Abgehört vom 16. August 2005




INFERNAL REGENCY
"Feel My Blazing Sword"
Erschienen: 2003
Label: Miriquidi Productions/City Of The Dead Records
Homepage:
INFERNAL REGENCY - Feel My Blazing Sword On Air: "The Trombones Of Hell Are Blowing For Attack"

Deutschlands Black-Metal-Szene beginnt weder bei Mystic Circle, noch endet sie bei Endstille. Das machen in diesem Fall einmal mehr INFERNAL REGENCY deutlich, deren Debüt, "Feel My Blazing Sword", vor zwei Jahren bei dem umtriebigen Underground-Label Miriquidi Productions erschienen ist. Als LP wohlgemerkt.
Und diese Band aus dem Dunstkreis von Dunkelgrafen - Dunkelgraf höchstpersönlich steuert beim Titelsong Gesangsparts bei - macht keine Gefangenen. Wenn jemand den Begriff Black Metal definiert haben möchte, kann er sich von INFERNAL REGENCY zu einer Lehrstunde einladen lassen. Hier rauschen die Gitarren, walzt sich eine Druckwelle aus den Boxen, ohne daß der Baß dominieren würde, und röhrt der Frontteufel, daß es nur so eine Art hat. Die Produktion ist klasse und entspricht der Qualität der wirklich starken Songs zwischen Trampelpfad und Schnellstraße. Hier verwendet man den fast schon unter permanenter Vergewaltigung leidenden Begriff "Old School" gern.
Auch die Präsentation hat jene mystische Aura, die den Black Metal einst für viele so interessant gemacht hat. Passend dazu die Aussage auf dem Back-Cover, INFERNAL REGENCY würden "pure satanische Propaganda" verbreiten. Bedauerlicher Weise leidet der Eindruck ein bißchen unter der zu geringen Auflösung sowohl der Cover-Darstellung als auch der Schrift auf der Rückseite der Hülle. Man verschwendet sofort Gedanken an einen Computer, und das paßt ja nun überhaupt nicht.
Apropos Computer. Aus selbigen kommt auch das Schlagzeug. Das stört aber nur bei Breaks, die deutlicher zu hören sind, wenn die Gitarre mal kurz ausklingt. Ansonsten deckt das Getöse den etwas sterilen Sound des Gekloppes völlig zu.
9 von 10

JUB



DEAD INFECTION
"The Lethal Collection"
Erschienen: 2003
Label: Obscene Productions
Homepage: www.deadinfection.ht.st
DEAD INFECTION - The Lethal Collection On Air: "Total Dismemberment Of A Female Corpse"

Der Soundtrack zum Schlachtefest. Während die Henker in der Schweinemastanlage wüten, spielen die Jungs von DEAD INFECTION auf. Wenn es klassischen Grindcore gibt, dann liefern diese Polen eben solchen ab. Geknüppel bis der Arzt kommt und übelstes Schweins-Gegrunze. Von musikalischer Differenziertheit keine Spur. Lediglich die beiden Techno-Stücke "D.I." und "Owce" sind völlig anders geartet. Und über die Bee-Gees-Nummer "Staying Alive", die hier lediglich mit einem prolligen Schlagzeugbeat begleitet wird, brauchen wir kein Wort verlieren.
Was den absoluten Reiz dieser Scheibe ausmacht, ist die Tatsache, daß hier  Songs der Split 7 EPs "Poppy - Seed Cake", "No Pate, No Mind" (beide 1998) und "Party's Over" (1994) sowie der Mini-CD "The Greatest Shits" (1998) und des Split-Tapes "Grind Over Europe '96" vereint sind. Wer diese Art der Musik mag, bekommt hier also eine recht umfangreiche Übersicht über das Schaffen der Band geboten.
6 von 10

JUB



CADAVER
"Necrosis"
Erschienen: 2004
Label: Candlelight/PHD
Homepage: www.cadaverinc.com
CADAVER - Necrosis On Air: "The Etching Cleanser"

Mit dem Begriff "Old School" wird mittlerweile wirklich böses Schindluder getrieben. Manchmal hat man den Eindruck, daß alles, was nicht gerade New Metal oder Industrial ist, gleich den Old-School-Stempel aufgedrückt bekommt. Dabei gibt es gar nicht so viele Bands, denen man tatsächlich einen Stil bescheinigen könnte, der sich ausschließlich aus dem Sound und der musikalischen Auffassung der jeweiligen 80er-Phase speist.
Am besten gelingt das immer noch Bands wie einst zu klingen, wenn sie schon damals existent waren und Alben veröffentlichten. Wie im Falle von CADAVER, denen man nachsagt, sie hätten die erste Death-Metal-Scheibe veröffentlicht, die aus Norwegen kam. Das war 1989. Und wenn dem so ist, so haben Anders Odden - läuft heute unter Neddo durch die Gegend - und seine Mitstreiter in den letzten 16 Jahren lediglich zu Hause und betrunken alte Platten gehört. Denn an dem nunmehr vierten Album, "Necrosis", sind sämtliche Entwicklungen des Death Metals seit 1990 spurlos vorübergegangen. Und so klingt die Scheibe nach jenen Bands, die in den 80ern zu jenen Sperrspitzen gehörten, die Thrash, Death und Black Metal begründeten, dies aber beim Aufnehmen noch nicht wußten. Extrem mußte es sein. Wie es heißt, war egal. Logisch, daß solche Bands alles mögliche durcheinanderwarfen. Deshalb finden wir in den Songs von CADAVER sowohl Thrash, Black als auch Heavy Metal. Mal wird es Rock'n'Roll-ig ("Odium"), an einer anderen Stelle klingen für den Heavy Metal fremdartige Rhythmen an ("Goat Father"). Am Ende verdichtet sich alles zum Death Metal, wie er Ende der 80er Jahre aus der Taufe gehoben wurde.
CADAVER sind keine Retro-Band, sondern zelebrieren das, was sie können. Deshalb klingt "Necrosis" auch so verdammt authentisch.
8 von 10

JUB



DEADSPAWN
"Slaughter Cattle"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: deadspawn.de
DEADSPAWN - Slaughter Cattle On Air: "Welcome Total Death"

Aber hallo! Obergeiles Thrash/Death-Metal-Mixgebräu liefern uns DEADSPAWN aus Ingelheim. Schnell werden Erinnerungen an Malevolent Creation vor 15 Jahren wach. Selbige hatten - ebenso wie DEADSPAWN - den Anspruch, superaggressiven Metal auf hohem technischen Niveau darzubieten, ohne dabei als langweilige 
Mathematiker rüberzukommen, so wie es heute leider zu viele Bands vormachen. Die Musik ist breaklastig und kommt mit atemberaubender Instrumentierung daher. Zwischen den Nackenbrechern finden sich vereinzelt Grooveparts, die aber bald wieder abgebrochen werden, um Platz zu machen für technische Kabinettstückchen. Diese werden aber mit einer Lockerheit und Versiertheit gespielt, daß sie nicht nerven. Eine gute Idee ist nunmal eine gute Idee. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Die CD ist für eine Eigenproduktion sehr gut produziert und kann mit ihren vier Songs jedem anspruchsvollen Death-Metal-Fan ohne Wenn und Aber empfohlen werden. 
8 von 10

THOMAS



EMINENZ
"Death Fall"
Erschienen: 1991/2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.eminanz-germany.de
EMINENZ - Death Fall On Air: "Boris Karloff"

Aller Anfang ist schwer. Die CD "Death Fall" vereint die beiden ersten EMINENZ-Demos, "Slayer Of My Daughter" und "Necronomicon Exmortis", von 1991 und belegt, daß auch die Erzgebirgler nur mit Wasser kochen. Aus heutiger Sicht betrachtet ist der musikalische Gehalt zum Teil unter aller Kanone. Nicht nur das Bathory-Cover "13 Candles" erzeugt eher ein gerührtes Schmunzeln. Auch die eigenen Songs - die übrigens ganz stark nach den frühen Bathory-Sachen klingen - tragen alles Negative in sich, was Anfänger-Bands einfach nicht in der Lage sind zu vermeiden. Vor allem "Slayer Of My Daughter" gibt da ein deutliches Beispiel: Rhythmusschwankungen, Spielfehler, steife Arrangements, einfallslose Kompositionen. Wett gemacht wird das wie so oft mit viel Seele und Hingabe. "Necronomicon Exmortis" ist da schon fetter. Das liegt nicht nur am dumpferen Gitarrensound, sondern auch an der etwas stärkeren Hinwendung der Band zum Death Metal, während das erste Demo noch ausschließlich räudigster Black Metal ist.
Für die EMINENZ-Fans, die erst Mitte der 90er Jahre zur Band stießen und keine Möglichkeit mehr haben, die Original-Demos für einen angemessenen Preis zu erstehen, ist diese CD-Veröffentlichung ein Segen.
7 von 10

JUB



GAIA EPICUS
"Satrap"
Erschienen: 2003
Label: Sound Riot
Homepage: www.gaia-epicus.com
GAIA EPICUS - Satrap On Air: ""

Quasi aus dem Nichts heraus stehen nun die Norweger GAIA EPICUS mit einem starken Album im Gepäck vor der Tür des internationalen Durchbruchs. Das Quartett spielt schnellen Heavy Metal mit geilen doppelläufigen Leadgitarren, dabei erinnern sie nicht selten auch wegen ihrer Rhythmik an frühe Iron Maiden zu seligen "Killers"-Zeiten. Dazu gesellen sich Gitarren-Keyboard-Duelle, die durch die (fette) Produktion an die Periode in Stratovarius' Karriere erinnern, als sie noch kreativ und nicht marktorientiert waren. Nicht selten blitzt noch ein wenig Children-Of-Bodom-Wildheit durch die Kompositionen und fegt jedwede Schwülstigkeit in der Musik der Nordmänner weg. Einzig der Frontmann klingt noch ein Quentchen zu austauschbar. Durch seinen klaren, jedoch recht charakterlosen Gesang wird noch so manche Melodie nicht bis an die Grenze ihres Potentials ausgeschöpft. Ob der Versuch, in den mittleren Tonlagen wie Kai Hansen zu klingen, nun beabsichtigt ist oder seiner natürlichen Stimmlage entspricht, wage ich nicht zu beurteilen. Fakt jedoch ist, daß gesanglich sicher noch eine Steigerung möglich ist. Somit bleibt eine starke, jedoch ausbaufähige Platte einer Band, die es durchaus verdient hat, zu einer größeren Hörerschaft vorzudringen. 
7 von 10

THOMAS



POWERGOD
"Long Live The Loud - That's Metal - Lesson II"
Erschienen: 2005
Label: Massacre Records/Soulfood
Homepage: www.powergodonline.de
POWERGOD - Long Live The Loud - That's Metal - Lesson II On Air: "The War Drags Ever On"

Nicht jeder Band liegt es, die Songs anderer zu covern. Manche Kapelle führt diese Kunst allerdings zur Perfektion. POWERGOD wissen, wie man sich dem Schaffen von Musikerkollegen annimmt, das haben sie schon mit "Bleed For The Gods - Lesson I" (siehe Abgehört vom 11. Juni 2002) bewiesen. Und die Songauswahl ist auch diesmal sensationell: Exiter, Abattoir, Loudness, Hirax, Rosy Vista, D.R.I., Wendy O. William, Omen oder Hellion zum Beispiel. Das ist wie ein Heavy-Metal-Lexikon und die jungen Fans dürften einmal mehr feststellen, wie unglaublich geil das Zeug in den 80er Jahren gewesen ist.
Und natürlich hat sich auch diesmal eine illustre Schar aus der HM-Szene dem Trio President Evil (voc), Riff Randell alias Andy Brings (git) und Hama Hart (dr) an die Seite gestellt. John Gallagher von Raven singt sein eigenes Stück "Mind Over Metal", Hannes Holzmann (J.B.O.) klampft mit. Loudness' "Heavy Chains" sieht ebenfalls den Original-Sänger Minoru Niihara am Mikro und Ärzte-Basser Rod Gonzales zeigt seine Fähigkeiten auf der Leadgitarre. "Rocking Through The Night" wird gleich mit zwei Rosy-Vista-Musikern verstärkt: Andreas Schwarz (voc) und Anca Graterol (git). Lips von Anvil ließ es sich nicht nehmen, sein "Motormount" sowohl mit Stimme als auch mit Gitarre zu begleiten, die Pedal Steel Guitar bedient Ferdy Doernberg von Axel Rudi Pell. Schmier von Destruction singt sein "Total Desaster" und schließlich gibt es bei Tanks "The War Drags Ever On" ein Wiederhören mit Tom Angelripper von Sodom, einer der wohl fanatischsten Tank-Fans.
Der musikalische Rundumschlag ist brillant, allerdings gelingt POWERGOD diesmal nicht alles so tadellos wie beim ersten Teil. "Ready To Rock" von Wendy schwächelt zum Beispiel ein bißchen, was sicher auch daran liegt, daß der Songs selbst nicht gerade zu den Referenz-Nummern der faszinierenden Sängerin gehört. "Cutt Your Heart Out" von Rough Cutt hatt schon in den 80ern ebenfalls nicht gerade zu jenen Stücken gehört, die ich mir gern antat. Aber diese Haltung ist Geschmackssache.
An der Auffassung von POWERGOD, diese Sachen rüberzubringen, gibt es nichts zu deuteln. Denn es wird ein hammerhartes Heavy-Metal-Brett geliefert. Obendrein versucht die Band wirklich, das beste aus den einzelnen Songs herauszuholen.
Und allen, die Tank noch nicht für sich entdeckt haben, sei "The War Drags Ever On" empfohlen. Was die Briten einst gemacht haben, ist Heavy Metal in absoluter Vollendung. 
8 von 10

JUB



NEKROFILET
"Dimension Perversum"
Erschienen: ?
Label: Eigenproduktion
Homepage:
kein cover On Air: "Bloody Marry"

A. Krieg, Osama, Anti und Animal, so heißen die vier Bewohner der "Dimension Perversum". Diese wiederum tut sich auf in Bad Freienwalde. Primitiv und brutal schreddern die mittenlastigen Klampfen zu Computerdrumgetacker, welches nicht unmenschlich vertrackt, sondern nachvollziehbar klingt. Abartig röhrt A. Krieg seine Texte ins Mikro, die von "dem üblichen blasphemischen Terz" bzw. von reellen, makabren Ereignissen künden. Eine Originalitätsauszeichnung werden NEKROFILET sicher nicht erhalten, doch ihr kurzweiliges Geschrote ist nicht von der 
schlechtesten Sorte. Die Produktion geht in Ordnung, es herrscht kein heilloses Durcheinander. Man kann jede Spur deutlich heraushören. 
Die Musik orientiert sich in groben Zügen an der Simplizität Morticians, hat jedoch hier und da hauchfeine Morbid-Angel-Anleihen in sich. Diese kommen aber nur selten zum Vorschein. 
5 von 10

THOMAS



DAVE SLAVE'S DOOMED AND DISGUSTING
"Satan's Nightmare"
Erschienen: 2005
Label: Battlegod Productions/Twilight
Homepage: www.digitalfiction3000.com
DAVE SLAVE'S DOOMED AND DISGUSTING - Satan's Nightmare On Air: "Ceremonial Sacrifices"

Wahrscheinlich hat Dave Slave bei Sadistik Exekution körperliche Schäden davongetragen. War ihm alles viel zu schnell. Muskelkrämpfe in den Armen und im Nacken waren die Folge. Vielleicht hat er sich ja auch ab und zu mal was gebrochen. Jedenfalls hat der Baß-Spieler offensichtlich die Schnauze voll vom Hyperspeed-Geknüppel. Denn nun ist Doom angesagt. Bloß - den kann er nicht. DAVE SLAVE'S DOOMED AND DISGUSTING ist ein Projekt, das besser nicht ins Leben gerufen worden wäre. Selten war eine Scheibe so langweilig wie "Satan's Nightmare". Aber zumindest stimmt der Titel, denn der Teufel würde sich angesichts solcher Musik vermutlich auf seinem Lager vor Qual hin und her winden.
Dave Slave verwendet pro Song lediglich ein Riff, das grundsätzlich kacke klingt, wiederholt das dann endlos und spricht Texte darüber. Dabei wird seine Stimme von Eeffekten überlagert, daß einem das Ganze schon nach dem zweiten Song auf die Nüsse geht.
Zumindest bleibt die Musik langsam, was den Doom-Begriff rechtfertigt. Und "Murder In The Dark" - der einzige Song, der ein bißchen rockt - kommt eigentlich ganz gut. Damit hat sich der positive Teil der Scheibe aber schon erledigt. 
2 von 10

JUB



WOLF
"Evil Star"
Erschienen: 2004
Label: Massacre/Soulfood
Homepage: www.wolf.nu
WOLF - Evil Star On Air: "(Don't Fear) The Reaper"

Was mir zuallererst auffiel und mich begeisterte, war die Stimme von Niklas Olsson, der doch tatsächlich wie eine Mischung aus Stephen Pearcy (Ratt) und Brian Soulard (Eidolon) klingt. Da bedarf es ja kaum noch irgend welcher Empfehlungen, denn mit solch einem Gesang hat man schon die halbe Miete im Kasten. Aber WOLF sind auf "Evil Star" auch mit den Songs auf der sicheren Seite: Old School Heavy Metal, dem sehr gute Melodien innewohnen, diese aber wiederum nie aalglatt gestaltet wurden. Es ist nicht bei jedem Song mit einem einmaligen Hören getan. Dann kommen die Stücke aber mit Macht. "Evil Star" hat das Zeug zum Dauerbrenner im CD-Player. Und es wird nicht lange dauern, bis Ihr richtige Smash-Hits entdeckt, "The Avenger" oder das Ramones-Cover "I'm Not Afraid Of Life" zum Beispiel.
Für "Evil Star", dem nunmehr dritten Album der Schweden, hat sich die Band darüber hinaus "(Don't Fear) The Reaper" von Blue Öyster Cult bemächtigt. Für mich einer der größten Songs der Rockgeschichte. WOLF setzen das Stück nahezu grandios um. Und auch hier ist es vor allem wieder Niklas Olssons Stimme, die alles wegbläst. Einziger Schwachpunkt des Albums dürfte "Die By The Sword" von Slayer sein. Aber das fällt kaum ins Gewicht.
9 von 10

JUB



MESSENGER
"Feel The Fire"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.messengerband.de
MESSENGER - Feel The Fire On Air: "Feel The Fire"

Keine erfreuliche Botschaft übermitteln MESSENGER aus Friedrichsthal. Künden sie doch von der Inflation des sogenannten Power Metal. Es reicht mittlerweile, hoch zu singen, Standartriffs aneinander zu reihen und altbwewährte und zu Hauf ausgereizte musikalische Themen so aufzureihen, daß sie in dieser Konstellation vielleicht noch nicht gespielt wurden. Bei diesen Melodien würden noch nicht einmal die Heerscharen von Italo-Metal-Bands, selbst ein Garant für die garantiert ideenfreie Verwässerung des "Power Metals", von ihren Spaghettitellern aufsehen.
Die fünf Lieder der Saarländer klingen banal bis schmalzig, selbst die Ballade "Frozen" hat einen so vorhersehbaren Refrain, daß einem die Füße einschlafen. Es bleibt zu hoffen, daß sich diese Szene bald wieder gesundschrumpft, damit die wirklich begnadeten Bands wieder ihre Zuhörer finden und der Fan wieder einen Überblick über die relevanten Bands dieses Genres hat. MESSENGER sind davon meiner Meinung nach noch weit entfernt.
2 von 10

THOMAS



RIEFENSTAHL
"Seelenschmerz"
Erschienen: 2004
Label: Loyworld Records
Homepage: www.riefenstahl-music.com
RIEFENSTAHL - Seelenschmerz On Air: "Eiszeit"

Martialische Burschen zwischen Metaller, Skinhead und Rocker, ein plakativer Bandname und ein Platten-Titel, der uns schwerwiegende Aussagen suggeriert. Bitte nicht schon wieder, dachte ich, als ich das Bandfoto nebst CD-Cover sah. Von Gruppen wie Megaherz, Richthofen oder Stahlhammer haben wir eigentlich die Schnauze voll.
Aber RIEFENSTAHL sind mit genannten Peinlichkeiten nicht unbedingt zu vergleichen. Zwar will man offensichtlich mit dem Bandnamen provozieren, da der Regisseurin Leni Riefenstahl ja bekanntlich große Nähe zur Führungsspitze der Nationalsozialisten nachgesagt wird. Aber in Deutschland fühlen sich viele ja schon provoziert, wenn man bloß das Wort "Volk" im Titel führt. Also von daher ist das Ding mit RIEFENSTAHL eher eine halbherzige "Frechheit".
Kommen die Texte ins Spiel. Und die sind wohltuend unverkrampft. Zwischen den lyrischen Ergüssen einer Band wie Drecksau zum Beispiel und denen von RIEFENSTAHL liegen Welten. Während sich erstere dumm-dreiste Proll-Reime hochwürgten, haben RIEFENSTAHL hin und wieder eine lyrische Ader. Dabei geht es vor allem um unsere seelischen Befindlichkeiten. Natürlich wird an einigen Stellech auch Klartext geredet. "Was wäre wenn" ist eine eindeutige Befürwortung der Todesstrafe für jene, die Kinder mißbrauchen.
Musikalisch sind RIEFENSTAHL dem Heavy Metal verhaftet, haben diese Stakkato-NDH-Schlagseite, schwenken manchmal aber auch in Gefilde der Böhsen Onkelz ein ("Fremdes Land"). Mißlungen sind Olli-P.-Rap-Versuche bei "Erhör meine Worte", allerdings kommen diese Hip-Hop-Rufe bei der RIEFENSTAHL-Variante des Ideal-Songs "Eiszeit" wiederum ziemlich gut. Überhaupt halte ich diese musikalische Variante des NDW-Klassikers für außerordentlich gelungen.
7 von 10

JUB


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