IMPIOUS "The Killer" 10
Hammerheart, 2002
Meine Herren, was für ein Hammer!
Mit ihrem mittlerweile dritten Album legen die Schweden ein Meisterwerk
vor, das sehr schwer zu toppen sein wird. Nach einem Akkustikintro beginnt
die furiose Thrash/Death Metal-Harke mit dem Titel "Burn The Cross". Sofort
fällt auf, daß wir es hier bestimmt nicht mit Anfängern
zu tun haben. Das trifft zum einen auf die Handhabung der Instrumente zu
und zum anderen auf das Songwriting. Während Rhythmusgitarrist Valle
Adzic die Kompositionen mit seinen höllischen, wohlüberlegten
Powerriffs voranpeitscht, veredelt Gitarrero Nummer zwei, Robin Sörquist,
diese mit ergreifenden aber nie lasch klingenden Melodien und Leads, um
so einen Kontrast zu schaffen, der der Scheibe eine lange Lebensdauer im
CD Schacht verleiht. Die Musiziergeschwindigkeit reicht von Midtempo bis
Blastbeat und erinnert nicht selten an die Landsleute von Defleshed. Nur
mit dem Unterschied, daß IMPIOUS mehr Abwechslung mit einfließen
lassen. Mitunter spielt das Schlagzeug recht jazzige Figuren, und die Klampfen
balzen wie zwei Pfauen mit dem Spektrum ihrer Klangfarben, um wenig später
mit geradlinigem Thrash reinsten Wassers den ins Träumen geratenen
Hörer wieder in die Realität zurück zu ohrfeigen. Dies alles
und die Tatsache, daß sich zu keiner Sekunde auch nur ein Fitzelchen
Hardcore/Industrial/New Metal-Elemente bemerkbar machen, läßt
"The Killer" in einem hellen Licht erstrahlen, welches so manche gestandene
Thrashband verdammt blaß aussehen läßt.
"Burn The Cross"
THOMAS
IMPELLITTERI "System X" 10
Steamhammer/SPV, 2002
Jawoll, das ist es, das Album, welches
viele Gitarrenhelden gern veröffentlichen möchten und es doch
nicht schaffen, ungeachtet ihrer handwerklichen Fähigkeiten. Chris
IMPELLITTERI, Songwriter, Namensgeber und natürlich Gitarrist dieser
Formation ist es gelungen, ein Album ohne einen einzigen Ausfall zu komponieren.
Statt dessen reiht sich ein Kleinod an das andere. Egal ob der Opener "Rock'n'Roll
Heroes", ein Uptempo-Kracher mit ungezügelter Energie und einer rasend
machender Melodieführung, "She's A Nighttime Lover", ebenfalls ein
flotter Ohrwurm mit perfekter Gitarrenarbeit oder etwa "What Kind Of Sanity".
Es ist scheißegal, welches Stück Ihr anwählt, es erwartet
Euch stets erstklassiger Heavy Metal in seiner reinsten Form. Intelligentes
Songwriting, superbe Riffs, imposante aber immer songdienliche Kunststücke
auf den sechs Saiten und vor allem eine Stimme, die so kraftvoll ist wie
ein Brauereipferd auf Anabolika, der aber eine riesige Portion Seele inne
wohnt. Das macht süchtig. Der Name Graham Bonnett dürfte den
meisten von Euch älteren Semestern etwas sagen und das Wasser im Munde
zusammenlaufen lassen. Sang er doch seinerzeit bei solchen Combos wie MSG
oder Rainbow. "System X" ist eine der besten Veröffentlichungen aus
dem Jahr 2002 und sollte eigentlich jeden Liebhaber hochwertigen Heavy
Metals, egal aus welchem Lager, nach dem ersten Hören teuer und lieb
sein. Absolute Kaufempfehlung.
"Rock'n'Roll Heroes"
THOMAS
AXEL RUDI PELL "Knights Live"
8
Steamhammer/SPV, 2002
AXEL RUDI PELL ist kein Mann der
Experimente. Zwar sind fast alle seine Veröffentlichungen stark, nichtsdestotrotz
kann man schon immer vor dem ersten Hörgenuß sicher sein, daß
es stark an die Gitarrenkünste Ritchie Blackmoores angelehnten, melodischen
und stets von einer leicht düsteren Aura umgebenen Heavy Rock (Namen
sind Schall und Rauch) ist, der kredenzt wird. Pell-Platten sind wie ein
gutes Bier vom Faß. Es gibt Qualitätsschwankungen, aber sie
bleibt gut. Nicht einmal seine Frisur ändert sich. Von dieser lebenden
Konstante gibt es jetzt ein Live-Album zu erstehen. Aufgezeichnet im heimischen
Bochum stellt "Knights Live" die Aufnahme eines einzigen Konzertes dar,
mit akzeptablem, weil recht rauhem Sound, der den Pell-Kompositionen gut
zu Gesicht steht. Dabei ist es interessant zu hören, daß Sänger
Johnny Gioeli und Drummer Mike Terrana ihrem Chef ganz schön die Schau
stehlen. Nicht nur weil sie wahre Könner ihres Faches sind, sondern
auch, weil sie stark in den Vordergrund gemischt wurden. Somit hat man
das Gefühl, einer echten Band zuzuhören, anstatt der Personal-Show
eines Solokünstlers. Zu hören gibt es einen repräsentativen
Querschnitt aus den bisherigen Pell-Veröffentlichungen. Von alten
Hits wie "Warrior" oder "Call Her Princess" über ein aus "Masquerade
Ball/Casbah/Drumsolo/Stargazer/Casbah" bestehendem Medley bis hin zu jüngsten
Kreationen wie "Edge Of The World" gibt es die volle, auf eine Doppel-CD
verteilte Pell-Breitseite. Für seine Jünger ist ARPs Live-Dokumentation
allemale essentiell. Parallel dazu erscheint eine DVD des selben Konzerts.
"Edge Of The World"
THOMAS
BLOODBATH "Resurrection Through
Carnage" 10
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Mein lieber Schwan, was war ich nach
dem Genuß von BLOODBATHs erstem vollständigen Album geplättet.
Soviel Old School hatte man lange
nicht von einer schwedischen Death Metal-Band gehört. Zwar gibt es
dort fast ausschließlich nur gute bis hervorragende Veröffentlichungen
zu vermelden, aber eine Platte, die zum Tribut an die alte Zeit aufgenommen
wurde und dabei die bei weitem nicht schlechten aktuellen Scheiben der
einstigen Szenehelden um einige Längen schlägt (Grave, Unleashed),
ist doch schon auffällig. Hinter BLOODBATH stehen Dan Swanö (Drums)
ex-Edge Of Sanity, ex-überall in Schweden und Peter Tägtgrens
Vorgänger (oder Tomas Skogsbergs Nachfolger) in Sachen Produzentenlegende
aus Svenska, Mikael Akerfeldt (voc.) von Opeth, Anders Nyström alias
Blackheim an der Gitarre, vormals Diabolical Masquerade, sowie Jonas Renske
von Katatonia am Bass. Dabei ist es nicht nur das Old School-Feeling alleine,
mit dem BLOODBATH aufzutrumpfen wissen. Die Songs an sich sind kompakt
komponiert. Jedes Riff erscheint logisch, jedes Break sitzt an der richtigen
Stelle, überflüssigen Ballast in Form von Längen hat diese
Scheibe einfach nicht. Die Klampfen sind bis in den Keller tief gestimmt,
so daß die Saiten beinahe durchzuhängen drohen. Einen Halbton
tiefer, und es hätte nur nach Brei geklungen. An genau dieser Grenze
bewegen sich die Klänge und machen vor allem eins: Druck. Warum allerdings
Akerfeldt als Sänger angegeben ist, verstehe ich nicht so recht. Die
Stimme klingt genau wie auf der vorher erschienenen EP. Und ich würde
schwören, daß es Swanös Organ ist, welches so einzigartig
röhrt.
"Mass Strangulation"
THOMAS
ZED YAGO "... From The Twilight
Zone" 3
Steamhammer/SPV, 2002
Die einstige Hamburger Szenegröße
ZED YAGO, die Band um Sängerin Jutta Weinhold, bemühte sich seinerzeit
mit zwei Langspielplatten, bei den geneigten Hören Anklang zu finden.
Diese Bemühungen fruchteten darin, daß sich zwei Fantypen bildeten.
Die einen liebten die Geschichten um die Tochter des Fliegenden Holländers
und den stoischen Rhythmus ZED YAGOs und die anderen namen die Band überhaupt
nicht ernst. Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, daß Frau Weinhold
mit ihren ersten Bands eher im Krautrock heimisch war. Als nach zwei Platten
der gewünschte Erfolg ausblieb, packte wohl einige Bandmitglieder
die nervöse Unruhe und die Gruppe brach auseinander. Das war die Geburt
von Velvet Viper. Dem neuen Wirkungsfeld von Jutta Weinhold. Auch hier
kam sie auf zwei LPs, bevor die Band sich auflöste. "...From The Twilight
Zone" ist nun eine Zusammenfassung der wichtigsten Titel dieser vier Alben
plus diverser Liveaufnahmen. Zusammenfassend kann ich der Musik ZED YAGOs
attestieren, nicht sehr packend zu sein, da das Tempo konstant im mittleren
Bereich angesiedelt ist. Von Abwechslung also keine Spur. Juttas Stimme
ist zwar sehr hörenswert, doch die Melodien können da nicht im
Ansatz mithalten. So schleppen sich die CDs dieses Doppelpacks von einer
Nummer zur anderen, während sich die Frage auftut: Braucht die Welt
eine Reunion von einer verzichtbaren Band wie ZED YAGO? Eine Wiedervereinigung
soll der Anlaß für die Veröffentlichung dieser Best Of-Doppel-CD
gewesen sein. Ich kann für meinen Teil gerne darauf verzichten.
"United Pirate Kingdom"
THOMAS
ABSCESS "Through The Cracks
Of Death" 10
Peaceville, 2002
Horror- und Gore-Altmeister Chris
Reiffert ist auch nach knapp zwanzig Jahren Szenezugehörigkeit noch
lange kein Fall fürs Kreativitätsaltersheim. Der ehemalige Schlagzeuger
der Death Metal-Pioniere Death und spätere Mitbegründer der ebenfalls
Legendenstatus innehabenden (nicht nur weil aufgelösten) Autopsy,
bei denen er neben den Drums auch für Text und Gesang verantwortlich
war, versorgt die Fans fauliger, morbider und kranker Musik auch heute
noch mit frischen Kadavern wie nun mit "Through The Cracks Of Death", einer
Ansammlung ungehobelter Aggressionsausbrüche begleitet von wieselflinken
Leads auf den Klampfen und ungesund schleifenden Riffs dunkelster Stimmung.
Chris brüllt, röchelt, kreischt und gurgelt wie ein Zombie auf
einer hohen Dosis Kokain und läßt textlich mal wieder nichts
anbrennen, wie zum Beispiel in "Raping The Multiverse", "Escalation Of
Violence" oder "Tomb Of The Unknown Junkie". Auffällig ist bei allem
gewollten, herrlichen Ekels, daß ABSCESS ihre Instrumente mit Leichtigkeit
beherrschen. So gibt es geniale Hi-Hat Breaks, bluesige Soloanleihen und
Jazzrhythmen zu hören, die zwar nur kurz auftauchen aber positiv auffallen.
"Tomb Of The Unknown Junkie" hat sogar Hitcharakter. Kaufen.
"Tomb Of The Unknown Junkie"
THOMAS
THE FLOWER KINGS "Unfold The
Future" 8
Insideout/SPV/cmm, 2002
Wehe, wenn sie losgelassen. Das trifft
nicht nur auf Bands vom Schlage Gwar oder Gorgoroth zu. Nein, auch auf
die musikalischen Alleskönner von den FLOWER KINGS. Nur, daß
diese nicht durch ungeschlachte Brutalität oder bluttriefendes Meucheltheater
von sich reden machen. Vielmehr ist es bei den FLOWER KINGS so, daß
sie in regelmäßigen Abständen bei einigen Progmusikern
für vollgeschissene Hosen und bei den Fans für ausrastende Hormonspiegel
und extatische Freudentänze verantwortlich sind. "Unfold The Future"
ist ein Notenberg von der Größe des Reichstages, zusammengepfercht
auf zwei kleinen Silberscheiben. Dargeboten mit traumwandlerischer instrumentaler
Sicherheit und einer unglaublichen Spielfreude. Diese ufert in den drei
Songs mit Überlänge von fünfzehn bis dreißig Minuten
"The Truth Will Set You Free", "Silent Inferno" und "Devil's Playground".
Hier hat man unweigerlich den Eindruck, man wohne einer gigantischen, spontanen
Jamsession bei. Jeder Musiker scheint seine Gefühlswelten mit dem
Instrument auszuloten, und kein noch so komplizierter Part erscheint hier
zum Selbstzweck. Hier überträgt sich also die pure Spielfreude
auf den Hörer. Selbst wenn mal ruhigere Töne wie bei "Vox Humana"
angeschlagen werden.
"Vox Humana"
THOMAS
NAPALM DEATH "Order Of The
Leech" 9
Feto Rec./Snapper Music, 2002
Die britische Grindinstitution feiert
ihr beinahe zwanzigjähriges Jubiläum und haut ihren Fans ein
weiteres Album allererster Güte um die Ohren. Müde sind die Jungs
nicht geworden. Soviel steht nach dem Genuß solcher Songs wie "The
Icing On The Hate", "Lowest Common Denominator" oder "Farce And Fiction"
fest. Es tobt wieder heftigst die Abrißbirne. Dabei orientieren sich
die Teebeutel wieder etwas stärker an ihren Wurzeln. Den ersten beiden
Werken "Scum" sowie "From Enslavement To Obliteration" entnahmen sie die
Hektik und die Ungestümheit, der dritten Scheibe "Harmony Corruption"
ihre Trendausrichtung zum Death Metal und die brutale Durchschlagskraft.
Schließlich mischten sie diese Zutaten als gestandene Musiker mit
Gefühl fürs Songwriting zu einem explosiven Gebräu, das
durch seine wuchtige Produktion noch an Treffsicherheit gewinnt. Der Vorgänger
"Enemy Of The Music Business" war schon ein Hammer, doch "Order Of The
Leech" setzt noch einen drauf. Progressiv Grindcore sozusagen. Nicht umsonst
stehen selbst Dream Theater auf NAPALM DEATH.
"The Icing On The Hate"
THOMAS
MUCUPURULENT "Soulreaver"
7
Morbid Rec./SPV, 2002
Die Band mit dem einprägsamen
Namen hat nicht nur ein neues Album im Gepäck, sondern auch noch eine
fast ganz neue Musik-Kombination. Death Metal und Rock´n´Roll
kennen wir ja nun schon zur Genüge. Die Jungs mit den vier "Us" im
Bandnamen kredenzen uns nun Grindrock. Will heißen, wenn man als
Vergleich die ähnlich klingenden Gorefest heranzieht, sind MUCUPURULENT
gradliniger, weniger melodisch. Bei ihnen kommt es mehr auf den rockenden
Groove an. Weniger filigrane Solos und mehr Grindhektik. Aber diese Stimme.
Man glaubt, eine neue Band von Jan Chris DeKoyer (Gorefest) vor sich zu
haben. Der einzige Negativpunkt an der Sache ist aber, daß mit zunehmender
Spielzeit die Songs ein wenig gleichförmig klingen, da nicht soo viel
passiert. Doch um bei Grindschlachtfesten (wahlweise mit Spargel, grünen
Bohnen und Tofu) ordendlich das Haus zu rocken, langt "Soulreaver" allemale.
"Soul Reaver"
THOMAS
PRONG "100% Live" 5
Locomotive Music, 2002
Da ich nie ein grosser PRONG-Fan
war und somit wenig von der Band kannte, bin ich also recht unbedarft an
diese Scheibe herangegangen. Eine gewisse Vorreiterrolle kann man den New
Yorkern allerdings nicht absprechen, sieht man sich Bands wie Static-X
oder Rob Zombie an, die mehr oder weniger in PRONGs Fußstapfen traten.
Nun hat sich die Band also wieder zusammengefunden und legt mit "100% Live"
eine, was wohl, Livescheibe in die Plattenregale. Naja, vom vielgerühmten
Livefeeling kommt so gut wie gar nichts rüber. Kommunikation mit den
Fans sucht man mit der Lupe und der Sound klingt wie eine rauhere Studioaufnahme.
Einhundert Prozent Live? Mitnichten. Da die Lieder als solche mitunter
recht gut sind ("Snap Your Fingers, Snap Your Neck", "Prove You Wrong",
"Unconditional" z. B.), gibt es von der Warte aus auch nichts zu meckern.
Doch man merkt, daß die Band zu ihrer Rückkehr ein als Livealbum
getarntes Best Of-Teil rausgehauen hat. Die Idee ist gut, die Umsetzung
mangelhaft.
"Snap Your Fingers, Snap Your
Neck"
THOMAS
MY DARKEST
HATE "To Whom It May Concern" 8
Massacre Rec., 2002
Wahre Metalheads spezialisieren sich
nicht auf eine einzige Stilrichtung. Dieser Satz muß wohl auch den
Mitgliedern von Sacred Steel immer wieder durch den Kopf gehen. Neben ihrer
ziemlich an US-Speed Metal angelehnten Hauptband betreiben sie noch eine
Doom Band namens Dawn Of Winter sowie die Band, um die es hier gehen soll,
der Death Metal Formation MY DARKEST HATE. Album Nummer zwei besticht durch
eine schleppende Grundstimmung wie bei den Kollegen von Six Feet Under
und Bolt Thrower, nur daß sie irgendwie zackiger rüberkommen
wie in "God Am I". Dazu kommt, daß Frontman Chris Simper über
ein abwechslungsreiches Organ verfügt, was den Stücken mehr Charakter
verleiht, als sie ohnehin schon durch die interessante Gitarrenarbeit besitzen.
Erwähnenswert ist aber nicht zuletzt auch das Drumming, für das
der Primal Fear-Schlagwerker Klaus Sperling verantwortlich zeichnet. Denn
er klingt nicht wie ein Power Metal-Drummer, der sich auf dem Gebiet des
Death Metal versucht, sondern wie ein Death Metal-Drummer der ersten Stunde,
der sich den Elementen des Power Metal nicht verschließt. Coole Sache.
"To Whom It May Concern" groovt ganz böse.
"My Darkest Hate"
THOMAS
THE THIRD AND THE MORTAL "Memoirs"
9
ProMedia/Prophecy Prod., 2002
Die Band aus Norwegen ist zwar alles
andere als eine waschechte Heavy Metal-Band, doch machen sie nichts desto
trotz eine verdammt starke Musik, die sich am ehesten als Ambient Musik
im weitesten Sinne beschreiben läßt. Doch auch damit würde
man der Band nicht gerecht, da sie sich eigentlich in keine Schublade pressen
lassen wollen. Zu vielschichtig sind die Einflüsse, die sie verarbeiten.
Der Opener "Zeppoliner" zum Beispiel erinnert mich aufgrund des Gesanges
der Frontfrau und den Bläsereinsetzen sehr stark an James Bond-Soundtracks
("The World Is Not Enough"). Doch beginnt das Stück sehr verhalten
mit Drum'n'Bass-Rhythmik und molligen Baßläufen. Sehr interessant.
"The City" kommt sehr spacig daher und ist sehr entspannt, ruhiger Groove
mit vereinzelten Sythesizer-Einsprenkseln, über den ein Monolog gesprochen
wurde. "Reflections" würde jeder Hippieband zur Ehre gereichen. Nur
daß sich dazu Plattengescratche gesellt und ausgezeichnet funktioniert.
Doch als wäre das nicht schon genug, kommt in diese Mischung noch
ein leicht verfremdeter, Comedian Harmonists-ähnlicher Chorus. Ihr
seht, daß Euch auf der Platte keine Allerweltsmusik erwartet. Drum
ist eine gewisse Unvoreingenommenheit Vorraussetzung für den Genuß
der Scheibe. Hat man das Teil einmal geknackt, verschwindet es sobald nicht
mehr aus dem Player. Versprochen.
"Zeppoliner"
THOMAS
KATAKLYSM "Shadows & Dust"
8
Nuclear Blast, 2002
Bisher habe ich mich über jede
Veröffentlichung aus dem Hause KATAKLYSM gefreut wie George W. Bush
über ein paar im Irak von Waffeninspekteuren gefundene leere Raketenhüllen.
Tagein tagaus lauschte ich deren neuen Ergüssen und war kurzzeitig
froh, auf der Welt zu sein. So natürlich auch bei "Shadows & Dust".
Mit dem Unterschied, daß die neue CD der Kanadier nicht permanent
läuft, obwohl sie gut ist. Aber etwas ist anders. Das Schlagzeug fabriziert
wieder irrwitzige Blastattacken und Rhythmuswechsel, die Axt sägt
mit beängstigender Präzision garstige Killerriffs zurecht. Maurizios
Gebrüll ist mächtig wie immer und dennoch, etwas fehlt mir zu
meinem Glück. Die Songs sind nicht so überraschend wie noch auf
den Vorgängeralben. Will heißen, das Quartett hat sich beim
Schreiben überanstrengt, die Songs klingen nach Kopfmusik, die Ecken
und Kanten der älteren Scheiben wurden glattgebügelt (glattgefräst
in diesem Falle). Der Brutalität tut dies im großen und ganzen
keinen Abbruch. Nur waren die vorherigen Scheiben einen Ticken charmanter
ob ihrer Ungehobeltheit.
"Where The Enemy Sleeps"
THOMAS
LIMBONIC ART "The Ultimate
Death Worship" 7
Nocturnal Art/Plastic Head, 2002
Schade, die Zeiten, als Black Metal
noch ein schier unerschöpflicher Quell an Originalität, Kompromißlosigkeit
und künstlerischer Individualität und Kreativität war, sind
wohl für immer vorbei. Immer mehr Nachahmer und Soundverwässerer
wurden zum Kult hochstilisiert, und die paar wirklich originellen Bands
dieses Genres kann man an zwei Händen abzählen. Was das mit LIMBONIC
ART zu tun hat? Nun diese Kapelle sortierte ich bisher in die Schublade
der Soundverwässerer und großmäuligen Künstler ohne
Substanz. Ihre 97er Scheibe "In Abhorrence Dementia" halte ich immer noch
für überbewertet. Somit war die Erwartungshaltung an das neue
"The Ultimate Death Worship" betitelte Werk nicht allzu hoch. Doch die
Scheibe ist überraschend gut ausgefallen. Statt aufgeblasenem Keyboardschwulst
gibt es frostiges Getacker und Melodieriffs mit Wiedererkennungswert als
Grundlage, die nicht selten mit gelungenen Keys und schleppenden Passagen
verfeinert wird. Kurzum, LIMBONIC ART klingen nicht nur wegen der stimmlichen
Ähnlichkeit ihres Frontmannes wie eine nachvollziehbare Ausgabe von
Emperor. Das sollte doch alle LIMBONIC ART-Skeptiker neugierig machen.
Oder?
"Towards The Oblivion Of Dreams"
THOMAS
STEEL PROPHET "Unseen" 5
Nuclear Blast, 2002
Mit STEEL PROPHET ist das so eine
Sache. Sie können mal richtig schmissigen Heavy Metal mit galoppierenden
Riffs und geilen Hooks machen wie bei "Truth" und auf der selben CD mit
ärgerlicher Langeweile aufwarten wie "Killer's Confession". Oder mit
flachbrüstigen Riffs wie mitunter bei "One Way Out". Doch wenn man
sich über derlei Verfehlungen mokiert, fällt einem wieder auf,
daß Sänger Rick Mythiasin trotz seiner Dickinson-Schlagseite
eine richtig gute Stimme hat und so manche müde Passage rettet. Die
Qualität auf dieser Scheibe ist also stark schwankend und somit ist
"Unseen" nur eingeschränkt den Die Hard-Fans zu empfehlen.
"Killer´s Confession"
THOMAS
GRAVE "Back From The Grave"
7
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Die Spatzen pfiffen es bereits von
den Dächern: GRAVE, eine der einflußreichsten schwedischen Death
Metal-Bands der frühen 90er Jahre ist nach gut fünfjähriger
Veröffentlichungs- und Tourabstinenz wieder zu neuen Schandtaten bereit.
Wie auch bei ihren Kollegen von Unleashed wurde dies mit der Wiederveröffentlichung
der jeweiligen Debutscheiben inoffiziell angekündigt. Nun liegt also
ihr neuer Streich in Form von "Back From The Grave" vor. Um es vorweg zu
nehmen, die CD ist weder eine Enttäuschung noch eine unverzichtbare
Offenbarung in Sachen kellertiefen Schwedentods. Auf der Habenseite können
GRAVE auf jeden Fall die Rückbesinnung Ola Lindgrens auf die tiefen
Stimmlagen verbuchen. Im Gegensatz zu "Hating Life" röhrt der Bursche
wieder wie ein brünftiger Elch. Auch die Begräbnisflair verbreitenden
Gitarren und die simplen aber effektiv bollernden Drums stehen bei den
Gotländern wieder hoch im Kurs. Tomas Skogsberg hat im Sunlight Studio
(spätestens jetzt sollten die Altfans jauchzend aufschreien) wie immer
ganze Arbeit geleistet. Nun zur Kehrseite der Medaille. So schön und
gut eingangs Beschriebenes auch ist, es ist fraglich, ob GRAVE mit dieser
Scheibe ihren Vorreiterstatus halten können. Wenn ihr auf gleichbleibenden,
zugegebenermaßen gut gemachten Midtempokram steht, könnt ihr
mit der Scheibe nicht viel verkehrt machen. Ich persönlich vermisse
dennoch die Abwechslung im Tempobereich und somit zieht die Scheibe zum
Ende hin ein wenig an mir vorbei. Unbekanntere Bands haben da mehr Pfeffer
im Arsch.
"Rise"
THOMAS
[vor][zurück]