An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 10. Dezember 2002


IMPIOUS "The Killer" 10
Hammerheart, 2002

Impious - The Killer

Meine Herren, was für ein Hammer! Mit ihrem mittlerweile dritten Album legen die Schweden ein Meisterwerk vor, das sehr schwer zu toppen sein wird. Nach einem Akkustikintro beginnt die furiose Thrash/Death Metal-Harke mit dem Titel "Burn The Cross". Sofort fällt auf, daß wir es hier bestimmt nicht mit Anfängern zu tun haben. Das trifft zum einen auf die Handhabung der Instrumente zu und zum anderen auf das Songwriting. Während Rhythmusgitarrist Valle Adzic die Kompositionen mit seinen höllischen, wohlüberlegten Powerriffs voranpeitscht, veredelt Gitarrero Nummer zwei, Robin Sörquist, diese mit ergreifenden aber nie lasch klingenden Melodien und Leads, um so einen Kontrast zu schaffen, der der Scheibe eine lange Lebensdauer im CD Schacht verleiht. Die Musiziergeschwindigkeit reicht von Midtempo bis Blastbeat und erinnert nicht selten an die Landsleute von Defleshed. Nur mit dem Unterschied, daß IMPIOUS mehr Abwechslung mit einfließen lassen. Mitunter spielt das Schlagzeug recht jazzige Figuren, und die Klampfen balzen wie zwei Pfauen mit dem Spektrum ihrer Klangfarben, um wenig später mit geradlinigem Thrash reinsten Wassers den ins Träumen geratenen Hörer wieder in die Realität zurück zu ohrfeigen. Dies alles und die Tatsache, daß sich zu keiner Sekunde auch nur ein Fitzelchen Hardcore/Industrial/New Metal-Elemente bemerkbar machen, läßt "The Killer" in einem hellen Licht erstrahlen, welches so manche gestandene Thrashband verdammt blaß aussehen läßt.
"Burn The Cross"

THOMAS

IMPELLITTERI "System X" 10
Steamhammer/SPV, 2002

Impellitteri - System X

Jawoll, das ist es, das Album, welches viele Gitarrenhelden gern veröffentlichen möchten und es doch nicht schaffen, ungeachtet ihrer handwerklichen Fähigkeiten. Chris IMPELLITTERI, Songwriter, Namensgeber und natürlich Gitarrist dieser Formation ist es gelungen, ein Album ohne einen einzigen Ausfall zu komponieren. Statt dessen reiht sich ein Kleinod an das andere. Egal ob der Opener "Rock'n'Roll Heroes", ein Uptempo-Kracher mit ungezügelter Energie und einer rasend machender Melodieführung, "She's A Nighttime Lover", ebenfalls ein flotter Ohrwurm mit perfekter Gitarrenarbeit oder etwa "What Kind Of Sanity". Es ist scheißegal, welches Stück Ihr anwählt, es erwartet Euch stets erstklassiger Heavy Metal in seiner reinsten Form. Intelligentes Songwriting, superbe Riffs, imposante aber immer songdienliche Kunststücke auf den sechs Saiten und vor allem eine Stimme, die so kraftvoll ist wie ein Brauereipferd auf Anabolika, der aber eine riesige Portion Seele inne wohnt. Das macht süchtig. Der Name Graham Bonnett dürfte den meisten von Euch älteren Semestern etwas sagen und das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Sang er doch seinerzeit bei solchen Combos wie MSG oder Rainbow. "System X" ist eine der besten Veröffentlichungen aus dem Jahr 2002 und sollte eigentlich jeden Liebhaber hochwertigen Heavy Metals, egal aus welchem Lager, nach dem ersten Hören teuer und lieb sein. Absolute Kaufempfehlung.
"Rock'n'Roll Heroes"

THOMAS

AXEL RUDI PELL "Knights Live" 8
Steamhammer/SPV, 2002

Axel Rudi Pell - Knights Live

AXEL RUDI PELL ist kein Mann der Experimente. Zwar sind fast alle seine Veröffentlichungen stark, nichtsdestotrotz kann man schon immer vor dem ersten Hörgenuß sicher sein, daß es stark an die Gitarrenkünste Ritchie Blackmoores angelehnten, melodischen und stets von einer leicht düsteren Aura umgebenen Heavy Rock (Namen sind Schall und Rauch) ist, der kredenzt wird. Pell-Platten sind wie ein gutes Bier vom Faß. Es gibt Qualitätsschwankungen, aber sie bleibt gut. Nicht einmal seine Frisur ändert sich. Von dieser lebenden Konstante gibt es jetzt ein Live-Album zu erstehen. Aufgezeichnet im heimischen Bochum stellt "Knights Live" die Aufnahme eines einzigen Konzertes dar, mit akzeptablem, weil recht rauhem Sound, der den Pell-Kompositionen gut zu Gesicht steht. Dabei ist es interessant zu hören, daß Sänger Johnny Gioeli und Drummer Mike Terrana ihrem Chef ganz schön die Schau stehlen. Nicht nur weil sie wahre Könner ihres Faches sind, sondern auch, weil sie stark in den Vordergrund gemischt wurden. Somit hat man das Gefühl, einer echten Band zuzuhören, anstatt der Personal-Show eines Solokünstlers. Zu hören gibt es einen repräsentativen Querschnitt aus den bisherigen Pell-Veröffentlichungen. Von alten Hits wie "Warrior" oder "Call Her Princess" über ein aus "Masquerade Ball/Casbah/Drumsolo/Stargazer/Casbah" bestehendem Medley bis hin zu jüngsten Kreationen wie "Edge Of The World" gibt es die volle, auf eine Doppel-CD verteilte Pell-Breitseite. Für seine Jünger ist ARPs Live-Dokumentation allemale essentiell. Parallel dazu erscheint eine DVD des selben Konzerts.
"Edge Of The World"

THOMAS

BLOODBATH "Resurrection Through Carnage" 10
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Bloodbath - Resurrection Through Carnage

Mein lieber Schwan, was war ich nach dem Genuß von BLOODBATHs erstem vollständigen Album geplättet.
Soviel Old School hatte man lange nicht von einer schwedischen Death Metal-Band gehört. Zwar gibt es dort fast ausschließlich nur gute bis hervorragende Veröffentlichungen zu vermelden, aber eine Platte, die zum Tribut an die alte Zeit aufgenommen wurde und dabei die bei weitem nicht schlechten aktuellen Scheiben der einstigen Szenehelden um einige Längen schlägt (Grave, Unleashed), ist doch schon auffällig. Hinter BLOODBATH stehen Dan Swanö (Drums) ex-Edge Of Sanity, ex-überall in Schweden und Peter Tägtgrens Vorgänger (oder Tomas Skogsbergs Nachfolger) in Sachen Produzentenlegende aus Svenska, Mikael Akerfeldt (voc.) von Opeth, Anders Nyström alias Blackheim an der Gitarre, vormals Diabolical Masquerade, sowie Jonas Renske von Katatonia am Bass. Dabei ist es nicht nur das Old School-Feeling alleine, mit dem BLOODBATH aufzutrumpfen wissen. Die Songs an sich sind kompakt komponiert. Jedes Riff erscheint logisch, jedes Break sitzt an der richtigen Stelle, überflüssigen Ballast in Form von Längen hat diese Scheibe einfach nicht. Die Klampfen sind bis in den Keller tief gestimmt, so daß die Saiten beinahe durchzuhängen drohen. Einen Halbton tiefer, und es hätte nur nach Brei geklungen. An genau dieser Grenze bewegen sich die Klänge und machen vor allem eins: Druck. Warum allerdings Akerfeldt als Sänger angegeben ist, verstehe ich nicht so recht. Die Stimme klingt genau wie auf der vorher erschienenen EP. Und ich würde schwören, daß es Swanös Organ ist, welches so einzigartig röhrt.
"Mass Strangulation"

THOMAS

ZED YAGO "... From The Twilight Zone" 3
Steamhammer/SPV, 2002

Zed Yago - ...From The Twilight Zone

Die einstige Hamburger Szenegröße ZED YAGO, die Band um Sängerin Jutta Weinhold, bemühte sich seinerzeit mit zwei Langspielplatten, bei den geneigten Hören Anklang zu finden. Diese Bemühungen fruchteten darin, daß sich zwei Fantypen bildeten. Die einen liebten die Geschichten um die Tochter des Fliegenden Holländers und den stoischen Rhythmus ZED YAGOs und die anderen namen die Band überhaupt nicht ernst. Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, daß Frau Weinhold mit ihren ersten Bands eher im Krautrock heimisch war. Als nach zwei Platten der gewünschte Erfolg ausblieb, packte wohl einige Bandmitglieder die nervöse Unruhe und die Gruppe brach auseinander. Das war die Geburt von Velvet Viper. Dem neuen Wirkungsfeld von Jutta Weinhold. Auch hier kam sie auf zwei LPs, bevor die Band sich auflöste. "...From The Twilight Zone" ist nun eine Zusammenfassung der wichtigsten Titel dieser vier Alben plus diverser Liveaufnahmen. Zusammenfassend kann ich der Musik ZED YAGOs attestieren, nicht sehr packend zu sein, da das Tempo konstant im mittleren Bereich angesiedelt ist. Von Abwechslung also keine Spur. Juttas Stimme ist zwar sehr hörenswert, doch die Melodien können da nicht im Ansatz mithalten. So schleppen sich die CDs dieses Doppelpacks von einer Nummer zur anderen, während sich die Frage auftut: Braucht die Welt eine Reunion von einer verzichtbaren Band wie ZED YAGO? Eine Wiedervereinigung soll der Anlaß für die Veröffentlichung dieser Best Of-Doppel-CD gewesen sein. Ich kann für meinen Teil gerne darauf verzichten.
"United Pirate Kingdom"

THOMAS

ABSCESS "Through The Cracks Of Death" 10
Peaceville, 2002

Abscess - Through The Cracks Of Death

Horror- und Gore-Altmeister Chris Reiffert ist auch nach knapp zwanzig Jahren Szenezugehörigkeit noch lange kein Fall fürs Kreativitätsaltersheim. Der ehemalige Schlagzeuger der Death Metal-Pioniere Death und spätere Mitbegründer der ebenfalls Legendenstatus innehabenden (nicht nur weil aufgelösten) Autopsy, bei denen er neben den Drums auch für Text und Gesang verantwortlich war, versorgt die Fans fauliger, morbider und kranker Musik auch heute noch mit frischen Kadavern wie nun mit "Through The Cracks Of Death", einer Ansammlung ungehobelter Aggressionsausbrüche begleitet von wieselflinken Leads auf den Klampfen und ungesund schleifenden Riffs dunkelster Stimmung. Chris brüllt, röchelt, kreischt und gurgelt wie ein Zombie auf einer hohen Dosis Kokain und läßt textlich mal wieder nichts anbrennen, wie zum Beispiel in "Raping The Multiverse", "Escalation Of Violence" oder "Tomb Of The Unknown Junkie". Auffällig ist bei allem gewollten, herrlichen Ekels, daß ABSCESS ihre Instrumente mit Leichtigkeit beherrschen. So gibt es geniale Hi-Hat Breaks, bluesige Soloanleihen und Jazzrhythmen zu hören, die zwar nur kurz auftauchen aber positiv auffallen. "Tomb Of The Unknown Junkie" hat sogar Hitcharakter. Kaufen.
"Tomb Of The Unknown Junkie"

THOMAS

THE FLOWER KINGS "Unfold The Future" 8
Insideout/SPV/cmm, 2002

The Flower Kings - Unfold The Future

Wehe, wenn sie losgelassen. Das trifft nicht nur auf Bands vom Schlage Gwar oder Gorgoroth zu. Nein, auch auf die musikalischen Alleskönner von den FLOWER KINGS. Nur, daß diese nicht durch ungeschlachte Brutalität oder bluttriefendes Meucheltheater von sich reden machen. Vielmehr ist es bei den FLOWER KINGS so, daß sie in regelmäßigen Abständen bei einigen Progmusikern für vollgeschissene Hosen und bei den Fans für ausrastende Hormonspiegel und extatische Freudentänze verantwortlich sind. "Unfold The Future" ist ein Notenberg von der Größe des Reichstages, zusammengepfercht auf zwei kleinen Silberscheiben. Dargeboten mit traumwandlerischer instrumentaler Sicherheit und einer unglaublichen Spielfreude. Diese ufert in den drei Songs mit Überlänge von fünfzehn bis dreißig Minuten "The Truth Will Set You Free", "Silent Inferno" und "Devil's Playground". Hier hat man unweigerlich den Eindruck, man wohne einer gigantischen, spontanen Jamsession bei. Jeder Musiker scheint seine Gefühlswelten mit dem Instrument auszuloten, und kein noch so komplizierter Part erscheint hier zum Selbstzweck. Hier überträgt sich also die pure Spielfreude auf den Hörer. Selbst wenn mal ruhigere Töne wie bei "Vox Humana" angeschlagen werden.
"Vox Humana"

THOMAS

NAPALM DEATH "Order Of The Leech" 9
Feto Rec./Snapper Music, 2002

Napalm Death - Order Of The Leech

Die britische Grindinstitution feiert ihr beinahe zwanzigjähriges Jubiläum und haut ihren Fans ein weiteres Album allererster Güte um die Ohren. Müde sind die Jungs nicht geworden. Soviel steht nach dem Genuß solcher Songs wie "The Icing On The Hate", "Lowest Common Denominator" oder "Farce And Fiction" fest. Es tobt wieder heftigst die Abrißbirne. Dabei orientieren sich die Teebeutel wieder etwas stärker an ihren Wurzeln. Den ersten beiden Werken "Scum" sowie "From Enslavement To Obliteration" entnahmen sie die Hektik und die Ungestümheit, der dritten Scheibe "Harmony Corruption" ihre Trendausrichtung zum Death Metal und die brutale Durchschlagskraft. Schließlich mischten sie diese Zutaten als gestandene Musiker mit Gefühl fürs Songwriting zu einem explosiven Gebräu, das durch seine wuchtige Produktion noch an Treffsicherheit gewinnt. Der Vorgänger "Enemy Of The Music Business" war schon ein Hammer, doch "Order Of The Leech" setzt noch einen drauf. Progressiv Grindcore sozusagen. Nicht umsonst stehen selbst Dream Theater auf NAPALM DEATH. 
"The Icing On The Hate"

THOMAS

MUCUPURULENT "Soulreaver" 7
Morbid Rec./SPV, 2002

Mucupurulent - Soulreaver

Die Band mit dem einprägsamen Namen hat nicht nur ein neues Album im Gepäck, sondern auch noch eine fast ganz neue Musik-Kombination. Death Metal und Rock´n´Roll kennen wir ja nun schon zur Genüge. Die Jungs mit den vier "Us" im Bandnamen kredenzen uns nun Grindrock. Will heißen, wenn man als Vergleich die ähnlich klingenden Gorefest heranzieht, sind MUCUPURULENT gradliniger, weniger melodisch. Bei ihnen kommt es mehr auf den rockenden Groove an. Weniger filigrane Solos und mehr Grindhektik. Aber diese Stimme. Man glaubt, eine neue Band von Jan Chris DeKoyer (Gorefest) vor sich zu haben. Der einzige Negativpunkt an der Sache ist aber, daß mit zunehmender Spielzeit die Songs ein wenig gleichförmig klingen, da nicht soo viel passiert. Doch um bei Grindschlachtfesten (wahlweise mit Spargel, grünen Bohnen und Tofu) ordendlich das Haus zu rocken, langt "Soulreaver" allemale.
"Soul Reaver"

THOMAS

PRONG "100% Live" 5
Locomotive Music, 2002

Prong - 100% Live

Da ich nie ein grosser PRONG-Fan war und somit wenig von der Band kannte, bin ich also recht unbedarft an diese Scheibe herangegangen. Eine gewisse Vorreiterrolle kann man den New Yorkern allerdings nicht absprechen, sieht man sich Bands wie Static-X oder Rob Zombie an, die mehr oder weniger in PRONGs Fußstapfen traten. Nun hat sich die Band also wieder zusammengefunden und legt mit "100% Live" eine, was wohl, Livescheibe in die Plattenregale. Naja, vom vielgerühmten Livefeeling kommt so gut wie gar nichts rüber. Kommunikation mit den Fans sucht man mit der Lupe und der Sound klingt wie eine rauhere Studioaufnahme. Einhundert Prozent Live? Mitnichten. Da die Lieder als solche mitunter recht gut sind ("Snap Your Fingers, Snap Your Neck", "Prove You Wrong", "Unconditional" z. B.), gibt es von der Warte aus auch nichts zu meckern. Doch man merkt, daß die Band zu ihrer Rückkehr ein als Livealbum getarntes Best Of-Teil rausgehauen hat. Die Idee ist gut, die Umsetzung mangelhaft.
"Snap Your Fingers, Snap Your Neck"

THOMAS

MY DARKEST HATE "To Whom It May Concern" 8
Massacre Rec., 2002

My Darkest Hate - To Whom It May Concern

Wahre Metalheads spezialisieren sich nicht auf eine einzige Stilrichtung. Dieser Satz muß wohl auch den Mitgliedern von Sacred Steel immer wieder durch den Kopf gehen. Neben ihrer ziemlich an US-Speed Metal angelehnten Hauptband betreiben sie noch eine Doom Band namens Dawn Of Winter sowie die Band, um die es hier gehen soll, der Death Metal Formation MY DARKEST HATE. Album Nummer zwei besticht durch eine schleppende Grundstimmung wie bei den Kollegen von Six Feet Under und Bolt Thrower, nur daß sie irgendwie zackiger rüberkommen wie in "God Am I". Dazu kommt, daß Frontman Chris Simper über ein abwechslungsreiches Organ verfügt, was den Stücken mehr Charakter verleiht, als sie ohnehin schon durch die interessante Gitarrenarbeit besitzen. Erwähnenswert ist aber nicht zuletzt auch das Drumming, für das der Primal Fear-Schlagwerker Klaus Sperling verantwortlich zeichnet. Denn er klingt nicht wie ein Power Metal-Drummer, der sich auf dem Gebiet des Death Metal versucht, sondern wie ein Death Metal-Drummer der ersten Stunde, der sich den Elementen des Power Metal nicht verschließt. Coole Sache. "To Whom It May Concern" groovt ganz böse.
"My Darkest Hate"

THOMAS

THE THIRD AND THE MORTAL "Memoirs" 9
ProMedia/Prophecy Prod., 2002

The Third And The Mortal - Memoirs

Die Band aus Norwegen ist zwar alles andere als eine waschechte Heavy Metal-Band, doch machen sie nichts desto trotz eine verdammt starke Musik, die sich am ehesten als Ambient Musik im weitesten Sinne beschreiben läßt. Doch auch damit würde man der Band nicht gerecht, da sie sich eigentlich in keine Schublade pressen lassen wollen. Zu vielschichtig sind die Einflüsse, die sie verarbeiten. Der Opener "Zeppoliner" zum Beispiel erinnert mich aufgrund des Gesanges der Frontfrau und den Bläsereinsetzen sehr stark an James Bond-Soundtracks ("The World Is Not Enough"). Doch beginnt das Stück sehr verhalten mit Drum'n'Bass-Rhythmik und molligen Baßläufen. Sehr interessant. "The City" kommt sehr spacig daher und ist sehr entspannt, ruhiger Groove mit vereinzelten Sythesizer-Einsprenkseln, über den ein Monolog gesprochen wurde. "Reflections" würde jeder Hippieband zur Ehre gereichen. Nur daß sich dazu Plattengescratche gesellt und ausgezeichnet funktioniert. Doch als wäre das nicht schon genug, kommt in diese Mischung noch ein leicht verfremdeter, Comedian Harmonists-ähnlicher Chorus. Ihr seht, daß Euch auf der Platte keine Allerweltsmusik erwartet. Drum ist eine gewisse Unvoreingenommenheit Vorraussetzung für den Genuß der Scheibe. Hat man das Teil einmal geknackt, verschwindet es sobald nicht mehr aus dem Player. Versprochen.
"Zeppoliner"

THOMAS

KATAKLYSM "Shadows & Dust" 8
Nuclear Blast, 2002

Kataklysm - Shadows & Dust

Bisher habe ich mich über jede Veröffentlichung aus dem Hause KATAKLYSM gefreut wie George W. Bush über ein paar im Irak von Waffeninspekteuren gefundene leere Raketenhüllen. Tagein tagaus lauschte ich deren neuen Ergüssen und war kurzzeitig froh, auf der Welt zu sein. So natürlich auch bei "Shadows & Dust". Mit dem Unterschied, daß die neue CD der Kanadier nicht permanent läuft, obwohl sie gut ist. Aber etwas ist anders. Das Schlagzeug fabriziert wieder irrwitzige Blastattacken und Rhythmuswechsel, die Axt sägt mit beängstigender Präzision garstige Killerriffs zurecht. Maurizios Gebrüll ist mächtig wie immer und dennoch, etwas fehlt mir zu meinem Glück. Die Songs sind nicht so überraschend wie noch auf den Vorgängeralben. Will heißen, das Quartett hat sich beim Schreiben überanstrengt, die Songs klingen nach Kopfmusik, die Ecken und Kanten der älteren Scheiben wurden glattgebügelt (glattgefräst in diesem Falle). Der Brutalität tut dies im großen und ganzen keinen Abbruch. Nur waren die vorherigen Scheiben einen Ticken charmanter ob ihrer Ungehobeltheit.
"Where The Enemy Sleeps"

THOMAS

LIMBONIC ART "The Ultimate Death Worship" 7
Nocturnal Art/Plastic Head, 2002

Limbonic Art - The Ultimate Death Worship

Schade, die Zeiten, als Black Metal noch ein schier unerschöpflicher Quell an Originalität, Kompromißlosigkeit und künstlerischer Individualität und Kreativität war, sind wohl für immer vorbei. Immer mehr Nachahmer und Soundverwässerer wurden zum Kult hochstilisiert, und die paar wirklich originellen Bands dieses Genres kann man an zwei Händen abzählen. Was das mit LIMBONIC ART zu tun hat? Nun diese Kapelle sortierte ich bisher in die Schublade der Soundverwässerer und großmäuligen Künstler ohne Substanz. Ihre 97er Scheibe "In Abhorrence Dementia" halte ich immer noch für überbewertet. Somit war die Erwartungshaltung an das neue "The Ultimate Death Worship" betitelte Werk nicht allzu hoch. Doch die Scheibe ist überraschend gut ausgefallen. Statt aufgeblasenem Keyboardschwulst gibt es frostiges Getacker und Melodieriffs mit Wiedererkennungswert als Grundlage, die nicht selten mit gelungenen Keys und schleppenden Passagen verfeinert wird. Kurzum, LIMBONIC ART klingen nicht nur wegen der stimmlichen Ähnlichkeit ihres Frontmannes wie eine nachvollziehbare Ausgabe von Emperor. Das sollte doch alle LIMBONIC ART-Skeptiker neugierig machen. Oder?
"Towards The Oblivion Of Dreams"

THOMAS

STEEL PROPHET "Unseen" 5
Nuclear Blast, 2002

Steel Prophet - Unseen

Mit STEEL PROPHET ist das so eine Sache. Sie können mal richtig schmissigen Heavy Metal mit galoppierenden Riffs und geilen Hooks machen wie bei "Truth" und auf der selben CD mit ärgerlicher Langeweile aufwarten wie "Killer's Confession". Oder mit flachbrüstigen Riffs wie mitunter bei "One Way Out". Doch wenn man sich über derlei Verfehlungen mokiert, fällt einem wieder auf, daß Sänger Rick Mythiasin trotz seiner Dickinson-Schlagseite eine richtig gute Stimme hat und so manche müde Passage rettet. Die Qualität auf dieser Scheibe ist also stark schwankend und somit ist "Unseen" nur eingeschränkt den Die Hard-Fans zu empfehlen.
"Killer´s Confession"

THOMAS

GRAVE "Back From The Grave"
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Grave - Back From The Grave

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern: GRAVE, eine der einflußreichsten schwedischen Death Metal-Bands der frühen 90er Jahre ist nach gut fünfjähriger Veröffentlichungs- und Tourabstinenz wieder zu neuen Schandtaten bereit. Wie auch bei ihren Kollegen von Unleashed wurde dies mit der Wiederveröffentlichung der jeweiligen Debutscheiben inoffiziell angekündigt. Nun liegt also ihr neuer Streich in Form von "Back From The Grave" vor. Um es vorweg zu nehmen, die CD ist weder eine Enttäuschung noch eine unverzichtbare Offenbarung in Sachen kellertiefen Schwedentods. Auf der Habenseite können GRAVE auf jeden Fall die Rückbesinnung Ola Lindgrens auf die tiefen Stimmlagen verbuchen. Im Gegensatz zu "Hating Life" röhrt der Bursche wieder wie ein brünftiger Elch. Auch die Begräbnisflair verbreitenden Gitarren und die simplen aber effektiv bollernden Drums stehen bei den Gotländern wieder hoch im Kurs. Tomas Skogsberg hat im Sunlight Studio (spätestens jetzt sollten die Altfans jauchzend aufschreien) wie immer ganze Arbeit geleistet. Nun zur Kehrseite der Medaille. So schön und gut eingangs Beschriebenes auch ist, es ist fraglich, ob GRAVE mit dieser Scheibe ihren Vorreiterstatus halten können. Wenn ihr auf gleichbleibenden, zugegebenermaßen gut gemachten Midtempokram steht, könnt ihr mit der Scheibe nicht viel verkehrt machen. Ich persönlich vermisse dennoch die Abwechslung im Tempobereich und somit zieht die Scheibe zum Ende hin ein wenig an mir vorbei. Unbekanntere Bands haben da mehr Pfeffer im Arsch.
"Rise"

THOMAS
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