TIERRA
SANTA "Sangre De Reyes" 7
Locomotive,
2001
Eiderdaus.
So langsam preschen die Spanier vor, um auf dem europäischen Metal-Markt
Fuß zu fassen. Bei der momentanen Veröffentlichungsflut kommt
neben der Kacke auch richtig gutes Material aus dem Land des Stierkampf-"Sportes".
TIERRA SANTA gehören unter anderem dazu. Mit "Sangre De Reyes" legen
sie ihre vierte Veröffentlichung vor, und diese rockt richtig das
Haus. Das Label stellt zwar Iron Maiden-Vergleiche an, die sicherlich nicht
aus der Luft gegriffen sind, speziell beim Album-Opener schienen Steve
Harris und Konsorten Pate gestanden zu haben.
"David
Y El Gigante"
Doch alles
in allem sind die Segnores dafür zu fröhlich und nicht dramatisch
genug. vielmehr gibt es auf "Sangre De Reyes" melodischen, erdigen Heavy
Rock, der in die Schublade "Autofahrmusik" paßt. Man verstrickt sich
nicht in komplizierten Songaufbauten, sondern legt Wert auf eingänige
Refrains und Gesangsmelodien. Dazu gibt es treibende Gitarren und solides
Getrommel. Seinen speziellen Charme erhält die Platte aber durch die
in spanisch vorgetragenen Texte.
Etwaige lyrische
Plattheiten bleiben so unentdeckt und mitträllern ist auch nicht drin.
Eine Platte also, welche so schnell nicht abnutzt und Spaß am Hören
bereitet. Partytauglich bis zum Gehtnichtmehr.
"Juana
De Arco"
THOMAS
RHAPSODY
„Rain Of A Thousand Flames“ 8
LMP/SPV, 2001
Seien wir doch
mal ehrlich: Das RHAPSODY-Debüt „Legendary Tales“ (1997) ist doch
die bisher einzige ernst zu nehmende Veröffentlichung der italienischen
Bombast-Metaller. „Symphony Of Enchanted Lands“ (1998) langweilte doch
schon erheblich, und „Dawn Of Victory“ (2000) war nur noch ein lauer Aufguß
des Ganzen. Was sollte man da von einer Überbrückungsscheibe
wie „Rain Of A Thousand Lands“ erwarten? „Der nächste Aufguß“,
möchte man ausrufen, wenn das Titelstück - in diesem Falle auch
Opener der CD - aus den Boxen schwallt.
Führt
man sich allerdings den Rest der Scheibe zu Gemüte, fragt man sich,
warum die Band ausgerechnet diesen schwachen Song an den Anfang gestellt
hat. Hatten Luca Turilli und Konsorten vielleicht Angst, ihre Fans zu verprellen?
Denn genau das könnte durchaus geschehen, agieren RHAPSODY auf „Rain
Of A Thousand Flames“ doch so düster wie noch nie.
„Queen
Of The Dark Horizons“
Die neue Atmosphäre
auf dem aktuellen RHAPSODY-Werk entsteht nicht nur durch die Therion-Chöre.
Die Melodien sind bei weitem nicht mehr so ringelpietzhaft, sondern haben
streckenweise echte Dramatik. Auch wird nicht mehr nur völlig auf
Tempo gemacht, als wäre man auf Ecstasy, vielmehr ist die Dynamik
der Songs erstaunlich. Und auch wenn RHAPSODY bei „Tears Of A Dying Angel“
bei Manowar geklaut haben, mit dieser Zwischenspiel-CD haben die Musiker
ihr absolut reifstes Werk abgeliefert.
„Tears
Of A Dying Angel“
JUB
KOMA
"Criminal" 7
Locomotive,
2000
Als richtig
gut entpuppt sich, entgegen meiner Annahme, das vierte Album der spanischen
Band KOMA namens "Criminal". Nicht etwa zeitgemäßer Viva II-kompatibler
New Metal langweilt aus den Boxen, nein, vielmehr ein groovendes Metal/Rock/Punk-Ungetüm
mit starken Rhythmen und und einer dunklen Reibeisenstimme, welches recht
kurzweilig und mitreißend zum Biertrinken animiert.
Nehmt den
Groove von Entombeds "Wolverine Blues", die Gitarrenleads von Dave Mustaine
und eine kleine Prise der Melancholie der letzten Gorefest-Platte "Chapter
13", dazu die Ungestümheit besserer Punkbands und Ihr habt so ungefähr
´nen Plan, wie KOMA klingen.
"Menos
Mal"
"Criminal"
ist eine starke Platte und KOMA eine Band, die live sicherlich abgeht wie
Schmitts Katz´. Gebt der Band mal eine Chance und testet das Teil
beim Plattenkauf in der finanziell gut gestellten Nachweihnachtszeit.
"Jack
Queen Jack"
THOMAS
ARK
„Burn The Sun“ 7
Inside Out/SPV,
2001
Jorn Lande
stammt zwar aus Norwegen, dürfte der Black Metal-Gemeinde allerdings
kaum ein Begriff sein. Das wiederum liegt daran, daß nicht nur Waldschrate,
Höllenheizer und Kampfteufel aus den hohen Norden Musik machen. Denn
bei Jorn Lande handelt es sich mit Nichten um einen maskierten Axtschwinger,
sondern hier ist einer der talentiertesten Sänger der Heavy Metal-Neuzeit
am Wirken.
„Heal The
Waters“
Warum hebe
ich so sehr Jorn Lande hervor, geht es hier doch nicht um sein Solo-Projekt
Jorn, sondern um die Progressiv-Metal-Band ARK? Ganz einfach: Ohne Lande
wäre die Musik von ARK vermutlich nur die Hälfte wert. Der Norweger
veredelt jedes Stück dieser CD mit seiner Stimme aufs Feinste. Und
das ist gar nicht so einfach, machen es ARK dem Hörer mit den zum
Teil wirklich äußerst verschachtelten Arragements nicht leicht.
Nehmen wir zum Beispiel das völlig krasse Stück „Absolute Zero“,
in dem Lande gar diese bekloppte Singsang-Art einer Björk hinbekommt.
Hier ist viel Toleranz gefragt. Auch bei „Just A Little“, in dem uns ARK
spanisch kommen und Lande im Gegensatz zu vorher genanntem Song schon wieder
völlig anders klingt.
Aber das kennen
wir von dem Mann ja bereits. Bei Millenium zum Beispiel, wo er David Coverdale
ebenso das Wasser reichen kann wie einem Tommy Shaw von Styx.
Doch noch
einmal zurück zur Gesamterscheinung namens ARK. Die fallen nämlich
nicht nur durch einen sechsarmigen Schlagzeuger und ungeduldige Gitarristen,
die es kaum zehn Sekunden auf einem Riff aushalten, auf, sondern bieten
uns gar christlich angehauchte Texte an. Erleuchtung, Selbsterkenntnis,
Weltfrieden - damit gehen die Mannen von ARK hausieren und haben an dieser
Stelle Glück: Denn ich sehe ob des hohen musikalischen Niveaus darüber
hinweg.
„Noose“
JUB
SIGH
„Imaginary Sonicscape“ 10
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2001
„Corpsecry
- Angelfall“
Die Japaner
stehen nicht nur auf getragene Mädchen-Schlüpfer, Sado-Maso-Spiele
oder Porno-Filme mit den brutalsten Vergewaltigungsszenen - nein, sie bringen
in beruhigender Regelmäßigkeit Bands zum Vorschein, die die
Musikwelt mit Ergüssen - welch Wortwitz - bereichern, die es in dieser
Form so vorher noch nicht gab. C.S.S.O. (siehe
Abgehört vom 29. Mai) zu nennen ist fast müßig.
Hier nun ein
weiteres unglaubliches Trio mit Namen SIGH, das mit seinem nunmehr fünften
Album „Imaginary Sonicscape“ sämtliche musikalische Schranken einreißt.
Geschrieben wird so etwas häufig. Nur, diesmal stimmt es tatsächlich:
SIGH klingen, als stünden Accept zusammen mit Earth Wind & Fire,
Thin Lizzy, Bob Marley, Klaus Schulze, dem Electric Light Orchestra und
den Dresdener Philharmonikern auf einer Bühne. Dazu kommt ein
Sänger, der gut und gerne eine Death oder Black Metal-Band bereichern
könnte. Na, verwirrt? Dem können wir noch einen draufsetzen:
Mit „Scarlet Dream“ schufen SIGH die 2001er Version des Led Zeppelin-Klassikers
„Kashmir“.
„Scarlet
Dream“
Noch nie habe
ich gehört, daß es sich eine Metal-Band erlaubt hat, so respektlos
sämtliche musikalische Ideen zu verarbeiten, die den einzelnen Musikern
gekommen - welch Wortwitz - zu sein scheinen. Und noch nie habe ich gehört,
daß es so perfekt zusammengefügt wurde, ohne deplaziert zu wirken.
Mirai Kawashima, Shinichi Ishikawa und Satoshi Fujinami mögen zwar
wie Motorräder, Inseln und Fischgerichte heißen - in Sachen
Musik sind sie Europäern mit handfesteren Namen um Jahrzehnte voraus.
Und das nicht nur wegen ihrer schier endlosen Ideen: Auch in Sachen „effektvoller
Einsatz meines Instruments“ setzen die drei Verrückten Maßstäbe,
denn Schlagzeuger Satoshi hält Breaks für nahezu überflüssig.
Er kommt streckenweise gar mehrere Minuten ohne einen einzigen veränderten
Zwischenschlag aus. Seine europäischen Kollegen hätten ihre Schießbude
in derselben Zeit schon zu Schrott gehämmert und dabei doch nur wieder
Klischees bedient und die Hörer genervt. SIGH sind routiniert. Das
kann unter Umständen daran liegen, daß sie schon seit zwölf
Jahren im Geschäft sind.
„A Sunset
Song“
JUB
2 TON
PREDATOR "Boogie" 2
DieHard Music,
2001
2 TON PREDATORs
"Boogie" ist eine Platte, zu der ich überhaupt keinen Zugang finden
kann, egal wie oft ich sie mir anhöre. Das liegt zum einen an den
Hardcore-Elementen der Band und dem dementsprechenden Brüllgesang
und zum anderen an den zwar druckvollen aber ideenlosen Gitarren. Klingt
wie "Hier-müssen-wir-Stakkato-spielen-und-das-Riff-ewig-wiederholen-damit-es-wie-Hardcore-klingt"-Musik
ohne Aha-Effekte. Würde man die Musik von 2TON PREDATOR über
ein EKG-Gerät laufen lassen, würde die Kurve zum Anfang ausschlagen
und dann gleich bleiben. Also viel Lärm um nichts.
"Broken
Bond"
THOMAS
KARMA
TO BURN „Almost Heathen“ 10
Spitfire/Jellysyrup,
2001
Black Sabbath,
Monster Magnet, Pothead = KARMA TO BURN.
„Nineteen“
Diese Amis
sind zwar völlig anders als die Japaner Sigh, aber nicht weniger durchgeknallt.
Was andere Bands bestenfalls als Kontroll-Demo zum eigenen Durchhören
zulassen würden, haben diese Typen zu ihrem ganz speziellen Stilmittel
gemacht: Instrumetalsongs ohne Schnickschnack. Der Sänger hat vermutlich
die Bierkiste bei Auftritten geplündert, also wurde auf diese Figur
schon mal verzichtet. Gitarren-Soli? KARMA TO BURN degradieren alle Malmsteens,
Vais und Blackmores dieser Welt zu selbstverliebten Wichsern, die in rosa
beleuchteten Bordellen aufspielen dürfen, aber Bühnen meiden
sollten. Denn dort gehören nur Riff-Tiere wie KARMA TO BURN hin.
„Thirty
Four“
Die Gitarren
ergießen sich wie flüssiges Blei, schweißgebadet steht
man in der Mitte des Zimmers und stampft wie im Trance mit dem Fuß
den Untermieter ins Irrenhaus. Jede rhythmische Verrenkung ist verpönt,
Luftgitarrenspiel schwul. Wo andere Wochen brauchen, ihre Songs ein anspechendes
Arrangement zu verpassen, brauchen KARMA TO BURN vermutlich nur einen Durchlauf,
um sich für eine CD-Aufnahme zu entscheiden. Das ist genial. Wers
nicht glaubt: Kaufen.
„Thirty
Five“
Abschließend
sei noch erwähnt, daß KARMA TO BURN mit dem Teufel im Bunde
sind. Und das personifizierte Böse sieht aus wie das Playboy-Häschen.
Wir haben es doch schon immer gewußt.
JUB
SEVENTH
KEY „Seventh Key“ 8
Frontiers/Now&Then/XIII
BIS/Point, 2001
Progressiv-Rock-Fans
werden bei dem Namen Kansas Achselschweiß verspüren, Melodic-Metal-Freaks
könnten unter Umständen einen rascheren Puls bekommen, wenn es
The Sign (siehe Abgehört vom 10. April)
heißt. Mit SEVENTH KEY werden beide Gruppen zusammengeführt,
wenn sie nicht eh schon Annäherungsversuche unternommen haben. Diese
Band ist nämlich das Solo-Projekt des Kansas- und Sign-Bassisten Billy
Greer.
„The Kid
Could Play“
Fast ein wenig
zu unbeschwert möchte man meinen, wenn man sich Greers Background
betrachtet. Auch die Musikermannschaft, die der Basser und Sänger
um sich scharte, deutet eher auf progressiveres Material hin. Zum einen
wäre
da die Kansas-Mannschaft: Richard Williams, Phil Ehart und Steve Walsh.
Zum anderen gibt es mit Steve Morse Besuch von Deep Purple. Nun, und eigentlich
ist der ja auch von Kansas. Denn genau dort stand er eine Zeit in Lohn
und Brot, bevor er den vergnatzten Ritchie Blackmore ersetzte.
„No Man’s
Land“
Und nimmt
man nur diesen Song, zeigt sich, welch Talent in all diesen musikalischen
Schwergewichten liegt. Denn „No Man’s Land“ schrieben Greer, Morse und
Ehart gemeinsam. Irgendwie scheinen die Männer den ganzen Künstler-Ballast
über Bord geworfen zu haben, um endlich einmal einfach nur die ein
oder andere verspielte Melodie zu erfinden. Für beinharte Metal-Fans,
die es mit der Prügelfraktion halten, ist dieses Album sicher ein
Brechmittel. Melodic-Fans werden allerdings ihre helle Freude haben und
ein weiteres Highlight im CD-Regal plazieren können.
JUB
DISINTER
"Welcome To Oblivion" 8
Morbid Rec./SPV,
2000
Die Death Metal-Band
DISINTER existiert jetzt nahezu seit zehn Jahren und ist immer noch ein
relativ unbeschriebenes Blatt in der Szene, zumindest in Europa. Denn die
Chicagoer Todesengel debütierten auf unserem Kontinent erst im Jahre
2000 mit der Scheibe "Welcome To Oblivion". Das, was die Herren an Inferno
vom Zaun brechen, ist aber recht amtlichen Kalibers. Old School Death Metal
wie ihn heutzutage nur noch wenige originell zu zelebrieren wissen (Die
Originale mal ausgenommen). Also eine gute Mischung aus Blastbeats und
totalem Slow Motion-Gekrieche, berechnender Präzision und garstiger
Bauchmusik. Alles in einem Fluß, so daß keine großartigen
Lücken im Gesamtbild klaffen, aufgemotzt mit netten Effekten, zum
Beispiel WahWah-Baß-Intro, Filmsequenzen zwischen den Songs etc.
DISINTER verbreiten dasselbe Feeling wie die Scheiben von Monstrosity,
Vital Remains oder zum Teil alte Gorguts und gehören somit in jede
gut geführte Death Metal-Sammlung.
"Followed
From Death"
THOMAS
DISINTER
"Demonic Portraiture" 8
Morbid Rec./SPV,
2001
Die zweite
Scheibe der "neuen" Old School Deather.
Man konnte
die Qualität des Vorgängers halten und einige Neuerungen einbringen,
zum Beispiel gibt es jetzt Melodiebögen zu hören, wie sie unter
anderem Dismember zu schmieden verstehen. Hymnenhaft, eingängig und
nie zu fröhlich, wie etwa bei In Flames. Nur bei einem Song schossen
DISINTER damit übers Ziel hinaus und haben bei "Where We Are Mortal"
gleich den ganzen Melodiebogen von Dismembers "On Frozen Fields" "ausgeborgt".
Nur etwas schneller gespielt eben.
"When We
Are Mortal"
Aber das sind
Peanuts wie der Amerikaner, welcher laut Kanzler Schröder in uns allen
steckt, so zu sagen pflegt. Denn auch ohne schwedische Zutaten killen DISINTER
mit jedem Riff, war "Welcome To Oblivion" die Verbeugung vor der guten
alten Zeit so um ´90 bis ´93, so ist "Demonic Portraiture"
ein Schulterklopfen auf die Ära der neuen Generation, ohne die Roots
zu verleugnen. Etwas verschachtelter gehen sie zu Werke und das Highspeed-Getacker
geht schön Seite an Seite mit griffigen Songs und coolen Soli ins
Ohr, wo sie auch erst einmal bleiben - so für ein, zwei Wochen. Der
Sound ist glasklar und meterdick und das Cover ein Hingucker. Sollte man
haben.
"First
And Last In Battle/Strenght And Honour"
THOMAS
FLOTSAM
& JETSAM „My God“ 2
Metal Blade,
2001
„My God“? Ja
- Mein Gott habe ich auch gesagt, als ich mir die aktuelle FLOTSAM &
JETSAM zu Gemüte führte. Das sollen die Thrash Metal-Götter
der Mittachtziger sein? Jene Band, die - als Metallica und Slayer mittlerweile
jeder kannte - mit ihrem Debüt „Doomsday For The Deceiver“ zum totalen
Geheimtip der Hartgesottenen avancierte? Mein Gott, welch ein Wandel.
„Nothing
To Say“
Hip Hop, New
Metal-Geknarze, Alternative-Melodien, Prog-Rock-Geschraube. FLOTSAM &
JETSAM haben sich für mich erledigt.
JUB
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