ABGEHÖRT vom 16. November 2004

BURNING POINT
"Feeding The Flames"
Erschienen: 2003
Label: LMP/SPV
Homepage: www.mastervox.fi/burningpoint
BURNING POINT - Feeding The Flames On Air: "Into The Fire"
So langsam wachsen mir die Finnen richtig ans Herz. Egal welche Stilrichtung auch immer sie spielen, es haftet ihnen stets der Hauch des Besonderen an. Das meine ich nicht nur in Bezug zur trockenen Musiktheorie. Vielmehr ist es so ein spezielles Gefühl dafür, selbst aus oft gehörten Sachen noch etwas lebendiges herauskitzeln zu können, was die Suomis scheinbar geistig miteinander verbindet. BURNING POINT spielen Heavy Metal wie er jedes Jahr immer und immer wieder veröffentlicht wird. Bei anderen Bands jedoch klingt die Mischung aus Priest-ähnlichen Riffs, Doublebass-Drumming, dezentem Keyboardeinsatz und ausladenden Refrains oft nur noch ausgeleiert. Einige italienische Bands können jetzt ruhig betreten zu Boden blicken... Wenn aber BURNING POINT sich an dieser Melange versuchen, dann kommt wieder diese spezielle finnische Schwermut zum Tragen. Und das ohne irgendwie mit Absicht in den Vordergrund gerückt worden zu sein. Es passiert einfach. Sie versteckt sich mal in einem Lead, mal in einem Lick. Dann kokettiert der Gesang mal damit und bevor man sich versieht, springt der Funke über zum Tastenspiel. Das nenne ich Musik mit Leidenschaft spielen. Man darf sich eben nur nicht vom im Vordergrund stehenden Stil dieser Musik abschrecken lassen. Hört unbedingt mal in „Feeding The Flames“ rein. Die Scheibe bietet mehr als sie zum Anfang preisgeben möchte. 9 von 10
THOMAS

HATEWORK
"Madbent For Disaster"
Erschienen: 2002
Label: Witches Brew
Homepage: www.hatework.it
HATEWORK - Madbent For Disaster On Air: "Thrasher's Attack"
Auch in Italien läßt man noch hin und wieder den Thrash-Hammer kreisen. Verantwortlich dafür sind unter anderem die drei Kaputten von HATEWORK. Hektisches Uffta-Uffta kombiniert mit NWOBHM beeinflußtem Riffing und gehöriger Asi-Thrash-Schlagseite, da sollten doch die Herzen so mancher "ewig Gestrigen" zu Recht höher schlagen. Allerdings sollte man schon sehr auf diese Art von Musik stehen, da die Songs an sich nur das Prädikat „nett“ verdienen. Hängen bleibt da kaum etwas, obwohl die Spaghetties ihre Mucke gekonnt zocken. Abzüge gibt es lediglich in der B-Note, was den Sound anbelangt. Der ist etwas dünn und leise. Aber was solls, das unterirdisch miese (und somit wieder geile) Frontcover, welches einen Dämonenschädel zeigt, dessen Besitzers Hände brennen, paßt wie die Faust aufs Auge. Unterhaltsame Scheibe, ob die Anschaffung aber nun Pflicht ist, müßt ihr entscheiden. 6 von 10
THOMAS

ANCIENT EXISTENCE
"Night Eternal"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.ancientexistence.de
ANCIENT EXISTENCE - Night Eternal On Air: "Bloodrage"
Für mich persönlich sind ANCIENT EXISTENCE schon kleine Underground-Helden. 
Denn die Jungs spielen ihren Death Metal mit totaler Hingabe und Leidenschaft. Indiz dafür ist, daß sie sich nicht in ein bekanntes "Band XY"-Raster pressen lassen. Wild, abgedreht und ohne Schnickschnack poltern A.E. durch ihr vorzügliches Songmaterial. Der Sound ist klar und wuchtig. Den Vogel schießt mal wieder Frontsau Steffen Rehbock ab. Der Herr hat neben Abbath-mäßigen Krächtzern eine Stimmlage auf der Pfanne, für welche die Bezeichnung „tief“ schon fast eine Untertreibung darstellt. Völlig kaputt. Fragt mich nicht wieso, aber irgendwie strahlt der Death Metal der Deutschen stets ein anarchisches Rock'n'Roll-Flair aus, ohne wirklich danach zu klingen. Hier stimmt eben die Chemie. Serviert wird dieses Kleinod in einem feinen Digipack. Die Anschaffung desselbigen sollte eigentlich niemand bereuen. 
Zumal die Kosten geradezu lächerlich sind: 5 Euro inklusive Porto und Verpackung brechen niemandem einen Zacken aus der Krone. Geordert werden kann die CD unter dominik@ancientexistence.de. 9 von 10
THOMAS

JAG PANZER
"Casting In Stones"
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Magic Arts Publ.
Homepage: www.jagpanzer.com
JAG PANZER - Casting In Stones On Air: "Starlight's Fury"
Die US-Metal-Institution JAG PANZER holt zu einem neuen Rundumschlag in Sachen musikalischer Verführung aus. Die neue Scheibe wartet einmal mehr mit allen Panzer-üblichen Trademarks auf, welche die Band zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Eine Referenz in den Bereichen Dramatik, majestätischen Melodiebögen und wahnsinnig machendem Riffing. Gekrönt von der einzigartigen Stimme des Tyrants. Die Band aus Colorado macht einmal mehr alles richtig, beinahe. Die Scheibe ist für den langzeitigen Genuß konzipiert. Die Songs erschließen sich frühestens beim fünften Mal hören. Zuvor hat man das Gefühl, der Entstehung von etwas Besonderem beizuwohnen. Doch irgend etwas fehlt. Es ist, als starte eine Rakete, doch mit zu wenig Treibstoff, als daß sie dieselbe Höhe wie zuvor erreichte. Nein "Casting In Stones" ist nicht schlechter als andere Panzer-Scheiben, doch es fehlt das entscheidende Etwas, das Quentchen zum totalen Killer. Nämlich die sich gnadenlos im Kopf festsetzenden Ohrwürmer. Das Material ist eine Idee zu sperrig ausgefallen, doch vielleicht ist das nur persönliches Empfinden?! Das soll Euch aber nicht davon abhalten, "Casting In Stones" in jedem Fall mal anzutesten. 8 von 10
THOMAS

BLOODBATH
"Nightmares Made Flesh"
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Magic Arts Publ.
Homepage: www.bloodbath.biz
BLOODBATH - Nightmares Made Flesh On Air: "Year Of The Cadaver Race"
Was kann schon dabei rauskommen, wenn sich einige der ganz Großen des schwedischen Death Metals zusammentun, um den Kiddies mal zu zeigen, wie echter Schwedentod zu klingen hat? Eben, nichts anderes als ein Überknaller. Genau das ist "Nightmares Made Flesh" nämlich geworden. Allen Unkenrufen zum Trotze, die Band hätte mit "Ressurrection Through Carnage" ihr Pulver verschossen. BLOODBATH sind das letzte Aufbäumen des alten Gurus Dan Swanö in Death-Gefilden? Lächerlich. BLOODBATH sind nun länger kein reines Projekt mehr, sondern wurden zu einer echten Band. Klar, Neuzugang Tägtgren wird bald wieder verschwunden sein, doch man denkt über Touren nach. Zu Edge Of Sanity-Zeiten wäre das ein Großereignis für die Fans geworden.
Nun zur Scheibe selbst. Der Klampfensound ist nicht mehr ganz so übertrieben tief wie noch auf dem Vorgänger. Doch auch die Schweden begraben ihre Toten nicht tiefer, als der Sound auf "Nightmares..." ist. Die Songs gehen teilweise noch einfacher ins Ohr. Hört Euch nur mal "Year Of The Cadaver Race" an. Das ist schwedische Todeskunst. Kein verheddern in kompositorischen Kniffelpartien, sondern effektives Headbangerfutter. 10 von 10
THOMAS

ROTTING CHRIST
"Sanctus Diavolos"
Erschienen: 2004
Label: Century Media/Magic Arts Publ.
Homepage: www.rotting-christ.com
ROTTING CHRIST - Sanctus Diavolos On Air: "Doctrine"
Auch 13 Jahre nach ihrem Debut "Passage To Arcturo" ist noch immer mit der finsteren Macht aus Griechenland zu rechnen. Auch wenn ihnen Ende der 90er die Luft auszugehen drohte, Sakis und Co. haben sich gefangen und überzeugen mit einer Platte wie „Sanctus Diavolos“ sicher auch den letzten Zweifler. Zwar sägt der Black Metal der Südeuropäer nicht so frostig klirrend wie der, welchen die Nordmänner zelebrieren, doch er ist deswegen nicht ein bißchen weniger diabolisch. Dem griechischen Klima angepaßt, tönt die Musik ROTTING CHRISTs wesentlich wärmer. Doch auch im Black Metal ist die Vielseitigkeit Trumpf. Statt Frostdämonenstürmen, Kälte und Einsamkeit lugt der Teufel um die Ecke einer hellenischen Kathedrale und versucht einen ganzen Mädchenchor zu verführen, hinterläßt sein Zeichen an den Wänden und sorgt für Unruhe im Dorf. Unterlegt von mal elegischer Musik, die so manchen ruppigen Bruch erlebt, wenn Drummer Themis die Scheiße aus seinem Kit prügelt. ROTTING CHRISTs Musik ist stimmungsvoll, abwechslungsreich, bedrohlich und unheilvoll. Im selben Moment, in dem sie Geborgenheit heuchelt. Unterschwellig böse, vordergründig gut. 10 von 10
THOMAS

NUCLEAR WARFARE
"War Is Unleashed"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.nuclearwarfare.de
NUCLEAR WARFARE - War Is Unleashed On Air: "Kill"
Daß es so etwas noch gibt. Eine junge, deutsche Undergroundkapelle entsagt dem Black/Death-Metal-Korsett, in dem die meisten "Frischlinge" gefangen zu sein scheinen und platzt mit echtem Old-School-Thrash herein, als seien 20 Jahre Musikgeschichte nie passiert. THRASH!!! Also nicht Mnemic, Machine Head oder (die wahrlich nicht üblen) The Haunted. Nein, Tankard, Razor, Destruction etc. in ihren Frühphasen standen hier Pate. Damit die Marschrichtung schon mal klar ist. Passend zum Namen haben sich die Musiker plus Ex-Sacralis-Trommel-Dame Miriam in Tarnklamotten geschmissen und sich mit angemessenen Farben reich verziert. Also auch optisch weiß die Band zu gefallen. Das NUCLEAR WARFARE mit ihrer Mucke keinen Originalitätspreis gewinnen werden, kann man sich denken. Dafür ist der Kult-Faktor umso höher. N.C. ballern munter vor sich hin, daß der Jüngling mit Blastbackground mit den Schultern zucken wird. Der alteingesessene Thrash-Fan hingegen wird in bierseeliger Runde in der Zeit zurück versetzt, und hat darob sicher ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Zwar kann "War Is Unleashed" nicht zu jeder Sekunde mit den Originalen mithalten, wenn es um das Songwriting geht, doch ein vernünftiges Brett ist den Süddeutschen dennoch gelungen. 7 von 10
THOMAS

SYMPHORCE
"Twice Seconds"
Erschienen: 2004
Label: Metal Blade
Homepage: www.symphorce.net
SYMPHORCE - Twice Seconds On Air: "Whatever Hate Provides"

Einmal mehr macht's die Mischung. Die Progressivität, welche SYMPHORCE an den Tag legen, könnte so manchem Headbanger etwas verquer im Magen liegen. Doch dafür haben die Deutschen eine ordentliche Kelle Härte und Druck mit draufgepackt. Und siehe da, es schiebt und geht, aller Verschachtelungen zum Trotze, gut ins Ohr. Verantwortlich dafür sind die starken Melodien. Nicht selten erinnern diese an die Großtaten solcher Bands wie Eidolon oder Nevermore. Mit Andy B. Franck haben die Jungs auch einen perfekten Sänger für dererlei Tragweite. Die ausladenden, epischen Gesangslinien scheinen sein Terrain zu sein. Zwar ist die erste Band, welche einem als Vergleich einschießt, stets Nevermore, doch im Gegensatz zu den Seattler Meistern haben SYMPHORCE den Vorteil, daß die Songs gleich beim ersten Mal hören zünden und trotzdem für einen langen Zeitraum interessant bleiben. Bei Warrel Dane und Co. muß man sich meist erst einmal durch den gebotenen Notenwust hindurch sortieren. Die Deutschen stehen selbstsicher auf eigenen Füßen und sind somit mehr als nur eine Nevermore-Ersatzband. Warum? Weil jeder Schlag ein Treffer ist. Darum. Wuchtige Gitarren, geiler Gesang, langlebige Songs und intelligentes Arrangement. Headbangerherz, was willst Du mehr? 10 von 10
THOMAS

KRAGENS
"Dying In A Desert"
Erschienen: 2004
Label: Manitou Music/Twilight
Homepage: www.kragens.com
KRAGENS - Dying In A Desert On Air: "Carnivore Ritual"
Verdammte Axt! Was ist nur in die Franzosen gefahren? So langsam muß man die Ansichten über den Heavy Metal unserer Nachbarn revidieren. Wir hatten eher das Gefühl, daß aus dem Land der Pantomime und des Baguettes nur hochgekochter, substanzloser Schwurbel kommt. Doch hier schlägt eine Mördercombo nach der anderen ein. Jetzt auch KRAGENS. Scheiß Name, denkt man zuerst, na ja, die Musik ist dagegen eine Wundertüte aus geilen Melodien und knallhartem Metal. Vor allem glaubt man hier einen hochkarätigen Mix aus vielerlei Bands spielen zu hören. Wobei das hier nicht heißen soll, daß die Franzosen nicht über eine eigene Identität verfügten. Doch man kann die zwar vertrackten und doch leichtläufig gespielten Riffs von zum Beispiel Nevermore ausmachen. Geschwungene Melodien, wie sie deutsche Bands wie Rage, Grave Digger oder Running Wild schrieben, treffen auf Death-Growls und die unheilvolle Aura von Mercyful Fate. Dabei kommt nichts aufgesetzt oder gar krampfig rüber. Eher wie ein Kaleidoskop aus den verschiedensten Stimmungen, die Heavy Metal transportiert. Mit dem Kauf dieser CD kann man einfach nichts falsch machen. 10 von 10
THOMAS

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