinung.
Der Vorgänger "Microscopic View Of A Telescopic Realm" war ebenso unglaublich wie völlig anders als das vorliegende Album. Wer TOURNIQUET noch nicht kennt, kann sich getrost beide Alben zulegen.
"Drawn And Quatered"/"Healing Waters Of The Tigris"

JUB

CHILDREN OF FALL "Ignition For Poor Hearts" 9
Flight 13/CD-Promo, 2003

Children Of Fall - Ignition For Poor Hearts

Was für ein Brett! Die CHILDREN OF FALL sind gekommen, um Dich mal eben im Vorbeigehen aufzumischen. Allerdings strecken sie Dich nicht mit einer Death, Black, oder Thrash Metalkeule nieder. Vielmehr verwenden sie eine durchgeknallte Mischung aus Crustcore-Eruptionen, Doomcore, fiesen Melodie-Riffs, welche auch meinetwegen Dark Funeral hätten einfallen können, Hardcore und schleichender Verzweiflung, um Dich dem Wahn anheim fallen zu lassen. Das Gekeife des Frontmannes paßt sich interessanterweise dem jeweiligen Stil perfekt an, ohne sich jedoch großartig zu verändern. Tompa Lindberg fiele mir als Vergleich ein. Bei dem ganzen Core-Zeug, was die Schweden verzapfen, fällt positiv auf, daß sie nicht auf billige Allgemeinplätze zurückgreifen und ihre Musik deshalb sehr frisch wirkt. Interessant sind auch die Texte, in denen es im Großen und Ganzen um sozialkritische Ansichten geht. Doch auch hier wurden Rage Against The Machine-Plattheiten weiträumig umschifft. Auf die Texte näher einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Doch wenn Ihr "Ignition For Poor Hearts" mal in den Händen haltet, werft ruhig mal einen Blick auf die Lyrik. Gelungene CD.
"Sick Of Medicine"

THOMAS

CRYPTOPSY "None So Live" 7
Century Media, 2003

Cryptopsy - None So Live

Spielt diese CD doch einfach mal Bekannten vor, die schon Iron Maiden oder Accept nervig finden. Für solche Leute dürften CRYPTOPSY klingen wie die Geräusche aus drei Stahlwalzwerken und von fünf Großbaustellen und das alles mitten in einer Stellungsschlacht des Ersten Weltkrieges.
Diese Kanadier sind in der Szene ja bestens bekannt und haben mit ihrem extrem wüsten Death/Grind-Stil seit 1994 eine Vielzahl Nachahmer gefunden. Interessant ist auch für Kenner mitzuerleben, daß die Band dieses scheinbare Chaos auf der Bühne zu reproduzieren weiß, denn bei "None So Live" handelt es sich um einen Konzertmitschnitt. Allerdings ist diese Tatsache für den akustisch die CD Konsumierenden nicht wirklich von Bedeutung, denn CRYPTOPSY klingen auf ihren Studio-Alben auch nicht anders, als vor Publikum. Viel Spaß damit.
"White Worms"

JUB

KARMAKANIC "Entering The Spectra" 8
Regain Records, 2002

Karmakanic - Entering The Spectra

Jonas Reingold, Mitglied der schwedischen Progressiv-Band The Flower Kings, müßte eigentlich glücklich sein. Denn seine Stammformation versteht es nicht nur, herausragende Melodien zu entwickeln, sondern bindet diese immer wieder in raffinierte progressive Strukturen ein, daß es eine Freude ist. Aber Reingold war das Ganze offenbar zu eingängig, so daß er mal eben zwischen Frühstücks-Tee und den ersten Maulereien seiner sich aus den Kojen schälenden Band-Kollegen im Tour-Bus ein paar kleine unbedeutende Songs schrieb, die er jetzt mit der Band KARMAKANIC der Allgemeinheit zu Gehör bringt. Nun, und wer The Flower Kings kennt, dem sei gesagt: Die sind gegen KARMAKANIC eine Boygroup. Denn Reingold macht auf "Entering The Spectra" zum einen auf ganz frühe Yes, zum anderen werden vielleicht alte Rock-Hasen den jazz-rockenden Krautrock wieder erwachen hören. Wenn auf "Entering ..." gesungen wird, klingt es bezaubernd schön (Beatles, Pink Floyd). Doch wehe, wenn sie losgelassen. Denn die Instrumental-Parts - alle logischerweise ausgedehnt - haben es in sich. Absolut nichts für sanfte Gemüter. Das hier ist höhere Mathematik, mit der ich eigentlich überhaupt nichts am Hut habe. Wenn sie allerdings zu solchen Ergebnissen führt, werde ich meine Haltung zum Spiel mit den Zahlen eventuell noch einmal überdenken müssen.
"One Whole Half"

JUB

TENEBRE "Electric Hellfire Kiss" 7
Regain Records, 2002

Tenebre - Electric Hellfire Kiss

Was für manche Bands ein Fluch sein kann, entpuppt sich für andere wiederum als Segen. Während es immer wieder Combos gab, die daran zerbrachen, zu sehr an der Machart ihrer Vorbilder zu kleben, haben wir mit TENEBRE eine Band am Start, die ihr eklektisches Vorgehen zu einer Tugend entwickelte, die die CD "Electric Hellfire Kiss" zu einem hörenswerten und kurzweiligen Vergnügen macht. So treffen sich in dem Titelsong Sisters Of Mercy und sämtliche finnische Gothic Metal-Bands aus der Riege HIM und To Die For, läßt Sänger Victor ständig sein Mighty Mighty Bosstones-Organ die Oberhand gewinnen, erfahren wir Moonspellsche Schwermut ("Descend From Heaven"), fließen Stoner Rock-Elemente mit ein ("Starlet Wolverine"), schauen Danzig um die Ecke ("Beauty Destroyed"), gibt es Bezüge zu Tiamat ("Death Becomes You"), hat "Nocturnal Rhapsody" gar das Synthesizer-Intro von The Sweets Hit "Action" und und und. Das alles ist mit einem geschickten Händchen für gute Melodien und einem Hang zur Dramatik aufbereitet, daß einem "Electric Hellfire Kiss" durchaus ans Herz wachsen kan.
"Beauty Destroyed"

JUB

BOOMERANG "Weaveworld" 7
Trance Music/Pängg Distr., 2002

Boomerang - Weaveworld

Die Band aus Frankenthal hat sich gänzlich dem Power Metal verschrieben. Dieser definiert sich in diesem Fall über treibende Drums, flotte Rhythmus-Gitarren und einen kraftvollen und nie zu hohen Gesang.
BOOMERANG verzichten auch weitgehend auf Mini-Opern, barock anmutende Gitarren-Kapriolen, künstliche Chöre und dergleichen. Immer vorwärts prescht die Musik, mit geilen, schwungvollen Melodien ohne Kitsch. Natürlich sucht man stets nach Vergleichen und so auch in diesem Fall. Die ersten beiden Blind Guardian-Platten scheinen hier Pate gestanden zu haben als BOOMERANG ans Komponieren gingen. Doch das ist weniger ein Vorwurf denn eine Wertschätzung. Denn was wird einem heute nicht alles als Power Metal verkauft und hat gerade mal so viel mit Power zu tun wie Omas Gebiß im Reinigungsbad. Somit betreiben BOOMERANG also keinen Etikettenschwindel, sondern hauen eine starke CD raus, die jedem Blind Guardian-Fan der ersten Stunde gefallen sollte. www.boomerang-metal.de / stefan@der-bierfreund.de
"Of Blood And Honour"

THOMAS

LOGH "The Contractor And The Assassin" 7
Bad Taste Rec/CD-Promo, 2003

Logh - The Contractor And The Assassin

Diese Brit-Pop (?)-Band ist wahrlich nichts für INTERREGNUM (schon wieder so ein Schlenzer). Allerdings sei jenen unter Euch, die ständig Scheiße drauf sind und es auch bleiben möchten, diese Band nicht vorenthalten. Denn diese kleine EP zieht sowas von runter. In der Grundstimmung könnten die Songs durchaus einem der Gothic-Szene verhafteten Musiker eingeschossen sein, nur haben die Stücke dafür einen zu starken Hang zum Psychedelic. Besonders krass kommen die Intrumentals "The King Of Romania", "NoFo" und "Wild Card". Diese Sachen scheinen Ende der 60er in einer Opium-Höhle geschrieben. Irgendwie ziemlich geil das Ganze. Appropos "ganz". Von LOGH gibt es außer dieser EP auch eine CD in voller Länge, und die heißt "The Raging Sun".
"NoFo"

JUB

CRADLE OF FILTH „Damnation And A Day“ 9
Sony Music, 2003

Cradle Of Filth - Damnation And A Day

Obwohl mit fast 80 Minuten eines der längsten Werke auf dem Heavy Metal-Markt, bedarf es eher weniger Worte, um das neue CRADLE OF FILTH Output zu beschreiben. Denn die Briten um Sänger Dani Filth sind sich ihrer Linie seit 1994, als der Meilenstein "The Principle Of Evil Made Flesh" erschien, absolut treu geblieben. Wir sehen die Band immer noch fest im Black Metal verhaftet, auch wenn diese Band es gar schon in die Tages-Rotation von MTV schaffte. Und Cradle haben auch 2003 nichts von ihrem Horror-Image eingebüßt. Wenn dieses bisher vor allem in den Texten manifestiert wurde, sind es diesmal wieder die musikalischen Elemente, die einem Schauer über den Rücken jagen. Jedes einzelne Stück dieser CD spricht in Bildern, die ein gotisches Ambiente mit grausigen Szenen suggerieren. Ähnlich dem Flair alter Hammer-Studio-Filme. Unterstützt wird die Wirkung des Death/Thrash/Black Metal-Infernos durch eingestreute Orchester-Passagen, die Fix-Punkte auf dem Album markieren und den Eindruck eines Soundtracks noch verstärken.
Die hysterische Art von Dani Fith zu singen, wird einmal mehr für kompromißlose Verehrung oder Ablehnung sorgen. Vor allem zieht der Mann in keinem Song einen Stimmenstil durch, sondern wechselt ständig von Gekeife zu erbitterten Schreien oder sinkt in bösartiges Gegrowle ab. Wenn man die Aufgabe hätte, das neue CRADLE OF FILTH-Album mit einem Wort zu umreißen, dann fiele mir nur "Erhabenheit" ein. 

JUB

DARK GAMBALLE "Merizo Nanen" 7
Redblack, 2002

Dark Gamballe - Merizo Nanen

Wenn wir CDs für die einzelnen "Abgehört"-Sendungen heraussuchen, geschieht das nicht mit Blick auf eine mögliche Abwechslung, sondern relativ willkürlich. Denn gerade dieses Zufalls-Prinzip hat in der Vergangenheit gezeigt, daß so meist die besten Zusammenstellungen entstehen. Dabei kommt es dann manchmal auch zu Zusammenführungen, wo in einer Sendung bei zwei Bands nahezu das gleiche gesagt werden kann. Und wenn wir bei Tenebre von Einflüssen ohne Ende sprachen, dann gilt dies für DARK GAMBALLE nicht minder. Allerdings sind es hier weniger Bezüge zu einzelnen Bands, als daß vielmehr einige Stilmittel voll ausgereizt werden. So haben die Tschechen von DARK GAMBALLE auf "Merizo Nanen" Gothic ebenso verpackt wie Industrial, EBM, Trip Hop oder New Metal. Selbst Crossover in der Faith No More-Gangart ist zu vernehmen, sogar die stimmlichen Eigenarten von Glen Danzig kommen zu Ehren (Opener). Und die verschiedenen Spielarten werden nicht etwa gleichberechtig in die Songs integriert, sondern jedes Lied steht kompakt und von Fremdeinflüssen frei jeweils für die ein oder andere Stilistik. Dabei sind DARK GAMBALLE ein paar Perlen gelungen, die Weltklasse darstellen. Allein "Múry" ist eine Gothic-Hymne der Spitzenklasse. Bei dem neumetallischen Zeug oder den trippigen Ausflügen wird es dann banaler. Auch im elektronisch gestriffenen Bereich agieren die Tschechen nicht immer hörenswert.
DARK GAMBALLE singen meist tschechisch. Nur hin und wieder werden englische Parts eingestreut. Aber allein "Múry" zeigt, daß es völlig egal ist, welche Sprache Du verwendest, wenn der Text harmonisch mit der Musik verschmilzt.
"Múry"

JUB

BULLETHOLE "Incarceration" 7
Black Lotus Rec., 2003

Bullethole - Incarceration

Aus Griechenland sind bei uns eher Düsterkapellen wie Rotting Christ, Necromantia oder Thou Art Lord bekannt. Mit BULLETHOLE lernen wir nun eine andere Visitenkarte metallischer Prägung der Hellenen kennen. Das Trio zockt finstersten Hardcore mit extremem Death Metal-Einschlag. Dabei bedient es sich beiden Lagern, ohne sich auf eine Seite festzunageln. Man kann also nicht mit Bestimmtheit sagen, ob BULLETHOLE eine Hardcore-Band mit Death Metal-Elementen sind oder eher eine Death Metal-Band mit Hardcore-Touch. Groove-Rhythmen gesellen sich zu Carcass/Arch Enemy-Riffs, ohne daß es befremdlich wirkt. Dann sind es wieder Ami-Death-Zitate, die bemüht werden, zu denen Biohazard-mäßig geschrien wird, und im Hintergrund gurgelt eine Verließ-tiefe Grindcore-Stimme. So befremdlich die Hardkern-Death Metal-Kombination auch klingen mag, die Griechen machen das mit Chick. "Incarceration" knallt und groovt an allen Ecken und stellt eine gelungene CD dar.
"Nothing Will Remain"

THOMAS

KATATONIA "Viva Emptiness" 10
Peaceville, 2003

Katatonia - Viva Emptiness

KATATONIA-Fans haben es gut. Sie werden nie das Gefühl haben, ihre Lieblingsband wiederhole sich. Egal, was die Schweden veröffentlichen: Die Band definiert sich jedesmal auf eine ganz bestimmte Art und Weise neu. Man denke an das Black Metal-Opus "Ihva Elohim Meth ... The Revival" von 1992. Das paßte voll in die Zeit, bezauberte aber damals schon mit seiner Schwermuth und den eindringlichen Melodien. "Dance Of December Souls" von 1993 war nicht weniger düster, hatte aber mehr vom Doom, als von Black Metal oder gar Gothic. Mit "Scarlet Heavens" auf der Split mit Primordial überraschten KATATONIA mit Cure- und The Cult-Flair, so daß man die Platten-Hülle immer wieder hin und her wendete, um ungläubig festzustellen, daß hier tatsächlich die Schweden am Werk waren. "For Funerals To Come" 1995 schien dann den Umbruch zu markieren, den die Band dann mit "Brave Murder Day" endgültig vollzog: Gothic Metal der eindringlichsten und schönsten Sorte. "Brave Murder Day" hatte durchaus noch Längen, die waren aber nur eine vorübergehende Erscheinung.
Das neueste Werk der Band, "Viva Emptiness", ist gotische Kunst in Vollendung. Die bezaubernden Melodien umschmeicheln den glasklaren Gesang von Jonas Renkse, der getrost zu den gesanglichen Speerspitzen des Gothic-Genres gezählt werden kann. Allerdings - wer bekommt schon solche Songs an die Seite gestellt.
Wenn es auch anno 2003 vor allem Harmonien sind, die KATATONIAS Musik bestimmen, ist doch der Hang zu mehr Dynamik unüberhörbar. In "One Year From Now" und "Walking By A Wire" wird diese Achterbahnfahrt der Gefühle auf die Spitze getrieben. "Criminals" und "Omerta" sind solch unwiderstehlichen, ja geradezu herzzerreißenden Weisen, daß man heulen möchte. Die Gitarren, die wie in "Will I Arrive" nahezu Noise-Wände aufbauen, nimmt man bei den ersten zwei, drei Durchläufen gar nicht wahr. Zu perfekt ist jede einzelne Note plaziert. Drängen sich die Vier-Saiter jedoch stärker ins Bewußtsein, wird dieser Teil der Songs zu einem neuen Element der Faszination.
Ihr seht, die neue KATATONIA ist eigentlich unglaublich.
"Criminals"

JUB
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