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- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" - des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung. Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten. ABGEHÖRT vom 13. April 2004 SUPERSUCKERS "Motherfuckers Be Trippin'" 6 MidFi Recordings/PHD, 2003
Keine Überraschung. Wenn die
SUPERSUCKERS ihre Fans auch schon mal mit einem Country-Album neckten,
bleiben sich die rüden Typen um Rock-Röhre Eddie Spaghetti mit
"Motherfuckers Be Trippin'" treu. Hier wird kompromißlos nach vorn
gespielter Punk'n'Roll geboten, daß man sich mit Pizzen bewerfen
und Bier über die Rübe kippen möchte. Das macht wirklich
Fez, ist aber über weite Strecken recht abgedroschen. Solides Album
mit Party-Garantie.
JUB DUNKELGRAFEN „Oris Diabolis“ 7 Black Attakk, 2003
Unermüdlich schreiten sie voran,
die Erzgebirgler von DUNKELGRAFEN. Verkaufen nicht schlecht Platten und
haben eine feste Fangemeinschaft um sich versammelt. Dabei war mein erster
und einziger Kontakt mit dem Schaffen der Band ein Konzert im Berliner
Knaak-Club, bei dem die Schwarzwurzeln richtig abgekackt sind. Die Klampfer
standen wie angewurzelt auf den Brettern und hatten ihre liebe Mühe,
ihre Parts fließend zu spielen. Der Fronter bewegte sich nur sporadisch
und fast gequält, bläkte kraftlos, und die Musik war auch nur
Mittelklasse. Doch keine Band hat immer nur gute Tage. Manche Auftritte
sind schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Weiß der Teufel,
was an jenem Abend in die Band gefahren war.
THOMAS SUPERJOINT RITUAL "A Lethal Dose Of American Hatred" 4 Sanctuary/Mayan, 2003
Wütend, aggressiv und prollig.
Das sind SUPERJOINT RITUAL. Nach dieser Musik werden sich New Yorker Hardcore-Stoppelköpfe
nach Herzenslust die Schnauze einschlagen. Hier kann man herumhüpfen,
dem Slam-Dance bis zum Exzeß frönen, mit den Ellenbogen ausschlagen,
treten, schreien, bluten ...
JUB SCREAM SILENCE „The 2nd“ 3 Moonstorm Rec./EFA/NSM, 2001
Holt die Weingläser raus, Gothic
ist angesagt! Zündet Kerzen an und legt schon mal die Rasierklingen
zurecht, es gibt jetzt ganz wenig zu lachen. Der Grund: die zweite SCREAM
SILENCE. Wie bei jeder Musik gibt es auch im Gothic/Gothic Metal zwei Kategorien:
gut gemachte Musik und nicht so gut gemachte Musik. Ersterer Kategorie
würde ich ohne mit der Wimper zu zucken Moonspells „Irreligious“ zusprechen.
Episch, dramatisch und voller Seele waren die Kompositionen der Portugiesen.
Mit großartiger Opulenz wurden Melodienteppiche gewoben, daß
es nur so eine Art hatte. Bei den Deutschen kann man durchaus Parallelen
zu den Südländern ausmachen. Cool rockende Gitarren bieten Halt
für die Melodien des Keyboards. Die Stimme kündet in tiefer Tonlage
von Enttäuschung und Trauer. Und der lauwarme Sound versucht, Dich
einzuhüllen und die frischen Alltagswunden lindernd zu bedecken. Die
Sache hat jedoch den Haken, daß der Frontmann tiefer singen
möchte als er in der Lage ist, was an manchen Stellen leicht erheiternd
wirkt. Auch sind die Melodiebögen allesamt zu gleichförmig und
zu unspektakulär, als daß sie für Aufsehen sorgen könnten.
SCREAM SILENCE geizen mit echten Höhepunkten und mit Abwechslung,
die absolut von Nöten gewesen wäre um „The 2nd“ vom Einheitsbrei
der durchschnittlichen Gothic-Tagträumer abzuheben. Somit ist der
zweite Streich der Band, genauso wie der erste, eine Schlaftablette vor
dem Herrn.
THOMAS MAGOG "Weisheit und Ahnenkult" 9 Christhunt Productions, 2003
Wenn skandinavische Black Metal-
und Viking-Bands ohne Scheu unbändigen Christenhaß versprühen,
den Vorfahren huldigen und die alten Werte beschwören, erfahren sie
europaweit in der Szene große Anerkennung. Auch in Deutschland gibt
es nur wenige, die sich zu Kampagnen aufschwingen, um diesen Auswüchsen
Einhalt zu gebieten.
JUB DRAGONFORCE „Valley Of The Damned“ 9 Sanctuary/Noise Records, 2002
Wer hätte gedacht, daß
die ausgetretenen Pfade der Drachentöter-Melodic-Metal-Szene jemals
wieder eine Band hervorbringen würden, die noch mal richtig frischen
Wind ins Ödland der in Japan und Italien stark angesagten Musik bringt?
Sicher nur die wenigsten. Denn die Musik der sich sinnlos zu Tode frickelnden
Gitarristen, der quietschenden Sänger und der Schmalzballaden wartete
in den letzten Jahren doch eher mit Masse statt Klasse auf. Das hat nun
ein Ende. Ausgerechnet aus England kommen DRAGONFORCE, die mit „Valley
Of The Damned“ ein mehr als beachtliches Debüt vorlegen. Dabei schieben
sie die meisten Veröffentlichungen der letzten Jahre aus dem Stratovarius-,
und Rhapsody-Kopisten-Lager wie ein Schneepflug beiseite. Der Grund für
diese Euphorie ist einfach der, daß DRAGONFORCE mit ihren Songs wahrlich
echte Feuerwerke an Melodien auffahren. Die Refrains sind mitunter ellenlang,
gehen beim ersten Mal Hören ins Ohr und nutzen dennoch nicht so schnell
ab. Zwar muß man schon auf die Stimme von Sänger ZP Theart,
der hoch und klar singt, Bock haben, doch es gibt weitaus größere
Nervensägen in diesem Bereich. Das größte Plus an „Valley
Of The Damned“ hingegen ist freilich das famose Gitarrenspiel der Klampfer
Herman Li und Sam Totman. Gitarrenhelden und Flitzefinger gibt es sicher
viele. Traumwandlerisch die Skalen rauf und runterfiedeln können sie
alle. Doch die eigentliche Kunst, nämlich Läufe und Melodien
für die Ewigkeit zu schreiben sowie Herz und Seele in das Spiel mit
einfließen zu lassen, das beherrschen nur wenige. Li und Totman sind
schon lange auf den Trichter gekommen, daß Gefühl, Härte,
Geschwindigkeit und Abwechslungsreichtum Faktoren sind, die man nicht einfach
aus dem Lehrbuch pauken kann wie etwa Jahreszahlen im Geschichtsunterricht.
Keine Frage, „Valley Of The Damned“ ist eine verdammt starke Scheibe geworden.
THOMAS HEAVEN SHALL BURN "Antigone" 8 Century Media, 2003
Da spitzt man neidvoll die Ohren,
wenn ein klassisches Orchester das unglaublich schöne "Echoes"-Intro
anstimmt. Erst recht, wenn man weiß, daß das Stück von
einem Typen namens Olafur Arnalds extra für HEAVEN SHALL BURN komponiert
wurde. Welch Melancholie, welch Melodie. Und wie zerbrechlich.
JUB TOTENMOND „Unter Knochen“ 5 Massacre/Soulfood, 2004
TOTENMOND, die Band der Gegensätze
ist zurück. Zum einen fahren sie das totale Brett auf, roh, primitiv
und düster, und zum anderen versuchen sie, die Langsamkeit neu zu
definieren. Vielerorts werden sie ob ihrer originellen Eigenständigkeit
gefeiert, doch viele halten sie für eine dreiste Carnivore- und Crowbar-Kopie.
Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Das Trio hat seine
stärksten Momente, wenn es richtig Lack macht. „Finster Mammut“ knallt
recht garstig, keine Frage. Doch warum in alles in der Welt müssen
solche Ausbrüche meistens mit sterbenslangweiligen Doom-Passagen unterbrochen
werden? Na klar, des Kontrastes wegen werden jetzt einige sagen. Schön
und gut. Nur haben die Bands, von denen sich TOTENMOND beeinflussen lassen,
den Doom in einer solchen Perfektion zelebriert, daß der Versuch,
ihn zu kopieren, einfach scheitern muß. Nicht immer, aber oft. Interessant
hingegen ist „Zu Gast bei den Toten“ ausgefallen. Der Song beginnt als
absoluter Speed-Brecher und mündet in dem monotonsten und langsamsten
Doom, den die Band je aufgenommen hat. Da sägen die Monde dermaßen
an den Nerven, daß es schon wieder geil ist. Dennoch ist „Unter Knochen“
eine Platte, die sicher nicht zu meinen Favoriten wird. Denn sowohl Crustcore
als auch Doom habe ich schon weitaus spannender gehört.
THOMAS NIGHTFALL "I Am Jesus" 9 Black Lotus Records, 2003
Oha, wenn das nicht Blasphemy ist:
"I Am Jesus". Einem Die-Hard-Christen müßten sich bei soviel
Arroganz die Nackenhaare aufstellen. Beim Heavy Metal-Fan übrigens
auch, wenn er sich diese CD der griechischen Band NIGHTFALL zu Gemüte
führt, wenn auch verbunden mit einem angenehmen Schauer. Denn bei
dieser Kapelle handelt es sich um eine echte Entdeckung. Unter Melodic
Death Metal firmierend vereinen sie das, was die Göteborg-Helden und
die finnische Gothic-Armada an Vorzügen aufzweisen haben. Bei NIGHTFALL
stehen Brachial-Gitarren einmütig neben melancholischen Melodien,
legt sich die rauhe Stimme Efthimis Karadimas' über wohlige Klampfen-Leads
von George Bokos. Dabei sind Stücke entstanden, die Euch bereits nach
einmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf gehen. So zum Beispiel "Pale
Crescendo Of Diamond Suns" oder "Treasures In Aramaic Tears Echelon".
JUB PROSTITUTE DISFIGUREMENT "Deeds Of Derangement" 8 Morbid Records, 2003
Aufgepaßt! Diese Holländer
sind viel besser als sie im ersten Moment mit ihren Schweinchen-Grunzlauten
erscheinen mögen, denn viel zu viele Grind-Bands benutzen diesen Gesangsstil.
Hier paart sich die pure Ich-grummel-in-eine-leere-Regentonne-Monotonie
mit trefflichen Death Metal-Songs, die den meisten Kollegen aus PROSTITUTE
DISFIGUREMENTs Heimatland in nichts nachstehen. Zieht man zum Beispiel
Severe Torture als Vergleich heran, gehen die hier nicht weniger brutal,
dafür aber feinsinniger zu Werke. Feinsinn und Brutalität? Das
geht, wenn man bedenkt, daß viele der unmenschlichsten Serienmörder
Intellektuelle waren.
JUB TRANSGRESSION „Redrum“ 4 Eigenproduktion, 2000
Bei dieser CD handelt es sich um
die Wiederveröffentlichung des 2000er Demos der Band. Inwieweit die
Neuauflage eines Demos Sinn macht, ist natürlich Ansichtssache. Vor
allem, wenn die Musik absolut leise und dünn aus den Boxen säuselt.
Man muß den Lautstärkeregler schon ziemlich aufdrehen, um überhaupt
was hören zu können. Ist dieses Manko mittels leichter Rechtsdrehung
an der Anlage ausgeglichen, hört man einen passablen Death/Thrash-Mix,
der an manchen Stellen munter drauflos poltert und zu einem Höflichkeitsapplaus
meinerseits animiert. Allerdings ist das Geschepper immer wieder mit ziemlich
nervigen Midtempoparts durchzogen, die nun wirklich keinen Grund zur Freude
bieten. Wenn TRANSGRESSION auch schnell gespielt durchaus ihre Reize haben
und leicht punkten konnten, so reißen sie mit ihren unspektakulären
bis nervig-eintönigen, langsamen Passagen das Aufgebaute wieder ein.
Unterm Strich bleibt „Redrum“ eine gesichtslose Scheibe ohne nennenswerte
Höhepunkte.
THOMAS HIGHLAND GLORY „From The Cradle To The Brave“ 5 Massacre Rec., 2003
HIGHLAND GLORY gehören zu der
Sorte Heavy Metal-Bands, die beinahe alles richtig machen und die doch
niemand notwendigerweise braucht. Die Norweger bauen schöne Akustikparts
in ihre Songs, auf die ausufernde Soli folgen. Die Chöre sind nett,
nicht zu Stammtisch-mäßig und auch nicht zu abgehoben. Der Gesang
ist nicht zu schwul, und Running Wild scheinen bei der Auswahl der Riffs
Pate gestanden zu haben. Dennoch bleibt nach Beendigung der Hördurchläufe
der CD zu wenig im Gedächtnis zurück. Zu viele Bands spielen
eine ähnliche Art des melodiebewußten Heavy Metals deutlicher
europäischer Prägung, der oft jedoch eindrucksreicher, härter,
verspielter oder überzeugender ist, so daß HIGHLAND GLORY ihre
Duftmarke nur bedingt erfolgreich in den Metal-Dschungel setzen konnten.
THOMAS WUTHERING HEIGHTS „Far From The Madding Crowd" 10 Locomotive, 2003
Eine Kate-Bush-Coverband? Hätte
bestimmt Witz, erst recht, wenn man den Songs der Dame einen fetten Metal-Stempel
verpassen würde. Aber nichts dergleichen. Vielmehr haben wir es hier
mit einer der wohl stärksten dänischen Bands zu tun, die jemals
das Land der Pornographie hervorbrachte.
JUB COCKROACH „Temple Of Mystery“ 6 Supreme Chaos Rec., 2003
Seit über einer Dekade schon
treiben COCKROACH aus Marbach am Neckar in der Szene ihr Unwesen. Unlängst
erschien ihre dritte Scheibe, „Temple Of Mystery“. Die vier Musiker zocken
einen recht old-schooligen Thrash Metal mit Bay Area-Prägung, der
absolut nicht antiquiert wirkt. Die Band bietet keine Überraschungen
in Form neumodischer Zugeständnisse oder Einwirkung stilfremder Zutaten.
Dennoch ist die Musik nicht nur alten Szenehasen gerecht. Denn die Mischung
aus Groove, stampfenden Rhythmen und satten Chords mit kraftvollem Gesang,
die COCKROACH auf der CD fabriziert, geht schon ziemlich ins Genick. Dennoch
fehlt mir noch ein Überknaller auf der CD. Ein Funke, der die explosive
Mischung zum Detonieren bringt. So ist „Temple Of Mystery“ eine Mittelklassescheibe
geworden, wenn auch mit Tendenz nach oben.
THOMAS BRAZEN ABBOT "Guilty As Sin" 8 Steamhammer/SPV, 2003
Bands und Scheiben, die vor allem
Deep Purple als Inspirations-Quelle entdecken lassen, werden vermutlich
nie aussterben. Zumindest nicht in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren,
solange es Leute gibt, die entweder mit der Deep Purple-Musik groß
wurden oder von der übermächtigen Druckwelle, die die Band hinterließ,
immer noch mitgerissen wurde.
JUB |