An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

INTERREGNUM am 18. März 2003

(Overkill-Interview)


OVERKILL "Killbox 13" 9
Spitfire/cmm, 2003

Overkill - Killbox 13

Tja, die alten Zeiten sind wohl oder übel ein für allemal vorbei. Wer das Interview mit Blitz auf unseren heiligen Seiten gelesen hat der weiß warum. Fortschritt ist alles und Wiederholungen nichts so lautete das Urteil Blitz’ auf die von uns geäußerte Meinung, daß OVERKILL ihre stärksten Momente auf ihren ersten vier Alben ausspielten. Die New Yorker Thrashveteranen besinnen sich eindeutig auf die Zukunft und sind es leid, immer wieder an "Taking Over" oder "The Years Of Decay" gemessen zu werden. In Ordnung, akzeptiert. Begraben sind die Träume, irgendwann mal wieder brandneue Songs vom Schlage "Rotten To The Core", "Elimination", "Deny The Cross" oder "Hello From The Gutter" zu Ohren zu bekommen. Aus diesem, die neuen Scheiben stets mit den alten Heldentaten vergleichenden Blickwinkel betrachtend, waren die Scheiben der Neunziger immer etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar gab es immer mal wieder Platten, die etwas besser waren ("W.F.O.", "The Killing Kind") als die schwächelnden Werke "Necroshine" oder "I Hear Black", aber es fehlte immer noch das gewisse Etwas, um gänzlich aus dem Häuschen zu geraten wie einst. Doch alles Lammentieren hilft nichts. Betrachten wir OVERKILL als neue Band, die stets versucht, mit ihrem Sound am Puls der Zeit zu liegen ohne ihre Thrash-Roots zu verleugnen. Und siehe da, aus dieser Perspektive zündet "Killbox 13" viel besser als anfangs angenommen. Der Opener "Devil By The Tail" besticht durch einen wuchtigen Midtempo-Groove und weist einen kurzen, zähflüssigen Refrain auf, welcher sich bereits beim ersten Hören im Kopf festsetzt. Ähnlich schleppend aufgebaut ist auch "Crystal Clear" bei dem die fünf Musiker inklusive Neuzugang Derik Tailer fast schon in Crowbar-Gefilde abdriften. "The Sound Of Dying" ist durch seinen Refrain fast schon als Hit zu bezeichnen. Spätestens hier sollte dem Hörer auffallen, wie hervorragend der Gesang von Blitz diesmal ausgefallen ist. Er klingt, als wäre er immernoch Mitte zwanzig und hätte nie einen Schlaganfall erlitten. Mr.Ellsworth singt, faucht und schreit sich durch die neuen Songs, daß es eine wahre Freude ist, ihm zu lauschen. Doch nicht nur der Gesang ist spektakulärer als auf den Vorgänger-Platten. Auch die Riffs, welche sich Dave Lynsk und Derek Tailer aus den Ärmeln schütteln, sind bärenstark. Sie sind irgendwie... old schoolig. Ja, richtig. Das ist es, das spezielle Etwas, welches all die Jahre fehlte. Hört nur mal den Mittelteil von "Struck Down", es schimmern gar "The Years Of Decay"-Zitate durch. Sollte etwa der Bruch mit der Vergangenheit beim Hören der CD der Schlüssel zur Wiederentdeckung der Qualität der Musik OVERKILLs sein? Sind OVERKILL mit ihrem starren Blick nach vorn unbemerkt einmal im Kreis und unbemerkt back to the roots gegangen? Oder hat der Wechsel der Gitarristen den schon leicht mit Rost besetzten Kreativitätsmotor der Band wieder in Gang gebracht? Fakt ist jedenfalls, daß der Tatsache, daß Blitz und Co., nachdem er bei uns die Zukunft und den Fortschritt beschwor, mit der stärksten, weil old schooligsten Platte seit langem aufwartet, eine gewisse Ironie innewohnt. Wie auch immer, "Killbox 13" sollte für OVERKILL-Fans ein Grund sein, bei dessen Hören eine Kanne Pils aufzureißen und die wiedergewonnene Klasse der Band mit einem zufriedenen Grinsen und im Takt nickenden Köpfen zu würdigen.
"Devil By The Tail"/"Struck Down"/"I Rise"/"Unholy"
 

THOMAS


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