ABGEHÖRT vom 13. Juli 2004

THE QUILL
"Hooray! It's A Deathtrip"
Erschienen: 2003
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.thequill.se
THE QUILL - Hooray! It's A Deathtrip On Air: "American Powder"
Na, da hat sich ja einiges getan. Waren THE QUILL für mich bisher eine von vielen (wenn auch recht gute) Stoner Rock-Bands, sind die Schweden mit "Hooray! It's A Deathtrip!" jetzt in die Meisterriege aufgestiegen. Auch wenn sich die Band aller groovenden, phantasievollen, schwerfälligen und steinharten Vorzüge der 70er-Jahre-Kapellen bedient (Led Zeppelin zum Beispiel in "Hammerhead") und sie als Basis den Soundgarden-Stil gewählt zu haben scheint, ist hier ein Album entstanden, das vor Song-Ideen birst. Nur allzu oft schleppen sich auf Platten dieser Art die Song mühsam durch halbgare Melodien, geht es doch oft nur um drogenschwangere Atmosphäre. Nicht so THE QUILL. Die rocken ultrafett nach vorn. Und wenn sie sich zurücknehmen, hat das Stil. 9 von 10
JUB

CRYONIC TEMPLE
"Blood, Guts & Glory"
Erschienen: 2003
Label: LMP
Homepage: www.cryonictemple.com
CRYONIC TEMPLE - Blood, Guts & Glory On Air: "Triumph Of Steel“
Mache ich es Euch mal leicht: "Mercenaries Of Metal", "Swords And Diamonds", "The Story Of The Sword", "Triumph Of Steel", "Long Live The Warriors". Wo mag eine Band musikalisch zu Hause sein, wenn sie solche Titel-Zeilen hat? Denkt Euch die "Keeper"-Helloween mit mehr Wucht, Blind Guardian mit weniger Pomp, Manowar zum ersten Mal unbeschwert und Primal Fear mit viel besseren Melodien - und Ihr bekommt CRYONIC TEMPLE.
"Blood, Guts & Glory" ist bereits das zweite Album der Schweden, die so um 1996 aus der Taufe gehoben wurden. Aus einer recht unsteten Stilsuche und diversen Musikerwechsel wurde eine Band, die dem klassischen Heavy Metal-Genre zwar nichts hinzufügt, es aber enorm bereichert. Wer diese so genannten Melodic/Power/Speed Metal-Bands der Neuzeit nicht so sehr mag, das Zeug allerdings nicht völlig ablehnt, kann bei CRYONIC TEMPLE unter Umständen eine Bekehrung erfahren. 9 von 10
JUB 

W.A.S.P.
"The Neon God: Part 1 - The Rise" 
Erschienen: 2004
Label: Sanctuary/Noise
Homepage: www.waspnation.com
W.A.S.P. - The Neon God: Part 1 - The Rise On Air: "Sister Sadie (And The Black Habits)"
Jetzt ist der Schulterschluß endgültig vollzogen: Gab es auf "The Crimson Idol" (1992) die bis dato deutlichsten musikalischen Verweise auf die Musik von The Who (das "The Real Me"-Cover mal außen vor gelassen), werden auf "The Neon God: Part 1 - The Rise" das Schaffen von Pete Townshends Rabaukencombo und Blackie Lawless Hang zu konzeptionellen Werken zusammengeführt. Abgesehen davon, daß Blackie seine Schlagzeuger immer wieder dazu zu zwingen scheint, wild über die Felle zu rotieren wie einst Keith Moon (in diesem Falle war's Frankie Banali), hat er mit "Wishing Well" mal eben eine Fortsetzung von "The Real Me" geschrieben. Auch ist immer wieder der Townshend-Stakkato-Anschlag auf der Akustischen zu vernehmen und arbeitet Lawless mit extremen dynamischen Brüchen, wie sie den The Who-Konzept-Werken nur allzu eigen waren. Aber auch die Geschichten nähern sich an. Sicher kann man Parallelen zwischen seinem Neon God und Jonathan Steel von "The Crimson Idol" ausmachen. Viel stärker sind allerdings die Bezüge zur Tommy-Figur aus der gleichnamigen Rock-Oper von The Who aus dem Jahr 1969. So wie der Neon God mit Kindheits-Traumata zu kämpfen hat, macht Tommy ebenfalls so einiges durch. Schließlich enden beide Figuren als eine Art Erlöser, denen es gelingt, ihre Anhängerschaft zu manipulieren. Tommy zwar eher ungewollt, der Weg zu diesem Status ist allerdings bei beiden von der Suche nach Anerkennung und Zuneigung geprägt. Ebenso von der Suche nach sich selbst.
Wer die Entwicklung von W.A.S.P. verfolgte, wird sich erinnern, daß es einst mit schockierendem aber musikalisch partytauglichem Glam Metal los ging, der sich allerdings schon immer durch seine eigentlich unfassbaren Melodien vom Rest der Ami-Szene abhob. Mit "Headless Children" wurden W.A.S.P. nachdenklicher, auch musikalisch anspruchsvoller, was in "Crimson Idol" seinen Höhepunkt erfuhr.
Danach war auch Blackie eine zeitlang auf der Suche, konnte mit seinem Album "Dying For The World" (2002) aber alte Höhen erklimmen. Und beschritt gar neue Wege, die der Band eine unbekannte Dimension eröffnete. "Neon God" vereint die Genialität von "Crimson Idol" mit den neuen Erfahrungen von "Dying ..." (in "The Red Room Of The Rising Sun" nimmt Blackie das musikalische Thema von "Trail Of Tears" auf).
Ich zähle zu jenen, die W.A.S.P. seit ihren ersten Alben zu Beginn der 80er für eine der absolut stärksten Heavy Metal-Bands alle Zeiten halten. Daß dies nicht von ungefähr kommt, haben die Kollegen um Lawless mit "Neon God ..." nachdrücklichst unter Beweis gestellt. Daß die Kapelle im Verhältnis zu ihrer Musik doch einen recht begrenzten Fan-Kreis hat, wird vor allem an Blackies extremen Shows (frauenfeindlich, sexistisch, splattrig, tabulos, antichristlich) liegen, zum anderen aber sicher mehr und mehr an der Tatsache, daß sich der W.A.S.P.-Mastermind als denkender Mann entpuppt hat, der schonungslos Machenschaften in Politik und Plattenindustrie thematisiert. Dieser Typ ist eine Ikone, die ihr Ding von Anfang an durchgezogen hat, ohne sich zu verbiegen. 10 von 10
JUB

ENSIFERUM
"Iron" 
Erschienen: 2004
Label: Spinefarm Rec./Ranka Publ.
Homepage: www.ensiferum.com
ENSIFERUM - Iron On Air: "LAI LAI HEI"
Hinein in den Film. Auch wenn uns "Ferrum Aeternum" noch ein klein wenig Western-Flair suggeriert, geht es doch in den kalten und unwirtlichen Norden. ENSIFERUM entführen uns mit "Iron" in die Welt ihrer Vorfahren, deren Alltag vor allem aus dem siegreichen Bestehen der unterschiedlichsten Kämpfe bestand. Und wie heroisch es dabei zuging, wird in der Musik der Finnen nur allzu deutlich. Leidenschaftlicher Gesang von ausgelassen über mannhaft und klagen bis hin zu aggressiv im Einklang mit Musik von Volk über Power bis zu Melodie Deut, eingerahmt von einem Frontcover, das unmißverständlich die Ausrichtung von ENSIFERUM deutlich macht. Wenn Finntroll vor allem eine Menge Spaß bereiten und zum ausgewimpten Mittanzen animieren, sind es bei dieser Band tatsächlich vor allem Bilder, die einem immer wieder vor Augen kommen. Nehmen wir nur "LAI LAI HEI" - dieses Lied bündelt das gesamte Konzept dieser Musik: Reiner Folk in finnisch vorgetragen trifft auf heftigste Heavy Metal-Attacken, wird von Sauflied-Chorälen abgelöst, um schon wenig später in Melancholie zu versinken und dann wieder zu knallen.
Aus Finnland kommen zur Zeit ganz dolle Truppen, die den Folk-Sektor bedienen. Nach Finntroll jetzt ENSIFERUM und damit ist noch lange nicht Schluß. Laßt Euch überraschen. 10 von 10
JUB 

NEPHENZY CHAOS ORDER
"Pure Black Disease"
Erschienen: 2003
Label: Red Stream/Baphomet
Homepage: www.oblivioncreations.com/ext/nco/
NEPHENZY CHAOS ORDER - Pure Black Disease On Air: "Control"
Und wenn die ganze Welt ein einziges Blumenmeer wäre - in Schweden würde man immer noch infernalischen Black Metal zelebrieren. NEPHENZY CHAOS ORDER sind das beste Beispiel dafür, daß Mayhemsches Getöse auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch absolut Tonträger-tauglich ist. Könnte Musik zur Materie werden, würden die Songs "Thou Who Parts Flesh" und "Mental Aggression" durch Menschenmassen donnern und nur blutiges Geschredder zurücklassen. Bei N.C.O. wird aber nicht nur gemäht und und marschiert, sondern auch Melodie-Flashs überkommen die Musiker, wie in "Total Abuse" zu hören. Oder man probiert es gar mit Ami-Death-Metal ("Insomnia"). Und schließlich könnte das Stück "Nephenzy Chaos Order" von der Atmosphäre her dem Endstille-Killer "Monotonus" Konkurrenz machen, wenn bei den Schweden dann doch am Ende nicht gar so arg "viel" passieren würde.
Mir war diese Band bisher nicht bekannt, sie soll aber aus Witchery-, Satanic Slaughter-, Nifelheim- und Hypocrisy-Leuten bestehen. Wundern sollte es mich nicht, ist dieser Black Metal hier doch auf einem äußerst hohen Level anzusetzen. 9 von 10
JUB

ISACAARUM
"Menses Exorcism"
Erschienen: 2003
Label: Obscene Productions
Homepage: ---
ISACAARUM - Menses Exorcism On Air: "Rhythmic Balls"
Tampons, blutdurchtränkt, drappiert um ein aus Draht gefertigtes Pentagram. Dazu Booklet-Bilder, die zwischen schwulem Sado-Maso-Sex und kannibalischer Mordlust pendeln. Wenn das keine Japaner sind, können es eigentlich nur Tschechen sein. Und richtig: ISACAARUM stammen aus dem derzeitigen europäischen Grindcore-Pool Tschechei. Und daß dort die Perversionen nur so zu sprudeln scheinen, belegen uns einmal mehr diese Jungs hier. Denen geht es zum Beispiel nur darum, sich gegenseitig anzupieseln, beim Sex das Menstruationsblut zu schlecken, die Schniepels zu bearbeiten, sich auf die Bälle zu hauen usw. Dazu hören die ISACAARUM-Leute vermutlich viel Old-School-Death-Metal in der ruppigen Version von Master. Ihre eigene Musik reichern sie immer wieder mit Blast-Parts an, die mit der stoisch vor sich hin klöppelnden Snare ziemlich dröge klingen. Fetziger sind ISACAARUM immer dann, wenn sie zu grooven versuchen, denn die Band bemüht sich durchaus um Songs, die auch mal in die Fußspitzen gehen dürfen. Stimmlich schwellen hier natürlich die Halsschlagadern, zwischen kehligem Kreischgesang und verfälschtem in die Tupper-Bückse-Gebrülle ist so einiges dabei. 5 von 10
JUB 

V. A.
"Beyond Inspiration - A Tribute To Uli Jon Roth"
Erschienen: 2003
Label: Lion Music/GerMusica
Homepage: www.larsericmattsson.com
V.A. - Beyond Inspiration - A Tribute To Uli Jon Roth On Air: "Dark Lady"
Wer ist Lars Eric Mattsson? Und vor allem - Warum will ich das wissen? Nun, wenn sich jemand aufschwingt, dem guten alten Uli Jon Roth per Tribute-Album zu huldigen, sollte man zumindest einmal ein Ohr riskieren. Und es lohnt sich.
Mattsson ist ein schwedischer Gitarrist, der vor allem im Prog-Bereich einige Lorbeeren erringen konnte. Die Bands, in denen er mitwirkte, nennen sich Vision, Astral Groove und Condition Red. Darüberhinaus gab es mit ihm schon mal ein Tribute-Tonträger für Jason Becker.
Jetzt ist Uli dran, der in den 70er Jahren den Sound der Scorpions wesentlich mitbestimmte und einen weitaus stärkeren Einfluß auf die Hannoveraner hatte als Michael Schenker, der hier nur als Halbwüchsiger Nachwuchsgitarrist agierte. Eine weitere Spur in der Rock-Szene hinterließ Roth mit den Alben von Electric Sun. Lars Eric Mattsson gibt uns im Booklet zu verstehen, daß ihn das Gitarren-Spiel des Heavy-Metal-Hippies einst nicht nur begeisterte, sondern vor allem prägte. Als Schlüssel-Erlebnis gibt er das Doppel-Live-Album der Scorpions "Tokyo Tapes" (1979) an. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn die Scorpions waren zu jener Zeit d e r maßgebliche deutsche Heavy-Metal-Act und das Live-Album einfach nur ein unglaublicher Knaller.
Nun, und so trommelte Mattsson eine Reihe von Musikern zusammen, die seine Leidenschaft - wenn nicht alle teilen, so doch zumindest verstehen. Die Namen rekrutieren sich aus der dritten Reihe: Lance King - voc (Balance Of Power) oder James Byrd - git (einst Fifth Angel) zum Beispiel. Wichtig sind an diesem Projekt überhaupt die Klampfer: Chris Sterbel (Project: Alcazar), Joop Wolters (Arabesque, Elysion), Tony Hernando (Mystheria), Rolf Munkes (Razorback, Majesty, Empire), Petrossi Dushan (Iron Mask), Torben Enevoldsen (Section A), Cyril Achard (Taboo Voodoo, Double Heart Project, The Alchemist), Thorbjörn Englund (Winterlong), Neal Grusky (Takara), William Stravato, Alex Masi, Paul Nelson (Liege Lord), Eric Sands (Man On Fire, Truth Of Fiction). Alles Namen, die den Spezialisten etwas sagen, wo jedoch selbst der überdurchschnittlich gut informierte Heavy-Metal-Fan passen muß. Das sagt aber nichts über die Qualität der Musiker aus, denn die sind durch die Bank wirklich alle von allererster Güte. Es bleibt zwar immer eine fader Beigeschmack, wenn Gitarristen den Stil eines Vorvbilds zu imitieren/interpretieren versuchen, bei diesem Album liegt der Reiz allerdings auch vor allem im Gestalten zum Teil wirklich sehr bekannter Stücke, die in den 70ern unter den Heavy-Metal-Fans gar Gassenhauer-Status besessen haben dürften, stammen die maßgeblichsten Stücke doch aus dem Schaffen der Scorpions: "Dark Lady", "Yellow Raven", "Pictured Life" oder "Polar Nights" zum Beispiel. Die Aufgaben werden vornehmlich sehr gut gelöst. Einiges ist sogar schwer beeindruckend. In den Sand gesetzt wurde hier eigentlich nichts (außer vielleicht das an manchen Stellen übertriggerte Schlagzeug). Wenn einem mal ein Stück in der vorliegenden Version nicht gefallen sollte - wie mir zum Beispiel "Firewind" - ist das wohl mehr eine Geschmacksfrage. 8 von 10
JUB

MORGAIN
"Abandoned In The Forest Of Weariness
(The Call Of Fairie)"
Erschienen: 2004
Label: Metal Age Prod./Twilight
Homepage: www.morgain.sk
MORGAIN - Abandoned In The Forest Of Weariness On Air: "... And Reality Hurts"

Es gibt doch den Studenten Rock. Mir fallen da auf Schlag keine Namen ein, wer aber Viva guckt, weiß, was ich meine. Hier haben wir das Gegenstück dazu: den Dozenten Rock. Die sieben Mitglieder dieser slowakischen Band, die gerne Gothic machen möchte, sehen auf jeden Fall schon mal wie ein Lehrerzimmer aus. Vor allem die drei Frauen - Gesang, Keyboard und Akkordeon - könnten biederer nicht sein. Die Männer stehen dem kaum nach. MORGAIN sind im bürgerlichen Leben garantiert alle irgend etwas banales. Dementsprechend klingt auch die Musik. Die Gitarre hat einen Härtegrad wie bei Britney Spears' "I Love Rock'n'Roll"-Version, das Keyboard klingt wie in der benachbarten Kita geklaut. Und daß eine siebenköpfige Truppe auf Computer-Drumming zurückgreifen muß, weil der Schlagzeuger fehlt, ist der Gag schlechthin.
Die Songs taugen nicht die Bohne. Langweilige Melodien, tötende Arrangements, ein Sänger, der sich nicht wirklich traut zu singen. Daß diese Leute mit Schlagermusik vom Schlage Helena Wondratschkova, Vaclav Neckar oder Jiri Korn, Josef Laufer und Karel Gott groß geworden sind, hört man in jedem Ton.  2 von 10
JUB

DISINTER
"As We Burn" 
Erschienen: 2004
Label: Morbid Rec./Soul Food
Homepage: www.disinter.com
DISINTER - As We Burn On Air: "Go Away And Rot!!!"
Wollt Ihr das totale Brett? Fuckin' DISINTER schauen dieser Tage mal wieder bei uns vorbei, um unsere Möbel mit "As We Burn" gerade zu rücken. Gleich mit dem Opener "Go Away And Rot!!!" machen sie unmißverständlich klar, daß sie einerseits eine der erlesensten Trümmerbands dieser Szene sind, und zum anderen, daß sich Humor und Death Metal nicht zwangsläufig ausschließen. Daß DISINTER mit ihren Alben immer wieder ins Schwarze treffen, liegt zu einem nicht ganz unerheblichen Teil daran, daß die Chicagoer nicht den Fehler begehen wie viele andere Bands es immer wieder tun. Das Quintett versucht nicht, krampfhaft die Erfolgsrezepte angesagter Genrekollegen eins zu eins zu kopieren. Statt dessen hören wir auf "As We Burn", wie sich Elemente aus dem Thrash, dem Punk und dem Crustcore friedlich mit der rohen Energie und der Technik des Death Metals paaren. Dabei entsteht ein ungezügelter Bastard aus Raserei, Aggressivität, Melodie und gesunder "Leck mich am Arsch!"-Mentalität. Dieser bricht unsere Genickchen wie trockene Salzstangen im Sekundentakt. Dennoch sind die Chicagoer Frohnaturen nicht auf Nummer Sicher gegangen und haben "Demonic Portraiture"-Teil II aufgenommen. Im ersten Moment war es eine kleine Enttäuschung, auf "As We Burn" nicht dieselben, beinahe schon in orgiastischem Rausch gespielten Hymnen zu hören wie auf dem Vorgänger. "As We Burn" ist gradliniger, direkter als sein Vorbote. Doch nach dem zweiten Durchlauf hat man sich an die neue Marschrichtung gewöhnt, bzw. sieht die Unterschiede nicht mehr ganz so drastisch.
Im direkten Vergleich wiegen beide Platten gleich schwer, und es ist unüberhörbar, daß beide Scheiben von der selben Band sind. Nur ist der neue Geniestreich eben aus anderem Holz geschnitzt. So, und nun geht einfach weg und verfault! 9 von10
THOMAS 

V8 WANKERS
"Automotive Rampage"
Erschienen: 2003
Label: Rude Records/True Music Pomotion
Homepage: www.v8wankers.com
V8 WANKERS - Automotive Rampage On Air: "Rock'n'Roll Dictator"
Motörhead, AC-DC, Rose Tattoo - das sind die Zutaten, aus denen "Automotive Rampage" zubereitet wurde. Unter diesen drei Markenzeichen kann sich so ziemlich jeder halbwegs begabte Heavy Metal-Fan etwas vorstellen. Fans dieses Car Rocks, dieses Punk'n'Roll oder Party Metals und Schweine Rocks werden sich witternd aufrichten, wenn ich die Two-Bit Thief ins Feld führe. Denn genau das Flair dieser Band umweht auch die V8 WANKERS. Und die Thiefs sind ja bekanntlich fast nicht zu toppen.
Auf "Automotive Rampage" wird urwüchsig gerockt, werden schweißtreibende Riffs aus den Gitarren gepeitscht, Lutz Vegas röhrt wie Thiefs Andyboy und der Sound ist staubtrocken, daß man meinen mag, die Jungs stehen im Wohnzimmer und mischen Deine Geburtstagsparty auf. Hier klingt jedes Instrument so wie es heißt.9 von 10
JUB

BORKNAGAR
"Epic" 
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Magic Arts Publ.
Homepage: www.borknagar.com
BORKNAGAR - Epic On Air: "The Weight Of Wind"
Wie entstehen solche Alben? Niemand kann mir erzählen, daß Oystein G. Bruns zum Beispiel Songs wie "Traveller" aus einer Eingebung entwickelt, die ihm vielleicht beim Autofahren kommt. Selbst - um im Bild norwegischer Bands zu bleiben - beim Bestaunen von zugefrorenen Seen oder undurchdringlichen Wäldern fallen einem solche Lieder nicht ein. Vielmehr vermitteln sie den Eindruck eines miefigen Zimmers, das bis zur Decke mit Regalen voll gestellt ist, in denen sich wild durchei
der Ordner, Tonträger und Kleinkrempel türmen und wo ein Computer nebst diversen Mini-Mixern stehen. Und dort sitzt, mit dunklen Rändern unter den Augen und einer Kanne schalem Bohnen-Kaffee auf dem Tisch ein übernächtigter, bärtiger junger Mann, der mit fiebrigen Augen auf den Monitor starrt und fahrig die Maus über den Tisch wandern läßt. Fast ein wenig verwirrt klickt er Noten an, aktiviert Soundprogramme, schneidet, fügt ein, verwirft, schreibt ... Oystein komponiert.
Heraus kommt dabei mit dem neuen Album "Epic" ein Konglomerat aus Rhythmen, Tempi-Wechseln und Melodie-Fragmenten, das intelektuell klingt, nur nicht schön. Die Musik von BORKNAGAR ist anno 2004 vor allem eine Selbstbestätigung des Protagonisten. Wer dem folgt, kann sich als Avantgarde bezeichnen oder ist einfach nur einer schnöden Aufschneiderei aufgesessen.
Damit ist aber nicht gesagt, daß Oystein ein musikalischer Quacksalber ist, denn immerhin konnte er es ja schon einmal besser. Und mit den Songs "Resonance" und "Relate (Dialogue)" liefert er gar zwei Stücke mit, die nicht nur Atmosphäre haben, sondern direkt aufs Zentrum des Hörnervs zielen. So das ganze Album, und man hätte sich verneigen können. Aber leider hat sich der Musiker selbstverliebt in Experimente verirrt, die einfach keinen Spaß machen wollen. 4 von 10
JUB

CRYOGENIC
"Parsifal 21" 
Erschienen: 2003
Label: Neon Knights/Soul Food
Homepage: ---
CRYOGENIC - Parsifal 21 On Air: "Synthese"
Wenn man Black Metal auf die alte, traditionelle Weise spielt, kann man, wenn man die Musik im Blut hat, ziemlich gnadenlosen Teufelsrock zocken und mit allerlei Mummenschanz vielleicht noch Schulkinder, Rentner oder einige eifrige Pastoren verschrecken (siehe Gorgoroth in Polen), doch manche Musiker fühlen sich von der reinen Lehre doch arg limitiert. Die meisten, die sich darob der Anbiederung an die Gothic-Szene genötigt sahen - oder noch schlimmer, dem Schlagergenre nicht allzu entfernt schienen, wurden nicht selten von der Masse geliebt, und von der Undergroundszene geächtet.
Nur wenige Bands konnten den Wechsel vom urwüchsigen Gerumpel hin zum eigenständigen Sound glaubhaft bzw. mit Bravour meistern. Nun, was haben CRYOGENIC damit zu tun? Ganz einfach: Die neue CD "Parsifal 21" stellt kein reines Old School-Bekenntnis dar. Die Platte ist mit breiten Keyboardsounds angereichert und könnte bei oberflächlichem Hinhören als Dimmu Borgir–Verehrung durchgehen. Doch man wird schnell eines Besseren belehrt. Die Berliner schaffen es, originelle Ideen, wie zum Beispiel den Einsatz einer Hammondorgel, rückwärts abgespielte Snareschläge und coole Effekte in ihre Songs einzubauen. Dadurch, daß die Lieder an sich schon mit Abwechslungsreichtum auftrumpfen, erhalten sie nochmals eine interessante Note. Es werden zwar wahrlich keine Geschwindigkeitsrekorde gebrochen, weder Tod noch Teufel propagiert, dafür bekommt man eine Black-Metal-CD, welche die Anhänger dieser Musik sicherlich nicht zu "Verräter!!!"-Schreien veranlassen wird, da sich CRYOGENIC keiner anderen Band vor die Füße werfen und ihre eigene Vision verfolgen. Diese CD ist des Hörens wert. 7 von 10
THOMAS

TRIVIUM
"Ember To Inferno"
Erschienen: 2003
Label: Lifeforce/MKH Prod.
Homepage: www.trivium.org
TRIVIUM - Ember To Inferno On Air: "If I Could Collapse The Masses"
Wem MTV-Bands á la Linkin Park nicht sofort ins Ohr gehen, der wird mit TRIVIUM so seine Probleme haben. Nicht, daß die Band aus Florida Chart-kompatibel wäre, aber daß sich die jungen Burschen dieser Truppe der Moderne verpflichtet fühlen, ist deutlich zu hören: Hardcore-Vocals, steifes Gitarren-Gehacke, das - wie in "The Burn To Eye" - selten rock'n'rollt plus clean gesungene Melodiefragmente, die immer klagend lang gezogen werden, wie Sirenen aus dem Nebel. Harmonische Gesangsparts im Sturm kennen wir auch aus dem Melodic Death vieler skandinavischer Bands. Dies hier erinnert in seiner Art aber doch eher an die eingangs erwähnten us-amerikansichen Kollegen von TRIVIUM. Was wohltuend fehlt, sind jegliche Skater-Grooves und Hip Hop-Anklänge, vielmehr mischt sich hier Hardcore mit Thrash Metal. Das machen TRIVIUM nicht gerade geschickt, es bleibt aber hörbar. 5 von 10
JUB

THE AGONY SCENE
"The Agony Scene"
Erschienen: 2003
Label: Century Media
Homepage: www.theagonyscene.com
THE AGONY SCENE - The Agony Scene On Air: "We Bury Our Dead At Dawn"
Beim ersten Durchlauf dominieren das nahezu unmenschliche Gekreische von Michael Williams und die im Stakkato-Wahn vor sich hin ratternden MG-Gitarren. Rhythmus und Wut quasi. Daß es damit bei THE AGONY SCENE allerdings nicht abgetan ist, zeigt - so man nicht schon nach vier, fünf Songs dahintersteigt - der zweite Durchlauf dieses Debüts. Denn, was uns - oberflächlich belauscht - Monotonie suggeriert, entwickelt sich mehr und mehr zu raffiniert ausgearbeiteter Tonkunst. Nun, vielleicht ein wenig hochgestochen ausgedrückt, gibt es bei diesem selbstbetitelten Teil der Amis doch vor allem gnadenlos auf die Backen. Trotzdem verbergen sich hinter diesem Abrißbirnen-Lenker durchaus ein paar Degenfechter. Und so verwundert es überhaupt nicht, daß "Paint It Black" von den Rolling Stones in der Version von THE AGONY SCENE spritzig daherkommt. Die Hardcore-Vergangenheit hört man der Band zwar an, Heavy Metal aus der Thrash-Schublade und dem Death-Schmuck-Kästchen haben aber längst die Oberhand gewonnen. 7 von 10
JUB

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