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- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" - des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung. Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.
GUN BARREL „Battle-Tested“ 8 (BANDS BATTLE-Band 2004) LMP/SPV, 2003
Die Waffennarren
von GUN BARREL haben dieses Album schon vor einem Jahr vorgelegt, allerdings
zeichnete sich Mitte 2003 ab, daß diese Band unter Umständen
auf unserem 2004er BANDS BATTLE spielen würden, und so habe ich die
Review des neuen Albums schelmenhafter Weise noch weiter hinausgeschoben,
um Euch die Band halt in der zeitlichen Nähe zum Festival (13. bis
15. Mai) ans Herz zu legen. Und das möchte ich hier mit Nachdruck
tun, denn auch Scheibe Nummer zwei, "Battle-Tested", ist nach "Power Dive"
ein starke Angelegenheit geworden. Wieder wird schweißtreibend nach
vorn gerockt, daß Rose Tattoo eigentlich mal ihre Einstellung überprüfen
sollten. Bei Songs wie "Battle-Tested", "Party In The Hall Of Fame" oder
"Scream Of The Killer" springen die Gedanken nicht nur einmal zu Thunderhead
oder Tank. Und das nicht etwa ausschließlich wegen Guido Feldhausens
stimmlicher Ähnlichkeit mit Ted Bullet oder Algy Ward. Bang-kompatibel
ist das GUN BARREL-Zeug in jeder Note, logisch, daß man dann die
Refrains inbrünstig und lauthaus mitgrölen kann, wenn man sie
nur einmal gehört hat. Das rotzige Feeling zieht sich durch das gesamte
Album der Kölner, dessen Songs nur selten am partytauglichen Hit vorbeischrammen.
So braucht ausgerechnet der Titelsong drei Anläufe, um voll zu wirken
und "My Last Ale" ist bei aller Ambition ein klein wenig hüftlahm.
Dafür reißen "Rebel Tune" und "Death Knell Dance" alles um.
JUB JACK OF ALL TRADES "Demo 2003" 8 Eigenproduktion, 2003
Das Trio spielt
eine Hardcore/Metal-Mischung, die so gar nicht in die gängigen Klischees
passen will.
THOMAS THYRANE "Hypnotic" 4 Century Media/Ranka Publ., 2003
"The Symptomatic"
ist wirklich symptomatisch für THYRANEs "Hypnotic". Denn die Endloswiederholungen
der Riffs, Melodie-Fragmente und Gimmicks machen dieses Album aus, dem
jegliche Abwechslung fehlt. Vielleicht soll das ja "hypnotisch" sein, wie
es der Album-Titel zu suggerieren versucht. Dafür fehlen den Stücken
allerdings jene betäubenden Harmonien wie sie zum Beispiel Tiamat
zu eigen sind. Eher wird man hier durch das zwirbelnde Keyboard und den
heiseren, nuancenlosen Gesang von Blastmor auf einem permanenten Nervositäts-Level
gehalten. Ein Song wie "Firework" oder "Heretic Hunt" funktionieren als
Industrial-Machwerk durchaus - wenn sie allein bleiben. Im Kontext dieser
Scheibe gehen aber auch diese Nummern in der Monotonie unter, die garantiert
so von der Band nicht gewollt war. Bliebe zum Schluß noch zu klären,
was das Label mit "Rock'n'Roll-lastigem Black Metal" meint ...
JUB SUCCUBUS "The Damned's Voices Choir" 5 Isegrim Records, 2002
Die Neuruppiner
Band hat sich dem melodischem Death Metal verschrieben. Denn "The Damned's
Voices Choir" strotzt nur so vor Melodien. Einige von ihnen sind auch gar
nicht mal so schlecht. Ein großer Teil davon gniedelt aber mehr so
mittelmäßig vor sich hin. Daß die Band versucht, ihre
Musik sehr abwechslungsreich zu gestalten, ist nicht zu überhören,
Akustikintros, Windgeräusche und dezente Keyboardeinsätze lockern
die Musik zusätzlich auf. Der eigentliche Knackpunkt der CD ist allerdings
der Gesang. Hier wird auf das altbewährte Grunzstimme-gegen-Frauenstimme-Prinzip
gesetzt. Ist im Grunde auch nichts gegen einzuwenden. Frontdame Camilla
hat allerdings so ihre Problemchen beim Treffen der Töne, was den
Gesamteindruck der leicht nach Tarja Turunen klingenden Stimme schmälert.
Wenn sich das einrenkt, und die Band mit ein wenig mehr Feuer in der Seele
spielt, steht uns mit der nächsten Veröffentlichung der Band
eine Scheibe ins Haus, die sich unter Umständen mit internationalen
Standards messen kann. Den Ehrgeiz dazu hat diese Band unüberhörbar.
www.succubus-online.de
THOMAS AUTOGRAPH „Buzz“ 8 Point Music, 2003
Eine maßgebliche
Melodic Metal-Formation wie AUTOGRAPH mit anderen Szenegrößen
zu vergleichen, ist eigentlich absurd. Denn AUTOGRAPH klingen halt wie
AUTOGRAPH. Allerdings: Wer kennt die Amis überhaupt noch, die ihre
hohe Zeit 1984 hatten und damals gar mit "Turn Up The Radio" einen Top-30-Hit
in den US Billboard Charts landeten.
JUB DECEPTION "Permanent Torment" 6 Nice To Eat You Records, 2002
Aus dem schönen Polen kommen
die Herrschaften von DECEPTION, die auf ihrer "Permanent Torment" drauflosschreddern,
als gäbe es kein Morgen. Dabei fällt sofort das Schlagzeug auf.
Dermaßen druckvoll und schnell hat man erst einmal den Verdacht auf
Drumcomputer, obwohl man das bei den Polen nie so genau weiß. Zumindest
ist Dominik Augustyns Kit getriggert. Aber wie sagte einst Al Jourgensen
von Ministry zum Thema Drumcomputer so treffend: "Es ist wie im Krieg,
egal ob Du Hubschrauber oder U-Boote einsetzt, Hauptsache der Feind ist
tot." So ist es auch bei DECEPTION, die Soundwand steht wie eine Eins.
THOMAS EXTOL "Synergy" 9 Century Media/Magic Arts Publ., 2003
Der Laie wird
wahrscheinlich nie hinter die Zählzeiten dieser Musik steigen. Jadoch
glaube ich durchaus, daß sich auch Musiker-Kollegen von EXTOL verwundert
fragen könnten, warum die sich windende Melodie in "Paradigms" mit
den dazugehörigen Rhythmusverrenkungen nicht völlig konträr
läuft. An diese Art von Musik haben sich schon hunderte Bands in der
Geschichte des Rock völlig verhoben. Umso mehr ist anzuerkennen, daß
diese Norweger so aalglatt durch ihren Tonträger namens "Synergy"
kommen. Dabei haben sie mit "26 Miles From Marathon" oder auch "Confession
Of Inadequacy" geradezu Jazz-Rock-Lehrbeispiele im Programm.
JUB RAIN "Headshaker" 9 Dead Sun Rec./Rising Works, 2003
Aus dem sonnigen
Italien kommen RAIN. Bei dem Namen hätte ich eher auf England getippt,
aber was soll's. Die Spaghetties spielen astreinen Party-Metal, der gänzlich
ohne künstlichen Bombast und ähnlichen Firlefanz auskommt. Die
Doublebass kickt immer schön nach vorne weg. Die Riffs kommen stets
lässig rüber und die Leads locker aus dem Handgelenk. "Face The
Blizzard" hat eine geniale Dramatik in der Gesangsmelodie, ohne kitschig
zu wirken. In "Yellow Putrefaction" kommen gar Boogie-Zitate zum Vorschein.
Und "Only For The RAIN Crew" kann mit seinem stampfenden Rhythmus und dem
Shout-Refrain glatt als Accept-Hommage durchgehen. Ungewöhnlich für
Scheiben italienischer Machart ist das Fehlen einer Ballade. Doch gerade
die hätte "Headshaker" den Biß genommen. Gut daß sie fehlt.
Solche Platten sind gemacht worden, um sie auf Parties zu spielen. Handwerklich
gut gemachter Heavy Metal mit geilen Melodien, sauber produziert und frei
von Ballast. "Headshaker" macht seinem Namen alle Ehre.
THOMAS INTESTINE BAALISM „Banquet In The Darkness“ 10 Blackend/PHD, 2003
Wenn bei den
Briten in der ersten Hälfte der 60er Jahre beim großen Ausprobieren
von Bands wie den Yardbirds, The Who, Small Faces und The Kinks nicht mal
so ganz nebenbei auch noch der Heavy Metal mit abgefallen wäre, dann
hätten diese Art der Musik garantiert die Japaner erfunden. Denn die
kleinen Leistungsmenschen benötigen in ihrem immer noch recht traditionell
gestalteten Alltag die ultimative Entladung. Was eignet sich da besser
als Heavy Metal. Und so wird im Land der aufgehenden Sonne selbst eine
Melodic-Band groß, die im Abendland nicht einmal als Support-Act
von Kapellen aus der zweiten Reihe wahrgenommen würde. Aber nicht
nur die Harmonien haben es den Schlitzaugen angetan, auch in den Extremen
fühlen sie sich offenbar äußerst wohl. Bestes Beispiel
sind INTESTINE BAALISM.
JUB TYRAX "Promo 2002" 6 Eigenproduktion, 2002
Genau genommen besteht die Promo-CD
der Band TYRAX aus zwei Songs vom aktuellen Album "War In Heaven", nämlich
"Hate Angel" und "Vampires Destiny", dazu sind auf der CD noch ein Song
vom Vorgängeralbum "Inhumanly Infected" mit dem Titel "Plainfield",
ein Videoclip zu "Eradication Day" und ein Liveclip zu "Sacred Flames".
Die Deutschen spielen Death Metal, der mich bei den aktuellen Songs von
Zeit zu Zeit an alte Arch Enemy erinnert, was den Gesang anbelangt. Die
Band scheut auch vor ruhigen Momenten nicht zurück, was den Gesamtsound
abwechslungsreich macht. "Vampires Destiny" ist mit seinen Tempowechseln
das interessanteste Stück auf der CD. Nicht zuletzt deshalb, weil
die Musik sehr oft von Thrash Metal-Zitaten durchzogen wird. "Plainfield"
schwächelt ein wenig, denn mit seinem Akustikanfang und den bei Metallica
ausrangierten Riffs plus tiefem Gesang ist es zwar nicht schlecht gemacht,
besonders toll ist es aber auch nicht. "Hate Angel" bricht schon wesentlich
gekonnter aus den Boxen. Das Old School-Death Metal-Riff und die bedrohlich
rollende Doublebass wird durch einige Breaks aufgelockert, mit passenden
Tempiwechseln durchzogen und ist mit variablem Gebrüll ausgestattet.
Macht Lust auf mehr. www.tyrax.de.cx
THOMAS
Die Parole "Old School" macht immer
häufiger ihre Runde. Auch im Black Metal schwört man mehr und
mehr auf Bands, die sich alter musikalischer Werte besinnen. Allerdings
heißt "Old School" im Black Metal eigentlich, dilettantisch die Instrumente
zu zweckentfremden wie es einst Venom oder Mayhem taten. Da war von den
maßgeblichen Gitarren-Melodien noch nichts zu hören. Unbedarfte
Ohren hatten Mühe, überhaupt Rhythmustrukturen wahrzunehmen.
JUB DEREK SHERINIAN "Black Utopia" 10 Inside Out/SPV, 2003
Jetzt wachen die Keyboarder auf.
Während Erik Norlander mit seinem Mammut-Werk "Music Machine" (siehe
Abgehört
vom 16. Dezember 2003) bereits ein beachtliches Stück Prog Metal
ablieferte, setzt DEREK SHERINIAN mit "Black Utopia" noch einen drauf.
Der Planet X-Tastenmann hat nämlich, anders als Norlander, ein ultimatives
Gitarren-Album abgeliefert, bei dessen Umsetzung er sich offenbar selbst
ständig Flecken in die Hose gespielt hat. Wie sonst ist das Sherinian-Zitat
zu verstehen: "Ich wünschte, es gäbe einen Weg, zum Ausdruck
zu bringen, wie erstaunlich es wirklich ist, mit diesen Leuten arbeiten
zu können." Und wer sind diese Leute? Achtung, aufgepaßt!
JUB |