ROYAL
HUNT "The Mission" 5
Frontiers
Rec./Now & Then/XIII Bis Rec./Point Music, 2001
Fast gänzlich
nach dem Intro/Song/Intro/Song-Prinzip kommt die neue CD von ROYAL HUNT,
"The Mission" betitelt, daher. Musikalisch bekommt man griffigen
aber nie richtig schnellen, progressiven aber nie überladenen Melodic
Metal zu hören. Dieser ist nie aufdringlich, fast schon zahm, keine
minutenlangen Gitarre/Keyboard-Duelle, keine achtarmigen und sechsbeinigen
Schlagzeuger und kein stetes Austesten der Oktavskala beim zarten Sangesbarden.
Und deswegen auch verträglich. Die ein oder andere Melodie muß
zwar direkt aus der kindlichen Gemütsseite des Keyboarders Andre Andersen
entsprungen sein, aber so sind sie halt, die ROYAL HUNTs.
Was mir mehr
Sorgen macht, sind die Texte der Band. In "The Mission" erzählt man
uns was vom Missionieren der heidnischen Narren, bei "Judgement Day" hadert
man im Hause ROYAL HUNT mit der Brutalität der Welt. Bei "World Wide
War" zeigen sie sich mehr besorgt um die zunehmende Computerisierung unserer
Umwelt und im Gegenzug dazu prangt die Webadresse der Band auf dem Backcover
der CD.
Wenigstens
für Letzteres kann man Verständnis aufbringen.
"The Mission"
THOMAS
DARKANE
„Insanity“ 7
Nuclear Blast,
2001
„Calamitas“
„Wie NDR 4,
die Klassik-Matinee“, habe ich beim Intro von „Calamitas“ gedacht. Können
die Jungs aber eigentlich nicht kennen, sind ja aus Schweden.
Die Rede ist
von DARKANE, eine Mitte der 90er Jahre gegründete Band. Dieser Fünfer
agiert auf seiner zweiten Veröffentlichung „Insanity“ auf höchstem
Niveau. Nicht nur, was das Spieltechnische betrifft, sondern auch in Sachen
Songwriting haben die Jungs einiges vorzuweisen. Wenn ihre Melodien auch
nicht denen solcher Aushängeschilder wie In Flames oder Dark Tranquillity
das Wasser reichen können, sind sie doch eingängig genug, um
nach - wohlgemerkt - einmaligem Hören haften zu bleiben. Ansonsten
wird überwiegend das absolute Härte-Getrümmer geboten. Zu
vergleichen vielleicht mit der neuen Soilwork (siehe
INTEREGNUM vom 09. Oktober). Allerdings - und auch an dieser Stelle
gibt es einen Bezug zu eben genannter schwedischen Band - hat man es mit
einigen modernen Einflüssen etwas übertrieben. „The Perverted
Beast“ oder „Pile Of Hate“ zum Beispiel sind nah am Hardcore. In der Gesangslinie
passiert außer stumpfsinnigem Ein-Ton-Gebrüll nämlich nichts.
„The Perverted
Beast“
Davon sollte
sich aber niemand abschrecken lassen. Zum einen ist auch in solchen Songs
die Gitarrenarbeit hörenswert, zum anderen gibt es eine ganze Reihe
anderer Stücke, die den negativen Punkt durchaus relativieren.
JUB
SILENT
FORCE "Infatuator" 8
Massacre/Connected,
2001
So langsam
kann ich mich mit dem ganzen Melodic Metal-Zeug, welches in letzter Zeit
so veröffentlicht wird, anfreunden. Nicht ganz unschuldig daran sind
unter anderem auch SILENT FORCE. Die Band um Gitarrist Alexander
Beyrodt war mir schon mit ihrer letzten Veröffentlichung "The Empire
Of Future" positiv aufgefallen. In dieselbe Kerbe schlägt nun auch
die neue Scheibe der Band, "Infatuator". Will heißen, Melodie und
Härte gehen schön brav Hand in Hand und vertragen sich die ganze
Spielzeit über. Mit den Frickeleien hält sich das Musikerkollektiv,
den Songs zuliebe, zurück. Die Musikanten nerven nicht mit Egotrips,
welche einen stets fahrig werden lassen. Doch Alex Beyrodt wäre wohl
nicht Alex Beyrodt, hätte er sich für solche Aktionen nicht auch
eine kleine Nische geschaffen. In diesem Falle ist es die Trilogie, bestehend
aus den Liedern "Cena Libera", "Gladiator" und "The Blade", über die
sich Alex' alter Musiklehrer sicherlich freuen würde. Besonders in
"The Blade" dreht der Herr, der sich stets am aktuellen Zeitgeschehen vorbei
zu kleiden weiß, noch einmal so richtig auf, bis das Griffbrett splittert.
Wie es sich für solch eine Platte gehört, beginnt sie mit einem
schnellen, fast hymnenhaften Opener:
"Infatuator"
Nicht auf
die Fresse gepackt haben sich SILENT FORCE mit der Coverversion von Judas
Priests "All Guns Blazing" von deren Götteralbum "Painkiller". D.C.
Cooper schaft es Rob Halford zu imitieren, ohne sich zum Obst zu machen
wie z.B. Angra bei ihrer "Painkiller"-Coverversion auf dem "Tribute To
Judas Priest"-Sampler seinerzeit. Zwar belassen sie es beim reinen Nachspielen,
aber es geht definitiv schlechter.
"All Guns
Blazing"
Wenn SILENT
FORCE so weiter machen, dürfte sich der Name Alexander Beyrodt zu
einem ähnlichen Qualitätssiegel mausern wie meinetwegen Axel
Rudi Pell. Empfehlenswert.
"All Guns
Blazing"
THOMAS
BAL
SAGOTH „Atlantis Ascendant“ 3
Nuclear Blast,
2001
Wie sagte Marduk-Sänger
Legion in einem Interview mit INTERREGNUM sinngemäß? Ihn würden
diese ganzen Black Metal-Opern am Arsch vorbeigehen? - Mir auch. Und bei
BAL SAGOTH haben wir es ja bekanntlich nicht mit irgend einem Vertreter
dieses Sub-Genres zu tun, sondern mit d e n Bombast-Kasper-Köppen
überhaupt. Musik erklingt hier nicht um der Musik willen, sondern
vielmehr scheint zu jeder Passage erst ein Storyboard gezeichnet worden
zu sein. Selten klang eine Mischung aus Keyboardschwulst, Gitarrenmelodien
und Willkürlichkeit so kitschig wie bei BAL SAGOTH. Ich dachte, mit
ihrer 99er Scheibe, „The Power Cosmic“, hätten sie die Spitze des
Eisbergs erreicht. Falsch. Es geht erst los: „Atlantis Ascendant“ ist noch
dicker aufgetragen. Wer wirklich Zeit und vor allem Lust hat, sich knapp
50 Minuten vor die Boxen zu klemmen, um die BAL SAGOTH-Musik auseinanderzunehmen,
wird die ein oder andere gelungene Weise entdecken. Auch zum Beispiel,
daß sich die Briten neuerdings für Rhythmen aus der russischen
Folklore erwärmen können. Wer aber lieber Filme guckt, statt
hört, sollte hier unbedingt die Finger von lassen.
„The Splendour
Of A Thousand Swords Gleaming Beneath The Blazon Of The Hyperborean Empire
(Part III)“
JUB
DOUBLE
ACTION "Sokaris" 7
Breaker/SPV,
2001
Auf den ersten
Blick mächtig den Ägypter raushängen lassen DOUBLE ACTION
auf ihrer CD "Sokaris". Gleich drei Sphynxen tragen auf dem Cover Fadenkreuzbrillen
mit kleinen Funkgeräten (?!). Auch innen im Cover ist die eine oder
andere Sarkophag-Abbildung zu entdecken. Und der Titelsong befaßt
sich mit der angesprochenen Gottheit Sokaris.
Das wars denn
aber auch mit dem Ägypterzeug.
Musikalisch
gibt es gut rockenden, leicht an Saxon erinnernden Heavy Metal, der recht
kurzweilig dargeboten wird. Knackig und recht druckvoll kommt die Musik
daher, Sänger Pille post zwar scheiße, singt dafür aber
besser. Stellenweise erinnert er wirklich an Mister Byford. DOUBLE ACTION
rocken live sicher das Haus wie Hölle.
"Take My
Hand"
THOMAS
SAXON
„Killing Ground“ 8
Steamhammer/SPV,
2001
SAXON sind
einfach nur geil. Seit 22 Jahren legen die Typen um Biff Byford bereits
beständig Platten in meist gleichbleibender Qualität vor und
werden dabei einfach nicht schlapper. Man kann sich getrost die „Wheels
Of Steel“ von 1980 auflegen und danach die „Killing Ground“, ohne mürrisch
feststellen zu müssen, der Klassiker von einst sei unerreicht. Das
soll nicht heißen, „Killing Ground“ wäre das „Wheels ...“ des
neuen Jahrtausends. Vielmehr geht es um die enormen Parallelen, die man
zwischen SAXON-Scheiben der Spätneunziger und der Frühphase ziehen
kann: knackige Riffs heuer wie einst, Top-Melodien hier wie da. SAXON ist
eine Band, mit der man Heavy Metal herrlich definieren kann.
„Deeds
Of Glory“
Wer Überraschungen
mag, läßt vermutlich schon seit Jahren die Finger von SAXON.
Allerdings könnte ihm da ausgerechnet auf der „Killing Ground“ etwas
entgehen. Denn Byford & Co haben doch tatsächlich eines der absolutesten
Überwerke der Rock-Geschichte gecovert: „The Court Of The Crimson
King“ von King Crimson. Dieser Song war einst auf dem gleichnamigen Debüt-Album
der Art-Rocker 1968 zu finden. Majestätisch, gigantisch und voll Poesie
thronte dieses Werk auf der LP und wurde von King Crimson selbst nie mehr
erreicht. Eigentlich vermessen, soetwas zu covern. SAXON machten allerdings
das genau Richtige. Sie behielten das Erhabene und nahmen dem Stück
lediglich die progressiven Elemente.
„The Court
Of The Crimson King“
JUB
DARKSIDE
"Cognitive Dissonance" 5
Seasons Of
Mist, 2001
Die Band DARKSIDE
kann auf eine mittlerweile zehnjährige Karriere zurückblicken.
In dieser Zeit nahmen die Österreicher drei Alben auf, tourten u.a.
mit Six Feet Under, Therion, Moonspell und Bal Sagoth durch sechzehn Länder,
drehten einen Videoclip ("The Glooming") und sind mit Seasons Of Mist auch
schon bei Label Nr.3 beheimatet.
Aber dennoch
sind DARKSIDE noch lange nicht in die Riege der etablierten Bands aufgestiegen.
Auch ihr neues, viertes Album, "Cognitive Dissonance", wird daran sicher
nichts ändern. Denn DARKSIDE sind ihrem Stil trotz einiger Erneuerungen
treu geblieben. Das heißt Death Metal mit Keyboardeinsätzen,
zum Teil stark im Stakkatorhythmus dargeboten und an manchen Stellen deswegen
langatmig. Doch Neuzugang Radek Hajda an der Gitarre weis im Hintergrund
mit gefühlvollen melodischen Einsprengseln aufzuwarten. So gleicht
sich die bereits erwähnte Langatmigkeit zum Teil wieder aus. Deswegen
mein Tip: Hört euch die Platte öfter an, sie zündet zwar
schwer, ist aber so schlecht gar nicht. Bei "Hymn To The Chosen Ones" erinnern
die Österreicher gar ein bißchen an Rotting Christ meets True
Metal-Heldenchor. Bizarr aber selten. "Cognitive Dissonance" ist nicht
übel, aber auch kein Pflichtkauf.
"Hymn To
The Chosen Ones"
THOMAS
VIRULENCE
„A Conflict Scenario“ 7
Morbid Records/SPV,
2001
Headbanger
aufgepaßt! Bei VIRULENCE habt ihr nicht zehn Sekunden die Chance,
entspannt die Matte wedeln zu lassen. Hier agieren nämlich Verrückte,
die die Mauern zwischen Grindcore und Jazz einreißen. Und da gibt
es bekanntlich einige.
„Your Own
Palestine“
VIRULENCE
sind das beste Beispiel dafür, daß die Metal-Szene vermutlich
die toleranteste überhaupt ist. Wer mußte nicht schon Anfeindungen
über sich ergehen lassen, die immer wieder die Behauptung in sich
trugen, Metal sei keine Musik und die Fans gegenüber anderen Dingen
unaufgeschlossen. Dabei lassen wir tagtäglich von morgens bis abends
im Radio, TV und aus den Stereoanlagen von Bekannten, Freunden und Freundinnen
die unmöglichste Musik über uns ergehen. Und? Wir murren nicht,
denn wir haben uns an diese verkehrte Welt gewöhnt. Aber wehe, man
legt auch nur mal „Breaking The Law“ von Judas Priest in den Player einer
Mittelklasse-Party: Das Geschrei wird groß sein. Dabei wollte man
für ein paar Minuten doch nur einmal ein Pflänzchen in einem
großen Misthaufen wachsen sehen.
Aber ich schweife
ab. Was ich sagen wollte ist, daß VIRULENCE eigentlich erst einmal
Jazz sind. Die Songs sind so vertrackt und mit King Crimson (da haben wir
sie schon wieder)-Zwischenspielen gespickt, daß es einem das Hirn
durcheinanderwedelt. Es wird tatsächlich eine Reihe Leute geben, die
überhaupt keinen Zugang zu dieser Musik finden. Für Technik-Freaks
und jene, die es ab und zu einmal exotisch mögen, ist diese Scheibe
aber wirklich empfehlenswert.
„Texture
Shock“
JUB
CREMATORY
"Remind" 4
Nuclear Blast,
2001
Mit "Remind",
einer Doppel-CD, eine davon live, die andere voll mit raren Stücken
sowie dem 92er Demo der Band, möchten sich CREMATORY aus dem Showgeschäft
zurückziehen.
Auf dem Höhepunkt
der Karriere möchte man mit einem Paukenschlag abtreten. Böse
Zungen behaupten, die Pfältzer hätten ihren Zenit bereits nach
"Illusion" überschritten. Das ist sicher Ansichtssache, meine Begeisterung
für die Band legte sich jedoch auch schon vor ein paar Jahren.
Zehn Jahre
CREMATORY - aus jeder Epoche gibt es einen Song zu hören und zwar
in chronologischer Reihenfolge. Angefangen bei "Face The Unknown", dem
Demosong, über "Eyes Of Suffering" vom Debut und das unvermeidliche
"Tears Of Time", ihrem Hit schlechthin, bis zu Standarts neueren Datums
wie z.B. "Fly", der ersten Single der Bandgeschichte. Alle wichtigen Songs
halt. Der Livesound ist o.k., das alles live ist, wage ich zu bezweifeln.
Aber das Thema mit den heutigen "Liveplatten" hatten wir ja hier schon
an anderer Stelle genügend angesprochen.
CREMATORY-Fans
können aber (und das werden sie) ruhig zuschlagen, denn für sein
Geld bekommt man hier (siehe oben) einiges geboten.
"Eyes Of
Suffering"
THOMAS
SKYFIRE
„Timeless Departure“ 2
Hammerheart,
2001
Irgendwann
ist der Riemen runter. Und bei SKYFIRE ist er jetzt endgültig gerissen.
Dieses schwedische Junggemüse meint, auf die Bombast-Black-Metal-Müllhalde
noch eine Schaufel Dreck hinaufwerfen zu müssen. Jedenfalls
ist dieser Dimmu Borgir/Old Man’s Child-Abklatsch nicht mehr zu ertragen
(ich mag es auch nicht mehr schreiben). Sänger Henrik Wenngren kreischt
sich ohne Nuancen durch sämtliche Stücke der CD, die Songs wabern
zwischen Gothic-Geklimper und Bratz-Parts hin und her. Melodien sind auf
der Scheibe zwar zu finden (und sind zum Teil gar nicht mal schlecht),
wirken aber wie willkürlich eingefügt. Ich kann mir ums Verrecken
nicht vorstellen, daß es Spaß macht, solche Musik zu spielen.
„Dimensions
Unseen“
JUB
THE
FLOWER KINGS "The Rainmaker" 6
Inside Out/SPV,
2001
Mit dieser
Scheibe sollten sich vor allem die Musiker unter Euch angesprochen fühlen.
In den Herzstücken der 7. CD, "The Rainmaker", von den schwedischen
FLOWER KINGS, den drei überlangen Songs "Last Minute On Earth", "Road
To Sanctuary" sowie "City Of Angels" - alle jenseits der zehn Minutengrenze
- toben sich die sechs Musiker plus Gastsaxophonist so richtig an ihren
Instrumenten aus. Meterlange Improvisationsmomente treffen auf melodischen
Rock und entspannte balladeske Parts. Wer auf Easy-Listening Musik steht,
sollte um THE FLOWER KINGS einen großen Bogen machen, denn die Kompositionen
brauchen ihre Zeit, bis sie ihren Sinn entfalten und ins Ohr gehen. Die
technischen Kabinettstückchen, die sich die Band aus dem Ärmel
zaubert, sind für Musiker sicherlich eine nahezu unerschöpfliche
Inspirationsquelle und für Leute, welche auf solche Musik stehen,
sicherlich ein Grund, desöfteren vergnügt jauchzend aufzuspringen
und sich in den Tonkaskaden zu baden. Diese werden mit "The Rainmaker"
ein Album erstehen, welches sich selbst nach dem fünfzigsten Durchlauf
noch frisch und unverbraucht anhört. Diesem Album nähert man
sich als Freund des Geradeaus-Metals am besten über den Umweg einiger
Progressiv-light Platten. Sonst ist ein gewaltiger Synapsenfasching vorprogrammiert.
"Last Minute
On Earth"
THOMAS
IRON
FIRE „On The Edge“ 9
Sanctuary
Rec/Noise/T&T, 2001
IRON FIRE sind
eine der Drei-Stufen-Bands. Man steigt mit dem für meine Begriffe
recht albernen Bandnamen ein, bereitet sich auf eines der typischen Power
Metal-Alben vor und denkt sich, daß von Dänen eh nichts Vernünftiges
kommen kann. Stufe 2 ist die erste Begegnung mit der Musik, die anfangs
recht oberflächlich erfolgt, da man ja nichts Besonderes erwartet.
In der dritten Stufe dreht man den Lautstärke-Pegel höher, bleibt
an der einen oder anderen Stelle gebannt vor der Anlage sitzen und läßt
dem Tonträger für die nächsten Tage einen festen Platz neben
den CD-Player zukommen. Das Teil muß nämlich immer griffbereit
bleiben.
„Wanted
Man“
Tja, da beschert
uns Dänemark seit Jahren mal wieder einen echten Kracher. IRON
FIRE lassen sich zwar wunderbar in die Schublade „Melodiöser Power
Metal“ unterbringen, gerecht wird man ihnen mit dieser Kategorisierung
aber zu keiner Zeit. Für das Quentchen Originalität sorgen zum
Beispiel schon die tiefer gestimmten Gitarren, die gehörend Druck
machen. Auch hört man der Musik die Vorliebe des Sängers Martin
Steene für die deutsche Szene, insbesondere Helloween, überhaupt
nicht an. Dann haben wir hier schon eher eine Schlagseite Ami-Melodic-Metal.
Im Speziellen vor allem Mötley Crüe, was nicht zuletzt an der
stark an Vince Neil erinnernden Stimme von Martin Steene liegt. Besonders
die vielleicht ein bißchen zu schwülstig vorgetragene Ballade
(vielleicht deshalb hier der extreme Mötley Crüe-Vergleich) „Lost’n
Alone“ bringt diese Nähe zum Tragen. Aber auch „Miracle“ und „Into
The Abyss“ haben heftige Crüe-Schlagseite.
„Into The
Abyss“
An diesen
Vergleichen sollte man sich aber nicht lange aufhalten, denn die fein geschliffenen
Songs offenbaren bereits auf diesem zweiten Werk „On The Edge“ eine beachtliche
Eigenständigkeit. Der Wiedererkennungswert dieser Band ist enorm.
Strophen, Bridges und Refrains harmonieren beinahe tadellos. Starke Musik.
JUB
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