MANOWAR "Warriors Of The World"
6
Nuclear Blast, 2002
Nach sechs Jahren Funkstille bei
den Kings of Metal war nicht nur das Duo an den INTERREGNUM-Mikros gespannt
wie ein Flitzebogen auf eine neue Veröffentlichung aus dem Hause Wahnfried.
Nach der starken Vorab-Single "Warriors Of The World United" habe ich als
alter MANOWAR-Fanatiker die Stunden zur Veröffentlichung vom neuen
Geniestreich gezählt. Schon, ohne nur eine Note gehört zu haben,
den ersten Platz auf der Liste der besten Veröffentlichungen des Jahres
2002 reserviert für die Band, die wie keine andere Metalfans aus allen
Lagern eint. Jetzt hat das Warten ein Ende und ich muß sagen, das
Ergebnis ist durchaus ernüchternd. Doch alles der Reihe nach.
Der Opener "Call To Arms" ist genau
das, was man von MANOWAR erwartet hat. Eine Hymne ganz in der Tradition
von "Metal Warriors", simpler Beat, dramatische Melodie, kraftvoll und
erhaben zugleich. Ein Lied, zu dem man stolz erhobenen Hauptes über
die geschundenen Leiber seiner Feinde marschieren kann, ohne nach links
oder rechts zu sehen.
Die Worte "blood", "fight", "kingdom",
"steel", "glory" sowie "enemy" tun ihr Übriges, um dem Fan einen wohligen
Schauer über den Rücken zu jagen. "Call To Arms" ist ein unsterblicher
Gassenhauer mehr in MANOWARs Repertoire und zehn Punkte wert.
"Call To Arms"
Weiter geht es mit "The Fight For
Freedom". Ein Wort trifft es bei diesem Stück genau: Bombast - aber
volles Rohr. Piano-Einstieg, leiser Gesang von Eric, Glocken, Trommelwirbel
und Helden-Chöre imitierendes Keyboard. Beim Gitarrensolo glaubt man,
Ross The Boss an der Klampfe zu hören. Dennoch wird dieses recht schwülstige
Lied die Fans spalten. Sieben Punkte.
"Nessun Dorma" läßt die
ersten Fragezeichen über den Köpfen der entsetzten Zuhörer
metergroß erscheinen. Hä? Eric? Opernarien? Gut, Manowar machten
noch nie einen Hehl daraus, daß sie Klassikfans sind und viele Kompositionen
aus Joeys Feder haben einen klassisch-dramatischen Anstrich. "The Crown
And The Ring" sei nur ein Beispiel. Aber auch dieses Stück hatte Heavy
Metal-Appeal. "Nessun Dorma" hingegen überhaupt nicht. Als Experiment
ganz nett. Aber nach dem dritten Durchlauf überspringt man das Stück
automatisch. Punkte: drei.
Nummer Vier, "Valhalla", ist mehr
eine Zwischensequenz, an die sich das Stück "Swords In The Wind" anschließt.
Dieses ist einmal mehr ein getragenes, episches Stück über ein
Wikingerbegräbnis. Der Text ist mit Gänsehautgarantie versehen.
Die Melodie leider nicht. Hätte das Stück über eine verflossene
Liebschaft gehandelt, könnte man die Musik dafür stehen lassen.
Fünf Punkte.
Spätestens jetzt hätten
MANOWAR die Schwerter zücken und mit pfeilschnellen Schlachthymnen
ihre Feinde einen Kopf kürzer machen sollen. Doch das genaue Gegenteil
passiert. Mit "An American Trilogy" lassen die vier Waffenbrüder stark
an ihrem Geisteszustand zweifeln. Amerikanische Bürgerkriegslieder
werden mit Schwulst und Pathos butterweich intoniert, so daß der
Europäer nicht weiß, ob er lachen oder heulen soll. Quo vadis
MANOWAR?
"An American Trilogy"
Zwei Punkte. Beim siebenten Lied
"The March" sollte jetzt aber endlich die Luft brennen. Sollte. Macht sie
aber nicht. Sinnloses, weil keinen klaren Zweck erfüllendes Zwischenstück.
Einen Punkt. Dann das von der Single bekannte "Warriors Of The World".
Ergreifend, zeitlos, simpel aber prägnant. Ein Lied mit Ohrwurmgarantie.
Neun Punkte.
Dann endlich. MANOWAR zeigen die
Zähne. "Hand Of Doom" bringt als neuntes (!) Lied endlich den CD-Schacht
zum qualmen. Doublebass und jaulende Gitarren, bissige Stimme und gezielter
Einsatz von aggressiven Stakkatogitarren machen das Stück zu einer
Erlösung. Neun Punkte.
"House Of Death" versprüht
wieder den Charme, den die Scheibe "Kings Of Metal" ausmachte. Hysterische
aber meisterliche Schreie über Uptempo-Schlagzeug. Ruhiger, düsterer
Mittelpart und dann wieder Vollgas. Jaaaa!!! Endlich!! Neun Punkte. Nummer
elf, "Fight Until We Die", ist ein großartiger Rausschmeißer
(Neun Punkte) aus einem Album, von dem ich mir weitaus mehr versprochen
habe. War das 96er "Louder Than Hell"-Album schon eine etwas zwiespältige
Angelegenheit, so setzt "Warriors Of The World" noch einen drauf. Fünf
starke Lieder, der Rest mittelmäßig bis schwach. Für ein
besseres Album hätte ich gern noch ein Jahr Wartezeit in Kauf genommen.
Hoffentlich lassen sich MANOWAR nicht allzulange Zeit damit, diesen Fehlschlag
wieder gutzumachen. Ein Album von der Qualität wie "Hail To England"
wäre recht angemessen.
Der Durchschnitt aus den Einzelnoten
ergibt genau 6,4 Punkte. Halbe Sachen machen wir nicht. Also abgerundet
sechs Punkte. Für eine MANOWAR-CD eine mittlere Katastrophe.
"Fight Until We Die"
THOMAS
MANOWAR "Warriors Of The World"
4
Nuclear Blast, 2002
Aber "hallelujah" MANOWAR. - Metallica,
einst Thrash-Metal-Pioniere, balladierten eines Tages so herzerweichend
vor sich hin, daß selbst Boygroup-erprobtes Junggemüse dahinschmolz.
Ob Skateboarder, "Love Parade"-Schwuchteln oder die vollgepupte Jeanshose
im Knie, ob Wolle-Petry-Opfer oder Oasis-Jünger – man riß sich
deren CDs plötzlich aus den Händen.
Was das mit den Amis von MANOWAR
zu tun hat?
Welcher Headbanger hätte sich
in den schlimmsten Albträumen vorstellen können, daß die
nimmermüden Heavy-Metal-Prediger einmal "Glory, glory hallelujah"
intonieren würden. Und trotz Basser Joey DeMaios Faible für Richard
Wagner - auch eine Puccini-Arie ist durchaus MANOWAR-untypisch.
Ursache? Offenbar ein September-Trauma,
das mit "The Fight For Freedom" nur schlecht aufgearbeitet wird. Selbst
die Wikinger-Homage "Swords In The Wind" - ein Grabgesang. Wären da
nicht der starke Opener, das furiose Dreigestirn am CD-Ende sowie Chart-Stürmer
"Warriors Of The World United" - MANOWAR könnten sich die Haare schneiden
lassen. Aber Metallica waren ja auch nicht sofort eine Country-Band – ohne
den Teufel an die Wand malen zu wollen.
JUB
ARMISTICE "Hot On The Trail"
9
Point Music/Black Arrow, 2000
Halt die Frau fest! Die Achtziger
sind zurück. Nicht nur weil auf den Musiksendern permanent Hitkollektionen
aus dieser Ära feilgeboten werden. Nein, eher weil mit "Hot On The
Trail" von ARMISTICE ein Album vorliegt, das so sehr Retro ist, daß
selbst die ganzen schwedischen Retro-Thrash-Bands vom Schlage Guilloutine
oder Gehennah wie Trendies aussehen. Hielten sich letztgenannte immer an
die Vorbilder Kreator/Destruction/Sodom und wirkte ihre Art zu musizieren
sowie ihr Outfit und das dazugehörige Gepose mitunter recht verkrampft
und aufgesetzt, so gehören ARMISTICE nicht in die Patronen/Pudelfrisuren/Asi-Metal-Ecke
(Was sehr geil sein kann) sondern sind eher der Stretchjeans/Turnschuh/Lederjacken-Fraktion
zuzuordnen. Das schlägt sich auch in der Musik nieder. ARMISTICE versuchen
nicht auf Teufel komm raus "In The Sign Of Evil" zu kopieren, sondern setzen
eher auf packend und abwechslungsreich arrangierte Riff- und Leadgewitter,
die vor Spielwitz nur so strotzen. ARMISTICE haben die Götterscheiben
von Slayer, Exodus, Heathen und Anthrax sowie das dazugehörige Feeling
anscheinend wie ein trockener Schwamm in sich aufgesogen, mit ihren Vorstellungen
darüber, wie Thrash zu klingen hat, vermengt und lassen das Ganze
mit der völligen Ignoranz den Neunzigern gegenüber auf "Hot On
The Trail" wieder raus, als sei es die einfachste Sache der Welt. Ihr seht,
ich bin beeindruckt. Absolute Empfehlung. www.armistice.de,
stef@armistice.de
"Nuclear Breakdown"
THOMAS
DIE MY DARLING "Virulent"
1
Trisol/Sad Eyes/EFA, 2002
Eine der unsinnigsten und langweiligsten
Platten der letzten Zeit veröffentlichten jüngst die Marilyn
Manson für Arme von DIE MY DARLING. Ihre Musik ist sowas von nichtssagend
und uninspiriert, daß man tausend Dank demjenigen sagen möchte,
der die Skip-Taste am CD-Player erfunden hat. Tausend Dank nochmal. Größten
Teils synthetisch hergestellte Klänge mit dezenten Echtinstrumenten-Einsätzen,
die nachträglich auch noch verfremdet wurden - das können einige
Bands durchaus interessant gestalten. Ministry zum Beispiel machten daraus
ein totales Brett. Arcturus benutzen solche Elemente, um völlig durchgeknallt-geniale
Musik zu machen. Aber DIE MY DARLING machen für meine Begriffe einfach
nur Quatsch. Einschläfernd und belanglos. DIE MY DARLING gehören
zu den Bands, die glauben, daß das Outfit allein zum Erfolg führt.
Nach dem Motto: je peinlicher desto besser. Und so geben sich die Musiker
im Cover ihrer CD "Virulent" dermaßen der Lächerlichkeit preis,
daß es eher schon traurig, denn lustig ist. Lackklamotten, Netzoberteile,
Kajalstift, rot gemalte Lippen. Hauptsache die Frisur liegt. Mir ist schlecht,
ich mach jetzt Schluß.
"Waiting For Dawn"
THOMAS
STEFAN ELMGREN´S FULL
STRIKE "We Will Rise"5
Spitfire Rec., 2002
Warum fühlt sich jeder halbwichtige
Musiker, der in einer mehr oder weniger erfolgreichen Band spielt, gleich
zum Solokünstler berufen? Hammerfall sind zwar mittlerweile eine feste
Größe in der Szene - aber nur als Band. Wer kennt schon Stefan
Elmgren? Oder noch anders, wer braucht Soloplatten eines Gitarristen, der
nicht durch seine Spielweise, sondern durch eine Band groß wurde,
die zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle war? Nicht, daß
ich etwas gegen Elmgren hätte, denn seine CD "We Will Rise" ist handwerklich
nett gemacht. Aber sie ist nichts besonderes. Die Songs hauen keinen vom
Hocker. Denn sie klingen wie von Hammerfall abgelehnt. Der Sänger
Nicklas Johnsson hört sich sehr durchschnittlich und unspektakulär
an. Und Elmgrens Gitarrenarbeit ist solide aber nichts, was einem zum Staunen
bringt. Eine durchschnittliche CD eben.
"We Will Rise"
THOMAS
PERSONAL WAR "New Time Chaos"
7
Point Music/B.Mind Rec./Gernhart
Rec., 1999
PERSONAL WAR gehören zu der
Sorte Bands, welche schon vor dem Herbeireden des großen Thrash-Revivals
Thrash Metal spielten, also nicht auf einen fahrenden (?) Zug aufgesprungen
sind. Und wenn hier die Rede von Thrash Metal ist, dann meine ich nicht
Machine Head, Pantera und Co., sondern Anthrax, Testament und ähnliche
Bands. Also die Old-School-Abteilung. Das fängt beim Gesang von Gitarrist/Sänger
Metti an. Er errinnert streckenweise an einen Bastard aus Hetfield, Billy
und Belladonna. Die Musik ist eher im Midtempo-Bereich angesiedelt und
erreicht nur selten Exodus-Dimensionen. Das heißt, daß PERSONAL
WAR mehr darauf bedacht sind, gute Songs zu schreiben, statt wie vom Fuchs
verfolgt drauflos zu thrashen, bis die Splitter fliegen. Das sollten sie
aber ruhig mal probieren. Das mit den guten Songs schreiben klappt schon
ausgezeichnet.
"The Bag Of Bones"
THOMAS
DC 4 "Volume One" 6
Rising Sun/Zomba, 2002
Die Armored Saint-Recken Jeff Duncan
(voc./git.) und Joey Vera (produzierte) haben ein neues Süppchen am
Kochen. Duncan nahm seine Brüder Shawn und Matt sowie den mir bis
dato unbekannten Hyland Church in die neue Band und veröffentlichten
"Volume One". Dieses Album erinnert streckenweise an Armored Saint. Aber
nur ein paar Stücke werden diesem Vergleich gerecht. Der Opener "Playing
House" am meisten. Groovend und mit molligen Gitarren.
Jeff Duncan kann zwar John Bush
zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen, zieht sich gesanglich aber achtbar
aus der Affäre. Die nachfolgenden Stücke verfügen zwar über
eine starke Dynamik, dennoch ist das Songwriting so schwer zu greifen wie
ein Aal. Denn mit Wah-Wah-Gitarren und den manchmal grungig klingenden
Kompositionen machen es DC 4 dem Zuhörer schwer, zu verstehen, was
sie denn jetzt eigentlich sagen wollen. Doch aus diesem Wirrwarr blinkt
so manches Mal eine geile Melodie oder eine starke Passage hervor, so daß
man das Album weder verteufeln, aber auch nicht richtig gut finden kann.
Merkwürdig.
"Eyes On You"
THOMAS
DREIST "Dreist" 7
Eigenproduktion, 2000
DREIST aus dem schönen Prenzlau
in Brandenburg verstehen sich gut darauf, rifflastigen Thrash Metal der
Marke Bay Area mit ruhigen und getragenen Parts zu kombinieren und damit
mal locker Songspielzeiten von acht bis elf Minuten zu füllen. Dabei
fällt besonders Drummer Alexander Holzhey durch sein technisches aber
nie überladenes Spiel positiv auf. Die Breaks und Rhythmuswechsel
stehen wie eine Eins. Die Metallica-Vergleiche, die ich im Vorraus über
DREIST hörte, sind nicht ganz aus der Luft gegriffen.
Nur, und das ist der Kritikpunkt,
sind die langen, ruhigen Parts ein wenig zu lang und ruhig. Zumindest für
meinen Geschmack. Ansonsten kann ich Euch "Dreist" von DREIST aber nur
empfehlen. Nicht zuletzt auf Grund des Stückes ...
www.dreist.de.tt
"New One (Cruel)"
THOMAS
SCANNER "Scantropolis" 5
Massacre Rec, 2002
Ich kann nicht von mir behaupten,
in der Vergangenheit ein großer Fan von SCANNER gewesen zu sein.
Dazu habe ich das Schaffen der Band mit zu wenig Interresse verfolgt.
"Scantropolis" ist also die erste
Scheibe der Band, welche ich in voller Länge hörte. Mit Lisa
Croft steht erstmals eine Frau hinter dem Mikro der Band und macht dabei
gar keine schlechte Figur. Denn es spricht sowohl für sie, daß
sie nicht permanent in Nightwish-Sphären mit Gesangstechnik nervt,
als auch, daß sie kraftvoll singen kann und nicht nur irgendwie ins
Mikro säuselt. Gut ist darüberhinaus auch das Stück "Engel
Brechts", in deutsch gesungen und schwungvoll arrangiert bietet es einen
passenden Rahmen für den saustarken (fremdverfaßten) Text. Dessen
Inhalt solltet ihr Euch mal zu Gemüte führen. Ich sage nur: schlüpfrig.
Aber ansonsten ist mir "Scantropolis" ein wenig zu unspektakulär.
Das Keyboard und die verhältnismäßig dünnen Gitarren
rauben der CD die nötige Härte und so mancher Song ist nicht
gerade der spannendste, obwohl die Band auf einem technisch sehr hohen
Level agiert.
"Till The Ferryman Dies"
THOMAS
DISBELIEF "Shine" 9
Massacre Rec, 2002
Auf ihrer neuen,"Shine" betitelten,
CD entfernen sich DISBELIEF von ihrem Vorgänger "Worst Enemy" dahingehend,
daß die Gitarren nicht mehr ganz so stark in steter Verzerrung bretzeln.
Vielmehr hat man den Eindruck, daß DISBELIEF verzweifelter klingen.
Mikrophonpsychopat Karsten Jäger klingt stellenweise wie ein in die
Enge getriebenes Tier, welches seine Peiniger durch lautes Brüllen,
Fauchen und Keifen vertreiben möchte. Die Musik erzeugt eine klaustrophobische
Atmosphäre, die von der Stimmung (nicht vom Härtegrat) her der
alter Depressive Age-Platten gleicht. "The Decline" zum Beispiel ist ein
gutes Argument, um diesen Vergleich aufrecht zu erhalten. Drumfiguren auf
den Toms, verzerrte und cleane Gitarren übereinander und klarer, nicht
weniger kranker Gesang erinnern einen an das unangenehme Wachliegen des
Nachts im Bett, wenn die ganze Scheiße, die man den Tag über
erlebt hat, noch einmal über einen hereinbricht.
Oder kennt Ihr das Gefühl,
wenn Ihr merkt, daß die Welt um Euch herum immer dekadenter, fremder
und verabscheuungswürdiger wird? Wenn Euch die Menschen um Euch herum,
ob im Bus, in den Geschäften oder in Eurem Hausaufgang anwiedern,
ihre laute, oberflächliche und gelackte Fassade Euch die Übelkeit
den Hals hochkriechen läßt? Dieses Gefühl scheinen DISBELIEF
in Töne, Melodien und Lieder umgewandelt zu haben und präsentieren
sie Euch, die Ihr vielleicht dasselbe empfindet, auf "Shine". Sehr empfehlenswerte
Platte.
"Mad Sick Mankind"
THOMAS
GURKKHAS "A Life Of Suffering"
8
Morbid Rec/SPV, 2001
Fragt einen jemand nach Metalbands
aus Frankreich, öffnet man die mit einem "F" gekennzeichnete Schublade
im Hirn und muß wieder einmal feststellen, daß sie noch immer
spärlich gefüllt ist. Massacra? Aufgelöst. Mercyless? Musizieren,
warscheinlich im LSD Rausch, immer schön gegen ihren eigenen Verstand.
H-Bomb und Killers sind so aktiv wie Opas Hose. Und Aneurexia Nervosa sind
verhinderte Stylingmodels. Doch einen Namen kann, nein muß man seit
einiger Zeit hinzufügen: GURKKHAS. Der Death Metal der Band hat eine
enorme Spannweite an verschiedenen Stimmungen. Mal gibt es herrlich geradeaus
eins mit dem Bajonett zwischen die Rippen. Dann wieder schälen die
drei Kaputten in Tarnanzügen Dein Musikverständnis aus Deinem
Schädel, indem sie gezielt widerborstige und gnadenlose Riffs durch
Deinen Gehörgang jagen. Eine musikalische Hinrichtung sozusagen.
Doch am meisten hat mich das etwa
siebenminütige Stück "Kukri" begeistern können. Unheilvolles,
an Filmusiksamples erinnerndes Keyboard und Soundfetzen bereiten Dich in
Begleitung von Voodoo-ähnlichen Trommelschlägen auf das sich
wie eine Schlange windende Hauptriff vor. Dann steigert sich das Lied in
Midtempo und Stakkattobreaks langsam in einen abgedrehten Morbid Angel-artigen
Nackenbrecher inklusive einem kurzen, sich aufbäumenden Jammerhakensolo.
"A Life Of Suffering" wird den Death Metal zwar nicht in seinen Grundfesten
erschüttern, aber man kann sich eine weitere gute CD in den Schrank
stellen.
"Kukri"
THOMAS
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