SEVERE TORTURE „Feasting On
Blood“ 8
The Plague/Connected, 2000
„Feces Of Jesus“
Eine Fußtrommel einem Maschinengewehr
gleich, flirrende Gitarrenläufe, die von unruhigen Händen künden
und ein Sangeskünstler, der aus der Kloschüssel zu rufen scheint:
SEVERE TORTURE wagen es, kompromißlos zu sein.
Und nicht nur musikalisch hat der
Begriff Death Metal bei den Holländern noch seine eigentliche Bedeutung.
Auch thematisch ist man für jeden Spaß zu haben.
„Baptized In Virginal Liquid“
Will man sich tatsächlich in
all den üblen Körperflüssigkeiten und Exkrementen aalen,
die SEVERE TORTURE auf ihrer Scheibe „Feasting On Blood“ so lustvoll bemühen,
muß man die Musik dieser Band hören. Alles andere wäre
vermutlich ein Stilbruch. So als würde man beim Opernball in Wien
auf den Tisch kacken. Nun, und herhalten müssen all jene, die es mit
dem blassen Schlappschwanz am Kreuz halten.
„Vomiting Christ“
JUB
GARDENIAN „Sindustries“
7
Nuclear Blast, 2000
Die „Soulburner“ klingt noch in unseren
Ohren, da legen GARDENIAN mit „Sindustries“ eine Kohle nach. Und während
man auf dem 99er Vorgänger in den polarisierten musikalischen Lagern
für Verwirrung sorgte, ist man sich jetzt in der Band offensichtlich
einig: Hier wird Melodic Death gemacht. Und da man aus Schweden kommt,
klingts auch ganz schwedisch.
„Courageous“
Erinnern wir uns an den Song „Powertool“
- eine deathmetallische Perle, die sich ungeniert neben den Sternstunden
von In Flames oder Dark Tranquillity plazieren kann. Soetwas fehlt diesmal
auf „Sindustries“. Allerdings gibt es auch keine progressiven Experimente,
die auf „Soulburner“ so verwirrten und - mit Verlaub - mißlungen
klangen. Wie schrieben Nuclear Blast einst? Man wolle vom „reinen Death
Metal-Image wegkommen“. Hat sich wohl doch nicht ausgezahlt.
Rund klingt die Neue allemal. Die
Stücke sind auch fast durchgehend gut, haben zum Teil gar herausragende
Melodie-Ideen, treffliche Arragements. Leider war das alles schon zigmal
da. Mit „Sindustries“ haben GARDENIAN zwar ein gutes Album abgeliefert.
So können das aber 100 andere Bands weltweit auch.
„The Suffering“
JUB
PRIME TIME „Free The Dream“
8
Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point,
2001
Zu DDR-Zeiten gab es auf jeder Diskothek,
die etwas von sich hielt, eine Heavy-Runde. Natürlich ging es da nicht
wirklich wild zu. Aber die Matten nahmen es dankbar an. Außerdem
konnte man präsentieren, daß man anders war und die Lederkluft,
Kutten und Nieten-Gebamsel zu Schau stellen. In solchen Runden liefen dann
Sachen wie „Jump“ von Van Halen, „In The Army Now“ von Status Quo, „Juke
Box Hero“ von Foreigner oder „The Final Countdown“ von Europe. Aber egal:
Es war die Runde für die Metaller. Und außerdem konnte man am
Schluß noch mit Metallicas „Master Of Puppets“ rechnen.
Warum erzähle ich das? Weil
mich PRIME TIME an diese Zeiten erinnern. Sie haben genügend Pop-Apeal,
um das gemeine Disko-Publikum nicht zu verschrecken, sind mit ihren dominierenden
E-Gitarren, die sich gar zu Soli hinreißen lassen, und mit den treibenden
Songs doch einen Tick zu ungewöhnlich für den Mob. Der Metal-Freak,
der es mit Death oder Black hält, wird kaum glauben können, daß
PRIME TIME für jemanden eine Hürde darstellen könnten. Und
doch, Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schwer es für
viele ist, eine rasch gespielte verzerrte Gitarre zu knacken. Soetwas bekommt
Ihr im täglichen Dudelfunk nämlich so gut wie nie zu hören.
„Scorned“
Wenn auch supersoft - die Rezeptur
von PRIME TIME stimmt. Ihre Scheibe „Free The Dream“ enthält beinahe
ausschließlich autobahntaugliche Bleifuß-Liedchen, die keinen
Moment weh tun. Eher ertappt man sich, freundlich lächelnd mitzuwippen.
Und bei den Melodien haben die Jungs sowieso ein goldenes Händchen
bewiesen.
„Hanging On“
Abschreckend wirkt hingegen die
Tatsache, daß die Musiker bereits in den Töpfen von Elegy, Narita
und Royal Hunt mitrührten. Allerdings hat sich das nicht wesentlich
auf die Inhalte ihrer Texte ausgewirkt. Zwar bekommt man bei PRIME TIME
das
volle Think-Positive-Programm, wird aber nicht mit missionarischem Bekehrungs-Gebabbel
penetriert.
„Forever You And I“
JUB
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