THE
TRACEELORDS „Sex, Money, Rock’n’Roll“ 8
Massacre Records/Midas
Twins Music/Connected, 2001
„Daddy Cool“
Wem die Onkel
Tom-Ergüsse von Sodom-Frontmann Tom Angelripper zum Halse raushängen,
wer aber trotzdem eine Party aufmischen will, wird bei den TRACEELORDS
im Kreis herumspringen. Allein die herrlichen Cover-Versionen von „Daddy
Cool“ (Boney M.) und „Born To Be Alive“ (Patrick Hernandez) würden
einen Kauf der CD „Sex, Money, Rock’n’Roll“ rechtfertigen. Allerdings gibt
es darüberhinaus 11 weitere Nummern zwischen Pop, Punk und Paranoia.
Man könnte
meinen Phil Spector hätte mal kurz eine Heavy-Rock-Band produziert,
denn das TRACEELORDS-Team hat peinlichst darauf geachtet, einen rührenden
Kitsch-Faktor zu garantieren. Man höre nur die Violinen und das Saxophon
in „See You When I See You“ oder die bezaubernden Frauen-Chöre unter
anderem in „My Kinda Girl“ und „All I Really Need“, die das Disco-Flair
der Spätsiebziger heraufbeschwören.
„Feel Like
Charlie Brown“
Zuständig
für die beste Party-Platte des Jahres 2001 ist ein ehemaliger Sodom-Mitstreiter:
Andy Brings. Der Gitarrist und Sänger konnte schon während seines
Gastspiels bei den Ruhrpott-Thrashern nicht verbergen, daß sein Herz
am Punk hängt und daß er fanatischer Ramones-Fan ist. Und während
letztere Vorliebe auf Sodoms „Tapping The Vein“ sogar zum Tragen kam, hielt
sich Brings mit Einflüssen der US-amerikanischen Surf-Punks auf „Sex,
Money, Rock’n’Roll“ zurück. Dadurch ist bei aller Party-Laune das
Album außerordentlich abwechslungsreich geraten.
„Born To
Be Alive“
JUB
INTO
THE LIGHT "Into The Light" 3
Frontiers
Rec./Point Music/XIII BIS Rec./Now & Then/Sumthing, 2000
"Into The Light"
ist das Ergebnis einer Studiosession des Gitarrencracks Tim Donahue, der
sämtliche Instrumente spielte, alle Songs und Texte schrieb und das
Ganze produzierte, und seines Kumpel Kelly Hansen, der "nur" für den
Gesang verantwortlich ist. Mr. Donahue ist jedoch nicht nur mit einer außergewöhnlichen
instrumentalen Fähigkeit gesegnet, sondern auch mit ebensoviel selbstdarstellerischer
Eitelkeit. So informiert uns das Booklet darüber, daß er statt
einer handelsüblichen Gitarre vielmehr folgendes benutzte: fretless
electric guitars, fretless guitar synthesizer, fretless midi guitar, acoustic
guitar, Gibson harp guitar und noch einigen Schnickschnack mehr. Na und?
"Into The Light" ist wieder das typische Beispiel von viel Wind um nichts,
denn außer technischen Spielereien, vereinzelt netter Melodiebögen
bietet die Platte nichts weiter als Langeweile. Bei allem Pomp wurde mal
wieder das Komponieren guter Songs mit Hand und Fuß nicht so wichtig
genommen, wie das Aufzeigen der zweifelsohne vorhandenen technischen Fähigkeiten.
"Live For Today" ist sicher kein Kracher, da eine Ballade, aber das eingängigste
Stück der Platte.
"Live For
Today"
THOMAS
BLOODSHED
„Skullcrusher“ 6
Code 666/SPV,
2001
„Skullcrusher“
Code 666 macht
uns derzeit viel Freude. Nicht nur, was die musikalische Seite anbelangt,
sondern auch im visuellen Sinne. Denn in Sachen Aufmachung gibt man sich
bei dem kleinen italienischen Label alle Mühe und so kommen auch BLOODSHED
mit ihrer Debüt-Mini-CD im attraktiven Digi-Pack daher.
Bei BLOODSHED
handelt es sich um einen schwedischen Fünfer, der seit 1996 zusammen
ist und bisher zwei Demos („When The Night Betrays The Light“, „Laughter
Of Destruction“) veröffentlichte. In den Songs auf „Skullcrusher“
begegnen sich Death- und Black Metal, wohl aber wollen sie nicht ineinanderfließen.
Düsteres Gepolter steht neben aufgeregtem Gerase. Leider wirkt das
dann meist ein wenig konstruiert.
Nichtsdestotrotz
empfehlen sich BLOODSHED mit „Skullcrusher“, zur Ruhe kommt man bei dieser
knapp 16minüten CD nämlich nicht eine Sekunde.
JUB
JAG
PANZER "Mechanized Warfare" 9
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2001
Dies ist Album
Nummer vier nach der Reunion mit Harry "The Tyrant" Conklin im Jahre 1997.
Macht fast ein Album pro Jahr. Alle waren sie Hämmer der Sonderklasse.
Keines der Werke schwächelte. Egal ob das songorientierte "The Fourth
Judgement", das etwas softere "The Age Of Mastery", das dramatische "Thane
To The Throne" oder die neue Scheibe "Mechanized Warfare" - sie alle routierten
nach Erscheinen nahezu permanent in meinem CD-Player, meist bis an die
vierzehn Tage am Stück. Das liegt daran, daß JAG PANZER ihre
Songs nicht am Reißbrett nach der Helloween-Schablone konstruieren.
Sondern, wie auch auf der neuen CD, Musik bieten, die man zwar nicht unbedingt
sofort mitpfeifen kann, dennoch eine geschlossene Einheit darstellt und
zu faszinieren weiß.
"Take To
The Sky"
Die Dramatik,
die sich durch die dezent verschachtelten Songs aufbaut, wird unterstützt
durch die für das Gitarren-Duo Mark Briody und Chris Broderick typischen
Leads und Powerriffs. Die Rhythmusfraktion John Tetley und Rikard Stjernquist
weiß mit originellem und abwechslungsreichem Spiel aufzuwarten und
baut so manche Überraschung in die Songs ein. Und dann hätten
wir da noch Harry Conklins Stimme, die unter tausenden heraussticht. Diesen
Typen könnte ich stundenlang zuhören, es würde nicht langweilig
werden.
"The Scarlet
Letter"
JAG PANZER
ist definitiv eine Band, die man liebt oder haßt. Und sie reiht sich
ein in die Riege der Bands, die einzigartig sind, nicht tot zu kriegende
Überzeugungstäter wie zum Beispiel October 31, Skyclad, Solstice
und mittlerweile auch King Diamond, der nun auch mit kleineren Klubs vorlieb
nehmen muß. Sie alle haben unerschöpfliches Potential und sind
Originale, die oft nur die kleine aber eingeschworene Fanschar interessieren,
während der Rest der Metalfans lieber auf neue Veröffentlichungen
der gesichtslosen Tralala-kleine Eier- und Kai Hansen-in-den-Arsch-Kriecher-Bands
wartet. Ganzseitige Vollfarbwerbeanzeigen rules.
THOMAS
BETHLEHEM
„Schatten aus der Alexander Welt“ 1
Prophecy Productions,
2001
Oh Gott. Was
BETHLEHEM mit ihren „Schatten aus der Alexander Welt“ eingerührt haben,
wird in den nächsten Wochen sicher äußerst kontrovers diskutiert.
Eins kann
allerdings an dieser Stelle schon mal vorweg genommen werden: Mit dieser
Doppel-CD manifestiert die deutsche Band ihren - nennen wir es Außenseiterstatus.
Ähnlich wie „verkannte“ Expressionisten, die seit 20 Jahren nur schwarze
Linien auf eine Leinwand zaubern, jeden Morgen ein Krakel in einem Büchlein
unterbringen oder mit blauen Klecksen bereits in hunderten „Bildern“ Meeresansichten
wiedergaben (alles Leute, die ich kennenlernen durfte), ringen BETHLEHEM
mit der fixen Idee, eine „Alexander Welt“ kreiert zu haben. Solch eine
Hartnäckigkeit kann etwas mit Selbstbewußtsein zu tun haben,
aber auch von einem Hirndefekt künden.
Bleibt aber
immer noch die Umsetzung, die uns zeigen kann, wie weit der Künstler
mit der selbst entwickelten Dimension zurecht kommt. An dieser Stelle sehen
BETHLEHEM auf ihrer „Schatten aus der Alexander Welt“ nicht sehr glücklich
aus. Zu den neun Stücken auf den zwei Silberlingen gesellen sich nämlich
zwischengestellte Hörspiel-Blöcke, die erschreckend laienhaft
wirken. Denn - und das müßten Künstler vom Schlage BETHLEHEM
nicht nur wissen, sondern auch beachten - gerade beim Hörspiel gilt
es, durch ausdrucksvolle Stimmen, Dynamik im Dialog, zum Teil gar übertriebener
Betonung, den Hörer zu fesseln. Hier ist das Gegenteil der Fall: Die
Sprechparts werden meist lediglich heruntergeleiert. Ein Zeichen, daß
die Sprecher mit den ihnen vorliegenden Texten selbst nicht so richtig
zurecht kamen?
Allerdings
hat man sich im Hause BETHLEHEM um halbwegs nachvollziehbare Inhalte bemüht.
Zwar wirkt vieles vom Gesprochenen immer noch abstrakt, wer sich aber wirklich
damit auseinandersetzen will (ja wer eigentlich?), der versteht das meiste
auch.
Besonders
Track 2 auf der zweiten CD, wo Michael und Gabriel satte acht Minuten über
Nächstenliebe und Gottes Wort referieren, ist mit einer so peinlichen
Oberlehrerhaftigkeit abgehandelt, daß die Passage gut und gerne als
Vortrag in der jungen Gemeinde herhalten kann. Nur - wer wird diesen krampfigen
Zetteltext bis zum Ende durchstehen?
„Track
2/2“
Warum hat
kein Mensch BETHLEHEM mitgeteilt, daß Hörspiele auf Rock-Tonträgern
eigentlich noch nie funktionierten. Auf Small Faces' „Ogdens’ Nut Gone
Flake“ klappte das 1968 noch, weil der Erzähler mit seinem Cockney-Slang
faszinierte, aber Pete Townshend von The Who - in solchen Dingen eigentlich
ein Mann mit Erfahrung - ging mit seinem Album „Psychoderelict“ baden.
Denn wer will schon drei- oder viermal, geschweige zehn- oder zwölfmal
immer wieder dasselbe Geplapper hören. Erst recht, wenn es - wie bei
BETHLEHEM - nur mäßig interessant ist.
So wie vor
rund 10 Jahren bei der Tagespresse der sogenannte Weißraum in Mode
kam (Überschriften waren knapp gehalten, so daß links und rechts
viel Platz blieb oder Texte endeten drei bis vier Zeilen zu früh)
und sich nicht durchsetzte, dürften BETHLEHEM mit ihren Kein-Ton-Stellen
auflaufen. Das heißt, die Pausen zwischen den Songs sind ungewöhnlich
lang. Am krassesten ist es bei den jeweiligen Nummern 9: Nach drei, vier
Minuten gibt es über eine Viertelstunde Entspannung, bevor elektronische
Spielereien beginnen, die sicher bei Kraftwerks Frühwerken Anfang
der 70er Jahre beeindruckt hätten. Jetzt sind sie nur noch billig.
Und die Musik
allgemein? Nicht erschrecken! Die liegt zwischen Wolfsheim und Umbra et
Imago.
„Das 4.
Tier aß den Mutterwitz“
Guido Meyer
de Voltaire (herrje, was für ein Name) hat sich jetzt auch aufs Rollen
des „R“ verlegt. Aber selbst dieses Stilmittel kann er nicht wirklich einsetzen.
Es steigt einem nämlich förmlich die Schamröte ins Gesicht,
wenn er seine Zunge auch bei Worten wie „imme-r“, „nimme-r“, „wa-r“ oder
„nu-r“ bemüht. Halsbrecherischer hätte das ein russischer Mund
auch nicht herausgebracht.
Liebe Leute,
auch wenn Marilyn Manson laut Label-Info BETHLEHEM über den Klee lobte,
dieses Machwerk hier ist das Vermächtnis von verhinderten Möchtegern-Musikern
und Pseudo-Lyrikern. Auch wenn die Jungs in einigen Kreisen Kultstatus
genießen, über ihre künstlerischen Fähigkeiten sagt
das nichts aus. Denn heutzutage freuen sich die Menschen ja auch, wenn
jemand Häuser einwickelt oder tote Kühe vom Hubschrauber in eine
Grube plumpsen läßt.
JUB
VOMITORY
"Revelation Nausea" 8
Metal Blade,
2000
Neun Millimeter
Erlösung, Wolken aus Blut, Der Holocaust u.s.w. - das sind Themen,
mit denen sich die vier Herren von VOMITORY beschäftigen. Was ist
denn nur los in Schweden? Sind die Menschen dort echt so Scheiße
dran? Soll mir nur Recht sein, denn solange es solche druckvollen Hammerveröffentlichungen
aus dieser Gegend gibt, kann dort ruhig alles so bleiben wie es ist. Die
seit 1991 aktive Band erfindet zwar mit ihrer Musik das Rad nicht neu,
dennoch ist das, was sie machen, kurzweilig, läßt einen kaum
stillsitzen und ist bei entsprechender Lautstärke ein Garant für
blutende Ohren.
"The Holocaust"
Meterdicke
Gitarrenwände, Drums, die klingen wie fickende Kanninchen, sägende
Melodien und den Hund von Baskerville als Barden. Die Zutaten sind genauso
einfach wie effektiv. Mehr braucht man nicht, um glücklich in den
9 Millimeter dicken Lauf einer frischpolierten Handfeuerwaffe zu gucken
und "Revelation Nausea" zu brabbeln, bevor man einen recht zerstreuten
Eindruck macht.
"9mm Salvation"
THOMAS
MOB
RULES „Temple Of Two Suns“ 9
LMP/Inside
Out/SPV, 2000
„Flag Of
Life“
Aufgemerkt!
Vergeßt schnell alle Eindrücke, die Eure Vorurteile bestärken
könnten. Schriftzug, Name, Cover-Artwork und die abstrakte Phantasie-Story
von "Temple Of Two Suns“ könnten nämlich MOB RULES schnell in
die Liga der aufgeblasenen sogenannten Power-Metal-Acts drücken. Aber
hier bekommt ihr keine pompösen Orchester-Arrangements, hektische
Gitarren-Soli oder Hoden-Tritt-Gesänge zu hören. Vielmehr klingt
das Zeug von MOB RULES erdig, werden instrumentale Alleingänge sehr
effektiv eingesetzt und läßt Klaus Dirks Gesang wirklich aufhorchen.
„Inside
The Fire“
Diese deutsche
Band um Gitarrist Matthias Mineur hat mit „Temple Of Two Suns“ Album Nummer
zwei am Start und zeigt sich damit kreativ in einer sehr guten Verfassung.
Eigentlich hat jeder Song das gewisse Etwas, das ein Nebenbeihören
einfach nicht erlaubt. Wenn die Melodien zum Beispiel wirklich gelungen
sind, ist doch nicht eine so einschmeichelnd, daß sie zum stumpfsinnigen
Mitsummen animieren würde. Und dann gibt es sogar eine Ballade, die
funktioniert. „Hold On“ kommt sparsam mit einem Klavier aus und wird Mädchen-Herzen
vermutlich trotzdem nicht im Sturm nehmen. Dazu ist die Melodie einfach
zu groß.
MOB RULES
könnten aus den Staaten kommen. Dort gibt es eine Reihe solcher Bands.
Hier in Deutschland sind die fünf Musiker fast konkurrenzlos.
„Hold On“
JUB
STORMHAMMER
"Cold Desert Moon" 2
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2001
STORMHAMMER,
soso. Unter einem Sturmhammer stelle ich mir etwas Mächtiges vor.
Etwas, was Dich umhaut und nicht ein paar halbgare Standardriffs von der
Stange. Ein Sturmhammer sollte auch etwas Bedrohliches an sich haben und
nicht mit durchfallweichem Keyboardbrei aufwarten. Ein Sturmhammer hat
auf alle Fälle auch etwas Resolutes, Unerbittliches. Und resolut ist
es auf keinen Fall, wenn man als Band erst einmal fragt "Was darf ich machen,
was machen andere vor, was verkauft sich, was ist angesagt?" Warum nennt
sich diese Combo nicht einfach Briesenhämmerchen? Dann könnte
man ihnen schon mal keinen Ettikettenschwindel vorwerfen.
"Nobody's
Child"
THOMAS
CHILDREN
OF BODOM „Follow The Reaper“ 4
Nuclear Blast,
2001
So klingen
Tonträger, die gemacht werden, um Verträge zu erfüllen.
Obwohl CHILDREN OF BODOM sich alle Mühe geben, in ihren 10 Songs auf
„Follow The Reaper“, ihrer dritten CD, eine enorme Vielseitigkeit zu demonstrieren,
passiert nicht wirklich viel. Denn irgendwie scheint jedes Stück um
Gitarren- und Keyboard-Soli herumgestrickt zu sein. Kopf-Musik könnte
man das nennen, da es offenbar nur darum geht, mit Rhythmuswechsel, Breaks,
Gimmicks oder Einzelleistungen zu glänzen. Dabei ist es den Finnen
aber nicht gelungen, ihrer Musik Seele einzuhauchen.
Und Death
Metal-Fans aufgepaßt! Die Musik von CHILDREN OF BODOM wird immer
noch als Melodic Death Metal verkauft. Danach klingt sie aber kaum noch.
Die Skandinavier scheinen eher auf dem Weg in Progressiv-Gefilde zu sein.
„Bodom
After Midnight“
JUB
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