RED
AIM „Niagara“ 7
Metal Blade,
2003
Mit ihrem Debüt
"Flesh For Fantasy" (siehe "Abgehört"
vom 09. Juli 2002) bretterten RED AIM frontal ins Kontor. Die musikalischen
Ideen, abgedrehten Einfälle und der Spielwitz waren außergewöhnlich.
Mit "Niagara" haben die deutschen Comedy-Stoner auf jeden Fall eines wiederholt:
Klasse Songs geschrieben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Stücke
sind einmal mehr eine Mischung aus 70er-Jahre-Heavy Metal, Psychedelic
und Glam. Wobei allerdings bizarre Überraschungen ausbleiben. Auf
"Flesh For Fantasy" hatte man bei gut jedem zweiten Song wenigstens etwas
zu schmunzeln, heuer kann man sich schließlich noch über eine
obercoole Hammond-Orgel freuen, spacige Passagen loben oder die Sangeskunst
von Dr. Don Rogers hervorheben. Obendrein kann man ein paar Songs auf "Niagara"
mit x-beliebigen Retro-Rock-Kapellen vergleichen, die täglich über
MTV und Viva flimmern. Und wenn den Jungs von RED AIM diese Review zu negativ
erscheint, kann ich nur sagen: Selbst schuld. Ihr wart auf "Flesh For Fantasy"
einfach zu gut.
"Hard 16"
JUB
SINISTER
"Savage Or Grace" 8
Nuclear Blast,
2003
Diese Holländer
scheinen unverwüstlich zu sein, egal ob der Death Metal gerade populär
ist oder unbeachtet von der breiten Masse im Underground vor sich hin vegetiert,
egal wie viele Line-up-Wechsel sie schon durchgemacht haben, sie ziehen
ihren Stiefel unbeeindruckt durch. Respekt. Wieviele andere große
Bands aus den frühen 90ern haben sich wegen weniger aufgelöst
oder ihren Sound geändert?!
Auf "Savage
Or Grace" präsentieren sich SINISTER wie immer als eine Mischung aus
Highspeed-Gebolze und vertracktem Midtempo. Dazu gesellt sich ein dezenter
Hauch von Black Metal-Melodieführung, der hier und da mal kurz auftaucht.
Kredenzt wird das alles einmal mehr in einem teilweise mulmigen Soundgewand
und mit einer Schippe Stumpfsinn. Doch das variiert von Song zu Song. Aber
eben diese Mischung ist es, mit der SINISTER groß geworden sind.
Eines noch zu Sängerin Rachel: Die Dame konnte live ein mörderisches
Organ zur Schau stellen und ließ so manchen Headbanger mit runtergeklappter
Kinnlade in seiner Bewegung verharren. Auf der CD ist sie zwar auch nicht
von schlechten Eltern, aber nicht so massiv wie live. Da hat ihr Vorgänger
vom "Aggressive Measures"-Album die Nase ein wenig vorn.
"Savage
Or Grace"
THOMAS
ERIK
NORLANDER "Music Machine" 8
Transmission
Rec/Alive, 2003
Heavy Metal
und Keyboard, eine verhängnisvolle Affäre voller Mißverständnisse.
Dabei gab es wirklich bedeutende Tasten-Virtuosen, die das schwermetallische
Genre nachhaltig bereicherten: Jon Lord (Deep Purple), Keith Emerson (Emerson,
Lake & Palmer, The Nice, auch wenn diese Bands keinen Heavy Metal fabrizierten,
so waren sie in Sachen Prog und Pomp stilbildend), Geoff Downes (überall
mitgespielt). Trotzdem sind Keyboard, Orgel oder Synthesizer spätestens
mit dem NWOBHM gebannte Instrumente, die man eigentlich nur akzeptiert.
Selbst Melodic Metal-Fans würden manchen Song ihrer Lieblinge lieber
ohne elektronische Klang-Teppiche serviert bekommen. Da bleibt noch das
Prog-Genre, wo sich die Tasten-Hexer nach Herzenslust austoben. Welche
Blüten das treiben kann, zeigt jetzt ERIK NORLANDER mit seinem Album
"Music Machine", ein Konzept-Werk (was sonst) über einen genetisch
konstruierten Rock Star.
Und Ihr werdet
es nicht glauben, aber dieses Doppel-Album kommt gut. Obwohl Norlander
ständig die Tasten drückt, geht das Ganze nicht auf die Nüsse.
Das hat unterschiedliche Ursachen: Das erste Positive ist die Abwechslung
auf dem Zwilling: Power Metal, Melodic-Zeug, Experimentelles, reiner Jazz
Rock, Floyd-Reminiszensen, schwüle Bar-Musik, Yes-Kapriolen und und
und. Alles immer irgendwie mit einem nostalgischen Hang zu den 70er Jahren.
Das verwundert aber nicht, denn allein die Gast-Musiker verweisen in das
glorreiche Heavy Rock-Jahrzehnt: Donald "Buck Dharma" Roeser von Blue Öyster
Cult (git), Vinni Appice, der unter anderem bei Black Sabbath und Dio zugange
war (dr), Basser Tony Franklin (The Firm, Blue Murder, Whitesnake) oder
Gregg Bissonette (ELO). Am Mikrophon stehen zum Teil auch fette Namen:
Mark Boals (Yngwie Malmsteen, Ring Of Fire) oder Kelly Keeling (MSG, Blue
Murder, Heaven And Earth). Ihr seht, ERIK NORLANDER - übrigens seines
Zeichens ein Ami - hat aus den Vollen geschöpft.
Zweiter Vorteil
sind die nur selten völlig abdrehenden Arrangements. Meist haben die
Songs klassische Strophe-Refrain-Solo-Refrain-Strukturen. Dabei pendeln
sie zwischen komprimierter Einfacheit und schier grenzenlosem Pomp. Und
die Melodien geben nicht vor, von einem Kunst-Genie kreiert worden zu sein,
das unbedingt beweisen will, in welche musik-theoretischen Gefilde er vorzudringen
vermag.
Und Referenz
Nummer drei ist der Megahit "Heavy Metal Symphony". Dieser Midtempo-Stampfer
könnte in die Heavy Metal-Historie eingehen. Schon wegen der kultigen
Titel-Zeile.
Manchmal -
aber nur manchmal - agiert ERIK NORLANDER ein wenig selbstverliebt und
entlockt seinem Keyboard Töne, wie wir sie schon vor 25 Jahren irgendwie
nervenzerrend fanden. Darüber kann man aber hinwegsehen, denn immerhin
bekommt man hier mehr als 100 Minuten Musik geboten.
"Heavy
Metal Symphony"
JUB
GAMMA
RAY "Skeletons In The Closet" 10
Sanctuary
Rec., 2003
Kaum zu glauben,
daß schon wieder 14 Jahre ins Land gegangen sind, seit Kai Hansens
GAMMA RAY (Mit genau diesem Namen wurde die Band vom Label damals beworben)
ihr Debüt "Heading For Tomorrow" aufnahmen und veröffentlichten.
Was damals als Soloprojekt des einstmals von Helloween geschaßten
Gitarristen und Sängers ("Walls Of Jericho") begann, mauserte sich
über die folgenden Jahre hinweg zu einem Aushängeschild der deutschen
Heavy Metal-Szene und ließ die Mutterband Helloween so manches Mal
in kreativer Hinsicht alt aussehen. Daß sich in dieser Periode Tonnen
von Hits angesammelt haben, versteht sich fast von selbst. Die bekanntesten
von ihnen wurden und werden stets auf den Konzerten der Band und auch auf
dem 95er Livealbum "Alive '95" für die Ewigkeit festgehalten. Da dabei
nachvollziehbarer Weise der eine oder andere Song in Vergessenheit geriet,
rief die Band die Fans via Internet auf, ihre Lieblinge der verlorenen
Schätze zu wählen. Dannach wurde die Setlist für eine Tour
zusammengestellt und die Konzerte mitgeschnitten. Selbige Mitschnitte wurden
als "Skeletons In The Closet" nun als Doppel-CD veröffentlicht. Die
CDs beinhalten die Aufnahmen von zwei Shows. Eine in Strasbourg und eine
in Barcelona. Die Stimmung im Publikum ist am Kochen (schön zu hören
bei "Heavy Metal Universe") und die Hamburger spielen sich im Rausch buchstäblich
den Arsch ab. Dabei kommen Songs wie "Rich And Famous", "One With The World"
und "Last Before The Storm" aus der Ralf Scheepers-Ära genauso zum
Zuge wie Titel jüngeren und mittleren Datums wie etwa "New World Order",
"Razorblade Sigh" oder "All Of The Damned". Zwar hatte ich GAMMA RAY schon
ein bißchen aus den Augen verloren aber "Skeletons In The Closet"
wird Euch genauso wie mich wieder zurück ins Boot der Hanseaten holen.
"Rich And
Famous"/"Last Before The Storm"
THOMAS
SODOM
"One Night In Bangkok" 7
Steamhammer/SPV,
2003
So, damit liegt
jetzt nach "Mortal Way Of Life" und "Marooned" das dritte Live-Album der
Unter-Tage-Thrasher vor. Und im Vergleich zu den zwei wirklich grandiosen
Vorgängern hat es "One Night In Bangkok" wirklich nicht leicht. Denn
"Mortal Way ..." von 1988 war eigentlich schon ein Meilenstein in der Heavy
Metal-Geschichte, gegen den "Marooned" (1994) nur mit Mühe stand hielt.
Das thailändische Intermezzo wirkt schließlich gegenüber
seinen beiden Brüdern nahezu hüftlahm. Ein vielleicht etwas dummer
Begriff bei einer Musik, die Temporekorde zu brechen versucht. Und trotzdem:
Mehr als eine solide Arbeit scheinen Tom Angelripper und Mannen hier nicht
abzuliefern. Dabei ist die Song-Auswahl zufriedenstellend, die Härte
Magengruben zerfetzend, die Leistung der Musiker auf ihren Instrumenten
makellos. Aber es fehlt irgendwo ein Funke, der soetwas wie Begeisterung
entzündet. Vielleicht haben SODOM mit ihren beiden anderen Live-Alben
die Latte einfach zu hoch gelegt, die sie jetzt einfach selbst nicht mehr
überspringen können. Vielleicht fehlt das unbedarfte Gehämmer
vergangener Tage, das einem SODOM immer sehr sympatisch gemacht hat. Vielleicht
ist es auch der tadellose Sound, der einfach einen Tick zuviel Transparenz
in die Musik trägt. Vielleicht ist auch der neue Song "The Enemy Inside"
etwas banal, was den Blick in SODOMs Zukunft trübt. Ich weiß
es nicht wirklich. Aber ich mag SODOM. Sie waren mir immer lieber als Kreator
und Destruction. Daher wird dieses Album in der nächsten Zeit häufig
meinen CD-Player frequentieren. Und unter Umständen gibt es dann ja
doch noch diesen Funken. Oder ich bekomme heraus, was es ist, das diesmal
fehlt.
"Outbreak
Of Evil"
JUB
GROUND
ZERO "Promo CD" 7
Eigenproduktion,
2002
Daß ernstzunehmende
Hardcore-Bands nur in der New Yorker Bronx zu finden sind, ist ein Ammenmärchen,
welches sich lange Zeit hielt. Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn der
geneigte HC-Fan auch im Raum Schwerin bei der Suche nach guten Bands fündig
werden kann. GROUND ZERO machen ohne nerviges "Yo-Muthafukka!!"- Gebrüll
und "Jump-da-fukk-out!"- Gemalle erfrischenden Up-Tempo-Hardcore, der für
Metalfans auch verdaulich sein kann. Hervorstechend auf dieser Drei-Song-CD
ist der Opener "Pendejos" der in komplett spanischer Sprache geshoutet
wird.
"Pendejos"
THOMAS
KRISIUN
"Works Of Carnage" 9
Century Media,
Magic Arts., 2003
Wer von KRISIUN
Easy-Listening-Musik erwartet, ist bei den drei Brasilianen definitiv an
der falschen Adresse. Dennoch sind sie, was das Schreiben von Songs angeht,
alles andere als Stümper. Nur müssen sie diese auf ihr kompromißlos
brutales Spiel auf den Instrumenten anpassen. Somit braucht man schon eine
ganze Weile, bis sich einem die Kompositionen aus dem Hause Carmargo/Kolesne
in ihrer ganzen Pracht erschließen. Seis drum, keine andere Death
Metal-Band der Welt ließ die Fans mit sperrangelweit geöffneten
Mündern fassungslos am Bühnenrand stehen, als sie ihre ersten
Shows auf dem europäischen Festland spielten. So schnell und wild
und dabei technisch sauber war einfach keine andere Band vor ihnen.
Ihre neue
CD "Works Of Carnage" vereint einmal mehr die typischen KRISIUN-Markenzeichen
wie filigrane Leads, breaklastige Songs und ganz viel Geschwindigkeit.
Dabei fällt auf, daß die Drei auf dieser Platte auch mal einen
Gang zurückschalten können, um den komplexen Songstrukturen mehr
Freiraum zu bieten. Das tut der Brutalität absolut keinen Abbruch,
denn ein anderes Element wurde deutlicher herausgekehrt. Nämlich wahnwitziges
Stakkato, welches die Nerven des Hörers blank liegen läßt.
Gewöhnungsbedürftig, aber auch gut. Humor beweisen die Kerle
auf "Works Of Carnage", indem sie bei "War Ritual" in ein völlig konfuses
Schlagzeugsolo Maschinengewehre und Explosionen einbauen. Auch ist die
Coverversion von Venoms "In League With Satan" - durch den KRISIUN-Fleischwolf
gedreht - äußerst gelungen. Die soundtechnischen Ungereimtheiten,
die den Vorgänger "Ageless Venomous" noch so manchem Fan das Vergnügen
schwer machten, sind auf "Works Of Carnage" wieder behoben. Somit kann
ich diesen Longplayer jedem KRISIUN-Fan uneingeschränkt weiterempfehlen.
"In League
With Satan"
THOMAS
EDGE
OF SANITY „Crimson II“ 8
Black Mark
Prod./cmm, 2003
Erst kürzlich
wurde eine Studie über Deutschlands Heranwachsende veröffentlicht,
in der man zu dem Ergebnis kam, daß kaum noch jemand ein Buch zur
Hand nimmt. Einer der Gründe für dieses Desinteresse liege im
Nichterfassen des geschriebenen Textes.
Ich stelle
an dieser Stelle fest: deutsche Heavy Metal-Fans lesen. Diese Erkenntnis
entsteht nicht etwa aus der Tatsache, daß man doch schon eine gehörige
Portion verstehendes Lesen beherrschen sollte, um sich durch all diese
Reviews und Interviews zu arbeiten. Nein, vielmehr hat mich Meister Dan
Swanö dazu gebracht, soetwas zu glauben. Warum? Ganz einfach: Wer
sich hierzulande nämlich hinsetzt, um sich "Crimson II" von EDGE OF
SANITY - praktisch Swanös Solo-Projekt - anzuhören, der benötigt
nicht nur eine dreiviertel Stunde Zeit, in der er eigentlich nichts anderes
tun sollte, sondern auch einen wachen Geist, der es ihm erlaubt, all den
musikalischen Wegen dieses Albums zu folgen (beste Voraussetzungen, um
ein Buch zu lesen). Denn der schwedische Metal-Top-Star verläßt
einmal mehr eingefahrene Gleise und eröffnet dem Hörer die Heavy
Metal-Welt auf eine ganz spezielle Art. Die Struktur des Mammutwerkes kann
als progressiv bezeichnet werden, wobei Swanö "Crimson II" jetzt nicht
in kaum nachvollziehbare Verstrickungen führte, sondern sich schon
Elementen aus Death, Black, Power, Thrash oder Gothic Metal bediente. Jedoch
ist hier logischerweise das typische Songmuster völlig aufgelöst.
Keine Chance für Ohrwürmer. Wer "Crimson" mochte, wird hier ohne
Bedenken einen Blindkauf wagen können, auch wenn sich Teil II doch
erheblich von I unterscheidet.
„Covenant
Of Souls“
JUB
DIABOLIC
"Infinity Through Purification" 8
Century Media,
Magic Arts., 2003
Aber hallo!
Mit DIABOLIC haben sich Century Media einen Act ins Haus geholt, der es
locker in Sachen Geschwindigkeit und Chaos mit den Verrückten von
Krisiun aufnehmen kann. "Infinity Through Purification" bietet rasende
Wut, sinnlose, aber sehr schnell gespielte Gitarrensoli und Gekloppe hoch
10 auf der einen, sowie spannende Death Metal-Kunst auf der anderen Seite.
Diese besteht hauptsächlich aus den schleppenden Passagen, bei denen
DIABOLIC mit Morbid Angel mitziehen können. So verbreiten sie eine
ähnliche Morbidität und kranke Stimmung, wenn die Amis ihren
Klampfen hochmelodiöse und gefühlvolle Leads entlocken. In diesen
Momenten machen DIABOLIC alles richtig. Wenn sie Staub machen, ist ihr
Gemetzel ein wenig zu wirkungslos, da zu konfus. Es drängen sich geradezu
Vergleiche mit Internecine auf, die ähnlich schnell aber emotionslos
agieren. Aber wie gesagt, dieser Mangel macht sich nur in manchen Überschallgeprügelpassagen
bemerkbar. Ansonsten klingen DIABOLIC wie eine gute Morbid Angel-Ablegerband.
Hört Euch nur mal "Decending Through Portals Of Misery" an und ihr
versteht.
"Satanic
Barbarism"
THOMAS
HUMAN
FORTRESS "Defenders Of The Crown" 9
Massacre/True
Music, 2003
Viele von Euch
werden vermutlich gar nicht bemerken, daß sie sich irgendwie im Kreis
bewegen. Und das nicht etwa, weil das Koordinations-Vermögen im Gehirn
lahm gelegt wurde, denn die Richtungswechsel in den täglichen Bewegungsabläufen
funktionieren. Wenn jene allerdings mal einen Blick in ihren CD-Schrank
wagen, werden sie vermutlich feststellen, daß sie immer irgendwie
Tonträger kaufen, die gewisser musikalischer Vorlieben unterworfen
sind. Soetwas birgt immer die Gefahr beschränkter Wahrnehmung in sich
- will sagen, man verpaßt Dinge, die bedeutend sind, jedoch nicht
bemerkt, da sie nicht in die selbst aufgezogene Schublade passen. Wo will
ich hin? Zu HUMAN FORTRESS.
Die CD "Defender
Of The Crown" war wie eine kalte Dusche an einem krachheißen Sommertag.
Wenn man heute von Heavy Metal spricht, das Ganze vielleicht mit Power
Metal präzisiert, bekommt man oft Sound-Wände geboten, die uns
bestenfalls den Produzenten oder das Studio empfehlen, den direkten Zugang
zur Musik aber erschweren. Bei HUMAN FORTRESS ist das umgekehrt. Die Songs
wirken nahezu nackt. Die Transparenz ist entwaffnend. Und schon ergießen
sich die Melodien wie ein warmer Sommerregen, nichts lenkt ab (ob kalte
Dusche oder warmer Sommerregen hängt von der Ausgangssituation ab).
Und wer Lust hat, kann sich je nach Stimmung und Interesse auf jede x-beliebige
Nuance konzentrieren und wird nie die Tuchfühlung verlieren. Seien
es die Gitarrenarbeit, die Baßläufe (auch, aber weniger), die
elektrisierenden Gesangslinien oder das - zugegebenermaßen etwas
dünne - Schlagzeug.
Bei HUMAN
FORTRESS trifft inmitten eines folkigen Lagerfeuertanzes unter Mitwirkung
eines Sängers, der Ronnie James Dio zumindest kennt, der Harmoniedrang
des Melodic Metal auf die Urwüchsigkeit des NWOBHM. Diese Band beweist,
warum Deutschland einst in Sachen Heavy Metal den Ton angab.
"Skin &
Feather"
JUB
SVART
"Energetic"
5
Eigenproduktion,
2002
Die Band SVART
ist ein Produkt des Ende der 90er aufgekommenen Melodic Death Metal-Booms,
der aus Skandinavien über fast ganz Europa schwappte. 1998 gegründet,
beschäftigt die Band als kleine Besonderheit drei Gitarristen, und
verschrieb sich fortan dem Sound von In Flames & Co. Die Musiker sind
an ihren Instrumenten allesamt recht talentiert. Das macht sich nach dem
ersten Durchlauf bemerkbar. Was ihnen aber noch nicht so flüssig von
der Hand geht, ist das Verbinden von einzelnen Songfragmenten. Oft werden
die Übergänge noch recht hölzern dargeboten. Dafür
sind die Riffs und manche Melodien schon ziemlich gut und hätten auch
von den "Großen" stammen können. Was noch auffällt, ist
die Stimme des Fronters. Man könnte glauben, Anders Friden stünde
höchstselbst am Mikro. Wer also die x-te In Flames Neuauflage braucht,
kann sich unter folgender Adresse den fünf Songs plus ein Outro umfassenden
Rundling bestellen: www.svart.de.vu
"Defeat
Yourself"
THOMAS