An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 15. Januar 2002


EMERALD RAIN „Perplexed In The Extreme“ 8
Frontiers/Voodoo Rec/MDS/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Emerald Rain - Perplexed In The Extreme

Ich glaube, ich wiederhole mich an dieser Stelle, wenn ich feststelle, welche Verantwortung heutzutage auf Tonträger-Rezensenten lastet. Die Veröffentlichungs-Lawine wird größer und größer, je länger sie in Bewegung ist. Wie dann aber jedem Tonträger gerecht werden, wenn der Tag nunmal nur 24 Stunden hat? Das Einfachste wäre, Scheiben, bei deren Musik man glaubt, sie schon beim Durchzappen zu durchschauen, halt nur ein paar Minuten zu gönnen. Das ist aber gegenüber den Musikern nicht nur überheblich, sondern stellt die eigene Urteilsberechtigung in Frage.
Warum erzähle ich das? - EMERALD RAIN durchzogen mit ihren Klängen meine Anlage und ich neigte nach zwei, drei Songs dazu, abzuwinken. Ich gab den Kanadiern, die rein äußerlich soviel mit Heavy Metal zu tun haben wie ein Smart mit Stromlinienförmigkeit, noch eine zweite, schließlich gar eine dritte Chance. Und was soll ich sagen? Die Typen beeindruckten mich von Mal zu Mal mehr. Wenn ich als erste Parallele die Gruppe Extreme heranziehe, dann soll dies aber beileibe nicht das gesamte Spektrum der Musik von EMERALD RAIN umschreiben. Bestenfalls die perfekten Refrain-Chöre und die fast funkig gespielte Gitarre erinnern an die Crossover-Melodic-Amis. Bei den Kanadiern sind die Melodien irgendwie satter, wiegen schwerer. Extreme hatten den Hang zu High-School-Mitträller-Weisen, EMERALD RAIN sind niveaumäßig ein ganzes Stück höher anzusiedeln. So manch ein Melodic Metal-Fan wird vermutlich genau wie ich eine gewisse Zeit brauchen, um in diese Musik eintauchen zu können. Wenn es aber soweit ist, mag man gar nicht wieder hochkommen.
"You"

JUB

STRATOVARIUS „Intermission“ 6
Nuclear Blast, 2001

Stratovarius - Intermission

Nun, mittlerweile ist es auch schon wieder fast ein halbes Jahr her, als sich STRATOVARIUS mit der vorliegenden "Intermission"-Scheibe von ihren Fans verabschiedeten. Zwei Jahre Pause will man machen, hieß es. Schön, wenn die Kassen so hell klingen, daß das geht. Die Mitglieder der Band - aus Finnland, Schweden und Deutschland stammend - haben aber bekanntlich genügend in der Szene zu tun, so daß der Kühlschrank in diesen zwei Jahren sicher kein leeres Fach erleben wird.
Aber was hat "Intermission" zu bieten, eine Scheibe, die die Zeit bis zur Reunion überbrücken soll? Erstmal wurden sämtlichst erschienene Bonustracks und Tribute-Beiträge zusammengetragen ("Bloodstone" Judas Priest, "Kill The King" Rainbow). Dann gibt es noch ein paar Live-Sachen (eigentlich auch Bonus-Material), zwei bisher unveröffentlichte Stücke sowie vier neue Songs. Damit ist diese CD auf jeden Fall ein gut bestücktes Zwischenteil, das jedem Fan das Herz höher schlagen lassen dürfte. Von Abzocke kann da nicht die Rede sein. Wohl aber bleiben STRATOVARIUS extreme Geschmackssache. Das beginnt bei dem etwas fade klingenden Sänger, geht über manchmal doch etwas schwächelnde Melodien ("The Curtains Are Falling") und endet bei üppig eingesetzten Keyboards. Perfektion kann man diesen Musikern nun wahrlich nicht absprechen, die Haltbarkeitsdauer ihrer Musik scheint dann doch nicht ganz der anderer sogenannter Melodic Power Metal-Bands standzuhalten.
"The Curtains Are Falling"

JUB

PARAGON OF BEAUTY „Comfort Me, Infinity“ 4
Prophecy Prod., 2001

Paragon Of Beauty - Comfort Me, Infinity

PARAGON OF BEAUTY zelebrieren eine eigenwillige Musik. Geben sie der Gitarre Leine, dann rumort es anständig. Auch in Sachen Dynamik machen die Deutschen manch einem Kollegen aus der düsteren Dark Metal-, Gothic- oder Melancholic-Fraktion etwas vor. Und selbst die Songs offenbaren nicht nur einmal sehr vernünftige Ideen. Allerdings klingt Sänger, Gitarrist, Songschreiber und Texter Monesol über weite Strecken viel zu leidvoll, was aufgesetzt wirkt. Da sind jene Passagen, die an The Cure erinnern, noch die besseren Momente. Unschön kommen auch die immer wieder ohrenscheinlichen Bezüge zum angesagten Gitarren Rock rüber ("A Drowning Day").
Der Zugang zu der Musik von PARAGON OF BEAUTY wird von so mancher Hürde verstellt. Die zu meistern, muß man entweder eine sehr depressive Phase haben oder einfach nur auf dem Trip sein, willig Neuentdeckungen zu wagen, koste es, was es wolle. 
""Comfort Me, Infinity"

JUB

HROSSHARSGRANI „The Secret Fire“ 7
CCP, 2001

Hrossharsgrani - The Secret Fire

Mensch, welche Verrückten sich derzeit in der Metal-Szene herumtreiben ... Früher war eine Heavy Metal-Band halt eine Heavy Metal-Band. Ohne wenn und aber kam man zur Sache und das war dann entweder gelungen oder halt nicht. Heutzutage haben wir den ganzen Mittelalterkram (wo sehr viel Gekonntes mit dabei ist), die Bombast-Vögel, das Gothic-Zeugs, das zwischen Akustik-Gitarre und Keyboard-Sextett alles zu bieten hat, was einem so in den Sinn kommt und schließlich ist da noch das Geflirte mit klassischen Elementen. Und da haben wir schließlich die Randgruppe jener Musiker, die sich auf Filmsoundtracks verlegten. Zu hören gibt es soetwas massig bei Bal-Sagoth und sogar bei Superstars wie Symphony X. Auf die Spitze treiben es HROSSHARSGRANI aus Österreich. Hier scheinen wir es streckenweise mehr mit einem Film-Score zu tun zu haben, als mal eben mit einem popeligen Soundtrack. Der Schwerpunkt auf "The Secret Fire" liegt nämlich eindeutig auf orchestraler Musik. Schwermetallisches Gewuchte wie in "Flesh And Steel" gibt es eher selten. Tja, und was vertont man im Jahr des Herrn (der Ringe natürlich): Richtig, die Storys von J.R.R. Tolkien. HROSSHARSGRANI ließen sich von "The Lord Of The Rings" und "The Silmarillion" inspirieren und schufen ein paar wirklich akurate Melodien, denen man die Bilder des gerade ins Kino gekommenen Mega-Streifens zur Seite stellen könnte. An dieser Stelle liegt allerdings auch der Hund begraben, denn die CD hat nur einen ziemlich eingeschränkten Unterhaltungswert. Hat man sie einmal gehört, wird es bei den meisten garantiert eine ziemlich lange Zeit dauern, bis sie erneut zum Vorschein kommt.
Nehmen wir zum Beispiel "Dragonmagic". Dieses rein orchestrale Werk ist spätestens nach einem zweiten Durchlauf verbraucht.
Nichtsdestotrotz kann "The Secret Fire" empfohlen werden, konnten HROSSHARSGRANI doch sämtliche Peinlichkeiten umschiffen. Und in diesem Genre wirklich Hörenswertes zu schaffen, kostet einige Mühe. Bei dem österreichischen Trio hat sich diese gelohnt.
"Flesh And Steel"

JUB

VIRGIN STEELE „Hymns To Victory“ 9
Sanctuary/Noise/T&T, 2002

Virgin Steele - Hymns To Victory

„Flames Of The Power“
Wer die INTERREGNUM-Sendungen im vergangenen Jahr verfolgt hat, wird wissen, daß VIRGIN STEELE mit ihrem „House Of Atreus II“ bei uns ganz groß eingeschlagen haben. Nicht umsonst standen sie bei mir damit an der Spitze meiner Jahres-Top-10 der Alben. Tja, und was soll man dann zu einer „The Best Of“-Scheibe sagen, die tatsächlich echte Highlights der Band beinhaltet. Jeden Favoriten zu berücksichtigen, geht bei dem Fundus an Übersongs natürlich nicht, spricht am Ende aber für die Qualität der Band.
Aber VIRGIN STEELE wären nicht VIRGIN STEELE, bekäme man eine popelige Greates Hits-Sammlung mit ein paar Bonus-Tracks vorgelegt. Nein, hier haben wir es bei „Hymns To Victory“ quasi mit einem eigenständigen Album zu tun. Denn nicht einer dieser 13 Songs war in der vorliegenden Version schon einmal zu hören. Da haben wir sechs „re-mastered“ Stücke, zwei „alternate mixes“, einen „different mix“, einen „long lost early mix“ („Nobel Savage“), „The Spirit Of Steele“ kommt als „new acoustic version“, natürlich bisher unveröffentlicht und schließlich haben wir mit „Saturday Night“ (purer Glam Rock) und „The Mists Of Avalon“ (Ballade) sogar noch zwei bisher unveröffentlichte Songs dabei. Das ist ein sattes Angebot auf höchstem Niveau, das ausgerechnet die beiden unbekannten Stücke (aus „Nobel Savage“- und „Age Of Consent“-Zeiten) nicht halten können.
„A Symphony Of Steele“/„Trough The Ring Of Fire“

JUB

IGZORN „Mein ganzer Haß gilt Euch“ 5
Eigenprod., 2000

Igzorn - Mein ganzer Haß gilt Euch

„Nacht ohne Licht“, „Sterben“, „Der Traum ist aus“ ... und dann noch dieser CD-Titel: „Mein ganzer Haß gilt Euch“. Wieviel Weltschmerz verträgt ein Mensch, bevor er sich den finalen Stoß versetzt? IGZORNs Welt jedenfalls scheint eine hoffnungslose zu sein (womit sie ja nicht unrecht haben). Nur wie damit umgehen? Christian Albers (voc, git), Ariane Mehl (Querflöte), Daniel Kollmus (bg) und Tobias Feldermann (dr) jedenfalls haben sich dazu entschlossen, ihren Kummer in Worte zu fassen und musikalisch zu umhüllen. Und an dieser Stelle ist schon so manche Band gescheitert, die es mit der Weltuntergangsstimmung hielt. IGZORN allerdings verleihen ihren depressiven Gedanken die passende Klänge: Schwerfällige Musik, dröhnende Gitarren, Death-Growls und Querflöten-Klänge, die manchmal von irgendwo aus dem Jenseits zu kommen scheinen, Film-Samples ....
Die Band aus Heilbronn nennt ihre Musik selbst Gothic-Thrash, was nicht ganz zutreffend erscheint. Denn selbst Gothic-Fans vertragen vermutlich nur selten soviel Düsternis und das Zusammengehen von Gesang und Gitarre haben dann doch mehr von Death Metal. Und wenn schon Gothic, dann Gothic Death - diese Wortschöpfung paßt auch besser zur Stimmung der Musik. Das ganze ist streckenweise leider etwas zu vertrackt. Sicher ist dieses Stilmittel bewußt eingesetzt, macht es aber nicht eben leichter, der Musik von IGZORN näher zu kommen. Ist man nämlich nicht unbedingt ganz so gut drauf, kann einen diesen Zeug verdammt noch weiter runter ziehen. Bestes Beispiel dafür ist ausgerechnet der einzige in englisch gesungene Song auf dieser CD, "Dream On", der nicht nur sprachlich, sondern auch durch die cleanen Vocals und die nahezu noisige Gitarre aus der Rolle fällt.
„Dream On“

JUB

RAKOTH „Jabberworks“ 9
Code 666, 2001

Rakoth - Jabberworks

Aus Rußland kamen bisher nicht selten äußerst interessante Bands und Musiker. Und wenn man dabei überlegt, daß es sich bestenfalls um die Spitze eines Eisbergs handelt, möchte man meinen, daß es zwischen Ural und Taiga noch so manch aufregende Entdeckung zu machen gibt. Denn wer kannte zum Beispiel schon groß die Band RAKOTH, die es seit 1996 gibt, bereits drei Demos veröffentlichte und hier mit „Jabberworks“ das zweite Album vorlegt. Und was für ein Album. Für Russen ist die gesamte Atmosphäre dieser Scheibe ungewöhnlich, erinnert sie doch irgendwie an die letzte Primordial (siehe Abgehört vom 9. Januar 2001).
„Insurgent One“
Nicht daß RAKOTH wie Primordial klingen würden. Vielmehr ist es eine Mischung aus Schwermut, Folklore und Hymnenhaftigkeit, die diesen Vergleich heraufbeschwört. Egal in welchen Tempo-Graden sich RAKOTH gerade gefallen, immer wird eine bestechende Melodie serviert. Und obwohl die Band meist im getragenen Bereich agiert, wird bei den Russen eine enorme Abwechslung geboten. Das kommt nicht nur durch den Einsatz von Flöte, Keyboard oder Orchester - das Trio versteht es sehr gut, eine Ausgewogenheit zwischen Gitarrendonner und Zurückhaltung zu finden. Auch der Wechsel zwischen cleanem und rauhem Gesang scheint gut durchdacht.
Ein absolutes Schmankerl liefern uns RAKOTH mit dem deutsch gesungenen ...
„Der Jammerwoch“

JUB

HUMAN FORTRESS "Lord Of Earth And Heavens Heir" 6
Limb Music/SPV, 2001

Human Fortress - Lord Of Earth And Heavens Heir

Flotte Powerchords, Doublebass, filigrane Sologitarren und eine Stimme, die manchmal an den jungen Bruce Dickinson erinnert. Das sind die Zutaten, mit denen HUMAN FORTRESS ihre CD "Lord Of Earth And Heavens Heir" zubereiteten. Die Band, welche sich auf dem Backcover im Stile mittelalterlicher Edelleute zu kleiden weiß, hat damit den Geist der Zeit, sprich den Melodic Metalzug in voller Fahrt, erkannt. HUMAN FORTRESS scheinen im Übungskeller ihre Zeit nicht nur mit dem Wichsen an den Instrumenten verbracht, sondern sich auch mit mit der Songschreibermaterie vertraut gemacht zu haben. Und daran taten sie gut, denn eine weitere "Seht her, ich bin Gott an der Gitarre"-Band mit reinem Gefiedel und ohne Substanz raubt zuletzt nicht nur den Rezensenten den letzten Nerv. "L.O.E.A.H.H." bietet dem Hörer mit unterstützenden Keyboards angereicherte epische Songs mit Druck an den richtigen Stellen und einem angenehmen Gesang. Die typische Ballade fehlt natürlich auch nicht, in diesem Falle heißt sie "Forgive And Forget" und kommt mit ruhigem Piano daher. HUMAN FORTRESS sind keine Band der bahnbrechenden Innovation, haben aber durchaus Klasse. 
"Lord Of Earth And Heavens Heir"

THOMAS

STORMWIND "Reflections" 6
Massacre/Connected, 2001

Stormwind - Reflections

STORMWIND - die Band um den Gitarristen Thomas Wolff - meldet sich mit einer neuen, mittlererweile fünften CD an der Veröffentlichungsfront zurück. Ist die "Heaven Can Wait" bei mir seinerzeit durchgefallen aufgrund ihrer Durchschnttlichkeit, so hat Wölffi mit "Reflections" ein paar Briketts drauflegen können. "Reflections" ist ein Konzeptalbum über die ägyptische Ära der Pharaonen und deren Dynastien nebst ihrer Gottheiten geworden. Nun, über die Originalität dieses Themas ließe sich natürlich vortrefflich streiten. Doch wie es ist, so ist es halt, und Stormwolff macht seine Sache gut. Denn mit seinem Ägyptertick übertreibt er es nicht, so gibt es hauptsächlich griffigen Melodic Metal, der gut ins Ohr geht und der momentanen Flut dieser Musik zum Trotze nicht banal wirkt. Zwar kann der Gitarrenwunderknabe nicht gänzlich auf gewisse Genre-Klischees wie Keyboard/Gitarrenduelle und lange Instrumentalparts verzichten, aber das muß er auf "Reflections" auch gar nicht. Denn wie bereits gesagt, er macht seine Sache gut. 
Ein Beweis dafür gibt ist der mit hymnenhaften Gesangsmelodien und treibendem Rhythmus, vortrefflichem Gitarrespiel und tollem Refrain ausgestattete Song ...
"War Of Troy"

THOMAS
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