An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 18. Dezember 2001


TIERRA SANTA "Sangre De Reyes" 7
Locomotive, 2001

Tierra Santa - Sangre De Reyes

Eiderdaus. So langsam preschen die Spanier vor, um auf dem europäischen Metal-Markt Fuß zu fassen. Bei der momentanen Veröffentlichungsflut kommt neben der Kacke auch richtig gutes Material aus dem Land des Stierkampf-"Sportes". TIERRA SANTA gehören unter anderem dazu. Mit "Sangre De Reyes" legen sie ihre vierte Veröffentlichung vor, und diese rockt richtig das Haus. Das Label stellt zwar Iron Maiden-Vergleiche an, die sicherlich nicht aus der Luft gegriffen sind, speziell beim Album-Opener schienen Steve Harris und Konsorten Pate gestanden zu haben.
"David Y El Gigante"
Doch alles in allem sind die Segnores dafür zu fröhlich und nicht dramatisch genug. vielmehr gibt es auf "Sangre De Reyes" melodischen, erdigen Heavy Rock, der in die Schublade "Autofahrmusik" paßt. Man verstrickt sich nicht in komplizierten Songaufbauten, sondern legt Wert auf eingänige Refrains und Gesangsmelodien. Dazu gibt es treibende Gitarren und solides Getrommel. Seinen speziellen Charme erhält die Platte aber durch die in spanisch vorgetragenen Texte. 
Etwaige lyrische Plattheiten bleiben so unentdeckt und mitträllern ist auch nicht drin. Eine Platte also, welche so schnell nicht abnutzt und Spaß am Hören bereitet. Partytauglich bis zum Gehtnichtmehr.
"Juana De Arco"

THOMAS

RHAPSODY „Rain Of A Thousand Flames“ 8
LMP/SPV, 2001

Rhapsody - Rain Of A Thousand Flames

Seien wir doch mal ehrlich: Das RHAPSODY-Debüt „Legendary Tales“ (1997) ist doch die bisher einzige ernst zu nehmende Veröffentlichung der italienischen Bombast-Metaller. „Symphony Of Enchanted Lands“ (1998) langweilte doch schon erheblich, und „Dawn Of Victory“ (2000) war nur noch ein lauer Aufguß des Ganzen. Was sollte man da von einer Überbrückungsscheibe wie „Rain Of A Thousand Lands“ erwarten? „Der nächste Aufguß“, möchte man ausrufen, wenn das Titelstück - in diesem Falle auch Opener der CD - aus den Boxen schwallt.
Führt man sich allerdings den Rest der Scheibe zu Gemüte, fragt man sich, warum die Band ausgerechnet diesen schwachen Song an den Anfang gestellt hat. Hatten Luca Turilli und Konsorten vielleicht Angst, ihre Fans zu verprellen? Denn genau das könnte durchaus geschehen, agieren RHAPSODY auf „Rain Of A Thousand Flames“ doch so düster wie noch nie.
„Queen Of The Dark Horizons“
Die neue Atmosphäre auf dem aktuellen RHAPSODY-Werk entsteht nicht nur durch die Therion-Chöre. Die Melodien sind bei weitem nicht mehr so ringelpietzhaft, sondern haben streckenweise echte Dramatik. Auch wird nicht mehr nur völlig auf Tempo gemacht, als wäre man auf Ecstasy, vielmehr ist die Dynamik der Songs erstaunlich. Und auch wenn RHAPSODY bei „Tears Of A Dying Angel“ bei Manowar geklaut haben, mit dieser Zwischenspiel-CD haben die Musiker ihr absolut reifstes Werk abgeliefert.
„Tears Of A Dying Angel“

JUB

KOMA "Criminal" 7
Locomotive, 2000

Koma - Criminal

Als richtig gut entpuppt sich, entgegen meiner Annahme, das vierte Album der spanischen Band KOMA namens "Criminal". Nicht etwa zeitgemäßer Viva II-kompatibler New Metal langweilt aus den Boxen, nein, vielmehr ein groovendes Metal/Rock/Punk-Ungetüm mit starken Rhythmen und und einer dunklen Reibeisenstimme, welches recht kurzweilig und mitreißend zum Biertrinken animiert.
Nehmt den Groove von Entombeds "Wolverine Blues", die Gitarrenleads von Dave Mustaine und eine kleine Prise der Melancholie der letzten Gorefest-Platte "Chapter 13", dazu die Ungestümheit besserer Punkbands und Ihr habt so ungefähr ´nen Plan, wie KOMA klingen.
"Menos Mal"
"Criminal" ist eine starke Platte und KOMA eine Band, die live sicherlich abgeht wie Schmitts Katz´. Gebt der Band mal eine Chance und testet das Teil beim Plattenkauf in der finanziell gut gestellten Nachweihnachtszeit.
"Jack  Queen  Jack"

THOMAS

ARK „Burn The Sun“ 7
Inside Out/SPV, 2001

Ark - Burn The Sun

Jorn Lande stammt zwar aus Norwegen, dürfte der Black Metal-Gemeinde allerdings kaum ein Begriff sein. Das wiederum liegt daran, daß nicht nur Waldschrate, Höllenheizer und Kampfteufel aus den hohen Norden Musik machen. Denn bei Jorn Lande handelt es sich mit Nichten um einen maskierten Axtschwinger, sondern hier ist einer der talentiertesten Sänger der Heavy Metal-Neuzeit am Wirken.
„Heal The Waters“
Warum hebe ich so sehr Jorn Lande hervor, geht es hier doch nicht um sein Solo-Projekt Jorn, sondern um die Progressiv-Metal-Band ARK? Ganz einfach: Ohne Lande wäre die Musik von ARK vermutlich nur die Hälfte wert. Der Norweger veredelt jedes Stück dieser CD mit seiner Stimme aufs Feinste. Und das ist gar nicht so einfach, machen es ARK dem Hörer mit den zum Teil wirklich äußerst verschachtelten Arragements nicht leicht. Nehmen wir zum Beispiel das völlig krasse Stück „Absolute Zero“, in dem Lande gar diese bekloppte Singsang-Art einer Björk hinbekommt. Hier ist viel Toleranz gefragt. Auch bei „Just A Little“, in dem uns ARK spanisch kommen und Lande im Gegensatz zu vorher genanntem Song schon wieder völlig anders klingt.
Aber das kennen wir von dem Mann ja bereits. Bei Millenium zum Beispiel, wo er David Coverdale ebenso das Wasser reichen kann wie einem Tommy Shaw von Styx.
Doch noch einmal zurück zur Gesamterscheinung namens ARK. Die fallen nämlich nicht nur durch einen sechsarmigen Schlagzeuger und ungeduldige Gitarristen, die es kaum zehn Sekunden auf einem Riff aushalten, auf, sondern bieten uns gar christlich angehauchte Texte an. Erleuchtung, Selbsterkenntnis, Weltfrieden - damit gehen die Mannen von ARK hausieren und haben an dieser Stelle Glück: Denn ich sehe ob des hohen musikalischen Niveaus darüber hinweg.
„Noose“

JUB

SIGH „Imaginary Sonicscape“ 10
Century Media/Magic Arts Publishing, 2001

Sigh - Imaginary Sonicscape

„Corpsecry - Angelfall“
Die Japaner stehen nicht nur auf getragene Mädchen-Schlüpfer, Sado-Maso-Spiele oder Porno-Filme mit den brutalsten Vergewaltigungsszenen - nein, sie bringen in beruhigender Regelmäßigkeit Bands zum Vorschein, die die Musikwelt mit Ergüssen - welch Wortwitz - bereichern, die es in dieser Form so vorher noch nicht gab. C.S.S.O. (siehe Abgehört vom 29. Mai) zu nennen ist fast müßig.
Hier nun ein weiteres unglaubliches Trio mit Namen SIGH, das mit seinem nunmehr fünften Album „Imaginary Sonicscape“ sämtliche musikalische Schranken einreißt. Geschrieben wird so etwas häufig. Nur, diesmal stimmt es tatsächlich: SIGH klingen, als stünden Accept zusammen mit Earth Wind & Fire, Thin Lizzy, Bob Marley, Klaus Schulze, dem Electric Light Orchestra und den Dresdener Philharmonikern auf einer Bühne.  Dazu kommt ein Sänger, der gut und gerne eine Death oder Black Metal-Band bereichern könnte. Na, verwirrt? Dem können wir noch einen draufsetzen: Mit „Scarlet Dream“ schufen SIGH die 2001er Version des Led Zeppelin-Klassikers „Kashmir“.
„Scarlet Dream“
Noch nie habe ich gehört, daß es sich eine Metal-Band erlaubt hat, so respektlos sämtliche musikalische Ideen zu verarbeiten, die den einzelnen Musikern gekommen - welch Wortwitz - zu sein scheinen. Und noch nie habe ich gehört, daß es so perfekt zusammengefügt wurde, ohne deplaziert zu wirken. Mirai Kawashima, Shinichi Ishikawa und Satoshi Fujinami mögen zwar wie Motorräder, Inseln und Fischgerichte heißen - in Sachen Musik sind sie Europäern mit handfesteren Namen um Jahrzehnte voraus. Und das nicht nur wegen ihrer schier endlosen Ideen: Auch in Sachen „effektvoller Einsatz meines Instruments“ setzen die drei Verrückten Maßstäbe, denn Schlagzeuger Satoshi hält Breaks für nahezu überflüssig. Er kommt streckenweise gar mehrere Minuten ohne einen einzigen veränderten Zwischenschlag aus. Seine europäischen Kollegen hätten ihre Schießbude in derselben Zeit schon zu Schrott gehämmert und dabei doch nur wieder Klischees bedient und die Hörer genervt. SIGH sind routiniert. Das kann unter Umständen daran liegen, daß sie schon seit zwölf Jahren im Geschäft sind.
„A Sunset Song“

JUB

2 TON PREDATOR "Boogie" 2
DieHard Music, 2001

2 Ton Predator - Boogie

2 TON PREDATORs "Boogie" ist eine Platte, zu der ich überhaupt keinen Zugang finden kann, egal wie oft ich sie mir anhöre. Das liegt zum einen an den Hardcore-Elementen der Band und dem dementsprechenden Brüllgesang und zum anderen an den zwar druckvollen aber ideenlosen Gitarren. Klingt wie "Hier-müssen-wir-Stakkato-spielen-und-das-Riff-ewig-wiederholen-damit-es-wie-Hardcore-klingt"-Musik ohne Aha-Effekte. Würde man die Musik von 2TON PREDATOR über ein EKG-Gerät laufen lassen, würde die Kurve zum Anfang ausschlagen und dann gleich bleiben. Also viel Lärm um nichts.
"Broken Bond"

THOMAS

KARMA TO BURN „Almost Heathen“ 10
Spitfire/Jellysyrup, 2001

Karma To Burn - Almost Heathen

Black Sabbath, Monster Magnet, Pothead = KARMA TO BURN.
„Nineteen“
Diese Amis sind zwar völlig anders als die Japaner Sigh, aber nicht weniger durchgeknallt. Was andere Bands bestenfalls als Kontroll-Demo zum eigenen Durchhören zulassen würden, haben diese Typen zu ihrem ganz speziellen Stilmittel gemacht: Instrumetalsongs ohne Schnickschnack. Der Sänger hat vermutlich die Bierkiste bei Auftritten geplündert, also wurde auf diese Figur schon mal verzichtet. Gitarren-Soli? KARMA TO BURN degradieren alle Malmsteens, Vais und Blackmores dieser Welt zu selbstverliebten Wichsern, die in rosa beleuchteten Bordellen aufspielen dürfen, aber Bühnen meiden sollten. Denn dort gehören nur Riff-Tiere wie KARMA TO BURN hin.
„Thirty Four“
Die Gitarren ergießen sich wie flüssiges Blei, schweißgebadet steht man in der Mitte des Zimmers und stampft wie im Trance mit dem Fuß den Untermieter ins Irrenhaus. Jede rhythmische Verrenkung ist verpönt, Luftgitarrenspiel schwul. Wo andere Wochen brauchen, ihre Songs ein anspechendes Arrangement zu verpassen, brauchen KARMA TO BURN vermutlich nur einen Durchlauf, um sich für eine CD-Aufnahme zu entscheiden. Das ist genial. Wers nicht glaubt: Kaufen.
„Thirty Five“
Abschließend sei noch erwähnt, daß KARMA TO BURN mit dem Teufel im Bunde sind. Und das personifizierte Böse sieht aus wie das Playboy-Häschen. Wir haben es doch schon immer gewußt.

JUB

SEVENTH KEY „Seventh Key“ 8
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Seventh Key - Seventh Key

Progressiv-Rock-Fans werden bei dem Namen Kansas Achselschweiß verspüren, Melodic-Metal-Freaks könnten unter Umständen einen rascheren Puls bekommen, wenn es The Sign (siehe Abgehört vom 10. April) heißt. Mit SEVENTH KEY werden beide Gruppen zusammengeführt, wenn sie nicht eh schon Annäherungsversuche unternommen haben. Diese Band ist nämlich das Solo-Projekt des Kansas- und Sign-Bassisten Billy Greer.
„The Kid Could Play“
Fast ein wenig zu unbeschwert möchte man meinen, wenn man sich Greers Background betrachtet. Auch die Musikermannschaft, die der Basser und Sänger um sich scharte, deutet eher auf progressiveres Material hin. Zum einen wäre da die Kansas-Mannschaft: Richard Williams, Phil Ehart und Steve Walsh. Zum anderen gibt es mit Steve Morse Besuch von Deep Purple. Nun, und eigentlich ist der ja auch von Kansas. Denn genau dort stand er eine Zeit in Lohn und Brot, bevor er den vergnatzten Ritchie Blackmore ersetzte.
„No Man’s Land“
Und nimmt man nur diesen Song, zeigt sich, welch Talent in all diesen musikalischen Schwergewichten liegt. Denn „No Man’s Land“ schrieben Greer, Morse und Ehart gemeinsam. Irgendwie scheinen die Männer den ganzen Künstler-Ballast über Bord geworfen zu haben, um endlich einmal einfach nur die ein oder andere verspielte Melodie zu erfinden. Für beinharte Metal-Fans, die es mit der Prügelfraktion halten, ist dieses Album sicher ein Brechmittel. Melodic-Fans werden allerdings ihre helle Freude haben und ein weiteres Highlight im CD-Regal plazieren können.

JUB

DISINTER "Welcome To Oblivion" 8
Morbid Rec./SPV, 2000

Disinter - Welcome To Oblivion

Die Death Metal-Band DISINTER existiert jetzt nahezu seit zehn Jahren und ist immer noch ein relativ unbeschriebenes Blatt in der Szene, zumindest in Europa. Denn die Chicagoer Todesengel debütierten auf unserem Kontinent erst im Jahre 2000 mit der Scheibe "Welcome To Oblivion". Das, was die Herren an Inferno vom Zaun brechen, ist aber recht amtlichen Kalibers. Old School Death Metal wie ihn heutzutage nur noch wenige originell zu zelebrieren wissen (Die Originale mal ausgenommen). Also eine gute Mischung aus Blastbeats und totalem Slow Motion-Gekrieche, berechnender Präzision und garstiger Bauchmusik. Alles in einem Fluß, so daß keine großartigen Lücken im Gesamtbild klaffen, aufgemotzt mit netten Effekten, zum Beispiel WahWah-Baß-Intro, Filmsequenzen zwischen den Songs etc. DISINTER verbreiten dasselbe Feeling wie die Scheiben von Monstrosity, Vital Remains oder zum Teil alte Gorguts und gehören somit in jede gut geführte Death Metal-Sammlung.
"Followed From Death"

THOMAS

DISINTER "Demonic Portraiture" 8
Morbid Rec./SPV, 2001 

Disinter - Demonic Portraiture

Die zweite Scheibe der "neuen" Old School Deather.
Man konnte die Qualität des Vorgängers halten und einige Neuerungen einbringen, zum Beispiel gibt es jetzt Melodiebögen zu hören, wie sie unter anderem Dismember zu schmieden verstehen. Hymnenhaft, eingängig und nie zu fröhlich, wie etwa bei In Flames. Nur bei einem Song schossen DISINTER damit übers Ziel hinaus und haben bei "Where We Are Mortal" gleich den ganzen Melodiebogen von Dismembers "On Frozen Fields" "ausgeborgt". Nur etwas schneller gespielt eben. 
"When We Are Mortal"
Aber das sind Peanuts wie der Amerikaner, welcher laut Kanzler Schröder in uns allen steckt, so zu sagen pflegt. Denn auch ohne schwedische Zutaten killen DISINTER mit jedem Riff, war "Welcome To Oblivion" die Verbeugung vor der guten alten Zeit so um ´90 bis ´93, so ist "Demonic Portraiture" ein Schulterklopfen auf die Ära der neuen Generation, ohne die Roots zu verleugnen. Etwas verschachtelter gehen sie zu Werke und das Highspeed-Getacker geht schön Seite an Seite mit griffigen Songs und coolen Soli ins Ohr, wo sie auch erst einmal bleiben - so für ein, zwei Wochen. Der Sound ist glasklar und meterdick und das Cover ein Hingucker. Sollte man haben.
"First And Last In Battle/Strenght And Honour"

THOMAS

FLOTSAM & JETSAM „My God“ 2
Metal Blade, 2001

Flotsam & Jetsam - My God

„My God“? Ja - Mein Gott habe ich auch gesagt, als ich mir die aktuelle FLOTSAM & JETSAM zu Gemüte führte. Das sollen die Thrash Metal-Götter der Mittachtziger sein? Jene Band, die - als Metallica und Slayer mittlerweile jeder kannte - mit ihrem Debüt „Doomsday For The Deceiver“ zum totalen Geheimtip der Hartgesottenen avancierte? Mein Gott, welch ein Wandel.
„Nothing To Say“
Hip Hop, New Metal-Geknarze, Alternative-Melodien, Prog-Rock-Geschraube. FLOTSAM & JETSAM haben sich für mich erledigt.

JUB
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