An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 10. September 2002


TESTAMENT „First Strike Still Deadly“ 8
Spitfire/Burnt Offering, 2001

Testament - First Strike Still Deadly

Spätestens seit ihrem Album „The Legacy“ waren TESTAMENT in aller Munde und auf Schlag eine der führenden Thrash Metal-Institutionen. Mit dem Erfolg mehrten sich allerdings die Stimmen, die TESTAMENT nur allzu gern als Metallica-Plagiat abtaten. Während jedoch James Hetfield und Co. mittlerweile mit Orchester-Unsinn das bemitleidenswerte Publikum penetrieren, sind Chuck Billy und seine Band derzeit näher an ihren Wurzeln, als all die anderen Größen von einst: Slayer, Flotsam & Jetsam, Exodus.
Und das belegen TESTAMENT nachhaltig mit der Quasi-Best-Of „First Strike Still Deadly“, die Material ihrer ersten drei LPs und ihres Demos, das noch unter dem Band-Namen The Legacy aufgenommen wurde, enthält. Allerdings haben sich die Bay-Area-Thrasher nicht auf das bloße Kompilieren beschränkt, sondern alle Sachen noch einmal neu eingespielt, ohne dabei die Authentizität der Songs zu zerstören. Die Sachen sind „lediglich“ brachialer und druckvoller produziert. 
Mit dabei waren bei diesem Happening der Ex-TESTAMENT-Gitarrist Alex Skolnick und der ehemalige Schlagzeuger John Tempesta. Die beiden Demo-Songs „Alone In The Dark“ und „Reign Of Terror“ wurden von keinem anderen als Steve Souza eingesungen, der damals bei The Legacy am Mikro stand und später bei Exodus Berühmtheit erlangte. 
Diese Scheibe weckt Erinnerungen und nährt die Hoffnung, Chuck möge seine Krebserkrankung gut überstehen, daß uns TESTAMENT noch lange erhalten bleiben.
„Alone In The Dark“

JUB

DANZIG „7:77: I Luciferi“ 4
Spitfire Rec/Evilive Rec, 2002

Danzig - 7:77:I Luciferi

Glenn Danzig ist spätestens seit „Danzig IV“ dabei, seinen Status zu demolieren. War er einst die Reinkarnation eines blues-rockenden Jim Morrisons, der aus höllischen Tiefen Arm in Arm mit Satan dem Heavy Metal mit einer ganz expliziten Art von Nostalgie einen Kick zu verschaffen wußte, rennt er heute den Trends hinterher wie ein aufgescheuchtes Huhn. Was hat er nicht alles probiert. Selbst Industrial-Klänge waren ihm nicht zu unerhört. Jetzt fiepen die Gitarren, wird gerappt und eignen sich die Gitarrengrooves perfekt zum Hüpfen. Man höre nur das Zweierpack „Wicked Pussycat“ und „God Of Light“ - kein ernst zu nehmender DANZIG-Fan der ersten Stunde wird sich dieses Album kaufen. Zwar ist auf dem Album kein Song mehr so unerträglich wie die beiden genannten, wesentlich besser wird es aber nicht. Sicher haben „Black Mass“, „The Coldest Sun“ und „Kiss The Skull“ ihren Reiz, der vor allem aus der metallischen Wucht erwächst, eine Rückkehr zu DANZIGs Großtaten ist das allerdings nicht. Sollte es Leute geben, die das frühe DANZIG-Material nicht kennen, denen sei „Angel Blake“ empfohlen. Das Stück markiert quasi den Höhepunkt auf einer abgrundtief schwachen Scheibe, da es mit seinem Black Sabbath-Riff den Meisterwerken auf „I“, „Lucifuge“ und „How The Gods Kill“ am nächsten kommt.
Schade, wieder keine Möglichkeit, der DANZIG-Sammlung ein neues Kleinod hinzuzufügen. Eine Chance hat die Muskelmurmel allerdings noch. Danach können wir ihn aus dem Genius-Register streichen.
„Kiss The Skull“

JUB

ALBERTO CEREIJO „Evasion“ 8
Locomotive Music, 2001

Alberto Cereijo - Evasion

Gitarristen-Alben sind immer so eine Sache. Vor allem dann, wenn sie eigentlich mehr für Gitarristen gemacht werden und der gemeine Rock-Fan kaum Aufregendes zu entdecken weiß. „Evasion“ des Spaniers ALBERTO CEREIJO ist von einem anderen Schlage. Die Songs bezaubern zwar mit sechssaitigen Raffinessen, bleiben aber flüssig. Cereijo ist sich auch nicht zu schade, immer wieder mal mit der Rhythmus-Mannschaft im Gleichschritt zu marschieren. Obendrein ist „Evasion“ kein reines Instrumetal-Album: Vier der 14 Stücke sind mit Gesang von Pekas (Grass) und Pacho Brea (Ankhara) ausgestattet.
Die Musik bewegt sich im Großen und Ganzen im Melodic Metal-Bereich, jazzig wird es lediglich bei „Winter Groove“, einer der härtesten Nummern auf der Scheibe. Auffällig ist ALBERTO CEREIJOs Nähe zu Solo-Ausflügen eines Steve Vai oder Joe Satriani, was den Stücken natürlich gut tut, da genannte Amis meist sehr melodiebetont und massenkompatibel komponierten.
Cereijo ist natürlich kein Möchtegern-Klampfer, sondern hat in Spanien einen enormen Status. Zum einen ist er Mitglied der Band Los Suaves, veröffentlichte reichlich Solo-Zeug und wird von der spanischen Rock- und Heavy Metal-Gemeinde geradezu verehrt. Und wegen dieser Fähigkeiten und seiner Erfahrungen (allein bei Los Suaves ist er seit 1990) hat ALBERTO CEREIJO vermutlich zuallererst songdienlich gearbeitet und ein kurzweiliges Album vorgelegt, das Gitarristen-Freaks und Metal-Fans, die nicht ständig jeden Gitarren-Lauf auswerten möchten, gleichermaßen begeistern könnte.
„Si todos callan“

JUB

MORTUS „Exploring New Horizons“ 7
CCP Rec., 2002

Mortus - Exploring New Horizons

Die Österreicher verstehen es doch immer wieder, unsereins zu überraschen. Waren es einst Olemus, die unser Herz öffneten, treten diesmal MORTUS an, das Alpenland ins „Gerede“ zu bringen. Obwohl bereits 1997 mit der Debüt-CD aufgetaucht, legen uns MORTUS mit „Exploring New Horizons“ erst in diesem Jahr ihren Zweitling vor. Und der ist nicht von schlechten Eltern. Bereits die ersten beiden Stücke „The Last Disease“ und „Paradise“ offerieren uns Gesangs-Arrangements, wie sie Dark Tranquillity auf „Projector“ zur Vollendung brachten. Umhüllt wird das Ganze von Musik vom Schlage Paradise Lost auf „Shades Of God“. Und dann haben wir da das Stück „Valhalla“, um das sich die anderen Beiträge auf der CD versammelt zu haben scheinen. Diese kleine Ode an den germanischen Götterhimmel ist meisterlich.
Leider halten MORTUS die Eleganz der ersten beiden Stücke beim bisher nicht genannten Rest nicht ganz durch. Das Muster ist ähnlich, wohl aber fehlten offenbar die zündenden Melodie-Ideen. Nichtsdestotrotz bewegen sich auch diese Songs immer noch auf einem recht hohen Niveau.
„Valhalla“

JUB

TWYSTER „Lunatic Siren“ 10
Massacre, 2002

Twyster - Lunatic Siren

Es gibt - sagen wir - drei Hauptarten von Heavy Metal-Sängerinnen. Die größte Gruppe rekrutriert sich aus gesichts- und charakterlosen  „Sopranistinnen“, die entweder in Gothic-Bands quietschen oder in vielen Power Metal-Bands ihren plärenden Sangeskollegen versuchen, Konkurrenz zu machen. Die zweite Gruppe ist schon weitaus kleiner. Dabei handelt es sich um die stimmlichen Furien, die selbst altgediente Metaller mit offenen Mündern zurücklassen. Ich nenne da nur Holy Moses, Arch Enemy und Sinister. Die dritte Kategorie - und kaum größer als die der Furien - ist die der außergewöhnlichen Stimmen. Diese sind nicht Szene-abhängig und finden sich quasi in allen Metal-Spielarten wieder. Erinnern möchte ich da an Wendy O. Williams (Plasmatics), Frederica De Boni (White Skull), Doro gehört auch dazu oder Mea (Daylight Torn). Dieser letzten Runde gesellt sich jetzt ein Vokal-Highlight hinzu: Kordula „Coco“ Voß.
„The Cloven Hoof“
Coco fährt gut die Hälfte der Miete für TWYSTER ein, die eine Band zwischen Melodic und Power Metal sind. Ein paar Hinweise gibt es auch auf die glorreichen 70er Jahre („50 Bloody Bucks“, „High Noon“).  Obendrein sind die Stücke der TWYSTER-Debüt-Scheibe „Lunatic Siren“ bemerkenswert abwechslungsreich gestaltet. Ein einheitliches Strickmuster wie zum Beispiel bei White Skull vor „The Dark Age“ ist nicht erkennbar, was sich im Falle dieser deutschen Band als ganz fetter Pluspunkt manifestiert. Denn die Band hat da offenbar begnadete Songschreiber in ihren Reihen. Auch Sachverstand in Sachen Coverversion haben TWYSTER bewiesen, machten sich doch aus dem Hardcore-schwulen „The Sun Always Shines On TV“ (A-ha) einen straighter Heavy Rocker.
Cocos Organ ist hinreißend, ihre Wandlungsfähigkeit überwältigend („Dark Destiny“, „Don’t Break The Silence“). Sie kann schmeicheln, geifern, pathetisch klingen, kann sich mit ihrer Stimme zurücknehmen oder auch ganze Hallen beschallen. Da frage ich mich, warum entdeckt man solch eine Band erst nach sieben Jahren ihres Bestehen, wo doch seit Jahren regelmäßig zig andere Junggemüse-Kapellen nach nur zwei Wochen im Proberaum unter anderem auch wegen ihrer fiependen Sängerinnen Plattenverträge erhielten.
„Thunderland“

JUB

FALL OF SERENITY „Grey Man’s Requiem“ 9
Voice Of Life, 2001

Fall Of Serenity - Grey Man's Requiem

Wie eine Rinderherde mitten in einer Stampede fallen FALL OF SERENITY mit „Grey Man’s Requiem“ über Dich her. Die Klangwand ist so mächtig, daß sie Dir den Brustkorb zusammenzupressen scheint und Dich nach Luft ringen läßt. Die Schleizer machen absolut keine Kompromisse, prügeln drauflos, als gelte es, New York in Schutt und Asche zu legen. Highspeed-Death Metal ist angesagt. Und wenn die Jungs am Ende von „Living The Pain“ mal kurz schwerfällig daherkommen, wird zur Entschuldigung bei „The Price Of Innocence“ gleich wieder alles kurz und klein geschlagen. Nun, und ihnen gelingt schließlich das Unvorstellbare: In all dieser Wucht und Raserei haben sie eine Reihe von klasse Melodien versteckt, so daß es immer wieder spannend ist, diese CD zu hören.
Als kleines Dessert gibt es zum Schluß Cover-Versionen von Dismember („Casket Garden“) und Black Sabbath („Electric Funeral“). Auch die sind bestens gelungen.
„Casket Garden“

JUB

AFTER FOREVER „Decipher“ 7
Transmission Rec., 2001

After Forever - Decipher

Soso, das „sensationellste Metal Debüt“ haben die Holländer AFTER FOREVER 2000 also vorgelegt. Wenn sich die Promo-Leute des Vertriebs Flying Dolphin da mal nicht ein wenig weit hinauslehnen, denn ich habe das AFTER FOREVER-Debüt, „Prison Of Desire“, doch eher als ein eklektisches Werk zwischen Gathering und Therion in Erinnerung. Und diese Wurzeln sind auch beim Zweitling deutlich vernehmbar. Klassik-Bombast mit Opern-Chören gab es in dieser Form schon ausgiebig bei Christopher Johnson, und Floor Jansen klingt in ihren normalen Gesangs-Passagen doch arg nach Anneke van Giersbergen. Ich meine, dafür kann Floor ja eigentlich nicht wirklich was, aber deswegen dauernd in Sopran-Höhen zu trällern, muß auch nicht sein. Allerdings - und das sei der Fairneß halber angemerkt - verfügt die AFTER FOREVER-Sängerin durchweg über angenehm anzuhörende Stimmfärbungen. Auch beim Sopran, ehrlich.
Kommen wir zu den Songs. Und da könnte man sich zum Beispiel „Emphasis“ herauspicken. Das Stück ist symptomatisch für die Platte, weil mit sämtlichen Elementen von „Decipher“ angereichert. Die Heavyness ist beachtlich, die Komposition sehr eingängig, das Arrangement kitzelt das Letzte aus den Möglichkeiten dieses Stücks heraus und der Orchester-Bombast wirkt nicht aufgeblasen, sondern unterstützt eine gewisse dramatische Ausstrahlung. Leider ist nicht alles auf der neuen AFTER FOREVER von dieser Qualität. Denn hin und wieder verliert sich die Band in banalen Schwulst-Gefilden („Intrinsic“), die zum Teil gar in „Miss Saigon“-Musical-Pomp („Imperfect Tenses“) versinken.
Ansonsten ein gelungenes Konzeptwerk, das mit deftigem Gothic Metal nicht geizt. Übrigens wird Floor „gruntend“ von Gitarrist Sander Gommans und „screamend“ von Gitarrist Mark Jansen unterstützt.
„Imperfect Tenses“/“Emphasis"

JUB

SILVER SERAPH „Silver Seraph“ 10
Regain Records, 2002

Silver Seraph - Silver Seraph

Was kommt dabei heraus, wenn sich Musiker von Majestic, Darkane, Alien sowie Jade und Ex-Leute von Arch Enemy, Black Totem oder Bai Bang zusammentun? Oh, da gäbe es eine Menge von Sachen, die einem da einfallen könnten. Aber seit drei, vier Jahren scheint sich die halbe Metal-Welt darin überbieten zu wollen, das beste Deep Purple-Album abzuliefern, das nicht von Deep Purple eingespielt wurde. Und SILVER SERAPH sind da definitiv ein ganz heißer Anwärter auf den Thron. Denn die eingangs erwähnte Musiker-Mischung hat sich ganz dem musikalischen Erbe von Deep Purple und Rainbow verschrieben und ein Debüt abgeliefert, das es in sich hat. Ein Smash Hit jagt den nächsten. Während man mit „Aftermath“ Rock-Chart-tauglich einsteigt, folgt mit „7th Day Of Babylon“ der Deep Purple-typische Stampfer, der von „Cry From Hell“ abgelöst wird, in dem SILVER SERAPH Lack machen. „Desperate Heart“ fällt ein bißchen aus dem Korsett raus und entpuppt sich als akkurate Halb-Ballade mit Pseudo-Spinett-Begleitung. Das Instrumental-Doppel „Shadowland“ und „Shadow“ wartet mit einer hervorragenden Melodie auf, bei der ich unwillkürlich an Sachen von Gary Moore denken muß. Und nachdem „Nosferatu“ als das wohl ungewöhnlichste Stück auf dem Album zu Ende ist, wird der Purple/Rainbow-Stiefel weiter gefahren. Wobei man bei „In The Dark“ große Ohren bekommt, denn das ist ein Meisterwerk, wie es auch die großen Vorbilder nicht besser hinbekommen hätten.
An dieser Stelle erwartet man mit „Black Rain“ und „Loving You“ bestenfalls nette aber durchschnittliche Füller und muß überrascht feststellen, daß einem das Finale tatsächlich noch bevorstand. „Black Rain“ ist tadelloser Melodic Metal ohne Falte und „Loving You“ kommt uns wie „Desperate Heart“, ist aber noch um Längen besser.
Welch ein Album. Verneigt Euch. Solche Sachen packen sonst eigentlich nur die Dinosaurier.
„7th Day Of Babylon“/“Black Rain“/“In The Dark“

JUB

DORO „Fight“ 7
Steamhammer/SPV, 2002

Doro - Fight

Mensch - DORO macht es unsereins aber auch nicht leicht. Während die „Calling The Wild“-Scheibe die experimentellen Sachen á la „Machine II Machine“ oder „Love Me In Black“ wieder vergessen zu machen schien, zieht die deutsche Rock-Röhre mit „Fight“ einen Teil ihres Rückbesinnungs-Versprechens zurück. Schon auf ihrer 2001er Tour durch unser Land gab es viel Hardcore- und New Metal-Feeling auf der Bühne zu sehen und eine Menge Balladen zu hören, was nicht soo toll war. Die neue CD läßt DORO jetzt weiter zwischen den Stimmungen tendeln. Gehen wir die Songs einfach mal durch: „Fight“ ist New Metal-Gehoppel in Reinkultur. Absolut daneben und als Titelsong und Opener völlig mißlungen (0 Punkte). „Always Live To Win“ ist Neu-Punk und eigentlich auch nicht so der Bringer (3). Das Stück „Descent“ ist ganz im Type O Negative-Stil gehalten und vermutlich auch deshalb mit Pete Steele als Gastsänger verstärkt worden. Das ist ja ganz hübsch, DORO wirkt in diesem Stück aber völlig deplaziert (5). „Salvaje“, geschrieben von Jean Beauvoir (Plasmatics, Little Stevens, Crown Of Thorns), ist gar nicht so übel (6), und DOROs Eigenkomposition „Undying“ - eine herzerweichende Ballade - darf auch vor allem wegen des fulminanten Finales als absolut gelungen bezeichnet werden(9). Das gleiche gilt für das Gene Simmons-Stück „Legends Never Die“. Sehr geile Melodie, Bombenatmosphäre, Gänsehautanwärter (9). Mit „Rock Before We Bleed“ kommt Doro jetzt wieder selbst zum Zuge und hat da doch wirklich einen niedlichen Rocker geschrieben. Vielleicht ist die Nummer etwas zu simpel, funktioniert aber (8). Mit „Sister Darkness“ - einer Gemeinschaftsarbeit von DORO, Band und Beauvoir - wird es wieder etwas übermodern, allerdings klingt die Nummer absolut rund. Vor allem der brettharte Refrain macht mächtig was her (7). „Wild Heart“ kann locker als das beste Stück auf der neuen Doro Pesch-CD bezeichnet werden. Beginnend mit einem dramatischen Klavier-Intro geht die Nummer in eine balladeske Strophe über, um stampfend in einer astreinen Fast-Midtempo-Refrain-Melodie zu explodieren. Hier hatte Hit-Fließband-Lieferant Russ Ballard seine Hand mit im Spiel (10). „Fight By Your Side“ ist wieder von DORO und - eine Ballade. Nun, und das kann sie ja. Nicht ganz so gut wie „Undying“ aber besser als die meisten Schnulzen-Versuche ihrer männlichen Kollegen in den unzähligen Power Metal-Bands (8). Mit „Chained“ liefert DORO kurz vor Schluß noch einmal kompromißlosen Heavy Metal ab (9), um mit „Hoffnung“ wieder eine deutsche - na was schon - Ballade zu präsentieren. Und die - laut credits nur zu einem geringen Teil unter Mitwirkung von DORO entstanden - ist die schwächste auf dem Album (4). Sollte DORO doch mehr auf ihr Gefühl für romantische Momente vertrauen.
Macht summa summarum 6,5 Punkte. Fazit: Das Lied „Fight“ trübt das Gesamtbild der neuen Doro Pesch-Schöpfung gewaltig. Außerdem setzt die einstige Warlock-Frontfrau derzeit alles auf Balladen bzw. ruhiger angelegte Sachen. Leider scheint sie ohne eine kleine Armada an Gast-Songwritern nicht zurecht zu kommen, was besonders deutlich daran wird, daß mit die besten Stücke auf „Fight“ aus fremden Federn flossen.
Nichtsdestotrotz bleibt DORO 2002 eher Back-To-The-Roots, als daß sie den Schwerpunkt auf Trends legen würde. Und da die wirklich guten Nummern auf der neuen Scheibe dominieren, gibt es eine 7.
„Undying“/“Wild Heart“

JUB

CORNERSTONE „Human Stain“ 8
Massacre, 2002

Cornerstone - Human Stain

Ha, Deep Puple/Rainbow-Fans die Zweite. In diesem Fall ist sogar der letzte Rainbow-Sänger Dougie White mit dabei. Allerdings sind bei CORNERSTONE die Bezüge zu den Heavy Metal-Pionieren weiter hergeholt und beziehen sich wohl vor allem auf „Perfect Stranger“ und „House Of The Blue Light“, also die Reunion-Alben aus den mittleren 80ern. Dann fließt da schon eher die Handschrift des zweiten Kopfes der Band, Steen Morgensen von Royal Hunt mit ein. Was ja nichts Schechtes sein muß, denn für gute Melodic Metal-Kost sind auch dänische Wanderprediger gut. Und das beweisen CORNERSTONE auf der Scheibe „Human Stain“ nicht nur mit „Future Rising“, ein Stück, das forsch straight angelegt wurde und mit einer ausgefeilten Melodie zu glänzen weiß. Songs wie „Midnight In Tokyo“ oder „Wounded Land“ zeigen, daß wir es hier mit keinem Mittelmaß-Album zu tun haben. 
„Midnight In Tokyo“

JUB

DIVERCIA „Modus Operandi“ 6
Hammerheart, 2002

Divercia - Modus Operandi

Bands wie DIVERCIA müssen aus Finnland kommen. Denn mittlerweile werden eine Reihe von unterschiedlicher Auffassungen und Spielarten des Heavy Metal territorial erklärt, da es sich ja meist nicht wirklich um unterschiedliche Stile handelt. So ist diese typisch finnische Darbietung eine Mischung aus klassischem Heavy Metal, Death Metal und Gothic. Je nach Vorlieben der Bands wird mehr Gewicht auf eine der genannten Formen gelegt, in der Quintessenz sind sich diese Bands aber alle ähnlich: Cry Havoc, Sentenced, HIM, To Die For, Charon und jetzt DIVERCIA. 
Dieses Sextett wird schnell in die HIM-Ecke gedrückt, da Sänger Jyri Aarniva mit dieser – auch schon fast typischen – warmen klaren Stimme singt. Wohl aber der Gitarrensound hat doch etwas mehr zu bieten, als nur bloßes Beiwerk zu sein. Da wird streckenweise doch mächtig Alarm gemacht. Allein der Beginn des Openers „Lead In“ setzt Zeichen. Und mit – wieder typischen – melancholischen Melodien ausgestattet, machen die Songs auf der Scheibe „Modus Operandi“ hin und wieder eine gute Figur. Besonders intensiv wird es, wenn DIVERCIA wie zum Beispiel bei „The Heart Of Atlantis“ fast in doomigen Gefilden fischen.
Trotzdem können wir nicht die Augen davor verschließen, daß die Musik von DIVERCIA schlussendlich das Ergebnis einer gewissen Trittbrett-Fahrerei ist. Wieviel vom heutigen Sound bereits vor vier Jahren, als die Band unter dem jetzigen Namen an den Start ging, vorhanden war, vermag ich nicht zu sagen. So wie sich die sechs Finnen heute präsentieren, klingt einiges abgelauscht. Aber das machen sie zumindest gut.
"The Heart Of Atlantis"

JUB

SKIN TAG „Beauty Mark“ 7
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Skin Tag - Beauty Mark

Nein, bei SKIN TAG handelt es sich nicht um eine Glatzenband, die sich nach einer siegreichen Straßenschlacht gegen Punks benannt hat und mit "Beauty Mark" der deutschen Währung vor dem Euro nachtrauert. Hier haben wir eine weitere US-Melodic Metal Band, die - wie eigentlich immer - aus Musikern besteht, die durchaus keine unbeschriebenen Blätter sind. Nehmen wir zum Beispiel Sänger Jimmy Lawrence, der gar schon mit einem Solo-Album auf sich aufmerksam machen konnte und sich bestens in der us-amerikanischen Songwriter-Gilde auskennt. Denn Größen wie Glen Burtnick (Styx), Bill Cuomo (Steve Perry, Kim Carnes) oder Robert White Johnson (Cheap Trick, Celine Dion, Lynyrd Skynyrd) setzten sich einst mit dem Sänger zusammen, um Songs für ein in Vorbereitung von „Beauty Mark“ entstandenes Demo zu schreiben.
Auch die anderen Musiker durchliefen die ein oder andere, mehr oder weniger bekannte Melodic Metal Band. Am interessantesten ist dabei Bassist John Bongiovanni. Nicht etwa wegen seiner Arbeit bei Joe Lynn Turner und Arcara. Vielmehr amüsiert die Vorstellung, er hätte eine eigene Band nach seinem Nachnamen benannt: Bon Giovanni. Im Package mit Bon Jovi sicher der Kracher.
Doch zu SKIN TAG. Die haben ein durchaus ansprechendes Debüt vorgelegt, das bereits mit dem zweiten Song, "Rainy Monday“, den absoluten Hit im Gepäck hat. Radiotauglicher geht es nicht. „All The Way Home“ könnte zwar auch im Nachmittags-Programm laufen, ist aber nicht so gut. Mehr im Stile von „American Woman“ der Guess Who präsentieren sich SKIN TAG bei „“You Gotta Love It“. Das Stück kommt ungelogen mit nur einem Akkord aus. Und gerade deshalb funktioniert das Ganze brillant.
Und immer wieder erinnern SKIN TAG an Journey zu deren populären „Infinity“-Zeiten. Deutlich wird dies zum Beispiel in „Remember The Times“, dessen bluesiges Feeling in „Standing In The Rain“  noch einmal aufgegriffen wird.
Alles in allem eine Scheibe ohne große Aussetzer. Einziges, aber nicht zu verkennendes Manko ist die Tatsache, daß „Beauty Mark“ lediglich nur eine gute Melodic Metal-Scheibe von vielen ist. Zu wenig ragt heraus oder läßt aufhorchen. Zum nebenbei Konsumieren für einen Tag voll guter Laune ist „Beauty Mark“ allerdings perfekt.
„Rainy Monday“

JUB

THE CROWN „Crowned In Terror“ 9
Metal Blade, 2002

The Crown - Crowned In Terror

„(I Am) Hell“. Wie wahr. - Es war klar, daß es schwer werden würde, nach dem meisterlichen „Deathrace King“ Ebenbürtiges nachzureichen. THE CROWN haben sich dafür allerdings zwei Jahre Zeit gelassen und gut daran getan. Denn von einem Schnellschuß kann bei „Crowned In Terror“ wirklich nicht die Rede sein. Die Zutaten sind die gleichen wie bei „Deathrace King“. Es wird weiter dem extremen, hysterisch schnellen Death Metal gefrönt („Crowned In Terror“, „Under The Whip“, „Drugged Unholy“), wird verstanden, zur rechten Zeit die Geschwindigkeit zu drosseln („World Below“), um danach mit dem Hardcore-lastigen „The Speed Of Darkness“ und dem rhythmisch ungewöhnlichen „Out Of Blood“ (es darf geschunkelt werden) die nächste Hälfte des Infernos einzuleiten. „(I Am) Hell“ und „Satanist“ sind der totale Sturmangriff, „Death Is Hunter“ zeigt einmal mehr, wie es THE CROWN verstehen, mit Melodien umzugehen (ganz schwedisch halt) und „Death Metal Holocaust“ makiert den ultrabrutalen Höhepunkt eines Albums der absoluten Spitzenklasse.
“Death Metal Holocaust“

JUB

AMARA "Conspiritualized" 6
Dragon Rec./SWM Music  2002

Amara - Conspiritualized

Die Britische Insel ist nicht unbedingt als die Hochburg des Sleaze Rocks bekannt. Doch von dort kommen AMARA
und dürften mit ihrer Musik im trendverseuchten England einen schweren Stand haben. Haben sie doch nicht ein einziges Oasis- oder New Metal-Fitzelchen in ihrem Sound.
Das macht sie schonmal sympathisch. Eher ist ihre Musik an die von Guns N' Roses angelehnt, ohne jedoch als 1:1-Kopie durchzugehen. Schuld an diesem Vergleich ist die Stimme des Sängers, die der von Axel W. Rose ähnlich ist. Doch geht ihnen trotz der guten, treibenden Songs das Hitpotential der Amis ab. Unterm Strich bleibt eine weitere gute Sleaze-Platte. Kein Klassiker und kein Flop.
"War Is My Name"

THOMAS
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