An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 15. April 2003


WELL OF SOULS „The Awaken“ 6
Secret Port Records, 2001

Well Of Souls - The Awaken

Zwischen Black Sabbath und St. Vitus ist das WELL OF SOULS-Material auf der Demo-CD „The Awaken“ angelegt. Schwergewichtige, vor sich hin brummende Gitarren bilden das Grundgerüst dieses fast klassischen Doom Metals. Der Gesang von Petro Kapakos ist klar. Nur selten werden die behäbigen Rhythmen mal aufgebrochen oder klingt die Stimme etwas rauher.
Mit „Legion Of Doom“ haben WELL OF SOULS für ihr Demo einen Top-Opener gewählt. Hier stimmen Riffing und Melodie-Führung auf ein „schicksalhaftes Erwecken“ ein. Auch „Tears Of The Proud“ und „Beyond The Void“ dürften für Doom Metal-Fans kleine Perlen darstellen, wobei vor allem letzterer Song einen wirklich starken St. Vitus-Hang offenbart.
Der Sound zwischen den neun Songs der CD variiert erheblich. Auch klingen einige Stücke wie live im Studio aufgenommen, „Wolfen“ zum Beispiel. Bei solchen Nummern kommen allerdings auch die gesanglichen Schwächen Kapakos’ zum Tragen. So hat er doch immer mal wieder Probleme, den Ton zu treffen oder zu halten. Das wirkt ob der zentralen Rolle der Stimme in der WELL OF SOULS-Musik hin und wieder wirklich penetrant. Live könnte das für Mißstimmung im Publikum sorgen.
Trotzdem sei Euch dieses auf 1000 Kopien limitierte Demo von WELL OF SOULS ans Herz gelegt, ist die Substanz der Stücke doch wirklich bemerkenswert. Hier würden ein intensives Gesangs-Training, um Petro Kopakos sicherer zu machen, und eine professionelle Studio-Produktion den wahren Gehalt der Musik der Band herauskitzeln.
„Flying“/“The Wolfen“/“Beyond The Void“

JUB

WHITESNAKE „Best Of“ 8
EMI/cmm, 2003

Whitesnake - Best Of

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Im Falle der bevorstehenden WHITESNAKE-Konzerte in den letzten Maitagen diesen Jahres ist es diese „Best Of“. Sie bietet einen Querschnitt aus ziemlich allen Phasen der „Weißen Schlange“ um Deep Purple-Sänger David Coverdale seit Ende der 70er Jahre. Und sie belegt, daß WHITESNAKE durchaus zu den einflußreichsten Heavy Rock-Bands der zurückliegenden 20 bis 25 Jahre zählte. Coverdale hat mit seinen Kollegen, die ständig wechselten aber immer zur Elite der Szene gehörten, einen Berg an herausragenden Melodic-Songs geschrieben, so daß diese „Best Of“ äußerst kurzweilig geraten ist. Zwar ist die CD nicht wirklich notwendig und für Fans völlig überflüssig, wer allerdings WHITESNAKE ganz gern mal hört, deswegen aber nicht den ganzen Back-Katalog kaufen möchte, kann hier ruhig zuschlagen.
„Don’t Break My Heart Again“

JUB

GOBLIN SPELL „The First Evil Spell“ 5
E.O.L.P., 2001

Eclipse Of Live Promulgation ist bei Underground-Fans ein klangvoller Name. Dieses von Aamon Kreher betriebene Mini-Label hat sich vor allem dem Vertrieb eigenwilligen Materials aus dem tiefsten Untergrund verschrieben. Aamon mischt da kräftig mit. Mit seiner Band Bloody Harvest hat er bei INTERREGNUM bereits erste Höreindrücke vermittelt (siehe „Abgehört“ vom 16. April und vom 13. August 2002). Jetzt stellt er sich mit dem Zweimann-Projekt GOBLIN SPELL und dem Tape „The First Evil Spell“ vor. Und Kreher wäre nicht Kreher, wenn er nicht auch hier mit einer gehörigen Portion Sendungsbewußtsein seine Vorstellungen von Heavy Metal zelebrieren würde. Heavy ist da eigentlich nichts, da Roy The Hellbanger lediglich die Gitarre bedient und Aamon die Stimmbänder strapaziert und das Programming beisteuert. Das Fehlen eines Basses ist aber dem akustischen Vernehmen nach nicht Zufall, klingt bei GOBLIN SPELL doch irgendwie alles spitz, schrill und bissig. Bleibt der Metal-Faktor. Und der bewegt sich einmal mehr im Black Metal-Bereich ganz früher Mayhem-Versuche. Wobei Kreher im Gegensatz zu den Norwegern zu ihren Demo-Zeiten nahezu eingängig zu Werke geht. Die Songs bauen meist auf einem simplen Gitarren-Riff auf, verändern sich innerhalb der zwei bis vier Minuten Spielzeit nie wirklich, sind vor allem im Midtempobereich angelegt und haben nicht selten dieses leicht punkige Flair. Melodie-Feinheiten wie bei „Metal-Meat-Being“ sind nur vage wahrnehmbar, da der Sound Nuancierungen kaum zuläßt.
Zwischen den Songs haben GOBLIN SPELL Gitarren-Sounds gestellt, die eigentlich mehr nach Fragmenten klingen und hin und wieder von Samples untermauert werden. Am eindrucksvollsten gelingt das bei dem Doppel-Song „Fucking (Part 1)“/“Substanz In My Brain“. 
Im direkten Vergleich mit Aamons zweiter Band, Bloody Harvest, ziehen GOBLIN SPELL mit diesem Tape allerdings noch den Kürzeren, sind Bloody Harvest doch abwechslungsreicher. Allerdings liegt uns von GOBLIN SPELL bereits ein neues Produkt vor. Ihr dürft gespannt sein.
„Torture (Part 2)“/“Liber Al Vel Legis“

JUB

ANGUISH „Symmetry“ 8
Massacre, 2002

Anguish - Symmetry

Preisträger namhafter Nachwuchsbandsausscheide sind meist Scheiße. Davon kann sich jeder selbst überzeugen. Und wer solch eine Veranstaltung schon mal erlebt hat, geht dort freiwillig nicht wieder hin. Denn Bauch-Musik ist dort in den seltensten Fällen zu hören. Preisträger müssen einer Jury gefallen, die aus vor allem älteren Herrschaften besteht, deren Jobs sonst in lokalen Radio-Stationen, bei der sponsornden Brauerei oder Versicherung, einem Tonträger-Label anzusiedeln sind. Vielleicht ist noch Miss „Lummerland“ und der Veranstalter mit von der Party, die Besten gewinnen hier jedoch meist nie.
ANGUISH gingen 1995 aus der Band Metal Age hervor, die zuvor den Nachwuchspreis des Rhein-Neckar-Kreises gewonnen hatte. Aber offenbar hatte man in dieser Region ein paar hellhörige Kollegen in der Jury sitzen oder ANGUISH sind mit Metal Age nicht einmal mehr annähernd zu vergleichen. „Symmetry“ ist nämlich ein Album geworden, das nicht nur die Aufmerksamkeit der Progressive Metal-Gemeinde verdient, denn neben allen technischen Windungen sorgt der Sechser für ein gutes Stück Metall. Ein Satz aus dem Label-Info bringt es auf den Punkt (selten genug kommt soetwas ja vor): „Trotz der progressiven Ausrichtung der ANGUISH-Songs wird nie der Faden verloren oder der Song technischen Einlagen geopfert.“ Oder anders gesagt: Die Stücke bewegen sich meist über kleine Umwege auf die Refrains zu, denen fast ausschließlich sehr einfühlsame und gängige Melodien verpaßt wurden. Ein progammatisches Beispiel dafür ist „The Mirror“. Der Band ANGUISH ist mit ihrem zweiten Album ein Werk gelungen, das Härte mit Progessivität ein Konglomerat eingehen läßt. Auch vertragen sich Gitarre und Keyboard wie selten.
Nun, und nicht zu vergessen Nuno Miguel de Barros Fernandes. Nicht nur der Name des Sängers ist klangvoll, sondern auch dessen Stimme. Die beeindruckt vor allem mit ihren Facetten.
„The Mirror“

JUB

LOST IN TEARS „Dialogue With Mirror And God“ 7
Locomotive Music, 2002

Lost In Tears - Dialogue With Mirror And God

Anfangs war Locomotive Music ein Markenzeichen für Heavy Metal-Bands der unterschiedlichsten Stilrichtungen aus Spanien. Und wenn mal eine ausländische Kapelle mit im Spiel war, dann hatte entweder ihr Kopf seinen Wohnsitz in dem südeuropäischen Land oder einer der Protagonisten war Spanier. Langsam halten auch ganz nicht-spanische Bands Einzug im Hause Locomotive. So auch die unterkühlten Skandinavier vom LOST IN TEARS, die bei den Hyberiern ihr Album „Dialogue With Mirror And God“ veröffentlichen.
LOST IN TEARS sind eine klassische Gothic Metal-Band. Und sie sind sowas von Gothic, daß - hätte es Paradise Lost nicht gegeben - sie diesen Stil wahrscheinlich erfunden hätten. Mit ihrem Hang zu jenen Sachen, die Paradise Lost eben zu „Gothic“-Zeiten herausbrachten, sind LOST IN TEARS natürlich eine ganze Reihe herrlich melancholischer Schwermetall-Nummern gelungen. Eigenständigkeit wird offenbar nicht angestrebt. Allerdings sorgt Sänger L-H Sjöblom mit seiner sehr eigenwilligen Gesangs-Performance doch noch für ein ganz besonderes Flair. Dieses Festhalten an den Gothic-Gesetzen, gepaart mit Sjöbloms äußerst theatralischer Interpretation und Texten wie „Komm blute mit mir/Laß uns zusammen bluten/Komm blute mit mir/Laß uns für immer bluten“ geben der CD einen enormen Niedlichkeits-Faktor, der eine Zuneigung entwickelt, die einen diese CD für längere Zeit nicht mehr missen lassen möchte. Immer mal fallen einem die LOST IN TEARS-Sachen ein und man schiebt das Teil in den Player. Und dann zaubert das doch eher depressive Zeug einem ein kleines Lächeln auf die Lippen, weil man etwas Vertrautes wahrzunehmen meint. Komisch, eigentlich hat die CD fast eine hypnotische Wirkung.
„Terribly Concerned“/“X76“

JUB

DAEMONLORD „The Sign (Key Of The Underworld - Regained) Pt. 1: The Towers Of Griefdoom“ 6
Medusa Prod., 2002

Daemonlord - The Sign (Key Of The Underworld - Regained) Pt. 1: The Towers Of Griefdoom

Daß Basken nicht zwangsläufig Bomben basteln müssen, um das spanische Mutterland zu erschüttern, zeigen derzeit zwei Typen namens Kepa und Sixto, die mit DAEMONLORD ein Projekt am Start haben, das ganz auf ultraschnellen und heftigsten Black Metal setzt.
„The Sign“ mit dem langen Titelschwanz erschüttert allerdings nicht nur die Feste des katholischen Spaniens, sondern auch unsere Trommelfelle. Denn die Bass-Drum - per Computer erzeugt - ist streckenweise so schnell, daß das dumpfe Geboller einem die Gehörgänge zupfropft. Ähnlich, als hätte man Wasser im Ohr. Die Gitarren sägen in stoischer Lärmigkeit ihre knappen Melodielinien herunter und der Gesang - zwischen heiserem Geschimpfe und dämonischem Geröhre - verliert sich etwas in der brachialen Soundwand. Nichtsdestotrotz ist die Konsequenz des Duos bewundernswert, ohne Unterlaß einen Speed-Brecher nach dem anderen durch die Boxen zu jagen. Verschnaufpause? Wer rastet, der latscht auf eine Bombe.
„Beyond Hate“

JUB

DOMAIN „The Artefact“ 9
Point Music, 2002

Domain - The Artefact

Die Comeback-Scheibe „One Million Lightyears From Home“ von 2001 war eine fulminate Rückmeldung der deutschen Melodic Metaller von DOMAIN. Die Band hatte bereits in der zweiten Hälfte der 80er Jahre Erfolge feiern können und ernst zu nehmende Melodic-Werke veröffentlicht. Diese Tradition wird jetzt mit „The Artefact“ fortgesetzt. Im Gegensatz zum Vorgänger kann man sich zugute halten, an der ein oder anderen Ecke härter zur Sache zu gehen („Experience XTC“ oder „Blackhole Visions“). Im Großen und Ganzen ist die Band aber mit einem heftigen Blick in Richtung US-Melodic Metal angetreten („Heart On The Line“, „Downtown Babylon“). In dieser Sparte sind DOMAIN unverwechselbar und extrem trittsicher. „Seasons (The Circles Around The Moon)“ markiert mit seiner Melodiegewalt einen Höhepunkt auf der Scheibe, der auch notorische CD-Nebenbei-Hörer in ihrer Tätigkeit unterbrechen wird. Und „Don’t Count On Love“ läßt DOMAIN gar einen Hauch fricklig agieren, was innerhalb dieser sauberen Geradlinigkeit nicht unangenehm wirkt. Bleibt nur zu konstatieren: Klasse-Album das Ganze.
„Mystery Stone“/“Heart On The Line“ 

JUB

FIREWIND „Between Heaven And Hell“ 8
Massacre, 2002

Firewind - Between Heaven And Hell

US-Power Metal prangt auf den Fahnen von FIREWIND. Und das kann man getrost so stehen lassen. Die Wucht der Songs ist immens. Obendrein bestechen die Stücke durch starke Melodie-Führungen. „Warrior“ dürfte dafür das leuchtendste Beispiel sein. Allerdings wirken Stücke wie „Destination Forever“ oder „Fire“ gegenüber der Maßstäbe setzenden Krieger-Hymne etwas bläßlich, da die Eindringlichkeit in der Melodie fehlt.
Markenzeichen der Band sind neben dem Gesang Stephen Fredericks, der trotz Rauchigkeit in der Stimme jeden Mitbewerber an die Wand brüllt, das Gitarrenspiel von Gus G., dem neuen Gitarrenwunder aus Griechenland. Der 21-Jährige tat sich schon bei Dream Evil hervor (siehe "Abgehört" vom 9. Juli 2002 und 11. Februar 2003) und besticht jetzt durch ähnlich präzise Riff-Walzen. „Between Heaven And Hell“ ist nicht nur als Debüt ein Achtungszeichen. 
„Warrior“

JUB

ROLLINS BAND "The Only Way To Know For Sure" 8
Steamhammer/SPV

Rollins Band - The Only Way To Know For Sure

Ganz schön clever vom Label, Henry Rollins das Info zu seiner Live-Doppelscheibe "The Only Way To Know For Sure" selbst schreiben zu lassen. Denn wenn das Brüllschwein am Ende seines Statements schreibt, "Die Reaktionen auf jede Art von ungezügelter künstlerischer Ausdrucksform sagen bekanntlich immer eine Menge aus über den, der darauf reagiert. Also los, zeigt uns, aus welchem Stoff Ihr gemacht seid!", ist man schon mal voll in der Zwickmühle. Denn mit dieser "ungezügelten künstlerischen Ausdrucksform" meint Rollins seine eigene Musik. Und wenn der Rezensent zeigen soll, "aus welchem Stoff er gemacht ist", kann er bei einem Verriß der Scheibe doch nur eine schwule Weichwurst sein. Nun, und wenn er die Platte lobt, kommt er angesichts dieser Kompetenz-Drohung schnell in den Verdacht der Arschkriecherei. Ach, was solls. Gehen wir das Wagnis ein.
Henry Rollins ist bekannt dafür, kein Blatt vor dem Mut zu nehmen, authentisch zu sein. Dieser Maxime bleibt er auch auf seinem Live-Album treu: Keine Overdubs, der Gig wurde an einem Abend analog auf 24 Spuren im Metro in Chicago mitgeschnitten. Lediglich bei der Zugabe wurden Stücke von einem zweiten Abend an gleicher Stelle verwandt. Und was ist das Ergebnis? - Selten hat eine Live-Scheibe so brachial und urwüchsig geklungen wie diese hier. Die Band ist völlig perfekt aufeinander eingespielt, die Instrumental-Leistungen bestechen. Henry brüllt, was das Zeug hällt, verleiht seinen Songs aber trotzdem ein enormes Feeling.
Der Reiz dieses Konzertes, in dem sich die Band Stücke ihrer gesamten Karriere seit 1988 bedient, liegt unter anderem in Brüchen wie der von "Up For It" zu "What's The Matter": Während bei ersterem noch fast behäbig gerappt wird, schlägt alles plötzlich in wütendes Hardcore Punk-Gerase um. Und die ROLLINS BAND faßt ihren stilistischen Bogen noch weiter. Da werden selbst Brücken zum Doom geschlagen ("Going Out Strange"), um beim klassischen Heavy Metal anzukommen ("Tearing").
Natürlich kann auf einer 28 Songs umfassenden CD nicht jede Nummer so geil sein wie zum Beispiel der düstere Groover "Hello" oder die wütenden Hämmer "Illumination" oder "Get Some Go Again", und so geht diese Veröffentlichung nicht gerade als "Best Of" weg. Aber vielleicht macht ja auch gerade das für Viele den besonderen Reiz aus.
Die zweite CD enthält darüberhinaus drei Video-Clips, eine Bilder-Gallerie und einen Link zur Rollins-Website.
"Hello"

JUB

BATHORY "Nordland II" 10
Black Mark, 2003

Bathory - Nordland II

Boah, was macht es Laune, Denkmäler zu stürzen. Erst recht, wenn man selbst gern eines gesetzt bekommen möchte. Und so haben sich die Herren einer großen deutschen Heavy Metal-Zeitschrift jetzt auf Quorthon gestürzt, um aller Welt zu zeigen, wie saublöd dieser Typ ist. Und daß er uns doch alle nur verarscht, daß er zum alten Eisen gehört und eigentlich weder von der Musik, die er macht, noch von der ach so hippen Metal-Szene eine Ahnung hat. Und wenn all die Oberschlauen diese Bewertung der BATHORY-Scheibe "Nordland II" lesen, werde ich garantiert zu den Oberdeppen zählen. Nun, kein Problem.
"II" macht dort weiter, wo "Nordland I" im vergangenen Jahr aufgehört hat: Viking Metal aus der Urzeit dieses Genres, typischer "Hammerheart"-BATHORY-Sound mit spitzen Gitarren und patschendem Schlagzeug sowie Texten, die die Zeit der Wikinger glorifizieren. Nicht spektakulär? - Doch.
Die Zahl derer, die versuchten zu kopieren, was BATHORY so einzigartig machte, ist groß. Aber hat jemals jemand Quorthon erreicht? Unwahrscheinlich. Vielmehr entstanden vom musikalischen Thema neue Interpretationen, die BATHORY nahe kamen, allerdings bestenfalls neue Variationen auftaten.
Und so kopiert sich Quorthon halt selbst. Und genau das ist es, was ich von diesem Mann erwarte. Bitte keine Weiterentwicklung, keine Experimente, keine Öffnung für andere Einflüsse. Das können doch andere übernehmen. Und von denen gibt es mehr als genug. Wir brauchen Konstanten, und eine davon sind BATHORY.
Man höre "The Land": Was für eine Hymne. Oder "Death And Resurrection Of A Northern Son": das wohl allumfassendste Werk auf dieser Scheibe, das als Speed-Bollwerk beginnt, einen hymnenhaften Instrumentalteil bietet und kurz vor Ende noch mit Bänkel-Gesang den Hörer in Melancholie versetzt. Und "Flash Of The Silverhammer" besticht durch ein Gitarren-Riff, bei dem Quorthon über die Saiten zu zittern scheint.
Mediale Leute, die eine Arch Enemy-Kopie nach der anderen und jede Dark Tranquillity-Klon-Band als neues Heavy Metal-Wunder feiern, sind schon lange nicht mehr prädestiniert, Urteile zu fällen, die nichts mit persönlichen Affronten oder nicht vielleicht etwas mit guten Geschäftsbeziehungen zu tun haben. Denn BATHORY sind Bestandteil der Geschichte des Heavy Metals, also unserer Geschichte. Und die schreibt die Band immer noch mit.
"Flash Of The Silverhammer"

JUB

FRONTLINE „Against The World“ 8
Point Music, 2002

Frontline - Against The World

Da fährt zehn Jahre lang ein echtes Melodic Metal-Schlachtschiff durch die europäischen Klang-Meere und ich habe es nicht bemerkt. Die Rolle FRONTLINES in der zurückliegenden Dekade kommt mir auch bei den angestrengtesten Überlegungen nicht in den Sinn. Dabei waren die Deutschen mit ihrem smarten Heavy Rock, der mit Pop-Melodien hausiert, laut Band-Biographie ständig allgegenwärtig: Clips in einschlägigen TV-Heavy Metal-Sendungen der Früh-90er, Profi-Boxer Thorsten Mai wählte einen FRONTLINE-Songs als Einmarsch-Hymne, Touren, Festival-Auftritte, Bonfire-Zugänge (Chris Lausmann – key), die Veröffentlichung von vier Alben... Jetzt ist die Band, zu der aus den Anfangstagen von 1989 nur noch Sänger Stephan Kämmerer und Gitarrist Robby Boebel gehören, mit ihrem fünften Album im Rennen, das sich „Against The World“ nennt. Natürlich hat der martialische Name keinen Bezug zur eher sanften Musik, die zum Beispiel mit dem Def Leppard-Material zu „Hysteria“- oder „Euphoria“-Zeiten vergleichbar ist. Aber vielleicht ist die Headline die Ankündigung, jetzt durchstarten zu wollen. In der Melodic Metal-Szene – wenn dort nicht schon ein fester Platz erobert ist – müßte dieses Album eigentlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn Hits gibt es hier am laufenden Band. Alles ist mit peppigen Refrain-Melodien ausgestattet, so daß schon nach einmaligem Hören die ersten Ohrwürmer entstehen. Man nehme nur „You Should Know Me“ – perfekter geht es kaum.
„You Should Know Me“

JUB
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