MOB
RULES „Hollowed Be Thy Name“ 10
Steamhammer/SPV,
2002
Was für
eine Band, welch ein Sänger. Schon mit „Temple Of Two Suns“ in Jahr
2000 hatten MOB RULES nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht und nicht
nur bei INTERREGNUM für Erstaunen gesorgt. Und daß dieses Album
mitnichten eine Eintagsfliege war, beweisen die Norddeutschen jetzt mit
„Hollowed Be Thy Name“. Auf dieser Scheibe wird einmal mehr bekundet, daß
es sicher immer von Vorteil ist, Kompositionslehre zu beherrschen. Wenn
aber das Aus-dem-Bauch-Element fehlt, wird’s nur halbgar. Umgekehrt ist
es nicht selten ähnlich. Man kann noch soviel Herzblut in eine Platte
legen – wenn das Songwriting nicht stimmt, fehlt mindestens die Hälfte.
Hier trifft beides in höchster Potenz aufeinander. Die Songs sind
in ihrer musikalischen Gestaltung, in ihren Melodien absolut perfekt. Und
trotzdem wirkt keines der Stücke wie vom Reißbrett. Man fühlt
sich einfach gut, wenn man Songs wie „House On Fire“, „Lord Of Madness“
oder „Ghost Town“ hört. Nicht selten dürfte sich der Genießer
an Großtaten von Savatage erinnert fühlen. Nennen möchte
ich da nur den Titelsong, "(In The Land Of) Wind And Rain“ oder „How The
Gypsy Was Born“. Letzteres Werk ist eine Cover-Version eines Frumpy-Über-Hits
aus den frühen 70ern. Damals mit Inga Rumpf am Mikrophon standen einem
vor Ergriffenheit die Nackenhaare zu Berge.
An der Spitze
dieses harmonischen Gesamtbildes steht Sänger Klaus Dirks, der einfach
grandios ist. Ihm ist diese helle, klare Stimme gegeben, die nie in Penetranz-Gefilde
abdriftet. Das beweist Dirks enormes Verständnis für das, was
er da interpretiert, da er das Optimale herausholt und eine maximale Wirkung
erzielt.
Egal, welche
Bezeichnungen Rezensenten sich für diese Musik bereits einfallen ließen
– Melodischer Power Metal, Bombast Speed Metal, Symphonischer Heavy Metal
– in Deutschland sind MOB RULES spätestens mit „Hollowed Be Thy Name“
unter die absoluten Spitzen-Bands des Heavy Metal-Genres aufgestiegen.
Wer also hin
und wieder die Zeit findet, um großartiger Musik zu lauschen, der
wird MOB RULES definitiv für sich erschließen. Erst recht, da
es auf diesem Album nicht einen Song gibt, der auch nur um Nuancen abfällt.
Dies hier ist ein absolutes Top-Produkt.
„Speed
Of Life“
JUB
ASTARTE
„Quod Superius Sicut Infernus“ 6
Black Lotus
Rec., 2002
Black Metal
aus Griechenland ist bei weitem nicht mehr so exotisch, wie der Charackter
der Musik im Zusammenhang mit diesem Urlaubs-Paradies der heißblütigen
Burschen und rassigen Frauen vermuten läßt. Erinnert sei da
nur an Rotting Christ und Thou Art Lord. Zu dieser Szene gehört seit
nunmehr sieben Jahren auch ein Trio namens ASTARTE (1995 bis 1997 noch
unter dem Namen Lloth). Wer bisher nichts von dieser Band gehört hat,
dem wird sie nach der Veröffentlichung von „Quod Superius Sicut Infernus“
häufiger begegnen. Nicht nur, weil das Album in durchaus hörbare
Regionen vorstößt, sondern auch, weil es sich bei ASTARTE um
ein Damen-Trio handelt.
Die nunmehr
dritte Scheibe des Dreiers fällt vor allem durch Vielfalt auf. Die
Mädels knüppeln, lassen es thrashig krachen, bemühen Bombast-Passagen,
haben auch mal die ein oder andere angefolkte Melodie. „Inflamed Paradox“
ist da ein wunderbares Beispiel. Man bemüht sich hörbar um Anspruch,
legt immer wieder den Schwerpunkt in nachvollziehbare Melodien. Dabei sind
ASTARTE durchaus ein paar gute Weisen gelungen, „Astarte“ oder „In Velvet
Slumber“ zum Beispiel. Solche Nummern sind es dann aber auch, die dem Schaffen
der griechischen Band einen kleinen Hang zum Gothic geben. Sängerin
Kinthia singt black metallisch rauh, absolviert diese Stimm-Akrobatik aber
nicht immer ohne Mühen.
Was ASTARTE
machen, ist sicher nichts Weltbewegendes. Trotzdem sollten alle, die mit
oben genannten Attitüden etwas anzufangen wissen, ruhig mal ein Ohr
riskieren.
Kuriosum am
Rande: Während sich die hellhaarigen Nordmänner in der Black
Metal-Szene meist die Haare schwarz färben, kommen uns die Griechinnen
mit wasserstoffblondem Haupthaar. Dabei ist Griechenland doch eher eine
Region der schwarzen Naturmatten. Naja, andere Länder andere Sitten
– andere Frauen andere Titten.
„Incarnate
Legend Of Mummy Queen“
JUB
DISCHARGE
„Discharge“ 6
Sanctuary,
2002
Für Jung-Metaller
dürfte der Name DISCHARGE klingen wie jeder andere Name einer neuen
Band auch. Kein Aha-Effekt, kaum Neugier. Viel zu lange ist diese britische
Punk-Legende schon vom Platten-Markt verschwunden. Die letzte Neuveröffentlichung
soll gut zehn Jahre zurückliegen und dürfte nur noch wenig Interessierte
erreicht haben. Dabei gehören DISCHARGE zu jenen Bands, die in den
Spät-70ern der britischen Punk-Szene angehörten und sich ab 1980
zu Vorreitern des Hardcore mauserten. Selbst Thrash- und Speed Metal-Formationen
hatten ihre Lektion DISCHARGE gut gelernt.
Was DISCHARGE
damals mit EPs wie „Realities Of War“ oder „Fight Back“ veröffentlichten,
nannte sich noch Hardcore Punk. Bands wie D.R.I., S.O.D. und Cro-Mags können
als Ziehsöhne dieser Briten bezeichnet werden. Mit dem Hardcore der
zweiten Generation á la Biohazard hat die DISCHARGE-Musik nur bedingt
etwas zu tun. Dafür sind die Stücke zu monoton, zu schnell, zu
aggressiv.
Daran hat
sich auch anno 2002 nichts geändert, denn im vergangenen Jahr veröffentlichten
DISCHARGE ein selbstbetiteltes Comeback-Album in Original-Line Up. Das
kracht wieder an allen Ecken und Enden, Sänger Cal Morris ist ein
Brüll-Bruder wie eh und jeh, hat nix dazu gelernt. Aber das will man
von DISCHARGE ja hören.
Nur ist das
alles nicht mehr so aufregend wie vor – sagen wir – 17 bis 20 Jahren. Bands
der Sorte DISCHARGE gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Und viele von
denen sind besser. Da nutzt auch die Pionier-Rolle nicht viel, denn daran
messen schon gar nicht die nachgewachsenen Fans den Wert eines Tonträgers.
Für Alt-Anhänger ist dieses Teil sicher ein Muß. Auch Nostalgiker
sollten nicht achtlos an DISCHARGE vorbeigehen. Alle anderen Hardcore-
oder Punk-Fans werden sicher vor dem Kauf ein Ohr riskieren müssen,
um entscheiden zu können, ob DISCHARGE ihren Nerv treffen.
„M.A .D.“
JUB
[vor][zurück]