ABGEHÖRT vom
11. November 2003
DIONYSUS "Sign Of Truth" 5
Painful Lust/Soulfood, 2002
DIONYSUS sind eine weitere Band aus
der Abteilung "sieht aus wie ein Projekt, ist aber eine Band, ganz ehrlich".
Mit dabei sind diesmal: Olaf Hayer, Sänger bei Luca Turillis Soloprojekt,
Ex-Sinergy Drummer Ronny Milianowicz, die Ex-Nation Musiker Johnny Öhlin
an der Gitarre und Nobby am Baß, sowie ein Keyboarder namens Kaspar
Dahlqvist. Jetzt werden viele schon abwinken, nach dem Motto: "Sinergy
sind scheiße und Luca Turilli geht mir am Arsch vorbei". Ganz so
schlimm ist es dann aber doch nicht mit "Sign Of Truth". Zwar versuchen
sie sich am X-ten Crossover aus neoklassischem Gitarrengezauber, Melodic
Metal und Progressiv-Versatzstücken, machen bei diesem Versuch aber
keine sooo schlechte Figur. Die Spannung schleift bei einigen Stücken
("Pouring Rain", "Don't Forget") hin und wieder, aber die hellen Momente
überwiegen auf dieser Scheibe gerade so. "Never Wait" etwa ist das
repräsentativste Stück auf der CD. Kompakte Gitarrenarbeit paart
sich mit Vitalji Kuprji-mäßigem Keyboardspiel und hat die typischen
neoklassischen Tempowechsel mit groß angelegten Gesangsbögen.
DIONYSUS sind so gesehen Melodic Metal-Fastfood. Man weiß schon vorher,
wie es aussehen und schmecken wird, macht mehr oder weniger satt. Man möchte
es nicht alle Tage essen, von Zeit zu Zeit ist es aber schon okay.
"Never Wait"
THOMAS
ALICE COOPER "The Eyes Of
Alice Cooper" 6
Spitfire/cmm, 2003
Da hat der Grusel-Barde ALICE COOPER
mal wieder seine abgelederte Haut übergeworfen, um nach der täglichen
zweieinhalbstündigen Morgen-Reanimation unter anderem in Gilby Clarkes
(Ex-Guns N'Roses) Homestudio 13 neue Songs einzuspielen. Erstaunlich, daß
sich der Mann, der schon vor 30 Jahren wie 40 aussah, immer wieder aufrafft,
im internationalen Musik-Business mitzumischen. Für einen 70- bis
120-Jährigen fast schon ein Fall fürs Guiness-Buch der Rekorde.
Der Erfolg war Cooper nicht immer
treu, auch wenn er sich oft wandte wie eine Schlange, die zu spät
merkt, daß ihr Terrarium ausgeräumt wird. Und so findet man
im musikalischen Back-Katalog des Make-up-Pioniers von Heavy Metal über
Jazz, Musical-Pomp, Glam Rock bis hin zum Punk und Pop eine Vielfalt an
Stilistiken, wie es allerdings in den 70ern manch einer Band zu eigen war.
Nur, daß ALICE COOPER nach seiner Vorreiterrolle vor drei Jahrzehnten
mittlerweile geschickt Trends ausschlachtet. So auch mit "The Eyes Of Alice
Cooper". Während die Vorgänger "Brutal Planet" und "Dragontown"
(siehe Abgehört vom 16. Oktober
2001) durchaus mit den New Metal-Fans flirteten (die von dem betagten
Faltengesicht sicher keine Notiz nahmen), orientiert sich ALICE COOPER
nach eigenen Aussagen mittlerweile an "puren Rock'n'Roll-Bands wie The
White Stripes, The Vines oder The Stroke". Dabei erkennt er zwar, daß
diese Jüngelchen eigentlich jene Musik machen, die Cooper in der 70ern
einst selbst fabrizierte. Aber müssen erst ideenlose Nachwuchs-Poser
auf der Bildfläche erscheinen, damit sich ein gestandener Musiker
an jene Dinge erinnert, die er kann? ALICE COOPER sollte vielleicht weniger
in all die Fernseher seiner Appartements glotzen, sondern vielmehr auf
die innere Stimme hören, falls die nicht schon das Zeitliche gesegnet
hat.
Zumindest ist die aktuelle Cooper-Scheibe
um Längen besser, als das vorangegangene Zeitgeist-Material. Hier
gibt es naive Big-Band-Mitsinger ("Detroit City"), (etwas zu modernen)
Punk ("Man Of The Year"), kitschige Schwulst-Balladen ("Be With You Awhile"),
donnernde Heavy Metal-Wucht ("Spirits Rebellious") oder "Welcome-To-My-Nightmare"-Schrägheiten
("This House Is Haunted"). Bei letzterer Nummer, die es in dieser Form
von ALICE COOPER auch schon mehrfach in den beginnenden 70ern gab, erfahrt
Ihr auch, wo King Diamond seine Inspirationen hernahm.
Die beinharten ALICE COOPER-Fans
könnten von dieser Scheibe unter Umständen begeistert sein. Die
anderen, die Cooper jeweils in bestimmten Phasen bevorzugten, werden bei
"The Eyes Of Alice Cooper" nicht gerade im Kreis springen. Dafür ist
das Album einfach zu zahnlos.
"Spirits Rebellious"
JUB
GOMORRHA "Promo 2001" 7
Eigenproduktion, 2001
Aus Jena stammen die vier Krachscheite,
die unter dem vertrauenserweckenden Namen GOMORRHA firmieren. Dabei grinsen
sie so fröhlich in die Kamera, daß man ihnen Songtitel wie "Sexual
Perversity By Autopsy" oder "Fuck Bizarre" gar nicht so recht zugetraut
hätte. Aber kommen wir zu Wichtigerem, nämlich der Musik. Die
Jungs schroten einen Death Metal mit Grind-Einsprenkseln, daß man
vom Glauben abfallen könnte. Neben dem pflichtgemäßen Grunzbrüll
hören wir noch einen hysterischen Choleriker ins Mikro schimpfen und
im Hintergrund stirbt gerade ein Schwein an seinen inneren und äußeren
Verletzungen.
Dazu läuft die Bandsäge
in Form zweier E-Gitarren auf Hochtouren, und irgend jemand hat die elektrische
Nähmaschine auf Automatikbetrieb gestellt. Die perfekte Geräuschkulisse
also für all diejenigen, für die Brutal Truths erstes Album nach
wie vor eine Art persönliches Evangelium ist. Für Menschen, die
sich bei Melodien ekeln, für die Abwechslung eine nie enden wollende
Tortur darstellt und Napalm Death schon längst Kommerzschweine sind.
Stumpf, geradeaus, vernichtend, erheiternd und mit 16 Minuten schon viel
zu früh zu Ende, so sind GOMORRHA. Und so mögen sie auch hoffentlich
bleiben. Feine CD, meine Herren. Wann kommt die Tour mit Sodom? gomorrha666@gmx.net
"Sexual Perversity By Autopsy"
THOMAS
GARBAGE DISPOSAL "Reunion
Carbide" 8
Obscene Prod., 2003
Only-Grindcore-Fans werden die drei
Veröffentlichungen der tschechischen Band GARBAGE DISPOSAL vermutlich
im Original-Format in ihrem CD/Demo/Platten-Karton zu stehen haben. Wenn
nicht, dann haben die meisten zumindest die 96er EP "Absolute Combustion
Transformed The Fear", denn die erschien seinerzeit bei Perverted Taste.
Wer nicht zu diesen Glücklichen gehört, hat mit "Reunion Carbide"
jetzt die Möglichkeit, das Gesamtschaffen dieser wirklich außergewöhnlichen
Band auf einer CD erwerben zu können. Obscene Production haben das
ganze Zeug remastered und ihm ein fetteres Sound-Gewand verpaßt,
so daß dem Hörgenuß nichts im Wege stehen kann (beim Debüt
"Mind Detonator" war da offenbar nicht mehr viel zu retten).
Aber Vorsicht! GARBAGE DISPOSAL
gehören nicht zu den partytauglichen Grindern mit ihren 90-Sekunden-Quickies,
vielmehr haben wir es hier mit echten Progies zu tun. Zum einen bewegen
sich viele der Songs um die vier bis fünf Minuten, zum anderen haben
die Tschechen beim Arrangieren ihrer Songs darauf geachtet, daß die
Hürde für den Konsumenten beim Nachvollziehen der Strukturen
eine gehörige Höhe aufweist. Und schon hörst Du diese Scheibe
immer und immer wieder (insofern Du solch ein scheinbar disharmonisches
Geballer magst), um mitzubekommen, was die Jungs mit diesem oder jenem
Song eigentlich von uns wollen. Das nervt erstaunlicherweise nie, jedenfalls
nicht mich. Es ist eher spannend, aus Schokolade und was zum Spielen.
"Union Carbide"
JUB
SEVENTH AVENUE "Between The
Worlds"
7
Massacre Records,True Music, 2003
Eine Band, die das Rad wahrlich nicht
neu erfindet, sind SEVENTH AVENUE aus Deutschland.
Flinkes Doublebass-Gekicke, Uptemporiffs
mit doppelläufigen Melodien und hoher Gesang.
Zwar können sich SEVENTH AVENUE
rühmen, in Japan und Brasilien schon kleine Stars zu sein, aber mal
ehrlich, ist in diesen Ländern nicht jede Band mit solch einem Sound
irgendwie ein Star? Auch Cover und Songtitel ("Tale Of The Forgotten Dreams",
"Angels Eyes", "Beyond The Ocean") passen schön ins gängige "Melodic
Heavy Metal from Germany"-Raster. Auch die Pflichtballade in Form von "Touch
Of Your Love" ist vertreten. Somit kann man SEVENTH AVENUE mit Recht attestieren,
den richtigen Weg zum Befriedigen einer gewissen Hörerschaft gefunden
zu haben. Doch sind es nicht gerade wir Metalfans, die immer auf die Wahrung
von Etiketten pochen? Die einen Aufstand proben, wenn eine bisher für
"true" gehaltene Band sich plötzlich erdreistet, die ach so lästigen
Klischees, die sie jahrelang ernährt haben, mit dem Vorbehalt des
künstlerischen Ballasts über den Haufen zu werfen? Sind wir es
nicht, die bei jedem gut kopierten Helloween-, Warlock- oder meinetwegen
auch Accept-Song vor Begeisterung wie vom Wahn besessen "Kult!" schreien?
Ist doch so, oder? Und genau deswegen sind Bands wie SEVENTH AVENUE in
der Lage, einen Plattenvertrag zu bekommen und sich Fans zu erspielen.
Deshalb haben wir solche Bands auch verdient. Und deshalb gibt es solcherlei
maßgeschneiderte Bands zu Hauf und wird es sie immer wieder geben.
Dabei machen SEVENTH AVENUE ihre
Sache recht gut und präsentieren dem geneigten Fan eine hochmelodische
Platte mit überdurchschnittlicher Gitarrenarbeit, die allen Finessen
zum Trotze die Geschwindigkeit und Härte nicht missen läßt.
Bestes Beispiel ist etwa der Titelsong und das sich anschließende
"Levy Your Soul From Hate". Unsere Landsleute beweisen, daß sie ihre
Kompositionslehre-Hausaufgaben gut gemacht haben. Die Breaks kommen da,
wo man sie erwartet und doch überaschen sie ums eine und andere Mal.
Positiv anzumerken sei auch, daß sie zwar typische Melodic Metal-Melodien
verwenden, selbige aber nicht ausgelutscht klingen, sondern sich nach einigen
Durchläufen durchaus im Ohr festsetzen. SEVENTH AVENUE wirken zwar
von A bis Z durchkonstruiert, machen ihre Sache trotz alledem mehr als
nur gut. Und für einen Verkaufspreis von 9,90 Euro kann man sich durchaus
mal mit der Band beschäftigen, wenn sich die eigene Lieblingsband
mal wieder aller "von den Erwartungshaltungen der Fans auferlegten Zwängen"
befreit hat und nun Ethno-Industrial-Ska mit Polka-Elementen, statt zünftigen
Heavy Metal spielt.
"Levy Your Soul From Hate"
THOMAS
CATAMENIA "Chaos Born"
10
Massacre/True Music, 2003
Hier kann nur noch der ganz persönliche
Geschmack einen Strich durch die Rechnung machen. Denn wer keinen Black
Metal mag, der von Melodien zwischen episch und folkig getragen wird, wer
Tanzlieder, die scheinbar vom verspielten Walzer bis zum durchgeknallten
Heizer reichen, haßt, oder wer gar Harmonien, die die Grundlage von
begnadeten Ohrwürmern bilden, abscheulich findet, der ist bei CATAMENIA
geradewegs in den Folterkeller geraten. Alle anderen Heavy Metal-Fans werden
sich dem "Chaos Born"-Charisma kaum entziehen können. Mit Album Nummer
fünf haben die Finnen vermutlich ihr Meisterstück abgeliefert.
Mich erinnert diese traumwandlerische Sicherheit in der Melodie-Führung
ein wenig an Amon Amarth, was heißen könnte, daß man von
CATAMENIA auch in Zukunft solche Alben erwarten kann, denn diese Art von
Musik ist unendlich wiederholbar, ohne daß man sich belästigt
fühlt. Verweisen möchte ich noch auf Sänger Mika Tönning,
der sich ins Zeug legt, als gelte es, die Black Metal-Gemeinde ganz Europas
zusammenzuschreien. Viele werden ihn erhören.
"Mirrorized Thoughts"
JUB
ASGAROTH "Red Shift" 8
Peaceville Records, 2002
Daß Peaceville Records ein
gutes Gespür für außergewöhnliche Bands haben, bewiesen
sie in der Vergangenheit zu Hauf. Paradise Lost, Darkthrone oder Autopsy
waren bzw. sind Originale, an denen sich viele Nachzügler messen lassen
mußten. Bis in die heutige Zeit hat sich an Peacevilles goldenem
Händchen nichts zum Negativen verändert. The Great Deceiver,
Charger und nun auch ASGAROTH sind wahrlich keine Bands von der Stange.
Ihr "Red Shift"-Album ist schwerer in eine gängige Metal-Schublade
zu packen als einen Moslem von der Notwendigkeit des Verzehrs von Schweinefleisch
zu überzeugen. Zum einen versuchen ASGAROTH sich in der Verbreitung
der vielzitierten Atmosphäre, was ihnen mit dem Einsatz von streckenweise
simplen Baßläufen, weichen Rückkopplungen und spacigen
Synthesizer-Effekten auch gut gelingt. Zum anderen setzen ASGAROTH auf
verschachtelte Rhythmik, fette Gitarren und leicht verfremdeten Gesang.
Dabei erinnern sie streckenweise an die vielgeschätzten Cynic, welche
nicht umsonst seinerzeit eine Musikerausleihstation für führende
Death Metal-Bands waren. Auch schimmert von Zeit zu Zeit leicht ein gewisser
Nocturnus-Touch durch. Jener Band, die als allererste das Keyboard im Death
Metal salonfähig machte. Bei allen Querverweisen auf die Death Metal-Szene
- ASGAROTH gehören ihr aber mitnichten an. Denn die härteren
Passagen dienen hier lediglich zur Aufrechterhaltung der Dynamik.
Eher sind ASGAROTH ein riesiges
Klangkaleidoskop, welches sie gefährlich nahe an die "Künstler"-Ecke
bringt. Doch keine Angst, im Gegensatz zu Mercyless, Ihsans Solokram oder
Stramonio drückt man eher die "Repeat"- als die "Stop"-Taste am Player,
wenn "Red Shift" rotiert. Allerdings ist in Ermangelung an Eingängigkeit
oder gar so etwas wie Ohrwürmern das einsame Hören unter dem
Kopfhörer empfohlen.
"Red Shift..."
THOMAS
CHROME SHIFT "Ripples In Time"
6
DVS Records, True Music, 2003
Nicht gerade als Progressiv Metal-Mekka
bekannt ist das dänische Königreich. Doch auch dort haben sich
ein paar Progfans ans Werk gemacht, eine Band gegründet und sich der
beliebten Spielart angenommen.
Die Herangehensweise an die Musik
an sich unterscheidet sich jedoch ein wenig von anderen Bands des Bereiches.
Denn schon seit dem ersten Durchlauf der Scheibe "Ripples In Time" ließ
mich die Vorstellung nicht mehr los, daß die Dänen in dieser
Band lediglich auch mal ein bißchen Progrock selber machen wollen.
Quasi als Ausgleich zum Hören. Denn von der Umsetzung einer musikalischen
Vision fehlt hier jede Spur. Zwar sind die Musiker um Otto Schütt
und Jens Christian Nielsen äußerst versiert im Umgang mit ihren
Instrumenten, dennoch erwartet den Hörer absolut keine musikalische
Überraschung. Viel mehr als das machen die Musiker dem Publikum klar,
daß sie ihre Dream Theater-Hausaufgaben gut gemacht haben. CHROME
SHIFT unternehmen nicht auf eine dilletantische Art und Weise den Versuch,
große Prog-Kunst zu machen, wobei sie an ihren Unternehmungen scheitern.
Dafür klingen sie zu bodenständig. Eher scheint es, daß
sie einfach aus der Laune heraus sich selbst im Progbereich austesten wollen
und nebenbei noch eine CD für eine anonyme Hörerschaft aufgenommen
haben. Mit anderen Worten: CHROME SHIFT sind jung, talentiert und haben
noch keinen richtigen Masterplan, um sich eine eigene Nische im Prog-Universum
zu schaffen. Sollten sie die aber gefunden haben, kann man auf Grund der
ordentlichen Substanz, die sie bereits jetzt schon mitbringen, noch einiges
erwarten.
"In My Own Dream"
THOMAS
MORTALIA "Naked Warrior"
6
Moonstorm, 2000
Diese späte Review ist keine
Schlamperei unsererseits, sondern vielmehr ist die CD "Naked Warrior" erst
in diesem Jahr von Moonstorm an unsere Gestade gesandt worden. "Hätte
auch wegbleiben können", dachte ich nach den ersten drei Songs, die
uns eine der vielen deutschen Gothic-Kopien präsentieren. Da stampft
MORTALIA tanzflächenfreundlich im Midtempo-Bereich durch hundertmal
gehörte Melodien, spielt die unspektakuläre Stimme Antje Dieckmanns
die Hauptrolle und dürfen ihre männlichen Kollegen für ein
wenig vokale Abwechslung sorgen. Bei "The Spirit's Fly" wird es allerdings
interessant. Zwar ist dieser Song durch und durch ein Pop-Song. Allerdings
hat der das Zeug zum Hit. "Stranger" ist nicht weniger klischeebeladen,
mit seinem schleppenden Rhythmus und der Gathering-Melodie aber gelungen.
"165 Bpm" ist dann nicht etwa eine Techno-Nummer, sondern ein treibendes
Gothic-Stück, in dem neben Antjes klaren Vocals auch schwarzmetallische
Kreisch-Gesänge hinzukommen. "Naked Warrior", der Titelsong, wirkt
dann schließlich wieder etwas zu simpel, ähnlich dem Einstiegstrio,
wird dann aber von der starken Black Metal-Nummer "Hymne" abgelöst.
"L'ame immortelle" ist lediglich eine Demo-Version, hat auf dieser CD aber
mit Abstand den besten Gitarren-Sound. Zuletzt gibt es mit "Shanti" nicht
etwa ein Seemannslied, sondern Weltmusik.
Ihr seht, eigentlich ist hier eine
ganze Menge zu holen. KLischees gehen mit Ungewöhnlichem Hand in Hand.
Man kann geradezu von Abwechslung sprechen. Und so könnten MORTALIA
den CD-Schrank eines Gothic-Fans durchaus bereichern
"165 Bpm"
JUB
THE BOOMTOWN RATS „Best Of“
8
Eagle Rec/cmm, 2003
Wer mag schon Montage. Da hat man
ein geiles Party-Wochenende hinter sich und muß wieder zur Arbeit,
sich mit Leuten abgeben, die man freiwillig vielleicht nicht einmal mit
dem Arsch angucken würde. Dieses Gefühl brachten einst die irischen
Punks THE BOOMTOWN RATS mit ihrem Song "I Don't Like Mondays" auf den Punkt.
Als allerdings die Allgemeinheit von der Band auf Grund dieses Hits 1979
von ihr Notiz nahm, war die ausgelassene Zeit schon fast vorbei. Die Scheibe
"Banana Republic" 1980 war zwar der größte kommerzielle Erfolg
der Band, für Punk-Fans aber nicht mehr ganz so interessant, dominierte
hier doch ein gewisses Welt-Musik-Feeling, das geschickt mit der Einfachheit
des New Wave verbunden worden war. Die Anhänger der ersten Stunde
orientierten sich um. Ebenso wurde die Band um Bob Geldof mehr und mehr
eine eher experimentierfreudige Pop-Kapelle. Der Punk-Ruf hing der Band
zwar immer noch an, die kraftvollen Rock-Songs wurden aber seltener.
Die Mischung auf der "Best Of" ist
stimmig, die Retrospektive gelungen. Los geht es mit wirklich hervorragenden
Knallern wie "Mary Of The 4th Form" oder "Rat Trap", die von den Mega-Hits
"Someone's Looking At You", "Banana Republic" und "I Don't Like Mondays"
abgelöst werden. Es folgen bizarre Ausflüge à la "(I Never
Loved) Eva Braun", "Never In A Million Years" (eigentlich unhörbar)
oder "Like Clockwork", die wiederum von peppigen New Wavern wie "Neon Heart",
"Diamond Smiles" und "Drag Me Down" aufgelockert werden. Und dann gibt
es da noch das Neil Young-lastige Live-Stück "I Can Make It (If You
Can)" von 1977. Gut, daß die Scheibe nicht in chronologischer Abfolge
die Songs anbietet, sondern ständig zwischen den Phasen der Band gesprungen
wird. Das hält das Interesse wach und wird schließlich dazu
führen, daß man sich auch immer wieder die weniger guten Songs
anhört. Vielleicht baut man zu denen dann ja irgendwann auch ein Verhältnis
auf. Und wenn's nur Sympathie ist.
„Mary Of The 4th Form“
JUB
PRONE TO SHADE "Flight 666"
6
Eigenproduktion, 2000
Diese Scheibe hat zwar schon gute
drei Jahre auf dem Buckel, sollte Euch aber dennoch nicht vorenthalten
werden. Die Band aus Löningen spielt nach eigener Aussage "Thrash'n'Roll",
wobei die Thrash-Anleihen eher zu erkennen sind. Der Gesang von Fronter
Jens klingt ein wenig wie der von Ron Rinehart, dem Dark Angel-Sänger
auf der "Time Does Not Heal"-LP. Die Musik klingt wie die jener Bands aus
den 80ern, die halb Thrash, halb traditionellen Metal spielten. Bei "Helen
Below" kommt gar ein wenig Meliah Rage-Flair durch. Die Marsch-Richtung
des Quintetts dürfte also schon mal klar sein. Doch hätten die
Jungs ruhig das eine oder andere Quäntchen an Geschwindigkeit dazu
legen können, um den Spannungslevel ein wenig zu erhöhen. Abgesehen
davon ist die Gitarrenarbeit insbesondere bei den Leads schon recht professionell.
Denn dem Stadium, in dem sie ein notwendiges Übel sind oder einfach
nur hingeschludert werden, sind PRONE TO SHADE glücklicherweise schon
entwachsen. Da geben sich die Jungs schon ziemlich Mühe. Einzig das
permanente Midtempo müssen die Fünf noch beseitigen, um aus sich
eine interessante Band zu machen. Den Namen PRONE TO SHADE sollte man sich
solange schon merken. www.prone-to-shade.de
"Helen Below"
THOMAS