SCAR CULTURE "Inscribe" 7
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
SCAR CULTURE aus New York mischen
auf ihrer Debut-CD "Inscribe" Death Metal, Hardcore und Grindcore zu einer
extrem gemeinen Substanz. Dabei kommen sie nicht ganz ohne schleppende
Parts aus, doch auch diese haben genug Energie, um noch ein paar Hochhäuser
mehr zum Einsturz zu bringen. Wenn SCAR CULTURE in Death Metal/Grind-Sphären
metzeln, gefällt mir ihre Musik recht gut. Technik und Brutalität
existieren gleichberechtigt nebeneinander. Ihr Songwriting ist zwar nicht
das spannendste, aber ihr Ziel erreichen die Amis trotzdem, nämlich
eine Soundwand zu erzeugen, die Dich in die Knie zwingt. Nur die Hardcore-Elemente,
welche sicherlich dazu führten, daß Billy Milano (S.O.D./M.O.D)
die Scheibe produzierte, trüben das Gesamtbild ein wenig. Aber das
ist sicher Ansichtssache.
"Keep It To Myself"
THOMAS
HARMONY
DIES „I'll Be Your Master“ 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Ars Metalli/Zomba,
2001
Ein Festival
der Tieftöner. Während die Gitarren zähflüssig aus
der Grube hervorkriechen, gibt Sänger Christoph Carl seine gurgelnden
Kommentare zum Gedröhn ab, als hätte man ihn unter Wasser in
eine Kapsel eingeschlossen.
Die Berliner
HARMONY DIES haben mit "I'll Be Your Master" ein Death Metal-Highlight
abgeliefert, das mit nahezu klassischen Elementen des Genres hausiert.
Es geht vor allem straight zu Sache, fast mit militanter rhythmischer Präzision.
Und es werden in den treibenden Passagen Parallelen zu Bolt Thrower deutlich.
"Tuning"/"Wasted
Minds"
Von "sterbender
Harmonie" kann absolut nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Stimmiger kann
Death Metal kaum zusammengeschraubt werden. Lediglich bei "Markmens Destiny"
klingts mal ein bißchen schräger, hat aber noch lange nichts
mit Disharmonie zu tun.
Die Geschichte
von HARMONY DIES ist lang. Bereits in ihrem Gründungsjahr 1992 brachte
die Band zwei Demos heraus und sorgte für Aufsehen. Vor allem auch
die Auftritte der Truppe waren beeindruckend. Anfangs arbeitete man noch
mit zwei Sängern, was on stage wirklich geil kam. Ich erinnere mich
da an einen Auftritt in Prenzlau beim "Band Race", das HARMONY DIES - glaube
ich - zwar nicht gewannen, die Headbanger-Gemeinde war aber gerade von
dieser Band schwer beeindruckt. Die Live-Wirkung der Band wird sich bis
heute kaum verändert haben, wenn sie nicht gar besser geworden ist.
Davon könnt Ihr Euch am 4. Mai beim BANDS BATTLE 2002 in Stavenhagen
überzeugen. harmony-dies@t-online.de,
www.harmony-dies.de
"Markmens
Destiny"
JUB
HAVEN "The Road" 3
Frontiers Rec./Now&Then/XIII
Bis Rec./Point Music, 2001
Das Trio HAVEN, bestehend aus Michael
Brody (Bass, Gitarre, Keys, etc.), John Vanselow (noch mehr Gitarren)
sowie einer Sängerin namens
Pamme, spielt auf seiner "The Road" betitelten CD ausschließlich
Balladen bis zart rockende Songs, die bis zum fünften Durchlauf in
schöner Regelmäßigkeit zum einen Ohr rein, am Musikspeicherzentrum
im Gehirn vorbei, und zum anderen Ohr wieder raus gehen. Danach bleibt
der eine oder andere Melodiebogen durchaus hängen, aber dasselbe passiert
mit Kaufhausmusik auch. HAVEN rocken harmlos und naiv und eben typisch
amerikanisch oberflächlich vor sich hin, und das dürfte hier
in Europa nur die wenigsten interressieren. Sicher, HAVENs Intention war
nicht den Speed Metal neu zu erfinden, sondern eher radiotaugliche Rocksongs
zu schreiben aber klingen zum Beispiel Doros Balladen (Pammes Stimme ist
der von Doro streckenweise sehr nahe) wesentlich emotionaler und lebendiger.
"Be The One"
THOMAS
EERINESS
„Endless ...“ 7 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2001
Vielleicht
war es nur ein Glücksgriff, aber wenn eine Band mit den ersten Klängen
des Openers einer CD es schafft, beim Hörer eine Gänsehaut zu
erzeugen, ist das schon Mal die halbe Miete. Und genau das gelingt den
Schweizern EERINESS. Dabei sind diese Tonleiter-Riffs geradezu simpel.
"Guardian
Of Pain"
Die Zutaten
der Musik sind typisch für den Gothic Metal. Rauher Gesang, warme
melancholische Gitarren, Hintergrund-Keyboard, Frauenstimme ... Und trotzdem
nicht Klischee. Irgendwie haben die Eidgenossen eine Crematory-Schlagseite,
wobei denen Songs wie die von EERINESS sicher besser zu Gesicht gestanden
hätten, als das halbgare Zeug, das Crematory in den letzten Jahren
ablieferte.
Die Schweizer
gibt es seit 1996 und bei "Endless ..." handelt es sich um ihr erstes Drei-Track-Demo,
eine volle CD ist in Planung. Wundert Euch nicht über den Gesang von
Phillip Gnos, der sehr stimmbänderunvorteilhaft knurrt. Ist sehr ungewöhnlich,
hat dadurch aber schon wieder etwas. eeriness@eeriness.ch,
www.eeriness.ch
JUB
MEZARKABUL "Unspoken" 8
Noise/Sanctuary, 2001
Sehr exotisch geht es auf der CD
"Unspoken" der Band MEZARKABUL zu. Die Türken firmierten früher
unter dem Namen Pentagram und spielen dem Namen zum Trotze keinen Death
oder Black Metal. Sehr löblich auch, daß die Falafel-Fans nicht
wie die Italiener zum Beispiel den "True Metal"-Geist weiter entmystifizieren.
Nein, die Musik kann man am ehesten mit solchen Bands wie Solitude Aeturnus
oder Candlemass vergleichen. Die teils schwermütigen, teils erhabenen
Riffs erreichen zwar nicht das Niveau der Doom-Legenden, befinden sich
aber nahe dran. Auch die Stimme von Sänger Murat weist einige Zitate
der Herren Marcolin (weniger) und Lowe (mehr) auf. Sehr interessant auch
das Songwriting der Band: Hypnotische Riff-Teppiche wiederholen sich so
lange, bis Du sie fast gar nicht mehr wahrnimmst und Du Dir Landschaften
aus tausend und einer Nacht vorstellst, um Dich mit dem Beginn des nächsten
Songs abrupt aus den orientalischen Träumen zu reißen. Geschickt
eingewoben in den doomigen Metalsound wurden arabische Instrumente und
Tonfolgen, die - auch wenn man seit dem letzten Jahr vielleicht kein Freund
von orientalischer Kultur mehr ist (ich finde sie jetzt um so interessanter)
- nie aufdringlich klingen und für europäische Ohren stets nachvollziehbar
sind. Daß MEZARKABUL in ihrer Heimat Superstars sind und Plattenverkäufe
in sechsstelliger Höhe vorweisen können, ist mir angesichts der
hohen Qualität der Musik mittlerweile mehr als verständlich.
Eine sehr eigenwillige und deswegen auch gute CD.
"Unspoken"
THOMAS
DELIRIUM
TREMENS „Violent Mosh Ground“ 9
(BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2000

Wenn Ihr Thrash
Metal-Fans seid und Eure Kreator-, Destruction- oder Sodom-Sammlungen fein
säuberlich sortiert habt, müßt Ihr ab sofort DELIRIUM TREMENS
mit hinzufügen. Denn diese Typen aus Bamberg sind einfach nur geil.
"Seed Of
Violence"
Mehr nach
80er Jahre kann man gar nicht klingen. Und wenn ich es nicht besser wüßte,
müßten diese vier Kaputten Mitte des genannten Jahrzehnts ihre
große Zeit gehabt haben. Aber nix da, DELIRIUM TREMENS haben sich
gerade mal 1999 gegründet. Und für diese kurze Zeit ist die Musik
der Band von einer unglaublichen Qualität.
"Hellfighters"
Am 3. Mai
könnt Ihr die Band live beim BANDS BATTLE 2002 in Stavenhagen erleben.
Was Euch dann geboten wird, dürfte sogar Goddess Of Desire unruhig
werden lassen:
Spikes, Patronen,
Stahlhelm, SM- und Schutzmasken, Schweineköpfe, Freibier-Einlagen,
eine Masse Kunstblut, eine zwei Meter lange Pyrogitarre, Feuerspucken und
die beiden sogenannten Infernal Warriors.
Ich glaube,
hier kommt einer der Heavy-Metal-Kultbands der nächsten Jahre auf
uns zu. Und Leute: Laßt Euch nie wieder von Eigenproduktionen abschrecken,
denn die sogenannte Thrash Metal-Hoffnung Raise Hell aus Schweden - bei
Nuclear Blast unter Vertrag - sind gegen DELIRIUM TREMENS nur müde
Kondom-Benutzer. delirium_tremens@freenet.de
"Bloody
Hämöriders"
JUB
MESMERIZE "Off The Beaten
Path"
3
Dragonheart/Audioglobe/SPV, 2002
MESMERIZE aus Italien lassen sich
im Begleitschriebs ihres Labels als die Reinkarnation des wahren Geistes
des Heavy Metals feiern, so etwa macht es jede zweite der so genannten
"True"-Metalbands, um sich im immer unübersichtlicheren Veröffentlichungsdschungel
Gehör zu verschaffen. Doch nicht nur im Aufschneiden ähneln MESMERIZE
der breiten Masse der Bands, die krampfhaft versuchen, 80er-Jahre-Feeling
zu verbreiten. Auch bedienen sich die Italiener der ideenlosen und ausgelutschten
Schablone für Nachahmer, bestehend aus doppelläufigen Gitarren
und Soli, (dünnen) Helden-"Oh-ooh- oh"- Chören und hohen Stimmen,
so wie sie in den 90er Jahren so oft strapaziert wurden. Wenn ich MESMERIZE-Songs
der Marke "King Of Terror" oder "Doom Of The Darksword" höre, kommt
in mir immer so ein Gefühl von Gleichgültigkeit auf. Höre
ich die Originale wie "Bridge Of Death" (Manowar), "Aces High" (Iron Maiden)
oder "Come To The Sabbath" (Mercyful Fate), jagt es mir eine Gänsehaut
nach der anderen den Rücken rauf und runter. Und das macht den Unterschied:
MESMERIZE verwenden ähnliche Zutaten, kennen das Rezept jedoch nicht.
Dabei wurmt mich besonders, daß ihre Landsleute von White Skull,
welche an die Qualitäten der eben genannten Acts verdammt nahe heranreichen,
allerorts als Nachäffer und Langweiler belächelt werden und Bands
vom Schlage Labyrinth oder eben auch MESMERIZE von denselben Leuten über
den grünen Klee gelobt werden. Auch die Metalwelt ist manchmal ungerecht.
"King Of Terror"
THOMAS
THORNESBREED
„Preaching The Sin“ 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2001
Eigentlich
hat man soetwas bisher doch nur von Glatzen gehört oder gelesen: Da
kommen welche in die Kneipe, haben Totschläger, Baseballknüppel
und Zaunlatten in den Händen und schlagen die Einrichtung kurz und
klein. Und während den anwesenden Gästen laut berstend die Knochen
gebrochen werden, gibt ein Berserker mit Säbelzahntiger-Fresse knappe
aber prägnante Befehle. - Dieses Szenario haben THORNESBREED auf ihrem
Fünf-Track-Demo-Tape "Preaching The Sin" in Töne gefaßt
und sprengen mit ihrem wütenden Brachial Death Metal jede No-Name-Anlage
in die Luft. Mag sein, daß Hardrock-Laien in diesem Inferno tatsächlich
nur selbiges entdecken, diese Typen sind aber Filigran-Techniker an ihren
Instrumenten und jeder ihrer Songs ein kleiner deathmetallischer Edelstein.
andre@thornesbreed.de,
www.thornesbreed.de
"Mandragora"
JUB
REB BEACH
"Masquerade"
7
Frontiers
Rec./Now&Then/XIII Bis Rec./Point Music, 2002
REB BEACH,
ehemaliger Gitarrist von Dokken und Winger, veröffentlicht eine Soloplatte
und folgt somit seinem Ex- Brötchengeber Kip Winger, welcher vor einiger
Zeit auch auf Solopfaden wandelte, oder besser gesagt, schlafwandelte.
Herr Beach jedoch läßt seinen alten Wingerboß ganz schön
alt aussehen. Gleich mit dem Album-Opener "Dark Places" weiß Reb
mit kernigem Drumgroove, knackigem Baß und harten Gitarren die Stimmung
der alten Tage einzufangen, als wären sie nie verlorengegangen. Auch
die anderen Songs des Albums leben von Rebs hervorragender Gitarrenarbeit
und seiner Stimme, welche vor allem bei den Refrains richtig gut zur Geltung
kommt. Man hat den Eindruck, als stünde ein junger Jon Bon Jovi oder
ein Don Dokken am Mikro und nicht ein nebenbei singender Gitarrist, welcher
aus dem Schatten seiner Ex-Bands hervortreten möchte. Doch sind mir
im Gegensatz zu den rockenden Partysongs die etwas hüftsteifen, sperrigen
Balladen ein Dorn im Auge. Da hat "Masquerade" nämlich seine Längen,
die das Hörvergnügen doch ein wenig trüben.
Fans von Dokken
oder eben Winger sollten dennoch lieber in REB BEACHs Soloplatte investieren,
als sich auf Kips Schlaftablette einzulassen. "Masquerade" bietet einen
reelleren Gegenwert zum Kaufpreis.
"Dark Places"
THOMAS
CARPE
NOCTEM „Days Of Dark Winter“ 7
(BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
1999
"Holy Slaughter"
Wer es mit
den Klischees des Black Metal hält, ist bei CARPE NOCTEM bestens aufgehoben:
"Days Of Dark Winter", im Winter produziert, ein Bild im Schnee ... Allerdings
bietet diese erste im Probenraum mit 8-Spur-Mischpult und eigenem Tape-Deck
produzierte CD keineswegs banale Durchschnittsware: Vielmehr bemühen
sich die vier Ostfriesen mit Death Metal-Einfügungen und Folk-Passagen
um Abwechslung, die nicht aufgesetzt wirkt. Und wenn Iwein (ich denke mal,
er ist für diese Parts verantwortlich) das schrille Kreischen bekommt,
fallen einem nicht nur einmal Helheim zu "Jormundgand"-Zeiten ein. CARPE
NOCTEM halten ihre Musik durchaus simpel. Aber vielleicht ist es ja diese
Einfachheit in Verbindung mit dem rauhen Sound, die den ganz besonderen
Reiz dieser CD ausmacht.
"Melting
Tears" iwein.carpenoctem@gmx.de,
http://listen.to/carpenoctem
JUB
VII ARCANO "Inner Deathscapes"
9
Warlord Rec./SPV/Metal Blade, 2001
So langsam aber sicher kann man sich
von dem Vorurteil, daß Italiener meist nur eher mittelmäßigen
True/Power Metal fabrizieren können, verabschieden. Denn mit VII ARCANO
kommt einmal mehr ein Death Metal-Ungetüm ans Tageslicht, dessen Qualitäten
unbestritten sind. Nach Necrodeath und Necrosphere kann sich der Death
Metal ein weiteres "Eroberungsfähnchen" auf den heimischen Globus
ins Land der Maffiosi stecken. Was VII ARCANOs Stil angeht, kann man deutlich
mehrere Einflüsse heraushören.
Zum einen natürlich den Death
Metal, dieser ist schwedischer Prägung. Mittelschnell und mit tiefer
gelegten Melodien ausgestattet. Dazu gesellen sich deutliche Thrash-Zitate
der Marke frühe Metallica und Exodus, was sich vor allem in den schnellen
Teilen von "Inner Deathscapes" bemerkbar macht. Auch kommen die von Slayer
beeinflußten Schreie von Mirko Scarpa ziemlich geil ("Anticlockwise
Cycle Of Dying"). Dazu stellt Euch eine Produktion vor, bei der keines
der Instrumente benachteiligt wird, die Bässe den heimischen Membranen
den Kampf ansagen und man sich, rein klanglich, mal eben so in der Nachbarschaft
zu Bolt Thrower befindet.
Hört mal rein. Es lohnt sich.
"Intruding"/"Anticlockwise Cycle
Of Dying"
THOMAS
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