WELL OF SOULS „The Awaken“
6
Secret Port Records, 2001
Zwischen Black Sabbath und St. Vitus
ist das WELL OF SOULS-Material auf der Demo-CD „The Awaken“ angelegt. Schwergewichtige,
vor sich hin brummende Gitarren bilden das Grundgerüst dieses fast
klassischen Doom Metals. Der Gesang von Petro Kapakos ist klar. Nur selten
werden die behäbigen Rhythmen mal aufgebrochen oder klingt die Stimme
etwas rauher.
Mit „Legion Of Doom“ haben WELL
OF SOULS für ihr Demo einen Top-Opener gewählt. Hier stimmen
Riffing und Melodie-Führung auf ein „schicksalhaftes Erwecken“ ein.
Auch „Tears Of The Proud“ und „Beyond The Void“ dürften für Doom
Metal-Fans kleine Perlen darstellen, wobei vor allem letzterer Song einen
wirklich starken St. Vitus-Hang offenbart.
Der Sound zwischen den neun Songs
der CD variiert erheblich. Auch klingen einige Stücke wie live im
Studio aufgenommen, „Wolfen“ zum Beispiel. Bei solchen Nummern kommen allerdings
auch die gesanglichen Schwächen Kapakos’ zum Tragen. So hat er doch
immer mal wieder Probleme, den Ton zu treffen oder zu halten. Das wirkt
ob der zentralen Rolle der Stimme in der WELL OF SOULS-Musik hin und wieder
wirklich penetrant. Live könnte das für Mißstimmung im
Publikum sorgen.
Trotzdem sei Euch dieses auf 1000
Kopien limitierte Demo von WELL OF SOULS ans Herz gelegt, ist die Substanz
der Stücke doch wirklich bemerkenswert. Hier würden ein intensives
Gesangs-Training, um Petro Kopakos sicherer zu machen, und eine professionelle
Studio-Produktion den wahren Gehalt der Musik der Band herauskitzeln.
„Flying“/“The Wolfen“/“Beyond
The Void“
JUB
WHITESNAKE „Best Of“ 8
EMI/cmm, 2003
Große Ereignisse werfen ihre
Schatten voraus. Im Falle der bevorstehenden WHITESNAKE-Konzerte in den
letzten Maitagen diesen Jahres ist es diese „Best Of“. Sie bietet einen
Querschnitt aus ziemlich allen Phasen der „Weißen Schlange“ um Deep
Purple-Sänger David Coverdale seit Ende der 70er Jahre. Und sie belegt,
daß WHITESNAKE durchaus zu den einflußreichsten Heavy Rock-Bands
der zurückliegenden 20 bis 25 Jahre zählte. Coverdale hat mit
seinen Kollegen, die ständig wechselten aber immer zur Elite der Szene
gehörten, einen Berg an herausragenden Melodic-Songs geschrieben,
so daß diese „Best Of“ äußerst kurzweilig geraten ist.
Zwar ist die CD nicht wirklich notwendig und für Fans völlig
überflüssig, wer allerdings WHITESNAKE ganz gern mal hört,
deswegen aber nicht den ganzen Back-Katalog kaufen möchte, kann hier
ruhig zuschlagen.
„Don’t Break My Heart Again“
JUB
GOBLIN SPELL „The First Evil
Spell“ 5
E.O.L.P., 2001
Eclipse Of Live Promulgation ist
bei Underground-Fans ein klangvoller Name. Dieses von Aamon Kreher betriebene
Mini-Label hat sich vor allem dem Vertrieb eigenwilligen Materials aus
dem tiefsten Untergrund verschrieben. Aamon mischt da kräftig mit.
Mit seiner Band Bloody Harvest hat er bei INTERREGNUM bereits erste Höreindrücke
vermittelt (siehe „Abgehört“
vom 16. April und vom 13. August
2002). Jetzt stellt er sich mit dem Zweimann-Projekt GOBLIN SPELL und
dem Tape „The First Evil Spell“ vor. Und Kreher wäre nicht Kreher,
wenn er nicht auch hier mit einer gehörigen Portion Sendungsbewußtsein
seine Vorstellungen von Heavy Metal zelebrieren würde. Heavy ist da
eigentlich nichts, da Roy The Hellbanger lediglich die Gitarre bedient
und Aamon die Stimmbänder strapaziert und das Programming beisteuert.
Das Fehlen eines Basses ist aber dem akustischen Vernehmen nach nicht Zufall,
klingt bei GOBLIN SPELL doch irgendwie alles spitz, schrill und bissig.
Bleibt der Metal-Faktor. Und der bewegt sich einmal mehr im Black Metal-Bereich
ganz früher Mayhem-Versuche. Wobei Kreher im Gegensatz zu den Norwegern
zu ihren Demo-Zeiten nahezu eingängig zu Werke geht. Die Songs bauen
meist auf einem simplen Gitarren-Riff auf, verändern sich innerhalb
der zwei bis vier Minuten Spielzeit nie wirklich, sind vor allem im Midtempobereich
angelegt und haben nicht selten dieses leicht punkige Flair. Melodie-Feinheiten
wie bei „Metal-Meat-Being“ sind nur vage wahrnehmbar, da der Sound Nuancierungen
kaum zuläßt.
Zwischen den Songs haben GOBLIN
SPELL Gitarren-Sounds gestellt, die eigentlich mehr nach Fragmenten klingen
und hin und wieder von Samples untermauert werden. Am eindrucksvollsten
gelingt das bei dem Doppel-Song „Fucking (Part 1)“/“Substanz In My Brain“.
Im direkten Vergleich mit Aamons
zweiter Band, Bloody Harvest, ziehen GOBLIN SPELL mit diesem Tape allerdings
noch den Kürzeren, sind Bloody Harvest doch abwechslungsreicher. Allerdings
liegt uns von GOBLIN SPELL bereits ein neues Produkt vor. Ihr dürft
gespannt sein.
„Torture (Part 2)“/“Liber Al
Vel Legis“
JUB
ANGUISH „Symmetry“ 8
Massacre, 2002
Preisträger namhafter Nachwuchsbandsausscheide
sind meist Scheiße. Davon kann sich jeder selbst überzeugen.
Und wer solch eine Veranstaltung schon mal erlebt hat, geht dort freiwillig
nicht wieder hin. Denn Bauch-Musik ist dort in den seltensten Fällen
zu hören. Preisträger müssen einer Jury gefallen, die aus
vor allem älteren Herrschaften besteht, deren Jobs sonst in lokalen
Radio-Stationen, bei der sponsornden Brauerei oder Versicherung, einem
Tonträger-Label anzusiedeln sind. Vielleicht ist noch Miss „Lummerland“
und der Veranstalter mit von der Party, die Besten gewinnen hier jedoch
meist nie.
ANGUISH gingen 1995 aus der Band
Metal Age hervor, die zuvor den Nachwuchspreis des Rhein-Neckar-Kreises
gewonnen hatte. Aber offenbar hatte man in dieser Region ein paar hellhörige
Kollegen in der Jury sitzen oder ANGUISH sind mit Metal Age nicht einmal
mehr annähernd zu vergleichen. „Symmetry“ ist nämlich ein Album
geworden, das nicht nur die Aufmerksamkeit der Progressive Metal-Gemeinde
verdient, denn neben allen technischen Windungen sorgt der Sechser für
ein gutes Stück Metall. Ein Satz aus dem Label-Info bringt es auf
den Punkt (selten genug kommt soetwas ja vor): „Trotz der progressiven
Ausrichtung der ANGUISH-Songs wird nie der Faden verloren oder der Song
technischen Einlagen geopfert.“ Oder anders gesagt: Die Stücke bewegen
sich meist über kleine Umwege auf die Refrains zu, denen fast ausschließlich
sehr einfühlsame und gängige Melodien verpaßt wurden. Ein
progammatisches Beispiel dafür ist „The Mirror“. Der Band ANGUISH
ist mit ihrem zweiten Album ein Werk gelungen, das Härte mit Progessivität
ein Konglomerat eingehen läßt. Auch vertragen sich Gitarre und
Keyboard wie selten.
Nun, und nicht zu vergessen Nuno
Miguel de Barros Fernandes. Nicht nur der Name des Sängers ist klangvoll,
sondern auch dessen Stimme. Die beeindruckt vor allem mit ihren Facetten.
„The Mirror“
JUB
LOST IN TEARS „Dialogue With
Mirror And God“ 7
Locomotive Music, 2002
Anfangs war Locomotive Music ein
Markenzeichen für Heavy Metal-Bands der unterschiedlichsten Stilrichtungen
aus Spanien. Und wenn mal eine ausländische Kapelle mit im Spiel war,
dann hatte entweder ihr Kopf seinen Wohnsitz in dem südeuropäischen
Land oder einer der Protagonisten war Spanier. Langsam halten auch ganz
nicht-spanische Bands Einzug im Hause Locomotive. So auch die unterkühlten
Skandinavier vom LOST IN TEARS, die bei den Hyberiern ihr Album „Dialogue
With Mirror And God“ veröffentlichen.
LOST IN TEARS sind eine klassische
Gothic Metal-Band. Und sie sind sowas von Gothic, daß - hätte
es Paradise Lost nicht gegeben - sie diesen Stil wahrscheinlich erfunden
hätten. Mit ihrem Hang zu jenen Sachen, die Paradise Lost eben zu
„Gothic“-Zeiten herausbrachten, sind LOST IN TEARS natürlich eine
ganze Reihe herrlich melancholischer Schwermetall-Nummern gelungen. Eigenständigkeit
wird offenbar nicht angestrebt. Allerdings sorgt Sänger L-H Sjöblom
mit seiner sehr eigenwilligen Gesangs-Performance doch noch für ein
ganz besonderes Flair. Dieses Festhalten an den Gothic-Gesetzen, gepaart
mit Sjöbloms äußerst theatralischer Interpretation und
Texten wie „Komm blute mit mir/Laß uns zusammen bluten/Komm blute
mit mir/Laß uns für immer bluten“ geben der CD einen enormen
Niedlichkeits-Faktor, der eine Zuneigung entwickelt, die einen diese CD
für längere Zeit nicht mehr missen lassen möchte. Immer
mal fallen einem die LOST IN TEARS-Sachen ein und man schiebt das Teil
in den Player. Und dann zaubert das doch eher depressive Zeug einem ein
kleines Lächeln auf die Lippen, weil man etwas Vertrautes wahrzunehmen
meint. Komisch, eigentlich hat die CD fast eine hypnotische Wirkung.
„Terribly Concerned“/“X76“
JUB
DAEMONLORD „The Sign (Key
Of The Underworld - Regained) Pt. 1: The Towers Of Griefdoom“ 6
Medusa Prod., 2002
Daß Basken nicht zwangsläufig
Bomben basteln müssen, um das spanische Mutterland zu erschüttern,
zeigen derzeit zwei Typen namens Kepa und Sixto, die mit DAEMONLORD ein
Projekt am Start haben, das ganz auf ultraschnellen und heftigsten Black
Metal setzt.
„The Sign“ mit dem langen Titelschwanz
erschüttert allerdings nicht nur die Feste des katholischen Spaniens,
sondern auch unsere Trommelfelle. Denn die Bass-Drum - per Computer erzeugt
- ist streckenweise so schnell, daß das dumpfe Geboller einem die
Gehörgänge zupfropft. Ähnlich, als hätte man Wasser
im Ohr. Die Gitarren sägen in stoischer Lärmigkeit ihre knappen
Melodielinien herunter und der Gesang - zwischen heiserem Geschimpfe und
dämonischem Geröhre - verliert sich etwas in der brachialen Soundwand.
Nichtsdestotrotz ist die Konsequenz des Duos bewundernswert, ohne Unterlaß
einen Speed-Brecher nach dem anderen durch die Boxen zu jagen. Verschnaufpause?
Wer rastet, der latscht auf eine Bombe.
„Beyond Hate“
JUB
DOMAIN „The Artefact“ 9
Point Music, 2002
Die Comeback-Scheibe „One Million
Lightyears From Home“ von 2001 war eine fulminate Rückmeldung der
deutschen Melodic Metaller von DOMAIN. Die Band hatte bereits in der zweiten
Hälfte der 80er Jahre Erfolge feiern können und ernst zu nehmende
Melodic-Werke veröffentlicht. Diese Tradition wird jetzt mit „The
Artefact“ fortgesetzt. Im Gegensatz zum Vorgänger kann man sich zugute
halten, an der ein oder anderen Ecke härter zur Sache zu gehen („Experience
XTC“ oder „Blackhole Visions“). Im Großen und Ganzen ist die Band
aber mit einem heftigen Blick in Richtung US-Melodic Metal angetreten („Heart
On The Line“, „Downtown Babylon“). In dieser Sparte sind DOMAIN unverwechselbar
und extrem trittsicher. „Seasons (The Circles Around The Moon)“ markiert
mit seiner Melodiegewalt einen Höhepunkt auf der Scheibe, der auch
notorische CD-Nebenbei-Hörer in ihrer Tätigkeit unterbrechen
wird. Und „Don’t Count On Love“ läßt DOMAIN gar einen Hauch
fricklig agieren, was innerhalb dieser sauberen Geradlinigkeit nicht unangenehm
wirkt. Bleibt nur zu konstatieren: Klasse-Album das Ganze.
„Mystery Stone“/“Heart On The
Line“
JUB
FIREWIND „Between Heaven And
Hell“ 8
Massacre, 2002
US-Power Metal prangt auf den Fahnen
von FIREWIND. Und das kann man getrost so stehen lassen. Die Wucht der
Songs ist immens. Obendrein bestechen die Stücke durch starke Melodie-Führungen.
„Warrior“ dürfte dafür das leuchtendste Beispiel sein. Allerdings
wirken Stücke wie „Destination Forever“ oder „Fire“ gegenüber
der Maßstäbe setzenden Krieger-Hymne etwas bläßlich,
da die Eindringlichkeit in der Melodie fehlt.
Markenzeichen der Band sind neben
dem Gesang Stephen Fredericks, der trotz Rauchigkeit in der Stimme jeden
Mitbewerber an die Wand brüllt, das Gitarrenspiel von Gus G., dem
neuen Gitarrenwunder aus Griechenland. Der 21-Jährige tat sich schon
bei Dream Evil hervor (siehe "Abgehört"
vom 9. Juli 2002 und 11. Februar
2003) und besticht jetzt durch ähnlich präzise Riff-Walzen.
„Between Heaven And Hell“ ist nicht nur als Debüt ein Achtungszeichen.
„Warrior“
JUB
ROLLINS BAND "The Only Way
To Know For Sure" 8
Steamhammer/SPV
Ganz schön clever vom Label,
Henry Rollins das Info zu seiner Live-Doppelscheibe "The Only Way To Know
For Sure" selbst schreiben zu lassen. Denn wenn das Brüllschwein am
Ende seines Statements schreibt, "Die Reaktionen auf jede Art von ungezügelter
künstlerischer Ausdrucksform sagen bekanntlich immer eine Menge aus
über den, der darauf reagiert. Also los, zeigt uns, aus welchem Stoff
Ihr gemacht seid!", ist man schon mal voll in der Zwickmühle. Denn
mit dieser "ungezügelten künstlerischen Ausdrucksform" meint
Rollins seine eigene Musik. Und wenn der Rezensent zeigen soll, "aus welchem
Stoff er gemacht ist", kann er bei einem Verriß der Scheibe doch
nur eine schwule Weichwurst sein. Nun, und wenn er die Platte lobt, kommt
er angesichts dieser Kompetenz-Drohung schnell in den Verdacht der Arschkriecherei.
Ach, was solls. Gehen wir das Wagnis ein.
Henry Rollins ist bekannt dafür,
kein Blatt vor dem Mut zu nehmen, authentisch zu sein. Dieser Maxime bleibt
er auch auf seinem Live-Album treu: Keine Overdubs, der Gig wurde an einem
Abend analog auf 24 Spuren im Metro in Chicago mitgeschnitten. Lediglich
bei der Zugabe wurden Stücke von einem zweiten Abend an gleicher Stelle
verwandt. Und was ist das Ergebnis? - Selten hat eine Live-Scheibe so brachial
und urwüchsig geklungen wie diese hier. Die Band ist völlig perfekt
aufeinander eingespielt, die Instrumental-Leistungen bestechen. Henry brüllt,
was das Zeug hällt, verleiht seinen Songs aber trotzdem ein enormes
Feeling.
Der Reiz dieses Konzertes, in dem
sich die Band Stücke ihrer gesamten Karriere seit 1988 bedient, liegt
unter anderem in Brüchen wie der von "Up For It" zu "What's The Matter":
Während bei ersterem noch fast behäbig gerappt wird, schlägt
alles plötzlich in wütendes Hardcore Punk-Gerase um. Und die
ROLLINS BAND faßt ihren stilistischen Bogen noch weiter. Da werden
selbst Brücken zum Doom geschlagen ("Going Out Strange"), um beim
klassischen Heavy Metal anzukommen ("Tearing").
Natürlich kann auf einer 28
Songs umfassenden CD nicht jede Nummer so geil sein wie zum Beispiel der
düstere Groover "Hello" oder die wütenden Hämmer "Illumination"
oder "Get Some Go Again", und so geht diese Veröffentlichung nicht
gerade als "Best Of" weg. Aber vielleicht macht ja auch gerade das für
Viele den besonderen Reiz aus.
Die zweite CD enthält darüberhinaus
drei Video-Clips, eine Bilder-Gallerie und einen Link zur Rollins-Website.
"Hello"
JUB
BATHORY "Nordland II" 10
Black Mark, 2003
Boah, was macht es Laune, Denkmäler
zu stürzen. Erst recht, wenn man selbst gern eines gesetzt bekommen
möchte. Und so haben sich die Herren einer großen deutschen
Heavy Metal-Zeitschrift jetzt auf Quorthon gestürzt, um aller Welt
zu zeigen, wie saublöd dieser Typ ist. Und daß er uns doch alle
nur verarscht, daß er zum alten Eisen gehört und eigentlich
weder von der Musik, die er macht, noch von der ach so hippen Metal-Szene
eine Ahnung hat. Und wenn all die Oberschlauen diese Bewertung der BATHORY-Scheibe
"Nordland II" lesen, werde ich garantiert zu den Oberdeppen zählen.
Nun, kein Problem.
"II" macht dort weiter, wo "Nordland
I" im vergangenen Jahr aufgehört hat: Viking Metal aus der Urzeit
dieses Genres, typischer "Hammerheart"-BATHORY-Sound mit spitzen Gitarren
und patschendem Schlagzeug sowie Texten, die die Zeit der Wikinger glorifizieren.
Nicht spektakulär? - Doch.
Die Zahl derer, die versuchten zu
kopieren, was BATHORY so einzigartig machte, ist groß. Aber hat jemals
jemand Quorthon erreicht? Unwahrscheinlich. Vielmehr entstanden vom musikalischen
Thema neue Interpretationen, die BATHORY nahe kamen, allerdings bestenfalls
neue Variationen auftaten.
Und so kopiert sich Quorthon halt
selbst. Und genau das ist es, was ich von diesem Mann erwarte. Bitte keine
Weiterentwicklung, keine Experimente, keine Öffnung für andere
Einflüsse. Das können doch andere übernehmen. Und von denen
gibt es mehr als genug. Wir brauchen Konstanten, und eine davon sind BATHORY.
Man höre "The Land": Was für
eine Hymne. Oder "Death And Resurrection Of A Northern Son": das wohl allumfassendste
Werk auf dieser Scheibe, das als Speed-Bollwerk beginnt, einen hymnenhaften
Instrumentalteil bietet und kurz vor Ende noch mit Bänkel-Gesang den
Hörer in Melancholie versetzt. Und "Flash Of The Silverhammer" besticht
durch ein Gitarren-Riff, bei dem Quorthon über die Saiten zu zittern
scheint.
Mediale Leute, die eine Arch Enemy-Kopie
nach der anderen und jede Dark Tranquillity-Klon-Band als neues Heavy Metal-Wunder
feiern, sind schon lange nicht mehr prädestiniert, Urteile zu fällen,
die nichts mit persönlichen Affronten oder nicht vielleicht etwas
mit guten Geschäftsbeziehungen zu tun haben. Denn BATHORY sind Bestandteil
der Geschichte des Heavy Metals, also unserer Geschichte. Und die schreibt
die Band immer noch mit.
"Flash Of The Silverhammer"
JUB
FRONTLINE „Against The World“
8
Point Music, 2002
Da fährt zehn Jahre lang ein
echtes Melodic Metal-Schlachtschiff durch die europäischen Klang-Meere
und ich habe es nicht bemerkt. Die Rolle FRONTLINES in der zurückliegenden
Dekade kommt mir auch bei den angestrengtesten Überlegungen nicht
in den Sinn. Dabei waren die Deutschen mit ihrem smarten Heavy Rock, der
mit Pop-Melodien hausiert, laut Band-Biographie ständig allgegenwärtig:
Clips in einschlägigen TV-Heavy Metal-Sendungen der Früh-90er,
Profi-Boxer Thorsten Mai wählte einen FRONTLINE-Songs als Einmarsch-Hymne,
Touren, Festival-Auftritte, Bonfire-Zugänge (Chris Lausmann – key),
die Veröffentlichung von vier Alben... Jetzt ist die Band, zu der
aus den Anfangstagen von 1989 nur noch Sänger Stephan Kämmerer
und Gitarrist Robby Boebel gehören, mit ihrem fünften Album im
Rennen, das sich „Against The World“ nennt. Natürlich hat der martialische
Name keinen Bezug zur eher sanften Musik, die zum Beispiel mit dem Def
Leppard-Material zu „Hysteria“- oder „Euphoria“-Zeiten vergleichbar ist.
Aber vielleicht ist die Headline die Ankündigung, jetzt durchstarten
zu wollen. In der Melodic Metal-Szene – wenn dort nicht schon ein fester
Platz erobert ist – müßte dieses Album eigentlich einen bleibenden
Eindruck hinterlassen. Denn Hits gibt es hier am laufenden Band. Alles
ist mit peppigen Refrain-Melodien ausgestattet, so daß schon nach
einmaligem Hören die ersten Ohrwürmer entstehen. Man nehme nur
„You Should Know Me“ – perfekter geht es kaum.
„You Should Know Me“
JUB
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