An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.


 

ABGEHÖRT vom 13. April 2004


SUPERSUCKERS "Motherfuckers Be Trippin'" 6
MidFi Recordings/PHD, 2003

SUPERSUCKERS - Motherfuckers Be Trippin'

Keine Überraschung. Wenn die SUPERSUCKERS ihre Fans auch schon mal mit einem Country-Album neckten, bleiben sich die rüden Typen um Rock-Röhre Eddie Spaghetti mit "Motherfuckers Be Trippin'" treu. Hier wird kompromißlos nach vorn gespielter Punk'n'Roll geboten, daß man sich mit Pizzen bewerfen und Bier über die Rübe kippen möchte. Das macht wirklich Fez, ist aber über weite Strecken recht abgedroschen. Solides Album mit Party-Garantie.
"Bubblegum And Beer"

JUB

DUNKELGRAFEN „Oris Diabolis“ 7
Black Attakk, 2003

DUNKELGRAFEN - Oris Diabolis

Unermüdlich schreiten sie voran, die Erzgebirgler von DUNKELGRAFEN. Verkaufen nicht schlecht Platten und haben eine feste Fangemeinschaft um sich versammelt. Dabei war mein erster und einziger Kontakt mit dem Schaffen der Band ein Konzert im Berliner Knaak-Club, bei dem die Schwarzwurzeln richtig abgekackt sind. Die Klampfer standen wie angewurzelt auf den Brettern und hatten ihre liebe Mühe, ihre Parts fließend zu spielen. Der Fronter bewegte sich nur sporadisch und fast gequält, bläkte kraftlos, und die Musik war auch nur Mittelklasse. Doch keine Band hat immer nur gute Tage. Manche Auftritte sind schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Weiß der Teufel, was an jenem Abend in die Band gefahren war.
Doch hier und jetzt soll es nicht um alte Konzerte gehen, sondern um die neue CD „Oris Diabolis“. Die ist nicht so schlecht, wie ich anfangs vermutete. Zwar reißen sich die DUNKELGRAFEN beim Spielen kein Bein aus, aber das müssen sie auch nicht. Black Metal funktioniert auch jenseits solcher Geschwindigkeitsrekorde wie sie In Battle oder Marduk aufstellten. Diese Musik funktioniert im Falle von DUNKELGRAFEN auch ohne permanenten Bleifuß. Das Trio bemüht sich um Abwechslung, was ihm größtenteils auch gelingt. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang das Stück „Black Demon, Shaitan's Warrior“. Hier ist die Verflechtung von satanischem Geprügel, majestätischem Midtempo, Bathory-ähnlichen Melodieleads und amtlichen Riffs dank cleverer Tempowechsel gut gelungen. Besonders positiv aufgefallen ist mir, daß das Keyboard einen gelungenen Teil zur Gesamtstimmung beiträgt. Anstatt sinnlos mit bescheuerten Kleine-Mädchen-Melodien die Atmosphäre zu versauen, sorgt der Mann an den Tasten wirklich nur dann für den nötigen Effekt, wenn es angebracht ist. Somit erreicht er mehr als so mancher Möchtegern-Bach. Gut ist auch der Sound geworden. Er ist zwar etwas flach, dennoch paßt er hervorragend zu der Musik. Weder verwaschen, um Feinheiten zu vertuschen, noch zu aufpoliert, um zu glänzen wie ein gewienertes Auspuffrohr an einem aufgebauten Opel Manta. Nicht schlecht, Herr Specht.
„Oris Diabolis“

THOMAS 

SUPERJOINT RITUAL "A Lethal Dose Of American Hatred" 4
Sanctuary/Mayan, 2003

SUPERJOINT RITUAL - A Lethal Dose Of American Hatred

Wütend, aggressiv und prollig. Das sind SUPERJOINT RITUAL. Nach dieser Musik werden sich New Yorker Hardcore-Stoppelköpfe nach Herzenslust die Schnauze einschlagen. Hier kann man herumhüpfen, dem Slam-Dance bis zum Exzeß frönen, mit den Ellenbogen ausschlagen, treten, schreien, bluten ...
Phil Anselmo will nur noch ausrasten. Auch deshalb hat er sich von Pantera und Down weg, hin zu SUPERJOINT RITUAL bewegt. Dies sei die Band, in der er immer schon sein wollte. Das hätte er einfacher haben können: Nicht zu Pantera gehen und gleich eine Brüll-Combo gründen. Aber jetzt hat er ja das, was er will. Und vor allem glaubt der Posensteher, bei ihm sei der Rock: Dem Nu Metal eins in die Fresse. Komisch nur, daß es vor allem jene Nu Metaller sein werden, die die Musik vom Album "A Lethal Dose Of American Hatred" begierig aufsaugen werden. Auch wegen der pro-amerikanischen Aussagen, die hervorragend zu diesen Legasthenikern, Analphabeten oder 5-Klassen-Abgängern (der Ritterschlag schlechthin) passen.
Das Album ist in seiner Grundstimmung stinklangweilig, auch wenn hier nicht nur der pure Hardcore-Punk-Lack gefahren wird. Die Band hat schon versucht, Abwechslung zu integrieren. Man versucht zu grooven, doomige Instrumentalpassagen zuzulassen oder sich auch mal in Rhythmusbrüchen zu üben. Wenn dann allerdings diese Einschübe passiern (in "Symbol Of Nevermore" zum Beispiel), dann töten sie einem den Nerv.
Wer allerdings Hardcore sehr mag und hin und wieder eine Initialzündung benötigt, um Energie loszuwerden, der könnte mit diesem Album sehr gut beraten sein.
"Stealing A Page Or Two From The Armed And Radical Pagans Sugarpussy Within The Web"

JUB

SCREAM SILENCE „The 2nd“ 3
Moonstorm Rec./EFA/NSM, 2001

SCREAM SILENCE - The 2nd

Holt die Weingläser raus, Gothic ist angesagt! Zündet Kerzen an und legt schon mal die Rasierklingen zurecht, es gibt jetzt ganz wenig zu lachen. Der Grund: die zweite SCREAM SILENCE. Wie bei jeder Musik gibt es auch im Gothic/Gothic Metal zwei Kategorien: gut gemachte Musik und nicht so gut gemachte Musik. Ersterer Kategorie würde ich ohne mit der Wimper zu zucken Moonspells „Irreligious“ zusprechen. Episch, dramatisch und voller Seele waren die Kompositionen der Portugiesen. Mit großartiger Opulenz wurden Melodienteppiche gewoben, daß es nur so eine Art hatte. Bei den Deutschen kann man durchaus Parallelen zu den Südländern ausmachen. Cool rockende Gitarren bieten Halt für die Melodien des Keyboards. Die Stimme kündet in tiefer Tonlage von Enttäuschung und Trauer. Und der lauwarme Sound versucht, Dich einzuhüllen und die frischen Alltagswunden lindernd zu bedecken. Die Sache hat jedoch den Haken, daß der Frontmann  tiefer singen möchte als er in der Lage ist, was an manchen Stellen leicht erheiternd wirkt. Auch sind die Melodiebögen allesamt zu gleichförmig und zu unspektakulär, als daß sie für Aufsehen sorgen könnten. SCREAM SILENCE geizen mit echten Höhepunkten und mit Abwechslung, die absolut von Nöten gewesen wäre um „The 2nd“ vom Einheitsbrei der durchschnittlichen Gothic-Tagträumer abzuheben. Somit ist der zweite Streich der Band, genauso wie der erste, eine Schlaftablette vor dem Herrn.
„Lost Love“

THOMAS 

MAGOG "Weisheit und Ahnenkult" 9
Christhunt Productions, 2003

MAGOG - Weisheit und Ahnenkult

Wenn skandinavische Black Metal- und Viking-Bands ohne Scheu unbändigen Christenhaß versprühen, den Vorfahren huldigen und die alten Werte beschwören, erfahren sie europaweit in der Szene große Anerkennung. Auch in Deutschland gibt es nur wenige, die sich zu Kampagnen aufschwingen, um diesen Auswüchsen Einhalt zu gebieten.
Würde man den Maßstab, den man an die Nordmänner ansetzt, auch für deutsche Kapellen gelten lassen, wären MAGOG  vermutlich eine der angesagtesten Bands des Black Metal-Genres überhaupt, denn selten wurde auf deutsch so kompromißlos der unvereinbare Gegensatz von europäischer Kultur und Religion und christlichen Glaubens in Worte gefaßt wie auf "Weisheit und Ahnenkult". Vergleichbar sind zum Beispiel die Texte von "Freier Glaube" oder "Ran an den Pfaff!" vielleicht mit Lyrics von Amon Amarth, in denen die Wikinger unverholen zur Gewalt gegen Christen aufrufen. Denn auch MAGOG sind nicht die Bohne von zimperlich. Dennoch bleiben ihre Zerstörungsphantasien und Gewaltbilder abstrakt, springen die Musiker in ihren Texten doch von Song zu Song ständig zwischen dem Einst und Heute hin und her.
Black Metal, die immer noch extremste Form des Heavy Metal, bekommt bei MAGOG jenes Flair zurück, das dieses Genre in den 80ern und frühen 90ern umwehte. Nicht nur außerhalb der Szene Stehende würden den Klängen und Worten fassungslos folgen, auch Metal-Fans sind zum Teil schockiert von diesem Material. Keine Nibelungen-Märchen, keine Phantasiewelten in Schnee und Eis, keine Sience Fiction-Opern oder abstruse Selbstfindungs-Geschichten - hier regiert Haß.
Musikalisch bekommt der Fan das geboten, was ihm am Black Metal so lieb und teuer ist: die pure Aggression. Blastparts wechseln sich mit getragenen, fast hymnischen Momenten ab, Midtempostampfer sind ebenfalls Bestandteil von "Weisheit und Ahnenkult" wie Thrash/Punk-Nummer á la Sodom ("V.O.D."). Bei "Kraft-Sonne-Macht-Licht" halten MAGOG im Ansatz eine Gänsehaut-Weise bereit, bekommen diese aber noch nicht ganz zur Entfaltung gebracht.
"Ran an den Pfaff!"

JUB

DRAGONFORCE „Valley Of The Damned“ 9
Sanctuary/Noise Records, 2002

DRAGONFORCE - Valley Of The Damned

Wer hätte gedacht, daß die ausgetretenen Pfade der Drachentöter-Melodic-Metal-Szene jemals wieder eine Band hervorbringen würden, die noch mal richtig frischen Wind ins Ödland der in Japan und Italien stark angesagten Musik bringt? Sicher nur die wenigsten. Denn die Musik der sich sinnlos zu Tode frickelnden Gitarristen, der quietschenden Sänger und der Schmalzballaden wartete in den letzten Jahren doch eher mit Masse statt Klasse auf. Das hat nun ein Ende. Ausgerechnet aus England kommen DRAGONFORCE, die mit „Valley Of The Damned“ ein mehr als beachtliches Debüt vorlegen. Dabei schieben sie die meisten Veröffentlichungen der letzten Jahre aus dem Stratovarius-, und Rhapsody-Kopisten-Lager wie ein Schneepflug beiseite. Der Grund für diese Euphorie ist einfach der, daß DRAGONFORCE mit ihren Songs wahrlich echte Feuerwerke an Melodien auffahren. Die Refrains sind mitunter ellenlang, gehen beim ersten Mal Hören ins Ohr und nutzen dennoch nicht so schnell ab. Zwar muß man schon auf die Stimme von Sänger ZP Theart, der hoch und klar singt, Bock haben, doch es gibt weitaus größere Nervensägen in diesem Bereich. Das größte Plus an „Valley Of The Damned“ hingegen ist freilich das famose Gitarrenspiel der Klampfer Herman Li und Sam Totman. Gitarrenhelden und Flitzefinger gibt es sicher viele. Traumwandlerisch die Skalen rauf und runterfiedeln können sie alle. Doch die eigentliche Kunst, nämlich Läufe und Melodien für die Ewigkeit zu schreiben sowie Herz und Seele in das Spiel mit einfließen zu lassen, das beherrschen nur wenige. Li und Totman sind schon lange auf den Trichter gekommen, daß Gefühl, Härte, Geschwindigkeit und Abwechslungsreichtum Faktoren sind, die man nicht einfach aus dem Lehrbuch pauken kann wie etwa Jahreszahlen im Geschichtsunterricht. Keine Frage, „Valley Of The Damned“ ist eine verdammt starke Scheibe geworden.
„Black Winter Night“

THOMAS 

HEAVEN SHALL BURN "Antigone" 8
Century Media, 2003

HEAVEN SHALL BURN - Antigone

Da spitzt man neidvoll die Ohren, wenn ein klassisches Orchester das unglaublich schöne "Echoes"-Intro anstimmt. Erst recht, wenn man weiß, daß das Stück von einem Typen namens Olafur Arnalds extra für HEAVEN SHALL BURN komponiert wurde. Welch Melancholie, welch Melodie. Und wie zerbrechlich.
Und so zerschellen die nachklingenden Weisen im Kopf, solbald die Band um Gitarrist Maik Weichert ihren urtümlichen Wirbelsturm aus Melodic Death Metal, Hardcore und Thrash entfacht. Egal ob getragen oder hetzend poltrig - die Musik auf "Antigone", dem dritten (ohne Splits und MCD) Album von HEAVEN SHALL BURN ist immer voller Wucht, fährt von unten wie ein gut plazierter Kinnhaken hinauf und läßt den Hörer förmlich K.O. zurück.
Aber der Bruch zum Intro ist nicht vollkommen, denn Melodien-Reichtum offenbaren HEAVEN SHALL BURN ununterbrochen. Auch melancholisch geht es zu. Dabei fällt vor allem "Numbing The Pain" auf oder die über die Haut streichelnde Gitarrenmelodie in "The Only Thruth".
Bleibt der Gesang von Marcus Bischoff. Zweifellos extrem aggressiv und vor allem mit einer argen Hardcore-Schlagseite, aber sich mehr und mehr in Richtung In Flames und Konsorten aufrichtend. Und doch hätte diese lebendige Musik im Vokalbereich etwas mehr Variantenreichtum verdient.
Die Texte lagen mir nicht vor, scheinen laut Angaben der Plattenfirma aber von Musikern mit Köpfchen zu zeugen. Vor allem die - wie es heißt - "Vorschläge für einen Lifestyle (hier hätte man auch Lebensstil schreiben können) in mehr Einklang mit der Erde und Natur" finden meine uneingeschränkte Zustimmung.
Und, um es nicht zu vergessen: Das Outro - Kniefall.
"To Harvest The Storm"

JUB

TOTENMOND „Unter Knochen“ 5
Massacre/Soulfood, 2004

TOTENMOND - Unter Knochen

TOTENMOND, die Band der Gegensätze ist zurück. Zum einen fahren sie das totale Brett auf, roh, primitiv und düster, und zum anderen versuchen sie, die Langsamkeit neu zu definieren. Vielerorts werden sie ob ihrer originellen Eigenständigkeit gefeiert, doch viele halten sie für eine dreiste Carnivore- und Crowbar-Kopie. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Das Trio hat seine stärksten Momente, wenn es richtig Lack macht. „Finster Mammut“ knallt recht garstig, keine Frage. Doch warum in alles in der Welt müssen solche Ausbrüche meistens mit sterbenslangweiligen Doom-Passagen unterbrochen werden? Na klar, des Kontrastes wegen werden jetzt einige sagen. Schön und gut. Nur haben die Bands, von denen sich TOTENMOND beeinflussen lassen, den Doom in einer solchen Perfektion zelebriert, daß der Versuch, ihn zu kopieren, einfach scheitern muß. Nicht immer, aber oft. Interessant hingegen ist „Zu Gast bei den Toten“ ausgefallen. Der Song beginnt als absoluter Speed-Brecher und mündet in dem monotonsten und langsamsten Doom, den die Band je aufgenommen hat. Da sägen die Monde dermaßen an den Nerven, daß es schon wieder geil ist. Dennoch ist „Unter Knochen“ eine Platte, die sicher nicht zu meinen Favoriten wird. Denn sowohl Crustcore als auch Doom habe ich schon weitaus spannender gehört.
„Zu Gast bei den Toten“

THOMAS

NIGHTFALL "I Am Jesus" 9
Black Lotus Records, 2003

NIGHTFALL - I Am Jesus

Oha, wenn das nicht Blasphemy ist: "I Am Jesus". Einem Die-Hard-Christen müßten sich bei soviel Arroganz die Nackenhaare aufstellen. Beim Heavy Metal-Fan übrigens auch, wenn er sich diese CD der griechischen Band NIGHTFALL zu Gemüte führt, wenn auch verbunden mit einem angenehmen Schauer. Denn bei dieser Kapelle handelt es sich um eine echte Entdeckung. Unter Melodic Death Metal firmierend vereinen sie das, was die Göteborg-Helden und die finnische Gothic-Armada an Vorzügen aufzweisen haben. Bei NIGHTFALL stehen Brachial-Gitarren einmütig neben melancholischen Melodien, legt sich die rauhe Stimme Efthimis Karadimas' über wohlige Klampfen-Leads von George Bokos. Dabei sind Stücke entstanden, die Euch bereits nach einmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf gehen. So zum Beispiel "Pale Crescendo Of Diamond Suns" oder "Treasures In Aramaic Tears Echelon".
Bei NIGHTFALL habt ihr es übrigens nicht mit einem der unzähligen Neuzugänge zu tun, die mit einem Glücksgriff eine Welle mitreiten, sondern hier stehen gestandene Musiker hinter den Mikros und an den Instrumenten. NIGHTFALL gibt es mindestens schon seit 1992, denn damals veröffentlichten sie ihre erste CD "Parade Into Centuries". Bis heute kommen sie auf neun Tonträger, die von einer kontinuierlichen Entwicklung künden. Und bei dieser hochwertigen musikalischen Qualität wäre den Griechen der internationale Durchbruch herzlichst zu wünschen.
"Pale Crescendo Of Diamond Suns"

JUB

PROSTITUTE DISFIGUREMENT "Deeds Of Derangement" 8
Morbid Records, 2003

PROSTITUTE DISFIGUREMENT - Deeds Of Derangement

Aufgepaßt! Diese Holländer sind viel besser als sie im ersten Moment mit ihren Schweinchen-Grunzlauten erscheinen mögen, denn viel zu viele Grind-Bands benutzen diesen Gesangsstil. Hier paart sich die pure Ich-grummel-in-eine-leere-Regentonne-Monotonie mit trefflichen Death Metal-Songs, die den meisten Kollegen aus PROSTITUTE DISFIGUREMENTs Heimatland in nichts nachstehen. Zieht man zum Beispiel Severe Torture als Vergleich heran, gehen die hier nicht weniger brutal, dafür aber feinsinniger zu Werke. Feinsinn und Brutalität? Das geht, wenn man bedenkt, daß viele der unmenschlichsten Serienmörder Intellektuelle waren.
Wer diese Band bisher kaum oder gar nicht wahrnahm, dem sei ein unbedingtes Reinhören ans Herz gelegt.
"She's Not Coming Home Tonight"

JUB

TRANSGRESSION „Redrum“ 4
Eigenproduktion, 2000

TRANSGRESSION - Redrum

Bei dieser CD handelt es sich um die Wiederveröffentlichung des 2000er Demos der Band. Inwieweit die Neuauflage eines Demos Sinn macht, ist natürlich Ansichtssache. Vor allem, wenn die Musik absolut leise und dünn aus den Boxen säuselt. Man muß den Lautstärkeregler schon ziemlich aufdrehen, um überhaupt was hören zu können. Ist dieses Manko mittels leichter Rechtsdrehung an der Anlage ausgeglichen, hört man einen passablen Death/Thrash-Mix, der an manchen Stellen munter drauflos poltert und zu einem Höflichkeitsapplaus meinerseits animiert. Allerdings ist das Geschepper immer wieder mit ziemlich nervigen Midtempoparts durchzogen, die nun wirklich keinen Grund zur Freude bieten. Wenn TRANSGRESSION auch schnell gespielt durchaus ihre Reize haben und leicht punkten konnten, so reißen sie mit ihren unspektakulären bis nervig-eintönigen, langsamen Passagen das Aufgebaute wieder ein. Unterm Strich bleibt „Redrum“ eine gesichtslose Scheibe ohne nennenswerte Höhepunkte.
„Perfect Place“

THOMAS

HIGHLAND GLORY „From The Cradle To The Brave“ 5
Massacre Rec., 2003

HIGHLAND GLORY - From The Cradle To The Brave

HIGHLAND GLORY gehören zu der Sorte Heavy Metal-Bands, die beinahe alles richtig machen und die doch niemand notwendigerweise braucht. Die Norweger bauen schöne Akustikparts in ihre Songs, auf die ausufernde Soli folgen. Die Chöre sind nett, nicht zu Stammtisch-mäßig und auch nicht zu abgehoben. Der Gesang ist nicht zu schwul, und Running Wild scheinen bei der Auswahl der Riffs Pate gestanden zu haben. Dennoch bleibt nach Beendigung der Hördurchläufe der CD zu wenig im Gedächtnis zurück. Zu viele Bands spielen eine ähnliche Art des melodiebewußten Heavy Metals deutlicher europäischer Prägung, der oft jedoch eindrucksreicher, härter, verspielter oder überzeugender ist, so daß HIGHLAND GLORY ihre Duftmarke nur bedingt erfolgreich in den Metal-Dschungel setzen konnten. 
„A Warrior's Path“

THOMAS

WUTHERING HEIGHTS „Far From The Madding Crowd" 10
Locomotive, 2003

WUTHERING HEIGHTS - Far From The Madding Crowd

Eine Kate-Bush-Coverband? Hätte bestimmt Witz, erst recht, wenn man den Songs der Dame einen fetten Metal-Stempel verpassen würde. Aber nichts dergleichen. Vielmehr haben wir es hier mit einer der wohl stärksten dänischen Bands zu tun, die jemals das Land der Pornographie hervorbrachte.
WUTHERING HEIGHTS gehen ein immenses Risiko ein. Sie haben nämlich eine Musik kreiert, die sich aus Blind Guardian-Bombast, Pogues-Folk, Dio-Vocals, Progressiv-Metal und Filmmusik zusammensetzt. Kurz gelesen, läßt diese Zusammenstellung zumindest eine recht verkanntete Nietverbindung befürchten. Allerdings ist das nicht der Fall. Denn der Mix ist so genial vorgenommen worden, daß man mit Fug und Recht behaupten kann, WUTHERING HEIGHTS erschufen eine Musik, wie sie es so vorher noch nie gab. Und was für Musik: Jeder Song ist groß, überkommt uns mit herrlichen Melodien, ist abwechslungsreich wie eine kunterbunte TV-Show. Dabei ist "Far From The Madding Crowd" ein Konzept-Album, dem durch die Folk-Ausrichtung von vornherein schon mal ein Korsett angelegt wurde. Allerdings ist dieses Korsett von einem Material, das unbegrenzt in alle Richtungen nachgibt.
Aus dem Album Highlights herauszupicken, hieße, aus den Playmates eines Jahres ein Bunny für nur eine Nacht auszuwählen. Trotzdem seien die drei "Longing For The Woods"-Parts erwähnt. Hier kulminiert alles, was die Band an Qualitäten aufzweisen hat.
"Longing For The Woods - Part I: The Wild Children"

JUB

COCKROACH „Temple Of Mystery“ 6
Supreme Chaos Rec., 2003

COCKROACH - Temple Of Mystery

Seit über einer Dekade schon treiben COCKROACH aus Marbach am Neckar in der Szene ihr Unwesen. Unlängst erschien ihre dritte Scheibe, „Temple Of Mystery“. Die vier Musiker zocken einen recht old-schooligen Thrash Metal mit Bay Area-Prägung, der absolut nicht antiquiert wirkt. Die Band bietet keine Überraschungen in Form neumodischer Zugeständnisse oder Einwirkung stilfremder Zutaten. Dennoch ist die Musik nicht nur alten Szenehasen gerecht. Denn die Mischung aus Groove, stampfenden Rhythmen und satten Chords mit kraftvollem Gesang, die COCKROACH auf der CD fabriziert, geht schon ziemlich ins Genick. Dennoch fehlt mir noch ein Überknaller auf der CD. Ein Funke, der die explosive Mischung zum Detonieren bringt. So ist „Temple Of Mystery“ eine Mittelklassescheibe geworden, wenn auch mit Tendenz nach oben.
„Fallen Angel“

THOMAS

BRAZEN ABBOT "Guilty As Sin" 8
Steamhammer/SPV, 2003

BRAZEN ABBOT - Guilty As Sin

Bands und Scheiben, die vor allem Deep Purple als Inspirations-Quelle entdecken lassen, werden vermutlich nie aussterben. Zumindest nicht in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren, solange es Leute gibt, die entweder mit der Deep Purple-Musik groß wurden oder von der übermächtigen Druckwelle, die die Band hinterließ, immer noch mitgerissen wurde.
Einer dieser Leute ist der bulgarische Komponist und Gitarrist Nikolo Kotzev. Dem gelang es schon mal, sehr treffsicher Deep Purple Merkmale in seine eigenen Songs zu integrieren, die von klassischen Anflügen ("Fool's Confession") über "Highway Star"-Reminiszensen ("Mr. Earthman") bis hin zum bang-kompatiblen Midtempogroover ("A Whole Lotta Woman") und Blues ("Guilty As Sin") reichen. Verstärkt wird der DP-Hand durch den vordergründigen Hammond-Orgel-Einsatz, die nicht nur einmal die Rolle einer zweiten Gitarre zu übernehmen scheint. Auch, daß mit Joe Lynn Turner ausgerechnet ein Ex-Deep Purple- und Ex-Rainbow-Sänger sowie mit Jorn Lande ein Typ mit großer David Coverdale-Nähe verpflichtet wurden, ist garantiert nicht gerade ein Zufall. 
Man würde Kotzev am Ende aber Unrecht tun, beschränkte man ihn auf einen reinen Deep Purple-Plagiatisten, denn er weiß, daß es in den 70er Jahren weitaus mehr interessante Einflüsse auszuschlachten gibt. Wie zum Beispiel Journey ("I'll Be Free"). Am Ende ist mit "Guilty As Sin" eine starke Melodic Metal-Platte entstanden, die ganz besonders Fans der Zeit zwischen 1970 und 1985 ansprechen dürfte, ohne dabei einfach "nur" nostalgisch zu wirken.
"Eyes On The Horizon"

JUB
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