An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 15. Oktober


DARKANE "Expanding Senses" 8
Nuclear Blast, 2002

Darkane - Expanding Senses

Mit ihrem dritten Album "Expanding Senses" stellen die Schweden ihre musikalische Vielfältigkeit unter Beweis. Denn im Gegensatz zu ihrem Debüt "Rusted Angel" (1998) nehmen die Thrasher hier und da den Fuß vom Gaspedal, um im Midtempo zu überzeugen. So ist der Opener "Innocence Gone" ein mittelschneller Headbanger mit Ohrwurmqualitäten geworden. Spätestens bei "Fatal Impact" wird klar, daß DARKANE heuer Geschwindigkeit und Melodie zu einer kompakten Einheit verbinden wollten. Was ihnen auch zu großen Teilen gelungen ist. Nur die Produktion ist meiner Meinung nach ein zweischneidiges Schwert. Obwohl sich dafür ein gewisser Daniel Bergstrand verantwortlich zeichnet, glaubt man beim Hören den Einfluß eines Peter Tägtgren warzunehmen. Breite Gitarrenwände und maschinell klingende Drums, die zusammen einen totalen Druck fahren aber dennoch einen kaum zu lokalisierenden Soundbrei mitschwingen lassen. Somit klingen DARKANE groß, mächtig, abwechslungsreich aber auch ein wenig unpersönlich. Aber das ist reine Geschmackssache.
"Innocence Gone"

THOMAS

THYESTEAN FEAST „Cycles Of Worldburn“ 8
Armageddon Shadow/Trisol, 2001

Thyestean Feast - Cycles Of Worldburn

In unserer letzten Abgehört-Sendung hatten wir gerade die wütenden Craft aus Schweden vorgestellt (siehe Abgehört vom 01. 10. 2002) und uns über den immer noch agierenden Black Metal-Underground gefreut. Jetzt würde ich gar behaupten, die Szene ist doch immer noch stärker, als es uns, denen täglich mit True, Power, New oder Death Metal-Neuveröffentlichungen vorgegaukelt wird, daß das Böse besiegt sei, erscheint. Denn wie sonst könnten eine Band wie THYESTEAN FEAST dieser Tage ein dermaßen entspanntes und vortreffliches Black Metal-Album veröffentlichen. Diesen Finnen war bei der Produktion nicht bange darum, ob es immer noch ein ausreichendes Publikum für ihre Musik geben könnte. Sie waren von der Vielzahl der Anhängerschar offenbar fest überzeugt.
„Cycles Of Worldburn“ unterscheidet sich dabei wesentlich von Craft zum Beispiel. Während die einen kompromißlos brutal und unsentimantal zu Werke gehen, haben THYESTEAN FEAST schon akribisch auf das Komponieren perfekter Songs geachtet. Die gekonnten Melodien erinnern an Third Moon, Gehenna oder frühe Satyricon, ohne allerdings auch nur einen Song der genannten Bands zu kopieren. Man denke nur an das Grundprinzipp vieler Black Metal Bands, die ihre Musik so kreieren, daß die Gitarren die eigentlichen Melodieführer sind. Und wer da ein paar Exemplare dieser Gattung im Schrank zu stehen hat, weiß, was da manchmal für Weisen herausgekommen sind. Mit THYESTEAN FEAST können sich Liebhaber solcher Musik jetzt eine weitere Perle in ihr Regal schieben. 
„Sindemonium“

JUB

RALPH SANTOLLA "Shaolin Monks In The Temple Of Metal" 6
Frontiers Rec./Now&Then/Point Music, 2002

Ralph Santolls - Shaolin Monks In The Temple Of Metal

Meine Fresse, was für ein Titel. Was sich dahinter verbirgt, können wir wahrscheinlich nie in Erfahrung bringen, da SANTOLLA es vorzog, ein Instrumentalalbum zu veröffentlichen. Somit sind logischerweise keine Texte vorhanden. Zur Musik. RALPH SANTOLLA soliert auf einem von Gastmusikern gewobenen Rhythmusteppich faßt allein durch die sieben Songs des Albums. Unterstützung erfährt er dabei von Dreamtide-Gitarrist Helge Engelke und Ex-Ten Gitarrist Vinny Burns. SANTOLLA weiß aber, daß das ewige Gegniedel auf die Dauer nervig ist und hält sich von Zeit zu Zeit etwas im Zaum, um die CD etwas dynamischer zu gestalten. Gut weiß auch die Tatsache zu gefallen, daß der Saitenakrobat nicht nur damit beschäftigt ist, der Fachwelt zu zeigen wie schnell seine Finger übers Griffbrett huschen können, sondern auch Muse findet, den Kompositionen einen songschreiberischen Stempel aufzudrücken. Dennoch ist die CD nicht eine die man tagein, tagaus hören kann, und die allein durch die fehlenden Gesänge sehr stimmungsabhängig ist. Dennoch gut gemacht.
"Echelon"

THOMAS

SAXON „Heavy Metal Thunder“ 8
Steamhammer/CBH/SPV, 2002

Saxon - Heavy Metal Thunder

Aaaah, kommen wir an dieser Stelle mal wieder zu einer göttergleichen Musikeransammlung. SAXON beehren uns mit einer Doppel-CD, die auf Teil 1 neu eingespielte Stücke der ersten sechs Studio-Alben (1979 bis 1984) enthält und auf Teil 2 eine Kostprobe aus einem Konzert in San Antonio, Texas aus diesem Jahr präsentiert. Die „Best of early years“ ist eine Wonne. Biff Byford und seine Kollegen waren sehr darum bemüht, trotz aufgepepptem Sound die Wirkung von einst beizubehalten. Dadurch haben Sachen wie „Heavy Metal Thunder“, „And The Bands Played On“ oder „Princess Of The Night“ für meine Begriffe durchaus gewonnen. „Dallas 1pm“ hingegen - seines faszinierenden Gänsehaut-Gitarrensolos beraubt - leidet unter der Neueinspielung. Auch „Crusader“ scheint irgendwie banalisiert, wenn das Stück auch etwas härter als in der Originalversion rüberkommt. 
Alles in allem ist das Song-Material brillant und aufgrund der Neuinterpretation auf jeden Fall auch für jeden SAXON-Fan von Interesse.
CD 2 verstehe ich nicht, klingen die fünf Stücke aus dem San Antonio-Live-Gig doch äußerst dünn. „Official Bootleg“ nennt sich das Ganze, entschuldigt aber die schwache Qualität zu keiner Zeit. Biff ist zu weit im Vordergrund, die Drums stechen als führendes Instrument heraus und die Gitarren fristen das Dasein eines geduldeten Störenfriedes. Das Ganze wurde offenbar direkt aus dem Mischpult gezogen, denn Publikums-Reaktionen sind auch so gut wie keine zu hören. Da wirken Biffs Text-Auslassungen  bei „20 000 Ft“, wenn er die Fans mitsingen läßt, eher peinlich.  Ausgehend davon, daß SAXON eigentlich eine Band ist, die live alles wegknallt, ist diese Live-Auswahl um so unverständlicher. Der Live-Video-Track von „Killing Ground“ rettet da dann auch nicht mehr viel.
Schade, denn ohne die ominöse Live-CD hätte „Heavy Metal Thunder“ ein gnadenloser Abräumer werden können. Aber ich vermute mal, daß man für den zweiten Silberling ein paar Taler mehr berappen muß, und das trübt zumindest den Kaufspaß. Das Hörvergnügen allerdings nicht, denn man kann sich ja immer und immer wieder die erste Scheibe antun.
„Heavy Metal Thunder“/“Crusader“/“Wheels Of Steel“ 

JUB

ROTTING CHRIST "Genesis"
Century Media/Magic Arts, 2002

Rotting Christ - Genesis

Um es gleich vorweg zu nehmen, ROTTING CHRIST sind im Jahre 2002 ihren Black Metal-Roots näher gekommen als man es sich vor kurzem noch hätte träumen lassen. Oder hättet Ihr nach Alben wie "A Dead Poem" oder "Sleep Of The Angels" geglaubt, daß die Griechen noch einmal den Knüppel kreisen lassen mit Midstep-Drums und starren Temporiffs? Trotz alledem haben die Musiker um Sakis und Themis nicht ganz von ihrer gotischen Schlagseite Abschied genommen. Was sich in vereinzelten Keyboarduntermalungen und pathetischen Gesängen wiederspiegelt. Dennoch wirken diese Elemente nicht wie ein Fremdkörper oder aufgesetzt. Eher tragen sie zum Gelingen des Albums bei. So werden die ruppigen Passagen passend aufgelockert und das Album bekommt einen schwärzeren Anstrich. Definitiv eine angenehme Überaschung.
"Lex Taliones"

THOMAS

CRYSALIS „Ein Mittsommernachtsmord“ 1
Eigenprod., 2001

Crysalis - Ein Mittsommernachtsmord

Die CD „Ein Mittsommernachtsmord“ habe ich mir dreimal angehört. Das würde ich unter Eid schwören. Warum ich das hervor hebe? Alle, die diese CD kennen - außer die Band-Mitglieder, Familienangehörigen und Freunde natürlich - werden wissen, was es für eine Leistung darstellt, sich durch diese 74 Minuten absoluter Talentlosigkeit zu quälen. Der Opener „Ihr Schweigen“ ist eine musikalische Katastrophe, wie ich sie selten gehört habe. Bassistin und Sängerin (????) Chrys ist ständig auf der Suche nach dem richtigen Ton, Gitarrist Djardes versucht sich an einem Solo, bringt es dabei auf simpelste Tonabfolgen und verspielt sich trotzdem und die sogenannten „vokalen Perversionen“ von Schlagzeuger Cid (ich gehe mal davon aus, daß das peinliche Geröchel damit gemeint ist) sind nicht pervers, sondern der absolute Brüller. 
Songs kann das Trio auch nicht schreiben. „Ihr Schweigen“ und „Stormchild“ zum Beispiel klingen wie Kraftakte, bei denen CRYSALIS all ihre kompositorischen Unfähigkeiten hineingelegt haben, ohne auch nur den Hauch von Hörbarkeit zu erzielen. „The Veil“, ein Akkustik-Stück, dürfte jedes Lagerfeur zum Erlöschen bringen und „Meine ewige Liebe“ ist schließlich der Proto-Typ für Lieder, die man niemals schreiben sollte. Arrangements? Gibt es auf „Ein Mittsommernachtsmord“ eigentlich keine. Dem Trio gelingt es, unentwegt an der falschen Stelle ein Solo zu plazieren, gesanglich wird ständig überagiert, Dynamik ist ein Fremdwort.
Daß es die Drei allerdings ernst meinen und offenbar von ihrem Wirken durchaus überzeugt sind, zeigen die Längen der Stücke, die bei 5.51 Minuten („Veil“) beginnen und in einer Ewigkeit von 17.29 Minuten („Meine ewige Liebe“) kollabieren.
Ich bin gegenüber Leuten mit selbstproduzierten CDs gewiß nicht überheblich oder ignorant. „Ein Mittsommernachtsmord“ ist jedoch durchweg eine Zumutung.
Auf einem der Band-Fotos trägt Djardes ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wenn Hören Fühlen ist“ ... hätte ich dreieinhalb Stunden ununterbrochen verzweifelt geschrien, erlaube ich mir an dieser Stelle zu ergänzen.
Wer sich fragt, wo der eine Punkt herkommt, dem sei gesagt, daß es auf der CD mit „Langsamlebentodesgleich“ und einem endlosen Hidden-Track, in dem ständig Glasscherben zusammengefegt werden, Sound-Collagen gibt, die mehr mit Musik zu tun haben, als der gesamte Rest.
P.S. In der Hoffnung, daß die Zeit alle Wunden heilt, habe ich mir noch die aktuelle Promo-Single von CRYSALIS, „The Door“ aus dem neuen Album „Frühlingssturm“ angetan. Aber manche Leute lernen es nie. Alles beim Alten. Das Trio sollte sich umorientieren. Die Musik, die es machen will, bekommt es definitiv nicht hin.
„Dust And Salt“

JUB

TAD MOROSE "Matters Of The Dark" 8
Century Media/ Magic Arts Publ., 2002

Tad Morose - Matters Of The Dark

Mit ihrer sechsten Veröffentlichung "Matters Of The Dark" zollen die Schweden mal wieder dem Spruch "Schuster bleib bei Deinen Leisten" Tribut. Der ewige Insidertip aus Bollnäs zelebriert mal wieder hochkarätigen Heavy Metal fern ab von gängigen Hammerfall-Klischees. Keine Heldenchöre, keine Fistelstimmen und keine Drachentötertexte. Eine Domäne, die eh nur wenige Bands gut beherrschen. Aber das nur am Rande. Am besten gefallen mir TAD MOROSE, wenn sie zu ihren stets wehmütig anmutenden Refrains ansetzen, um im nächsten Augenblick etwaige Schwermut mit einem präzisen Powerriff wieder zunichte zu machen. Als besonderes Schmankerl sei hier noch auf den Titelsong hingewiesen, in dem  Sänger Urban Breed ein Duett mit (Morgana) Lefay-Fronter Charles Rytkönen anstimmt und beweist, daß die beiden zur Elite der schwedischen Metalsänger gehören. Starke Platte.
"Matters Of The Dark"

THOMAS

SANGUIS „Mortal Art Of Blood“ 7
Eigenprod., 2000

Sanguis - Mortal Art Of Blood

So kann’s gehen. Eben noch haben uns Undergrounder zu Mitleidstränen gerührt, da rückt eine Band an, die bereits nach einem Jahr Existenz ein Album eingehackt hat, daß sich locker mit den meisten professionellen Produktionen messen kann. Es geht um die Österreicher SANGUIS, die ohne „Wenn“ und „Aber“ Black Metal zelebrieren, der von Blast-Parts und flirrenden Gitarrenwänden dominiert wird. Das Ganze ist sicher nicht spektakulär, aber das scheint auch in keinster Weise die Intention der Band zu sein. Diese verzichtet nämlich auf Bombastfirlefanz, überladene Kompositionen und progressive Angebereien auf der einen Seite ebenso wie auf der anderen Seite der typisch „true“ räudige Sound vermieden wird. Und somit wird die Mini-CD „Mortal Art Of Blood“ zu einem soliden Black Metal-Output, der eigentlich keinem Genre-Fan auf die Nüsse gehen dürfte. Im Gegenteil, in einigen Kreisen vermute ich sogar helle Begeisterung.
„At The End“

JUB

7 MONTHS "7 Months" 3
Frontiers Rec./ Now&Then/Point Music, 2002

7 Month - 7 Month

Die Band aus L.A. möchte progressive Klänge mit massenkompatiblen Melodien mischen, und zumindest in dieser Hinsicht ist es ihnen auch gelungen. Doch sind diese Melodien so dermaßen kitschig und identitätslos, daß sich davon nichts im Ohr festsetzt. Soetwas trauen sich ohnehin nur amerikanische Bands. Dann die progressive Seite. Technisch haben die Musiker einiges auf der Pfanne, aber solch traumhafte Sicherheit und das Gespür für dramatische Breaks und Akkordfolgen wie es Bands wie Rush und Dream Theater haben, können 7 MONTHS nicht aufweisen. Das Label wirft die Musiker mit den oben genannten Gruppen aber schonmal großspurig in einen Topf. Fakt ist, daß 7 MONTHS reichlich langatmige und durchschnittliche Song-Ideen leicht verprogressivieren, um die Sache gehaltvoller zu machen. Aber wie heißt es so schön? Man kann Steine golden streichen, es bleiben Steine.
"Sometimes"

THOMAS

AGRESIÒN „Cultura 3“ 2
4Tune Rec/Suburban., 2002

Agresiòn - Cultura 3

Wenn eine New Metal-Scheibe auf meinen Tisch kommt, muß ich mich jedes Mal erst dazu durchringen, bevor ich sie in den Player schiebe. Und dann bin ich jedesmal naiv genug, zu hoffen, daß sich mir etwas offenbart, was ich bisher nicht wahrgenommen habe. Oder daß ich gar anfange, zu verstehen, was Leute treibt, diese Musik massenweise zu konsumieren. Aber auch die venezuelanische Band AGRESIÒN hilft mir da nicht weiter. Die Gitarren-Arbeit ist stinklangweilig, die Hip Hop-Elemente nerven, der Gesang ist wie immer meist sinnloses Gebrülle (soll vermutlich aggressiv klingen). Warum scheint eigentlich kein Liebhaber dieser Musik zu merken, daß die meisten Bands des „Nu Metal“-Genres kein Gefühl für Melodien haben. Und kommt mir nicht damit, die wollen gar keine kreieren. Dann frag ich mich, weshalb sich diese Bands - so auch AGRESIÒN - immer wieder in getragene Passagen üben und uns Melodie-Gefühl vorgaukeln wollen. Und schließlich hat mich diese CD zu einem weiteren Gedanken bewegt: Einst war es so, daß sich die jeweils nachwachsende Generation - die sich für Subkulturen entschied und nicht dem POPulären Mainstream folgte - nach dem Schneller-Höher-Weiter-Prinzip immer über die jeweils aggressivste Musik definierte. New Metal hingegen wird in Sachen Aggressivität allerdings sogar locker von Bands der 60er Jahre wie den Yardbirds oder The Who an die Wand gespielt, wenn die wegen des damaligen Stands der Technik auch soundmäßig nicht mithalten können. Entweder sind die „harten Kids“ von heute alle schwul oder Nu Metal ist der Mainstream des neuen Jahrtausends, wie es in den 70ern Donna Summer oder Boney M. waren. 
Zu AGRESIÓN wäre vielleicht noch zu sagen, daß ihr soziales Engagement in den Texten ganz nett ist. Auch bemühen sie sich wenigstens um den Hauch von Abwechslung, wenn ich damit auch nicht dem Drum’n Bass-Remix von „Care 777“ meine.
„Sur“

JUB

INTERNECINE "The Book Of Lambs" 6
Hammerheart, 2002 

Internecine - The Book Of Lambs

Infernalische Geschwindigkeit, virtuose Disharmonien und technische Höchstleistungen. Diese drei Sachen sind es, die auf einen losstürmen, wenn man den "Play"-Knopf des CD-Players drückt, in dem "Book Of Lambs" liegt. Hat man sich von dem Angriff erholt und ist sich der Tatsache bewußt, daß INTERNECINE mehr das Soloprojekt von Jared Anderson unterstützt von Szenegrößen wie Tony Laureano und Eric Rutan sowie Derek Roddy ist, weiß man, wo der Hase läuft. Die genannten sind oder waren in Bands wie Angel Corpse, Hate Eternal, Nile, Alas und - man höre und staune - Morbid Angel (sollte das langgehütete Geheimniss um den Ersatzmann für Steve Tucker enthüllt worden sein? Jared Anderson sein Nachfolger?) Da diese Herren allesamt Elitemusiker der zweiten amerikanischen Death Metal Welle sind, kann man hier eben nur präziese Brutalität erwarten. Doch so toll die Fähigkeiten der Musiker sind, einen Meilenstein des Ami-Death Metals der frühen 90er, wie zum Beispiel "Slowly We Rot", "Human" oder "Legion", haben die Musiker nicht zu Stande gebracht. Was haben die frühen Klassiker den meisten aktuellen Veröffentlichungen Voraus? Neben der Vorreiter-Funktion vor allem, daß trotz der Brutalität noch Platz für eingängige Songs war. Und daß Dynamik die Kompositionen noch brutaler klingen ließ. Wenn man wie INTERNECINE nur den Knüppel schwingt, wirds mit der Zeit recht eintönig.
"The Calling Of The Hordes"

THOMAS

HAEMORRHAGE „Morgue Sweet Home“ 7
Morbid Rec/SPV, 2002

Haemorrhage - Morgue Sweet Home

Gäbe es nicht Stücke wie den Titelsong (tolles Klavier-Solo), „Exhuming Impulse“ oder „Midnight Mortician“ - die neue HAEMORRHAGE würde mir fast ein bißchen zu perfekt klingen. Auf „Morgue Sweet Home“ wird sauberer Grind/Death Metal serviert, wie er in dieser Qualität selten zu hören ist. Allerdings sagte ein alter Bekannter von mir, Heavy Metal beginne bei ihm dort, wo man mitpfeifen könnte. Und das ist bei den meisten der neuen HAEMORRHAGE-Songs möglich. Allerdings mitpfeifen kann ich auch bei - sagen wir - Iron Maiden. Dazu brauche ich keine spanischen Splatter-Orgien. Fazit: Man hätte ruhig hier und da etwas chaotischer zu Werke gehen können. Klingt fast kritrisch, ist es aber nicht wirklich, denn „Morgue Sweet Home“ ist ein hübsches Stück Gliedmaßen-Amputations-Musik geworden, dessen freundlichen Melodien man gerne lauscht. Also: schnallt die Freundin auf den Tisch, holt die Säge raus und legt HAEMORRHAGE ein.
„Morgue Sweet Home“/“Midnight Mortician“

JUB

HAREM SCAREM „Weight Of The World“ 8
Frontiers/Now&Then/Point, 2002

Gerade im Melodic Metal-Bereich ist man vor Überraschungen nicht gefeit. So liegt hier zum Beispiel die neueste Scheibe der kanadischen Formation HAREM SCAREM vor und in unseren Breitengraden kennt die kaum einer. Das ist um so merkwürdiger, als daß der Protagonist der Band, Sänger und Gitarrist Harry Hess, bereits in den 80ern mit Blind Vengeance am Start war und es HAREM SCAREM laut Label-Info auch schon seit 1988 geben soll. Die erste Plattenveröffentlichung stammt aus dem Jahre 1991. Und Grund Nummer drei für das überraschte Gesicht ist die bemerkenswert hohe Qualität des Materials auf „Weight Of The World“. HAREM SCAREM stecken nämlich locker die meisten Melodic-Amis in den Sack, für die eine halbwegs gute Gitarren-Melodie gleichbedeutend mit weichgespültem Michael Bolton-Pop ist. HAREM SCAREM haben zum Teil wirklich einzigartige Refrain-Harmonien, bleiben dabei aber fast immer druckvoll und heavy. Das Ganze hat durchaus einen verdammten 80er-Jahre-Touch, wobei einige der Melodien gar Spät-70er-Pop-Ikonen wie Abba gut zu Gesicht gestanden hätten. Zum einen ist das sicher ein Lob, denn genanntes Schweden-Quintett hat einige der besten Songs der Pop-Geschichte geschrieben (fragt Lemmy von Motörhead), zum anderen klingt die ein oder andere Weise doch ein wenig zu smart. Nicht weichgespült wohlgemerkt, aber nach einer halben Stunde HAREM SCAREM wird man zum Heavy Metal-Snob. 
„Outside Your Window“

JUB
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