An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 17. Februar 2004

GUN BARREL „Battle-Tested“ 8 (BANDS BATTLE-Band 2004)
LMP/SPV, 2003

GUN BARREL - Battle-Tested

Die Waffennarren von GUN BARREL haben dieses Album schon vor einem Jahr vorgelegt, allerdings zeichnete sich Mitte 2003 ab, daß diese Band unter Umständen auf unserem 2004er BANDS BATTLE spielen würden, und so habe ich die Review des neuen Albums schelmenhafter Weise noch weiter hinausgeschoben, um Euch die Band halt in der zeitlichen Nähe zum Festival (13. bis 15. Mai) ans Herz zu legen. Und das möchte ich hier mit Nachdruck tun, denn auch Scheibe Nummer zwei, "Battle-Tested", ist nach "Power Dive" ein starke Angelegenheit geworden. Wieder wird schweißtreibend nach vorn gerockt, daß Rose Tattoo eigentlich mal ihre Einstellung überprüfen sollten. Bei Songs wie "Battle-Tested", "Party In The Hall Of Fame" oder "Scream Of The Killer" springen die Gedanken nicht nur einmal zu Thunderhead oder Tank. Und das nicht etwa ausschließlich wegen Guido Feldhausens stimmlicher Ähnlichkeit mit Ted Bullet oder Algy Ward. Bang-kompatibel ist das GUN BARREL-Zeug in jeder Note, logisch, daß man dann die Refrains inbrünstig und lauthaus mitgrölen kann, wenn man sie nur einmal gehört hat. Das rotzige Feeling zieht sich durch das gesamte Album der Kölner, dessen Songs nur selten am partytauglichen Hit vorbeischrammen. So braucht ausgerechnet der Titelsong drei Anläufe, um voll zu wirken und "My Last Ale" ist bei aller Ambition ein klein wenig hüftlahm. Dafür reißen "Rebel Tune" und "Death Knell Dance" alles um.
"Rebel Tune"/"Scream Of The Killer"

JUB

JACK OF ALL TRADES "Demo 2003" 8
Eigenproduktion, 2003

Das Trio spielt eine Hardcore/Metal-Mischung, die so gar nicht in die gängigen Klischees passen will.
Natürlich benutzen die Jungs auch Grooves und kehligen, gepreßten Brüllgesang, dennoch streuen sie mitunter Gesangslinien ein, die mit psychotisch-klarer Stimme vorgetragen werden. Dazu haben die Klampfen, wenn sie einen auf Metal machen, mehr zu bieten als nur die Standard-Akkorde der meisten Metal/Hardcore-Hybriden. Die Songs sind so geschrieben, daß sie immer eine kleine Besonderheit in sich haben. Hier mal ein überraschendes Break, da mal eine kleine nette Melodie oder ein dem Thrash Metal entliehenes Gitarren-Kurz-Solo. Entgegen anderen miesepetrig dreinschauenden und zugepiercten, tätowierten, glatzköpfigen Ziegenbärten, die stets darauf bedacht sind, ja keine Streetcredebillity zu verlieren und deshalb immer schön nach Schablone musizieren, haben JACK OF ALL TRADES den Vorteil, daß sie mit Spaß an die Sache rangehen und frei von der Leber weg spielen und komponieren. Das steht ihnen gut zu Gesicht.
"Fucking Useless"

THOMAS

THYRANE "Hypnotic" 4
Century Media/Ranka Publ., 2003

THYRANE - Hypnotic

"The Symptomatic" ist wirklich symptomatisch für THYRANEs "Hypnotic". Denn die Endloswiederholungen der Riffs, Melodie-Fragmente und Gimmicks machen dieses Album aus, dem jegliche Abwechslung fehlt. Vielleicht soll das ja "hypnotisch" sein, wie es der Album-Titel zu suggerieren versucht. Dafür fehlen den Stücken allerdings jene betäubenden Harmonien wie sie zum Beispiel Tiamat zu eigen sind. Eher wird man hier durch das zwirbelnde Keyboard und den heiseren, nuancenlosen Gesang von Blastmor auf einem permanenten Nervositäts-Level gehalten. Ein Song wie "Firework" oder "Heretic Hunt" funktionieren als Industrial-Machwerk durchaus - wenn sie allein bleiben. Im Kontext dieser Scheibe gehen aber auch diese Nummern in der Monotonie unter, die garantiert so von der Band nicht gewollt war. Bliebe zum Schluß noch zu klären, was das Label mit "Rock'n'Roll-lastigem Black Metal" meint ...
"The Symptomatic"

JUB

SUCCUBUS "The Damned's Voices Choir" 5
Isegrim Records, 2002

SUCCUBUS - The Damned's Voices Choir

Die Neuruppiner Band hat sich dem melodischem Death Metal verschrieben. Denn "The Damned's Voices Choir" strotzt nur so vor Melodien. Einige von ihnen sind auch gar nicht mal so schlecht. Ein großer Teil davon gniedelt aber mehr so mittelmäßig vor sich hin. Daß die Band versucht, ihre Musik sehr abwechslungsreich zu gestalten, ist nicht zu überhören, Akustikintros, Windgeräusche und dezente Keyboardeinsätze lockern die Musik zusätzlich auf. Der eigentliche Knackpunkt der CD ist allerdings der Gesang. Hier wird auf das altbewährte Grunzstimme-gegen-Frauenstimme-Prinzip gesetzt. Ist im Grunde auch nichts gegen einzuwenden. Frontdame Camilla hat allerdings so ihre Problemchen beim Treffen der Töne, was den Gesamteindruck der leicht nach Tarja Turunen klingenden Stimme schmälert. Wenn sich das einrenkt, und die Band mit ein wenig mehr Feuer in der Seele spielt, steht uns mit der nächsten Veröffentlichung der Band eine Scheibe ins Haus, die sich unter Umständen mit internationalen Standards messen kann. Den Ehrgeiz dazu hat diese Band unüberhörbar. www.succubus-online.de
"Conquerer's Truth"

THOMAS

AUTOGRAPH „Buzz“ 8
Point Music, 2003

AUTOGRAPH - Buzz

Eine maßgebliche Melodic Metal-Formation wie AUTOGRAPH mit anderen Szenegrößen zu vergleichen, ist eigentlich absurd. Denn AUTOGRAPH klingen halt wie AUTOGRAPH. Allerdings: Wer kennt die Amis überhaupt noch, die ihre hohe Zeit 1984 hatten und damals gar mit "Turn Up The Radio" einen Top-30-Hit in den US Billboard Charts landeten.
Um die Erinnerung aufzufrischen, sei an Los Angeles in den frühen 80er Jahren erinnert, als Glam Metal populär war wie heute die Boygroups. Und eben dort sind AUTOGRAPH anzusiedeln, die herrlich hausbacken klingen. Wer sich allerdings mit der eigenen Festplatte im Kopf schwer tut, dem sei der Stil der Band als eine Mischung aus "Hysteria"-Def Leppard und Britny Fox mit einem Eddie van Halen-Imitator beschrieben. Das hat was und ist vor allem für lange Autofahrten bestens geeignet. Aber Vorsicht: Ihr könntet schnell in Versuchung kommen, den Rhythmus der an Euch vorbeirauschenden Alleen-Bäume dem Drive der Songs anzupassen. Das kann zu einem Bleifuß führen. Ich habe das in einem Selbsttest erfahren.
„Fed Up With Bein' Down“

JUB

DECEPTION "Permanent Torment" 6
Nice To Eat You Records, 2002

DECEPTION - Permanent Torment

Aus dem schönen Polen kommen die Herrschaften von DECEPTION, die auf ihrer "Permanent Torment" drauflosschreddern, als gäbe es kein Morgen. Dabei fällt sofort das Schlagzeug auf. Dermaßen druckvoll und schnell hat man erst einmal den Verdacht auf Drumcomputer, obwohl man das bei den Polen nie so genau weiß. Zumindest ist Dominik Augustyns Kit getriggert. Aber wie sagte einst Al Jourgensen von Ministry zum Thema Drumcomputer so treffend: "Es ist wie im Krieg, egal ob Du Hubschrauber oder U-Boote einsetzt, Hauptsache der Feind ist tot." So ist es auch bei DECEPTION, die Soundwand steht wie eine Eins. 
Davon abgesehen wirkt der Death Metal der Slawen jedoch von Zeit zu Zeit etwas blutleer, denn Blast-Schleppriff-Blast-Wechselspielchen hat man schon auf hunderten anderen Platten des Genres gehört. Am besten gefallen mir DECEPTION, wenn sie - wie bei "Age Of Suffering" - im Midtempo mit gekonnten Leads und herrlichen Rhythmusriffs sowie klugen Tempowechseln herrliche Death Metal-Atmosphäre verbreiten.
Diese Momente sind auf "Permanent Torment " für meinen Geschmack aber noch ein wenig zu rar gesät. 
"Age Of Suffering"

THOMAS 

EXTOL "Synergy" 9
Century Media/Magic Arts Publ., 2003

EXTOL - Synergy

Der Laie wird wahrscheinlich nie hinter die Zählzeiten dieser Musik steigen. Jadoch glaube ich durchaus, daß sich auch Musiker-Kollegen von EXTOL verwundert fragen könnten, warum die sich windende Melodie in "Paradigms" mit den dazugehörigen Rhythmusverrenkungen nicht völlig konträr läuft. An diese Art von Musik haben sich schon hunderte Bands in der Geschichte des Rock völlig verhoben. Umso mehr ist anzuerkennen, daß diese Norweger so aalglatt durch ihren Tonträger namens "Synergy" kommen. Dabei haben sie mit "26 Miles From Marathon" oder auch "Confession Of Inadequacy" geradezu Jazz-Rock-Lehrbeispiele im Programm.
Daß ihnen allerdings nicht permanent der Sinn nach technischen Zeichnungen auf Notenblättern steht, beweisen die Label-Kollegen von Solefald (Nachtigall, ick hör Dir trapsen) mit dem Akustik-Stück "Aperture". Hier wird eine ganz zarte Melodie gespielt, das Quietschen auf den Saiten beim Umgreifen und das Klirren beim ungenauen Anzupfen sind beibehalten. Der Gesang ist an dieser Stelle so zerbrechlich wie er bei den anderen Songs die Gehörgänge malträtiert, daß einem der Haaransatz schmerzt. Aber das eine ist genauso geil wie das andere. Warum dann nicht der Zehner: Ich glaube, ein, zwei Verschnaufpausen á la "Aperture" hätten der Scheibe durchaus gut getan. 
"26 Miles From Marathon"

JUB

RAIN "Headshaker" 9
Dead Sun Rec./Rising Works, 2003

RAIN - Headshaker

Aus dem sonnigen Italien kommen RAIN. Bei dem Namen hätte ich eher auf England getippt, aber was soll's. Die Spaghetties spielen astreinen Party-Metal, der gänzlich ohne künstlichen Bombast und ähnlichen Firlefanz auskommt. Die Doublebass kickt immer schön nach vorne weg. Die Riffs kommen stets lässig rüber und die Leads locker aus dem Handgelenk. "Face The Blizzard" hat eine geniale Dramatik in der Gesangsmelodie, ohne kitschig zu wirken. In "Yellow Putrefaction" kommen gar Boogie-Zitate zum Vorschein. Und "Only For The RAIN Crew" kann mit seinem stampfenden Rhythmus und dem Shout-Refrain glatt als Accept-Hommage durchgehen. Ungewöhnlich für Scheiben italienischer Machart ist das Fehlen einer Ballade. Doch gerade die hätte "Headshaker" den Biß genommen. Gut daß sie fehlt. Solche Platten sind gemacht worden, um sie auf Parties zu spielen. Handwerklich gut gemachter Heavy Metal mit geilen Melodien, sauber produziert und frei von Ballast. "Headshaker" macht seinem Namen alle Ehre.
"Face The Blizzard"

THOMAS

INTESTINE BAALISM „Banquet In The Darkness“ 10
Blackend/PHD, 2003

INTESTINE BAALISM - Banquet In The Darkness

Wenn bei den Briten in der ersten Hälfte der 60er Jahre beim großen Ausprobieren von Bands wie den Yardbirds, The Who, Small Faces und The Kinks nicht mal so ganz nebenbei auch noch der Heavy Metal mit abgefallen wäre, dann hätten diese Art der Musik garantiert die Japaner erfunden. Denn die kleinen Leistungsmenschen benötigen in ihrem immer noch recht traditionell gestalteten Alltag die ultimative Entladung. Was eignet sich da besser als Heavy Metal. Und so wird im Land der aufgehenden Sonne selbst eine Melodic-Band groß, die im Abendland nicht einmal als Support-Act von Kapellen aus der zweiten Reihe wahrgenommen würde. Aber nicht nur die Harmonien haben es den Schlitzaugen angetan, auch in den Extremen fühlen sie sich offenbar äußerst wohl. Bestes Beispiel sind INTESTINE BAALISM.
Drei Elemente machen die Musik auf "Banquet In The Darkness" aus. Zum einen sind das die brutal und simpel vor sich hin hämmernden Rhythmus-Gitarren, die neben lupenreinen Death-Linien auch schon mal einen Black Metal- oder Thrash Metal-Drall bekommen. Zum zweiten sei da der heisere Gesang von Seiji Kakuzaki, der - würde er nicht hin und wieder die Intensität der Tiefen variieren - völlig nuancenlos erschiene. Zum dritten haben wir Lead-Figuren, die einfach nur mit "Großartig" benannt werden können. Was den Japsen da an Melodien eingefallen ist, stellt die gesamte Göteborg-Fraktion auf den Prüfstand.
Obendrein wird Abwechslung geboten, die so für diese Art der Musik nicht zu vermuten ist. Stellen wir nur die aufeinanderfolgenden "The Planet" und "Born But Buried, I Can See The Light" gegenüber. Der erste hat ein bangkompatibles Thrash-Gitarrenriff, ist im Midtempo-Bereich gehalten und klingt im Sound etwas spitz. Hinterher kommt gleich eine Death-Granate in zackigstem Speed, Bergwerk-tief und für INTESTINE BAALISM-Verhältnisse fast melodielos.
Soetwas passiert öfter auf dieser Scheibe. Und so möchte ich noch "The Genuine Tone" und "A Keen" hervorheben. Während "Genuine" beinahe Black Metal ist und mit nahezu romantischen Lead-Parts auftrumpft, ist "A Keen" ein reines Akustikstück, das einen auf eine völlig falsche Fährte locken würde, hörte man es von dieser CD als Teaser.
„The Genuine Tone“

JUB

TYRAX "Promo 2002" 6
Eigenproduktion, 2002

TYRAX - War in Heaven

Genau genommen besteht die Promo-CD der Band TYRAX aus zwei Songs vom aktuellen Album "War In Heaven", nämlich "Hate Angel" und "Vampires Destiny", dazu sind auf der CD noch ein Song vom Vorgängeralbum "Inhumanly Infected" mit dem Titel "Plainfield", ein Videoclip zu "Eradication Day" und ein Liveclip zu "Sacred Flames". Die Deutschen spielen Death Metal, der mich bei den aktuellen Songs von Zeit zu Zeit an alte Arch Enemy erinnert, was den Gesang anbelangt. Die Band scheut auch vor ruhigen Momenten nicht zurück, was den Gesamtsound abwechslungsreich macht. "Vampires Destiny" ist mit seinen Tempowechseln das interessanteste Stück auf der CD. Nicht zuletzt deshalb, weil die Musik sehr oft von Thrash Metal-Zitaten durchzogen wird. "Plainfield" schwächelt ein wenig, denn mit seinem Akustikanfang und den bei Metallica ausrangierten Riffs plus tiefem Gesang ist es zwar nicht schlecht gemacht, besonders toll ist es aber auch nicht. "Hate Angel" bricht schon wesentlich gekonnter aus den Boxen. Das Old School-Death Metal-Riff und die bedrohlich rollende Doublebass wird durch einige Breaks aufgelockert, mit passenden Tempiwechseln durchzogen und ist mit variablem Gebrüll ausgestattet. Macht Lust auf mehr. www.tyrax.de.cx
"Hate Angel"

THOMAS



GRAVEN "Perished And Forgotten" 7
Undercover Records, 2002

GRAVEN - Perished And Forgotten

Die Parole "Old School" macht immer häufiger ihre Runde. Auch im Black Metal schwört man mehr und mehr auf Bands, die sich alter musikalischer Werte besinnen. Allerdings heißt "Old School" im Black Metal eigentlich, dilettantisch die Instrumente zu zweckentfremden wie es einst Venom oder Mayhem taten. Da war von den maßgeblichen Gitarren-Melodien noch nichts zu hören. Unbedarfte Ohren hatten Mühe, überhaupt Rhythmustrukturen wahrzunehmen.
Und doch sind GRAVEN eine Band, die sich der "alten Schule" bedient, auch wenn sie die Musik der Früh-90er ins heute transferiert. Denn die zweite Black Metal-Welle Anfang der 90er Jahre war für die Entwicklung dieses Genres weitaus maßgeblicher, als alles, was davor kam. Und so musizieren GRAVEN munter drauf los, lassen die Gitarren ihre kleinen Melodien surren, werden dabei nie zu hektisch, bringen uns hier und da den Ufta-ufta-Rhythmus und bleiben soundtechnisch auf einem annehmbar niedrigen Level. Die Band entschuldigt sich zwar für den zu sauberen Klang der CD, was nicht wirklich den Nagel auf den Kopf trifft, denn das eigentliche Problem ist eine gewisse Drucklosigkeit, die man nur kompensiert bekommt, wenn man den Lautstärkepegel in eine schmerzhafte Region bewegt. Hört man "Perished And Forgotten" zu leise, schwimmen die Gitarren davon. Aber das sollte niemanden hindern, GRAVEN ein wenig Zeit zu leihen, den Metaller sind eh meist hörgeschädigt.

JUB

DEREK SHERINIAN "Black Utopia" 10
Inside Out/SPV, 2003

DEREK SHERINIAN - Black Utopia

Jetzt wachen die Keyboarder auf. Während Erik Norlander mit seinem Mammut-Werk "Music Machine" (siehe Abgehört vom 16. Dezember 2003) bereits ein beachtliches Stück Prog Metal ablieferte, setzt DEREK SHERINIAN mit "Black Utopia" noch einen drauf. Der Planet X-Tastenmann hat nämlich, anders als Norlander, ein ultimatives Gitarren-Album abgeliefert, bei dessen Umsetzung er sich offenbar selbst ständig Flecken in die Hose gespielt hat. Wie sonst ist das Sherinian-Zitat zu verstehen: "Ich wünschte, es gäbe einen Weg, zum Ausdruck zu bringen, wie erstaunlich es wirklich ist, mit diesen Leuten arbeiten zu können." Und wer sind diese Leute? Achtung, aufgepaßt!
Toto-Mastermind Steve Lukather, Ozzy Osbourne-Rabauke Zakk Wylde, Saiten-Hexer Yngwie Malmsteen, Jazz-Rock-Veteran Al DiMeola an der Akustischen, Basser Tony Franklin von The Firm, Jerry Goodmann vom Mahavishnu Orchestra spielt Violine, Steve Vai's Billy Sheenan als Viersaiter Nummer zwei und schließlich Übertrommler Simon Phillips von Toto. Na? Eigentlich unglaublich. Erst recht, wenn einem Malmsteen und Wylde als Gitarren-Duellisten in einem Song auf einmal begegnen. So geschehen in "Axis Of Evil". Oder wenn sich DiMeola und Malmsteen mit ihren Fähigkeiten zu übertreffen suchen. Das wird in "The Sons Of Anu" praktiziert.
Sicher ist auf diesem Instrumental-Album viel Raum für überbordende Improvisationen, trotzdem gibt es hier einige In-die-Fresse-Attacken wie man sie von solch einem Gipfeltreffen nicht unbedingt erwartet hätte. Logisch das DEREK SHERINIAN die Headbanging-Parts Zakk Wylde in die Saiten schrieb ("Nightmare Cinema", "Axis Of Evil"), Lukather darf relaxed jazzen ("Stony Days", "Star Cycle"), Malmsteen zaubern ("Axis ...", "The Sons Of Anu") und DiMeola mit seiner Akustischen rare Großtaten beisteuern ("The Sons ..., "Gypsy Moth").
Sherinian selbst hält sich zurück, daß man die Keyboard-Linien häufig gar nicht wahrnimmt. Obwohl sie in jedem Song gegenwärtig sind. Der Projekt-Chef hat den Sound seines Tasteninstruments allerdings jedesmal so perfekt der Stimmung des jeweiligen Songs angepaßt, daß es nicht hätte besser gemacht werden können. Nun, und das Finale ist nicht etwa ein gemeinsam geschlagenes Riff, sondern ein Zug aus einer Wasserpfeife.
Dieses Album ist ein Meisterwerk.
"Sweet Lament"/"The Sons Of Anu"

JUB
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