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- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" - des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung. Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten. ABGEHÖRT vom 11. Mai 2004/Sendung zum 300. Jubiläum STORMWIND "Rising Symphony" 8 Massacre Records, 2003
Wo STORMWIND draufsteht, ist auch
STORMWIND drin. Einmal mehr tauchen die Schweden tief in den Ozean, der
da Melodic Metal heißt, um mit reicher Beute wiederzukehren. In diesem
Falle sind es wieselflinke, verspielte Leads und flotte Riffs. Darüber
liegt ein leichtfüßiger, glockenklarer Gesang. Das Ganze wird
angetrieben durch Doublebass-Getacker und flockige Breaks. Eine Rezeptur,
die sich tausendfach bewährt hat. Doch wie viele Bands aus diesem
Genre langweilen mit ihrer Version von Speed und Melodie? Eben. STORMWIND
beweisen jedoch bei ihren Kompositionen ein geschicktes Händchen und
gestalten ihre Musik absolut kurzweilig. Auch wenn die wahren Klassiker
dieser Musik von anderen Bands geschaffen werden, kann man als Fan solcher
Musik eine STORMWIND-Platte einmal mehr bedenkenlos kaufen und sich eine
knappe dreiviertel Stunde gute Laune ins Haus holen.
THOMAS DREAMSCAPE "End Of Silence" 3 Massacre Records, 2004
Wenn eine Band für sich den
Anspruch erhebt, progressiv zu sein, erwartet man Musik, die einen verblüfft,
die songschreiberisch und technisch die Mäuler der Zuhörer sperrangelweit
offen stehen läßt. Daß die Band neue musikalische Wege
beschreitet oder zumindest schon erschlossenes Terrain komplett umkrempelt.
Nun, das machen DREAMSCAPE nicht. Gute Musiker sind sie zweifelsohne, doch
ist an ihrer Musik nichts Außergewöhnliches zu finden. Langweiler-Hoppel-Riffs
werden mit unspektakulärem Gitarrengefiedel unterlegt und wechseln
ziemlich berechenbar in Keyboardgewaber, das so interessant ist wie das
Storyboard der Lindenstraße. Frontmann Roland Stoll kann zwar fast
wie James LaBrie singen, das rettet die Musik aber auch nicht aus dem Mittelmaß
der unzähligen Bands, welche nach Progressiv „light“ klingen. Zwar
versuchen DREAMSCAPE, Überraschungsmomente zu erschaffen, doch leider
haben viele andere Bands schon vorher verraten, wo sie zu finden sein werden.
THOMAS FINNTROLL "Nattfödd" 10 Century Media/Ranka Publ., 2004
Genial, einzigartig und unglaublich.
FINNTROLL sind eine der wenigen winzigen Oasen in der endlosen Sandwüste
der Metal-Veröffentlichungen dieser Tage. Wer dieser Band noch nie
sein Ohr geliehen hat, der muß dies schleunigst nachholen. Ihm könnte
sonst eine der innovativsten und zugleich witzigsten Musikergemeinschaft
entgehen.
JUB RICHIE KOTZEN "Change" 10 Frontiers Rec., 2003
Lange Zeit war dieser Mann lediglich
dafür berühmt, daß er bei Poison Gitarre spielte und von
C. C. De Ville eins aufs Maul bekam, weil er diesem dessen Freundin ausgespannt
hatte. Daß es sich bei Kotzen allerdings um einen hervorragenden
Gitarristen handelt, war kaum noch der Rede wert. Was sollte ein starker
Klampfenmann auch bei Poison.
JUB SOLEMNITY "King Of Dreams" 8 Remedy Rec./True Music Promo., 2003
SOLEMNITY sind zurück und mit
ihnen die guten alten 80er Jahre. Absolut unbeeindruckt von den Entwicklungen,
die in den 90ern stattfanden und sich heute fortsetzen, sprich dem sich
Herauskristallisieren neuer Stilrichtungen, der Verquickung mit genrefremden
Einflüssen und frei vom "Höher-Schneller-Weiter"-Gedanken, zimmerten
sie eine waschechte Old-School- Metal-Platte ein. Soweit so gut, doch großer
kommerzieller Erfolg wird sich mit dem Album sicherlich nicht einstellen.
Denn glücklicherweise sind SOLEMNITY zu kauzig, um ähnlich wie
Hammerfall von der breiten Masse geliebt zu werden. Die Melodien der Deutschen
klingen nicht allzu eingängig oder gar nett, sondern eher etwas befremdlich.
Bestes Beispiel ist der Song "Vampire's Dance". Hier entwickelt sich so
etwas wie Eingängigkeit eher schleichend. Nicht wenige Bands, die
ähnlich arbeiteten, werden heute als Kult gehandelt. Von eben einer
solchen Band, Manilla Road, coverten die Musiker um Sänger Sven The
Axe den Song "Spirits Of The Dead". Auch wenn die Epik der Amis aus dem
Speed Metal SOLEMNITYs auffällig heraussticht, wirkt der Song nicht
wie ein Fremdkörper. Einmal mehr beweisen SOLEMNITY Geschmack, was
die Auswahl der Songtitel anbelangt, so sind "Fire In Mainstreamland" und
"In Dubio Pro Sathanas" zu Tränen rührender Kult. Erstgenannter
Song wird als Hidden Track noch einmal von seinen Schöpfern als Verballhornung
runtergerasselt, bei dem sich einmal mehr zeigt, daß eben nur echte
Sachsen sächseln können.
THOMAS GUERRILLA "Promo 2004" 8 Eigenproduktion, 2004
Warum diese Band in Underground-Kreisen
(logischerweise vornehmlich bei den Thrash Metal-Fans) in aller Munde ist,
belegt sie nachdrücklich mit ihrem neuen Material. Diese Vier-Songs-Promo
serviert mit "Guardian Demon" eine Thrash Metal-Granate erster Sahne: rasant,
wütend und steinhart. Ungewöhnlich werden GUERRILLA bei "Greed",
wo Megadeth-Sounds auf Crossover- und Hardcore-Anflüge treffen. "Clemency"
- ein in spanisch gesungener Song - überrascht mit einem Progressiv-Intro
und hält auch im weiteren Verlauf, was er am Anfang verspricht: Blast-Hacker
reihen sich an zur Bewegung zwingende Groover. "Imperial Gloom" ist am
Ende wieder etwas typischer. Somit hat diese Promo quasi eine kleine musikalische
Rahmen-Handlung. Die zu diesen Songs gehörende Full Length-Scheibe
solltet Ihr unbedingt antesten, denn sie könnte ein absoluter Bomber
werden.
JUB BALLISTIC "Ballistic" 8 Metal Blade, 2003
Wenn sich die galoppierenden Speed-Gitarren
von Helloween (inklusive Kai Hansen-Anflüge), die nervöse Hektik
Ravens und die Theatralik Gwars verbinden, könnte man einmal mehr
ob dieser merkwürdigen Mischung einen lieblos gemixten Klangbrei vermuten.
Dem ist in Sachen BALLISTIC allerdings nicht so. Im Gegenteil. Diese Ami-Band,
die 2000 gegründet wurde und hier ihr Debüt vorlegt, spielt einen
äußerst aufregenden Heavy Metal, der beim ersten Hören
schon mal auf den Sack gehen kann, da nichts läuft, wie man es erwarten
könnte. Aber sobald man sich dazu hinreißen läßt,
sich ein wenig konzentrierter mit diesem Album zu beschäftigen, kann
man ein nahezu unendliches Feld beackern. BALLISTIC wirken vielleicht auf
der einen Seite zerfahren, am Ende machen all diese Kapriolen in den Songs
wirklich Sinn - und vor allem Spaß. Denn den Musikern ist der Humor
durchaus anzuhören.
JUB ENDLESS DISTRUST "Colours Of Death" 8 (BANDS BATTLE-BAND 2004) TTS Media Musik/Alive, 2002
ENDLESS DISTRUST haben den Kuschelfaktor
eines Nagelbretts, die Sanftheit einer Abrißbirne und sind herzzerreißend
liebenswert wie ein verrotteter Penner, der einen auf den Schoß kotzt.
Und trotzdem: dieser mit Grindcore-Elementen durchmischte US-Death Metal
hat etwas ungemein Anziehendes. Vielleicht ist es die alles niedertrampelnde
Brutalität des Dargebotenen, vielleicht sind es auch die unmenschlichen
Growls von Toralf Bornhöft. Oder das musikalische Disaster, das manchmal
klingt als würde das Trio mit seinen Instrumenten wild um sich schlagen.
JUB MÄGO DE OZ "Gaia" 9 Locomotive Music, 2003
Die Anzahl derer, für die das
Thema Skyclad seit dem Weggang von Martin Walkyer Richtung Sabbat erledigt
ist, dürfte sicherlich groß sein. Doch diesen Leuten kann geholfen
werden. MÄGO DE OZ aus Spanien zaubern mit ihrem neuen Album eine
herrliche Symbiose aus Dramatik und Melodie aus ihren zahlreichen Ärmeln.
Das Oktett bereichert seine breit angelegten Heavy Metal-Hymnen, ähnlich
wie die Briten, mit vorzüglichem Violinenspiel. Doch die Iberer als
bloße Skyclad- Ersatzband abzutun, wäre falsch. MÄGO DE
OZ haben noch mehr zu bieten. Maiden-lastige Melodieführung trifft
auf Tiamatsches Schwelgen in wabernden Klangkonstrukten, um sofort in ein
stampfendes Metalbrett mit Flötenbegleitung umzuschlagen. So geschehen
im Song "Alma". Wenn die Band mehr zu bieten hat, warum der Skyclad-Vergleich,
werden einige denken. Nun, wenn sich die Wege von Gitarre und Violine kreuzen,
fühlt man sich sofort an die Werke der Briten erinnert. Das macht
jedoch nur eine Facette im Gesamtsound der Band aus. MÄGO DE OZ nehmen
sich von jedem erfolgreichen Sound aus der Metal-Historie etwas weg. Hammond-Orgel,
doppelte Leadgitarren, die Verquickung von Metal und Folk, Savatage-ähnliche
Melodieaufbauten, einen Schuß Led Zeppelin. Das alles wird zu einem
72minütigen und dennoch kurzweiligen Mahl zubereitet und mit einem
textlichen Konzept serviert. Schade nur, daß das Verstehen dieser
Texte durch das Vortragen in der Landessprache der Band von vornherein
zum Scheitern verurteilt ist. Das Album kommt in der Erstauflage als Digibook
mit 36-seitigem Booklet und Bonus-DVD. Es wird Euch also was fürs
Geld geboten. Nicht schlecht, Herr Specht.
THOMAS GOREZONE "Promo 2004" 8 (BANDS BATTLE-BAND 2004) Eigenproduktion, 2004
Wenn sich eine Band auf den Grind-Pfad
begeben hat, muß sie sich erst einmal in den Pfützen suhlen.
So handhaben es auch GOREZONE, denen das gnadenlose Gemetzel auf "Erase
The Scum" (siehe Abgehört von
9. Dezember 2003) längst nicht genug war. Das neue Material dieser
Band kommt mit noch mehr Futt. Auch wenn "Fuck You" auf diesem Vier-Track-Teil
geradezu einen Ruhepol markiert (für viele Extrem-Bands wäre
das Stück immernoch das totale Getobe), bleibt der Eindruck, als stürze
ein Haus in sich zusammen. Dabei bleibt der kurze Gruß in die Death
Metal-Ecke durchaus bestehen. Ich wette, es gibt eine ganze Reihe von Grind-Fans,
die solch ein starkes Gerödel einer deutschen Band nicht zugetraut
hätten.
JUB ADAGIO "Underworld" 8 Wagram/NTS Rec.,2003
Geht es um ADAGIO, spricht man hauptsächlich
vom Multiinstrumentalisten und Sänger Stephan Fortè.
THOMAS TAROT "Suffer Our Pleasure" 7 Spinefarm, 2003
Manche werden es nicht wissen, aber
die Finnen haben schon in den 80ern versucht, in der Heavy Metal-Szene
mitzumischen. TAROT sind ein Beispiel für dieses Mühen, denen
allerdings nie wirklich Erfolg beschieden war. Ihr erstes Album legte die
Band 1986 vor ("Spell Of Iron"). Seitdem erschienen fünf weitere Scheiben,
denen sich mit "Suffer Our Pleasure" ein weiteres Werk hinzugesellt. Und
es wird hörbar Qualität abgeliefert. Heutzutage würde man
sagen: Logisch, sind ja Finnen. Allerdings bewegen sich die Typen um das
Brüder-Paar Marco und Zachary Hietala weder im Death oder Black noch
im Gothic Metal-Bereich, sondern beschreiten den Weg des straight nach
vorn gespielten Heavy Metal, denn auch die pompöse Stratovarius-Richtung
ist den Herren nicht zuzuordnen. Auch wenn TAROT zum Beispiel bei "Of Time
And Dust" abgehoben wie Queensryche klingen, sind sie doch meist recht
bodenständig. Vor allem die Songs in der ersten Hälfte der CD
haben Esprit. Hinten raus werden die Finnen ein wenig nachlässig,
klingen die Stücke dann doch etwas arg zurechtgezimmert. Ihr bräuchtet
nur "Undead Son" und "Convulsions" gegenüberstellen und würdet
auf zwei songwriterische Herangehensweisen stoßen. Auf der einen
Seite die songdienliche Eingängigkeit, auf der anderen das Bemühen,
aus einer zweitklassigen Melodie das Letzte herauszukitzeln. Richtig schlecht
ist das Zeug von TAROT aber zu keinem Zeitpunkt.
THOMAS SEDATIVA "Forgotten Fun" 5 Moonstorm/EFA/NSM, 2002
Elektronische Kühle als treibendes,
monotones Grundgerüst plus heavy rockende Gitarrenmusik - das haben
schon viele probiert und einige erheblichen Erfolg damit gehabt. SEDATIVA
hat sich den Gewinnern mit ihrem "Forgotten Fun"-Album zu Recht nicht anschließen
können. Dafür ist die gesamte Scheibe viel zu lieb und gebremst.
Es gibt ein paar wirklich hübsche Song-Ideen, die aber meist auf halbem
Weg abgebrochen werden. Nehmen wir nur "Plastique", das mit einem ruppig
rappenden EdMyer beginnt, der dabei gar Clawfinger-Erinnerungen weckt.
Allerdings explodiert der Refrain nicht in einer aggressiven Gitarrenwucht,
sondern macht lediglich "Puuuup". Das schmälert das Hörvergnügen
gewaltig, da die Scheibe von Song zu Song immer vorhersehbarer wird. Ich
glaube, hier hätte ein cleveres und geschicktes Produzenten-Händchen
Wunder wirken können. So sind ein paar gute Nummern leider mal eben
so verschenkt worden.
JUB S.A. ADAMS "Mutated" 4 Hardware/Alive/TTS, 2003
Hatte ich S.A. ADAMS' Vorgängerscheibe
"Stovepipe" noch recht gut als rotzige, nach Bier und Schweiß stinkende
Metal-Platte mit "Scheißegal-Attitüde" in Erinnerung, war die
Freude über eine neue Scheibe aus dem Lager der Amis recht hoch. Doch
die Ernüchterung folgte alsbald. "Mutated" hat beileibe nicht das
Feuer im Arsch wie noch der Vorgänger. Und das liegt nicht nur an
der kraftlosen Produktion von "Mutated". Songs wie etwa "The You Show",
"Growing" oder "Stand Down" hätten starke Knaller werden können,
hätten die Drei etwas mehr mit den Tempi experimentiert. In der jetzigen
Fassung klingen die Songs jedoch wie ein schwerbeladener LKW beim Befahren
einer Bergstraße Richtung Gipfel. "The Haunting" und "Back To You"
sind die einzigen Songs der Platte, auf die dieses Empfinden nicht vollkommen
zutrifft. Komische Scheibe. Als Bonustracks sind noch drei Pre-Mixe von
Nicht-Album-Songs auf der Scheibe vertreten.
THOMAS SEELENSCHMERZ "Auf Gedeih und Verderb" 3 Eigenprodunktion, 2003
Meine erste Begegnung mit dieser
Band liegt mehrere Jahre zurück, als SEELENSCHMERZ im Rahmen einer
INTERREGNUM-Party auftraten. Die Musiker haben sich durchweg als äußerst
sympathische Zeitgenossen erwiesen, ihre Produkte klangen schon damals
recht eigenwillig. Das hat sich auch mit "Auf Gedeih und Verderb" nicht
geändert.
JUB ANTAGONIST "Perfect Human Comprehension" 9 (BANDS BATTLE-BAND 2004) Eigenproduktion, 1999
Wenn diese Jungs nach ihrem Debüt
"Perfect Human Comprehension" immer noch kein neues Album am Start haben,
dann liegt es daran, daß sich noch kein Label fand, ANTAGONIST dies
zu ermöglichen. Und allein diese Tatsache sagt alles über die
deutsche Label-Politik. Denn mit dieser Bremer Band hat Deutschland ein
Kleinod in seinem Underground, der jedes Mal, wenn er zum Vorschein kommt,
gleißend erstrahlt. Gut, da kann man gegenhalten, daß der große
Thrash-Revival nie einsetzte. Allerdings gibt es trotzdem genügend
Thrasher (vor allem aus dem Ausland!!), die in Teutonien gut verkaufen.
Desweiteren könnten Krümelkacker an ANTAGONIST bemängeln,
daß dieses thrashige Old School-Zeugs nicht gerade vor Innovation
strotzt. Das ist allerdings spätestens seit 1975 nicht mehr Pflicht,
um Anerkennung finden zu dürfen. Denn Vorhandenes auf eigene Art und
Weise zu interpretieren ist meist viel besser, als Neues erfinden zu wollen
und dabei permanent an Grenzen des eigenen Vermögens zu stoßen.
JUB VOODOMA "Dimension V" 7 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 2004
Melodic Metal ist definitiv die Schublade,
in die VOODOMAs "Dimension V" abgelegt werden kann. Und allein dieses Prädikat
sollte Freunde dieser Musik aufhorchen lassen, denn Deutschland hat auf
diesem Sektor nicht gerade viel zu bieten. Und wenn mir da Pink Cream 69
oder Domain einfallen, haben die aber noch lange nichts mit VOODOMA zu
tun. Denn diese Band aus dem Raum Düsseldorf klingt bei weitem nicht
so ausgelassen und fröhlich, wie es uns vor allem der Ami-Melodic-Metal
seit 25 Jahren vormacht. Für eine latent düstere Stimmung - bei
aller beschwingten Melodieführung - sorgen neben der Stimme von Micha
auch Gothic-Bezüge á la Sisters Of Mercy oder The Name ("Walking
In Fear"). Die Gitarren transportieren nicht selten schwermütige Weisen,
die ein straightes Nach-vorn-Rhythmieren nahezu verbieten. Für Autobahnfahrten
und sonnige Mittelmeerstrände ist diese Musik schon mal nicht gemacht.
Hier geht es auch textlich nicht um Möpse, Mitternächte und Mega-Partys,
sondern Futter für das Gehirn wird serviert ("Jesus Crime (The Second
Time)", "Illusion Of Life", "Utopia").
JUB SECRETUM "Happy Happy Killing Time" 8 (BANDS BATTLE-Band 2004) Metal Age Productions, 2003
Berlin scheint ein nie versiegender
Quell hochkarätiger Underground-Metal-Bands zu sein. Depressive Age,
Post Mortem, Nuclear Tribunal, Dies Ater, Desert Rain, Harmony Dies, Fatal
Embrace, und und und... Egal ob bereits aufgelöst, noch aktiv oder
gerade im Kommen - in der Hauptstadt ist in Sachen Heavy Metal-Bands kein
Stillstand in Sicht. Nun sollte man sich einen weiteren Namen unbedingt
merken: SECRETUM. Die mittlerweile zum Quintett aufgestockte Band hat unlängst
ihr Debut-Album "Happy Happy Killing Time" veröffentlicht. Dieser,
noch als Trio eingespielte Kracher wartet mit bissigem Thrash Metal der
Marke Defleshed auf. Speed regiert auf ganzer Linie. Flankiert von rasenden
Riffs, die mal an die gute alte Bay Area–Schule erinnern bzw. einige Death
Metal-Bands alt aussehen lassen, rüpeln sich die Herrschaften durch
die acht Songs der Scheibe. Auch wenn die Stücke mitunter recht hektisch
wirken, der rote Faden in den Kompositionen geht nie verloren. Bei den
Stücken "Loss Of Blood" und dem Titelsong schaffen es SECRETUM, gar
Thrash-Hymnen für die Ewigkeit zu erschaffen. Nur der neunte Song,
ein Remix des Stückes "Don't Look Now" ist ein wenig suspekt. Als
Experiment nett gedacht, doch öfter als zweimal hört sich das
sicher keiner an. Dann fängt es an zu nerven, und die Lade des Players
öffnet sich, bevor die Scheibe zu Ende ist. Ansonsten ist "Happy Happy
Killing Time" eine starke Scheibe.
THOMAS NACHTFALKE "Land Of Frost" 8 Christhunt Prod., 2003
Black/Pagan Metal im klassischen
Sinne servieren uns NACHTFALKE auch auf ihrer dritten CD "Land Of Frost".
Dabei hat die Band ein Niveau erreicht, daß aufhorchen läßt.
Oder besser, es läßt einen entspannt die Musik genießen,
denn sowohl Sound, Melodien und erzeugte Stimmungen verdeutlichen Musiker,
die wissen, sich in ihrem Metier sicher zu bewegen. Da ist es überhaupt
nicht schlimm, daß sich NACHTFALKE immer noch etwas an Bathory orientieren.
Besser können Vorbilder kaum sein. Witzig finde ich das Power Metal-Stück
"Land Of Frost" (sogar mir Eierkneif-Schrei). Natürlich agieren NACHTFALKE
hier gewohnt rauh und haben durchaus einen Hang zum Oi-Punk, dieses Power
Metal-Feeling bleibt aber irgendwie immer bestehen. Sehr unterhaltsam.
JUB U.D.O. "Thunderball" 8 AFM Records, 2004
Obwohl Udos neue CD furios mit dem
Uptempo-Kracher und Titelsong beginnt, kann man bei "Thunderball" zweifelsohne
von der U.D.O.-Platte sprechen, die sich am dichtesten am Schaffen von
Accept orientiert. Nicht, daß Accept keine Kracher abgeliefert hätten,
mitnichten, doch verbindet man mit diesem Namen eher den typischen, stampfenden
Teutonen-Metal. Ein Klischee, das wohl von keiner anderen Band so stark
geprägt wurde. "The Arbiter", Song Nummer zwei auf der CD, ist eben
genau so ein Song. Er hätte auch auf "Balls To The Walls" stehen können.
Doch ob Vergangenheit oder Gegenwart, eins begleitete Udos Karriere schon
immer: das goldene Händchen für unsterbliche, ergreifende Melodien.
Das schlägt sich auf dieser CD erheblichst bei der Hymne "The Land
Of The Midnight Sun" nieder. Hier bilden einmal mehr die ans Herz gehenden
Gitarren, die zwar schwermütig, doch nie verdrießlich klingen,
das Fundament für den sofort ins Ohr gehenden Refrain, der live sicher
eine große Zukunft hat. Der nächste Knaller ist "Trainride In
Russia", eine Hommage an die russischen Fans. Hier wird das Akkordeon ausgepackt
und Heavy Metal mit russischer Folklore gekreuzt. Liest sich komisch, klingt
aber geil. Da auch der Text halb englisch, halb russisch vorgetragen wird,
haben U.D.O. hier was für die Völkerverständigung getan
und müssen diesen Song jetzt sicher jeden Abend live spielen, wenn
wieder Konzerte in Putinland anstehen. Wenn man die letzten Veröffentlichungen
U.D.O.s kurz charakterisieren möchte, kann man sagen, daß "Holy"
das hochmelodische, verspielte Metal-Brett war, "Man And Machine" etwas
kühler und stampfend ausgefallen ist, und nun "Thunderball" die rockigere
der drei Scheiben ist. Eine klasse Scheibe, auch wenn sie nicht ganz an
"Holy" heranreicht.
THOMAS DOOMSWORD "Let Battle Commence" 9 Dragonheart/SPV, 2003
Für Opener haben diese Italiener
ein goldenes Händchen: "Heathen Assault" ist wie die Eingangsnummer
auf dem Vorgänger "Resound The Horn" (siehe Abgehört
vom 1. April 2003) hymnischer Doom Metal in Vollendung. Die Melodie,
von Deathmasters klagenden Vocals getragen, packt einen schon in den ersten
Noten. Und trotz des unverkennbaren Epic-Anspruchs werden DOOMSWORD nie
bombastisch. Der Sound bleibt durchgehend rauh und transparent. Denen klebt
der Dreck vom Schlachtfeld noch an den Klamotten.
JUB XIV DARK CENTURIES "Dunkle Jahrhunderte" 8 Moonrise Underground Productions, 2002
Dieses Teil ist zwischen "For Your
God" und dem aktuellen Werk "... den Ahnen zum Gruße..." (siehe Abgehört
vom 24. Februar 2004) angesiedelt, und - ja tatsächlich - es markiert
den bisherigen musikalischen Höhepunkt der Band aus Thüringen.
Während der gothiclastige Erstling von den Pagan Metal-Scheiben eh
getoppt wird, besticht "Dunkle Jahrhunderte" gegenüber "... den Ahnen..."
mit den besseren Melodien. Streckenweise gehen diese richtig unter die
Haut (unter anderem "Als das Opferfeuer brannt", "Wintersonnenwende").
Geknüppel wird bei XIV DARK CENTURIES peinlichst vermieden, da es
eigentlich durchgehend immer wieder um Atmosphäre geht, die vor allem
den Inhalt der Texte untermauern soll. Selbige sind ob der kreischig bis
growligen Stimme des Frontmannes Michel - der übrigens die ein oder
andere Passage etwas zu forsch angeht (weniger ist da manchmal mehr) -
logischerweise schlecht zu verstehen. Was durchdringt, ist allerdings allererste
Sahne. "Wintersonnenwende" und "Des Kriegers Traum" haben da auf jeden
Fall die Nase vorn.
JUB MATHYR "Mathyr" 7 Eigenproduktion, 2001
Hey, hier wird es ungewöhnlich.
Black Metal? Sicher, aber irgendwie auch nicht. Thrash? Taucht ebenfalls
ständig auf, will aber nie die Überhand gewinnen. Death Metal?
Ist beigemengt, MATHYR allerdings zu diesen typischen Black/Death-Vertretern
zu zählen, käme nicht hin. Fragezeichen oder der Aufruf, sich
intensiver mit dieser selbstbetitelten CD zu beschäftigen. Ich möchte
auf jeden Fall Letzteres empfehlen. Hier mal ein paar Beispiele: "Path
Of The Night" hat so schräge Gitarrentöne, daß einige Hardcore-Black
Metaller (welch geile Wortverbindung) Haaransatzpieken bekommen könnten.
Solche krummen Riffs leisten sich eigentlich nur Death Metal-Bands, bei
denen klingt das dann aber wuchtiger. Hier bleibt alles im spitzen Black
Metal-Bereich. Außerdem scheint sich der Song auch ständig zu
verändern, nicht nur rhythmisch, sondern auch vom Charakter her. Während
er eingangs die Hörgewohnheiten provoziert, erfüllt er später
diese geradezu hinreißend. Ähnlich verrückt stellt sich
auch "Sensual Pleasure" dar; was für ein krankes Lied. Hier scheinen
sich Sänger und Instrumentalisten über das Tempo des Stücks
nicht einig zu sein, während Letztere mit dem Song davonlaufen möchten,
stellt sich der Shouter ständig breitbeinig in den Weg. Sehr interessante
Machart. "Passion" ist da nicht anders, auch hier wird der eigenen Erwartungshaltung
mit den abstrusesten Momenten in Melodie und Rhythmik ständig ein
Bein gestellt. Da macht sich die straighte Black Metal-Nummer "Machinery
Of God" geradezu als Ohrwurm aus. Auch "Dshihad" ist mit seinen Blast-Parts
ungewöhnlich eingängig, bleibt nah am Black Metal, erlaubt sich
aber starke Death Metal-Bezüge.
JUB FATAL EMBRACE "Legions Of Armageddon" 6 (BANDS BATTLE-Band 2004) Twilight, 2001
Tja, hier gibt es ganz schön
auf die Backen. FATAL EMBRACE haben den Thrash Metal der 80er Jahre im
Stuhl und schlagen den Bogen von Slayer über Exodus bis hin zu Kreator.
"Legions Of Armageddon" gibt davon beredt Zeugnis. Zwar ist das Album bereits
drei Jahre alt, stellt aber immer noch die aktuellste Veröffentlichung
der seit 1993 bestehenden Band dar. Daß die Mannen um Sänger
Dirk Heiland immer noch ohne lohnenden Stil zu sein scheinen, der eine
regelmäßige Tonträger-Veröffentlichung ermöglicht,
wird vermutlich an dem einfach nicht zündenden Thrash Metal-Revival
liegen, denn für Thrash-Fans dürften FATAL EMBRACE mit "Legions
..." über weite Strecken ein wahrer Ohrenschmaus sein. Zwar läßt
die Scheibe mit zunehmender Spielzeit nach, sind mit "Return To Hell" oder
"Wargods Of Trash" sogar kleine Durchhänger auszumachen, ist der Baß
definitiv zu sehr nach vorn gemischt und hat auch Meister Heiland die ein
oder andere Schwäche, im Gesamtbild bleibt allerdings ein ziemlich
fettes Thrash-Album, das nicht nur Nostalgikern ans Herz gelegt werden
kann.
JUB INFECTED BRAIN "Hate One" 5 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 2000
Die MCD der in Borne bei Magdeburg
beheimateten Band beinhaltet fünf Einheiten grobschlächtigen
Death Metals, der instrumentell solide in Szene gesetzt wurde. Frontviech
Torsten hebt sich mit seiner brunnentiefen Stimme vom Dschungel aus Möchtegern-Röchlern
ab. Solche Geräusche hört man sonst nur bei Sanity's Dawn. Die
Musik orientiert sich stellenweise an der rohen Primitivität von Mortician,
besonders, wenn es um die punkigen "Uff-ta-uff-ta" Beats geht. Ans spielerische
Eingemachte geht es, wenn INFECTED BRAIN richtig Lack machen. Die Lektionen
"Wie spiele ich Death Metal langsam, und wie schnell" haben die fünf
Krawallbrüder schon gelernt. Nur ist nicht jeder Riff, nur weil vorhanden,
automatisch ein guter. Eine konzentriertere Auswahl der Grundzutaten hätte
sicherlich eine höhere Qualität der Scheibe nach sich gezogen.
INFECTED BRAIN waren zwar stumpf-brutal, schnell und abgrundtief, aber
auch etwas unspektakulär.
THOMAS NOCTURNAL RITES "New World Messiah" 7 Century Media/Magic Arts Publ., 2004
NOCTURNAL RITES aus Schweden machen
mit ihrer sechsten Scheibe einmal mehr nahezu alles richtig. Auf "New World
Messiah" wird Heavy Metal gespielt, der mit runden Melodien aufwartet.
Ab und zu hart an der Grenze zum Kitsch kriegen die fünf aber stets
noch gerade so die Kurve, um nicht ins Lächerliche abzudriften. So
geschehen bei "Avalon". Bei "Awakening" hingegen lassen NOCTURNAL RITES
die Muskeln spielen und hämmern ordentlich in die Doublebass. Für
die Damen gibt es die gutklassige Ballade "The Flame Will Never Die", und
der Rest der Scheibe besteht aus ordentlichen Headbangern, denen etwas
weniger Keyboard sicher nicht schlecht getan hätte. Dennoch gibt es
keinen nennenswerten Ausfall zu verzeichnen. Auch wenn ihre zweite Scheibe
"Tales Of Mystery And Imagination" immer noch mein persönlicher Favorit
in der Diskographie der Nordmänner bleibt.
THOMAS SCHWEINERÖCK "Schweineröck" 7 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 1998
Oh ja, es ist
schon lange her, daß diese Scheibe erschien. Allerdings ist das Teil
bedauerlicherweise tatsächlich immer noch das letzte tonträgertechnische
Lebenszeichen der Prenzlauer Metal/Oi-Punk-Band. Nach zwei Demos war "Schweineröck"
vor sechs Jahren jene Bestandsaufnahme, die vor allem aus kommerziellen
Gründen gemacht worden war. Denn der Sound ist auf dieser CD im Vergleich
zu den beiden äußerst witzigen Demos "Ich glaub mein Schwein
pfeift" und "Scheiß drauf ... Die Party geht weiter" absolut kein
Gewinn. Ohne Druck und mit völlig unterproduzierten Gitarren kommen
uns die Songs, die einen mit ihrem Drive bei entsprechender Fütterung
förmlich wegblasen könnten.
JUB MERCURY TIDE "Why?" 9 Century Media, 2003
Hinterfragt
man den Sinn oder Unsinn der Solo-Projekte unzähliger Musiker aus
der Szene, kommt man garantiert nie zu einem allgemeingültigen Ergebnis.
Und auf dem Weg dorthin kreist man sowieso immer wieder um die selben Argumente.
Eines jedoch steht fest: 90 Prozent aller Seitensprünge sind bestenfalls
Durchschnitt, meist jedoch nicht einmal das. Von daher ist das Baby von
Angel Dust-Sänger Dirk Thurisch mit Namen MERCURY TIDE gar nicht salbungsvoll
genug zu loben. Denn mit dieser Band, in die sich Thurisch unter anderem
auch Tiamant-Basser Anders Iwers holte, ist dem Shouter ein echter Volltreffer
gelungen. Wenn man die Songs dieses Albums mit Angel Dust-Sachen vergleichen
will, dann bestenfalls mit den eingängigsten Stücken der "Bleed"-Scheibe.
Darüberhinaus wird Thurisch eher noch gefälliger, taucht gar
ein wenig in den Gothic ab. Nicht zuletzt klingen MERCURY TIDE deshalb
auch zum Beispiel mit "Set Me Free" nach Sentenced. Auf diesem Qualitäts-Level
bewegen sich auch all die anderen Stücke. Sogar Balladen gelingen,
wie an "This Never Ending Dreaming" zu vernehmen. "Lost And Torn" dürfte
mit seiner immensen Dynamik einer der stärksten Songs dieses Albums
geworden sein und "Another One" hat solche Hit-Qualitäten, daß
er getrost mit einem entsprechenden Clip ausgestattet in die Viva-Rotation
hätte Einzug halten können. Meine Fresse, talentierter Mann dieser
Thurisch.
JUB V.A. "Aina - Days Of Rising Doom - The Metal Opera" 7 Transmission/True Music, 2004
Der Wettlauf um die ultimative Metal-Oper
geht in eine neue Runde. Nach Erik Norlanders "Music Machine" (siehe Abgehört
vom 16. Dezmeber 2003) und Daniele Liveranis "Genius" (siehe Abgehört
vom 15. Juli 2003) - nur um zwei der aktuellsten Veröffentlichungen
zu nennen - hat jetzt endlich auch Sascha "Ich habe meine Finger überall
drin" Paeth zugeschlagen. Ihm zur Seite stehen ein gewisser Miro, der die
Plaste-Tasten drückt, sowie Robert Hunecke-Rizzo von Heaven's Gate,
der viele Instrumente spielen kann und sich auf diesem Machwerk als Hauptkomponist
betätigte. Und wie toppt man bereits existierende Mega-Produktionen?
Klar - indem man eine Super-Mega-Riesen-Produktion abliefert. Norlander
kam uns zum Beispiel mit Donald "Buck Dharma" Roeser von Blue Öyster
Cult, Vinni Appice, Tony Franklin (The Firm, Blue Murder, Whitesnake) oder
Gregg Bissonette (ELO). Am Mikrophon Mark Boals (Yngwie Malmsteen, Ring
Of Fire) oder Kelly Keeling (MSG, Blue Murder, Heaven And Earth). Liverani
fuhr auch fett Sänger auf: Mark Boals, Lana Lane, der Pain Of Salvation-Mann
Daniel Gildenlow, Grave Digger-Stimme Chris Boltendahl, Mecca-Sänger
Joe Vana, Steve Walsh von Kansas, John Wetton, Oliver Hartmann von At Atvance,
Midnight von Crimson Glory. Und Peath/Miro/Hunecke-Rizzo? Ha, die haun
alles weg: Glenn Hughes, Michael Kiske, Oliver Hartmann, Candice Night
(Blackmore's Night), Tobias Sammet (Edguy), Andre Matos, Damian Wilson
(Ex-Threshold), Emppu Vuorinen (Nightwish), Thom Youngblood (Kamelot),
T.M. Stevens, Jens Johannson, Erik Norlander (ah, man kennt sich natürlich),
Derek Sherinian (hatte auch gerade eine Mammut-Produktion mit illustren
Gastmusikern veröffentlicht) und diverse klassisch ausgebildete Gesangssolistinnen
plus Knaben-Chor.
JUB NORTHER "Mirror Of Madness" 9 Universal/Spinefarm Records, 2003
Das können sie, die Finnen.
Wie die Wilden die Sechssaitigen strapazieren und dabei trotzdem traurig
schöne Melodien darbieten. Die Jungs von NORTHER haben an Sommerabenden
garantiert schon häufig bei Hochprozentigem (selbstgebraut natürlich)
zusammengehockt und ihr Schicksal analysiert. Dabei war es draußen,
wie so häufig, wolkenverhangen und kühl. Von Winternächten
will ich hier gar nicht reden. Am Ende solcher Sitzungen sind dann Dinge
herausgekommen wie "Blackhearted", "Midnight Walker", "Cry", EVerything
Is An End", "Dead" oder "Frozen Sky". Logisch, daß einem dazu kein
flockiger Party-Rock oder wütendes Death-Geboller einfällt. Und
angesichts der zum Teil wirklich wunderbaren Melodien auf dem NORTHER-Zweitling
"Mirror Of Madness" können wir von Glück reden, daß die
Finnen zu wenig Sonne bekommen, was dort erheblich auf das Gemüt zu
schlagen scheint. Denn uns wären nicht so einige herrliche Alben geschenkt
worden.
JUB LEGACY OF DARKNESS "Verdammnis" 8 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 2002
Bevor ich überhaupt Musik dieser
Band gehört hatte, war mir bereits alles mögliche über LEGACY
OF DARKNESS zu Ohren gekommen. Und das wenigste davon sprach für diese
Black Metal-Meute. Warum auch immer?! Ich für mein Teil muß
nach dieser EP für diese Kapelle eine Lanze brechen. Denn dieses ungestüme
Gewüte ist von einer ganz besonderen Güte (schau mal einer an,
wußte gar nicht, daß ich reimen kann). "Grab im Nebel", eingeleitet
von einem ganz dezent mittelalterlich anmutenden Akustik-Teil, schröppelt
in bester Old-School-Black-Metal-Manier los und hat dabei noch eine treffliche
Gitarrenmelodie im Gepäck. Mit "Beyond The Abyss" werden ein paar
Kohlen nachgelegt, während das Schlagzeug rumpelt, als schüttele
die Band große Holzkisten mit mächtigen Pflastersteinen. Und
das unter zwei Minuten bleibende "Execution" steht dem in Nichts nach,
schafft es am Ende aber sogar noch, uns eine kleine aber feine Gitarrenweise
im Kopf einzupflanzen. Diese taucht zwar nur zweimal kurz auf, hält
dieses blastige Stück aber irgendwie zusammen. Die Schwächen
der Band liegen eindeutig in ein paar Soli-Versuchen, die doch recht bemüht
klingen. Aber bevor einem das wirklich unangenehm auffällt, sind sie
auch schon wieder vorbei. Der Bonus-Song "Greuelsiefen" ist gedrosselter
und läßt im Sound dezent nach. Die Qualitäten der Band
kommen aber auch hier zum Tragen. Vor allem glänzt Sänger Zorn
mit einem herrlich widerlichen Organ.
JUB DAKSINROY "Desouled" 10 (BANDS BATTLE-Band 2004) Spund Circus, 1998
Nach sechs Jahren ist es sicher vermessen,
von einem zeitlosen Tonträger zu sprechen. Allerdings bin ich überzeugt
davon, daß "Desouled" von DAKSINROY auch in zehn Jahren noch zu jenen
CDs gehören wird, die von jenen, die dieses Teil besitzen, immer mal
wieder eingelegt werden. Und Metal-Ohren, die dann zum ersten Mal in den
Genuß dieser Musik kommen, werden sich wundern, daß die Scheibe
schon im ausklingenden 20. Jahrhundert aufgenommen worden ist.
JUB SKY'S SHADOW "Time (Demo)" 10 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 2001
"Time" ist jenes Stück, daß
Savatage seit "Dead Winter Dead" fehlt, um an alte Glanzleistungen anzuknüpfen.
Das klingt hochtrabend, kann aber ohne Zögern ausgesprochen (oder
- wie in diesem Fall - aufgeschrieben) werden. Die Erhabenheit dieses Neun-Minüters
ist unglaublich, die Melodie ein Gänsehaut-Garant. An solch einer
Nummer feilen manche deutschen Progressive-Bands zehn Jahre und bekommen
sie doch nicht hin. Oder nehmen wir nur die ganzen Metal-Oper-Superhelden,
die vor allem die finanziellen Möglichkeiten besitzen, mit Hunderten
von internationalen Künstlern Bombast-Werke zu schaffen, selten jedoch
solch ein Talent besitzen wie diese deutschen Undergrounder, die es erstaunlicherweise
schon seit 1996 gibt.
JUB MEDUSA'S CHILD "Awake" 6 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 2001
Melodic Metal aus Ostdeutschland.
Diese Wortgruppe kann man auch nicht so häufig schreiben, fühlen
sich hierzulande doch eher die Extrem-Bands heimisch. Das sieht man schon
an der Ausrichtung diverser Festivals wie Fuck The Commerce oder Protzen.
Auch die denkwürdigen Gigs von Bands wie Mayhem passierten im Osten
Teutoniens (Leipzig, Bischofswerda). Und so fristen Melodic-Anhänger
auf dem Live-Sektor ein recht mühseliges Dasein.
JUB KATAFALK "Storm Of The Horde" 9 (BANDS BATTLE-Band 2004) Coldblood Industries/Suburban/Zomba, 2003
Wohnwagen, Tulpenbeete, Holzschuhe
und Windmühlen suggerieren mir Bilder zwischen Beschaulichkeit und
Tristesse. KATAFALK verkörpern allerdings Düsenjets, Kraterfelder,
Stahlschuhe und einstürzende Wolkenkratzer: Holland hat eine neue
Thrash Metal-Hoffnung. Mit ihrem Debüt "Storm Of The Horde" legen
KATAFALK alles, aber auch alles flach, was sich ihnen in den Weg stellt.
JUB EMINENZ "The Heretic & Preachers Of Darkness" 9 (BANDS BATTLE-Band 2004) Neon Knights/Soulfood, 2003 (1996/1992)
Sie waren ihrer Zeit immer um zwei,
drei Jahre voraus. Und wären EMINENZ keine Deutschen (obendrein Ostdeutsche),
hätte sich der Erfolg der Band schon zu Beginn der 90er Jahre um ein
Vielfaches potenziert. Das macht die 96er Scheibe "The Heretic", die hier
mit dem 92er Demo "Preachers Of Darkness" gemeinsam auf einer CD wiederveröffentlicht
wurde, mehr als deutlich.
JUB HATRED "Fractured" 9 (BANDS BATTLE-Band 2004) Eigenproduktion, 2002
Mit HATRED stellt sich Euch eine
der musikalisch sympathischsten Bands des deutschen Untergrundes vor. Sie
besitzen die Grobschlächtigkeit ganz früher Sodom-Veröffentlichungen,
haben den Drive der unermüdlich dem Ziel zusteuernden Motörhead-Songs
und das Durchsetzungsvermögen früher (schon wieder!) Metallica-Nummern
("Overlord", "Metal Massacre", "No Escape"). Dabei verzichten sie weder
auf mitsingfreundliche Refrain-Weisen noch auf kantige Gitarren-Verrenkungen.
Letztere halten sich allerdings sehr in Grenzen und sind eindeutig songdienlich
("Fractured By Fear"). Selbst der Gesang ist tadellos, rauh aber trotzdem
melodieführend. Und ab und zu gibt es ein überraschendes King
Diamond-Falsett zu hören. Diese Band agiert auf höchstem Niveau,
ohne sich dabei zu verbiegen, um mit unsinnigem Künstlergehabe zu
protzen. Hier gibt es auf den Speckbauch, daß es nur so patscht.
JUB HEAVEN'N'HELL "Sleeping With Angels" 5 Ranch Records, 2003
Da? in Finnland nicht nur Trauerklöße,
Selbstmordkandidaten und Psychopathen musizieren, wie landläufig angenommen,
beweisen nun HEAVEN'N'HELL, die auf ihrem Debüt "Sleeping With Angels"
Death Metal, Hardcore und Black Sabbath-Einflüsse mit straightem Rock'n'Roll
mixen und dabei eine ziemlich gute Figur abgeben. Im Gegensatz zu vielen
ihrer Landsleute hört man bei HEAVEN'N'HELL zu keiner Sekunde, daß
es sich hierbei um eine skandinavische Band handelt. Denn noch nicht einmal
im Subtext schwingt so etwas wie Schwermut mit. Allerdings ist es den Luomanen-Brüdern
an den Klampfen nicht gelungen, den Spannungslevel solcher Songs wie "Shy",
"Take My Hand" oder "Almost Done" über die gesamte Spielzeit der CD
zu halten.
THOMAS FU MANCHU "Go For It...Live" 9 Steamhammer/SPV, 2003
Ihr habt eine lange Autofahrt vor
Euch? Habt aber keinen Bock auf bitterböse Deprimucke, und Eure Glamrock-Tapes
haben schon lange den Geist aufgegeben? Dann solltet ihr Euch die Doppel-Live-CD
von FU MACHU einpacken. Denn kaum, daß Ihr die Stadt und die Blitzgeräte
hinter Euch gelassen habt, werdet Ihr merken, daß das Gaspedal mir
recht geben wird, wenn ich behaupte, daß "Go For It...Live" der ultimative
Soundtrack für lange Ausfahrten ist. FU MANCH haben die fetten Bratzriffs
wie sie schon Black Sabbath oder Cathedral bekannt und berühmt gemacht
haben. Nur, daß die Vier die Schwärze und die okkulten Elemente
außen vor lassen, um Platz für eine Art der Coolness zu machen
wie sie viele Stoner-Rockbands auszeichnet. Monstergrooves und Wah-Wah-Pedal-Solos
treiben die Songs voran und werden mit Singalongs ausgestattet wie sie
die Backyard Babies nicht besser hinbekommen hätten. Ihr werdet sehen,
mit "Go For It...Live" im Auto werden die Entfernungen zwischen den Städten
schrumpfen, und wenn ihr ausgestiegen seid, werdet Ihr noch so manchen
Ohrwurm mit Euch rumtragen.
THOMAS VII GATES "Fire, Walk With Me" 7 Sound Riot Rec./Sure Shot, 2003
Griffige Melodien, treibende Songs
und eine Stimme, die wie für klassischen Heavy Metal geschaffen wurde:
Das sind die Attribute, die für VII GATES absolut bezeichnend sind.
Die Schweden haben es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, guten alten
Metal-Sound mit hinreichender Partykompatibilität zu kreuzen. Nicht,
daß sich zu Running Wild, Iron Maiden und Co. nicht feiern ließe,
aber diese Musik war und ist mehr als nur Partybeschallung. Dramatik, Epik
und konzeptionelle Zusammenhänge lassen sich eben noch viel besser
mit dem Textblatt in der Hand und unter dem Kopfhörer entdecken. VII
GATES hingegen haben diesen tieferen Anspruch nicht für sich geltend
gemacht, sondern knallen einem das volle Gute–Laune–Brett um die Ohren,
ohne jedoch in etwaige Plattheiten abzudriften. An solche ist angesichts
der superben Gitarrenarbeit aber auch gar nicht zu denken. Diese erlebt
ihren Höhepunkt in der Ballade "So Far Away". Dessen Mittelteil ist
nicht nur für Gitarristen interessant. Für alle Komplettisten
sei noch angemerkt, daß Chris Amott von Arch Enemy und Kee Marcello
von Europe auf "Fire, Walk With Me" einen Gastauftritt haben.
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