An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 14. Mai 2002


BLACK LABEL SOCIETY "1919*Eternal" 7
Spitfire Rec./cmm, 2002

Black Label Society - 1919*Eternal

Zakk Wylde ist zurück und es sind Vergleiche mit Ted Nugent angebracht. Zakk ist auch Proll durch und durch. Große Klappe, Bier ein Grundnahrungsmittel (hier weicht er von Ted arg ab), Amerika, das Land aller Länder (die Tatsache, daß die Platte eigentlich "Bin Laden I Gonna Blow Your Fuckin´ Brain Out" heißen sollte, und der letzte Titel "America The Beautiful" heißt, sprechen für sich), außerdem ist Zakk einer der letzten aus der Ära der großen Gitarrenhelden. Seine neue Platte "1919*Eternal" allerdings ist eher durchwachsen. Die Gitarrenarbeit ist über jeden Zweifel erhaben, Zakks Stimme röhrt wie die eines brünftigen Hirsches und die Songs sind nett gemacht. Allerdings bleiben nur eine handvoll davon wirklich hängen. Die aber haben es wirklich in sich. "Battering Ram" zum Beispiel knallt gleich mit einem hammerstarken Drumgroove los und macht absolut keine Gefangenen. "Life, Birth, Blood, Doom" hat einen interessanten Rhythmusgitarren-Einsatz in lässigem Stakatto. In "Demise Of Sanity" steck soviel Kraft wie in Zakks Armen (also viel). Der Rest der Platte ist zwar alles andere als schlecht, aber nur gut in dem Moment, in dem man ihn hört. Macht man das bei aufgerissenem Volume-Regler, werden diese Momente aber sehr kurzweilig.
"Battering Ram"

THOMAS

MOURNING ENDS „Kriegerseele“ 6
Ars Metalli/Zomba, 2002

Mourning Ends - Kriegerseele

Um es vorweg zu nehmen: Es würde unserem Land durchaus gut tun, gebe es mehr solcher Heavy Metal-Bands wie MOURNING ENDS, die sich der alten germanischen Geschichte und vor allem der einstigen Werte annehmen, und dieses Feld nicht allein den Glatzen-Combos überlassen. Das Frankfurter (Oder bitte schön) Label Ars Metalli leistet da eine nicht gerade unmaßgebliche Vorreiter-Rolle, kamen aus diesem Hause doch schon die Gruppen Menhir und Hel, bekommen wir jetzt MOURNING ENDS und Odroerir auf die Ohren.
Pagan Black Metal nennt das Label die Mucke der thüringischen Band, wir wollen das Ganze der Einfachheit halber in das Viking Metal-Genre drücken, denn jene Bands, die von Ars Metalli zum Vergleich herangezogen werden, sind auch der Viking-Richtung zuzuordnen. Wo wir auch schon bei der Musik wären. Die ist durchweg recht nett. Hübsche Weisen, flotte Uffta-uffta-Rhythmen, rauher Gesang, ein bißchen Folk-Beiwerk. Nur bleibt das alles auf einem recht simplen Level. Wirklich unter die Haut geht eigentlich keine der Melodien.
Die Texte sind durchweg inhaltlich sehr hochwertig. Allein die Umsetzung wirkt an manchen Stellen ein bißchen einfältig, was die Aussagen manchmal durchaus etwas schmälert. Zeilen wie „Legt Euren christlichen Glauben nieder, stellt Euch auf unsere Seite“ aus „Heldenblut“ oder „Ihr kotzt mich an mit Eurer Art, bei Euch sind Ignoranz und Dummheit gepaart“ bzw. „Es gibt ihn nicht Euern Himmel, obwohl Ihr daran glaubt. Er ist Euer größter Fimmel und hat Euch den Verstand geraubt“ aus „Christlog“ sind einfach zu platt, um einem wie zum Beispiel bei Texten von Amon Amarth einen Schauer über den Rücken zu jagen.
Ähnlich ist es mit „Das Rad der Sonne“. Das Anliegen des Stücks ist ein sehr gutes. Die Gegner der Rückbesinnung auf die alten Werte werden sich aber bei Sätzen wie „Besinnt Euch, die Zeiten sind vorbei, in denen es mißbraucht wurde. Die Fehler sind vergangen und werden nicht wieder gemacht“ nur mitleidig lächelnd an die Stirn tippen.
„Das Rad der Sonne“

JUB

ANNIHILATOR "Waking The Fury" 8
Steamhammer/SPV, 2002

Annihilator - Waking The Fury

Oha, Jeff Waters will es auf seine alten Tage noch einmal allen zeigen, die behaupten, daß ANNIHILATOR kommerzielle Weicheier sind. Stand auf der dritten CD "Set The World On Fire" noch der Balladengedanke bei den Kanadiern im Vordergrund und waren auf "King Of The Kill" auch noch balladeske Stücke zu hören, wurden ANNIHILATOR mit zunehmendem Alter wieder etwas härter. Das gipfelte in Slayer-mäßigen Geschwindigkeits-Attacken auf der letzten Platte "Carnival Diablos". Die fünf Recken (mit dem wieder eingestiegenen Drummer Randy Black und dem ex-Nevermore Tourgitarristen Curran Murphy verstärkt) thrashen aber nicht nur auf Teufel komm raus, sondern haben ihren Sound mit einer neuen Nuance versehen. New Metal heißt der Trend der Stunde, und auch an ANNIHILATOR ist das nicht spulos vorüber gegangen. Doch keine Angst, es ist nicht so, daß Jeff Waters sich einen schwarzen Scratcher in die Band geholt haben und Joe Comeau mit Baggypants und rotem Käppchen der coolste Rapper seit Fred Durst sein will. Nein, vielmehr macht sich das in dem Gitarrensound bemerkbar, der sehr mittenlastig sägt, auch gibt es die ein oder andere Noise-Rückkopplung. Aber hat man sich daran gewöhnt, ist alles wie immer. Jeffs Gitarrenspiel ist der blanke Wahnsinn. Er fiedelt und soliert sich durch die Songs, als gäbe es kein Morgen. Die Riffs schneiden sich rasiermesserscharf durch die Gehörgänge und auch bei der Ausarbeitung der Gesangslinien konnten die bewährten ANNIHILATOR-Vibes eingefangen werden. Die einzige Verschnaufpause zwischen den Thrashsongs ist die erneute Huldigung an AC/DC in Gestalt von "Nothing For Me". Auch wenn ANNIHILATOR etwas mit dem Zeitgeist gegangen sind, haben Jeff Waters und seine Mannen wie gewohnt Qualität abgeliefert.
"Striker"

THOMAS

DAVID GLEN EISLEY „The Lost Tapes“ 4
Frontiers/Now & Then/XIII BIS/Point, 2001

David Glen Eisley - The Lost Tapes

Kennt Ihr das, wenn Onkel Bruno von seiner neuen Hifi-Anlage schwärmt und damit protzt, daß man damit sogar Konzert-Atmosphäre erzeugen könnte? Und wenn Ihr den Mittvierziger dann besucht, braucht Ihr erst einmal eine Viertelstunde, um das Fragment einer Anlage - im Otto-Shop gekauft - neben dem Gummibaum zu entdecken. Kompakt ist das Zauberwort: 1,5 Kilo schwer, im modernen Design hat sie einen Touch von Enterprise und die Boxen sind - dem Stereo-Effekt äußerst dienlich - wie Ohren an den „Kompakt“-Korpus angeschraubt.
Und dann die „Konzert-Atmosphäre“. Nicht, daß da neuerdings Publikums-Reaktionen unter die Studio-Produktionen gemischt werden (wundern würde es mich nicht). Nein, vielmehr drückt Onkel Bruno auf einen Knopf, und im zwei Zentimeter großen Display erscheint das Wort „Surround“. Und da ist er, der „Konzerthallen-Klang“. Onkel Bruno ist stolz. Zwar hätte er sich seine Musik künftig auch von irgend einem Kumpel per Telefon vorspielen lassen können, aber Suggestion ist alles.
Wieso ich das erzähle? DAVID GLEN EISLEY ist vermutlich Mitte Vierzig. Und er hat scheinbar einen Hang zu Surround-Klängen. Denn - Ihr habt es sicher alle bereits erfahren müssen - bei dieser Funktion bleibt von der Musik meist nicht mehr als ein verhallender Gesang, Wischiwaschi-Gitarren und ein Echo-Brei. Und genau das sind die Zutaten, mit denen Eisley den Großteil seiner Musik markant macht. Da helfen auch Rocker der Marke „Slip Of The Tongue“, „Back Of My Hand“ oder „Stand Up“ nix, schwuler Sound macht selbst Rock’n’Roll kaputt. Im Namen des kommerziellen Aspektes Härte und Rotzigkeit abzusaugen, bringt nicht immer etwas. Darüberhinaus ist das Song-Material von Eisley auch nicht so berauschend, daß es Soundschwächen absorbieren könnte.
Bei der Scheibe „The Lost Tapes“ handelt es sich um Songs, die Eisley gemeinsam mit anderen Melodic Metal-Größen schon vor Jahren (zwischen 87 und 88) für andere Bands schrieb (Giuffria, House Of Lords). Die Stücke noch einmal rauszukramen ist sicher für den Back-Katalog des us-amerikanischen Gitarristen und Sängers ganz spannend, mir persönlich ist dieser Nachlaß aber ziemlich egal.
„Shot Down In Love“

JUB

OBSCENITY "Cold Blooded Murder" 9
Morbid Rec./SPV, 2002

Obscenity - Cold Blooded Murder

Wer will von OBSCENITY etwas anderes hören als großartigen Death Metal? Keine Sau. Also spielen OBSCENITY auch auf ihrer neuen CD "Cold Blooded Murder", was sie am besten können: Kompakte, aggressive aber kontrollierte Death Metal-Musik, die nicht davor scheut, mit zierlichen Gitarrenleads aufzuwarten und den Hörer zu verzücken ("The Arrival"). Überhaupt verstehen es die Oldenburger, ihre Komositionen abwechslungsreich zu gestalten. So ist mir die neue CD von OBSCENITY lieber als die letzte Vader zum Beispiel, will heißen, die Deutschen setzen nicht fortwährend auf Speed, sondern bauen Verzierungen und Bögen ein, ohne auf Brutalität zu verzichten. Das garantiert einen Abnutzungsschutz und uneingeschränkten Hörgenuß auf Dauer.
"The Arrival"/"Alien Hand Syndrome"

THOMAS

MIND’S EYE „A Work Of Art“ 7
Rising Sun/Zomba, 2002

Mind's Eye - A Work Of Art

Dick aufgetragen wird hier mal wieder ohne Ende: Einflüsse von Rush, E.L.O., Yes, Queensryche, Genesis und Queen seien bei MIND’S EYE zu entdecken, heißt es im Info-Blatt des Labels. Nun, und wenn man sich Mühe gibt, mag die ein oder andere Passage Bezüge zu der ein oder anderen genannten Band herstellen. Allerdings sind die Schweden MIND’S EYE viel zu gut, als daß man sie mit ihrem dritten Album „A Work Of Art“ auf Momente beschränken könnte, die einen Vergleich mit internationalen Größen heraufbeschwören.
Ich bin mir sicher, daß die meisten Musik-Konsumenten (außerhalb der Heavy Metal- oder Progressiv-Rock-Szenen) nicht in der Lage sein werden, den musikalischen Wegen von MIND’S EYE zu folgen. Obwohl wir es hier mit sehr einfühlsamen Melodien zu tun haben. Allerdings erfordert es ein enormes musikalisches Verständnis, dermaßen vertrackte Strukturen zu entwickeln, mit den unterschiedlichsten Rhythmus-Raffinessen zu arbeiten, Wendungen en masse einzubauen und dabei immer noch sagen zu können: Dies hier ist ein richtiges Lied.
Schwermetallisch ist diese Scheibe nur bedingt. Nehmen wir nur den Dreier-Block „Room With A View“, „Shallow Waters“ und "My Kindred Soul“. Hier herrscht Sanftheit vor, Sänger und Musiker scheinen sich ganz auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen, um sie in jeder ihrer Facetten vorzuführen. Das k a n n Spaß machen, fordert vom Hörer aber auch auf die Dauer eine enorme Konzentration. Da wäre es durchaus gar nicht so übel gewesen, hätte man dieses kompositorische Lehrstück auch hier und da mal mit Banalitäten abgedämpft. Damit ist „A Work Of Art“ vor allem eine CD für Phasen, in denen man Zeit hat, nicht müde ist und möglicherweise mal einen gewissen Moment allein sein möchte.
„The Shape Of Salvation“

JUB

PARAGON "Law Of The Blade" 9
Remedy Rec., 2002

Paragon - Law Of The Blade

Eigentlich habe ich mir bisher nie großartig was aus PARAGON gemacht. Bis heute. Heute ändert sich das. Warum?
Weil "Law Of The Blade" eine saustarke Metal-Platte geworden ist. Der Sound drückte mich gleich zu Beginn in die Couch und ließ erst nach dem letzten Song (Saxons "To Hell And Back Again") wieder los. Die Klampfen drücken, die Riffs sind Mörder und der Gesang rauh und kräftig. Egal welchen Song Du anspielst, es wird ein Ohrwurm. Von PARAGON können sich so manche Mesmerizes und Projectos dieser Welt eine dicke, saftige Scheibe abschneiden.
"Armies Of The Tyrant"

THOMAS

IRON MAIDEN "Rock In Rio" 9
EMI, 2002

Iron Maiden - Rock In Rio

Schon wieder ein IRON MAIDEN-Live-Album. Sicher "Live After Death" (1985), "A Real Live/Dead One" (1993) und die "Live At Donington"-Veröffentlichung (1993) waren absolute Sternstunden der Heavy Metal-Kunst. Aber dem gibt es doch nun wirklich nichts hinzuzufügen. Wirklich nicht?
"Intro/The Wicker Man"
Abgesehen von einem gewohnt brillant gespielten Gig, der keine Wünsche offen läßt, servieren uns IRON MAIDEN diesmal bisher noch nie live veröffentlichte Songs, die in ihrer Bühnen-Variante einfach hinreißend sind. Das beginnt bei Stücken vom "Brave New World"-Album und geht vor allem bis zu Nummern aus der Blaze Bailey-Ära. Nicht nur, daß sie live zum Teil enorm an Härte gewinnen. Erst Maiden-Aushängeschild Bruce Dickinson am Mikrophon schlägt diese Songs zu Rittern und läßt sie gleichberechtigt im Band-Fundus neben Klassikern aus den 80ern stehen. Nehmen wir nur "The Clansman" von der "X-Factor", der damals mit Blaze gewisse Längen nicht verdecken konnte. Plötzlich wird dieses Stück zu einem absoluten Highlight des gesamten Konzerts. Erstaunlich.
Natürlich beinhaltet auch diese CD die ganz großen Werke aus den 80ern: "Run To The Hills", "Sanctuary", "The Number Of The Beast", "Fear Of The Dark" um nur einige zu nennen. Diese Sachen kann man aber immer wieder hören und sie werden garantiert auch in der 20. Live-Version auf Tonträger nicht abnutzen. Erst recht nicht, da bei Maiden immer die echte Live-Atmosphäre groß geschrieben wird. Das Publikum spielt auch in Rio de Janeiro eine ganz wichtige Rolle, um dem Album den rechten Charme zu verleihen. Gänsehaut ist da an so mancher Stelle unvermeidlich.
"The Clansman"

JUB

UNLEASHED "Hell´s Unleashed" 8
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Unleashed - Hell's Unleashed

Geschlagene fünf Jahre Wartezeit haben die Fans der schwedischen Death Metal-Institution UNLEASHED in Kauf nehmen müssen, um nun endlich ein neues Lebenszeichen in Form einer  CD in den Player schieben zu können. Eigentlich hatten schon viele nicht mehr damit gerechnet, daß sich im Lager der Wikinger nochmal was rühren würde.
Doch jetzt heißt es "Hell´s Unleashed", die Hölle ist losgelassen. Sofort fällt auf, daß der Gesang von Johnny Hedlund deutlicher zu verstehen ist als in frühen Zeiten der Band. Das heißt, nicht so tief aber genauso aggressiv wie früher. Reine Gewöhnungssache und steht den Veteranen gut zu Gesicht. Auch im Songwriting-Bereich haben UNLEASHED kleine Veränderungen zu verzeichnen. Zwar sind sie ihrem Stil im Großen und Ganzen treu geblieben und verfahren noch immer nach dem Motto "weniger ist manchmal mehr", haben aber den Groove in großem Stil für sich entdeckt. So gibt es nun einige Midtemposongs zum mitstampfen, die mal hervorragend funktionieren ("Don´t Want To Be Born") und mal weniger ("Your Head Is Mine").
"Don´t Want To Be Born"
Doch keine Sorge, UNLEASHED haben das Gasgeben nicht verlernt. So knallen zum Beispiel der Titelsong oder "Demoneater" ganz exzellent aus der heimischen P.A..
Man kann also mit Fug und Recht behaupten, daß "Hell´s Unleashed" eine starke Platte geworden ist, die leider nicht ganz ohne ein bis zwei Füller auskommt.
Richtig geil geworden ist Venom´s "Black Metal", UNLEASHED änderten ein wenig den Text und das Arrangement und heraus kam "Death Metal". "Lay down your souls to the hell´s rock´n´roll uuhhoohhaahhrrrgghhoo Death Metal".
Also Leute, füllt Eure Trinkhörner mit Met und stoßt an auf ein Wiedersehen mit den barbarischen Horden jenseits der Ostsee.
"Death Metal"

THOMAS

ARCTURUS „The Sham Mirrors“ 8
Prophecy Productions, 2002

Arcturus - The Sham Mirrors

Zieht Euch „Nightmares Heaven“ rein, und ihr wißt, wohin die ARCTURUS-Reise auf der neuen CD „The Sham Mirrors“  diesmal gehen soll. Mit Begriffen wie Gothic, Industrial, Electronic, Heavy Metal ist das bei weitem nicht getan. Nehmen wir nur die Computer/Keyboard-Sequenz aus der Mitte des Songs: Klingt das nicht irgendwie nach einer Musik zu einem nicht existierenden Film? Oder Garms - Verzeihung, Mr. Trickster G. Rex - Stimme. Die schwebt doch eigentlich ständig zwischen Abgehobenheit, Pathos und Wohlklang. Natürlich eingebettet in eine gehörige Portion Pomp, die allerdings nicht Arrangement-Raffinessen vortäuschen will. Denn an Einfällen hat es der norwegischen Band um den Ulver-Sänger und den Mayhem-Schlagzeuger Hellhammer auch diesmal nicht gemangelt.
„Nightmare Heaven“
Ausschlaggebend für die stilistische Ausrichtung von ARCTURUS war einst Emperor-Musiker Samoth, der ein wesentliches Schärflein zur Musik beizutragen hatte, als man sich 1994 mit der Mini-CD „Constellation“ auf dem Markt etablierte (nach der Single „My Angel“ von 1991). Und wenn Emperor-Leute etwas in die Hand nehmen, wird es meist kompliziert oder - sorry - pseudokünstlerisch. Nun, und so waren auch ARCTURUS der Neigung zum Progressiven erlegen. Nachzuhören ist das auf der Debüt-Scheibe „Aspera Hiems Symfonia“ (1995). CD Nummer zwei „La Masquerade Infernale“ (1997) war da schon zugänglicher, wenngleich auch keine Hit-Compilation.
Und nun, vier Jahre später? Experimentell sind ARCTURUS nach wie vor. Trotzdem legen sie viel Wert auf sauber nachvollziehbare Songs, die trotz vertrackter Momente zu keiner Zeit zu kompliziert wirken. „Pseudo“ ist da gar nichts mehr. Sehr dominant sind die Keyboards, die - Brandungswellen gleich - die Musik überströmen. Dabei klingen sie zwar wuchtig, schwächen die Wirkung eines Black Metal-lastigen Songs wie „Radical Cut“ allerdings ab.
Die neue ARCTURUS ist nichtsdestotrotz ein bemerkenswertes Album. Für manch einen dürfte es gar eine Offenbarung darstellen.
“Radical Cut“

JUB

AXEL RUDI PELL "Shadow Zone" 7
Steamhammer/SPV, 2002

Axel Rudi Pell - Shadow Zone

Mit AXEL RUDI PELL ist es wie mit Running Wild oder mit U.D.O.: Wo ihre Namen draufstehen, ist auch nichts anderes drin. Auch diesmal macht Axel keine Experimente und zieht eigenbrödlerisch seinen Stiefel durch. Heißt, mystisches Intro und danach der treibende Opener ("Edge Of The World"), gefolgt von instrumentell wie gesanglich hochwertigen Songs mit einer Länge nie unter fünf Minuten. Die stärksten sind diesmal "All The Rest Of My Life", "Heartbreaker" sowie "Saint Of Fools", allesamt Ohrwürmer vor dem Herrn. Axels Gitarrenspiel ist wieder über jeden Zweifel erhaben. Die Texte wieder hart an der Grenze zum Kitsch und das Cover wieder von Marshall.
Was auffällt, ist, daß die Lieder ein bißchen mehr Geschwindigkeit hätten vertragen können, aber das ist Ansichtssache. Lange Rede, kurzer Sinn: AXEL RUDI PELL ist auch im Jahr 2002 AXEL RUDI PELL, und das wird sich auch in zehn Jahren nicht ändern. Seine Anhänger werden es ihm danken.
"Edge Of The World"

THOMAS
[vor][zurück]