ABGEHÖRT vom 15. Februar 2005

KREATOR
"Enemy Of God"
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.kreator-terrorzone.de
KREATOR - Enemy Of God On Air: "Impossible Brutality"
Mittlerweile sind die Mannen um Mille und Ventor schon satte 23 Jahre im Geschäft, haben alle Höhen und Tiefen mitgemacht und stets dafür gesorgt, nie eine Platte zweimal zu machen. Jede Scheibe der Altenessener Thrash-Institution war eine mal freudige, mal verwirrende Überraschung. Und nie machten sie, was man von ihnen erwartete. Bis heute, denn "Enemy Of God" könnte durchaus als "Violent Revolution" Teil 2 durchgehen. Stagnation? Stillstand? Mitnichten. Mille und Co. scheinen nun zu wissen, wie sie am Besten klingen, wo ihre eigentlichen Stärken liegen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich die Band stets neu zu definieren versuchte. Die Fans wird es freuen, nicht wenigen waren die stilistischen Sprünge zwischen "Renewal", "Cause For Conflict", "Outcast" und "Endorama" zu kraß. Seit "Violent Revolution" und jetzt mit "Enemy Of God" sind KREATOR wieder, was sie immer waren: eine Thrash-Band. KREATOR 2005 stehen einmal mehr für meisterliches Riffing mit hohem Wiedererkennungswert, treibendem Schlagzeugspiel und hochmelodischen Leadgitarren. Milles Stimme klingt aggressiv wie zuletzt vor 15 Jahren. Wo könnte die Band heutzutage stehen, hätte sie "Violent Revolution" direkt nach "Coma Of Souls" herausgebracht und mit der neuen Scheibe hinterhergezogen? Wie auch immer, KREATOR sind zurück, so wie die Fans sie lieben und verehren. Wenn sich doch nur mehr alteingesessene Bands wieder auf ihre eigentlichen Stärken zurückbesännen. 10 von 10
THOMAS

THE DUSKFALL
"Source"
Erschienen: 2004
Label: Black Lotus Records
Homepage: www.theduskfall.com
THE DUSKFALL - Source On Air: "Guidance"
Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich innerhalb der Metal-Szene einzelne Stilrichtungen zu hippen Themen entwickeln, die für eine kurze Zeit eine immer größere Auswertung erfahren. Und derzeit ist der melodische Schweden-Death (mit Thrash-Beiwagen), wie er von Bands wie Dark Tranquillity oder In Flames populär gemacht wurde, bei den harten Musikanten eine beliebte Spielwiese. Wer diese Musik bevorzugt, wird mir zustimmen, denn die Namen jener Bands, die solche Musik machen, sind längst nicht mehr zu überschauen.
THE DUSKFALL aus (huch) Schweden sind eine weitere Kapelle, die sich in die Melodic-Death- Armee einreiht. Und sie sind keine schlechte. Druckvoll, äußerst aggressiv werden die Songs auf "Source" vorgetragen. Die Melodien, laut Stilbezeichnung ja ein äußerst wichtiger Bestandteil, sind bei THE DUSKFALL intelligent gestaltet, bewegen aber nicht die Welt.
Und das ist am Ende auch das Crux der Schweden: Sie spielen gut mit, stürmen aber nicht. DUSKFALL schlagen präzise Pässe und stehen in der Verteidigung sicher, schießen aber kein Tor.
Mit "Source" könnt ihr nichts falsch machen, eine Entdeckung ist die Band aber nicht. 6 von 10
JUB

SAXORIOR
"Never Ending Battles"
Erschienen: 2003
Label: Battlegod Productions
Homepage: www.saxorior.de
SAXORIOR - Never Ending Battles On Air: "Never Ending War"
"Blade Of Revenge"
"Dem Meister"
Wenn es um deutsche Bands geht, die noch immer zu unrecht völlig unterbewertet werden, kommt sicherlich recht bald auch die Sprache auf SAXORIOR. Wie kaum eine andere Band verstehen es die Musiker um Kai-Uwe Schneider und Matthias Eschrich, Bathory-artigen Stampfrhythmus, Midtempo-Groove und erhabene Melodien mit passenden Keyboardsounds und thrashigen Riffs zu kombinieren. Gewürzt wird diese Mischung mit kontrollierten Blastausbrüchen, die nie zum Selbstzweck verkommen. War Ihr Vorgängerwerk "Portent Of Eternity" schon ein Knaller, so hat sich zu "Never Ending Battles" mehr Eingängigkeit in die Songs geschlichen. Egal, ob das Intro "Disaster Is Coming", die mit einer melancholischen Gitarrenmelodie unterlegte Groovegranate "Blade Of Revenge", der aggressive Headbanger "Pain", der Hit "Never Ending War" oder das Epos "Dem Meister" - der Fuß und der Kopf wippt bzw. nickt immer mit. SAXORIOR spielen Pagan Metal, der Vollendung bereits sehr nahe. 9 von 10
THOMAS

HELLEBAARD
"Strijdkracht"
Erschienen: 2004
Label: CCP
Homepage: www.hellebaard.tk
HELLEBAARD - Strijdkracht On Air: "Strijdkracht"
Wären unsere Vorfahren mit einem lecken Boot in See gestochen oder mit einem Holzschwert zum Kampf angetreten? Hätten sie lahme Greise auf die Jagd geschickt oder eine Mißgestaltete zum Schönheitsideal erhoben? Mit Sicherheit nicht. Von daher wären Volmorth und Zarlack von HELLEBAARD mit Garantie auch nicht als Barden geduldet worden. Heute gibt es leider keine Auslese mehr und so hat das holländische Duo die Chance erhalten, seinen Abfall auf einem Tonträger zu verewigen. Obendrein mit moralischer und vermutlich auch finanzieller Unterstützung des österreichischen Labels CCP.
Allerdings sind HELLEBAARD das beste Beispiel dafür, wie man Mühe und Geld völlig sinnlos verschwenden kann.
Der Pagan Metal auf "Strijdkracht" geht über den rührenden Versuch von Halbwüchsigen, am Computer im Kinderzimmer ein Demo aufzunehmen, nicht hinaus. Die Gitarren sind ganz deutlich im Vordergrund, spielen aber unmenschlich langweilige Melodien und Riffs. Die Drumcomputer-Software wurde von einer Festplatte beim Trommelkurs in der Volkshochschule heruntergeladen und das Keyboard gab es für 2,90 Euro bei Spiele-Max im Ausverkauf. Nun, und der Gesang kommt dem bockigen Gequängel eines Kleinkindes gleich, ist aber so stark in den Hintergrund gemischt, daß nur Geräuschfetzen wahrzunehmen sind. Zum Glück, sonst könnte niemand gesunden Verstandes diese CD durchhören.
Die Songs zeugen von völliger Talentlosigkeit und bilden das Gerüst dieses Klangmülls.
Keine Ahnung, warum Claus Prellinger mit diesem hanebüchenen Unsinn den Ruf seines Labels aufs Spiel setzt. 1 von 10
JUB

TESLA
"Into The Now"
Erschienen: 2004
Label: Sanctuary/T&T
Homepage: www.teslatheband.com
TESLA - Into The Now On Air: "Miles Away"
Sieh an, die amerikanische Band TESLA will es noch mal wissen. Benannt nach dem kroatischen Physik-Genie Nikola Tesla (1856-1943), der den Wechselstrom wissenschaftlich und wirtschaftlich salonfähig machte und bereits um 1900 ein System entwickelte, um Energie aus dem sogenannten Äther zu "zapfen", was herkömmliche Energiequellen wie Erdöl, Kohle und Wasserkraft überflüssig machte. Ein System, welches bis heute aber zurückgehalten wird. Ganz so spektakulär musizieren die Amis um Jeff Keith beileibe nicht. Eher handelt es sich hierbei um recht mühsam vor sich hin rockende Banalmusik, die lediglich durch Keiths Stimme etwas an Wiedererkennungswert bekommt. Die Arrangements klingen angestrengt. Wenn man glaubt, es kommt eine Steigerung in Sachen Tempo, wird nach so mancher Bridge wieder in den selben langweiligen Thema-Trott zurückgeschwenkt. Spaß macht die Scheibe zu hören nicht. TESLA kommen einfach nicht aus dem Quark. 3 von 10
THOMAS

DEBAUCHERY
"Rage Of The Bloodbeast"
Erschienen: 2004
Label: Black Attakk/Soulfood
Homepage: www.debauchery.de
DEBAUCHERY - Rage Of The Bloodbeast On Air: "Blood For The Blood God"
"Take My Pain"
Benannt wie eine amerikanische Black/Death-Metal-Band und musikalisch hart im Windschatten von Six Feet Under: Eigentlich ist soviel Uneigenständigkeit tödlich.
Das täuscht aber, denn die deutschen DEBAUCHERY haben durchaus ein eigenes Gesicht, auch wenn es der Six-Feet-Under-Visage verdammt ähnlich sieht. Aber Leute, was sind das für großartige Songs, die da auf "Rage Of The Bloodbeast" zu hören sind. Ein Groover jagt den nächsten, Sänger Thomas gurgelt in untergründigsten Chris-Barnes-Tiefen, die Gitarren ballern wie pausenlose Haubitzensalven und das Schlagzeug gibt das Kommando.
"Rage Of The Bloodbeast" ist lebensgefährlich, denn wer hier durchbangt, droht sich das Genick zu brechen. 9 von 10
JUB

LAST AUTUMN'S DREAM
"Last Autumn's Dream"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers Rec./Soulfood
Homepage: ---
LAST AUTUMN'S DREAM - Last Autumn's Dream On Air: "The One"
LAST AUTUMN'S DREAM ist ein Projekt des schwedischen Sängers und Songschreibers Mikael Erlandsson. Dieser in Asien bereits auf einer soliden Welle des Erfolges schwimmende Musiker tat sich auf Anraten seines Labels mit dem deutschen Gitarristen Andy Malecek (Fair Warning) zusammen, um mit LAST AUTUMN'S DREAM ein Album im Stile des 80er-Jahre-AOR-Sounds aufzunehmen. 
Die Lieder sind aus kompositorischer Sicht absolut wasserdicht. Es wurde viel Wert auf eingängige Refrains gelegt. Die Strophenteile sind ruhig bis dezent rockig angelegt. Der Sound ist absolut rund und weist kaum scharfe Ecken und Kanten auf. Die Übergänge fließen wie Öl und zum nebenher Hören ist diese Scheibe absolut geeignet. Nur echte Hits oder Überflieger sucht man auf diesem Debüt vergeblich. Auch das Mitwirken der alten Europe-Haudegen Ian Haughland, John Levén und Mic Michaeli kann LAST AUTUMN'S DREAM nicht aus dem gehobenen Durchschnitt herausheben. Kann man sich antun, muß man aber auch nicht. 6 von 10
THOMAS

MIDWINTER
"Astral Mirrors"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.midwinter-online.de
MIDWINTER - Astral Mirrors On Air: "Dreamscape Revelations"

Also, soundtechnisch ist das erste volle Album von MIDWINTER wirklich erste Sahne. Da haben sich die Jungs und das Mädel vermutlich völlig verausgabt. Es ist halt immer wieder Klasse zu sehen, mit welchem Enthusiasmus in der Heavy-Metal-Szene unter den Bands an den eigenen Produkten gearbeitet wird. Nur kann eine Lagerfeld-Jacke auch einen verwachsenen Körper verbergen.
Denn die Musik MIDWINTERs ist zuallererst anstrengend. "The Essence" und "The Golden Age" vom "Loss Of Light"-Demo (siehe Abgehört vom 7. Dezember 2004) sind die rühmlichen Ausnahmen, wo Idee und Umsetzung funktionieren, wo man quasi greifbare Songs geboten bekommt. Der Rest des Albums wirkt zwar anspruchsvoll, ist aber lediglich eine aufgeblasene Düster-Mucke zwischen Black Metal und Gothic. Die Songs wirken fast ausschließlich zerfahren, kommen nur sehr selten auf den Punkt. Wenn Dramatik entsteht, dann per Zufall. Es erwächst der Eindruck, daß sich die Musiker beim Erschaffen ihrer Musik eher an den Möglichkeiten des Aneinanderreihens von Tonfolgen erfreuten, statt am Ende tatsächlich das ganze Lied zu sehen. 4 von 10
JUB

PUMP
"Against Everyone's Advice"
Erschienen: 2003
Label: Neon Knights/Soulfood
Homepage: www.pump-rocks.com
PUMP - Against Everyone's Advice On Air: "No Fight - No Glory"
Endlich mal wieder eine deutsche Band, die die Rock-Sau durch's Dorf treibt. PUMP lassen die Matten fliegen und laden zu einer Heavy-Metal-Party ein, die sich gewaschen hat. Da wird nicht gehetzt oder den Extremen gehuldigt - auf "Against Everyone's Advice" geht es immer straight geradeaus (selbst die Ballade kommt gut). Heavy Rock ohne Zipp und Zapp. So haben es die Großen in den 80er Jahren vorgemacht. Es verwundert wirklich, daß es Bands gibt, die sich in diesem Genre immer noch unverbrauchte Melodien einfallen lassen können. Übrigens sind hier unter anderem ehemalige Brainstorm-Mitstreiter am Werk. Wenn ich mir die neue Brainstorm-Single anhöre, die der blanke Trivial-Pop ist, kann ich verstehen, daß die Abtrünnigen den Groove suchen. Im direkten Vergleich kommen PUMP ein paar Stunden eher durch's Ziel. 8 von 10
JUB

LEX TALIONIS
"Inhuman Violence"
Erschienen: 2004
Label: Dead Sun Rec./Nuclear Blast
Homepage: ---
LEX TALIONIS - Inhuman Violence On Air: "I'll Thrash Your Grave"
"Ja wo laufen sie denn?" Dieser Satz aus einem Sketch der 30er Jahre schoß mir als erstes durch den Kopf als ich die Scheibe das erste Mal durchhörte. Wer glaubt, daß Mortician ihrem Drumcomputer schon das Extremste abverlangen, der kenn LEX TALIONIS noch nicht. So ein Geschraddel hab ich noch nicht gehört. Das Ding pflastert schneller als MG-Salven. Leider aber auch absolut nervig aufgrund der fehlenden Dynamik. Absolut dünn und ausdruckslos rattert der kleine Japaner unermüdlich vor sich hin, bis man die Geschwindigkeit nicht mehr wahrnimmt und nur noch einen stehenden Ton zu hören glaubt. Und das nervt. Die Menschen in der Band hingegen können mit ihren virtuosen Gitarrenleads für so manche Aha-Effekte sorgen. Wenn sie nicht gerade im Geschwindigkeitsrausch dem "Takt" folgen, klingen die Klampfen in ihren wilden und hochmelodischen Leads wie die leider wieder inaktiven Nocturnus. Absolut deplaziert hingegen klingt das Keyboard, wie auf "Zufallsgenerator" eingestellt, düdelt es im Hintergrund umher und wirkt etwas verloren. Die Stimme röchelt abgrundtief poetische Texte vor sich hin. Das alles wirkt im Zusammenspiel irgendwie grotesk. LEX TALIONIS sind ein Kuriosum, ein Unikat, doch zu einer interessanten Band fehlt es noch ein wenig an Koordination und ein druckvollerer Sound währe den Franzosen auch dienlich, um die guten Ansätze hörbarer zu machen. Bis jetzt noch nicht allzu überzeugend. 5 von 10
THOMAS

PERSUADER
"Evolution Purgatory"
Erschienen: 2004
Label: Sanctuary/Noise
Homepage: www.persuader.nu
PERSUADER - Evolution Purgatory On Air: "Sanity Soiled"
Hier die Fakten: Sieben führende europäische Metal-Magazine wollen festgestellt haben, daß immer noch die Dinosaurier aus den 70er und 80er Jahren die Metal-Szene bestimmen, heißt es in dem Begleitschreiben zu PERSUADER. Allein diese Analyse müßte jedem Metal-Fan sagen, daß die Schreiber etablierter Fanzines ihr Urteilsvermögen längst verloren haben, denn die alten Haudegen kann man heutzutage in den Plattenschränken vieler Fans mit der Lupe suchen. Aber es kommt noch fetter. - Also schrieben die Zines unter der Rubrik "Young Metal Gods" (welch verarschender Begriff) eine Suche nach - ich zitiere - "der nächsten Generation von Hardrock Superstars" aus. Das war 2002. Hunderte von Demos aus ganz Europa gingen ein und fünf Bands blieben übrig. Eine von ihnen waren eben jene PERSUADER aus Schweden, die mit Lobeshymnen zugesungen werden.
So, und die sind nun die Zukunft. Da kann ich nur sagen: Die 80er sind tot, es leben die 80er. Denn hier haben wir eine Band am Start, die quasi eine 1:1-Kopie Blind Guardians zu "Battalions Of Fear"-Zeiten sind. Sänger Jens Carlsson singt haargenau wie Hansi Kürsch, und die Songs weisen das gleiche Strickmuster derer Blind Guardians auf: in den Strophen wird aggressiv und eher melodiemäßig spartanisch gespeedmetalt (oh Gott, wat'n Wort), um in den Refrains den "Imaginations From The Other Side"-Effekt zu erzeugen. Denn hier sind die Weisen hymnisch und groß und werden von einem fetten Chor vorgetragen.
Das wäre, wenn neu, richtig geil. Es ist aber nichts weiter als pures Abkupfern. Da Blind Guardian ihre Aggressivität verloren haben und im Bombast-Kitsch versinken, haben PERSUADER schon fast eine gewisse Berechtigung. Doch dieses Zeug als die Zukunft des Metals anzupreisen, ist nichts weiter als Verkackeierung. Wenn so die Metal Gods von morgen klingen, pack ich lieber die Scheiben der alten Heroen aus, denn das Original versprüht immer einen besonderen Reiz.
Und um auf das Urteilsvermögen der greisen Fanzine-Schreiber zurückzukommen: Völlig versagt Jungs. Abtreten. 4 von 10
JUB

ENEMYNSIDE
"Let The Madness Begin..."
Erschienen: 2003
Label: Temple Of Noise/Frontiers Rec.
Homepage: www.enemynside.com
ENEMYNSIDE - Let The Madness Begin... On Air: "Speed Killing"
Eine angenehme Überraschung kommt mit ENEMYNSIDE aus Italien. Das Quartett zockt einen technisch absolut überzeugenden Thrash Metal, wie er auch in der Bay Area erdacht und gespielt wurde. Nun ist diese gute Zeit auch schon 20 Jahre her, doch der Spirit lebt nun unter anderem auch in ENEMYNSIDE fort. Exodus, Testament, Vio-lence, Heathen aber auch Meliah Rage und Anthrax lassen sich als Einflüsse heraushören. Letztere Bands vor allem beim Gesang. Dabei klingen ENEMYNSIDE aber erstaunlicherweise kaum wie eine reine Retro-Band, die vornehmlich eine Altherren-Klientel mit schönen Erinnerungen versorgen möchte, sondern knallen ihre Musik zeitlos und frisch aus den Boxen. So munter die Musik auch vor sich hin thrasht, auch hier zeigt sich, das Musik nicht nur vom Können alleine lebt. Ideen sind nun mal das A und O. So geil die Italiener auch spielen, echte Hits wie "Bonded By Blood", "Caught In A Mosh" oder "Practice What You Preach" sucht man (noch) vergebens auf dem ansonsten vorzüglich produzierten Werk. 7 von 10
THOMAS

MELIAH RAGE
"Barely Human"
Erschienen: 2004
Label: Escapi/Soulfood
Homepage: www.meliahrage.com
MELIAH RAGE - Barely Human On Air: "Hate Machine"
Ha, wie passend. Eben waren es mit Persuader noch die "neuen Metalgötter", die nichts reißen konnten und die altgestandenen MELIAH RAGE zeigen dem Junggemüse, wo der Hammer hängt. Die Amis gibt es seit 1985, und sie lieferten seit 1988 beständig qualitativ hochwertige Alben ab. Sie kombinierten einfach die kompromißlos nach vorn gespielten Melodien des Heavy Metals mit der Aggressivität des Thrash Metals und hatten einen Mix, der vor allem Live einen Saal zum Kochen bringen konnte.
Mit "Barely Human" haben MELIAH RAGE zwar nichts an ihrem Stil verändert, sind aber gerade deshalb ganz dicht am Zeitgeist, denn heftige Musik, die sich in starken Melodien aalt, hat derzeit Hochkonjunktur. Die Riff-Gewalten sind frisch und unverbraucht, Sänger Paul Souza singt voll Kraft mit einer nicht gerade alltäglichen Stimme und die Rhythmusgruppe bringt jede Anlage zum Schaukeln. Diese CD kann man wirklich mehrere Tage ununterbrochen hören, ohne Abnutzungserscheinungen erleben zu müssen.
Auf einer Bonus-CD wurde "Barely Human" das 92er Demo "Unfinnished Business" beigefügt, das schon 2002 einmal veröffentlicht worden ist. Hier sind MELIAH RAGE nicht ganz so zackig und straight, das Teil ist aber trotzdem ein sehr gutes Thrash-Metal-Werk voll zahlreicher Überraschungen. 10 von 10
JUB

THUNDER
"Shooting At The Sun"
Erschienen: 2003
Label: Frontiers Rec./Soulfood
Homepage: www.thunderonline.com
THUNDER - Shooting At The Sun On Air: "Loser"
Nette leichtfüßige Melodien, gutgelaunte Rhythmen, freundliche Beats und Songs für die sommerliche Grillparty. Das macht THUNDER aus Großbritannien aus. Zweckoptimismus, dem eher beschissenen Wetter auf der Insel zum Trotze? Vielleicht. "Shooting At The Sun" eignet sich als Kompromiß, wenn es auf Familienfeiern zum Eklat zu kommen droht, weil Oma Schlager hören will, der Vater Rolling Stones, die nervigen Cousinen mit "Superstar"-Scheiß ankommen, der völlig inakzeptabel ist und man selber mit dem Wunsch nach "Irrenmusik" allein auf weiter Flur steht. Dann dürfte bei THUNDER für jeden Geschmack etwas dabei sein. Nur, wenn man Metal-Partys plant, dann kann man "Shooting At The Sun" getrost im Schrank stehen lassen. Denn dann soll es ja rocken. Das machen THUNDER trotz ihres Namens nämlich nicht. 5 von 10
THOMAS

[vor][zurück]