MEGADETH
„The World Needs A Hero“ 4
Metal-Is/Sanctuary
Rec., 2001
„Return
To Hangar“
Wirklich gewartet
haben auf diese Platte doch nur die ewig Optimistischen. Denn nach „Risk“
war von MEGADETH doch eigentlich nichts mehr zu erwarten. So wie sich Metallica
mit ihrer „Load“-Scheibe von der Heavy-Gemeinde abwandten, kann die Ratten-Platte
als der Wendepunkt bei MEGADETH bezeichnet werden. Und mit diesem Urteil
bin ich durchaus nicht vorschnell. Denn auch „The World Needs A Hero“ ist
keine Rückbesinnung oder - wer Angst vor einem Blick nach hinten hat
- gar eine metalmäßige Weiterentwicklung. Vielmehr setzt sich
das seichte Flair des Vorgängers fort, nur inkonsequenter. Statt nämlich
wie Metallica eisern rumzuschwulen, versuchen Dave Mustain und Co. den
Schein zu wahren. Das beginnt beim blutigen Cover, geht über das Reaktivieren
des alten Bandlogos bis hin zu Sachen wie „Return To Hangar“, die einen
Bogen zu den schwermetallischen Zeiten von MEGADETH schlagen sollen.
„Disconnect“
So wie man
Metallica bei aller Heuchelei nicht absprechen kann, den ein oder anderen
guten Song zu fabrizieren, wäre es genauso gelogen, würde man
über „The World Needs A Hero“ den Scheiße-Stab brechen. Nehmen
wir nur dieses „Return To Hangar“, „Dread And The Fugitive Mind“ oder „When“
- diese Stücke haben etwas. Und sie sind auch metal-technisch brauchbar.
Nur sei uns verdammt noch mal gestattet, in MEGADETH eine Speed- und Thrash-Band
zu sehen. Denn aus den Staaten gibt es soviel Gutes in beiden Stilrichtungen
nicht mehr. Diese Brille hauen uns die Jungs allerdings schnell vom Kopf,
denn - wie wir es auch drehen und wenden - die neuen MEGADETH sind vom
Ferrari auf den VW Luplo umgestiegen.
JUB
PRO-PAIN
„Round 6“ 6
Nuclear Blast,
2000
Hardcore war
noch nie die Musik der innovativen Künstler. „Auf die Fresse und liegenlassen“,
lautet das Motto. Und PRO-PAIN beherzen diesen Leitspruch in jeder Note,
gehen dabei allerdings weitaus ansprechender zu Werke als ein Großteil
ihrer Kollegen.
„Substance“
Abgesehen
davon, daß PRO-PAIN zu den Old-School-Truppen gehören, die eh
besser sind, als die zweite Hardcore-Generation á la Biohazard und
erst recht die namenlosen Nachrücker der Musik-Sender blaß aussehen
lassen, fesseln die vier Glatzen mit ihrem unverkennbaren Schuß Heavy
Metal in der Musik. Der mag manchmal durch das genretypische Gebrülle
von Gary Meskil nicht sofort zutage treten, dafür überraschen
uns die vier Amis jedoch gar mit Melodien, die fast gänsehauttauglich
sind. Nicht nur „Substance“ setzt da Maßstäbe, auch „Take It
Personal“ läßt die Ohren spitzen.
„Take It
Personal“
Das ist Hardcore
erster Güte. Und fast könnte man meinen, PRO-PAIN würden
sich, bevor sie zuschlagen, weiße Handschuhe anziehen. Der Rest der
Scheibe ist dann aber doch wieder etwas für die blanken Fäuste.
JUB
PRO-PAIN
„Road Rage“ 5
Nuclear Blast,
2001
Kaum ist Runde
6 ausgeboxt, geht es auch schon in den nächsten Faustkampf: „Road
Rage“. Dieses Live-Teil präsentiert PRO-PAIN ein Stückchen rotziger
als auf „Round 6“. Allerdings ist dieses Hardcore-Konzert-Erlebnis doch
recht nuancenarm. Hier wird halt gebrettert, was das Zeug hält. Und
das muß sicher auch so sein, denn der schwitzende Menschenbatzen
vor der Bühne will herumtoben, nicht mitsingen, bestenfalls Schlachtrufe
skandieren.
Wer es gerne
einmal mit Hardcore probieren möchte, der sollte dann doch eher mit
der „Round 6“ beginnen.
„Don’t
Kill Youself To Live“
JUB
W.A.S.P.
„Unholy Terror“ 8
Metal-Is/Sanctuary
Rec., 2001
Blackie Lawless
ist aber auch ein sturer Hund. Jetzt hat er die 20 Jahre so gut wie rum
und was macht er? Er spielt eine Scheibe ein, die so klingt wie seine beiden
ersten Alben, „Winged Assassins“ (1984) und „The Last Command“ (1985).
Und das ist genau das, was zum jetzigen Zeitpunkt richtig war.
„Let It
Roar“
Noch heute
können viele Metal-Fans die Melodic-Szene der Amis und die Glam-Metal-Bands
nicht auseinanderhalten und lassen aus Unwissenheit halt von beidem die
Finger. Allerdings sind die Unterschiede zwischen diesen Richtungen so
gravierend, daß sich Jon Bon Jovi in den 80ern sicher lieber einen
Zeh abgeschnitten hätte, als mit Mötley Crüe in einen Topf
geworfen zu werden, geschweige mit W.A.S.P. Und die Glam-Bands schließlich
hatten auch meist nur das völlig abgedrehte Auftreten gemein. Musikalisch
war diese Szene bunt wie das Outfit der Musiker. Nehmen wir nur die Blues-
und die Country-Scheiben von Cinderella („Long Cold Winter“, „Heartbreak
Station“), den wuchtigen Mitstampf-Rock von Twisted Sister oder eben den
Geradeaus-Metal mit diesen unglaublichen Melodien von W.A.S.P. Und dann
diese Images. Mötley Crüe hielten es mir dem Teufel, Lizzy Borden
mit Massenmördern und Blackie Lawless fand nur Ruhe, wenn er die Geschmacklosigkeit
auf die Spitze treiben konnte. So erfanden zum Beispiel nicht die Black-Metal-Bands
die Arbeit mit rohem Schweinefleisch auf der Bühne, sondern eben halt
Blackie (zumindest begrifflich haut es hin). Er war es auch, der
seine Fans in den ersten Reihen mit eben jenem, noch vom Blut durchtränkten
Fleischfetzen beglückte. Blackie zündete sich Raketen zwischen
den Eiern, peitschte Frauen aus, soff stinkenden Lebenssaft.
„Who Slayed
Baby Jane?“
Nach diesen
chaotischen Tagen veröffentlichten W.A.S.P. sozial- und medienkritische
Alben („Headless Children“, „Crimson Idol“), die einzigartig waren. Nichtsdestotrotz
veranstaltete Blackie gerade vor zwei, drei Jahren erneut eine Tour, während
der er auf der Bühne eine Nonne vergewaltigte, ihr den Fötus
aus dem Leib riß und sich das gerade vernichtete Leben auf einen
Spieß in Gliedhöhe steckte. Und es hagelte Schelte, nicht nur
von der bürgerlichen Presse.
Die Antwort
ist dieses Album namens „Unholy Terror“, das nicht nur ob seiner musikalischen
Ausrichtung erahnen läßt, daß es sich garantiert lohnt,
ein Konzert auf einer möglichen kommenden Tour von W.A.S.P. zu besuchen.
Denn Blackie schert sich wenig um Schelte.
„Raven
Heart“
JUB
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