An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT-Spezial vom 17. Juli 2001


DIABOLICUM „The Dark Blood Rising“ 8
Code 666, 2001

Diabolicum - The Dark Blood Rising

"Into The Dementia"
Auch wenn die Geschichte dieser Band bis in das Jahr 1994 zurückreicht, DIABOLICUM gibt es in dieser Form erst seit 1999. Aber vielleicht erinnert sich der ein oder andere Underground-Freak noch an Imperial, quasi das Samenkorn für DIABOLICUM. Kopf und musikalischer Lenker ist Sasrof, der mit seinen Mannen einst Helvete ins Leben rief und bei Setherial mitmischte.
Mit DIABOLICUM schuf Sasrof sich allerdings eine eigene Nische, in die andere Protagonisten nicht ohne weiteres einzudringen vermögen. Diese Mischung aus Black Metal-Orkan, Industrial-Gewitter und Düsternis ist außergewöhnlich. Das elektronische Schlagzeug scheint bei den Aufnahmen das Tempo vorgegeben zu haben, von menschlichen Händen nicht zu spielen, klingt es doch nicht deplaziert, sondern unterstreicht die grenzenlose Menschenverachtung dieser kalten Musik.
"Bloodspawn"
Das Cover spricht eine deutliche Sprache: Mittelstrecken-Raketen, ein elektrischer Stuhl und eine zerstückelte Frauenleiche, die uns im Booklet fein säuberlich zerlegt und wie aus einem Stabilbaukasten zusammengefügt präsentiert wird. Gesangliche Unterstützung erfuhren die Mannen von DIABOLICUM von Martin Shirenc von Pungent Stench/Hollenthon und Wraath von Setherial/Naglfar/Bewitched. Texte steuerten Dirge Rep von Enslaved und Jon Nödtveidt (Ex-Dissection) bei. Letzterer schrieb direkt aus dem Knast.
"The Song Of Suffering"

JUB

WOLFS MOON „Elysium Dreams“ 6 (BANDS-BATTLE-BAND) 
W-Music, 1999

Wolfs Moon - Elysium Dreams

WOLFS MOON sind das beste Beispiel für jene Art von Heavy Metal-Bands, die mit ihrem ganzen Herzen an der Musik hängen, mit der sie groß geworden sind. 1992 gegründet, spielt sich die Helmstedter Gruppe von Bühne zu Bühne und veröffentlicht nebenbei in steter Regelmäßigkeit Tonträger, die von namhaften Labels allerdings unbeachtet blieben. Nichtsdestotrotz kratzen die Jungs um Gitarrist Sammy immer wieder die letzten Kröten zusammen, um es irgendwann vielleicht doch noch einmal zu schaffen.
„Devil’s Bite“
Und dabei lassen sie sich nicht beirren, zelebrieren einen beinahe hausbackenen Heavy Metal, wie er in den 80er Jahren typisch war. Auf „Elysium Dreams“ - dem dritten Album übrigens - mischen sich hier und da Thrash-Momente in die Musik, die durchaus belebend wirken. Allerdings unterliegen WOLFS MOON dem Irrtum vieler Underground-Acts, deren Protagonisten mit ihren Instrumenten aufs Feinste umzugehen verstehen: Sie packen ihre Songs voll, als müßten sie kurz vor dem Abkratzen noch einmal beweisen, was sie können. Und so sind die Stücke auf „Elysium Dreams“ fast durchweg zu lang und kränkeln auch ein wenig an zum Teil unpassend zusammengefügten Passagen. Die Kunst des Arrangierens ist keine leichte. 

JUB

WOLFS MOON „Black-Knight-Legacy“ 6
W-Music, 2001

Wolfs Moon - Black-Knight-Legacy

Auch das aktuelle Album von WOLFS MOON schleppt die alten Probleme mit sich herum. Die Stücke sind manchmal zu lang, haben Passagen, die sehr steif rüberkommen, und diesmal wirkt Einiges doch obendrein sehr behäbig. Dies mit einem Konzept zu entschuldigen, wäre sicher der falsche Weg, da man als Heavy Metal-Band, die sich selbst gern in die Power-Ecke einordnet, nicht vergessen sollte, songorientiert zu arbeiten.
Wie der Vorgänger ist auch „Black-Knight-Legacy“ vorbildlich produziert, werden die musikalischen Qualitäten der Musiker an jeder Stelle deutlich. Und diesmal ist sogar ein Song dabei, den ich für einen absoluten Hit halte und der für mich das WOLFS MOON-Stück überhaupt darstellt ...
„Necronomicon“

JUB

HAMMERFALL „Renegade“ 8
Nuclear Blast, 2001

Hammerfall - Renegade

„Raise The Hammer“
Während HAMMERFALL mit ihrem Debüt „Glory To The Brave“ (1997) massenweise überschwengliches Lob einheimsten, ließ das bereits zum Zweitling „Legacy Of Kings“ (1998) enorm nach. Ganz soviel Retro wollten viele Kritiker dann doch nicht hören. Nebenbei verfolgte Nuclear Blast von Anfang an einen Ausverkauf, der an billige Pop-Kapellen erinnerte. Außer den beiden genannten Alben gab es nämlich noch zwei EP, zwei Mini-CDs, ein Video und eine DVD. 
Da verwunderte es kaum, als schon im Vorfeld der „Renegade“-Scheibe Häme über HAMMERFALL kam. 
„Renegade“
Und selbst, wenn die Schweden immer noch klingen wie hundert angesagte Acts der 80er Jahre, so verstanden sie es doch gerade auf ihrem dritten Werk, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sämtliche Stücke auf „Renegade“ sind potentielle Hits und eignen sich hervorragend zum kollektiven Mitbrüll-Anfall auf Partys mit anderen Metal-Besessenen.
„The Way Of The Warrior“
Und wäre da nicht diese unsäglich peinliche Ballade „Always Will Be“, man hätte kaum Gelegenheit, bei „Renegade“ die Stirn zu runzeln. Der dritte Streich ist definitiv HAMMERFALLs bester.

JUB
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