BLACK
LABEL SOCIETY "1919*Eternal" 7
Spitfire Rec./cmm,
2002
Zakk Wylde
ist zurück und es sind Vergleiche mit Ted Nugent angebracht. Zakk
ist auch Proll durch und durch. Große Klappe, Bier ein Grundnahrungsmittel
(hier weicht er von Ted arg ab), Amerika, das Land aller Länder (die
Tatsache, daß die Platte eigentlich "Bin Laden I Gonna Blow Your
Fuckin´ Brain Out" heißen sollte, und der letzte Titel "America
The Beautiful" heißt, sprechen für sich), außerdem ist
Zakk einer der letzten aus der Ära der großen Gitarrenhelden.
Seine neue Platte "1919*Eternal" allerdings ist eher durchwachsen. Die
Gitarrenarbeit ist über jeden Zweifel erhaben, Zakks Stimme röhrt
wie die eines brünftigen Hirsches und die Songs sind nett gemacht.
Allerdings bleiben nur eine handvoll davon wirklich hängen. Die aber
haben es wirklich in sich. "Battering Ram" zum Beispiel knallt gleich mit
einem hammerstarken Drumgroove los und macht absolut keine Gefangenen.
"Life, Birth, Blood, Doom" hat einen interessanten Rhythmusgitarren-Einsatz
in lässigem Stakatto. In "Demise Of Sanity" steck soviel Kraft wie
in Zakks Armen (also viel). Der Rest der Platte ist zwar alles andere als
schlecht, aber nur gut in dem Moment, in dem man ihn hört. Macht man
das bei aufgerissenem Volume-Regler, werden diese Momente aber sehr kurzweilig.
"Battering
Ram"
THOMAS
MOURNING
ENDS „Kriegerseele“ 6
Ars Metalli/Zomba,
2002
Um es vorweg
zu nehmen: Es würde unserem Land durchaus gut tun, gebe es mehr solcher
Heavy Metal-Bands wie MOURNING ENDS, die sich der alten germanischen Geschichte
und vor allem der einstigen Werte annehmen, und dieses Feld nicht allein
den Glatzen-Combos überlassen. Das Frankfurter (Oder bitte schön)
Label Ars Metalli leistet da eine nicht gerade unmaßgebliche Vorreiter-Rolle,
kamen aus diesem Hause doch schon die Gruppen Menhir und Hel, bekommen
wir jetzt MOURNING ENDS und Odroerir auf die Ohren.
Pagan Black
Metal nennt das Label die Mucke der thüringischen Band, wir wollen
das Ganze der Einfachheit halber in das Viking Metal-Genre drücken,
denn jene Bands, die von Ars Metalli zum Vergleich herangezogen werden,
sind auch der Viking-Richtung zuzuordnen. Wo wir auch schon bei der Musik
wären. Die ist durchweg recht nett. Hübsche Weisen, flotte Uffta-uffta-Rhythmen,
rauher Gesang, ein bißchen Folk-Beiwerk. Nur bleibt das alles auf
einem recht simplen Level. Wirklich unter die Haut geht eigentlich keine
der Melodien.
Die Texte
sind durchweg inhaltlich sehr hochwertig. Allein die Umsetzung wirkt an
manchen Stellen ein bißchen einfältig, was die Aussagen manchmal
durchaus etwas schmälert. Zeilen wie „Legt Euren christlichen Glauben
nieder, stellt Euch auf unsere Seite“ aus „Heldenblut“ oder „Ihr
kotzt mich an mit Eurer Art, bei Euch sind Ignoranz und Dummheit gepaart“
bzw. „Es gibt ihn nicht Euern Himmel, obwohl Ihr daran glaubt. Er ist
Euer größter Fimmel und hat Euch den Verstand geraubt“ aus
„Christlog“ sind einfach zu platt, um einem wie zum Beispiel bei Texten
von Amon Amarth einen Schauer über den Rücken zu jagen.
Ähnlich
ist es mit „Das Rad der Sonne“. Das Anliegen des Stücks ist ein sehr
gutes. Die Gegner der Rückbesinnung auf die alten Werte werden sich
aber bei Sätzen wie „Besinnt Euch, die Zeiten sind vorbei, in denen
es mißbraucht wurde. Die Fehler sind vergangen und werden nicht wieder
gemacht“ nur mitleidig lächelnd an die Stirn tippen.
„Das Rad
der Sonne“
JUB
ANNIHILATOR
"Waking The Fury" 8
Steamhammer/SPV,
2002
Oha, Jeff Waters
will es auf seine alten Tage noch einmal allen zeigen, die behaupten, daß
ANNIHILATOR kommerzielle Weicheier sind. Stand auf der dritten CD "Set
The World On Fire" noch der Balladengedanke bei den Kanadiern im Vordergrund
und waren auf "King Of The Kill" auch noch balladeske Stücke zu hören,
wurden ANNIHILATOR mit zunehmendem Alter wieder etwas härter. Das
gipfelte in Slayer-mäßigen Geschwindigkeits-Attacken auf der
letzten Platte "Carnival Diablos". Die fünf Recken (mit dem wieder
eingestiegenen Drummer Randy Black und dem ex-Nevermore Tourgitarristen
Curran Murphy verstärkt) thrashen aber nicht nur auf Teufel komm raus,
sondern haben ihren Sound mit einer neuen Nuance versehen. New Metal heißt
der Trend der Stunde, und auch an ANNIHILATOR ist das nicht spulos vorüber
gegangen. Doch keine Angst, es ist nicht so, daß Jeff Waters sich
einen schwarzen Scratcher in die Band geholt haben und Joe Comeau mit Baggypants
und rotem Käppchen der coolste Rapper seit Fred Durst sein will. Nein,
vielmehr macht sich das in dem Gitarrensound bemerkbar, der sehr mittenlastig
sägt, auch gibt es die ein oder andere Noise-Rückkopplung. Aber
hat man sich daran gewöhnt, ist alles wie immer. Jeffs Gitarrenspiel
ist der blanke Wahnsinn. Er fiedelt und soliert sich durch die Songs, als
gäbe es kein Morgen. Die Riffs schneiden sich rasiermesserscharf durch
die Gehörgänge und auch bei der Ausarbeitung der Gesangslinien
konnten die bewährten ANNIHILATOR-Vibes eingefangen werden. Die einzige
Verschnaufpause zwischen den Thrashsongs ist die erneute Huldigung an AC/DC
in Gestalt von "Nothing For Me". Auch wenn ANNIHILATOR etwas mit dem Zeitgeist
gegangen sind, haben Jeff Waters und seine Mannen wie gewohnt Qualität
abgeliefert.
"Striker"
THOMAS
DAVID
GLEN EISLEY „The Lost Tapes“ 4
Frontiers/Now
& Then/XIII BIS/Point, 2001
Kennt Ihr das,
wenn Onkel Bruno von seiner neuen Hifi-Anlage schwärmt und damit protzt,
daß man damit sogar Konzert-Atmosphäre erzeugen könnte?
Und wenn Ihr den Mittvierziger dann besucht, braucht Ihr erst einmal eine
Viertelstunde, um das Fragment einer Anlage - im Otto-Shop gekauft - neben
dem Gummibaum zu entdecken. Kompakt ist das Zauberwort: 1,5 Kilo schwer,
im modernen Design hat sie einen Touch von Enterprise und die Boxen sind
- dem Stereo-Effekt äußerst dienlich - wie Ohren an den „Kompakt“-Korpus
angeschraubt.
Und dann die
„Konzert-Atmosphäre“. Nicht, daß da neuerdings Publikums-Reaktionen
unter die Studio-Produktionen gemischt werden (wundern würde es mich
nicht). Nein, vielmehr drückt Onkel Bruno auf einen Knopf, und im
zwei Zentimeter großen Display erscheint das Wort „Surround“. Und
da ist er, der „Konzerthallen-Klang“. Onkel Bruno ist stolz. Zwar hätte
er sich seine Musik künftig auch von irgend einem Kumpel per Telefon
vorspielen lassen können, aber Suggestion ist alles.
Wieso ich
das erzähle? DAVID GLEN EISLEY ist vermutlich Mitte Vierzig. Und er
hat scheinbar einen Hang zu Surround-Klängen. Denn - Ihr habt es sicher
alle bereits erfahren müssen - bei dieser Funktion bleibt von der
Musik meist nicht mehr als ein verhallender Gesang, Wischiwaschi-Gitarren
und ein Echo-Brei. Und genau das sind die Zutaten, mit denen Eisley den
Großteil seiner Musik markant macht. Da helfen auch Rocker der Marke
„Slip Of The Tongue“, „Back Of My Hand“ oder „Stand Up“ nix, schwuler Sound
macht selbst Rock’n’Roll kaputt. Im Namen des kommerziellen Aspektes Härte
und Rotzigkeit abzusaugen, bringt nicht immer etwas. Darüberhinaus
ist das Song-Material von Eisley auch nicht so berauschend, daß es
Soundschwächen absorbieren könnte.
Bei der Scheibe
„The Lost Tapes“ handelt es sich um Songs, die Eisley gemeinsam mit anderen
Melodic Metal-Größen schon vor Jahren (zwischen 87 und 88) für
andere Bands schrieb (Giuffria, House Of Lords). Die Stücke noch einmal
rauszukramen ist sicher für den Back-Katalog des us-amerikanischen
Gitarristen und Sängers ganz spannend, mir persönlich ist dieser
Nachlaß aber ziemlich egal.
„Shot Down
In Love“
JUB
OBSCENITY
"Cold Blooded Murder" 9
Morbid Rec./SPV,
2002
Wer will von
OBSCENITY etwas anderes hören als großartigen Death Metal? Keine
Sau. Also spielen OBSCENITY auch auf ihrer neuen CD "Cold Blooded Murder",
was sie am besten können: Kompakte, aggressive aber kontrollierte
Death Metal-Musik, die nicht davor scheut, mit zierlichen Gitarrenleads
aufzuwarten und den Hörer zu verzücken ("The Arrival"). Überhaupt
verstehen es die Oldenburger, ihre Komositionen abwechslungsreich zu gestalten.
So ist mir die neue CD von OBSCENITY lieber als die letzte Vader zum Beispiel,
will heißen, die Deutschen setzen nicht fortwährend auf Speed,
sondern bauen Verzierungen und Bögen ein, ohne auf Brutalität
zu verzichten. Das garantiert einen Abnutzungsschutz und uneingeschränkten
Hörgenuß auf Dauer.
"The Arrival"/"Alien
Hand Syndrome"
THOMAS
MIND’S
EYE „A Work Of Art“ 7
Rising Sun/Zomba,
2002
Dick aufgetragen
wird hier mal wieder ohne Ende: Einflüsse von Rush, E.L.O., Yes, Queensryche,
Genesis und Queen seien bei MIND’S EYE zu entdecken, heißt es im
Info-Blatt des Labels. Nun, und wenn man sich Mühe gibt, mag die ein
oder andere Passage Bezüge zu der ein oder anderen genannten Band
herstellen. Allerdings sind die Schweden MIND’S EYE viel zu gut, als daß
man sie mit ihrem dritten Album „A Work Of Art“ auf Momente beschränken
könnte, die einen Vergleich mit internationalen Größen
heraufbeschwören.
Ich bin mir
sicher, daß die meisten Musik-Konsumenten (außerhalb der Heavy
Metal- oder Progressiv-Rock-Szenen) nicht in der Lage sein werden, den
musikalischen Wegen von MIND’S EYE zu folgen. Obwohl wir es hier mit sehr
einfühlsamen Melodien zu tun haben. Allerdings erfordert es ein enormes
musikalisches Verständnis, dermaßen vertrackte Strukturen zu
entwickeln, mit den unterschiedlichsten Rhythmus-Raffinessen zu arbeiten,
Wendungen en masse einzubauen und dabei immer noch sagen zu können:
Dies hier ist ein richtiges Lied.
Schwermetallisch
ist diese Scheibe nur bedingt. Nehmen wir nur den Dreier-Block „Room With
A View“, „Shallow Waters“ und "My Kindred Soul“. Hier herrscht Sanftheit
vor, Sänger und Musiker scheinen sich ganz auf die eigenen Fähigkeiten
zu besinnen, um sie in jeder ihrer Facetten vorzuführen. Das k a n
n Spaß machen, fordert vom Hörer aber auch auf die Dauer eine
enorme Konzentration. Da wäre es durchaus gar nicht so übel gewesen,
hätte man dieses kompositorische Lehrstück auch hier und da mal
mit Banalitäten abgedämpft. Damit ist „A Work Of Art“ vor allem
eine CD für Phasen, in denen man Zeit hat, nicht müde ist und
möglicherweise mal einen gewissen Moment allein sein möchte.
„The Shape
Of Salvation“
JUB
PARAGON
"Law Of The Blade" 9
Remedy Rec.,
2002
Eigentlich
habe ich mir bisher nie großartig was aus PARAGON gemacht. Bis heute.
Heute ändert sich das. Warum?
Weil "Law
Of The Blade" eine saustarke Metal-Platte geworden ist. Der Sound drückte
mich gleich zu Beginn in die Couch und ließ erst nach dem letzten
Song (Saxons "To Hell And Back Again") wieder los. Die Klampfen drücken,
die Riffs sind Mörder und der Gesang rauh und kräftig. Egal welchen
Song Du anspielst, es wird ein Ohrwurm. Von PARAGON können sich so
manche Mesmerizes und Projectos dieser Welt eine dicke, saftige Scheibe
abschneiden.
"Armies
Of The Tyrant"
THOMAS
IRON MAIDEN "Rock In Rio"
9
EMI, 2002
Schon wieder ein IRON MAIDEN-Live-Album.
Sicher "Live After Death" (1985), "A Real Live/Dead One" (1993) und die
"Live At Donington"-Veröffentlichung (1993) waren absolute Sternstunden
der Heavy Metal-Kunst. Aber dem gibt es doch nun wirklich nichts hinzuzufügen.
Wirklich nicht?
"Intro/The Wicker Man"
Abgesehen von einem gewohnt brillant
gespielten Gig, der keine Wünsche offen läßt, servieren
uns IRON MAIDEN diesmal bisher noch nie live veröffentlichte Songs,
die in ihrer Bühnen-Variante einfach hinreißend sind. Das beginnt
bei Stücken vom "Brave New World"-Album und geht vor allem bis zu
Nummern aus der Blaze Bailey-Ära. Nicht nur, daß sie live zum
Teil enorm an Härte gewinnen. Erst Maiden-Aushängeschild Bruce
Dickinson am Mikrophon schlägt diese Songs zu Rittern und läßt
sie gleichberechtigt im Band-Fundus neben Klassikern aus den 80ern stehen.
Nehmen wir nur "The Clansman" von der "X-Factor", der damals mit Blaze
gewisse Längen nicht verdecken konnte. Plötzlich wird dieses
Stück zu einem absoluten Highlight des gesamten Konzerts. Erstaunlich.
Natürlich beinhaltet auch diese
CD die ganz großen Werke aus den 80ern: "Run To The Hills", "Sanctuary",
"The Number Of The Beast", "Fear Of The Dark" um nur einige zu nennen.
Diese Sachen kann man aber immer wieder hören und sie werden garantiert
auch in der 20. Live-Version auf Tonträger nicht abnutzen. Erst recht
nicht, da bei Maiden immer die echte Live-Atmosphäre groß geschrieben
wird. Das Publikum spielt auch in Rio de Janeiro eine ganz wichtige Rolle,
um dem Album den rechten Charme zu verleihen. Gänsehaut ist da an
so mancher Stelle unvermeidlich.
"The Clansman"
JUB
UNLEASHED
"Hell´s Unleashed" 8
Century Media/Magic
Arts Publ., 2002
Geschlagene
fünf Jahre Wartezeit haben die Fans der schwedischen Death Metal-Institution
UNLEASHED in Kauf nehmen müssen, um nun endlich ein neues Lebenszeichen
in Form einer CD in den Player schieben zu können. Eigentlich
hatten schon viele nicht mehr damit gerechnet, daß sich im Lager
der Wikinger nochmal was rühren würde.
Doch jetzt
heißt es "Hell´s Unleashed", die Hölle ist losgelassen.
Sofort fällt auf, daß der Gesang von Johnny Hedlund deutlicher
zu verstehen ist als in frühen Zeiten der Band. Das heißt, nicht
so tief aber genauso aggressiv wie früher. Reine Gewöhnungssache
und steht den Veteranen gut zu Gesicht. Auch im Songwriting-Bereich haben
UNLEASHED kleine Veränderungen zu verzeichnen. Zwar sind sie ihrem
Stil im Großen und Ganzen treu geblieben und verfahren noch immer
nach dem Motto "weniger ist manchmal mehr", haben aber den Groove in großem
Stil für sich entdeckt. So gibt es nun einige Midtemposongs zum mitstampfen,
die mal hervorragend funktionieren ("Don´t Want To Be Born") und
mal weniger ("Your Head Is Mine").
"Don´t
Want To Be Born"
Doch keine
Sorge, UNLEASHED haben das Gasgeben nicht verlernt. So knallen zum Beispiel
der Titelsong oder "Demoneater" ganz exzellent aus der heimischen P.A..
Man kann also
mit Fug und Recht behaupten, daß "Hell´s Unleashed" eine starke
Platte geworden ist, die leider nicht ganz ohne ein bis zwei Füller
auskommt.
Richtig geil
geworden ist Venom´s "Black Metal", UNLEASHED änderten ein wenig
den Text und das Arrangement und heraus kam "Death Metal". "Lay down your
souls to the hell´s rock´n´roll uuhhoohhaahhrrrgghhoo
Death Metal".
Also Leute,
füllt Eure Trinkhörner mit Met und stoßt an auf ein Wiedersehen
mit den barbarischen Horden jenseits der Ostsee.
"Death
Metal"
THOMAS
ARCTURUS
„The Sham Mirrors“ 8
Prophecy Productions,
2002
Zieht Euch
„Nightmares Heaven“ rein, und ihr wißt, wohin die ARCTURUS-Reise
auf der neuen CD „The Sham Mirrors“ diesmal gehen soll. Mit Begriffen
wie Gothic, Industrial, Electronic, Heavy Metal ist das bei weitem nicht
getan. Nehmen wir nur die Computer/Keyboard-Sequenz aus der Mitte des Songs:
Klingt das nicht irgendwie nach einer Musik zu einem nicht existierenden
Film? Oder Garms - Verzeihung, Mr. Trickster G. Rex - Stimme. Die schwebt
doch eigentlich ständig zwischen Abgehobenheit, Pathos und Wohlklang.
Natürlich eingebettet in eine gehörige Portion Pomp, die allerdings
nicht Arrangement-Raffinessen vortäuschen will. Denn an Einfällen
hat es der norwegischen Band um den Ulver-Sänger und den Mayhem-Schlagzeuger
Hellhammer auch diesmal nicht gemangelt.
„Nightmare
Heaven“
Ausschlaggebend
für die stilistische Ausrichtung von ARCTURUS war einst Emperor-Musiker
Samoth, der ein wesentliches Schärflein zur Musik beizutragen hatte,
als man sich 1994 mit der Mini-CD „Constellation“ auf dem Markt etablierte
(nach der Single „My Angel“ von 1991). Und wenn Emperor-Leute etwas in
die Hand nehmen, wird es meist kompliziert oder - sorry - pseudokünstlerisch.
Nun, und so waren auch ARCTURUS der Neigung zum Progressiven erlegen. Nachzuhören
ist das auf der Debüt-Scheibe „Aspera Hiems Symfonia“ (1995). CD Nummer
zwei „La Masquerade Infernale“ (1997) war da schon zugänglicher, wenngleich
auch keine Hit-Compilation.
Und nun, vier
Jahre später? Experimentell sind ARCTURUS nach wie vor. Trotzdem legen
sie viel Wert auf sauber nachvollziehbare Songs, die trotz vertrackter
Momente zu keiner Zeit zu kompliziert wirken. „Pseudo“ ist da gar nichts
mehr. Sehr dominant sind die Keyboards, die - Brandungswellen gleich -
die Musik überströmen. Dabei klingen sie zwar wuchtig, schwächen
die Wirkung eines Black Metal-lastigen Songs wie „Radical Cut“ allerdings
ab.
Die neue ARCTURUS
ist nichtsdestotrotz ein bemerkenswertes Album. Für manch einen dürfte
es gar eine Offenbarung darstellen.
“Radical
Cut“
JUB
AXEL RUDI PELL "Shadow Zone"
7
Steamhammer/SPV, 2002
Mit AXEL RUDI PELL ist es wie mit
Running Wild oder mit U.D.O.: Wo ihre Namen draufstehen, ist auch nichts
anderes drin. Auch diesmal macht Axel keine Experimente und zieht eigenbrödlerisch
seinen Stiefel durch. Heißt, mystisches Intro und danach der treibende
Opener ("Edge Of The World"), gefolgt von instrumentell wie gesanglich
hochwertigen Songs mit einer Länge nie unter fünf Minuten. Die
stärksten sind diesmal "All The Rest Of My Life", "Heartbreaker" sowie
"Saint Of Fools", allesamt Ohrwürmer vor dem Herrn. Axels Gitarrenspiel
ist wieder über jeden Zweifel erhaben. Die Texte wieder hart an der
Grenze zum Kitsch und das Cover wieder von Marshall.
Was auffällt, ist, daß
die Lieder ein bißchen mehr Geschwindigkeit hätten vertragen
können, aber das ist Ansichtssache. Lange Rede, kurzer Sinn: AXEL
RUDI PELL ist auch im Jahr 2002 AXEL RUDI PELL, und das wird sich auch
in zehn Jahren nicht ändern. Seine Anhänger werden es ihm danken.
"Edge Of The World"
THOMAS
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