ABGEHÖRT vom 17. August 2004

METALIUM
"As One - Chapter Four"
Erschienen: 2004
Label: Armageddon Products
Homepage: www.metalium.de
METALIUM - As One - Chapter Four On Air: "Find Out"
Als METALIUM mit ihrem Debüt 1999 starteten, wurde ein Rummel um die Band gemacht, daß einem Angst und Bange wurde. Ein wesentlicher Grund für die damaligen Wellen, die aufgewühlt wurden, war die Mitarbeit von SAVATAGE-Gitarrist Chris Caffery. An dem wird es zwar nicht gelegen haben, trotzdem darf der Erstling von METALIUM rückblickend als das schwächste Album betrachtet werden. Denn eigentlich sind die Deutschen erst mit Nummer drei, "Hero-Nation" (2003) explodiert. Und das vierte Kapitel der Phantasie-Story um den Metalian-Krieger steht dem Vorläufer in Nichts nach. Neben manchmal auch etwas einfach gestrickter Power-Metal-Kost wie "Power Strikes The Earth" hat "As One - Chapter Four" über weite Strecken echte Spitzenprodukte zu bieten. Nehmen wir zum Beispiel "Find Out". Eingeleitet mit einem drückend-knarzigen Baß-Groove wird die Nummer zu einem ungewöhnlichen Midtempostück, das nicht etwa irgendwann mit dick aufgetragenen Gitarrenriffs post, sondern auf eine ganz eigentümliche Art sehr subtil bleibt. Dazu trägt auch die streichelnde Melodie im Refrain-Teil bei. Und nicht zu vergessen der Part von Sängerin Saeko Kitamae, die mit ihrer Stimme Stahl zu scheiden vermag.
Oder picken wir uns noch den schweren "Illuminated (Opus One)" heraus. Mit welch grandioser Wucht werden hier die Gitarren gepeitscht und wie perfekt fügt sich der kraftvolle, hohe Gesang von Henning Basse in diese düstere Stimmung. Und trotz seiner mehr als zwölf Minuten ("Meaning Of Light" und "Meaning ... (Reprise)" wurden ganz unauffällig mit an das Stück gepappt) wird niemand auch nur den Hauch von Ödnis verspüren. "Athena" - eigentlich für Power-Metal-Verhältnisse nicht mehr zu toppen - führt Basse bei den schrillen Gesangspassagen schließlich in King Diamond-Regionen.
Aber nicht nur Außergewöhnlichkeiten machen die Qualität dieses Albums aus. Vielmehr kann hier jederzeit nach Herzenslust gebangt werden, der Heavy Metal erfährt hier seine rhythmische Vollendung. Na ja, und Lack machen METALIUM auch immer wieder. Eigentlich hat die Band jetzt den Rummel verdient, der vor fünf Jahren veranstaltet wurde. 9 von 10
JUB

KICKHUNTER
"Hearts & Bones"
Erschienen: 2003
Label: Rude Rec./True Music Promo.
Homepage: www.kickhunter.com
KICKHUNTER - Hearts & Bones On Air: "Bye Bye Bye"
Are you ready for some Rock'n'Roll? Die Hamburger spielen geilen Rock mit absolut coolem Groove, gepaart mit Hammond-Orgel und weiblichen Backing-Vocals. Dabei atmet man echtes Retro-Feeling. Nicht im Sinne von trocken oder angestaubt, eher wie leider längst vergessen oder nicht mehr "hip" genug. Dabei hat echter Rock im Gegensatz zur angesagten Plastik-Musik von allem viel mehr. Lebensfreude, Gefühl, künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten und mehr Seele, Eier und Härte sowieso. Leider kapieren das die meisten Musik-Küken nicht (mehr). Davon unbeeindruckt zocken sich Markus Großkopf (Seines Zeichens hauptberuflich Bassist beim oft beschossenen und dennoch seetauglichen Metal-Flagschiff HELLOWEEN, welche keiner weiteren Vorstellung bedürfen.) und seine Kumpel, größtenteils Musiker aus diversen Hamburger Metal/Rock-Combos wie DOC EISENHAUER, OCEAN, MENDOCA etc., durch ihre zwölf Songs. Dabei verbreiten sie gute Laune, wo auch immer man den Laser auf der CD ansetzt. Das glückliche Händchen für diese Musik haben die Burschen alle Male. Auch wenn meiner Meinung nach hier und da noch ein paar etwas steif klingende Fragmente auszumachen sind. Doch den positiven Gesamteindruck den die CD hinterläßt, kann das in keinster Weise schmälern. 8 von 10
THOMAS

VOID OF SILENCE
"Human Antithesis"
Erschienen: 2004
Label: Code 666/SPV/Audioglobe
Homepage: www.voidofsilence.com
VOID OF SILENCE - Human Antithesis On Air: "Fucking Useless"
Auch wenn VOID OF SILENCE wegen ihrer Langsamkeit rasch den Doom-Stempel aufgedrückt bekommen, sind sie damit bei weitem nicht in der richtigen Ecke. Das Label hat da interessante Lösungsvorschläge: "Apocalyptic Doom, Negative Dark Ambient, Industrial Noise Drones". Das hilft bestimmt erst einmal weiter.
Auf jeden Fall sind die Töne von Riccardo Conforti und Ivan Zara äußerst bildhaft, vielleicht ist "Human Antithesis" die aktuelle Fassung der Musik für Fritz Langs "Metropolis". Denn so abstoßend kalt, düster und von totalitärer Ausstrahlung der Film ist, wirkt auch diese dritte Veröffentlichung der Italiener. Die Melodien haben von Zeit zu Zeit gar etwas Tragisches, das durch den Gesang von Alan Nemtheanga nachhaltig unterstützt wird. Ja, ihr habt richtig gelesen - VOID OF SILENCE haben sich diesmal den PRIMORDIAL-Frontmann ans Mikro geholt. Beim Vorgänger "Criteria Ov 666" (siehe Abgehört vom 29. Oktober 2002) erledigte den Job noch Malfeitor Fabban von ABORYM.
Die Methode, die Lead-Stimme zu wechseln, hat den Vorteil, daß man extrem die Stimmungen wechseln kann. Der Nachteil ist, daß jeder Sänger seiner Stärken und Schwächen besitzt, denen man sich nicht willkürlich anpassen kann. Und so ist Nemtheanga auch nicht durchgehend souverän, hat manchmal seine Hänger, wenn er zum Beispiel ohnehin schon schwermütige Momente ins Weinerliche zieht.
Nichtsdestotrotz ist "Human Antithesis" mit ihren mehr als 60 Minuten erneut eine kurzweilige aber erschütternde Scheibe geworden. VOID OF SILENCE kann man getrost als eine Band bezeichnen, die im Düster/Doom-Sektor eine ganz eigene Ausdrucksform gefunden hat. 8 von 10
JUB

BLOODSTAINED COFFIN
"Cursed To Exist"
Erschienen: 2004
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.bloodstained-coffin.de
BLOODSTAINED COFFIN - Cursed To Exist On Air: "Inquisition"
Mein Gott, wie viele Death-Metal-Bands gibt es heutzutage, die versuchen, wie ihre Vorbilder CANNIBAL CORPSE zu klingen? Gerade so, als sei dies der Stein der Weisen. In einem gewissen Maße ist das zwar durchaus geil, doch stagniert die Entwicklung des Genres dadurch nicht erheblich? Da kommt die Veröffentlichung von BLOODSTAINED COFFIN gerade richtig. Denn mit dem Schaffen von Alex Webster und Co. hat "Cursed To Exist" herzlich wenig gemeinsam. Soll heißen, daß die Erzgebirgler ihren Death Metal frei von technischen Mätzchen und Kunststückchen halten. Hier regiert der Druck und die Wucht im gemäßigten Tempo. Zwar erinnert die absolut akzeptabel produzierte Soundmauer stellenweise an BOLT THROWERs Zweitwerk "Realm Of Chaos", was ja das Schlechteste nicht ist. Doch scheint es nicht so, daß die fünf Musiker es mit Absicht darauf angelegt haben. Aber so manche Breaks, Riffs oder Arrangements erinnern wirklich an die Großtat aus dem British Empire. Wobei dies eher als Plus-, denn Minuspunkt verstanden werden möchte. Aber auch die recht thrashig anmutende Herangehensweise ans Songwriting sorgt für wohlige Abwechslung. Zwar wird das Spannungslevel nicht konstant im Bereich oberhalb des Durchschnitts gehalten, doch einen sympathischen Eindruck hinterläßt die CD alle Male. 7 von 10
THOMAS 

MERCENARY
"Everblack"
Erschienen: 2001
Label: Hammerheart Records
Homepage: www.mercenary.dk
MERCENARY - Everblack On Air: "Everblack"
Da flatterte mir doch die aktuelle MERCENARY-Scheibe aus dem Hause Century Media auf den Tisch und ich wollte mich zu erinnern glauben, daß es da in unserem Rezensions-Schrank noch eine CD von derselben Band gibt, die sich im vergangenen Jahr für das BANDS BATTLE-Festival beworben hatte. Also habe ich die noch einmal hervorgekramt, um mich zu erinnern.
MERCENARY sind aus Dänemark, waren 2001 noch bei Hammerheart und haben damals einen nahezu klassischen Melodic Death Metal gemacht. Die Vorbilder im Dunstkreis von IN FLAMES, GODGORY, DARK TRANQUILLITY sind gut herauszuhören. Nur fehlt dem Sechser absolut das Talent, aus zum Teil guten Ideen eingängige und vor allem runde Songs zu stricken. Nehmen wir nur den Opener "Everblack". Der beginnt mit einem sehr geilen Gitarren-Groove, die Melodie ist zupackend, Krals Growl-Stimme durchschüttelt einen. Mikkels helle Parts (wenn das mal nicht zum Teil auch Kral ist) passen gut dazu. Doch schon nach eineinhalb Minuten verlassen MERCENARY diese Linie und melodieren so vor sich hin. Hier ein Schlenkerchen, da noch ein Bogen. Und man kommt nicht wenigstens einmal wieder dort an, wo man losgefahren ist. Merkwürdig. Denn auf diese Art haben die Dänen den größten Teil ihrer Stücke gestaltet. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht wollten sie zeigen, daß mehr in ihnen steckt, als bloße Liedschreiber. Dann sind sie aber mit Karacho am Ziel vorbeigeschossen.
Auch ist es mir unerklärlich, weshalb im Verlauf der Platte die hohe Stimme die dominierende wird. Denn auf Dauer ist sie sehr penetrant.
Nun könnte man sagen, daß sich MERCENARY von ihren Vorbildern eben durch diese Eigenartigkeiten unterscheiden. Das mag sein. Allerdings wären sie auch anders gewesen, hätten sie afrikanische Trommeln und Trompeten eingebaut. Anders sein auf Teufel komm raus wird zum Krampf.
Zumindest bin ich jetzt auf die Neue gespannt wie ein Schlüpfergummi. 5 von 10
JUB

CHINCHILLA
"Madtropolis"
Erschienen: 2003
Label: Metal Blade/SPV
Homepage: www.chinchilla.rocks.de
CHINCHILLA - Madtropolis On Air: "When The Sand Darkens The Sun"
Die Band mit dem wahrscheinlich blutrünstigsten aller Namen kehrt zurück, um ihre Anhänger mit einem Konzeptalbum über einen fiktiven Ort Namens Madtropolis zu beglücken. Das Konzept an sich läßt sich ohne Textblatt schlecht durchleuchten, bleibt also die Musik. An dieser hat sich in meinen CHINCHILLA-ungeübten Ohren nicht viel verändert. Das heißt, flotter vorgetragener Heavy Metal mit viel Doublebass, Gitarren/Keyboard-Gleichberechtigung und Pflichtballade wird geboten. Die Refrains laden zum schunkeln ein. Nicht, daß sie handwerklich schlecht gemacht sind, doch die Spannung hält sich in Grenzen. Eventuelle Gitarrenwände werden schon von vornherein mit Keyboardschaum gedämpft. Songschreiberisch halten die Deutschen es auch nicht so mit der Spritzigkeit, so daß "Madtropolis" absolut dem vorherrschenden Klischee von biederem True Metal entspricht.
Mag sein, daß die Band trotz alledem ihre eingeschworenen Fans hat, doch für mich spielen CHINCHILLA absolute Reißbrettmusik, da sie mich in keinster Weise irgendwie berührt. 2 von 10
THOMAS

UNVEILED
"Anti-God Behavior"
Erschienen: 2003
Label: Woodcut Records
Homepage: www.unveiled.cjb.net
UNVEILED - Anti-God Behavior On Air: "Mockery Of Life (All Hail Suicide)"
Laßt Euch nicht täuschen: Der, dem es da auf dem UNVEILED-Cover an die Gurgel geht, ist nicht etwa ein Skinhead, sondern - man beachte den Kragen - ein kahl rasierter Geistlicher. Und so kraß die fotodokumentarische Aussage, so kraß auch die zu Ton gewordene Wut dieser drei Finnen auf ihrem Debüt "Anti-God Behavior". Natürlich ist Black Metal das Grundgerüst, das die musikalischen Konstruktionen zusammenhält. Jedoch wird hier ein Tempel "enthüllt", der auf festen death-metallischen Säulen steht und dessen Fundamente Thrash-Mixturen beigemengt wurden. Die Fassade wirkt umso anziehender, da sie erst beim zweiten Mal Hinschauen folkloristische Elemente offenbart.
Das hat alles sehr viel Kraft, ist urwüchsig aber trotzdem fein bearbeitet worden, daß man hier echte Profis vermuten möchte. UNVEILED sind des Entdeckens wert. Und wer die Jungs schon unter Beobachtung hat, sollte sie nicht aus den Augen verlieren, denn selten gelingt ein Start so nachhaltig. 8 von 10
JUB

SACRED STEEL
"Iron Blessings"
Erschienen: 2004
Label: Massacre/Soulfood
Homepage: www.SacredSteel.de
SACRED STEEL - Iron Blessings On Air: "Open Wide The Gates"

Die Mainstream-Heavy-Metal-Szene scheint vielerorts vom marketingtechnischen Kalkül, von Fließbandproduktionen und Vereinheitlichung heimgesucht worden zu sein. Bis auf das kleine gallische Dorf namens SACRED STEEL. Hier hält man von glattgebügelten Kommerzsounds und analytisch begründeter Anpassung an die allgemein vorherrschenden Hörgewohnheiten zum Glück nicht viel. Die truer als truen (diesmal im wahrsten Sinne des Wortes) Metaller aus dem Schwäbischen haben allem Anschein nach gestrichen die Schnauze voll davon, unter dem Banner des, ja, "True Metal" gehandelt zu werden. Selbiger muß sich heutzutage mittlerweile unbedingt über Quietsch-Vocals, Doublebass, wahlweise Muskel-, Drachen-, Burgen- oder Motorradcover und gleichförmigen Songs definieren. Heavy Metal als starres, gekünsteltes Produkt zur einfacheren Vermarktung. Das hat mit eigenem Stil, Risikofreude oder künstlerischen, verqueren Ideen nicht mehr viel zu tun. Wirklich eigenständige Bands wie einst SKYKLAD, RUNNING WILD, SOLSTICE, EXCITER, GOREFEST oder VENOM sucht man heute eher mit der Lupe. Genug abgeschweift.
SACRED STEEL sind, wie es der Vorgänger "Slaughter Prophecy" schon andeutete, rauer, extremer und unberechenbarer geworden. Längste Zeit sind die Headbangerseelen mit den eingängigen, herzzerschneidenden Refrains der Marke "Tonight The Witches Ride", "Stormhammer", "Master Of Thy Fate", "Heavy Metal To The End" oder "Sacred Bloody Steel" gesalbt worden. Das passiert auf der neuen Scheibe nur noch beim Opener "Open Wide The Gates". Ansonsten ist das Songmaterial ungewohnt sperrig, jedoch nicht verfrickelt ausgefallen. An die Hooks muß man sich heuer ranarbeiten. Klar sind sie noch vorhanden, doch sie fallen einem nicht mehr in den Schoß. Das hat den netten Nebeneffekt, daß die Scheibe länger im Schacht rotieren kann, ohne abzunutzen. Auffällig ist auch, daß das Quintett nicht länger damit hausieren geht, wie echt sie sind. Daß SACRED STEEL den Backkatalog jeder noch so obskuren Kultband im Schlaf rauf und runter beten können, daß sie ihre Patronengurte noch nicht einmal zum Duschen abnehmen und sie den Metal mehr als abgöttisch verehren, haben sicherlich auch die letzten Spätzünder bemerkt. Dementsprechend hat Texter und Sänger Gerrit P. Mutz seine Lyrik mehr auf antichristlich geeicht, was den Jungs (und nicht nur denen) gut zu Gesicht steht.
Bevor ich hier vor lauter Lobhudelei noch einen grauen Zopf bekomme - die Süddeutschen haben sich musikalisch geändert und sind sich selbst doch mehr als treu geblieben. Wie immer eine gewohnt starke Platte aus dem Hause SACRED STEEL. 10 von 10
THOMAS

DARK FUNERAL
"De profundis clamavi ad te domine
 - Live In South America 2003"
Erschienen: 2004
Label: Regain Records
Homepage: www.darkfuneral.se
DARK FUNERAL - De profundis clamavi ad te domine - Live In South America 2003 On Air: "Hail Murder"
"Muchas gracias", ist der erschöpfende Spanisch-Wortschatz (und nagelt mich nicht auf die Schreibweise fest), den Emperor Magus Caligula zu bieten hat. Für ein Black-Metal-Konzert muß diese knappe Form der Korrespondenz mit dem Publikum allerdings ausreichen, denn wie würde es wohl rüberkommen, wenn zwischen den blitzschnellen satanischen Botschaften von DARK FUNERAL noch große Fremdsprachverrenkungen stattfinden würden? Also wird ununterbrochen aus allen Höllenschlunden Feuer gespeit, daß die ohnehin schon heiße südamerikanische Luft sich binnen kürzester Zeit zur Gluthitze verwandelt. Das ist sehr beeindruckend. Ebenso die Ausgelassenheit der Südamerikaner, speziell der Chilenen, Brasilianer (da hat Caligula sogar an ein portugiesisches "Danke" gedacht, ganz am Ende zu hören) und Kolumbianer, denn in diesen Ländern wurden die einzelnen Songs im September 2003 aufgezeichnet. Und die Typen sind trotz ihres frostigen Musik-Geschmacks durchaus temperamentvoll, was die permanenten "Daak Fuhnerall"-Chöre und "Ooooole-ole-ole-ole"-Fußball-Schlachtrufe belegen.
Stellt sich am Ende die Frage nach dem Sinn eines Live-Albums einer Black-Metal-Band, die ihre Songs quasi 1:1 herunterspielt. Musikhistorisch sicher völlig bedeutungslos, wird es zumindest den Fan freuen. Und solch ein Album erfüllt den Zweck, statt über einer öden "The Best Of"-Scheibe den Leuten eigentlich genau das zu bieten. Nur eben unter einem weitaus kreativeren Aspekt. Und mir hat es geholfen, DARK FUNERAL weitaus besser zu finden, als ich es für möglich gehalten hätte. Bisher war die Band als eher durchschnittlich durch meine Gehörgänge gefetzt. Einge der Highlights dieser Band allerding im Paket serviert zu bekommen, offenbart ein Schaffen, das sich besonders auf kompakte, griffige und vor allem gut nachvollziehbare Songs konzentriert. Und schon ist die Frage nach dem Sinn solcher Alben aufs vorteilhafteste für DARK FUNERAL beantwortet. Denn künftig lausche ich dieser Band mit weitaus mehr Wohlwollen. 8 von 10
JUB

LANIENA MENTIS
"Turn Into A Man"
Erschienen: 2003
Label: Nice To Eat You
Homepage: www.lanienamentis.fbi.cz/Pages
LANIENA MENTIS - Turn Into A Man On Air: "I Help The Truth To Born"
Daß die Tschechen eh nicht mehr alle Früchte am Strauch haben, bewiesen schon diverse geile Kaputtnik-Bands aus dem Land des Knödels und des billigen Bieres. In diesen illustren Zirkel aus Grind- und Death-Metal-Bands der speziellen Art reihen sich nunmehr auch die Herren von LANIENA MENTIS ein. Auf "Turn Into A Man" wird, im Großen und Ganzen, stumpf geböllert. Allerdings nicht in den abgrundtiefen MORTICIAN-Regionen. Das Schlachtebeil kreist zwar fröhlich hin und her, doch die Songs haben so etwas wie Struktur. Ab und zu haben die Tschechen sogar richtig scharfe Riffs am Start. Doch damit nicht genug. Es wurde für Sologitarren sogar ein Studiogast eingeladen. Dieser hört auf den Namen Michal Filipi und zockt sonst bei FLESHLESS. Seine Leads hauen einen zwar nicht um, doch einen aufhellenden Farbtupfer können sie im LANENIA-MENTIS-Sound dennoch setzen. Auch bei den Texten haben die Musiker keinen Schnellschuß abgeliefert. "Turn Into A Man" wartet mit Wortgewandtheit und schwarzem Humor auf. Die Platte läßt sich wahrscheinlich nur von Die-hard-Death/Grind-Fans am Stück durchhören, da auf Eingängigkeit im allgemeinen ein feuchter Kehricht gegeben wurde. Doch diese sollten an "Turn Into A Man" ihre Freude haben. 6 von 10
THOMAS

LIFE OF AGONY
"River Runs Again: Live 2003"
Erschienen: 2003
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.lifeofagony.com
LIFE OF AGONY - River Runs Again: Live 2003 On Air: "This Time"
Eine eigentümliche Band mit eigentümlicher Musik ist zurück. Als Crossover-Act gehandelt, hatten LIFE OF AGONY für meine Begriffe immer ein bißchen was von TOOL. Oder TOOL was von LOA? Das kann man halten wie man will. Jedenfalls präsentiert dieses Live-Doppel-Album Songs aus ihrer gesamten Schaffensphase seit 1993. Obendrein kann das hier aufgezeichnete Konzert aus dem Januar 2003 als Startschuß einer zweiten Karriere gewertet werden, denn LOA hatten sich 1999 ja bekanntlich aufgelöst. Zusätzlich gibt es auf dem Doppeldecker noch drei Bonus-Tracks, die einen Einblick in Seiten-Projekte der LOA-Musiker geben. Einmal Keith Caputo solo, dann AMONG THIEVES mit Basser Alan Roberts und SUPERMASSIV mit Schlagzeuger Sal Abruscato. Alles eine Baustelle zwischen schwermütigem Alternative und New Metal. 6 von 10
JUB

SAINTSBLEED
"Twisted Truth"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.saintsbleed.de
SAINTSBLEED - Twisted Truth On Air: "Path Of The Warrior"
Verdammte Axt! Deutschlands Underground speit nach wie vor immer noch wahre Perlen in Sachen Heavy-Metal-Musik aus. SAINTSBLEED aus Vellberg erfinden zwar das Rad nicht neu, können aber mit vier bärenstarken Songs überzeugen, die allesamt erstklassig arrangiert worden sind. Die Tempowechsel kommen schön fließend und unterbrechen das Feeling der Song in keinster Weise. Die Melodien sind klassisch und hätten auch von den legendären Helden der frühen 80er Jahre erdacht worden sein können. Daß sich SAINTSBLEED wohlwollend von den meisten Italo-True-Metal-Parodiekapellen abheben, liegt aber nicht nur im starke Songmaterial begründet, sondern auch an der markanten Stimme von Sänger und Gitarrist Sasch Menschl. Etwas nasal bei gemäßigten Passagen hat er in den schwungvollen Momenten einen leicht leidgeplagten Touch in seinem Organ. Das sorgt dafür, daß seine Stimme einen hohen Wiedererkennungswert bekommt. SAINTSBLEED konnten auf ganzer Linie überzeugen, und die Mini-CD macht definitiv Bock auf mehr. 9 von 10
THOMAS 

FROST
"Raise Your Fist To Metal"
Erschienen: 2003
Label: Sanctuary/Noise
Homepage: www.sevenwitches.net
FROST - Raise Your Fist To Metal On Air: "The Man I Am"

Meine Herren, gehen einem diese Songs am Arsch vorbei. Das hat mich dann doch erheblich überrascht. Erst einmal muß ja festgestellt werden, daß Jack Frost mit seiner Arbeit in Bands wie SAVATAGE, SEVEN WITCHES, METALIUM und BRONX CASCET CO. sich einen doch beachtlichen Namen als souveräner Gitarrist erspielen konnte. Wenn Not am Mann war - Jack Frost war zur Stelle und lieferte einen tadellosen Job ab. Soetwas läßt auf die Qualität des Solistischen hoffen. Erst recht, wenn sich auf dieser "Raise Your Fist To Metal" betitelten CD solche Leute wie Gonzo Sandoval (ARMORED SAINT, LIFE AFTER DEATH), Joey Vera (ARMORED SAINT, FATES WARNING), Billy Childs (BRITNY FOX), Mike LePond (SYMPHONY X), Harry Hess (HAREM SCAREM) Rob Rock (IMPELLITTARI, WARRIOR, AXEL RUDI PELL) - um nur einige zu nennen - die Ehre geben. Da erwartet man - wenn nicht einen Meilenstein, so doch einen Oberknaller. Und dann sind die Songs sämtlichst in einer Art, als wären sie für Alben der hier aufgezählten Bands durchs Raster gefallen. Kaum eingängige Refrains, ganz wenige gutartige Melodien. Das Riffing von olle Jack ist hier und da ganz nett, läßt die Fist aber zu keiner Zeit zum Metal raisen. Das alles verwundert umso mehr, als daß hier alle Beteiligten irgendwie bei den Kompositionen mitgemischt haben sollen. Entweder haben die alle irgend welche Reste verwertet oder viele Köche verderben den Brei. 4 von 10
JUB

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