EDGUY
„Painting On The Wall“ 2
AFM/Connected,
2001
So wie mich
die Wiederveröffentlichung ihres Debüts „The Savage Poetry“ beeindruckte,
läßt mich diese Vorab-Maxi für das neue EDGUY-Album völlig
kalt. „Painting On The Wall“ (in zwei Versionen auf der Single) hat nichts,
was auch nur den Funken von Interesse erwecken könnte. Das Stück
„Golden Dawn“ ist da schon packender. Bonustrack „Wings Of A Dream 2001“
wiederum gehört auch eher zur Sparte „Überflüssig“.
„Painting
On The Wall“
JUB
DORN
"Brennende Kälte" 4
CCP Rec.,
2001
Kennt Ihr schon
den? DORN hat eine unterhaltsame, klischeefreie und abwechslungsreiche
Platte aufgenommen.
HaHaHa!!!
Spaßbremse Roberto Liebig alias DORN reihte sich schon mit seiner
ersten Veröffentlichung "Falschheit" in die INTERREGNUM-interne Hall
of Fame der musikalischen Gartenzwerge ein, in der sich bereits "Künstler"
wie Ihsahn (Peccatum), Betlehem und Totenmond heimisch fühlen und
ihr närrisches Dasein fristen. Mit seinen kompositorischen Torheiten
auf "Brennende Kälte" zementiert er seinen Ruf als vor sich hin brummelnde
Schlaftablette. Hier ein bißchen Crematory mit Kirmesorgel, da etwas
Kreischbrüll mit Drumcomputerallerlei und zu dem 08/15-Gitarrengeschröppel
gesellen sich
deutsche Texte mit Gothic Metal-Schlagwörtern wie "Sehnsucht", "Dimension"
und "Seele" reich gespickt. Warum dann vier Punkte? Weil das Mädel
mit dem sich der Alleinunterhalter auf jeder Seite des Booklets ablichten
läßt, recht hübsch anzusehen ist. Dennoch rechtfertigt
das nicht einen Ladenpreis von ca. 25 bis 30 Mark. Aber wer auf solche
billigen Tricks reinfällt, ist eigentlich selber schuld.
"Liebe,
Haß, Leben und Tod"
THOMAS
CATASTROPHIC
„The Cleansing“ 8
Metal Blade,
2001
Meine Herren,
kommen diese Jungs in Fahrt. Während der Einstieg auf dem CATASTROPHIC-Debüt
„The Cleansing“ mit „Hate Trade“, „Balancing The Furies“ und „Enemy“ eher
ein Death/Doom-Metal-Album der üblichen aber durchaus guten Art vermuten
läßt, hämmern sich Ex-Obituary-Gitarrist Trevor Peres und
die Restmannschaft der Band Pyrexia in wahrhaft erstaunliche Gefilde. Die
Mischung aus Death Metal und Hardcore ist durchaus gesund, der Groove bei
einigen Nummern einfach umwerfend.
„Messiah
Pacified“
CATASTROPHIC
sind von Benediction so weit gar nicht entfernt, auch wenn dieser Vergleich
angesichts des neuen Albums der Briten nicht unbedingt für jedermann
eine Empfehlung darstellt. Aber vielleicht sollte man hier eher die positiven
Aspekte der älteren Benediction-Sachen als Maßstab nehmen. Und
schließlich - langweilig wird es auf „The Cleansing“ nie. Zwischen
Panzer und Jagdbomber passiert da eine ganze Menge.
„Blood
Maidens“
JUB
CROWBAR
"Sonic Excess In Its Purest Form" 6
Spitfire Rec.,2001
Der Elephantenklub
der Metalszene, CROWBAR, läßt in veränderter Besetzung
seine neue Veröffentlichung "Sonic Excess In Its Purest Form" auf
die geneigte Hörerschaft los. Und im Gegensatz zum Vorgänger
"Equilibrium" wird heuer auf atmosphärische Experimente verzichtet,
und so gibt es CROWBAR in ihrer reinsten Form, wie der Plattentitel es
bereits ankündigt. Heißt doomige Gitarrenwände, welche
Schwermut vermitteln, als sei nichts anderes beim Erfinden des Verzerrers
geplant gewesen, walzen aus den zu bersten drohenden Boxen. Dazu der tiefe
Brüllgesang von Frontschrank Kirk Windstein mit zum Teil philosophisch
anmutenden Texten sowie schwere Schlagzeug-Grooves transportieren genau
die Stimmung, die zum Zeitpunkt der Aufnahme geherrscht haben muß:
Schwüle Sonnenuntergänge am Mississippi, die Luft ist voller
Insekten und der Geruch von wässrigem Büchsenbier und Marihuana
macht sich breit, dazu probt eine Bande von schwitzenden, tätowierten,
fetten und häßlichen aber liebenswürdigen älteren
Herren den Song ...
"Thru The
Ashes (I`ve Watched You Burn)".
THOMAS
AGATHODAIMON
„Chapter III“ 7
Nuclear Blast,
2001
Na, geht doch.
Nach der „Higher Art Of Rebellion“ mochte man durchaus meinen, mit AGATHODAIMON
sollte bei Nuclear Blast ein weiterer halbgarer Gothic-Act aufgebaut werden.
Die zweite Scheibe der Deutschen klang nicht nur unehrlich, sondern obendrein
noch altbacken. Jetzt setzt der Sechser auf bewährte Zutaten. Die
Produktion drückt, die Gitarren sägen, Sänger Akaias kreischt,
bis er Blut kotzt und Melodien sind den Jungs auch wieder durchs Hirn geschossen.
„Paradise
Beyond“
Angenehm ist
auch die Tatsache, daß sich AGATHODAIMON nicht etwa auf diesen unsäglichen
Bombast-Black-Metal verlegten, was ihnen von einigen Leuten in der Szene
nachgesagt wird. Vielmehr sind die Arrangements bei aller Fülle im
Sound durchaus sehr effektiv und transparent gestaltet. Wenn dem jeweiligen
Stück eine gute Idee zugrunde liegt, wird diese dann auch konsequent
ausgereizt. Der Wiedererkennungseffekt der einzelnen Songs stellt sich
schließlich nicht nur durch eine markante Melodie ein, sondern aufblitzende
Riff-Attacken tun ihr Übriges. Selbst die Hürden balladesker
Klänge nehmen AGATHODAIMON mit einem Fuß. Solche Scheiben zu
hören, macht Laune.
"Burden
Of Time"
JUB
THE
BRONX CASKET CO. "Sweet Home Transylvania"
9
Massacre/Connected,
2001
Overkills musikalischer
Kopf D.D.Verni veröffentlicht mit "Sweet Home Transylvania" seine
zweite Soloscheibe unter dem Projektnamen THE BRONX CASKET CO. In diesem
Falle macht das Fahren auf zwei Gleisen meiner Meinung nach durchaus Sinn,
denn mit Overkill haben THE BRONX CASKET CO. nur die Tatsache gemeinsam,
daß zwei Mitglieder identisch sind (D.D. und Drummer Tim Mallare)
und D.D. alle Songs schreibt. Ansonsten unterscheiden sich die Bands
wie Tag und Nacht. Während Overkill seit Jahr und Tag ihrem Thrash
Metal frönen, zählen bei THE BRONX CASKET CO. andere Dinge. Als
Gothic Doom, von Type O Negative beeinflusst, welcher dennoch die ein oder
andere schnellere Passage nicht missen lässt, könnte man die
Musik beschreiben. Konzeptionell hat man sich dem nicht mehr ganz so taufrischen
Vampirthema verschrieben. Doch halt! Hier wird es alles andere als peinlich
oder langweilig, denn im Gegensatz zu manch einer europäischen Band
wird das Thema keineswegs nach dem alten langweiligen Schema abgespult.
Dafür sorgen schon die zum Teil hochkarätigen Mitstreiter Vernis.
Neben der schon genannten Rhythmusfraktion mischen noch folgende Herren
mit: Jack Frost (Savatage, ex-Metalium, Seven Witches ect.) an der Gitarre,
Sänger Spy (ex-Misfits) und Charlie Calv am Keyboard. Und jeder von
ihnen trägt sein Schärflein zum Gelingen der Platte bei.
"The Other
Me"
Als absoluter
Glücksgriff entpuppt sich Sänger Spy, der mit seiner charismatischen
Stimme eine Menge Coolness in die Minidramen einfließen läßt
und so für eine eigene Note sorgt. Darüberhinaus sind THE BRONX
CASKET CO. nicht darüber verlegen, das ein oder andere Zitat anderer,
großer Bands in ihre Songs einzubinden. Leicht verändert aber
doch offensichtlich genug, um nicht als geklaut, sondern als parodiert
durchzugehen. Auch ist im Gegensatz zu Overkill der Baß nicht zu
dominant, sondern fügt sich dem Gesamtsound der Band. Ein Verhalten
welches man Verni, der in gewissen Kreisen als kleiner Diktator bekannt
ist, nicht unbedingt bei einem Soloprojekt zugetraut hat. Zugegeben, die
Platte hat an manchen Stellen so ihre Längen aber je öfter man
sie hört, werden sie sinnvoller und kurzweiliger. Kurzum, eine Hammerplatte.
"Jesus
Doesn't Live Here Anymore"
THOMAS
SUSPERIA
„Predominance“ 4
Nuclear Blast,
2001
Die SUSPERIA-Leute
können ihre Kinderstuben nicht verleugnen: Allein vier der fünf
Musiker hatten mit Dimmu Borgir und Old Man’s Child zu tun. Und das hört
man in jedem der zehn Stücke auf „Predominance“. Die Musik hat den
typischen Pomp, die Songs sind überarrangiert, Brüche, Rhythmus-
und Tempi-Wechsel sind an der Tagesordnung. Wer von dieser Art von Black
Metal immer noch nicht die Nase voll hat, kanns ja auch noch einmal mit
SUSPERIA versuchen.
"Specimen"
JUB
ALICE
COOPER „Dragontown“ 3
Eagle Records/cmm,
2001
Auch wenn es
schwer fällt: Wir müssen uns einfach daran gewöhnen, daß
in den Staaten der Zeitgeist das alles bestimmende Kriterium ist. Egal,
was Du tust, es muß hip sein. Für uns hier in der alten Welt
sind Wendungen wie sie Metallica, Megadeth oder einst Mötley Crüe
durchmachten, unfaßbar. Unterm Sternenbanner muß erst einmal
die Kasse stimmen, ansonsten kannst Du Deinen Cabrio verschrotten und den
Harem schließen. Und das will auch old ALICE COOPER nicht. Also klingt
er auf seinem neuen Album „Dragontown“, als hätte er sich zu den Aufnahmen
Crossover- und New Metal-Protagonisten eingeladen. COOPER auf Hip Hop?
Ihr meint das geht nicht? Weit gefehlt ...
„I Just
Wanna Be God“
Eigentlich
hat nur das Stück „Disgraceland“ Pep. Alles andere ist - sicher gut
gemachte - Modegrütze. Von ALICE COOPER will ich soetwas nicht hören.
JUB
ATRAXY
"Nottlebec" 4
Eigenproduktion,
2001
Atraxy nennt
sich eine junge Progressiv-Rockband, und diese veröffentlichte kürzlich
eine Dreisong-CD mit dem Wortspieltitel "Nottlebec". Nun Easy Listening-Stoff
bieten die fünf Jungs nun wirklich nicht, von daher werden sie ihrem
Progressivanspruch schon einmal gerecht. Auch instrumentell haben wir es
bei ATRAXY nicht unbedingt mit Anfängern zu tun aber auch nicht mit
Magiern. Zwar könnte so manches Break auf einer Progressiv-Veröffentlichung
Eurer Wahl stehen, aber darin liegt gleichzeitig auch die Schwäche
der CD. Denn man kann durchaus noch songwriterische Unerfahrenheit aus
allen drei Songs heraushören. So wirken einige Stellen noch etwas
planlos, so daß der rote Faden ein wenig verloren geht. Deswegen
ist auch fraglich, ob die Songs von "Nottlebec" wirklich an die offensichtlich
im Voraus gesetzte Grenze von knapp sieben Minuten reichen müssen.
Es ist eben
noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und "Nottlebec" dürfte sicherlich
erst einmal den Anfang des ATRAXYschen Lernprozesses darstellen. Als kleines
Zeitdokument in der Karriere von ATRAXY kann man sich "Nottlebec" bei Jan
Wörler, Rödelseer Weg 4a, 97348 Rödelsee bestellen, oder
mit den Jungs in Kontakt treten. Wer`s modern mag und keinen Bock auf das
Beschriften von Briefumschlägen hat, kann mal auf www.atraxy.de
gehen oder an info@atraxy.de mailen.
"Nottlebec"
THOMAS
ZYKLON
„World Ov Worms“ 5
Candlelight/Abstract
Sounds, 2001
Songs sind
nichts, Arrangements alles. Der Dunstkreis um Emperor hat sich jetzt mit
ZYKLON erweitert, dem Ganzen aber nichts hinzugefügt. Zamoth und Trym
- verstärkt durch Destructhor von Myrkskog - agieren wie gewohnt jazzig.
Kult mag heutzutage ja manchmal mehr Wert sein, als die Fähigkeit,
Melodien zu kreieren, was sich ZYKLON da aber herausnehmen, ist schlichtweg
abgehobenes Zurschaustellen der Fähigkeit, vertrackte Strukturen so
zu verbinden, daß sie für Insider immer noch wie Musik wirken.
Und beim Erfinden der unmöglichsten Konstruktionen sind die Leute
von Emperor ja bekanntlich unschlagbar. Deshalb klingen auch ZYKLON wie
eine Metal-Band auf einem Free-Jazz-Festival. Allerdings laufen die Norweger
Gefahr, eine selbsternannte Elite zu entwickeln, die irgendwann ihre Platten
nur noch für einen auserlesenen Kreis produziert, dessen Mitglieder
beim Hören von Sachen wie „Chaos Deathcult“ oder „Terrordrome“ bei
jedem Break verzückt aufquieken, sich gegenseitig auf Synkopen aufmerksam
machen, Tonarten erraten oder mit feuchten Augen Gitarrenläufe versuchen
nachzuempfinden. Dann sind wir in der Metal-Szene genauso weit, wie diese
degenerierte Künstlerszene, in der Esthetik eine untergeordnete Rolle
spielt. Hauptsache Freiheit des Geistes, auch wenn der sich schon verselbständigt
hat.
Positiv an
ZYKLON ist das gnadenlose Geschredder. Die Soundwand ist machtvoll. Und
folgt man beim Hören vor allem den Gitarrenläufen, ohne sich
am ganzen Drumherum aufzuhalten, erschließen sich einem die einzelne
Stücke immer deutlicher, werden gar prägnant. „Storm Detonation“
und „Zycloned“ zum Beispiel sind für ZYKLON-Verhältnisse Punk-Songs.
Allerdings halte ich den Weg bis zu dieser Erkenntnis für zu steinig.
Wem diese Art Musik durch Emperor schon ans Herz gewachsen ist, der wird
ZYKLON vermutlich lieben. Andere werden sich kaum Zeit für „World
Ov Worms“ nehmen. Das wiederum kann angesichts eines Songs wie „Transcendental
War - Battle Between Gods“ sogar bedauerlich sein.
„Transcendental
War - Battle Between Gods“
JUB
SAXORIOR "Portent Of Eternity"
7
G.U.C., 1999
Eine sympathische Band aus Sachsen
sah ich vor einiger Zeit in einem Liveclub. Ihr Name: SAXORIOR. Ihre Musik:
Metal der gutartigen Sorte. Will heißen, treibende Gitarren mit Riffs,
die es schwer machen, still zu stehen.
Ihre Rhythmik läßt die
Haare wie von Zauberhand wie blöde auf und ab peitschen. Dabei unterscheidet
sich die Musik nicht großartig von der anderer Bands. Nur haben SAXORIOR
eben das gewisse Etwas, den Drive, der die Musik lebendig werden läßt.
Dazu dezenter Keyboardeinsatz der unterstützend, nicht einlullend
wirkt. Die Gitarristen teilen sich den Gesang und wissen mit Old School-Soli
der Marke Achtziger-Jahre-Thrash aufzuwarten. Textlich geht es zum Beispiel
um die Christianisierung der Sachsen, welche sich am längsten wehrten
und am Schluß dann doch überrannt wurden. Leider können
SAXORIOR die Power ihrer Liveshows nicht auf CD übertragen. Doch das
dürfte nicht die Schuld der Band sein, sondern das sicherlich nicht
allzu hohe Studiobudget. Dennoch macht das Teil Spaß.
"Hagen von Tronje"/"Einzug in
Walhalla"
THOMAS
AVRIGUS
„The Secret Kingdom“ 5
Well Of Urd/Connected,
2001
AVRIGUS ist
absolut keine Musik, wenn ihr wegen eines lang ersehnten Aufrisses mal
wieder in Hochstimmung seid oder saufend in die schwermetallische Nacht
feiern wollt. Auf der Scheibe „The Secret Kingdom“ des australischen Duos
wird konsequent Traurigkeit verbreitet. Kein Song kommt über das Tempo
einer Grabesrede hinaus. Keyboards sind maßgeblich, Gitarren atmosphärische
Elemente. Will man sterben, ist die Musik schön.
„Solitude
- Salvation“
JUB