CYDONIA
"The Dark Flower" 8
Metal Blade,
2003
Klasse Einstieg
dieses "Midnight Man". Brachiale Thrash Gitarren, eingängiger Power
Metal-Refrain, ganz dezente New Metal-Spielerchen und schließlich
deuten sich da noch Industrial-Elemente per Elektronic-Einschübe an.
Klingt fast ein wenig überladen, wurde aber exzellent zusammengefügt.
Die Songs sind im Großen und Ganzen rund, schlagen mal in die eine,
dann wieder in eine andere der genannten Richtungen aus. Die tragende Säule
der Stücke auf "The Dark Flower" ist der Gesang von Dan Keying, der
für sämtliche Kompositionen und für die Produktion verantwortlich
zeichnet. Manch einer hat sich dabei schon übernommen, Keying hatte
aber offensichtlich eine Hoch-Phase. Erwartet von CYDONIA kein epochales
Meisterwerk, der Unterhaltungswert dieser Scheibe ist allerdings enorm
und erhöht sich bei mehrmaligem Hören.
"Invisible"
JUB
NEGURA
BUNGET „'N crugu bradului“ 7
Code 666/SPV,
2003
Die Jungs von
NEGURA BUNGET haben es ihrem Publikum seit jeher nicht leicht gemacht.
Abgesehen von eigentlich meist völlig unverständlichen, intellektuell
überzogenen Text-Konzepten, bot die Musik immer weitaus mehr als nur
das berühmte Song-Schema. Und so ist "'N crugu bradului" einmal mehr
ein Konzept-Album, das aus vier Teilen besteht - also quasi keine Songs
enthält. Logisch, daß es sich bei diesen Werken um Endlos-Nummern
handelt, die die Zehn-Minuten-Marke zum Teil bei weitem überschreiten.
Und es ist fast ebenso logisch, daß sich die CD nach dem ersten Hören
nicht einmal annähernd erschließt. Ganz im Gegenteil: Man ist
gar geneigt, das Ganze als wirr zusammengefügtes Möchtegern-Gemalle
abzutun. Das ist es aber mitnichten. Vielmehr hat jeder Part von "'N crugu
bradului" seinen eigenen Charakter, wobei die ersten beiden am befremdlichsten
wirken, Teil drei mit seinen progressiven Strukturen stark an Emperor erinnert
und die vierte Episode die wohl eingängigste ist (wenn man im Zusammenhang
von NEGURA BUNGET überhaupt von Eingängigkeit sprechen kann).
Im Grunde
sind die Rumänen eine Black Metal-Band. Allerdings wäre die Stilistik
der Band damit zu eng gefaßt. Es sollte mich nicht wundern, wenn
NEGURA BUNGET eines Tages in einem Atemzug mit Solefald genannt werden.
„III“
JUB
PRAYING
MANTIS "The Journey Goes On"
9
Frontiers,
2003
Melodic Metal-Fans
die Ohren gespitzt. Hier kommt eine d e r Veröffentlichungen dieses
Jahres auf Euch zu. Dabei wurden PRAYING MANTIS doch in einer ganz anderen
Szene groß: nämlich im Zuge des New Wave Of British Heavy Metal.
Nicht, daß es dort nicht auch hochmelodiös zuging. Allerdings
liebäugelt man heutzutage mehr mit den Asia seit John Payne (für
die ganz jungen Metal-Fans: klingt nach neuen Nightingale) als wie einst
mit Iron Maiden.
Mit an Bord
sind immer noch die beiden Gründungs-Mitglieder Tino (g, voc, key)
und Chris Troy (g, voc, key) sowie der 1990 eingestiegene Dennis Stratton
(g, voc, key). Verstärkt hat sich die Band für das Album "The
Journey Goes On" darüberhinaus mit John Sloman und Dougie White (beide
voc) sowie Martin Johnson (dr). So viele Sänger, mag da mancher denken.
Das schlägt sich auf der Scheibe allerdings mit Nachdruck nieder.
Denn die Satzgesänge in den Refrain-Teilen oder durchgehend beim Titelsong
sind traumhaft. Nicht zuletzt auch wegen der einfach nur als wunderschön
zu bezeichnenden Melodien. Neben "Journey ..." ragen da vor allem "The
Escape", "Silent War" und "If Tomorrow Never Comes" heraus. Zu kritteln
gibt es an diesem Album kaum etwas. Lediglich "Beast Within" und auch der
Opener "Tonight" haben ein altbackenes Flair, das sich auch nach mehrmaligem
Hören nicht in Geschmeidigkeit verliert. Trotzdem sind beide Songs
immer noch gute Stücke, die vielleicht vor allem eine Brücke
zu der Gründungszeit der Band schlagen sollen, denn die ist auf das
Jahr 1977 datiert.
Und wen es
interessiert: Bei PRAYING MANTIS trommelten bereits Dave Potts (Ten Yeras
After) und Clive Burr (Iron Maiden), sangen Bernie Shaw (Uriah Heep) und
Gary Barden (MSG). Das sind Referenzen, nicht wahr.
"The Voice"
JUB
1349 „Liberation“ 8
Candlelight, 2003
Ja es gibt ihn noch, den räudigen,
infernalischen, haßerfüllten, kranken Hochgeschwindigkeits-Black
Metal. Und man muß ihn nicht einmal bei irgend welchen winzig kleinen
Underground-Labels suchen. Er ist sogar noch bei Firmen wie Candlelight
Records zu finden. Sicher liegt dies auch an der Mitarbeit von gestandenen
Musikern wie Frost am Schlagzeug, der hier trommelt als sei er an einer
Hochspannungsleitung angeschlossen.
Aber die auch die Qualität
der Musik ist ein gehöriges Pfund, mit dem die Band 1349 gewuchert
haben wird. Hier werden keine Zwergkaninchen gestreichelt. Vielmehr dürfte
nach einem 1349-Gig nur noch ein Abriß-Kommando für die Ordnung
am Schauplatz zu sorgen haben.
Der Eindruck der Keller-Undergrounder
entsteht auf der CD "Liberation" übrigens nicht nur durch die Art
der Musik, sondern auch durch den wirklich häßlichen Sound.
Die Drums klingen wie auf Töpfen gespielt und die Gitarren haben diesen
Zerr-Klang, als sei die Klampfe mit Plastik-Folie umwickelt. Black Metal-Fans:
Unbedingt reinhören!
„I Breathe Spears“
JUB
GALLOGLASS "Legends From Now
And Nevermore" 10
LMP/SPV, 2003
Angesichts der unermeßlichen
Veröffentlichungs-Fülle im sogenannten Power Metal-Bereich könnten
Euch GALLOGLASS im Februar, als "Legends From Now And Nevermore" erschien,
durchgerutscht sein. Dieses Versäumnis könnt Ihr jetzt revidieren,
indem Ihr Euch das Teil halt im Oktober bestellt. Nur zulegen müßt
Ihr Euch die CD, soweit Ihr auf Musik steht, die wohl am stärksten
mit Blind Guardian verglichen werden kann. Allerdings vermeiden GALLOGLASS
den manchmal zum Kitsch neigenden Bombast der Band um Sänger Hansi
Kürsch. Bei diesen Hannoveranern geht es durchweg kompakt zur Sache:
die Gitarren treiben mit Wucht und Tempo durch die Songs, die Drums tackern
unaufhörlich. Dabei lassen GALLOGLASS jedoch Dynamik nicht missen.
Wenn die Songs ruhigere Einschübe erleben (oder "The Quest"), dann
immer passend, nichts wird der zwanghaften Bedienung eines Stils unterworfen.
Vermutlich sind auch gerade deshalb Stücke entstanden, die bei aller
Vergleicherei eigentlich so noch nicht zu hören waren. Und diese Wirkung
erzeugt nicht nur die beeindruckend eingesetzte Violine. Vielmehr zeugen
Songs wie "A Winterstale", der Titelsong oder "The Last Stand" von einem
erstaunlichen kompositorischen Geschick. Hier reift eine Band heran, die
einen ähnlichen Steilflug wie einst - um bei dieser Parallele ruhig
mal zu bleiben - Blind Guardian erleben könnte.
"Ancient Times"/"Legend From
Now And Nevermore"
JUB
SKYFIRE „Mind Revolution“
6
Hammerheart Rec., 2003
Man mag sich erinnern: Das SKYFIRE-Debüt,
"Timeless Departure", hing mir völlig zum Halse raus (siehe Abgehört
vom 13. November 2001). Schuld waren die verkrampften Kopien von Dimmu
Borgir- und Old Mans Child-Songs, von denen es vor zwei Jahren wirklich
zur Genüge gab. Das Zweitwerk der Schweden ist immer noch nicht frei
von unnütz aufgeblasenen Songs (zum Beispiel "Blinded By Euphoria").
Allerdings klingt so einiges auf "Mind Revolution" weitaus runder. Manche
Stücke könnten gar einem dieser zahlreichen Melodic Death-Acts
untergeschoben werden. Hört nur den Opener "Nightmares Nevermore".
Er zeigt, daß harmonische Gitarren-Linien auch in einem Song Bestand
haben, in dem weniger manchmal mehr ist. Oder das Titelstück: Was
für eine großartige Nummer. An dieser Stelle würde ich
der Band durchaus Potential bescheinigen wollen, das sie aus dem Sumpf
des bloßen Kopierens herausgehoben hat. Album Nummer drei könnte
ein Knaller werden, wenn sich die Musiker weiter auf das Wesentliche beschränken
und nicht wieder dem Zwang unterliegen, mit einem Haufen Watte die Stücke
ungebührlich auspolstern zu wollen.
„On Blackest Wings“
JUB
DIES ATER "Chanting Evil"
8
Neon Knights/Soulfood, 2003
Album Nummer drei der umstrittenen
Berliner Band DIES ATER ist am Start. Es hat im Vorfeld der Veröffentlichung
dieses Tonträgers eine Menge Probleme gegeben, denn wär alles
nach Plan gelaufen, stünde diese Scheibe vermutlich schon seit rund
einem Jahr in Euren Regalen. Aber wie so oft gab es Probleme mit einem
laut Keyboarder Ole Caust "zahlungsunfähigen Label, das die Band auf
fertigen Aufnahmen sitzen ließ". Eine Herstellung der Scheibe war
mangels Finanzen nicht mehr möglich. Realisiert wurde das Ganze nun
mit den Leuten von Neon Knights. Und hat sich das Warten gelohnt? In der
Quintessenz würde ich diese Frage unbedingt bejahen, denn DIES ATER
haben einmal mehr ein mehr als grundsolides Black Metal-Album abgeliefert,
das sich von seinen Vorgängern nicht wesentlich unterscheidet. Mit
Hang zum Bombast und einer Vielzahl von Rhythmus-Wechseln zeugt zum Beispiel
der Titelsong davon, daß "Chanting Evil" erneut nichts für Momente
bierseliger Partie-Laune ist. Man intoniert das Böse, wie es uns der
Plattentitel mitteilen will. Und das kann man laut DIES ATER gotisch-düster
wie zu Beginn von "Dethrone The Weak Mortality" oder eingebettet in harmonisch-einschmeichelnde
Melodie-Bögen wie sie "The Last Of Storms" dominieren. Höhepunkte
sind die deutsch gesungenen "Der Wächter" und "Rausch der Macht",
die irgendwie auch musikalisch herausragen. Keine Ahnung, ob man um deutsche
Worte andere Song-Konstrukte schafft als ums Englische. "Der Wächter"
jedenfalls ist die Dramatik pur, während "Rausch ..." mit Thrash-Andeutungen
Haß und Wut transportiert.
"Rausch der Macht"/"Der Wächter"
JUB