An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 16. Oktober 2001


EDGUY „Painting On The Wall“ 2
AFM/Connected, 2001

Edguy - Painting On The Wall

So wie mich die Wiederveröffentlichung ihres Debüts „The Savage Poetry“ beeindruckte, läßt mich diese Vorab-Maxi für das neue EDGUY-Album völlig kalt. „Painting On The Wall“ (in zwei Versionen auf der Single) hat nichts, was auch nur den Funken von Interesse erwecken könnte. Das Stück „Golden Dawn“ ist da schon packender. Bonustrack „Wings Of A Dream 2001“ wiederum gehört auch eher zur Sparte „Überflüssig“.
„Painting On The Wall“

JUB

DORN "Brennende Kälte" 4
CCP Rec., 2001

Dorn - Brennende Kälte

Kennt Ihr schon den? DORN hat eine unterhaltsame, klischeefreie und abwechslungsreiche Platte aufgenommen.
HaHaHa!!! Spaßbremse Roberto Liebig alias DORN reihte sich schon mit seiner ersten Veröffentlichung "Falschheit" in die INTERREGNUM-interne Hall of Fame der musikalischen Gartenzwerge ein, in der sich bereits "Künstler" wie Ihsahn (Peccatum), Betlehem und Totenmond heimisch fühlen und ihr närrisches Dasein fristen. Mit seinen kompositorischen Torheiten auf "Brennende Kälte" zementiert er seinen Ruf als vor sich hin brummelnde Schlaftablette. Hier ein bißchen Crematory mit Kirmesorgel, da etwas Kreischbrüll mit Drumcomputerallerlei und zu dem 08/15-Gitarrengeschröppel
gesellen sich deutsche Texte mit Gothic Metal-Schlagwörtern wie "Sehnsucht", "Dimension" und "Seele" reich gespickt. Warum dann vier Punkte? Weil das Mädel mit dem sich der Alleinunterhalter auf jeder Seite des Booklets ablichten läßt, recht hübsch anzusehen ist. Dennoch rechtfertigt das nicht einen Ladenpreis von ca. 25 bis 30 Mark. Aber wer auf solche billigen Tricks reinfällt, ist eigentlich selber schuld.
"Liebe, Haß, Leben und Tod"

THOMAS

CATASTROPHIC „The Cleansing“ 8
Metal Blade, 2001

Catastrophic - The Cleansing

Meine Herren, kommen diese Jungs in Fahrt. Während der Einstieg auf dem CATASTROPHIC-Debüt „The Cleansing“ mit „Hate Trade“, „Balancing The Furies“ und „Enemy“ eher ein Death/Doom-Metal-Album der üblichen aber durchaus guten Art vermuten läßt, hämmern sich Ex-Obituary-Gitarrist Trevor Peres und die Restmannschaft der Band Pyrexia in wahrhaft erstaunliche Gefilde. Die Mischung aus Death Metal und Hardcore ist durchaus gesund, der Groove bei einigen Nummern einfach umwerfend.
„Messiah Pacified“
CATASTROPHIC sind von Benediction so weit gar nicht entfernt, auch wenn dieser Vergleich angesichts des neuen Albums der Briten nicht unbedingt für jedermann eine Empfehlung darstellt. Aber vielleicht sollte man hier eher die positiven Aspekte der älteren Benediction-Sachen als Maßstab nehmen. Und schließlich - langweilig wird es auf „The Cleansing“ nie. Zwischen Panzer und Jagdbomber passiert da eine ganze Menge. 
„Blood Maidens“

JUB

CROWBAR "Sonic Excess In Its Purest Form" 6
Spitfire Rec.,2001

Crowbar - Sonic Excess In Its Purest Form

Der Elephantenklub der Metalszene, CROWBAR, läßt in veränderter Besetzung seine neue Veröffentlichung "Sonic Excess In Its Purest Form" auf die geneigte Hörerschaft los. Und im Gegensatz zum Vorgänger "Equilibrium" wird heuer auf atmosphärische Experimente verzichtet, und so gibt es CROWBAR in ihrer reinsten Form, wie der Plattentitel es bereits ankündigt. Heißt doomige Gitarrenwände, welche Schwermut vermitteln, als sei nichts anderes beim Erfinden des Verzerrers geplant gewesen, walzen aus den zu bersten drohenden Boxen. Dazu der tiefe Brüllgesang von Frontschrank Kirk Windstein mit zum Teil philosophisch anmutenden Texten sowie schwere Schlagzeug-Grooves transportieren genau die Stimmung, die zum Zeitpunkt der Aufnahme geherrscht haben muß: Schwüle Sonnenuntergänge am Mississippi, die Luft ist voller Insekten und der Geruch von wässrigem Büchsenbier und Marihuana macht sich breit, dazu probt eine Bande von schwitzenden, tätowierten, fetten und häßlichen aber liebenswürdigen älteren Herren den Song ...
"Thru The Ashes (I`ve Watched You Burn)".

THOMAS

AGATHODAIMON „Chapter III“ 7
Nuclear Blast, 2001

Agathodaimon - Chapter III

Na, geht doch. Nach der „Higher Art Of Rebellion“ mochte man durchaus meinen, mit AGATHODAIMON sollte bei Nuclear Blast ein weiterer halbgarer Gothic-Act aufgebaut werden. Die zweite Scheibe der Deutschen klang nicht nur unehrlich, sondern obendrein noch altbacken. Jetzt setzt der Sechser auf bewährte Zutaten. Die Produktion drückt, die Gitarren sägen, Sänger Akaias kreischt, bis er Blut kotzt und Melodien sind den Jungs auch wieder durchs Hirn geschossen.
„Paradise Beyond“
Angenehm ist auch die Tatsache, daß sich AGATHODAIMON nicht etwa auf diesen unsäglichen Bombast-Black-Metal verlegten, was ihnen von einigen Leuten in der Szene nachgesagt wird. Vielmehr sind die Arrangements bei aller Fülle im Sound durchaus sehr effektiv und transparent gestaltet. Wenn dem jeweiligen Stück eine gute Idee zugrunde liegt, wird diese dann auch konsequent ausgereizt. Der Wiedererkennungseffekt der einzelnen Songs stellt sich schließlich nicht nur durch eine markante Melodie ein, sondern aufblitzende Riff-Attacken tun ihr Übriges. Selbst die Hürden balladesker Klänge nehmen AGATHODAIMON mit einem Fuß. Solche Scheiben zu hören, macht Laune.
"Burden Of Time"

JUB

THE BRONX CASKET CO. "Sweet Home Transylvania" 9
Massacre/Connected, 2001

The Bronx Casked Co. - Sweet Home Transylvania

Overkills musikalischer Kopf D.D.Verni veröffentlicht mit "Sweet Home Transylvania" seine zweite Soloscheibe unter dem Projektnamen THE BRONX CASKET CO. In diesem Falle macht das Fahren auf zwei Gleisen meiner Meinung nach durchaus Sinn, denn mit Overkill haben THE BRONX CASKET CO. nur die Tatsache gemeinsam, daß zwei Mitglieder identisch sind (D.D. und Drummer Tim Mallare) und  D.D. alle Songs schreibt. Ansonsten unterscheiden sich die Bands wie Tag und Nacht. Während Overkill seit Jahr und Tag ihrem Thrash Metal frönen, zählen bei THE BRONX CASKET CO. andere Dinge. Als Gothic Doom, von Type O Negative beeinflusst, welcher dennoch die ein oder andere schnellere Passage nicht missen lässt, könnte man die Musik beschreiben. Konzeptionell hat man sich dem nicht mehr ganz so taufrischen Vampirthema verschrieben. Doch halt! Hier wird es alles andere als peinlich oder langweilig, denn im Gegensatz zu manch einer europäischen Band wird das Thema keineswegs nach dem alten langweiligen Schema abgespult. Dafür sorgen schon die zum Teil hochkarätigen Mitstreiter Vernis. Neben der schon genannten Rhythmusfraktion mischen noch folgende Herren mit: Jack Frost (Savatage, ex-Metalium, Seven Witches ect.) an der Gitarre, Sänger Spy (ex-Misfits) und Charlie Calv am Keyboard. Und jeder von ihnen trägt sein Schärflein zum Gelingen der Platte bei.
"The Other Me"
Als absoluter Glücksgriff entpuppt sich Sänger Spy, der mit seiner charismatischen Stimme eine Menge Coolness in die Minidramen einfließen läßt und so für eine eigene Note sorgt. Darüberhinaus sind THE BRONX CASKET CO. nicht darüber verlegen, das ein oder andere Zitat anderer, großer Bands in ihre Songs einzubinden. Leicht verändert aber doch offensichtlich genug, um nicht als geklaut, sondern als parodiert durchzugehen. Auch ist im Gegensatz zu Overkill der Baß nicht zu dominant, sondern fügt sich dem Gesamtsound der Band. Ein Verhalten welches man Verni, der in gewissen Kreisen als kleiner Diktator bekannt ist, nicht unbedingt bei einem Soloprojekt zugetraut hat. Zugegeben, die Platte hat an manchen Stellen so ihre Längen aber je öfter man sie hört, werden sie sinnvoller und kurzweiliger. Kurzum, eine Hammerplatte.
"Jesus Doesn't Live Here Anymore"

THOMAS

SUSPERIA „Predominance“ 4
Nuclear Blast, 2001

Susperia - Predominance

Die SUSPERIA-Leute können ihre Kinderstuben nicht verleugnen: Allein vier der fünf Musiker hatten mit Dimmu Borgir und Old Man’s Child zu tun. Und das hört man in jedem der zehn Stücke auf „Predominance“. Die Musik hat den typischen Pomp, die Songs sind überarrangiert, Brüche, Rhythmus- und Tempi-Wechsel sind an der Tagesordnung. Wer von dieser Art von Black Metal immer noch nicht die Nase voll hat, kanns ja auch noch einmal mit SUSPERIA versuchen.
"Specimen"

JUB

ALICE COOPER „Dragontown“ 3
Eagle Records/cmm, 2001

Alice Cooper - Dragontown

Auch wenn es schwer fällt: Wir müssen uns einfach daran gewöhnen, daß in den Staaten der Zeitgeist das alles bestimmende Kriterium ist. Egal, was Du tust, es muß hip sein. Für uns hier in der alten Welt sind Wendungen wie sie Metallica, Megadeth oder einst Mötley Crüe durchmachten, unfaßbar. Unterm Sternenbanner muß erst einmal die Kasse stimmen, ansonsten kannst Du Deinen Cabrio verschrotten und den Harem schließen. Und das will auch old ALICE COOPER nicht. Also klingt er auf seinem neuen Album „Dragontown“, als hätte er sich zu den Aufnahmen Crossover- und New Metal-Protagonisten eingeladen. COOPER auf Hip Hop? Ihr meint das geht nicht? Weit gefehlt ...
„I Just Wanna Be God“
Eigentlich hat nur das Stück „Disgraceland“ Pep. Alles andere ist - sicher gut gemachte - Modegrütze. Von ALICE COOPER will ich soetwas nicht hören.

JUB

ATRAXY "Nottlebec" 4
Eigenproduktion, 2001

Atraxy - Nottlebec

Atraxy nennt sich eine junge Progressiv-Rockband, und diese veröffentlichte kürzlich eine Dreisong-CD mit dem Wortspieltitel "Nottlebec". Nun Easy Listening-Stoff bieten die fünf Jungs nun wirklich nicht, von daher werden sie ihrem Progressivanspruch schon einmal gerecht. Auch instrumentell haben wir es bei ATRAXY nicht unbedingt mit Anfängern zu tun aber auch nicht mit Magiern. Zwar könnte so manches Break auf einer Progressiv-Veröffentlichung Eurer Wahl stehen, aber darin liegt gleichzeitig auch die Schwäche der CD. Denn man kann durchaus noch songwriterische Unerfahrenheit aus allen drei Songs heraushören. So wirken einige Stellen noch etwas planlos, so daß der rote Faden ein wenig verloren geht. Deswegen ist auch fraglich, ob die Songs von "Nottlebec" wirklich an die offensichtlich im Voraus gesetzte Grenze von knapp sieben Minuten reichen müssen.
Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und "Nottlebec" dürfte sicherlich erst einmal den Anfang des ATRAXYschen Lernprozesses darstellen. Als kleines Zeitdokument in der Karriere von ATRAXY kann man sich "Nottlebec" bei Jan Wörler, Rödelseer Weg 4a, 97348 Rödelsee bestellen, oder mit den Jungs in Kontakt treten. Wer`s modern mag und keinen Bock auf das Beschriften von Briefumschlägen hat, kann mal auf  www.atraxy.de gehen oder an info@atraxy.de mailen.
"Nottlebec"

THOMAS

ZYKLON „World Ov Worms“ 5
Candlelight/Abstract Sounds, 2001

Zyklon - World Ov Worms

Songs sind nichts, Arrangements alles. Der Dunstkreis um Emperor hat sich jetzt mit ZYKLON erweitert, dem Ganzen aber nichts hinzugefügt. Zamoth und Trym - verstärkt durch Destructhor von Myrkskog - agieren wie gewohnt jazzig. Kult mag heutzutage ja manchmal mehr Wert sein, als die Fähigkeit, Melodien zu kreieren, was sich ZYKLON da aber herausnehmen, ist schlichtweg abgehobenes Zurschaustellen der Fähigkeit, vertrackte Strukturen so zu verbinden, daß sie für Insider immer noch wie Musik wirken. Und beim Erfinden der unmöglichsten Konstruktionen sind die Leute von Emperor ja bekanntlich unschlagbar. Deshalb klingen auch ZYKLON wie eine Metal-Band auf einem Free-Jazz-Festival. Allerdings laufen die Norweger Gefahr, eine selbsternannte Elite zu entwickeln, die irgendwann ihre Platten nur noch für einen auserlesenen Kreis produziert, dessen Mitglieder beim Hören von Sachen wie „Chaos Deathcult“ oder „Terrordrome“ bei jedem Break verzückt aufquieken, sich gegenseitig auf Synkopen aufmerksam machen, Tonarten erraten oder mit feuchten Augen Gitarrenläufe versuchen nachzuempfinden. Dann sind wir in der Metal-Szene genauso weit, wie diese degenerierte Künstlerszene, in der Esthetik eine untergeordnete Rolle spielt. Hauptsache Freiheit des Geistes, auch wenn der sich schon verselbständigt hat.
Positiv an ZYKLON ist das gnadenlose Geschredder. Die Soundwand ist machtvoll. Und folgt man beim Hören vor allem den Gitarrenläufen, ohne sich am ganzen Drumherum aufzuhalten, erschließen sich einem die einzelne Stücke immer deutlicher, werden gar prägnant. „Storm Detonation“ und „Zycloned“ zum Beispiel sind für ZYKLON-Verhältnisse Punk-Songs. Allerdings halte ich den Weg bis zu dieser Erkenntnis für zu steinig. Wem diese Art Musik durch Emperor schon ans Herz gewachsen ist, der wird ZYKLON vermutlich lieben. Andere werden sich kaum Zeit für „World Ov Worms“ nehmen. Das wiederum kann angesichts eines Songs wie „Transcendental War - Battle Between Gods“ sogar bedauerlich sein.
„Transcendental War - Battle Between Gods“

JUB

SAXORIOR "Portent Of Eternity" 7
G.U.C., 1999

Saxorior - Portent Of Eternity

Eine sympathische Band aus Sachsen sah ich vor einiger Zeit in einem Liveclub. Ihr Name: SAXORIOR. Ihre Musik: Metal der gutartigen Sorte. Will heißen, treibende Gitarren mit Riffs, die es schwer machen, still zu stehen.
Ihre Rhythmik läßt die Haare wie von Zauberhand wie blöde auf und ab peitschen. Dabei unterscheidet sich die Musik nicht großartig von der anderer Bands. Nur haben SAXORIOR eben das gewisse Etwas, den Drive, der die Musik lebendig werden läßt. Dazu dezenter Keyboardeinsatz der unterstützend, nicht einlullend wirkt. Die Gitarristen teilen sich den Gesang und wissen mit Old School-Soli der Marke Achtziger-Jahre-Thrash aufzuwarten. Textlich geht es zum Beispiel um die Christianisierung der Sachsen, welche sich am längsten wehrten und am Schluß dann doch überrannt wurden. Leider können SAXORIOR die Power ihrer Liveshows nicht auf CD übertragen. Doch das dürfte nicht die Schuld der Band sein, sondern das sicherlich nicht allzu hohe Studiobudget. Dennoch macht das Teil Spaß.
"Hagen von Tronje"/"Einzug in Walhalla"

THOMAS

AVRIGUS „The Secret Kingdom“ 5
Well Of Urd/Connected, 2001

Avrigus - The Secret Kingdom

AVRIGUS ist absolut keine Musik, wenn ihr wegen eines lang ersehnten Aufrisses mal wieder in Hochstimmung seid oder saufend in die schwermetallische Nacht feiern wollt. Auf der Scheibe „The Secret Kingdom“ des australischen Duos wird konsequent Traurigkeit verbreitet. Kein Song kommt über das Tempo einer Grabesrede hinaus. Keyboards sind maßgeblich, Gitarren atmosphärische Elemente. Will man sterben, ist die Musik schön.
„Solitude - Salvation“

JUB
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