DARKANE "Expanding Senses"
8
Nuclear Blast, 2002
Mit ihrem dritten Album "Expanding
Senses" stellen die Schweden ihre musikalische Vielfältigkeit unter
Beweis. Denn im Gegensatz zu ihrem Debüt "Rusted Angel" (1998) nehmen
die Thrasher hier und da den Fuß vom Gaspedal, um im Midtempo zu
überzeugen. So ist der Opener "Innocence Gone" ein mittelschneller
Headbanger mit Ohrwurmqualitäten geworden. Spätestens bei "Fatal
Impact" wird klar, daß DARKANE heuer Geschwindigkeit und Melodie
zu einer kompakten Einheit verbinden wollten. Was ihnen auch zu großen
Teilen gelungen ist. Nur die Produktion ist meiner Meinung nach ein zweischneidiges
Schwert. Obwohl sich dafür ein gewisser Daniel Bergstrand verantwortlich
zeichnet, glaubt man beim Hören den Einfluß eines Peter Tägtgren
warzunehmen. Breite Gitarrenwände und maschinell klingende Drums,
die zusammen einen totalen Druck fahren aber dennoch einen kaum zu lokalisierenden
Soundbrei mitschwingen lassen. Somit klingen DARKANE groß, mächtig,
abwechslungsreich aber auch ein wenig unpersönlich. Aber das ist reine
Geschmackssache.
"Innocence Gone"
THOMAS
THYESTEAN FEAST „Cycles Of
Worldburn“ 8
Armageddon Shadow/Trisol, 2001
In unserer letzten Abgehört-Sendung
hatten wir gerade die wütenden Craft aus Schweden vorgestellt (siehe
Abgehört
vom 01. 10. 2002) und uns über den immer noch agierenden Black
Metal-Underground gefreut. Jetzt würde ich gar behaupten, die Szene
ist doch immer noch stärker, als es uns, denen täglich mit True,
Power, New oder Death Metal-Neuveröffentlichungen vorgegaukelt wird,
daß das Böse besiegt sei, erscheint. Denn wie sonst könnten
eine Band wie THYESTEAN FEAST dieser Tage ein dermaßen entspanntes
und vortreffliches Black Metal-Album veröffentlichen. Diesen Finnen
war bei der Produktion nicht bange darum, ob es immer noch ein ausreichendes
Publikum für ihre Musik geben könnte. Sie waren von der Vielzahl
der Anhängerschar offenbar fest überzeugt.
„Cycles Of Worldburn“ unterscheidet
sich dabei wesentlich von Craft zum Beispiel. Während die einen kompromißlos
brutal und unsentimantal zu Werke gehen, haben THYESTEAN FEAST schon akribisch
auf das Komponieren perfekter Songs geachtet. Die gekonnten Melodien erinnern
an Third Moon, Gehenna oder frühe Satyricon, ohne allerdings auch
nur einen Song der genannten Bands zu kopieren. Man denke nur an das Grundprinzipp
vieler Black Metal Bands, die ihre Musik so kreieren, daß die Gitarren
die eigentlichen Melodieführer sind. Und wer da ein paar Exemplare
dieser Gattung im Schrank zu stehen hat, weiß, was da manchmal für
Weisen herausgekommen sind. Mit THYESTEAN FEAST können sich Liebhaber
solcher Musik jetzt eine weitere Perle in ihr Regal schieben.
„Sindemonium“
JUB
RALPH SANTOLLA "Shaolin Monks
In The Temple Of Metal" 6
Frontiers Rec./Now&Then/Point
Music, 2002
Meine Fresse, was für ein Titel.
Was sich dahinter verbirgt, können wir wahrscheinlich nie in Erfahrung
bringen, da SANTOLLA es vorzog, ein Instrumentalalbum zu veröffentlichen.
Somit sind logischerweise keine Texte vorhanden. Zur Musik. RALPH SANTOLLA
soliert auf einem von Gastmusikern gewobenen Rhythmusteppich faßt
allein durch die sieben Songs des Albums. Unterstützung erfährt
er dabei von Dreamtide-Gitarrist Helge Engelke und Ex-Ten Gitarrist Vinny
Burns. SANTOLLA weiß aber, daß das ewige Gegniedel auf die
Dauer nervig ist und hält sich von Zeit zu Zeit etwas im Zaum, um
die CD etwas dynamischer zu gestalten. Gut weiß auch die Tatsache
zu gefallen, daß der Saitenakrobat nicht nur damit beschäftigt
ist, der Fachwelt zu zeigen wie schnell seine Finger übers Griffbrett
huschen können, sondern auch Muse findet, den Kompositionen einen
songschreiberischen Stempel aufzudrücken. Dennoch ist die CD nicht
eine die man tagein, tagaus hören kann, und die allein durch die fehlenden
Gesänge sehr stimmungsabhängig ist. Dennoch gut gemacht.
"Echelon"
THOMAS
SAXON „Heavy Metal Thunder“
8
Steamhammer/CBH/SPV, 2002
Aaaah, kommen wir an dieser Stelle
mal wieder zu einer göttergleichen Musikeransammlung. SAXON beehren
uns mit einer Doppel-CD, die auf Teil 1 neu eingespielte Stücke der
ersten sechs Studio-Alben (1979 bis 1984) enthält und auf Teil 2 eine
Kostprobe aus einem Konzert in San Antonio, Texas aus diesem Jahr präsentiert.
Die „Best of early years“ ist eine Wonne. Biff Byford und seine Kollegen
waren sehr darum bemüht, trotz aufgepepptem Sound die Wirkung von
einst beizubehalten. Dadurch haben Sachen wie „Heavy Metal Thunder“, „And
The Bands Played On“ oder „Princess Of The Night“ für meine Begriffe
durchaus gewonnen. „Dallas 1pm“ hingegen - seines faszinierenden Gänsehaut-Gitarrensolos
beraubt - leidet unter der Neueinspielung. Auch „Crusader“ scheint irgendwie
banalisiert, wenn das Stück auch etwas härter als in der Originalversion
rüberkommt.
Alles in allem ist das Song-Material
brillant und aufgrund der Neuinterpretation auf jeden Fall auch für
jeden SAXON-Fan von Interesse.
CD 2 verstehe ich nicht, klingen
die fünf Stücke aus dem San Antonio-Live-Gig doch äußerst
dünn. „Official Bootleg“ nennt sich das Ganze, entschuldigt aber die
schwache Qualität zu keiner Zeit. Biff ist zu weit im Vordergrund,
die Drums stechen als führendes Instrument heraus und die Gitarren
fristen das Dasein eines geduldeten Störenfriedes. Das Ganze wurde
offenbar direkt aus dem Mischpult gezogen, denn Publikums-Reaktionen sind
auch so gut wie keine zu hören. Da wirken Biffs Text-Auslassungen
bei „20 000 Ft“, wenn er die Fans mitsingen läßt, eher peinlich.
Ausgehend davon, daß SAXON eigentlich eine Band ist, die live alles
wegknallt, ist diese Live-Auswahl um so unverständlicher. Der Live-Video-Track
von „Killing Ground“ rettet da dann auch nicht mehr viel.
Schade, denn ohne die ominöse
Live-CD hätte „Heavy Metal Thunder“ ein gnadenloser Abräumer
werden können. Aber ich vermute mal, daß man für den zweiten
Silberling ein paar Taler mehr berappen muß, und das trübt zumindest
den Kaufspaß. Das Hörvergnügen allerdings nicht, denn man
kann sich ja immer und immer wieder die erste Scheibe antun.
„Heavy Metal Thunder“/“Crusader“/“Wheels
Of Steel“
JUB
ROTTING CHRIST "Genesis" 9
Century Media/Magic Arts, 2002
Um es gleich vorweg zu nehmen, ROTTING
CHRIST sind im Jahre 2002 ihren Black Metal-Roots näher gekommen als
man es sich vor kurzem noch hätte träumen lassen. Oder hättet
Ihr nach Alben wie "A Dead Poem" oder "Sleep Of The Angels" geglaubt, daß
die Griechen noch einmal den Knüppel kreisen lassen mit Midstep-Drums
und starren Temporiffs? Trotz alledem haben die Musiker um Sakis und Themis
nicht ganz von ihrer gotischen Schlagseite Abschied genommen. Was sich
in vereinzelten Keyboarduntermalungen und pathetischen Gesängen wiederspiegelt.
Dennoch wirken diese Elemente nicht wie ein Fremdkörper oder aufgesetzt.
Eher tragen sie zum Gelingen des Albums bei. So werden die ruppigen Passagen
passend aufgelockert und das Album bekommt einen schwärzeren Anstrich.
Definitiv eine angenehme Überaschung.
"Lex Taliones"
THOMAS
CRYSALIS „Ein Mittsommernachtsmord“
1
Eigenprod., 2001
Die CD „Ein Mittsommernachtsmord“
habe ich mir dreimal angehört. Das würde ich unter Eid schwören.
Warum ich das hervor hebe? Alle, die diese CD kennen - außer die
Band-Mitglieder, Familienangehörigen und Freunde natürlich -
werden wissen, was es für eine Leistung darstellt, sich durch diese
74 Minuten absoluter Talentlosigkeit zu quälen. Der Opener „Ihr Schweigen“
ist eine musikalische Katastrophe, wie ich sie selten gehört habe.
Bassistin und Sängerin (????) Chrys ist ständig auf der Suche
nach dem richtigen Ton, Gitarrist Djardes versucht sich an einem Solo,
bringt es dabei auf simpelste Tonabfolgen und verspielt sich trotzdem und
die sogenannten „vokalen Perversionen“ von Schlagzeuger Cid (ich gehe mal
davon aus, daß das peinliche Geröchel damit gemeint ist) sind
nicht pervers, sondern der absolute Brüller.
Songs kann das Trio auch nicht schreiben.
„Ihr Schweigen“ und „Stormchild“ zum Beispiel klingen wie Kraftakte, bei
denen CRYSALIS all ihre kompositorischen Unfähigkeiten hineingelegt
haben, ohne auch nur den Hauch von Hörbarkeit zu erzielen. „The Veil“,
ein Akkustik-Stück, dürfte jedes Lagerfeur zum Erlöschen
bringen und „Meine ewige Liebe“ ist schließlich der Proto-Typ für
Lieder, die man niemals schreiben sollte. Arrangements? Gibt es auf „Ein
Mittsommernachtsmord“ eigentlich keine. Dem Trio gelingt es, unentwegt
an der falschen Stelle ein Solo zu plazieren, gesanglich wird ständig
überagiert, Dynamik ist ein Fremdwort.
Daß es die Drei allerdings
ernst meinen und offenbar von ihrem Wirken durchaus überzeugt sind,
zeigen die Längen der Stücke, die bei 5.51 Minuten („Veil“) beginnen
und in einer Ewigkeit von 17.29 Minuten („Meine ewige Liebe“) kollabieren.
Ich bin gegenüber Leuten mit
selbstproduzierten CDs gewiß nicht überheblich oder ignorant.
„Ein Mittsommernachtsmord“ ist jedoch durchweg eine Zumutung.
Auf einem der Band-Fotos trägt
Djardes ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wenn Hören Fühlen ist“
... hätte ich dreieinhalb Stunden ununterbrochen verzweifelt geschrien,
erlaube ich mir an dieser Stelle zu ergänzen.
Wer sich fragt, wo der eine Punkt
herkommt, dem sei gesagt, daß es auf der CD mit „Langsamlebentodesgleich“
und einem endlosen Hidden-Track, in dem ständig Glasscherben zusammengefegt
werden, Sound-Collagen gibt, die mehr mit Musik zu tun haben, als der gesamte
Rest.
P.S. In der Hoffnung, daß
die Zeit alle Wunden heilt, habe ich mir noch die aktuelle Promo-Single
von CRYSALIS, „The Door“ aus dem neuen Album „Frühlingssturm“ angetan.
Aber manche Leute lernen es nie. Alles beim Alten. Das Trio sollte sich
umorientieren. Die Musik, die es machen will, bekommt es definitiv nicht
hin.
„Dust And Salt“
JUB
TAD MOROSE "Matters Of The
Dark" 8
Century Media/ Magic Arts Publ.,
2002
Mit ihrer sechsten Veröffentlichung
"Matters Of The Dark" zollen die Schweden mal wieder dem Spruch "Schuster
bleib bei Deinen Leisten" Tribut. Der ewige Insidertip aus Bollnäs
zelebriert mal wieder hochkarätigen Heavy Metal fern ab von gängigen
Hammerfall-Klischees. Keine Heldenchöre, keine Fistelstimmen und keine
Drachentötertexte. Eine Domäne, die eh nur wenige Bands gut beherrschen.
Aber das nur am Rande. Am besten gefallen mir TAD MOROSE, wenn sie zu ihren
stets wehmütig anmutenden Refrains ansetzen, um im nächsten Augenblick
etwaige Schwermut mit einem präzisen Powerriff wieder zunichte zu
machen. Als besonderes Schmankerl sei hier noch auf den Titelsong hingewiesen,
in dem Sänger Urban Breed ein Duett mit (Morgana) Lefay-Fronter
Charles Rytkönen anstimmt und beweist, daß die beiden zur Elite
der schwedischen Metalsänger gehören. Starke Platte.
"Matters Of The Dark"
THOMAS
SANGUIS „Mortal Art Of Blood“
7
Eigenprod., 2000
So kann’s gehen. Eben noch haben
uns Undergrounder zu Mitleidstränen gerührt, da rückt eine
Band an, die bereits nach einem Jahr Existenz ein Album eingehackt hat,
daß sich locker mit den meisten professionellen Produktionen messen
kann. Es geht um die Österreicher SANGUIS, die ohne „Wenn“ und „Aber“
Black Metal zelebrieren, der von Blast-Parts und flirrenden Gitarrenwänden
dominiert wird. Das Ganze ist sicher nicht spektakulär, aber das scheint
auch in keinster Weise die Intention der Band zu sein. Diese verzichtet
nämlich auf Bombastfirlefanz, überladene Kompositionen und progressive
Angebereien auf der einen Seite ebenso wie auf der anderen Seite der typisch
„true“ räudige Sound vermieden wird. Und somit wird die Mini-CD „Mortal
Art Of Blood“ zu einem soliden Black Metal-Output, der eigentlich keinem
Genre-Fan auf die Nüsse gehen dürfte. Im Gegenteil, in einigen
Kreisen vermute ich sogar helle Begeisterung.
„At The End“
JUB
7 MONTHS "7 Months" 3
Frontiers Rec./ Now&Then/Point
Music, 2002
Die Band aus L.A. möchte progressive
Klänge mit massenkompatiblen Melodien mischen, und zumindest in dieser
Hinsicht ist es ihnen auch gelungen. Doch sind diese Melodien so dermaßen
kitschig und identitätslos, daß sich davon nichts im Ohr festsetzt.
Soetwas trauen sich ohnehin nur amerikanische Bands. Dann die progressive
Seite. Technisch haben die Musiker einiges auf der Pfanne, aber solch traumhafte
Sicherheit und das Gespür für dramatische Breaks und Akkordfolgen
wie es Bands wie Rush und Dream Theater haben, können 7 MONTHS nicht
aufweisen. Das Label wirft die Musiker mit den oben genannten Gruppen aber
schonmal großspurig in einen Topf. Fakt ist, daß 7 MONTHS reichlich
langatmige und durchschnittliche Song-Ideen leicht verprogressivieren,
um die Sache gehaltvoller zu machen. Aber wie heißt es so schön?
Man kann Steine golden streichen, es bleiben Steine.
"Sometimes"
THOMAS
AGRESIÒN „Cultura 3“
2
4Tune Rec/Suburban., 2002
Wenn eine New Metal-Scheibe auf meinen
Tisch kommt, muß ich mich jedes Mal erst dazu durchringen, bevor
ich sie in den Player schiebe. Und dann bin ich jedesmal naiv genug, zu
hoffen, daß sich mir etwas offenbart, was ich bisher nicht wahrgenommen
habe. Oder daß ich gar anfange, zu verstehen, was Leute treibt, diese
Musik massenweise zu konsumieren. Aber auch die venezuelanische Band AGRESIÒN
hilft mir da nicht weiter. Die Gitarren-Arbeit ist stinklangweilig, die
Hip Hop-Elemente nerven, der Gesang ist wie immer meist sinnloses Gebrülle
(soll vermutlich aggressiv klingen). Warum scheint eigentlich kein Liebhaber
dieser Musik zu merken, daß die meisten Bands des „Nu Metal“-Genres
kein Gefühl für Melodien haben. Und kommt mir nicht damit, die
wollen gar keine kreieren. Dann frag ich mich, weshalb sich diese Bands
- so auch AGRESIÒN - immer wieder in getragene Passagen üben
und uns Melodie-Gefühl vorgaukeln wollen. Und schließlich hat
mich diese CD zu einem weiteren Gedanken bewegt: Einst war es so, daß
sich die jeweils nachwachsende Generation - die sich für Subkulturen
entschied und nicht dem POPulären Mainstream folgte - nach dem Schneller-Höher-Weiter-Prinzip
immer über die jeweils aggressivste Musik definierte. New Metal hingegen
wird in Sachen Aggressivität allerdings sogar locker von Bands der
60er Jahre wie den Yardbirds oder The Who an die Wand gespielt, wenn die
wegen des damaligen Stands der Technik auch soundmäßig nicht
mithalten können. Entweder sind die „harten Kids“ von heute alle schwul
oder Nu Metal ist der Mainstream des neuen Jahrtausends, wie es in den
70ern Donna Summer oder Boney M. waren.
Zu AGRESIÓN wäre vielleicht
noch zu sagen, daß ihr soziales Engagement in den Texten ganz nett
ist. Auch bemühen sie sich wenigstens um den Hauch von Abwechslung,
wenn ich damit auch nicht dem Drum’n Bass-Remix von „Care 777“ meine.
„Sur“
JUB
INTERNECINE "The Book Of Lambs"
6
Hammerheart, 2002
Infernalische Geschwindigkeit, virtuose
Disharmonien und technische Höchstleistungen. Diese drei Sachen sind
es, die auf einen losstürmen, wenn man den "Play"-Knopf des CD-Players
drückt, in dem "Book Of Lambs" liegt. Hat man sich von dem Angriff
erholt und ist sich der Tatsache bewußt, daß INTERNECINE mehr
das Soloprojekt von Jared Anderson unterstützt von Szenegrößen
wie Tony Laureano und Eric Rutan sowie Derek Roddy ist, weiß man,
wo der Hase läuft. Die genannten sind oder waren in Bands wie Angel
Corpse, Hate Eternal, Nile, Alas und - man höre und staune - Morbid
Angel (sollte das langgehütete Geheimniss um den Ersatzmann für
Steve Tucker enthüllt worden sein? Jared Anderson sein Nachfolger?)
Da diese Herren allesamt Elitemusiker der zweiten amerikanischen Death
Metal Welle sind, kann man hier eben nur präziese Brutalität
erwarten. Doch so toll die Fähigkeiten der Musiker sind, einen Meilenstein
des Ami-Death Metals der frühen 90er, wie zum Beispiel "Slowly We
Rot", "Human" oder "Legion", haben die Musiker nicht zu Stande gebracht.
Was haben die frühen Klassiker den meisten aktuellen Veröffentlichungen
Voraus? Neben der Vorreiter-Funktion vor allem, daß trotz der Brutalität
noch Platz für eingängige Songs war. Und daß Dynamik die
Kompositionen noch brutaler klingen ließ. Wenn man wie INTERNECINE
nur den Knüppel schwingt, wirds mit der Zeit recht eintönig.
"The Calling Of The Hordes"
THOMAS
HAEMORRHAGE „Morgue Sweet
Home“ 7
Morbid Rec/SPV, 2002
Gäbe es nicht Stücke wie
den Titelsong (tolles Klavier-Solo), „Exhuming Impulse“ oder „Midnight
Mortician“ - die neue HAEMORRHAGE würde mir fast ein bißchen
zu perfekt klingen. Auf „Morgue Sweet Home“ wird sauberer Grind/Death Metal
serviert, wie er in dieser Qualität selten zu hören ist. Allerdings
sagte ein alter Bekannter von mir, Heavy Metal beginne bei ihm dort, wo
man mitpfeifen könnte. Und das ist bei den meisten der neuen HAEMORRHAGE-Songs
möglich. Allerdings mitpfeifen kann ich auch bei - sagen wir - Iron
Maiden. Dazu brauche ich keine spanischen Splatter-Orgien. Fazit: Man hätte
ruhig hier und da etwas chaotischer zu Werke gehen können. Klingt
fast kritrisch, ist es aber nicht wirklich, denn „Morgue Sweet Home“ ist
ein hübsches Stück Gliedmaßen-Amputations-Musik geworden,
dessen freundlichen Melodien man gerne lauscht. Also: schnallt die Freundin
auf den Tisch, holt die Säge raus und legt HAEMORRHAGE ein.
„Morgue Sweet Home“/“Midnight
Mortician“
JUB
HAREM SCAREM „Weight Of The
World“ 8
Frontiers/Now&Then/Point, 2002
Gerade im Melodic Metal-Bereich ist
man vor Überraschungen nicht gefeit. So liegt hier zum Beispiel die
neueste Scheibe der kanadischen Formation HAREM SCAREM vor und in unseren
Breitengraden kennt die kaum einer. Das ist um so merkwürdiger, als
daß der Protagonist der Band, Sänger und Gitarrist Harry Hess,
bereits in den 80ern mit Blind Vengeance am Start war und es HAREM SCAREM
laut Label-Info auch schon seit 1988 geben soll. Die erste Plattenveröffentlichung
stammt aus dem Jahre 1991. Und Grund Nummer drei für das überraschte
Gesicht ist die bemerkenswert hohe Qualität des Materials auf „Weight
Of The World“. HAREM SCAREM stecken nämlich locker die meisten Melodic-Amis
in den Sack, für die eine halbwegs gute Gitarren-Melodie gleichbedeutend
mit weichgespültem Michael Bolton-Pop ist. HAREM SCAREM haben zum
Teil wirklich einzigartige Refrain-Harmonien, bleiben dabei aber fast immer
druckvoll und heavy. Das Ganze hat durchaus einen verdammten 80er-Jahre-Touch,
wobei einige der Melodien gar Spät-70er-Pop-Ikonen wie Abba gut zu
Gesicht gestanden hätten. Zum einen ist das sicher ein Lob, denn genanntes
Schweden-Quintett hat einige der besten Songs der Pop-Geschichte geschrieben
(fragt Lemmy von Motörhead), zum anderen klingt die ein oder andere
Weise doch ein wenig zu smart. Nicht weichgespült wohlgemerkt, aber
nach einer halben Stunde HAREM SCAREM wird man zum Heavy Metal-Snob.
„Outside Your Window“
JUB
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