CORNIX MALEDICTUM „... verdammt
in alle Ewigkeit“ 5
Ars Metalli, 2002
Vermutlich sind Ardor der Pfeyffer,
Steffen der Lautenschläger und Abraxas der Unflammbare keinen Deut
schlechter als hunderte anderer Gruppen, die sich der mittelalterlich angehauchten
Musik verschrieben haben. Und es ist auf der CD „... verdammt in alle Ewigkeit“
auch unüberhörbar, daß das Trio sein Handwerk versteht.
Die aus Frankfurt/Oder stammende Band begeistert auf Mittelaltermärkten
jährlich garantiert eine Vielzahl von Schaulustigen. Allerdings nutzen
auch die einst so exotischen Weisen aus vergangenen Zeiten einmal ab, erst
recht, wenn sie wie bei CORNIX MALEDICTUM quasi „unplugged“ dargeboten
werden. Viel Gestaltungsmöglichkeiten bleiben da nicht. Und so haben
wir hier fröhliche Tanzweisen neben Moritaten oder melancholische
Dudelsack-Melodien. Für beinharte Mittelalter-Markt-Fans ist diese
CD sicher unverzichtbar. Heavy Metal-Fans können es ja weiterhin mit
In Extremo probieren.
„Totentanz“
JUB
AMON AMARTH „Versus The World“
10
Metal Blade, 2002
Wenn es heißt, AMON AMARTH
veröffentlichen ein neues Album, wird der Thron unserer LP-Top-20
schon mal vorsorglich frei geräumt. Denn was die Schweden vor allem
mit ihren beiden Vorgängern leisteten, grenzt schier an verehrungswürdiger
Genialität. Keine Band auf dieser bekackten Welt hat die Melange aus
Aggressivität und traumhaften Melodien so perfekt zu ihrem Stil erhoben
wie diese Schweden. Und wenn AMON AMARTH bisher um die Herrschaft im Heavy
Metal buhlten, haben sie sich jetzt mit „Versus The World“ die Krone aufgesetzt.
Wenn „Bleed For Ancient Gods“ und
„The Last With Pagan Blood“ von „The Avenger“ sowie „Masters Of War“ und
„The Sound Of Eight Hooves“ von der „The Crusher“ als unerreichbare Hymnen
erschienen, reichen „Death In Fire“, „For The Stabwounds In Our Backs“
(mit herrlichen „Hells Bells“-AC-DC-Intro), „Vs The World“ locker an diese
Qualität heran und wird mit „Where Silent Gods Stand Guard“ und „Across
The Rainbow Bridge“ gar noch eins drauf gesetzt. Wenn auch ein absolut
hervorragendes Album, litt „The Crusher“ doch ganz dezent an seiner Überlänge
und den dafür verantwortlichen nur guten Füllern. Diesen Fehler
machen AMON AMARTH diesmal nicht. Hier ist nur Hochqualitätsware verwandt
worden. Jeder Song scheint vor seiner Aufnahme sämtliche Prüfgremien
des Band-eigenen Anspruchs durchlaufen zu haben, bevor er den Weg auf „Versus
The World“ fand.
Wer hier noch etwas zu mosern hat,
gehört entweder zum Death Metal-Junggemüse oder hat einfach schlicht
und ergreifend Zwiebeln in den Lauschern.
„Death In Fire“/“Across The Rainbow
Bridge“
JUB
SLAV SIMANIC "Let It Go" 9
Frontiers Rec./Now&Then/XIII
Bis Rec./Point, 2002
Von den oben aufgeführten Labels
trudeln ja so manche Perlen und auch Obskuritäten bei den Liebhabern
von progressiven, melodischen Klängen ein. Alle entsprechen dabei
fast immmer dem selben Schema: Nett gestylte Instrumentenhelden machen
mal meisterlich bis kitschig in neu geformten Supergroups kunstvolle Musik,
die in Covern ausgeliefert wird, bei denen kein Vertrieb kalte Füße
bekommt. Ja, so lernten wir das Labelvierergespann kennen und schätzen.
Doch nun steht eine Veröffentlichung ins Haus, die irgendwie anders
ist. SLAV SIMANICs CD kommt in einem Cover, welches ein Atompilz ziert.
Die Black Metal-Truppe War läßt grüßen. Dazu paßt
der Titel "Let It Go" auch wie Flugzeuge in Hochhäusern. Auch das
umseitig abgedruckte Foto ist tonnenschwerer Kult. Vier Typen, die aussehen
als seien sie vom nächsten Bauernhof getürmt, glotzen höchst
unfotogen in die Kamera und animieren zum zwanghaften Schmunzeln. Doch
spätestens beim Abspielen der CD bleibt einem das Lachen erstmal im
Halse stecken. Verdammt geilen melodischen Metal gibt es zu hören,
der überhaupt nicht in die AOR-Kiste passen will. Die Melodien des
in Jugoslawien geborenen Simanic sind alles andere als abgegriffen oder
kitschig, sondern schwungvoll und sehr einprägsam. Außerdem
spielt er seine Gitarre äußerst songdienlich und lehnt sich
mit ausufernden Kompositionen nicht zu weit aus dem Fenster. Drummer Morgan
Evans prügelt jeden Anflug von Radiokompatibilität von Schlage
Ostseewelle unmißverständlich mit rasenden Tomrolls aus der
Musik des nach Kanada ausgewanderten Gitarristen. Und dennoch gibt es fragile
Akkustikpassagen zu hören, die das Album abwechslungsreich gestalten.
Auf der europäischen Version von "Let It Go" gibt es als Bonus-CD
noch das erste Album Simanics, "Water Of Life", mit dazu. Doch wie alle
guten Dinge hat auch das alles einen Haken. Denn Simanic ist bekennender
Christ und somit ist der textliche Teil nur mit Vorsicht zu genießen.
Sagt also hinterher nicht, INTERREGNUM hätte Euch nicht gewarnt. Den
musikalischen Teil jedoch kann ich Euch nur wärmstens ans Herz legen.
"You`re Never Gonna Die"
THOMAS
WADGELMIR „Endzeit“ 8
Eigenprod., 2001
Gerade bei Undergroundern ist die
Annahme „Masse gleich Qualität“ sehr weit verbreitet. Und so werden
uns auf Demos oder selbstproduzierten CDs immer wieder Songs in Überlänge
angeboten, die dann doch besser bei drei oder vier Minuten zu Ende gewesen
wären. Auch die Viking/Black Metal-Band WADGELMIR kommt uns bei „Nidhögg“
und „Surt“ mit jeweils 9.31 und 7.37 Minuten. Aber erstaunlicherweise tritt
hier der Umstand ein, daß beide Stücke, so sie verklungen sind,
keinen Moment der Langeweile zurücklassen. Vor allem „Nidhögg“
hat mit seinem doomigen Tempo etwas Hypnotisches. „Surt“ steht dem kaum
nach, wirkt mit seinen schnellen progressiven Passagen und den leicht schrägen
Riffs allerdings weitaus unruhiger.
Auch an den anderen vier Stücken
des „Endzeit“-Demos gibt es kaum etwas auszusetzen. Manch einer mag bemängeln,
daß sich WADGELMIRs Melodien zum Teil nur schwer einen Zugang zum
Harmonie-Bereich des Gehirns erarbeiten, ich halte dies wiederum genau
für etwas, das für die Band spricht. Und schließlich die
Texte. Außer „Helheim“ sind sie sämtlichst in deutsch. Es geht
vornehmlich um die Wikinger-Mythologie, wobei - wie so oft in diesem Genre
- mit Insider-Namen um sich geworfen wird. Allerdings versuchen uns WADGELMIR
die von ihnen verwandten Figuren immer ein wenig zu erklären. Besonders
gut finde ich den Grundgedanken zu „Das neue Zeitalter“, erinnert mich
an „Krieg“ von Gold für Eisen.
„Helheim“
JUB
NOCTURNAL RITES "Shadowland"
9
Century Media/Magic Arts Publ.,
2002
Die Schweden von NOCTURNAL RITES
gehen veröffentlichungstechnisch in die fünfte Runde und überaschen
mich heuer mit einer recht düsteren Platte. Das einzige, was ich von
der Band vorher kannte, war das 98er Album "Tales Of Mystery And Imagination",
was sich seinerzeit recht lange in meinem Kassettenschacht festfraß,
da es mit unbeschwerten Melodien und flotten Gitarren aufwartete. Trotz
der recht gewöhningsbedürftigen Stimme, die mir stets etwas zu
dünn klang, war ich mir sicher, daß Hammerfall im Gegensatz
zu NOCTURNAL RITES das schwächere Album aufgenommen hatten.
Doch im Jahre 2002 ist die Leichtfüßigkeit
der Musik auf "Shadowland" der Düsterniss gewichen. Die einst so mitreißenden
Gesänge sind in dezentere, subtile Melodien umgeformt worden. Der
Gesang ist jetzt kräftiger, doch noch immer klar. Die Geschwindigkeit
ist gedrosselter. Und dennoch, trotz aller Andersartigkeit kann man mit
der neuen Ausrichtung leben. Sie sogar liebgewinnen. Vergleiche mit dem
letzten Tad Morose-Album sind nicht aus der Luft gegriffen. NOCTURNAL RITES
2002 sind tiefgreifender, gereifter und langlebiger in ihren Kompositionen
und bei alledem immernoch zu 100% Metal.
"Underworld"
THOMAS
JAGUAR „Power Games - The
Anthology“ 8
Castle Music/Sanctuary, 2002
JAGUAR dürften eine der tragischsten
Bands aus der NWOBHM-Ära sein. Denn mit ihren beiden Singles „Back
Street Woman“ (1981) und „Axe Crazy“ (1982) sowie dem Debüt-Album
„Power Games“ (1983) etablierten sich die Engländer in der Metal-Szene
als eine der härtesten und schnellsten Bands. Speed Metal hatte hier
seinen ultimativen Startschuß. Was für eine Gitarrenwand, welch
herrliche Preßlufthammer-Riffs. Auch heute sind diese Tonträger
voll eins auf die Glocke.
Allerdings durchliefen JAGUAR in
nur einem Jahr eine derartige Veränderung, daß es einer Geschlechtsumwandlung
gleich käme. Mit dem Wechsel von Neat Records zu Roadrunner verloren
die Raubkatzen jeglichen Biß und legten mit „This Time“ 1984 ein
Album vor, das arg in die Melodic Metal-Richtung tendierte. Nicht zuletzt
die Hinzunahme eines Keyboarders weichte den JAGUAR-Sound empfindlich auf.
Die Folge war ein sagenhafter Flop und der Split der Band.
Fast unbemerkt hat die Band 2000
ein drittes Album veröffentlicht, das sowohl an alte Glanztaten anknüpfte,
als auch neue Einflüsse zuließ, ohne Modetrends zu kopieren.
Dadurch wurde die Scheibe „Wake Me“ sehr vielschichtig und kann zumindest
als zweitbestes Teil in der JAGUAR-Diskographie bezeichnet werden (ist
ja eigentlich auch keine Kunst). Lediglich der Sänger Jamie Manton
will nicht passen, klingt er doch phasenweise arg nach Offspring. Die Ur-Shouter
Rob Reiss und Paul Merrell waren nicht nur weitaus cooler, sondern einfach
auch um Längen besser.
Diese ganze musikalische Geschichte
der Band könnt Ihr auf „Power Games - The Anthology“ nachhören.
Die drei Alben sind ebenso enthalten wie Singles und Sampler-Beiträge.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Alben sind frappierend. Aber allein
das Material von 1981 bis 1983 im Schrank stehen zu haben, rechtfertigt
beinahe jeden Preis dieser Doppel-CD.
„Axe Crazy“/“Mouth And Trousers“
JUB
APOPHIS "Promo 2001" 3
Eigenproduktion, 2001
Sieh an, bis vor kurzem wähnte
ich die deutsche Death Metal-Band schon in den ewigen Jagdgründen,
und nun liegt eine Promo-CD aus dem Jahr 2001 vor. APOPHIS habe ich zu
Zeiten ihrer "Heliopolis" Scheibe auf Morbid Records sehr zu schätzen
gelernt und war sehr gespannt, ob sie noch immer die Durchschlagskraft
von einst haben. Melodienriffs von Ohrwurmqualität, die dennoch schwer
wie Blei waren, tiefe ausdrucksstarke Vocals und geile Lieder. So hatte
ich die Band in Erinnerung. Auf der Drei-Song-Promo ist von alledem leider
nur noch ein Schatten übrig. Durch die Veränderungen im Line
Up ist viel der alten Stärke verlorengegangen. Denn die Stimme von
Neuzugang Peter Faifar zum Beispiel ist anscheinend nicht für Death
Metal geschaffen. Ein Typ im Türsteherformat wie er sollte eigentlich
problemlos die halbe Innenstadt im Stand umbrüllen können, doch
er versucht aggressiver und tiefer zu singen, als seine Stimmbänder
es zulassen und setzt sich damit schonmal in die Nesseln. Auch sind die
vielen Plichtsolos und Kunstpassagen, die die Songs alle in einen Zeitrahmen
von über sechs Minuten daher kommen lassen, zuviel. Schnell macht
sich Langeweile breit. Nur im letzten Song "Reanimation" blitzt noch einmal
der Geist vergangener Tage kurzzeitig auf. Der eine Riff hätte auch
locker auf "Heliopolis" stehen können. Sicher bleibt die Zeit auch
für APOPHIS nicht stehen, aber die 98er Scheibe wird für mich
immer der Maßstab sein, an dem ich die Band messen werde. Vielleicht
klappts ja beim nächsten Mal. info@serpent-god.dewww.serpent-god.de
"Reanimation"
THOMAS
SEVERE TORTURE "Misanthropic
Carnage" 9
Hammerheart Rec., 2002
Es gibt gewisse Gesetzmäßigkeiten
in der Szene, die sich wohl nie ändern werden. Für viele ist
Slayers "Reign In Blood" das ultimative Thrash Metal-Album, Ozzy Osbourne
noch immer der "Prince Of Darkness" und "Bombenhagel" das Beste, was Sodom
je aufgenommen haben. Gesetze unabhängig von Realität und der
Entwicklung der Zeit. Was das mit SEVERE TORTUREs neuem Album zu tun hat?
Nun es gibt immer noch Leute, die behaupten, daß Chris Barnes der
absolute Death Metal-Grunzgott ist. Egal, was der Mann kann und welche
Rolle er in der Szene spielt, Dennis Schreurs - seines Zeichens Fronter
von SEVERE TORTURE - kann ihm locker das Wasser reichen und noch ein Glas
dazu. Hölle auch eins, was sind das nur für vernichtende Laute,
die dieser Kerl von sich gibt. Doch nicht nur der Gesang ist barbarisch.
Die Musik klingt unbarmherzig von Anfang bis Ende der CD. Die Klampfen
scheinen bis an die Grenze des Machbaren verzerrt und spalten selbst Eichenstämme.
Der Baß spielt die abgedrehtesten Läufe mit traumwandlerischer
Sicherheit, und die Drums fesseln den Hörer mit ideenreichem Highspeed-Getrümmer.
Die Musik scheint am besten zu beschreiben, was in dem Kopf desTypen auf
dem Cover vorgeht, der mit diabolischem Grinsen eine vom Schmerz gepeinigte
Person mit einer riesigen Axt zerfleischt. Stumpf und abgelutscht mag es
zwar sein, aber das ist mir scheißegal. Genau solche Bilder, Themen
und Texte erwarte ich von einer solchen kaputten Band wie SEVERE TORTURE.
Einige Bestimmer in unserem Land bekamen davon allerdings kalte Füße
und zensierten das Cover. Unfreiwillige Kaufempfehlung ihrerseits. Und
meine freiwillige dazu.
"Castrated"
THOMAS
SWEET INFERNAL NOISE „SIN“
8
Endzeit-Prod., 2002
Eigentlich haben wir es uns ja abgewöhnt,
Singles oder Maxis zu reviewen. Allerdings hat mich diese mit nur drei
Songs bestückte CD außerordentlich beeindruckt, so daß
ich Euch nicht vorenthalten möchte, was für ein Schmuckstück
da in deutschen Landen heranwächst. Es geht um SWEET INFERNAL NOISE,
die in der Band-Info so ein bißchen als Theatre Of Tragedy-Erben
verkauft werden, was eigentlich ein Understatement ist. Denn wenn man auch
auf Grund des femininen und maskulinen Wechsel-Gesangs sicher die theatralischen
Norweger als Vergleichsmöglichkeit heranziehen kann, wirken SIN allein
in dem Song "Trust" spritzig, wie Theatre auf ihren gesamten Alben nicht.
Überhaupt geht es bei SWEET
INFERNAL NOISE eher zügig voran. Zwar kann man der Band sicher einen
gewissen Gothic-Appeal nicht absprechen, den haben sie dann aber eher von
Bands wie Sisters Of Mercy oder The Cult. Und selbst diese Parallele zieht
nicht wirklich, sorgen Sorb und Prohl an den Gitarren doch für einen
ordentlichen Druck.
Und nicht zu vergessen Helen. Auch
wenn sie gerade beim Opener (welch Bezeichnung bei nur drei Stücken)
"Farest Shores" einen Hauch von Unsicherheit offenbart, glänzt sie
doch mit ihrer Stimme. Die klingt warm und wird vielen vielleicht deshalb
eher "cool" erscheinen.
So, seht zu, daß Ihr Euer
erstes Album unters Volk gemischt bekommt.
„Farest Shores“
JUB
EASY RIDER "Regeneration"
7
Locomotive Rec., 2002
Auch Spanien läßt mal
wider grüßen. Diesmal mit einer neuen Veröffentlichung
aus dem Hause EASY RIDER via Locomotive Records. "Regeneration" heißt
das Teil und birgt wie gewoht stark Judas Priest/Iron Maiden-lastigen Metal
wie auch schon auf den Scheiben davor. Das Gute an der Scheibe ist, daß
die Band ihre Einflüsse mit Geschick verarbeitet und ihre Musik so
klingt, daß sie den Meistern würdig ist. Es gibt durchweg überzeugende
Melodien und Refrains. Sänger Ron Fin singt wie ein junger Gott. Doch
gibt es bei der CD eine Sache, die mich ein wenig wurmt. Nämlich die
Geschwindigkeit der Lieder. Die meisten fangen mit einem Einstieg, der
alles verspricht an, und wenn man glaubt, daß es sich um einen Uptempo-Song
handelt, wird man mit Midtempo überascht.
Nächstes Stück. Auch wieder
viel Spannung erzeugende Wirbel und Riffs. Und doch wieder Midtempo. Wer
also Wert auf Geschwindigkeit legt, sollte mit den ersten beiden Stücken
des Albums seine Freude haben. Denn ansonsten wartet man vergebens auf
das Durchtreten des Gaspedals.
Die Songs sind zwar stark, aber
ein bißchen mehr Geschwindigkeit hätte auch nicht geschadet.
"Stranger"
THOMAS
PERVERSE "Blunt Of Stench"
8
(BANDS BATTLE-BAND 2003)
Eclipse Rec., 2002
Daß die Polen schon lange kein
Heavy Metal-Entwicklungsland mehr sind, dürfte sich ja so langsam
herumgesprochen haben. Wer das angesichts solcher Bands wie Yattering,
Decapitated, Sceptic, Dies Irae, Behemoth, Lux Occulta und vor allem Vader,
um nur einige zu nennen, immer noch anzweifelt, der sollte sich nicht zuletzt
auch mal die CD von PERVERSE, "Blunt Of Stench", anhören. Denn hier
wird elf Songs lang heftigster Death/Grind der leicht technisierten Sorte
geboten. Die Gitarren sägen ein Old School-Riff nach dem anderen.
Autopsy und Cannibal Corpse sind hörbar einflußreich gewesen.
Das Herzstück der Musik ist allerdings das völlig wahnsinnige
Schlagzeugspiel von dem siebzehn Jahre jungen Drummer Bartho. Mit einer
unermüdlichen Vehemenz drischt das Bürschchen die Scheiße
aus seinem Kit und kann dennoch unmißverständlich klarmachen,
daß er trotz seines Alters auch wirklich etwas davon versteht. Bei
PERVERSE ist es müßig, bestimmte Songs hervorzuheben, da man
diese nur schwer voneinander unterscheiden kann, was man aber auch nicht
muß. Bei PERVERSE zählt einzig und allein die Brutalität,
und das bringen sie absolut glaubhaft rüber. perverse666@poczta.fmwww.perverse.metal.plwww.perverse.brutaldeath.net
"Blasting The Judgement Day"
THOMAS
TOTO „Through The Looking
Glass“
9
Toto Rec/CMC/EMI, 2002
Heavy Metal-Fans jüngeren Herstellungsdatums
werden mit dem Namen TOTO vermutlich absolut nix anfangen können.
Höchsten, wenn sie „Africa“ oder „Rosanna“ zu hören bekommen,
fällt ihnen vermutlich ein, das eine oder das andere Lied schon mal
im Radio wahrgenommen zu haben. Und eben genau das Radio war auch immer
der Tummel-Platz der us-amerikanischen Mainstream-Band, die vor allem nach
dem Weggang von Sänger Bobby Kimball nur noch als zweitklassiger Pop-Act
gewertet werden konnte.
Das hatte zwischen 1978 und 1983
noch ganz anders ausgesehen: gestartet mit dem brillanten selbstbetitelten
Debüt setzten die Mannen um Gitarrist Steve Lukather mit Songs wie
„Hold The Line“ oder „Angela“ Maßstäbe für spätere
Melodic Metal-Generationen. Die Nachfolger „Hydra“ und „Turn Back“
setzten da noch eins drauf.
Später war die Band zwar vom
Songmaterial her bedeutungslos, hatte aber immer göttergleiche Musiker
in ihren Reihen. Angefangen bei Steve Lukather über Jeff Porcaro (dr)
bis hin zu seinem Nachfolger Simon Phillips (wer kennt den eigentlich nicht?).
Seit sich nach mehrfachem Personal-Wechsel
das Gründungs-Mitglieder-Trio Lukather/Kimball/Paich verstärkt
durch Mike vom Porcaro-Clan und Phillips wieder zusammengerauft hat, kommt
aus dem Hause TOTO nur noch Hochqualitatives. So auch „Through The Looking
Glass“, das ausschließlich Cover-Versionen enthält. Aber wenn
TOTO Songs covern, bekommt man weder Blaupausen der Originale, noch krampfhaft
auf abgefahren verstümmelte Versionen. Vielmehr verstehen es die Amis,
aus jedem Song neben der Referenz ans Original soviel neue Nuancen herauszukitzeln,
daß er in jeder Sekunde spannend bleibt. Man höre sich nur das
bis zum Erbrechen nachgespielte „House Of The Rising Sun“ (Animals) an.
Sternstunden des Heavy Rock sind „Sunshine Of Your Love“ (Cream) und „Living
In The City“ (Stevie Wonder). Mit welcher Musiker-Riege man es hier zu
tun hat, zeigen schließlich die Jazz-Nummern „Bodhisattva“ (Steely
Dan) und „Maiden Voyage/Butterfly“ (Herbie Hancock). Lediglich „Could You
Be Love“ (Bob Marley) und „It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To
Cry“ (Bob Dylan) hätten nicht unbedingt sein müssen. Das werden
Blues- und Reggae-Fans allerdings anders sehen, um die geht es hier aber
nicht.
„Living In The City“
JUB
LED ZEPPELIN-TRIBUTE „The
Music Remains The Same“ 8
Locomotive, 2002
Tribute und kein Ende. Auch LED ZEPPELIN
ist in den zurückliegenden zehn Jahren schon fast bis zum Erbrechen
gehuldigt worden. „The Music Remains The Same“ von dem spanischen Label
Locomotive fügt diesem Sampler-Reigen eine weitere Kompilation hinzu
und landet vermutlich sogar eine der besten. Eigentlich machen fast alle
auf der Scheibe vertretenen Bands ihre Sache beachtlich bis herausragend.
Dabei haben es sich die meisten eher einfach gemacht und das jeweilige
Zeppelin-Stück einfach in den eigenen Stil transferiert. Besonders
zum Tragen kommt das zum Beispiel bei Grave Digger mit „No Quarter“, der
definitiv düstersten Version auf diesem Album. Auch Consortium Project
zelebrieren einen klasse „Immigrant Song“ und Angra (ich hätte nie
geglaubt, daß ich so etwas einmal schreiben würden) geben „Kashmir“
eine ganz eigene Note, die dem Song gut zu Gesicht steht. Auch Primal Fear
sind bei „The Rover“ ganz Primal Fear, haben sich da aber offensichtlich
ein Stück herausgesucht, das im Original dermaßen außergewöhnlich
klingt, daß es einfach nicht erreicht werden kann. Auch White Skull
haben sich mit „Stairway To Heaven“ etwas verhoben. Die Spanier Mägo
de Oz verderben „Whole Lotta Love“ und Blaze bleibt bei „Dazed And Confused“
eher blaß (wann eigentlich nicht). Dafür knallt „Rock’n’Roll“
von Elegy, wird „Communication Breakdown“ mit Tierra Santa zum Heavy Metal-Brett.
Selbst Axxis gelingt ein gut hörbares „Good Times, Bad Times“ und
Doro kommt mit dem Blues „Babe I’m Gonna Leave You“ gut zurecht. Schließlich
sind da noch Masterplan mit „Black Dog“, die mit Jorn Lande am Mikrophon
schon die halbe Miete für ihre Version im Kasten haben.
„The Rover“
JUB
DAVIDIAN "...In Pain" 4
Eigenproduktion, 2000
Aggressiven Thrash Metal spielen
laut eigener Aussage die Jungs von DAVIDIAN. Ihre CD "...In Pain" bietet
vier Songs plus Intro und Outro. Beim Opener spürt man die geistige
Anwesenheit von Exodus zu "Fabulous Disaster"-Zeiten. Soweit so gut. Doch
werden die restlichen Stücke durch ruhige Akustikstückchen eingeleitet,
was an und für sich nicht weiter schlimm ist, doch bei der kurzen
Spielzeit nimmt das in dieser Häufigkeit den aggressiven Anstrich
schneller als es einem lieb ist, und die eigentlichen Songs sind nicht
bißfest genug, um den schwächelnden Anschein abzuwenden. DAVIDIAN
sind ihren eigenen Ansprüchen mit "...In Pain" nicht gerecht geworden.
www.davidian-metal.dedavidianer@aol.com
"The Face You'll Never See Again"
THOMAS
[vor][zurück]