ABGEHÖRT vom 14.
Juni 2005
COURAGEOUS
"Inertia" |
Erschienen: 2004
Label: Mausoleum
Homepage: www.courageousmusic.de |
 |
On Air: "The
Puppeteer" |
Auf ihrem
ersten offiziellen Langeisen haben die Frankfurter Musiker den Eindruck
der musikalischen Planlosigkeit hinterlassen. Zum einen haben die Songs
in den meisten Anfangsriffs eine starke Nevermore-Prägung und zum
anderen kann man den Songs im weiteren Verlauf eine heftige Korn/New Metal-Schlagseite
attestieren. Zusammengehalten wird dieses wirre Sammelsurium an Einflüssen
durch Melodiebögen, welche sich erst nach mehrfachem Durchhören
der CD erschließen, aber auch dann nicht wirklich überzeugen
können. Man kann "Inertia" durchlaufen lassen und Bandraten spielen.
Jetzt kommt wieder eine Nevermore-Stelle, ach, jetzt sind wieder die New
Metaller dran... Spielerisch und soundtechnisch top, aber der Wiedererkennungswert
tendiert gen Null. 4 von 10
THOMAS
|
Schön
zu sehen, daß es in der trenddominierten Metalszene noch immer einen
Haufen eiserner Überzeugungstäter gibt, die ihre Musik nicht
nach dem Geschmack der MTVIVA-Handyklingelton-Runterlader ausrichten und
mit trendy Metalcore, Rap und Co. nicht viel anfangen können. Eine
dieser Konstanten heißt IMPELLITTERI. Die Band um Gitarrist und Namensgeber
Chris Impellitteri liefert nun schon seit gut 20 Jahren mit all ihren Scheiben
stets Qualität ab. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, wer nun
gerade hinter dem Mikro steht, denn die Musik ist eh immer erstklassig.
Doch nach der letzten, "System X" benannten Scheibe mit Graham Bonnet am
Gesang, haben die Musiker ihre eigene Meßlatte sehr hoch angesetzt.
Der neue Mann, Curtis Skelton, macht seinen Job zwar hervorragend, kann
aber - was den natürlichen Klang seiner Stimme angeht - Bonnet nicht
das Wasser reichen. Die Musik ist auch ein wenig sperriger ausgefallen,
was daran liegt, daß die Scheibe mit vielen Rhythmuswechseln daherkommt.
Hin und wieder experimentiert der Gitarrist mit modernerem Riffing. Dennoch
kommt sein unverwechselbares Spiel oft genug zum Tragen. Geil ist übrigens
auch der Song "Punk" geworden. Hier wir oben aufgeführte Klientel
musikalisch sowie lyrisch aufs Korn genommen und mit deutlichen Worten
bedacht. 8 von 10
THOMAS
|
AYREON
"The Human Equation" |
Erschienen: 2004
Label: Inside
Out/SPV
Homepage: www.arjenlucassen.com |
 |
On Air: "Day
Eight: School"
"Day Twelve:
Trauma" |
Seit nun über
zehn Jahren versucht sich der Niederländer Arjen Anthony Lucassen
darin, mit seinem AYREON-Projekt, große Musik zu erschaffen. Einmal
mehr ist der Musiker darin äußerst erfolgreich. "The Human Equation"
ist ein quasi nie versiegen wollender Quell an opulenten Melodien, originellen
Ideen und herrlichen Spannungsbögen, wie ein gut gefülltes Warenhaus,
voll mit den unterschiedlichsten Stimmungen und Klangfarben. Jeder Song
sitzt perfekt und kann seinen Trumpf voll ausspielen. Davon gibt es genügend.
Zum einen der starke 70er-Jahre-Anstrich, für den nicht zuletzt auch
solche Helden wie Ken Hensley (ex-Uriah Heep) oder Martin Orford (IQ, Jadis),
welche hier mit virtuosen Keyboardklängen aufwarten, verantwortlich
zeichnen. Zum anderen ist es erneut die sagenhafte Armada von Gastsängern,
welche einmal mehr nach Rijsbergen ins "Electric Castle", Lucassens Studio,
eingeladen wurde, um der Story Leben einzuhauchen. Hier seien klangvolle
Namen genannt wie: James LaBrie, Marcela Bovio, Mike Baker, Mikael Akerfeldt,
Devon Graves, Devin Townsend, Magnus Ekwall, Heather Findley, Irene Jansen,
Eric Clayton und der Meister himself. Besonders Clayton tut sich mit seiner
Mörderstimme hervor. Gehen Saviour Machine bereits nach wenigen Minuten
auf die Nerven, so kann sich der Barde hier anscheinend richtig entfalten
und wertet jeden Song, in dem er auftaucht, um einiges auf. Man kann in
einigen Musestunden tief in die Geschichte des Albums abtauchen und die
Welt um sich herum komplett vergessen.
Hier geht
es um einen gefühlskalten Yuppie, welcher nach einem Autounfall im
Wachkoma liegt. Um das Krankenbett herum stehen sein Vater, der beste Freund
und seine Frau, während in ihm die Gefühle wie Stolz, Furcht,
Wut, Agonie, Liebe, Vernunft und Leidenschaft um die Vorherrschaft kämpfen.
Dabei ist die Geschichte so geschrieben, daß sie einem, wenn man
sich darauf einläßt, sehr nahe gehen kann. Verdammt, die Platte
wächst mit jedem Durchlauf und dabei geht sie mal schlappe 103 Minuten,
verteilt auf zwei CDs. Egal ob Du auf Heavy, Speed, Death, Thrash, Black,
oder was weiß ich auch immer für Metal stehst, Du solltest diese
CD zumindest kennen! SO wird Musik geschrieben. Da fragt man sich einmal
mehr wieso Vollspacken wie 50 Cent, De Randfichten, Oasis oder die Aggro-Berlin-Pfosten
so viel Zuspruch finden mit ihrer gequirlten Scheiße. Aber laßt
das Geschmeiß hören, was es versteht und holt Euch mit "The
Human Equation", innerlich triumphierend, wahre Kunst ins Haus. Ihr werdet
es Euer Lebtag nicht bereuen. Versprochen! 10
von 10
THOMAS
|
KILLING
SPREE
"Choose And Decide" |
Erschienen: 2004
Label: Morbid
Rec./Soulfood
Homepage: www.killing-spree-cb.de |
 |
On Air: "Black
Summer" |
Die ewigen
Verwechslungen mit ihren norwegischen Kollegen leid hatten wohl die deutschen
Enslaved. So firmieren sie nunmehr unter dem verheißungsvoll klingenden
Namen KILLING SPREE. Als diese haben sie unlängst ihr erstes Full-lenght-Album
veröffentlicht. „Choose And Decide“ bietet dem Hörer glücklicherweise
keinen 08/15-Death-Metal von der Stange. Zumindest ist mir auf Anhieb keine
Band geläufig, die mit Six Feet Under-ähnlichen Grooves, Keyboardeinsätzen
und My Dying Bride-artigen Schwermutsbekenntnissen aufwartet. KILLING SPREE
mischen diese Grundzutaten mit einem glücklichen Händchen für
gute Songs. Auch wenn nicht jeder ein Volltreffer ist, erfrischend anders
ist die Musik der bereits seit 14 Jahren aktiven Musiker allemal. Bin gespannt,
wie die Death-Metal-Szene die Keyboards aufnimmt. Nocturnus wurden nicht
zuletzt deshalb Kult, weil sie eben dieses Tabu auf originelle Art und
Weise brachen. Wenn die Musiker noch ein wenig mehr Mut zur Abgedrehtheit
an den Tag legen, sollte man an KILLING SPREE bald nicht mehr vorbeikommen.
7 von 10
THOMAS
|
FOZZY
"All That Remains" |
Erschienen: 2005
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.fozzyrock.com |
 |
On Air: "Nameless" |
FOZZY die
Dritte. Diesmal mit komplett eigenem Material. Auf den ersten Scheiben
tat sich die Band um WWE-Rummelboxer Chris Jericho und Ex-Stuck Mojo Gitarrist
Rich Ward noch mit einer Art Cover-Verballhornung von Metal-Klassikern
hervor. Doch jeder Witz wird bald langweilig und somit geht’s jetzt ans
Eingemachte. Wider allen Erwartungen schlagen sich die Herren mit dem beknackten
Bandnamen doch recht passabel. Der Opener „Nameless“ geht gut ins Ohr.
Jericho verfügt über eine ausdrucksstarke Stimme, welche er hier
passend einsetzt. Der Groove ist ganz klar alte Stuck-Mojo-Schule. Song
Nr. 2, „Enemy“, weist ähnliche Qualitäten auf. „Wanderlust“ ist
ein Wechsel zwischen Groove und ruhigen, balladesken Klängen und schwächelt
ein wenig. Der Titelsong ist eine Halbballade mit mäßiger Melodie.
In „It’s A Lie“ wird böser, schwarzer Sprechgesang verwendet, ebenso
weiblicher Gastgesang. Das ist Geschmackssache, doch objektiv ist anzumerken,
daß FOZZY mit ihren, um Dynamik bemühten, ruhigen Einsprengseln
den Fluß der Lieder ins Stocken bringen. Bei dieser Nummer zumindest
hätte es nicht sein müssen. Der Rest der Platte spult sich ereignislos
runter. Bis zum Rausschmeißer „Born Of Anger“, hier wird noch mal
der Aufstand im Hardcore-Lager geprobt. Leider wieder mit hier unnötiger
Dynamik. Unterm Strich bleibt eine Platte, die nicht essentiell, aber auch
nicht schlecht ist. Doch wie viele gibt es davon?! 5
von 10
THOMAS
|
KEE MARCELLO’S
K2
"Melon Demon Divine" |
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.keemarcello.com |
 |
On Air: "Blood" |
Auch wenn
der gemeine Musikkonsument glaubte, daß nach dem finalen Countdown
die Zeiten von Europe, Schwedens Rockexport Nr.1, zu Ende seien, musikalisch
waren die Musiker der Band in keiner Weise untätig. Gitarrist KEE
MARCELLO hatte sein Red Fun Projekt am laufen und kam unlängst mit
einer Veröffentlichung seines neuen Betätigungsfeldes, K2, daher.
Mit an Bord sind neben Meister Marcello, Snowy Shaw (u.a. ex-King Diamond)
und ein Baßist namens Klatuu. Zu hören ist ruhige bis sanfte
Kuschelrockmusik mit unauffälligen Refrains und zarten Melodien. Kaum
zu glauben, daß da tatsächlich Snowy Shaw am Kit sitzt. Hier
und da brechen schon mal ein paar ruppigere Riffs und Beats hervor („Raptor“),
doch auch diese verlaufen sich in den Gehörgängen. Zum bewußten
Hören ist "Melon Demon Divine" zu unspektakulär, man erwischt
sich öfter beim Weghören, als Hintergrundmusik wiederum ist die
Scheibe in ihrer Monotonie zu aufdringlich. Ob das nun hypnotisch oder
schlicht und ergreifend langweilig ist, bleibt wie immer dem Hörer
überlassen. Mit dieser CD hat sich der singende, Keyboard spielende
Gitarrist wohl selbst mal einen Gefallen getan. 2
von 10
THOMAS
|
AJATTARA
"Tyhjyys" |
Erschienen: 2004
Label: Spikefarm
Rec.
Homepage: www.ajattara.cjb.net |
 |
On Air: "Sortajan
Kaipuu" |
Jawoll, Finnland
spuckt den nächsten musikalischen Rohdiamanten aus. Auf "Tyhjyys"
wird in finsterster Art und Weise Midtempo zelebriert. Eiskalt, rabenschwarz
und zäh schiebt sich der mit Black-Metal-Gesang versehene Haßberg
durch die Gehörgänge. AJATTARA setzen auf eingängige, nachvollziehbare
Strukturen in den Songs sowie auf steten Keyboardeinsatz, der nicht nervt,
sondern mit den beschwörenden Riffs eine satte Einheit bildet. Schweigt
das Tasteninstrument, kommen spartanische Quasi-Leadgitarren zum Einsatz.
Ein großes Plus ist die Verwendung der Heimatsprache in den Texten.
Dadurch klingt der Gesang noch unbarmherziger und kälter. Trotz des
stetig gleichen Tempos veranlassen AJATTARA zumindest mich, die CD immer
lauter abzuspielen und von nun an auch häufiger. Böses Teil!
9 von 10
THOMAS
|
TIME MACHINE
"Reviviscence-Liber
Secundus" |
Erschienen: 2004
Label: Massacre/Soulfood
Homepage: www.timemachine.cjb.net |
 |
On Air: "Burning
Crosses" |
Aus dem sonnigen
Italien kommt einmal mehr eine progressive “Power Metal”-Produktion. Power
Metal deshalb, da dies heutzutage der Sammelbegriff für Bands mit
höheren Stimmen und traditionellen Gitarrenriffs zu sein scheint.
Ansonsten sind TIME MACHINE soviel Power Metal wie Spinnen und Krabben
miteinander verwand. Irgendwie am Rande, aber nicht wirklich vordergründig.
Dafür sind die Songs nicht gradlinig genug und auch konzeptionell
wird nicht gerade mit Klischees um sich geworfen. Gut so, das machen genug
andere Italo-Bands. Hier haben sich die Musiker tatsächlich Ideenreichtum
auf die Fahnen geschrieben. Klar, mit altbekannten Mitteln, aber doch haben
die Riffs und Leads so ihre Aha-Effekte. Die Zählzeiten-Spielereien
haben durchaus Witz, die Klampfen einen originellen Sound. Sauber, druckvoll
und mollig, ohne behäbig zu wirken. Vom Spielwitz her erinnert TIME
MACHINE ein wenig an Dream Theater ohne Schwulst und Übertreibungen.
Die songschreiberischen Verwirrungen verlaufen nicht in der Planlosigkeit.
Eine angespielte Idee wird clever weitergesponnen und es macht Spaß,
sich darauf einzulassen und ihr zu folgen. Ihr wißt ja, die Aha-Effekte.
Nur die Stimme, die klingt ein wenig beliebig austauschbar und ist hier
der Schwachpunkt. Trübt den positiven Gesamteindruck jedoch nur wenig,
da das Hauptaugenmerk tatsächlich auf dem instrumentellen Teil der
CD liegt. Die Akustikklampfen in "Seeds Of Revolution" sind echt der Wahnsinn.
Verdammt gute Scheibe. 8 von 10
THOMAS
|
POVERTY’S
NO CRIME
"The Chemical Chaos" |
Erschienen: 2003
Label: LMP/SPV/InsideOut/cmm
Homepage: www.povertys-no-crime.de |
 |
On Air: "Moving
Target" |
Auf ihrem
fünften Album bieten die Musiker einmal mehr eine Mischung aus Prog-Zerbrechlichkeit
und Bombast-Metal mit Hang zu gemäßigteren Klängen. Dadurch
kommen die Kompositionen nicht so recht aus der Hüfte. Gut, Tempo
war sicher auch nicht das Anliegen der Band. Hier sollen die Melodien im
Vordergrund stehen. Diese können sich hin und wieder vom Progstandart
lösen und auf eigenen Beinen stehen. Schon mal nicht so übel.
Nur wirkt der Einsatz des Tasteninstrumentes ein wenig standardisiert und
nimmt den Liedern einiges an Frische. Dafür kommen die Breaks ideenreich
und nicht zum Selbstzweck eingesetzt rüber. Keine Musik, die man gleich
nach dem Aufstehen hören und verstehen kann. Doch in der richtigen
Stimmung genossen, kann man „The Chemical Chaos“ mit seinen warmen Klängen
durchaus einiges abgewinnen. 6 von 10
THOMAS
|
SURGICAL
DISSECTION
"Absurd Humanism" |
Erschienen: 2003
Label: Nice
To Eat You
Homepage: www.surgicaldissection.sk |
 |
On Air: "No
God No Devil" |
Neues Krachfetischistenfutter
aus dem Hause Nice To Eat You. Bei der hier munter vor sich hin grindenden
Kapelle handelt es sich um die Feingeister von SURGICAL DISSECTION, welche
einmal mehr beweisen, daß in dieser Musikrichtung stumpf eben doch
Trumpf ist. Kaum, daß die CD zu rotieren beginnt, ballert auch schon
das tongewordene jüngste Gericht über einen herein. So beeindruckend
das handwerklich über jeden Zweifel erhabene Geschrote auch ist, so
schnell verliert es auch seinen Reiz. Hasenfickgetrommel und Riffs von
der Stange haben andere Grind-Kapellen schon spannender inszeniert. Ein
paar interessantere Breaks hier und da mehr hätten aus „Absurd Humanism“
sicher keine schlechtere Platte gemacht. Nun, wenn man es aber schroff,
ungehobelt und stumpf mag, alle obskuren EP’s, Demos und Splits aus diesem
Genre sammelt und ansonsten nichts zu tun hat, dann kann man sich die CD
bedenkenlos in den heimischen Schrank stellen, ohne von seinen Freunden
ausgelacht zu werden. Ein Witz wird nicht besser, je öfter man ihn
erzählt. 4 von 10
THOMAS
|
DYECREST
"The Way Of Pain" |
Erschienen: 2003
Label: Sanctuary/Noise
Homepage: www.dyecrest.com |
 |
On Air: "For
All The Weak" |
Meistens sind
Veröffentlichungen aus Finnland ein Grund zur Freude. DYECREST hingegen
sind zwar nicht übel, doch so recht überzeugen können sie
mit ihrem Debüt nicht so recht. Dabei ist ihre Musik mit gutartigen
Gitarrenmelodien nur so durchzogen. Auch die Gesangslinien bieten nur selten
Anlaß zur Klage. Die Rhythmussektion steht wie eine Eins und bemüht
sich um höchstmögliche Abwechslung. Wo ist nun das Problem bei
DYECREST? Nun, so hochklassig die Musik auch ist. Die Band wirkt trotz
alledem beliebig austauschbar und kann keine eigene Marke in der Musiklandschaft
zurücklassen. Der Frontmann klingt genauso quiekig wie Timo Kotipelto
(Stratovarius), die Melodien sind Mittelklasse mit Tendenz nach oben, doch
nicht spektakulär genug, um sich aus dem Wust tausender anderer ähnlich
klingender Bands abzuheben. Was ich damit sagen will ist: Es macht keinen
Unterschied, ob man DYECREST oder irgendeine x-beliebige "Power-True-Heavy
Metal" Band aus Italien oder sonstwo einlegt. Die Musik ist nett, aber
mehr auch nicht. 5 von 10
THOMAS
|
OCTOBER
FILE
"A Long Walk On A
Short Pier" |
Erschienen: 2004
Label: Golf/PHR
Homepage: www.octoberfile.com |
 |
On Air: "God
Hates Amerika" |
Der Sound
von OCTOBER FILE ist düster, ohne Gothic oder Metal zu sein. Rau,
auch ohne Gitarrenwand. Die tragenden Elemente sind das Schlagzeug und
der Baß. Die Gitarre spielt minimalistische Läufe und der Gesang
ist hardcorig-gebrüllt. Die Amis setzen sich mit "A Long Walk On A
Short Pier" bewußt zwischen die Stühle. Mal stumpf und belanglos,
dann wieder melancholisch ergreifend musiziert sich das Quartett durch
die elf Songs des Albums.
Wirklich interessant
geworden ist das Stück "Be The Best You Can Be". Es basiert auf einem
rückwärts abgespielten Drumbeat, gepaart mit dezenten Loops und
unterschwelligem Synthesizer-Einsatz. Ganz ohne Gitarren und Gesang. Nur
ein paar verzerrte Stimm-Samples und ein durchgehender Baß-Groove
hauchen dem Stück Leben ein. Monotonie die ruhig eine halbe Stunde
dauern könnte. Bei OCTOBER FILE liegen Licht und Schatten dicht beieinander.
Textlich haben diese Amis aber alles andere als nur Lehm im Kopf. Mit dem
Stück „God Hates America“ machen sie sich sicherlich nicht nur Freunde.
Wenn da mal nicht bald ein paar unauffällig-elegant gekleidete Herren
mit CIA-Ausweisen in der Tasche am Proberaum der Band klopfen... 6
von 10
THOMAS
|
ENID
"Gradwanderer" |
Erschienen:
Label: Aural/Code
666/Audioglobe/SPV
Homepage: www.enid-webrealm.de |
 |
On Air: "Chimera" |
Hier ist der
Titel Programm. ENID, nicht gerade für ihre Klischeehaftigkeit bekannt,
haben mit „Gradwanderer“ ein echtes Stück eigene Musik geschaffen.
Mal mit Doublebass, hymnischen Melodien, dann mit Piano, klarem Gesang,
welchen meinen Musiklehrer in der Schule in Verzückung versetzt hätte,
und sanften Herrenchören im Hintergrund. Dazu gesellen sich noch Akustikklampfen,
Hörner, Flöten und Keyboards. Das alles wird verquickt zu einer
Melange aus Black Metal, Swing, Heimatliedern, dezentem Blues, Singer/Songwriter-Klängen
und Rockmusik im weitesten Sinne. Das klingt weder schwul, noch überkandidelt.
Nicht lächerlich oder aufgesetzt. Solche Bands sind selten genug.
Gut das es ENID gibt. Und eine weitere Entdeckung gemacht. 10
von 10
THOMAS
|
[vor][zurück]
|