An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 10. Juli 2001


SEVERE TORTURE „Feasting On Blood“ 8
The Plague/Connected, 2000

Severe Torture - Feasting On Blood

„Feces Of Jesus“
Eine Fußtrommel einem Maschinengewehr gleich, flirrende Gitarrenläufe, die von unruhigen Händen künden und ein Sangeskünstler, der aus der Kloschüssel zu rufen scheint: SEVERE TORTURE wagen es, kompromißlos zu sein.
Und nicht nur musikalisch hat der Begriff Death Metal bei den Holländern noch seine eigentliche Bedeutung. Auch thematisch ist man für jeden Spaß zu haben.
„Baptized In Virginal Liquid“
Will man sich tatsächlich in all den üblen Körperflüssigkeiten und Exkrementen aalen, die SEVERE TORTURE auf ihrer Scheibe „Feasting On Blood“ so lustvoll bemühen, muß man die Musik dieser Band hören. Alles andere wäre vermutlich ein Stilbruch. So als würde man beim Opernball in Wien auf den Tisch kacken. Nun, und herhalten müssen all jene, die es mit dem blassen Schlappschwanz am Kreuz halten.
„Vomiting Christ“

JUB

GARDENIAN „Sindustries“ 7
Nuclear Blast, 2000

Gardenian - Sindustries

Die „Soulburner“ klingt noch in unseren Ohren, da legen GARDENIAN mit „Sindustries“ eine Kohle nach. Und während man auf dem 99er Vorgänger in den polarisierten musikalischen Lagern für Verwirrung sorgte, ist man sich jetzt in der Band offensichtlich einig: Hier wird Melodic Death gemacht. Und da man aus Schweden kommt, klingts auch ganz schwedisch.
„Courageous“
Erinnern wir uns an den Song „Powertool“ - eine deathmetallische Perle, die sich ungeniert neben den Sternstunden von In Flames oder Dark Tranquillity plazieren kann. Soetwas fehlt diesmal auf „Sindustries“. Allerdings gibt es auch keine progressiven Experimente, die auf „Soulburner“ so verwirrten und - mit Verlaub - mißlungen klangen. Wie schrieben Nuclear Blast einst? Man wolle vom „reinen Death Metal-Image wegkommen“. Hat sich wohl doch nicht ausgezahlt.
Rund klingt die Neue allemal. Die Stücke sind auch fast durchgehend gut, haben zum Teil gar herausragende Melodie-Ideen, treffliche Arragements. Leider war das alles schon zigmal da. Mit „Sindustries“ haben GARDENIAN zwar ein gutes Album abgeliefert. So können das aber 100 andere Bands weltweit auch.
„The Suffering“

JUB

PRIME TIME „Free The Dream“ 8
Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point, 2001

Prime Time - Free The Dream

Zu DDR-Zeiten gab es auf jeder Diskothek, die etwas von sich hielt, eine Heavy-Runde. Natürlich ging es da nicht wirklich wild zu. Aber die Matten nahmen es dankbar an. Außerdem konnte man präsentieren, daß man anders war und die Lederkluft, Kutten und Nieten-Gebamsel zu Schau stellen. In solchen Runden liefen dann Sachen wie „Jump“ von Van Halen, „In The Army Now“ von Status Quo, „Juke Box Hero“ von Foreigner oder „The Final Countdown“ von Europe. Aber egal: Es war die Runde für die Metaller. Und außerdem konnte man am Schluß noch mit Metallicas „Master Of Puppets“ rechnen.
Warum erzähle ich das? Weil mich PRIME TIME an diese Zeiten erinnern. Sie haben genügend Pop-Apeal, um das gemeine Disko-Publikum nicht zu verschrecken, sind mit ihren dominierenden E-Gitarren, die sich gar zu Soli hinreißen lassen, und mit den treibenden Songs doch einen Tick zu ungewöhnlich für den Mob. Der Metal-Freak, der es mit Death oder Black hält, wird kaum glauben können, daß PRIME TIME für jemanden eine Hürde darstellen könnten. Und doch, Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schwer es für viele ist, eine rasch gespielte verzerrte Gitarre zu knacken. Soetwas bekommt Ihr im täglichen Dudelfunk nämlich so gut wie nie zu hören.
„Scorned“
Wenn auch supersoft - die Rezeptur von PRIME TIME stimmt. Ihre Scheibe „Free The Dream“ enthält beinahe ausschließlich autobahntaugliche Bleifuß-Liedchen, die keinen Moment weh tun. Eher ertappt man sich, freundlich lächelnd mitzuwippen. Und bei den Melodien haben die Jungs sowieso ein goldenes Händchen bewiesen.
„Hanging On“
Abschreckend wirkt hingegen die Tatsache, daß die Musiker bereits in den Töpfen von Elegy, Narita und Royal Hunt mitrührten. Allerdings hat sich das nicht wesentlich auf die Inhalte ihrer Texte ausgewirkt. Zwar bekommt man bei PRIME TIME das volle Think-Positive-Programm, wird aber nicht mit missionarischem Bekehrungs-Gebabbel penetriert.
„Forever You And I“

JUB
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