An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 14. Oktober 2003


CYDONIA "The Dark Flower" 8
Metal Blade, 2003

CYDONIA - The Dark Flower

Klasse Einstieg dieses "Midnight Man". Brachiale Thrash Gitarren, eingängiger Power Metal-Refrain, ganz dezente New Metal-Spielerchen und schließlich deuten sich da noch Industrial-Elemente per Elektronic-Einschübe an. Klingt fast ein wenig überladen, wurde aber exzellent zusammengefügt. Die Songs sind im Großen und Ganzen rund, schlagen mal in die eine, dann wieder in eine andere der genannten Richtungen aus. Die tragende Säule der Stücke auf "The Dark Flower" ist der Gesang von Dan Keying, der für sämtliche Kompositionen und für die Produktion verantwortlich zeichnet. Manch einer hat sich dabei schon übernommen, Keying hatte aber offensichtlich eine Hoch-Phase. Erwartet von CYDONIA kein epochales Meisterwerk, der Unterhaltungswert dieser Scheibe ist allerdings enorm und erhöht sich bei mehrmaligem Hören.
"Invisible"

JUB

NEGURA BUNGET „'N crugu bradului“ 7
Code 666/SPV, 2003

NEGURA BUNGET - 'N crugu bradului

Die Jungs von NEGURA BUNGET haben es ihrem Publikum seit jeher nicht leicht gemacht. Abgesehen von eigentlich meist völlig unverständlichen, intellektuell überzogenen Text-Konzepten, bot die Musik immer weitaus mehr als nur das berühmte Song-Schema. Und so ist "'N crugu bradului" einmal mehr ein Konzept-Album, das aus vier Teilen besteht - also quasi keine Songs enthält. Logisch, daß es sich bei diesen Werken um Endlos-Nummern handelt, die die Zehn-Minuten-Marke zum Teil bei weitem überschreiten. Und es ist fast ebenso logisch, daß sich die CD nach dem ersten Hören nicht einmal annähernd erschließt. Ganz im Gegenteil: Man ist gar geneigt, das Ganze als wirr zusammengefügtes Möchtegern-Gemalle abzutun. Das ist es aber mitnichten. Vielmehr hat jeder Part von "'N crugu bradului" seinen eigenen Charakter, wobei die ersten beiden am befremdlichsten wirken, Teil drei mit seinen progressiven Strukturen stark an Emperor erinnert und die vierte Episode die wohl eingängigste ist (wenn man im Zusammenhang von NEGURA BUNGET überhaupt von Eingängigkeit sprechen kann).
Im Grunde sind die Rumänen eine Black Metal-Band. Allerdings wäre die Stilistik der Band damit zu eng gefaßt. Es sollte mich nicht wundern, wenn NEGURA BUNGET eines Tages in einem Atemzug mit Solefald genannt werden.
„III“

JUB

PRAYING MANTIS "The Journey Goes On" 9
Frontiers, 2003

PRAYING MANTIS - The Journey Goes On

Melodic Metal-Fans die Ohren gespitzt. Hier kommt eine d e r Veröffentlichungen dieses Jahres auf Euch zu. Dabei wurden PRAYING MANTIS doch in einer ganz anderen Szene groß: nämlich im Zuge des New Wave Of British Heavy Metal. Nicht, daß es dort nicht auch hochmelodiös zuging. Allerdings liebäugelt man heutzutage mehr mit den Asia seit John Payne (für die ganz jungen Metal-Fans: klingt nach neuen Nightingale) als wie einst mit Iron Maiden.
Mit an Bord sind immer noch die beiden Gründungs-Mitglieder Tino (g, voc, key) und Chris Troy (g, voc, key) sowie der 1990 eingestiegene Dennis Stratton (g, voc, key). Verstärkt hat sich die Band für das Album "The Journey Goes On" darüberhinaus mit John Sloman und Dougie White (beide voc) sowie Martin Johnson (dr). So viele Sänger, mag da mancher denken. Das schlägt sich auf der Scheibe allerdings mit Nachdruck nieder. Denn die Satzgesänge in den Refrain-Teilen oder durchgehend beim Titelsong sind traumhaft. Nicht zuletzt auch wegen der einfach nur als wunderschön zu bezeichnenden Melodien. Neben "Journey ..." ragen da vor allem "The Escape", "Silent War" und "If Tomorrow Never Comes" heraus. Zu kritteln gibt es an diesem Album kaum etwas. Lediglich "Beast Within" und auch der Opener "Tonight" haben ein altbackenes Flair, das sich auch nach mehrmaligem Hören nicht in Geschmeidigkeit verliert. Trotzdem sind beide Songs immer noch gute Stücke, die vielleicht vor allem eine Brücke zu der Gründungszeit der Band schlagen sollen, denn die ist auf das Jahr 1977 datiert.
Und wen es interessiert: Bei PRAYING MANTIS trommelten bereits Dave Potts (Ten Yeras After) und Clive Burr (Iron Maiden), sangen Bernie Shaw (Uriah Heep) und Gary Barden (MSG). Das sind Referenzen, nicht wahr.
"The Voice"

JUB

1349 „Liberation“ 8
Candlelight, 2003

1349 - Liberation

Ja es gibt ihn noch, den räudigen, infernalischen, haßerfüllten, kranken Hochgeschwindigkeits-Black Metal. Und man muß ihn nicht einmal bei irgend welchen winzig kleinen Underground-Labels suchen. Er ist sogar noch bei Firmen wie Candlelight Records zu finden. Sicher liegt dies auch an der Mitarbeit von gestandenen Musikern wie Frost am Schlagzeug, der hier trommelt als sei er an einer Hochspannungsleitung angeschlossen.
Aber die auch die Qualität der Musik ist ein gehöriges Pfund, mit dem die Band 1349 gewuchert haben wird. Hier werden keine Zwergkaninchen gestreichelt. Vielmehr dürfte nach einem 1349-Gig nur noch ein Abriß-Kommando für die Ordnung am Schauplatz zu sorgen haben.
Der Eindruck der Keller-Undergrounder entsteht auf der CD "Liberation" übrigens nicht nur durch die Art der Musik, sondern auch durch den wirklich häßlichen Sound. Die Drums klingen wie auf Töpfen gespielt und die Gitarren haben diesen Zerr-Klang, als sei die Klampfe mit Plastik-Folie umwickelt. Black Metal-Fans: Unbedingt reinhören!
„I Breathe Spears“

JUB

GALLOGLASS "Legends From Now And Nevermore" 10
LMP/SPV, 2003 

GALLOGLASS - Legends From Now And Nevermore

Angesichts der unermeßlichen Veröffentlichungs-Fülle im sogenannten Power Metal-Bereich könnten Euch GALLOGLASS im Februar, als "Legends From Now And Nevermore" erschien, durchgerutscht sein. Dieses Versäumnis könnt Ihr jetzt revidieren, indem Ihr Euch das Teil halt im Oktober bestellt. Nur zulegen müßt Ihr Euch die CD, soweit Ihr auf Musik steht, die wohl am stärksten mit Blind Guardian verglichen werden kann. Allerdings vermeiden GALLOGLASS den manchmal zum Kitsch neigenden Bombast der Band um Sänger Hansi Kürsch. Bei diesen Hannoveranern geht es durchweg kompakt zur Sache: die Gitarren treiben mit Wucht und Tempo durch die Songs, die Drums tackern unaufhörlich. Dabei lassen GALLOGLASS jedoch Dynamik nicht missen. Wenn die Songs ruhigere Einschübe erleben (oder "The Quest"), dann immer passend, nichts wird der zwanghaften Bedienung eines Stils unterworfen. Vermutlich sind auch gerade deshalb Stücke entstanden, die bei aller Vergleicherei eigentlich so noch nicht zu hören waren. Und diese Wirkung erzeugt nicht nur die beeindruckend eingesetzte Violine. Vielmehr zeugen Songs wie "A Winterstale", der Titelsong oder "The Last Stand" von einem erstaunlichen kompositorischen Geschick. Hier reift eine Band heran, die einen ähnlichen Steilflug wie einst - um bei dieser Parallele ruhig mal zu bleiben - Blind Guardian erleben könnte.
"Ancient Times"/"Legend From Now And Nevermore"

JUB

SKYFIRE „Mind Revolution“ 6
Hammerheart Rec., 2003

SKYFIRE - Mind Revolution

Man mag sich erinnern: Das SKYFIRE-Debüt, "Timeless Departure", hing mir völlig zum Halse raus (siehe Abgehört vom 13. November 2001). Schuld waren die verkrampften Kopien von Dimmu Borgir- und Old Mans Child-Songs, von denen es vor zwei Jahren wirklich zur Genüge gab. Das Zweitwerk der Schweden ist immer noch nicht frei von unnütz aufgeblasenen Songs (zum Beispiel "Blinded By Euphoria"). Allerdings klingt so einiges auf "Mind Revolution" weitaus runder. Manche Stücke könnten gar einem dieser zahlreichen Melodic Death-Acts untergeschoben werden. Hört nur den Opener "Nightmares Nevermore". Er zeigt, daß harmonische Gitarren-Linien auch in einem Song Bestand haben, in dem weniger manchmal mehr ist. Oder das Titelstück: Was für eine großartige Nummer. An dieser Stelle würde ich der Band durchaus Potential bescheinigen wollen, das sie aus dem Sumpf des bloßen Kopierens herausgehoben hat. Album Nummer drei könnte ein Knaller werden, wenn sich die Musiker weiter auf das Wesentliche beschränken und nicht wieder dem Zwang unterliegen, mit einem Haufen Watte die Stücke ungebührlich auspolstern zu wollen.
„On Blackest Wings“

JUB

DIES ATER "Chanting Evil" 8
Neon Knights/Soulfood, 2003

DIES ATER - Chanting Evil

Album Nummer drei der umstrittenen Berliner Band DIES ATER ist am Start. Es hat im Vorfeld der Veröffentlichung dieses Tonträgers eine Menge Probleme gegeben, denn wär alles nach Plan gelaufen, stünde diese Scheibe vermutlich schon seit rund einem Jahr in Euren Regalen. Aber wie so oft gab es Probleme mit einem laut Keyboarder Ole Caust "zahlungsunfähigen Label, das die Band auf fertigen Aufnahmen sitzen ließ". Eine Herstellung der Scheibe war mangels Finanzen nicht mehr möglich. Realisiert wurde das Ganze nun mit den Leuten von Neon Knights. Und hat sich das Warten gelohnt? In der Quintessenz würde ich diese Frage unbedingt bejahen, denn DIES ATER haben einmal mehr ein mehr als grundsolides Black Metal-Album abgeliefert, das sich von seinen Vorgängern nicht wesentlich unterscheidet. Mit Hang zum Bombast und einer Vielzahl von Rhythmus-Wechseln zeugt zum Beispiel der Titelsong davon, daß "Chanting Evil" erneut nichts für Momente bierseliger Partie-Laune ist. Man intoniert das Böse, wie es uns der Plattentitel mitteilen will. Und das kann man laut DIES ATER gotisch-düster wie zu Beginn von "Dethrone The Weak Mortality" oder eingebettet in harmonisch-einschmeichelnde Melodie-Bögen wie sie "The Last Of Storms" dominieren. Höhepunkte sind die deutsch gesungenen "Der Wächter" und "Rausch der Macht", die irgendwie auch musikalisch herausragen. Keine Ahnung, ob man um deutsche Worte andere Song-Konstrukte schafft als ums Englische. "Der Wächter" jedenfalls ist die Dramatik pur, während "Rausch ..." mit Thrash-Andeutungen Haß und Wut transportiert. 
"Rausch der Macht"/"Der Wächter"

JUB
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