An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 16. Dezember 2003

 

RED AIM „Niagara“ 7
Metal Blade, 2003

RED AIM - Niagara

Mit ihrem Debüt "Flesh For Fantasy" (siehe "Abgehört" vom 09. Juli 2002) bretterten RED AIM frontal ins Kontor. Die musikalischen Ideen, abgedrehten Einfälle und der Spielwitz waren außergewöhnlich. Mit "Niagara" haben die deutschen Comedy-Stoner auf jeden Fall eines wiederholt: Klasse Songs geschrieben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Stücke sind einmal mehr eine Mischung aus 70er-Jahre-Heavy Metal, Psychedelic und Glam. Wobei allerdings bizarre Überraschungen ausbleiben. Auf "Flesh For Fantasy" hatte man bei gut jedem zweiten Song wenigstens etwas zu schmunzeln, heuer kann man sich schließlich noch über eine obercoole Hammond-Orgel freuen, spacige Passagen loben oder die Sangeskunst von Dr. Don Rogers hervorheben. Obendrein kann man ein paar Songs auf "Niagara" mit x-beliebigen Retro-Rock-Kapellen vergleichen, die täglich über MTV und Viva flimmern. Und wenn den Jungs von RED AIM diese Review zu negativ erscheint, kann ich nur sagen: Selbst schuld. Ihr wart auf "Flesh For Fantasy" einfach zu gut.
"Hard 16"

JUB

SINISTER "Savage Or Grace" 8
Nuclear Blast, 2003

SINISTER - Savage Or Grace

Diese Holländer scheinen unverwüstlich zu sein, egal ob der Death Metal gerade populär ist oder unbeachtet von der breiten Masse im Underground vor sich hin vegetiert, egal wie viele Line-up-Wechsel sie schon durchgemacht haben, sie ziehen ihren Stiefel unbeeindruckt durch. Respekt. Wieviele andere große Bands aus den frühen 90ern haben sich wegen weniger aufgelöst oder ihren Sound geändert?!
Auf "Savage Or Grace" präsentieren sich SINISTER wie immer als eine Mischung aus Highspeed-Gebolze und vertracktem Midtempo. Dazu gesellt sich ein dezenter Hauch von Black Metal-Melodieführung, der hier und da mal kurz auftaucht. Kredenzt wird das alles einmal mehr in einem teilweise mulmigen Soundgewand und mit einer Schippe Stumpfsinn. Doch das variiert von Song zu Song. Aber eben diese Mischung ist es, mit der SINISTER groß geworden sind. Eines noch zu Sängerin Rachel: Die Dame konnte live ein mörderisches Organ zur Schau stellen und ließ so manchen Headbanger mit runtergeklappter Kinnlade in seiner Bewegung verharren. Auf der CD ist sie zwar auch nicht von schlechten Eltern, aber nicht so massiv wie live. Da hat ihr Vorgänger vom "Aggressive Measures"-Album die Nase ein wenig vorn. 
"Savage Or Grace"

THOMAS

ERIK NORLANDER "Music Machine" 8
Transmission Rec/Alive, 2003

ERIK NORLANDER - Music Machine

Heavy Metal und Keyboard, eine verhängnisvolle Affäre voller Mißverständnisse. Dabei gab es wirklich bedeutende Tasten-Virtuosen, die das schwermetallische Genre nachhaltig bereicherten: Jon Lord (Deep Purple), Keith Emerson (Emerson, Lake & Palmer, The Nice, auch wenn diese Bands keinen Heavy Metal fabrizierten, so waren sie in Sachen Prog und Pomp stilbildend), Geoff Downes (überall mitgespielt). Trotzdem sind Keyboard, Orgel oder Synthesizer spätestens mit dem NWOBHM gebannte Instrumente, die man eigentlich nur akzeptiert. Selbst Melodic Metal-Fans würden manchen Song ihrer Lieblinge lieber ohne elektronische Klang-Teppiche serviert bekommen. Da bleibt noch das Prog-Genre, wo sich die Tasten-Hexer nach Herzenslust austoben. Welche Blüten das treiben kann, zeigt jetzt ERIK NORLANDER mit seinem Album "Music Machine", ein Konzept-Werk (was sonst) über einen genetisch konstruierten Rock Star.
Und Ihr werdet es nicht glauben, aber dieses Doppel-Album kommt gut. Obwohl Norlander ständig die Tasten drückt, geht das Ganze nicht auf die Nüsse. Das hat unterschiedliche Ursachen: Das erste Positive ist die Abwechslung auf dem Zwilling: Power Metal, Melodic-Zeug, Experimentelles, reiner Jazz Rock, Floyd-Reminiszensen, schwüle Bar-Musik, Yes-Kapriolen und und und. Alles immer irgendwie mit einem nostalgischen Hang zu den 70er Jahren. Das verwundert aber nicht, denn allein die Gast-Musiker verweisen in das glorreiche Heavy Rock-Jahrzehnt: Donald "Buck Dharma" Roeser von Blue Öyster Cult (git), Vinni Appice, der unter anderem bei Black Sabbath und Dio zugange war (dr), Basser Tony Franklin (The Firm, Blue Murder, Whitesnake) oder Gregg Bissonette (ELO). Am Mikrophon stehen zum Teil auch fette Namen: Mark Boals (Yngwie Malmsteen, Ring Of Fire) oder Kelly Keeling (MSG, Blue Murder, Heaven And Earth). Ihr seht, ERIK NORLANDER - übrigens seines Zeichens ein Ami - hat aus den Vollen geschöpft.
Zweiter Vorteil sind die nur selten völlig abdrehenden Arrangements. Meist haben die Songs klassische Strophe-Refrain-Solo-Refrain-Strukturen. Dabei pendeln sie zwischen komprimierter Einfacheit und schier grenzenlosem Pomp. Und die Melodien geben nicht vor, von einem Kunst-Genie kreiert worden zu sein, das unbedingt beweisen will, in welche musik-theoretischen Gefilde er vorzudringen vermag.
Und Referenz Nummer drei ist der Megahit "Heavy Metal Symphony". Dieser Midtempo-Stampfer könnte in die Heavy Metal-Historie eingehen. Schon wegen der kultigen Titel-Zeile.
Manchmal - aber nur manchmal - agiert ERIK NORLANDER ein wenig selbstverliebt und entlockt seinem Keyboard Töne, wie wir sie schon vor 25 Jahren irgendwie nervenzerrend fanden. Darüber kann man aber hinwegsehen, denn immerhin bekommt man hier mehr als 100 Minuten Musik geboten.
"Heavy Metal Symphony"

JUB

GAMMA RAY "Skeletons In The Closet" 10
Sanctuary Rec., 2003

GAMMA RAY - Skeletons In The Closet

Kaum zu glauben, daß schon wieder 14 Jahre ins Land gegangen sind, seit Kai Hansens GAMMA RAY (Mit genau diesem Namen wurde die Band vom Label damals beworben) ihr Debüt "Heading For Tomorrow" aufnahmen und veröffentlichten. Was damals als Soloprojekt des einstmals von Helloween geschaßten Gitarristen und Sängers ("Walls Of Jericho") begann, mauserte sich über die folgenden Jahre hinweg zu einem Aushängeschild der deutschen Heavy Metal-Szene und ließ die Mutterband Helloween so manches Mal in kreativer Hinsicht alt aussehen. Daß sich in dieser Periode Tonnen von Hits angesammelt haben, versteht sich fast von selbst. Die bekanntesten von ihnen wurden und werden stets auf den Konzerten der Band und auch auf dem 95er Livealbum "Alive '95" für die Ewigkeit festgehalten. Da dabei nachvollziehbarer Weise der eine oder andere Song in Vergessenheit geriet, rief die Band die Fans via Internet auf, ihre Lieblinge der verlorenen Schätze zu wählen. Dannach wurde die Setlist für eine Tour zusammengestellt und die Konzerte mitgeschnitten. Selbige Mitschnitte wurden als "Skeletons In The Closet" nun als Doppel-CD veröffentlicht. Die CDs beinhalten die Aufnahmen von zwei Shows. Eine in Strasbourg und eine in Barcelona. Die Stimmung im Publikum ist am Kochen (schön zu hören bei "Heavy Metal Universe") und die Hamburger spielen sich im Rausch buchstäblich den Arsch ab. Dabei kommen Songs wie "Rich And Famous", "One With The World" und "Last Before The Storm" aus der Ralf Scheepers-Ära genauso zum Zuge wie Titel jüngeren und mittleren Datums wie etwa "New World Order", "Razorblade Sigh" oder "All Of The Damned". Zwar hatte ich GAMMA RAY schon ein bißchen aus den Augen verloren aber "Skeletons In The Closet" wird Euch genauso wie mich wieder zurück ins Boot der Hanseaten holen.
"Rich And Famous"/"Last Before The Storm"

THOMAS

SODOM "One Night In Bangkok" 7
Steamhammer/SPV, 2003

SODOM - One Night In Bangkok

So, damit liegt jetzt nach "Mortal Way Of Life" und "Marooned" das dritte Live-Album der Unter-Tage-Thrasher vor. Und im Vergleich zu den zwei wirklich grandiosen Vorgängern hat es "One Night In Bangkok" wirklich nicht leicht. Denn "Mortal Way ..." von 1988 war eigentlich schon ein Meilenstein in der Heavy Metal-Geschichte, gegen den "Marooned" (1994) nur mit Mühe stand hielt. Das thailändische Intermezzo wirkt schließlich gegenüber seinen beiden Brüdern nahezu hüftlahm. Ein vielleicht etwas dummer Begriff bei einer Musik, die Temporekorde zu brechen versucht. Und trotzdem: Mehr als eine solide Arbeit scheinen Tom Angelripper und Mannen hier nicht abzuliefern. Dabei ist die Song-Auswahl zufriedenstellend, die Härte Magengruben zerfetzend, die Leistung der Musiker auf ihren Instrumenten makellos. Aber es fehlt irgendwo ein Funke, der soetwas wie Begeisterung entzündet. Vielleicht haben SODOM mit ihren beiden anderen Live-Alben die Latte einfach zu hoch gelegt, die sie jetzt einfach selbst nicht mehr überspringen können. Vielleicht fehlt das unbedarfte Gehämmer vergangener Tage, das einem SODOM immer sehr sympatisch gemacht hat. Vielleicht ist es auch der tadellose Sound, der einfach einen Tick zuviel Transparenz in die Musik trägt. Vielleicht ist auch der neue Song "The Enemy Inside" etwas banal, was den Blick in SODOMs Zukunft trübt. Ich weiß es nicht wirklich. Aber ich mag SODOM. Sie waren mir immer lieber als Kreator und Destruction. Daher wird dieses Album in der nächsten Zeit häufig meinen CD-Player frequentieren. Und unter Umständen gibt es dann ja doch noch diesen Funken. Oder ich bekomme heraus, was es ist, das diesmal fehlt. 
"Outbreak Of Evil"

JUB

GROUND ZERO "Promo CD" 7
Eigenproduktion, 2002

Daß ernstzunehmende Hardcore-Bands nur in der New Yorker Bronx zu finden sind, ist ein Ammenmärchen, welches sich lange Zeit hielt. Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn der geneigte HC-Fan auch im Raum Schwerin bei der Suche nach guten Bands fündig werden kann. GROUND ZERO machen ohne nerviges "Yo-Muthafukka!!"- Gebrüll und "Jump-da-fukk-out!"- Gemalle erfrischenden Up-Tempo-Hardcore, der für Metalfans auch verdaulich sein kann. Hervorstechend auf dieser Drei-Song-CD ist der Opener "Pendejos" der in komplett spanischer Sprache geshoutet wird. 
"Pendejos"

THOMAS

KRISIUN "Works Of Carnage" 9
Century Media, Magic Arts., 2003

KRISIUN - Works Of Carnage

Wer von KRISIUN Easy-Listening-Musik erwartet, ist bei den drei Brasilianen definitiv an der falschen Adresse. Dennoch sind sie, was das Schreiben von Songs angeht, alles andere als Stümper. Nur müssen sie diese auf ihr kompromißlos brutales Spiel auf den Instrumenten anpassen. Somit braucht man schon eine ganze Weile, bis sich einem die Kompositionen aus dem Hause Carmargo/Kolesne in ihrer ganzen Pracht erschließen. Seis drum, keine andere Death Metal-Band der Welt ließ die Fans mit sperrangelweit geöffneten Mündern fassungslos am Bühnenrand stehen, als sie ihre ersten Shows auf dem europäischen Festland spielten. So schnell und wild und dabei technisch sauber war einfach keine andere Band vor ihnen. 
Ihre neue CD "Works Of Carnage" vereint einmal mehr die typischen KRISIUN-Markenzeichen wie filigrane Leads, breaklastige Songs und ganz viel Geschwindigkeit. Dabei fällt auf, daß die Drei auf dieser Platte auch mal einen Gang zurückschalten können, um den komplexen Songstrukturen mehr Freiraum zu bieten. Das tut der Brutalität absolut keinen Abbruch, denn ein anderes Element wurde deutlicher herausgekehrt. Nämlich wahnwitziges Stakkato, welches die Nerven des Hörers blank liegen läßt. Gewöhnungsbedürftig, aber auch gut. Humor beweisen die Kerle auf "Works Of Carnage", indem sie bei "War Ritual" in ein völlig konfuses Schlagzeugsolo Maschinengewehre und Explosionen einbauen. Auch ist die Coverversion von Venoms "In League With Satan" - durch den KRISIUN-Fleischwolf gedreht - äußerst gelungen. Die soundtechnischen Ungereimtheiten, die den Vorgänger "Ageless Venomous" noch so manchem Fan das Vergnügen schwer machten, sind auf "Works Of Carnage" wieder behoben. Somit kann ich diesen Longplayer jedem KRISIUN-Fan uneingeschränkt weiterempfehlen.
"In League With Satan"

THOMAS

EDGE OF SANITY „Crimson II“ 8
Black Mark Prod./cmm, 2003

EDGE OF SANITY - Crimson II

Erst kürzlich wurde eine Studie über Deutschlands Heranwachsende veröffentlicht, in der man zu dem Ergebnis kam, daß kaum noch jemand ein Buch zur Hand nimmt. Einer der Gründe für dieses Desinteresse liege im Nichterfassen des geschriebenen Textes.
Ich stelle an dieser Stelle fest: deutsche Heavy Metal-Fans lesen. Diese Erkenntnis entsteht nicht etwa aus der Tatsache, daß man doch schon eine gehörige Portion verstehendes Lesen beherrschen sollte, um sich durch all diese Reviews und Interviews zu arbeiten. Nein, vielmehr hat mich Meister Dan Swanö dazu gebracht, soetwas zu glauben. Warum? Ganz einfach: Wer sich hierzulande nämlich hinsetzt, um sich "Crimson II" von EDGE OF SANITY - praktisch Swanös Solo-Projekt - anzuhören, der benötigt nicht nur eine dreiviertel Stunde Zeit, in der er eigentlich nichts anderes tun sollte, sondern auch einen wachen Geist, der es ihm erlaubt, all den musikalischen Wegen dieses Albums zu folgen (beste Voraussetzungen, um ein Buch zu lesen). Denn der schwedische Metal-Top-Star verläßt einmal mehr eingefahrene Gleise und eröffnet dem Hörer die Heavy Metal-Welt auf eine ganz spezielle Art. Die Struktur des Mammutwerkes kann als progressiv bezeichnet werden, wobei Swanö "Crimson II" jetzt nicht in kaum nachvollziehbare Verstrickungen führte, sondern sich schon Elementen aus Death, Black, Power, Thrash oder Gothic Metal bediente. Jedoch ist hier logischerweise das typische Songmuster völlig aufgelöst. Keine Chance für Ohrwürmer. Wer "Crimson" mochte, wird hier ohne Bedenken einen Blindkauf wagen können, auch wenn sich Teil II doch erheblich von I unterscheidet.
„Covenant Of Souls“

JUB

DIABOLIC "Infinity Through Purification" 8
Century Media, Magic Arts., 2003

DIABOLIC - Infinity Through Purification

Aber hallo! Mit DIABOLIC haben sich Century Media einen Act ins Haus geholt, der es locker in Sachen Geschwindigkeit und Chaos mit den Verrückten von Krisiun aufnehmen kann. "Infinity Through Purification" bietet rasende Wut, sinnlose, aber sehr schnell gespielte Gitarrensoli und Gekloppe hoch 10 auf der einen, sowie spannende Death Metal-Kunst auf der anderen Seite. Diese besteht hauptsächlich aus den schleppenden Passagen, bei denen DIABOLIC mit Morbid Angel mitziehen können. So verbreiten sie eine ähnliche Morbidität und kranke Stimmung, wenn die Amis ihren Klampfen hochmelodiöse und gefühlvolle Leads entlocken. In diesen Momenten machen DIABOLIC alles richtig. Wenn sie Staub machen, ist ihr Gemetzel ein wenig zu wirkungslos, da zu konfus. Es drängen sich geradezu Vergleiche mit Internecine auf, die ähnlich schnell aber emotionslos agieren. Aber wie gesagt, dieser Mangel macht sich nur in manchen Überschallgeprügelpassagen bemerkbar. Ansonsten klingen DIABOLIC wie eine gute Morbid Angel-Ablegerband. Hört Euch nur mal "Decending Through Portals Of Misery" an und ihr versteht.
"Satanic Barbarism"

THOMAS

HUMAN FORTRESS "Defenders Of The Crown" 9
Massacre/True Music, 2003

HUMAN FORTRESS - Defenders Of The Crown

Viele von Euch werden vermutlich gar nicht bemerken, daß sie sich irgendwie im Kreis bewegen. Und das nicht etwa, weil das Koordinations-Vermögen im Gehirn lahm gelegt wurde, denn die Richtungswechsel in den täglichen Bewegungsabläufen funktionieren. Wenn jene allerdings mal einen Blick in ihren CD-Schrank wagen, werden sie vermutlich feststellen, daß sie immer irgendwie Tonträger kaufen, die gewisser musikalischer Vorlieben unterworfen sind. Soetwas birgt immer die Gefahr beschränkter Wahrnehmung in sich - will sagen, man verpaßt Dinge, die bedeutend sind, jedoch nicht bemerkt, da sie nicht in die selbst aufgezogene Schublade passen. Wo will ich hin? Zu HUMAN FORTRESS.
Die CD "Defender Of The Crown" war wie eine kalte Dusche an einem krachheißen Sommertag. Wenn man heute von Heavy Metal spricht, das Ganze vielleicht mit Power Metal präzisiert, bekommt man oft Sound-Wände geboten, die uns bestenfalls den Produzenten oder das Studio empfehlen, den direkten Zugang zur Musik aber erschweren. Bei HUMAN FORTRESS ist das umgekehrt. Die Songs wirken nahezu nackt. Die Transparenz ist entwaffnend. Und schon ergießen sich die Melodien wie ein warmer Sommerregen, nichts lenkt ab (ob kalte Dusche oder warmer Sommerregen hängt von der Ausgangssituation ab). Und wer Lust hat, kann sich je nach Stimmung und Interesse auf jede x-beliebige Nuance konzentrieren und wird nie die Tuchfühlung verlieren. Seien es die Gitarrenarbeit, die Baßläufe (auch, aber weniger), die elektrisierenden Gesangslinien oder das - zugegebenermaßen etwas dünne - Schlagzeug.
Bei HUMAN FORTRESS trifft inmitten eines folkigen Lagerfeuertanzes unter Mitwirkung eines Sängers, der Ronnie James Dio zumindest kennt, der Harmoniedrang des Melodic Metal auf die Urwüchsigkeit des NWOBHM. Diese Band beweist, warum Deutschland einst in Sachen Heavy Metal den Ton angab.
"Skin & Feather"

JUB

SVART "Energetic" 5
Eigenproduktion, 2002

SVART - Energetic

Die Band SVART ist ein Produkt des Ende der 90er aufgekommenen Melodic Death Metal-Booms, der aus Skandinavien über fast ganz Europa schwappte. 1998 gegründet, beschäftigt die Band als kleine Besonderheit drei Gitarristen, und verschrieb sich fortan dem Sound von In Flames & Co. Die Musiker sind an ihren Instrumenten allesamt recht talentiert. Das macht sich nach dem ersten Durchlauf bemerkbar. Was ihnen aber noch nicht so flüssig von der Hand geht, ist das Verbinden von einzelnen Songfragmenten. Oft werden die Übergänge noch recht hölzern dargeboten. Dafür sind die Riffs und manche Melodien schon ziemlich gut und hätten auch von den "Großen" stammen können. Was noch auffällt, ist die Stimme des Fronters. Man könnte glauben, Anders Friden stünde höchstselbst am Mikro. Wer also die x-te In Flames Neuauflage braucht, kann sich unter folgender Adresse den fünf Songs plus ein Outro umfassenden Rundling bestellen: www.svart.de.vu
"Defeat Yourself"

THOMAS
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