An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 12. März 2002


SCAR CULTURE "Inscribe" 7
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Scar Culture - Inscribe

SCAR CULTURE aus New York mischen auf ihrer Debut-CD "Inscribe" Death Metal, Hardcore und Grindcore zu einer extrem gemeinen Substanz. Dabei kommen sie nicht ganz ohne schleppende Parts aus, doch auch diese haben genug Energie, um noch ein paar Hochhäuser mehr zum Einsturz zu bringen. Wenn SCAR CULTURE in Death Metal/Grind-Sphären metzeln, gefällt mir ihre Musik recht gut. Technik und Brutalität existieren gleichberechtigt nebeneinander. Ihr Songwriting ist zwar nicht das spannendste, aber ihr Ziel erreichen die Amis trotzdem, nämlich eine Soundwand zu erzeugen, die Dich in die Knie zwingt. Nur die Hardcore-Elemente, welche sicherlich dazu führten, daß Billy Milano (S.O.D./M.O.D) die Scheibe produzierte, trüben das Gesamtbild ein wenig. Aber das ist sicher Ansichtssache.
"Keep It To Myself"

THOMAS

HARMONY DIES „I'll Be Your Master“  8  (BANDS-BATTLE-BAND)
Ars Metalli/Zomba, 2001

Harmony Dies - I'll Be Your Master

Ein Festival der Tieftöner. Während die Gitarren zähflüssig aus der Grube hervorkriechen, gibt Sänger Christoph Carl seine gurgelnden Kommentare zum Gedröhn ab, als hätte man ihn unter Wasser in eine Kapsel eingeschlossen.
Die Berliner HARMONY DIES haben mit "I'll Be Your Master" ein Death Metal-Highlight abgeliefert, das mit nahezu klassischen Elementen des Genres hausiert. Es geht vor allem straight zu Sache, fast mit militanter rhythmischer Präzision. Und es werden in den treibenden Passagen Parallelen zu Bolt Thrower deutlich.
"Tuning"/"Wasted Minds"
Von "sterbender Harmonie" kann absolut nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Stimmiger kann Death Metal kaum zusammengeschraubt werden. Lediglich bei "Markmens Destiny" klingts mal ein bißchen schräger, hat aber noch lange nichts mit Disharmonie zu tun.
Die Geschichte von HARMONY DIES ist lang. Bereits in ihrem Gründungsjahr 1992 brachte die Band zwei Demos heraus und sorgte für Aufsehen. Vor allem auch die Auftritte der Truppe waren beeindruckend. Anfangs arbeitete man noch mit zwei Sängern, was on stage wirklich geil kam. Ich erinnere mich da an einen Auftritt in Prenzlau beim "Band Race", das HARMONY DIES - glaube ich - zwar nicht gewannen, die Headbanger-Gemeinde war aber gerade von dieser Band schwer beeindruckt. Die Live-Wirkung der Band wird sich bis heute kaum verändert haben, wenn sie nicht gar besser geworden ist. Davon könnt Ihr Euch am 4. Mai beim BANDS BATTLE 2002 in Stavenhagen überzeugen. harmony-dies@t-online.de, www.harmony-dies.de
"Markmens Destiny" 

JUB

HAVEN "The Road" 3
Frontiers Rec./Now&Then/XIII Bis Rec./Point Music, 2001

Haven - The Road

Das Trio HAVEN, bestehend aus Michael Brody (Bass, Gitarre, Keys, etc.), John Vanselow (noch mehr Gitarren)
sowie einer Sängerin namens Pamme, spielt auf seiner "The Road" betitelten CD ausschließlich Balladen bis zart rockende Songs, die bis zum fünften Durchlauf in schöner Regelmäßigkeit zum einen Ohr rein, am Musikspeicherzentrum im Gehirn vorbei, und zum anderen Ohr wieder raus gehen. Danach bleibt der eine oder andere Melodiebogen durchaus hängen, aber dasselbe passiert mit Kaufhausmusik auch. HAVEN rocken harmlos und naiv und eben typisch amerikanisch oberflächlich vor sich hin, und das dürfte hier in Europa nur die wenigsten interressieren. Sicher, HAVENs Intention war nicht den Speed Metal neu zu erfinden, sondern eher radiotaugliche Rocksongs zu schreiben aber klingen zum Beispiel Doros Balladen (Pammes Stimme ist der von Doro streckenweise sehr nahe) wesentlich emotionaler und lebendiger.
"Be The One"

THOMAS

EERINESS „Endless ...“  7  (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 2001

Eeriness - Endless ...

Vielleicht war es nur ein Glücksgriff, aber wenn eine Band mit den ersten Klängen des Openers einer CD es schafft, beim Hörer eine Gänsehaut zu erzeugen, ist das schon Mal die halbe Miete. Und genau das gelingt den Schweizern EERINESS. Dabei sind diese Tonleiter-Riffs geradezu simpel.
"Guardian Of Pain"
Die Zutaten der Musik sind typisch für den Gothic Metal. Rauher Gesang, warme melancholische Gitarren, Hintergrund-Keyboard, Frauenstimme ... Und trotzdem nicht Klischee. Irgendwie haben die Eidgenossen eine Crematory-Schlagseite, wobei denen Songs wie die von EERINESS sicher besser zu Gesicht gestanden hätten, als das halbgare Zeug, das Crematory in den letzten Jahren ablieferte.
Die Schweizer gibt es seit 1996 und bei "Endless ..." handelt es sich um ihr erstes Drei-Track-Demo, eine volle CD ist in Planung. Wundert Euch nicht über den Gesang von Phillip Gnos, der sehr stimmbänderunvorteilhaft knurrt. Ist sehr ungewöhnlich, hat dadurch aber schon wieder etwas. eeriness@eeriness.ch, www.eeriness.ch

JUB

MEZARKABUL "Unspoken" 8
Noise/Sanctuary, 2001

Mezarkabul - Unspoken

Sehr exotisch geht es auf der CD "Unspoken" der  Band MEZARKABUL zu. Die Türken firmierten früher unter dem Namen Pentagram und spielen dem Namen zum Trotze keinen Death oder Black Metal. Sehr löblich auch, daß die Falafel-Fans nicht wie die Italiener zum Beispiel den "True Metal"-Geist weiter entmystifizieren. Nein, die Musik kann man am ehesten mit solchen Bands wie Solitude Aeturnus oder Candlemass vergleichen. Die teils schwermütigen, teils erhabenen Riffs erreichen zwar nicht das Niveau der Doom-Legenden, befinden sich aber nahe dran. Auch die Stimme von Sänger Murat weist einige Zitate der Herren Marcolin (weniger) und Lowe (mehr) auf. Sehr interessant auch das Songwriting der Band: Hypnotische Riff-Teppiche wiederholen sich so lange, bis Du sie fast gar nicht mehr wahrnimmst und Du  Dir Landschaften aus tausend und einer Nacht vorstellst, um Dich mit dem Beginn des nächsten Songs abrupt aus den orientalischen Träumen zu reißen. Geschickt eingewoben in den doomigen Metalsound wurden arabische Instrumente und Tonfolgen, die - auch wenn man seit dem letzten Jahr vielleicht kein Freund von orientalischer Kultur mehr ist (ich finde sie jetzt um so interessanter) - nie aufdringlich klingen und für europäische Ohren stets nachvollziehbar sind. Daß MEZARKABUL in ihrer Heimat Superstars sind und Plattenverkäufe in sechsstelliger Höhe vorweisen können, ist mir angesichts der hohen Qualität der Musik mittlerweile mehr als verständlich. Eine sehr eigenwillige und deswegen auch gute CD.
"Unspoken"

THOMAS

DELIRIUM TREMENS „Violent Mosh Ground“  9  (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 2000

Delirium Tremens - Violent Mosh GroundDelirium Tremens

Wenn Ihr Thrash Metal-Fans seid und Eure Kreator-, Destruction- oder Sodom-Sammlungen fein säuberlich sortiert habt, müßt Ihr ab sofort DELIRIUM TREMENS mit hinzufügen. Denn diese Typen aus Bamberg sind einfach nur geil.
"Seed Of Violence"
Mehr nach 80er Jahre kann man gar nicht klingen. Und wenn ich es nicht besser wüßte, müßten diese vier Kaputten Mitte des genannten Jahrzehnts ihre große Zeit gehabt haben. Aber nix da, DELIRIUM TREMENS haben sich gerade mal 1999 gegründet. Und für diese kurze Zeit ist die Musik der Band von einer unglaublichen Qualität.
"Hellfighters"Delirium Tremens
Am 3. Mai könnt Ihr die Band live beim BANDS BATTLE 2002 in Stavenhagen erleben. Was Euch dann geboten wird, dürfte sogar Goddess Of Desire unruhig werden lassen:
Spikes, Patronen, Stahlhelm, SM- und Schutzmasken, Schweineköpfe, Freibier-Einlagen, eine Masse Kunstblut, eine zwei Meter lange Pyrogitarre, Feuerspucken und die beiden sogenannten Infernal Warriors.
Ich glaube, hier kommt einer der Heavy-Metal-Kultbands der nächsten Jahre auf uns zu. Und Leute: Laßt Euch nie wieder von Eigenproduktionen abschrecken, denn die sogenannte Thrash Metal-Hoffnung Raise Hell aus Schweden - bei Nuclear Blast unter Vertrag - sind gegen DELIRIUM TREMENS nur müde Kondom-Benutzer. delirium_tremens@freenet.de
"Bloody Hämöriders" 

JUB

MESMERIZE "Off The Beaten Path" 3
Dragonheart/Audioglobe/SPV, 2002

Mesmerize - Off The Beaten Path

MESMERIZE aus Italien lassen sich im Begleitschriebs ihres Labels als die Reinkarnation des wahren Geistes des Heavy Metals feiern, so etwa macht es jede zweite der so genannten "True"-Metalbands, um sich im immer unübersichtlicheren Veröffentlichungsdschungel Gehör zu verschaffen. Doch nicht nur im Aufschneiden ähneln MESMERIZE der breiten Masse der Bands, die krampfhaft versuchen, 80er-Jahre-Feeling zu verbreiten. Auch bedienen sich die Italiener der ideenlosen und ausgelutschten Schablone für Nachahmer, bestehend aus doppelläufigen Gitarren und Soli, (dünnen) Helden-"Oh-ooh- oh"- Chören und hohen Stimmen, so wie sie in den 90er Jahren so oft strapaziert wurden. Wenn ich MESMERIZE-Songs der Marke "King Of Terror" oder "Doom Of The Darksword" höre, kommt in mir immer so ein Gefühl von Gleichgültigkeit auf. Höre ich die Originale wie "Bridge Of Death" (Manowar), "Aces High" (Iron Maiden) oder "Come To The Sabbath" (Mercyful Fate), jagt es mir eine Gänsehaut nach der anderen den Rücken rauf und runter. Und das macht den Unterschied: MESMERIZE verwenden ähnliche Zutaten, kennen das Rezept jedoch nicht. Dabei wurmt mich besonders, daß ihre Landsleute von White Skull, welche an die Qualitäten der eben genannten Acts verdammt nahe heranreichen, allerorts als Nachäffer und Langweiler belächelt werden und Bands vom Schlage Labyrinth oder eben auch MESMERIZE von denselben Leuten über den grünen Klee gelobt werden. Auch die Metalwelt ist manchmal ungerecht.
"King Of Terror"

THOMAS

THORNESBREED „Preaching The Sin“  8  (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 2001

Thornesbreed - Preaching The Sin

Eigentlich hat man soetwas bisher doch nur von Glatzen gehört oder gelesen: Da kommen welche in die Kneipe, haben Totschläger, Baseballknüppel und Zaunlatten in den Händen und schlagen die Einrichtung kurz und klein. Und während den anwesenden Gästen laut berstend die Knochen gebrochen werden, gibt ein Berserker mit Säbelzahntiger-Fresse knappe aber prägnante Befehle. - Dieses Szenario haben THORNESBREED auf ihrem Fünf-Track-Demo-Tape "Preaching The Sin" in Töne gefaßt und sprengen mit ihrem wütenden Brachial Death Metal jede No-Name-Anlage in die Luft. Mag sein, daß Hardrock-Laien in diesem Inferno tatsächlich nur selbiges entdecken, diese Typen sind aber Filigran-Techniker an ihren Instrumenten und jeder ihrer Songs ein kleiner deathmetallischer Edelstein. andre@thornesbreed.de, www.thornesbreed.de
"Mandragora"

JUB

REB BEACH "Masquerade" 7
Frontiers Rec./Now&Then/XIII Bis Rec./Point Music, 2002

Reb Beach - Masquerade

REB BEACH, ehemaliger Gitarrist von Dokken und Winger, veröffentlicht eine Soloplatte und folgt somit seinem Ex- Brötchengeber Kip Winger, welcher vor einiger Zeit auch auf Solopfaden wandelte, oder besser gesagt, schlafwandelte. Herr Beach jedoch läßt seinen alten Wingerboß ganz schön alt aussehen. Gleich mit dem Album-Opener "Dark Places" weiß Reb mit kernigem Drumgroove, knackigem Baß und harten Gitarren die Stimmung der alten Tage einzufangen, als wären sie nie verlorengegangen. Auch die anderen Songs des Albums leben von Rebs hervorragender Gitarrenarbeit und seiner Stimme, welche vor allem bei den Refrains richtig gut zur Geltung kommt. Man hat den Eindruck, als stünde ein junger Jon Bon Jovi oder ein Don Dokken am Mikro und nicht ein nebenbei singender Gitarrist, welcher aus dem Schatten seiner Ex-Bands hervortreten möchte. Doch sind mir im Gegensatz zu den rockenden Partysongs die etwas hüftsteifen, sperrigen Balladen ein Dorn im Auge. Da hat "Masquerade" nämlich seine Längen, die das Hörvergnügen doch ein wenig trüben.
Fans von Dokken oder eben Winger sollten dennoch lieber in REB BEACHs Soloplatte investieren, als sich auf Kips Schlaftablette einzulassen. "Masquerade" bietet einen reelleren Gegenwert zum Kaufpreis.
"Dark Places"

THOMAS

CARPE NOCTEM „Days Of Dark Winter“  7  (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion, 1999

Carpe Noctem - Days Of Dark Winter

"Holy Slaughter"
Wer es mit den Klischees des Black Metal hält, ist bei CARPE NOCTEM bestens aufgehoben: "Days Of Dark Winter", im Winter produziert, ein Bild im Schnee ... Allerdings bietet diese erste im Probenraum mit 8-Spur-Mischpult und eigenem Tape-Deck produzierte CD keineswegs banale Durchschnittsware: Vielmehr bemühen sich die vier Ostfriesen mit Death Metal-Einfügungen und Folk-Passagen um Abwechslung, die nicht aufgesetzt wirkt. Und wenn Iwein (ich denke mal, er ist für diese Parts verantwortlich) das schrille Kreischen bekommt, fallen einem nicht nur einmal Helheim zu "Jormundgand"-Zeiten ein. CARPE NOCTEM halten ihre Musik durchaus simpel. Aber vielleicht ist es ja diese Einfachheit in Verbindung mit dem rauhen Sound, die den ganz besonderen Reiz dieser CD ausmacht.
"Melting Tears" iwein.carpenoctem@gmx.de, http://listen.to/carpenoctem

JUB

VII ARCANO "Inner Deathscapes" 9
Warlord Rec./SPV/Metal Blade, 2001

VII Arcano - Inner Deathscapes

So langsam aber sicher kann man sich von dem Vorurteil, daß Italiener meist nur eher mittelmäßigen True/Power Metal fabrizieren können, verabschieden. Denn mit VII ARCANO kommt einmal mehr ein Death Metal-Ungetüm ans Tageslicht, dessen Qualitäten unbestritten sind. Nach Necrodeath und Necrosphere kann sich der Death Metal ein weiteres "Eroberungsfähnchen" auf den heimischen Globus ins Land der Maffiosi stecken. Was VII ARCANOs Stil angeht, kann man deutlich mehrere Einflüsse heraushören.
Zum einen natürlich den Death Metal, dieser ist schwedischer Prägung. Mittelschnell und mit tiefer gelegten Melodien ausgestattet. Dazu gesellen sich deutliche Thrash-Zitate der Marke frühe Metallica und Exodus, was sich vor allem in den schnellen Teilen von "Inner Deathscapes" bemerkbar macht. Auch kommen die von Slayer beeinflußten Schreie von Mirko Scarpa ziemlich geil ("Anticlockwise Cycle Of Dying"). Dazu stellt Euch eine Produktion vor, bei der keines der Instrumente benachteiligt wird, die Bässe den heimischen Membranen den Kampf ansagen und man sich, rein klanglich, mal eben so in der Nachbarschaft zu Bolt Thrower befindet.
Hört mal rein. Es lohnt sich.
"Intruding"/"Anticlockwise Cycle Of Dying"

THOMAS
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