An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 18. Februar 2003


MARTY FRIEDMAN „Music For Speeding“ 10
Marty Friedman/Mascot Rec., 2003

Marty Friedman - Music For Speeding

Eigentlich könnte man meinen, daß auf den Solo-Alben der unzähligen Gitarren-Helden in der Heavy Metal-Szene alles gesagt ist. MARTY FRIEDMAN hat mich eines besseren belehrt. Diese „Music For Speeding“ ist definitiv eine der besten Instrumental-Scheiben, die ich je gehört habe. Friedman hat zuallererst sehr songdienlich gearbeitet. Die Stücke sind zum größten Teil straighte Heavy Rocker, in denen die Rhythmus-Gitarren-Arbeit ein wesentliches Standbein ist und ungeniert zum Bangen auffordert. Trotzdem findet der Ex-Megadeth-Gitarrist Räume für kleine brillante Solo-Ausflüge, die immer 100prozentig plaziert sind, jedes Stück bereichern und rund machen. MARTY FRIEDMAN hat jedes einzelne Stück auf seiner CD mit soviel Hingabe und Ideen erarbeitet, wie manch eine Band nicht auf einem Album einzubringen weiß.
Interessant übrigens der dramaturgische Aufbau von „Music For Speeding“. Während uns der Ami in der ersten Hälfte der Scheibe vor allem das schwermetallische Brett liefert, wird es in Teil zwei pompös, verschroben, balladesk, ungewöhnlich. Aber weiterhin immer aufregend.
MARTY FRIEDMAN markiert die neue Generation der Gitarren-Helden. Während die Leute aus den 80ern (Steve Vai, Joe Satriani zum Beispiel) auf ihren Alleingängen zwischen Melodic Metal und Progressive Rock pendelten oder wie Yngwie Malmsteen ständig auf den Gitarrenhals masturbierten, zeigt Friedman deutlich, daß er einst in Bands spielte, die heftigen Metal-Spielarten frönten, wo es nicht vor allem darum ging, sich bei Live-Auftritten ständig in den Gitarrensaiten zu spiegeln.
Und was dieses Album schließlich endgültig unwiderstehlich macht und eigentlich einen elften Bewertungspunkt herausforderte, würde es ihn geben, ist MARTY FRIEDMANS permanente Referenz an Brian May von Queen. Nicht nur, daß Marty immer wieder Passagen spielt, die schon 1975 in jedem Queen-Song hätten auftauchen können, nein, er hat in solchen Momenten sogar den unverwechselbaren Queen-Gitarren-Sound in petto. Einfach bezaubernd.
„Fuel Injection Stingray“/“Gimme A Dose“/“Cheer Girl Rampage“

JUB

THE JEFF AUSTIN PROJECT "Go Big Or Stay Home" 6
Frontiers Rec./XIII Bis Rec./Now&Then/Point Music, 2002

The Jeff Austin Project - Go Big Or Stay Home

Schlagzeuger und Keyboarder JEFF AUSTIN ist mit seinem Projekt warscheinlich das Bindeglied zwischen dem Härtegrad einer Band wie etwa Aerosmith und dem pompösen Anspruch einer Band wie Boston. Schlittert also geradeso an der Mainstreamradiokompatibilität vorbei und dürfte dennoch Stadien füllen, da seine Lieder recht eingängig sind. Doch bei alledem fehlt den Sachen, die er auf der CD unterbrachte, das letzte Fünkchen Drive, das Salz in der Suppe, um aus dem netten Tralala richtige Hits zu machen.
Also weder Fisch noch Fleisch aber auch nicht wirklich schlecht.
"I'm A Fighter"

THOMAS

THE ALMIGHTY PUNCHDRUNK „Music For Them Asses“ 9
Virusvorx Rec., 2002

The Almighty Punchdrunk - Music For Them Asses

Wenn man im Zusammenhang von CD-Produktionen den Namen Devin Townsend liest, denkt man mittlerweile zuallererst an Industrial-Lärm-Orgien und exzentrische Elektronik-Spielereien. Und die schlichte mit einem Unternehmens-Logo verzierte Verpackung der THE ALMIGHTY PUNCHDRUNK-CD „Music For Them Asses“ tut da ihr Übriges. Allerdings - und das sei ruhig vorweggenommen - haben wir es hier mit einer Band zu tun, die in brachialster Form Musik irgendwo zwischen Death Metal, Grindcore, Hardcore und Crossover fabriziert. Dabei dürfte die Death/Grind-Komponente die ausschlaggebendste sein. Allerdings klingen durchaus ein paar Hardcore-Harmonien an (in „Rotter“ und „Reject Radio“zum Beispiel) oder wird auch mal wie in einem hip hoppigen New Metal/Crossoverstück stakkatohaft gesprochen („Rancho Relaxo“). Wer die beiden letzteren Dinge nicht so mag, sollte sich nicht abschrecken lassen, kann man die bei den 16 Songs auf dieser CD doch getrost als kleines Abwechslung schaffendes Stil-Element betrachten. Es würde ja auch niemand die Finger von THE ALMIGHTY PUNCHDRUNK lassen, nur, weil sie in „Tug The Tapeworm“ eine winzige Country-Passage eingebaut haben.
Großer Fan dieser kanadischen Band war seit Jahren - Gründungsjahr 1996 - Strapping Young Lad-, Dark Angel-, Death- und Testament-Schlagzeuger Gene Hoglan. Irgendwann soll er mal durchblicken lassen haben, wenn die Jungs einen Drummer suchen würden, er wär dabei. Jetzt ist er es und spielte mit den Rüpeln deren Album Nummer zwei ein.
„Tug The Tapeworm“/„Stink Food“

JUB

BRAINLESS "Reality Hurts" 1
Black Arrow/Point Music, 1999

Brainless - Reality Hurts

Bei BRAINLESS haben wir es mit ganz ausgeschlafenen Burschen zu tun. Denn sie setzten sich textlich mit dem alltäglichen Wahnsinn auseinander wie dem bevorstehenden Dritten Weltkrieg, korrupten Politikern, Handel mit verseuchten Blutkonserven und - natürlich - Rechtsradikalismus. Verpackt wird das in Schulenglisch und Lindenstrassendramatik. Das die Texte dabei vor Klischee und Ausdruckslosigkeit nur so triefen, dürfte klar sein. Musikalisch gibt es mal mehr mal weniger überzeugend dargebotenen Allerwelts-Thrash und Hardcore-Anleihen, die sich vor allem im stark limitierten Gesang bemerkbar machen. Tut mir leid, aber für jammernde Weltverbesserer, die sich von den gemachten Meinungen der Axel Springer-Medien beeinflussen lassen ("Murderer"), hatte ich noch nie viel übrig. www.brainless.infodietersimon47@aol.com
"Murderer"

P.S. Nach der Sendung erreichte uns eine Information eines ehemaligen BRAINLESS-Musikers, daß sich die Band bereits aufgelöst hat.

THOMAS

NECROPHOBIC „Bloodhymns“ 9
Hammerheart Rec., 2002

Necrophobic - Bloodhymns

Eigentlich braucht man bei dieser Band nicht viele Worte verlieren. Diese schwedische Band spielt akkuraten Death Metal der alten (schwedischen) Sorte. Dabei handelt es sich allerdings nicht etwa um Retro-Zeug. NECROPHOBIC existieren schon seit 1989 und haben diese Musik von der Pike auf gelernt und jedes Gitarren-Riff aufgesogen wie ein Tampon das Blut. Daß die Band hier und da black-metallische Harmonien mit einfließen läßt, ist nur recht und billig und gibt der Musik eine ganz spezielle Note. Da werden Passagen melodiöser als sie im Korsett des Death-Riffing geklungen hätten.
NECROPHOBIC machen fast durchgehend Lack und legen nur die ein oder andere Pause ein, um den Ölstand zu überprüfen. Alles okay - und weiter geht’s: Tacktacktack. Bezeichnend zum Beispiel „Shadowseed“. Der Song beginnt wie ein hittauglicher Ohrwurm, geeignet zum arglosen Mitpfeifen, und bekommt wenig später doch noch einmal eine harschen Aggressions-Schub. Anspieltip soll hier aber „Mourningsoul“ sein. Wer solch ein Gebretter mit Wonne genießt, dem geht bei NECROPHOBIC voll einer ab.
„Mouningsoul“ (5)

JUB

RE-VISION "Longevity" 8
B.Mind Rec./Connected, 2001

re-Vision - Longevity

Nicht mehr ganz taufrisch ist die Veröffentlichung "Longevity" der Band RE-VISION. Fans solcher Bands wie HIM oder Sentenced sollten sich diesen Namen schon mal vormerken. Denn ähnlich wie bei diesen finnischen Supergruppen, die eine musikalisch, die andere kommerziell gesehen, gibt es auf dieser fünfzehn Titel umfassenden CD schwermütige Momente und mollige Melodien, die durchaus zu gefallen wissen. Doch das ist nur eine Seite von RE-VISION. Die Deutschen können auch anders. So kommen an Nevermore erinnernde Gitarrenwände und Arrangements genauso zum Tragen und bieten zu der melancholischen Grundstimmung ein gutes Gegengewicht ("Thorns"). Bei "Nair" kommen noch ein paar weibliche Chorgesänge zum Einsatz und runden den mit einer recht poppigen Gesangsmelodie versehenen potentiellen Hit ab.
Ein weiterer herausstechender Song ist "Blood Of The Sun". Vom Grundgerüst her kam mir sofort Moonspells "Opium" als Vergleich in den Sinn, welches mit dem arabischen Flair einer Band wie etwa Mezarkabul gekreuzt wurde und sich zu einem richtigen Ohrwurm mausert.
Unterm Strich eine starke Platte einer vielversprechenden Band.
"Thorns"

THOMAS

MARBLE ARCH "Another Sunday Bright" 9
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Marble Arch - Another Sunday Bright

Wieder so eine Band im weiten Feld zwischen HIM und Sentenced? Oberflächlich betrachtet sicher. Allerdings sind MARBLE ARCH nicht nur eine der besseren Gothic-Kapellen, sondern haben mit ihrem Hang zum Brit Rock eine spezielle Note in ihrer Musik, die das Ganze um wesentliche Elemente bereichert. Hört nur "For Real" oder "The Inmost" - jede dieser halbgewalkten Studenten-Kapellen wäre dankbar, auch nur Sekunden dieser Songs im eigenen Fundus zu wissen. Und natürlich bieten MARBLE ARCH den Stoff von "Another Sunday Bright" in jener Härte dar, wie sie einem Headbanger noch genügt und einem sensiblen Gemüt noch erträglich ist. Der Mittelweg der Schweden ist perfekt.
Erwähnen möchte ich unbedingt Sänger Johan Wadelius, der mit seiner zwar klaren aber äußert kräftigen, vordergründigen Stimme in beinahe jedem Song Achtungszeichen setzt. Manchmal erinnert er gar an Justin Sullivan von New Model Army, auch wenn Johan dessen rauhe Töne fehlen.
Müßig zu erwähnen, daß "Another Sunday Bright" vor Hits zu platzen scheint. Neben genannten Nummern seien hier noch unbedingt der Opener und "Dead Air" erwähnt.
"The Inmost"

JUB

STEELPREACHER "Route 666" 9
Eigenproduktion, 2002

Steelpreacher - Route 666

STEELPREACHER ist die Band, die sich aus der Asche der schon einmal bei uns vorgestellten Claymore erhob. Schon damals begeisterten die Jungs um Mainman Steelpreacher mit ihrer lockeren und frischen Art und Weise, geile Metal-Klopfer trotz eher schlechten Sounds zum Besten zu geben. Was ist also heute anders? Nun zum einen fällt die professionelle Aufmachung der CD auf. Wo früher ein Computerausdruck ausreichte, gibt es heute ein achtseitiges Booklet mit Fotos, Texten und einer kultigen, weil äußerst klischeehaften Zeichnung als Cover. Auch ist der Sound um Klassen besser als noch zu Claymore-Tagen. Gleich geblieben ist die unverrückbare Hingabe und Leidenschaft am Heavy Metal, will heißen, jeder Titel hat Namen, die auf die Musik passen wie die berühmte Faust aufs Auge. Beispiel gefällig? Los gehts: "Metal Till Death", "Story Of Steel", "Metalforces", "Fire And Steel" und so weiter und so fort. Was kann diese Band also anderes spielen als lupenreinen, pfeilschnellen Heavy Metal, der zu keiner Sekunde auch nur einen Funken Fremdbeeinflussung durch etwaige andere moderne Stile zuläßt. Aus der Claymore-Konkursmasse haben die Jungs clevererweise die beiden Hits "Messengers Of Steel" und "Route 666" herüber in die neue Band gerettet. Bei "Messengers Of Steel" gibt es noch eine kleine aber witzige Hommage an Manowars "The Warriors Prayer"-Geschichte. Der Junge: "Grandfather, tell me a story!" Großvater: "No!". STEELPREACHER machen Spaß, und wer das anders sieht, ist warscheinlich ein alternativer Ökohippie oder Baggypants tragender rastabärtiger New Metaller. Basta! www.steelpreacher.de
"Metal Till Death"

THOMAS

SIRENS "Global Killers" 8 (BANDS BATTLE-BAND 2003)
Eigenproduktion, 2001

Sirens - Global Killers

Eins steht schonmal von vornherein fest. SIRENS ist eine Band, die polarisiert, die man entweder hassen oder lieben kann. Denn der in Ansbach heimische Idealist, Vordenker, Sänger, Multiinstrumentalist und Verfechter des Heavy Metal-Reinheitsgebotes, Dragon Power, läßt auf "Global Killers" wirklich kein Klischee aus, welches in den 80ern geprägt wurde. Das Booklet ist reichhaltig bebildert und gibt einen kleinen Einblick in die Liveaktivitäten der vier Musiker: Schwerter, Leder, Nieten und an Ketten umhergeführte Frauen sind die Elemente, mit denen SIRENS ihrem Publikum einheizen. Dragon Power covert "Children Of The Damned" von Iron Maiden und zieht sich dabei achtbar aus der Affäre. Die Eigenkompositionen sind größtenteils im Midtempo gehaltene Metalstampfer mit einem Schuß Dramatik und haben mitunter recht ansprechende Gitarrensoli. Jedoch ist die Stimme Dragon Powers recht geschmacksabhängig und dürfte das hauptausschlaggebende Element in Eurer Hop- oder Top-Bewertung sein. Ansiedeln kann man ihn irgendwo zwischen Blaze Bailey und einem (stimmlich) tiefer gelegten Rob Halford, allerdings nicht ganz auf Profi-Niveau. Anerkennen muß man Dragon Power aber, mit seiner neuen Veröffentlichung wirklich "value for money" zu bieten. Neben der regulären CD mit über 66 Minuten Spielzeit in gutartigem Soundgewand liegt noch eine "Best Of"-CD bei mit Coverversionen, unter anderem von A-ha, Livegeschichten und ähnlichem. Übrigens gibt es auf der Haupt-CD noch eine kultige Version von Scott McKenzies "San Franzisco" zu hören. Interessenten können mit Dragon Power unter folgender Addresse in Kontakt treten:sirens@gmx.dehttp://www.sirens.de
"Renegade"

THOMAS

SULPHER „Spray“ 8
Dependent/SPV, 2002

Sulpher - Spray

Ein schlauer Musik-Journalist der Spätsechziger sagte im Zusammenhang der erstarkenden Heavy Metal-Szene einmal: „Jede Generation bekommt die Musik, die sie verdient.“ Sicher hat er das damals mit Bestürzung bemerkt und nicht registriert, daß die Generationen sich ihre Musik ja selbst erschaffen. Und so ist natürlich der Sound einer Band wie SULPHER genau jener Soundtrack, den die Leute zwischen 15 und 25 in Großstadtschluchten, in gigantischen Konsum-Tempeln, im Rausch des Körper- und Klamotten-Kults, Fast Food fressend und sich immer mehr isolierend brauchen. SULPHER sind die Hintergrund-Musik einer im Technikwahn kolabierenden Gesellschaft, sind zu Melodie gewordene Computer-Geräusche, die in den Gitarrenwänden in einer alles zerstörenden Detonation kulminieren. Nicht immer trifft der Begriff Industrial so den Inhalt einer CD wie bei „Spray“. Und zu allem Überfluß haben die britischen Newcomer die gesichts- und herzlose Kälte ihrer Umwelt so intensiv erfahren, daß sie ohne Probleme sämtliche Facetten ausreizen, die Industrial Metal zu bieten hat. Lediglich bei „Unknown“ und „Spray“ scheint die Band Hörgewohnheiten á la Nine Inch Nails und Ministry erfüllen zu wollen. Der Rest ist äußerst originell.
„Misery“

JUB

BLUTTAUFE "Mein Fleisch An Deinen Lippen..." 7
Christhunt Prod./Connected, 2000

Bluttaufe - Mein Fleisch An Deinen Lippen...

Aber Hallo, auf "Mein Fleisch An Deinen Lippen" regiert der Bleifuß. Roh und ungeschliffen krachen 80er Jahre Teutonen-Thrash-Riffs durch die Boxen und bringen das Holz zum bersten. Dabei wird der Einfluß des räudigen Black Metals nie verheimlicht. Daß diese Kombination funktioniert, haben schon unzählige Bands vorher bewiesen. Doch BLUTTAUFE geht es nicht um Innovation, sondern vielmehr um das Zelebrieren garstigsten Hasses, musikalisch und textlich gleichermaßen. Die in der Muttersprache verfaßten Texte sind im Gegensatz zu vielen anderen Buchstabenunfällen sehr ansprechend geschrieben und bringen es fertig, im Kopf düstere Bilder entstehen zu lassen. Dennoch hat diese Scheibe einen leicht bitteren Beigeschmack, da sie auf die Dauer etwas eintönig wird. Aber das ist nur mein persönliches Empfinden. Ansonsten, Daumen hoch für BLUTTAUFE. hefeweizen@bluttaufe.comwww.bluttaufe.comwww.thrashing-war-metal.de
"Glorifizierung Der Vergangenheit"

THOMAS

THE EQUINOX OV THE GODS „Where Angels Dare Not Treat“ 7
Virusvorx Rec., 2002

The Equinox Ov The Gods - Where Angels Dare Not Treat

Außergewöhnlich. Wirklich sehr außergewöhnlich, diese schwedische Band mit Namen THE EQUINOX OV THE GODS. Und glaubt nicht, Ihr hättet es hier mit Newcomern zu tun. Diese Gruppe gibt es bereits seit 1990 und sie legt mit „Where Angels Dare Not Tread“ bereits das dritte Album vor.
Die Grundstimmung auf dem Album ist eine sehr düstere. Das schaffen nicht nur die getragenen Gothic-Nummern oder die gruftigen Keyboard-Passagen, sondern vor allem das üble Organ von Sänger Fredrik Wallin, der tatsächlich an Tom Waits erinnert. Die Songs sind nicht darauf versessen, ständig durch Moll-Akorde Gänsehaut zu erzeugen. Vielmehr werden dämonische Geschichten erzählt, die nicht selten etwas Theatralisches haben. In den Stücken „The Nameless City“, „The Lake“ und „The Temple Ov The Worms/Tombworld“ wird das für meine Begriffe etwas übertrieben. In solchen Momenten bekommen die Melodien eine Kurt Weillsche Schlagseite und werden den in Musikgeschichte Bewanderten durchaus an Musik aus der „Dreigroschen-Oper“ erinnern. Wie gesagt, das ist vielleicht nicht jedermanns Sache aber auf jeden Fall außergewöhnlich.
„... For The Scarecrow“

JUB

THE KOVENANT "In Times Before The Light" 4
Hammerheart Rec., 2002

The Kovenant - In Times Before The Light

Bei dieser CD handelt es sich um die Wiederveröffentlichung des Debüts der Norweger. Doch es ist nicht nur eine reine 1:1-Neuauflage der '95er Scheibe, sondern vielmehr wurde sie noch einmal neu abgemischt und remixed. Heißt, daß die Songs die selben geblieben sind, nur mit dem Unterschied, daß sie viel mehr Elektronikspielerei und Effektballast mit sich rumschleppen. Das macht die Lieder nun wirklich nicht besser. Denn andauernd nudelt ein Keyboard in verschiedenen Sounds vor sich hin, und der Rest der Musik windet sich um eben diesen Klimperschwulst, der klingt als hätten sich die Jungs im kompositorischen Papierkorb solcher Bands wie Cradle Of Filth, Therion und Dimmu Borgir mit halbgaren Notizen versorgt und in einer Techno-Disco zu härterer Fahrstuhlmusik zusammengeschraubt. Dazu wurden noch ein paar inspirationsfreie Vocal-Passagen durch einen Verzerrer gekreischt, und Hellhammer hat zwischen seinen Mayhem- und Arcturus-Terminen nochmal schnell vorbeigeschaut, um sich bei THE KOVENANT schlagzeugtechnisch noch etwas warmzuspielen. Nun, zugegeben, ein paar gute Stellen hat diese CD schon. Zum Beispiel wenn der Metal-Anteil etwas mehr zum Tragen kommt und einige recht geile Speed-Passagen durch das schummrige Kirmesgeorgel durchbrechen. Dann kann man wie in "Through The Eyes Of The Raven" durchaus hochwertige Melodieriffs vernehmen. Doch die Scheibe retten, das können sie nicht. "In Times Before The Light" ist auf künstlerisch anspruchsvoll getrimmte Substanzlosigkeit, denn sie klimpert und säuselt vor sich hin, ohne Akzente zu setzen. Ob sich die Band damit einen Gefallen getan hat, ist fraglich.
"Visions Of A Lost Kingdom"

THOMAS

MECCA „Mecca“ 9
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2002

Mecca - Mecca

Wenn am Firmament des US-Melodic Metal eine neue Band auftaucht, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß es sich wieder einmal um das Projekt gestandener Musiker handelt, die nicht selten 20 oder 25 Jahre im Geschäft sind. Meist bieten diese Bands wirklich solide Melodic-Kost, ragen aber nicht wirklich heraus. Mit MECCA haben wir es auf jeden Fall erst einmal wieder mit solch einer All-Star-Band zu tun. Wie anders soll man eine Zusammenführung von Leuten wie David Hungate (bg), Mitbegründer von Toto, Sänger Fergie Frederiksen, einst ebenfalls bei Toto, oder Sänger Joe Vana, Jim Peteriks World Stage-Frontmann, sonst nennen. Und wenn solche Leute im Verbund mit Peterik - dem wohl bedeutendsten Melodic Metal- und Melodic Rock-Komponisten der USA - Songs schreiben, können die nicht nur Durchschnitt sein. Und das sind die zehn Sachen auf dem MECCA-Debüt bei weitem nicht. Diese Scheibe ist eine Lehrstunde für alle jungen Melodic-Musiker, die es schaffen möchten. Denn es genügt längst nicht mehr, eine zurückhaltende Strophe von einer eingängigen Refrain-Melodie abzulösen, dabei radiotauglich unhart vorzugehen und leicht nachsingbare banale Texte zu schreiben. Man höre von MECCA nur „Without You“, dieses Stück hat nicht diese typische Allerweltsstruktur und ist doch durch und durch ein Überhit. Wie so manch ein anderes Stück auf dieser CD auch. Selbst die Balladen „Close That Gap“ und  „Silence Of The Heart“ gehören auf der Liste der großen Songs in die Spitzenregion. Selbst Mainstream-Vorwürfe kann man bei MECCA nicht gelten lassen. Denn nicht eine Melodie ist platt genug, um einfach nur wie ein Kinderlied nach dem ersten Durchlauf stumpfsinnig mitgeträllert zu werden. Joe Vana und Fergie Frederiksen liegen stimmlich zwar in einer Schublade, können durch ihre Eigenheiten trotz allem den einzelnen Stücken spezielle Noten verpassen.
Für Melodic-Fans ist diese CD ein Muß.
„Without You“

JUB

DEEP INSIDE MYSELF "At A Late Hour" 7
Silverdust Rec., 2002

Deep Inside Myself - At A Late Hour

Ziemlich nachdenkliche und schwermütige Musik kommt aus dem Hause DEEP INSIDE MYSELF. My Dying Bride-artige Riffwalzen rollen durch die Lieder und treffen dabei auf Tristesse verbreitende Keyboards und eine meistens in klaren Ebenen angesiedelte Singstimme, die aber durchaus mal zu der eines garstigen Tieres mutieren kann. Dazu schwelgt eine fragil anmutende Harmoniegitarre in schmerzlichen Erinnerungen, um dann wieder zornig zuzupacken. Spielerisch interessant und abwechslungsreich gestaltet, bietet diese CD nur Angriffsfläche in Form der etwas zu zahm geratenen klaren Gesänge, die stellenweise etwas Collagerock-mäßiges haben. Fans von My Dying Bride, Lacuna Coil oder Graveworm sollten aber in jedem Fall ein Ohr riskieren, da es sich bei "At A Late Hour" um eine konkurrenzfähige Platte handelt.

THOMAS
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