An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 13. November 2001


ROYAL HUNT "The Mission" 5
Frontiers Rec./Now & Then/XIII Bis Rec./Point Music, 2001

Royal Hunt - The Mission

Fast gänzlich nach dem Intro/Song/Intro/Song-Prinzip kommt die neue CD von ROYAL HUNT, "The Mission" betitelt, daher.  Musikalisch bekommt man griffigen aber nie richtig schnellen, progressiven aber nie überladenen Melodic Metal zu hören. Dieser ist nie aufdringlich, fast schon zahm, keine minutenlangen Gitarre/Keyboard-Duelle, keine achtarmigen und sechsbeinigen Schlagzeuger und kein stetes Austesten der Oktavskala beim zarten Sangesbarden. Und deswegen auch verträglich. Die ein oder andere Melodie muß zwar direkt aus der kindlichen Gemütsseite des Keyboarders Andre Andersen entsprungen sein, aber so sind sie halt, die ROYAL HUNTs.
Was mir mehr Sorgen macht, sind die Texte der Band. In "The Mission" erzählt man uns was vom Missionieren der heidnischen Narren, bei "Judgement Day" hadert man im Hause ROYAL HUNT mit der Brutalität der Welt. Bei "World Wide War" zeigen sie sich mehr besorgt um die zunehmende Computerisierung unserer Umwelt und im Gegenzug dazu prangt die Webadresse der Band auf dem Backcover der CD.
Wenigstens für Letzteres kann man Verständnis aufbringen.
"The Mission"

THOMAS

DARKANE „Insanity“ 7
Nuclear Blast, 2001

Darkane - Insanity

„Calamitas“
„Wie NDR 4, die Klassik-Matinee“, habe ich beim Intro von „Calamitas“ gedacht. Können die Jungs aber eigentlich nicht kennen, sind ja aus Schweden.
Die Rede ist von DARKANE, eine Mitte der 90er Jahre gegründete Band. Dieser Fünfer agiert auf seiner zweiten Veröffentlichung „Insanity“ auf höchstem Niveau. Nicht nur, was das Spieltechnische betrifft, sondern auch in Sachen Songwriting haben die Jungs einiges vorzuweisen. Wenn ihre Melodien auch nicht denen solcher Aushängeschilder wie In Flames oder Dark Tranquillity das Wasser reichen können, sind sie doch eingängig genug, um nach - wohlgemerkt - einmaligem Hören haften zu bleiben. Ansonsten wird überwiegend das absolute Härte-Getrümmer geboten. Zu vergleichen vielleicht mit der neuen Soilwork (siehe INTEREGNUM vom 09. Oktober). Allerdings - und auch an dieser Stelle gibt es einen Bezug zu eben genannter schwedischen Band - hat man es mit einigen modernen Einflüssen etwas übertrieben. „The Perverted Beast“ oder „Pile Of Hate“ zum Beispiel sind nah am Hardcore. In der Gesangslinie passiert außer stumpfsinnigem Ein-Ton-Gebrüll nämlich nichts.
„The Perverted Beast“
Davon sollte sich aber niemand abschrecken lassen. Zum einen ist auch in solchen Songs die Gitarrenarbeit hörenswert, zum anderen gibt es eine ganze Reihe anderer Stücke, die den negativen Punkt durchaus relativieren.

JUB

SILENT FORCE "Infatuator" 8
Massacre/Connected, 2001

Silent Force - Infatuator

So langsam kann ich mich mit dem ganzen Melodic Metal-Zeug, welches in letzter Zeit so veröffentlicht wird, anfreunden. Nicht ganz unschuldig daran sind unter anderem auch SILENT FORCE. Die Band um Gitarrist Alexander  Beyrodt war mir schon mit ihrer letzten Veröffentlichung "The Empire Of Future" positiv aufgefallen. In dieselbe Kerbe schlägt nun auch die neue Scheibe der Band, "Infatuator". Will heißen, Melodie und Härte gehen schön brav Hand in Hand und vertragen sich die ganze Spielzeit über. Mit den Frickeleien hält sich das Musikerkollektiv, den Songs zuliebe, zurück. Die Musikanten nerven nicht mit Egotrips, welche einen stets fahrig werden lassen. Doch Alex Beyrodt wäre wohl nicht Alex Beyrodt, hätte er sich für solche Aktionen nicht auch eine kleine Nische geschaffen. In diesem Falle ist es die Trilogie, bestehend aus den Liedern "Cena Libera", "Gladiator" und "The Blade", über die sich Alex' alter Musiklehrer sicherlich freuen würde. Besonders in "The Blade" dreht der Herr, der sich stets am aktuellen Zeitgeschehen vorbei zu kleiden weiß, noch einmal so richtig auf, bis das Griffbrett splittert. Wie es sich für solch eine Platte gehört, beginnt sie mit einem schnellen, fast hymnenhaften Opener:
"Infatuator"
Nicht auf die Fresse gepackt haben sich SILENT FORCE mit der Coverversion von Judas Priests "All Guns Blazing" von deren Götteralbum "Painkiller". D.C. Cooper schaft es Rob Halford zu imitieren, ohne sich zum Obst zu machen wie z.B. Angra bei ihrer "Painkiller"-Coverversion auf dem "Tribute To Judas Priest"-Sampler seinerzeit. Zwar belassen sie es beim reinen Nachspielen, aber es geht definitiv schlechter.
"All Guns Blazing" 
Wenn SILENT FORCE so weiter machen, dürfte sich der Name Alexander Beyrodt zu einem ähnlichen Qualitätssiegel mausern wie meinetwegen Axel Rudi Pell. Empfehlenswert.
"All Guns Blazing"

THOMAS

BAL SAGOTH „Atlantis Ascendant“ 3
Nuclear Blast, 2001

Bal Sagoth - Atlantis Ascendant

Wie sagte Marduk-Sänger Legion in einem Interview mit INTERREGNUM sinngemäß? Ihn würden diese ganzen Black Metal-Opern am Arsch vorbeigehen? - Mir auch. Und bei BAL SAGOTH haben wir es ja bekanntlich nicht mit irgend einem Vertreter dieses Sub-Genres zu tun, sondern mit d e n Bombast-Kasper-Köppen überhaupt. Musik erklingt hier nicht um der Musik willen, sondern vielmehr scheint zu jeder Passage erst ein Storyboard gezeichnet worden zu sein. Selten klang eine Mischung aus Keyboardschwulst, Gitarrenmelodien und Willkürlichkeit so kitschig wie bei BAL SAGOTH. Ich dachte, mit ihrer 99er Scheibe, „The Power Cosmic“, hätten sie die Spitze des Eisbergs erreicht. Falsch. Es geht erst los: „Atlantis Ascendant“ ist noch dicker aufgetragen. Wer wirklich Zeit und vor allem Lust hat, sich knapp 50 Minuten vor die Boxen zu klemmen, um die BAL SAGOTH-Musik auseinanderzunehmen, wird die ein oder andere gelungene Weise entdecken. Auch zum Beispiel, daß sich die Briten neuerdings für Rhythmen aus der russischen Folklore erwärmen können. Wer aber lieber Filme guckt, statt hört, sollte hier unbedingt die Finger von lassen.
„The Splendour Of A Thousand Swords Gleaming Beneath The Blazon Of The Hyperborean Empire (Part III)“

JUB

DOUBLE ACTION "Sokaris" 7
Breaker/SPV, 2001

Double Action - Sokaris

Auf den ersten Blick mächtig den Ägypter raushängen lassen DOUBLE ACTION auf ihrer CD "Sokaris". Gleich drei Sphynxen tragen auf dem Cover Fadenkreuzbrillen mit kleinen Funkgeräten (?!). Auch innen im Cover ist die eine oder andere  Sarkophag-Abbildung zu entdecken. Und der Titelsong befaßt sich mit der angesprochenen Gottheit Sokaris.
Das wars denn aber auch mit dem Ägypterzeug. 
Musikalisch gibt es gut rockenden, leicht an Saxon erinnernden Heavy Metal, der recht kurzweilig dargeboten wird. Knackig und recht druckvoll kommt die Musik daher, Sänger Pille post zwar scheiße, singt dafür aber besser. Stellenweise erinnert er wirklich an Mister Byford. DOUBLE ACTION rocken live sicher das Haus wie Hölle.
"Take My Hand"

THOMAS

SAXON „Killing Ground“ 8
Steamhammer/SPV, 2001

Saxon - Killing Ground

SAXON sind einfach nur geil. Seit 22 Jahren legen die Typen um Biff Byford bereits beständig Platten in meist gleichbleibender Qualität vor und werden dabei einfach nicht schlapper. Man kann sich getrost die „Wheels Of Steel“ von 1980 auflegen und danach die „Killing Ground“, ohne mürrisch feststellen zu müssen, der Klassiker von einst sei unerreicht. Das soll nicht heißen, „Killing Ground“ wäre das „Wheels ...“ des neuen Jahrtausends. Vielmehr geht es um die enormen Parallelen, die man zwischen SAXON-Scheiben der Spätneunziger und der Frühphase ziehen kann: knackige Riffs heuer wie einst, Top-Melodien hier wie da. SAXON ist eine Band, mit der man Heavy Metal herrlich definieren kann.
„Deeds Of Glory“
Wer Überraschungen mag, läßt vermutlich schon seit Jahren die Finger von SAXON. Allerdings könnte ihm da ausgerechnet auf der „Killing Ground“ etwas entgehen. Denn Byford & Co haben doch tatsächlich eines der absolutesten Überwerke der Rock-Geschichte gecovert: „The Court Of The Crimson King“ von King Crimson. Dieser Song war einst auf dem gleichnamigen Debüt-Album der Art-Rocker 1968 zu finden. Majestätisch, gigantisch und voll Poesie thronte dieses Werk auf der LP und wurde von King Crimson selbst nie mehr erreicht. Eigentlich vermessen, soetwas zu covern. SAXON machten allerdings das genau Richtige. Sie behielten das Erhabene und nahmen dem Stück lediglich die progressiven Elemente.
„The Court Of The Crimson King“

JUB

DARKSIDE "Cognitive Dissonance" 5
Seasons Of Mist, 2001

Darkside - Cognitive Dissonance

Die Band DARKSIDE kann auf eine mittlerweile zehnjährige Karriere zurückblicken. In dieser Zeit nahmen die Österreicher drei Alben auf, tourten u.a. mit Six Feet Under, Therion, Moonspell und Bal Sagoth durch sechzehn Länder, drehten einen Videoclip ("The Glooming") und sind mit Seasons Of Mist auch schon bei Label Nr.3 beheimatet.
Aber dennoch sind DARKSIDE noch lange nicht in die Riege der etablierten Bands aufgestiegen. Auch ihr neues, viertes Album, "Cognitive Dissonance", wird daran sicher nichts ändern. Denn DARKSIDE sind ihrem Stil trotz einiger Erneuerungen treu geblieben. Das heißt Death Metal mit Keyboardeinsätzen, zum Teil stark im Stakkatorhythmus dargeboten und an manchen Stellen deswegen langatmig. Doch Neuzugang Radek Hajda an der Gitarre weis im Hintergrund mit gefühlvollen melodischen Einsprengseln aufzuwarten. So gleicht sich die bereits erwähnte Langatmigkeit zum Teil wieder aus. Deswegen mein Tip: Hört euch die Platte öfter an, sie zündet zwar schwer, ist aber so schlecht gar nicht. Bei "Hymn To The Chosen Ones" erinnern die Österreicher gar ein bißchen an Rotting Christ meets True Metal-Heldenchor. Bizarr aber selten. "Cognitive Dissonance" ist nicht übel, aber auch kein Pflichtkauf.
"Hymn To The Chosen Ones"

THOMAS

VIRULENCE „A Conflict Scenario“ 7
Morbid Records/SPV, 2001

Virulence - A Conflict Scenario

Headbanger aufgepaßt! Bei VIRULENCE habt ihr nicht zehn Sekunden die Chance, entspannt die Matte wedeln zu lassen. Hier agieren nämlich Verrückte, die die Mauern zwischen Grindcore und Jazz einreißen. Und da gibt es bekanntlich einige. 
„Your Own Palestine“
VIRULENCE sind das beste Beispiel dafür, daß die Metal-Szene vermutlich die toleranteste überhaupt ist. Wer mußte nicht schon Anfeindungen über sich ergehen lassen, die immer wieder die Behauptung in sich trugen, Metal sei keine Musik und die Fans gegenüber anderen Dingen unaufgeschlossen. Dabei lassen wir tagtäglich von morgens bis abends im Radio, TV und aus den Stereoanlagen von Bekannten, Freunden und Freundinnen die unmöglichste Musik über uns ergehen. Und? Wir murren nicht, denn wir haben uns an diese verkehrte Welt gewöhnt. Aber wehe, man legt auch nur mal „Breaking The Law“ von Judas Priest in den Player einer Mittelklasse-Party: Das Geschrei wird groß sein. Dabei wollte man für ein paar Minuten doch nur einmal ein Pflänzchen in einem großen Misthaufen wachsen sehen.
Aber ich schweife ab. Was ich sagen wollte ist, daß VIRULENCE eigentlich erst einmal Jazz sind. Die Songs sind so vertrackt und mit King Crimson (da haben wir sie schon wieder)-Zwischenspielen gespickt, daß es einem das Hirn durcheinanderwedelt. Es wird tatsächlich eine Reihe Leute geben, die überhaupt keinen Zugang zu dieser Musik finden. Für Technik-Freaks und jene, die es ab und zu einmal exotisch mögen, ist diese Scheibe aber wirklich empfehlenswert.
„Texture Shock“

JUB

CREMATORY "Remind" 4
Nuclear Blast, 2001

Crematory - Remind

Mit "Remind", einer Doppel-CD, eine davon live, die andere voll mit raren Stücken sowie dem 92er Demo der Band, möchten sich CREMATORY aus dem Showgeschäft zurückziehen. 
Auf dem Höhepunkt der Karriere möchte man mit einem Paukenschlag abtreten. Böse Zungen behaupten, die Pfältzer hätten ihren Zenit bereits nach "Illusion" überschritten. Das ist sicher Ansichtssache, meine Begeisterung für die Band legte sich jedoch auch schon vor ein paar Jahren.
Zehn Jahre CREMATORY - aus jeder Epoche gibt es einen Song zu hören und zwar in chronologischer Reihenfolge. Angefangen bei "Face The Unknown", dem Demosong, über "Eyes Of Suffering" vom Debut und das unvermeidliche "Tears Of Time", ihrem Hit schlechthin, bis zu Standarts neueren Datums wie z.B. "Fly", der ersten Single der Bandgeschichte. Alle wichtigen Songs halt. Der Livesound ist o.k., das alles live ist, wage ich zu bezweifeln. Aber das Thema mit den heutigen "Liveplatten" hatten wir ja hier schon an anderer Stelle genügend angesprochen.
CREMATORY-Fans können aber (und das werden sie) ruhig zuschlagen, denn für sein Geld bekommt man hier (siehe oben) einiges geboten.
"Eyes Of Suffering"

THOMAS

SKYFIRE „Timeless Departure“ 2
Hammerheart, 2001

Skyfire - Timeless Departure

Irgendwann ist der Riemen runter. Und bei SKYFIRE ist er jetzt endgültig gerissen. Dieses schwedische Junggemüse meint, auf die Bombast-Black-Metal-Müllhalde noch eine Schaufel Dreck hinaufwerfen zu müssen.  Jedenfalls ist dieser Dimmu Borgir/Old Man’s Child-Abklatsch nicht mehr zu ertragen (ich mag es auch nicht mehr schreiben). Sänger Henrik Wenngren kreischt sich ohne Nuancen durch sämtliche Stücke der CD, die Songs wabern zwischen Gothic-Geklimper und Bratz-Parts hin und her. Melodien sind auf der Scheibe zwar zu finden (und sind zum Teil gar nicht mal schlecht), wirken aber wie willkürlich eingefügt. Ich kann mir ums Verrecken nicht vorstellen, daß es Spaß macht, solche Musik zu spielen.
„Dimensions Unseen“

JUB

THE FLOWER KINGS "The Rainmaker" 6
Inside Out/SPV, 2001

The Flower Kings - The Rainmaker

Mit dieser Scheibe sollten sich vor allem die Musiker unter Euch angesprochen fühlen. In den Herzstücken der 7. CD, "The Rainmaker", von den schwedischen FLOWER KINGS, den drei überlangen Songs "Last Minute On Earth", "Road To Sanctuary" sowie "City Of Angels" - alle jenseits der zehn Minutengrenze - toben sich die sechs Musiker plus Gastsaxophonist so richtig an ihren Instrumenten aus. Meterlange Improvisationsmomente treffen auf melodischen Rock und entspannte balladeske Parts. Wer auf Easy-Listening Musik steht, sollte um THE FLOWER KINGS einen großen Bogen machen, denn die Kompositionen brauchen ihre Zeit, bis sie ihren Sinn entfalten und ins Ohr gehen. Die technischen Kabinettstückchen, die sich die Band aus dem Ärmel zaubert, sind für Musiker sicherlich eine nahezu unerschöpfliche Inspirationsquelle und für Leute, welche auf solche Musik stehen, sicherlich ein Grund, desöfteren vergnügt jauchzend aufzuspringen und sich in den Tonkaskaden zu baden. Diese werden mit "The Rainmaker" ein Album erstehen, welches sich selbst nach dem fünfzigsten Durchlauf noch frisch und unverbraucht anhört. Diesem Album nähert man sich als Freund des Geradeaus-Metals am besten über den Umweg einiger Progressiv-light Platten. Sonst ist ein gewaltiger Synapsenfasching vorprogrammiert.
"Last Minute On Earth"

THOMAS

IRON FIRE „On The Edge“ 9
Sanctuary Rec/Noise/T&T, 2001

Iron Fire - On The Edge

IRON FIRE sind eine der Drei-Stufen-Bands. Man steigt mit dem für meine Begriffe recht albernen Bandnamen ein, bereitet sich auf eines der typischen Power Metal-Alben vor und denkt sich, daß von Dänen eh nichts Vernünftiges kommen kann. Stufe 2 ist die erste Begegnung mit der Musik, die anfangs recht oberflächlich erfolgt, da man ja nichts Besonderes erwartet. In der dritten Stufe dreht man den Lautstärke-Pegel höher, bleibt an der einen oder anderen Stelle gebannt vor der Anlage sitzen und läßt dem Tonträger für die nächsten Tage einen festen Platz neben den CD-Player zukommen. Das Teil muß nämlich immer griffbereit bleiben.
„Wanted Man“
Tja, da beschert uns Dänemark seit Jahren mal wieder einen echten Kracher.  IRON FIRE lassen sich zwar wunderbar in die Schublade „Melodiöser Power Metal“ unterbringen, gerecht wird man ihnen mit dieser Kategorisierung aber zu keiner Zeit. Für das Quentchen Originalität sorgen zum Beispiel schon die tiefer gestimmten Gitarren, die gehörend Druck machen. Auch hört man der Musik die Vorliebe des Sängers Martin Steene für die deutsche Szene, insbesondere Helloween, überhaupt nicht an. Dann haben wir hier schon eher eine Schlagseite Ami-Melodic-Metal. Im Speziellen vor allem Mötley Crüe, was nicht zuletzt an der stark an Vince Neil erinnernden Stimme von Martin Steene liegt. Besonders die vielleicht ein bißchen zu schwülstig vorgetragene Ballade (vielleicht deshalb hier der extreme Mötley Crüe-Vergleich) „Lost’n Alone“ bringt diese Nähe zum Tragen. Aber auch „Miracle“ und „Into The Abyss“ haben heftige Crüe-Schlagseite.
„Into The Abyss“
An diesen Vergleichen sollte man sich aber nicht lange aufhalten, denn die fein geschliffenen Songs offenbaren bereits auf diesem zweiten Werk „On The Edge“ eine beachtliche Eigenständigkeit.  Der Wiedererkennungswert dieser Band ist enorm. Strophen, Bridges und Refrains harmonieren beinahe tadellos. Starke Musik.

JUB


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