An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

The Greatest Hits of 2002 + Mini-ABGEHÖRT vom 14. Januar 2003


MOB RULES „Hollowed Be Thy Name“  10
Steamhammer/SPV, 2002

Mob Rules - Hollowed By Thy Name

Was für eine Band, welch ein Sänger. Schon mit „Temple Of Two Suns“ in Jahr 2000 hatten MOB RULES nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht und nicht nur bei INTERREGNUM für Erstaunen gesorgt. Und daß dieses Album mitnichten eine Eintagsfliege war, beweisen die Norddeutschen jetzt mit „Hollowed Be Thy Name“. Auf dieser Scheibe wird einmal mehr bekundet, daß es sicher immer von Vorteil ist, Kompositionslehre zu beherrschen. Wenn aber das Aus-dem-Bauch-Element fehlt, wird’s nur halbgar. Umgekehrt ist es nicht selten ähnlich. Man kann noch soviel Herzblut in eine Platte legen – wenn das Songwriting nicht stimmt, fehlt mindestens die Hälfte. Hier trifft beides in höchster Potenz aufeinander. Die Songs sind in ihrer musikalischen Gestaltung, in ihren Melodien absolut perfekt. Und trotzdem wirkt keines der Stücke wie vom Reißbrett. Man fühlt sich einfach gut, wenn man Songs wie „House On Fire“, „Lord Of Madness“ oder „Ghost Town“ hört. Nicht selten dürfte sich der Genießer an Großtaten von Savatage erinnert fühlen. Nennen möchte ich da nur den Titelsong, "(In The Land Of) Wind And Rain“ oder „How The Gypsy Was Born“. Letzteres Werk ist eine Cover-Version eines Frumpy-Über-Hits aus den frühen 70ern. Damals mit Inga Rumpf am Mikrophon standen einem vor Ergriffenheit die Nackenhaare zu Berge.
An der Spitze dieses harmonischen Gesamtbildes steht Sänger Klaus Dirks, der einfach grandios ist. Ihm ist diese helle, klare Stimme gegeben, die nie in Penetranz-Gefilde abdriftet. Das beweist Dirks enormes Verständnis für das, was er da interpretiert, da er das Optimale herausholt und eine maximale Wirkung erzielt.
Egal, welche Bezeichnungen Rezensenten sich für diese Musik bereits einfallen ließen – Melodischer Power Metal, Bombast Speed Metal, Symphonischer Heavy Metal – in Deutschland sind MOB RULES spätestens mit „Hollowed Be Thy Name“ unter die absoluten Spitzen-Bands des Heavy Metal-Genres aufgestiegen.
Wer also hin und wieder die Zeit findet, um großartiger Musik zu lauschen, der wird MOB RULES definitiv für sich erschließen. Erst recht, da es auf diesem Album nicht einen Song gibt, der auch nur um Nuancen abfällt. Dies hier ist ein absolutes Top-Produkt.
„Speed Of Life“

JUB

ASTARTE „Quod Superius Sicut Infernus“ 6
Black Lotus Rec., 2002

Astarte - Quod Superius Sicut Infernus

Black Metal aus Griechenland ist bei weitem nicht mehr so exotisch, wie der Charackter der Musik im Zusammenhang mit diesem Urlaubs-Paradies der heißblütigen Burschen und rassigen Frauen vermuten läßt. Erinnert sei da nur an Rotting Christ und Thou Art Lord. Zu dieser Szene gehört seit nunmehr sieben Jahren auch ein Trio namens ASTARTE (1995 bis 1997 noch unter dem Namen Lloth). Wer bisher nichts von dieser Band gehört hat, dem wird sie nach der Veröffentlichung von „Quod Superius Sicut Infernus“ häufiger begegnen. Nicht nur, weil das Album in durchaus hörbare Regionen vorstößt, sondern auch, weil es sich bei ASTARTE um ein Damen-Trio handelt. 
Die nunmehr dritte Scheibe des Dreiers fällt vor allem durch Vielfalt auf. Die Mädels knüppeln, lassen es thrashig krachen, bemühen Bombast-Passagen, haben auch mal die ein oder andere angefolkte Melodie. „Inflamed Paradox“ ist da ein wunderbares Beispiel. Man bemüht sich hörbar um Anspruch, legt immer wieder den Schwerpunkt in nachvollziehbare Melodien. Dabei sind ASTARTE durchaus ein paar gute Weisen gelungen, „Astarte“ oder „In Velvet Slumber“ zum Beispiel. Solche Nummern sind es dann aber auch, die dem Schaffen der griechischen Band einen kleinen Hang zum Gothic geben. Sängerin Kinthia singt black metallisch rauh, absolviert diese Stimm-Akrobatik aber nicht immer ohne Mühen.
Was ASTARTE machen, ist sicher nichts Weltbewegendes. Trotzdem sollten alle, die mit oben genannten Attitüden etwas anzufangen wissen, ruhig mal ein Ohr riskieren.
Kuriosum am Rande: Während sich die hellhaarigen Nordmänner in der Black Metal-Szene meist die Haare schwarz färben, kommen uns die Griechinnen mit wasserstoffblondem Haupthaar. Dabei ist Griechenland doch eher eine Region der schwarzen Naturmatten. Naja, andere Länder andere Sitten – andere Frauen andere Titten.
„Incarnate Legend Of Mummy Queen“

JUB

DISCHARGE „Discharge“ 6
Sanctuary, 2002

Discharge - Discharge

Für Jung-Metaller dürfte der Name DISCHARGE klingen wie jeder andere Name einer neuen Band auch. Kein Aha-Effekt, kaum Neugier. Viel zu lange ist diese britische Punk-Legende schon vom Platten-Markt verschwunden. Die letzte Neuveröffentlichung soll gut zehn Jahre zurückliegen und dürfte nur noch wenig Interessierte erreicht haben. Dabei gehören DISCHARGE zu jenen Bands, die in den Spät-70ern der britischen Punk-Szene angehörten und sich ab 1980 zu Vorreitern des Hardcore mauserten. Selbst Thrash- und Speed Metal-Formationen hatten ihre Lektion DISCHARGE gut gelernt.
Was DISCHARGE damals mit EPs wie „Realities Of War“ oder „Fight Back“ veröffentlichten, nannte sich noch Hardcore Punk. Bands wie D.R.I., S.O.D. und Cro-Mags können als Ziehsöhne dieser Briten bezeichnet werden. Mit dem Hardcore der zweiten Generation á la Biohazard hat die DISCHARGE-Musik nur bedingt etwas zu tun. Dafür sind die Stücke zu monoton, zu schnell, zu aggressiv.
Daran hat sich auch anno 2002 nichts geändert, denn im vergangenen Jahr veröffentlichten DISCHARGE ein selbstbetiteltes Comeback-Album in Original-Line Up. Das kracht wieder an allen Ecken und Enden, Sänger Cal Morris ist ein Brüll-Bruder wie eh und jeh, hat nix dazu gelernt. Aber das will man von DISCHARGE ja hören.
Nur ist das alles nicht mehr so aufregend wie vor – sagen wir – 17 bis 20 Jahren. Bands der Sorte DISCHARGE gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Und viele von denen sind besser. Da nutzt auch die Pionier-Rolle nicht viel, denn daran messen schon gar nicht die nachgewachsenen Fans den Wert eines Tonträgers. Für Alt-Anhänger ist dieses Teil sicher ein Muß. Auch Nostalgiker sollten nicht achtlos an DISCHARGE vorbeigehen. Alle anderen Hardcore- oder Punk-Fans werden sicher vor dem Kauf ein Ohr riskieren müssen, um entscheiden zu können, ob DISCHARGE ihren Nerv treffen.
„M.A .D.“

JUB
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