SONATA
ARCTICA „Silence“ 9
Century Media/Ranka
Publ., 2001
Wenn es heißt,
SONATA ARCTICA wären mit Rhapsody und Stratovarius auf Tour gewesen,
dann ist auf jeden Fall jene Baustelle benannt, auf der auch die Finnen
von SONATA ARCTICA ihre Türme bauen. Allerdings müßten
diese Typen die beiden Erstligisten an die Wand gespielt haben, denn wo
Rhapsody mit Kinderlied-Melodien aufwarten, kredenzen SONATA ARCTICA akurate
Weisen, die eher an Melodic-Helden aus den Staaten erinnern. Und wenn Stratovarius
doch ein ums andere Mal ihre Stücke aus künstlerischen Aspekten
heraus überarrangieren, sind SONATA ARCTICA zu jeder Zeit effektiv.
Das Album „Silence“ kann - ohne aufzuschneiden - gut und gerne als Lehrstück
für die Riesenschar von Möchtegern-Melodic-Power-Metal-Kapellen
herhalten. Von diesen Jungs hier kann die dritte Reihe mehr lernen, als
von manch einem Vorzeige-Act. Woher die Finnen das besondere Gefühl
für Melodien nehmen, weiß ich nicht. Aber man denke nur an Truppen
wie Sentenced, die uns mit ihren Einfällen auch immer wieder Gänsehaut
über den Rücken jagen. Vielleicht liegt’s am Saufen.
„The End
Of This Chapter“
JUB
BLAZE
"Tenth Dimension" 7
SPV/Steamhammer,
2002
Das BLAZE eigentlich
ein guter Sänger ist, der nur eben nicht zu Iron Maiden paßte,
versuchte er ja schon auf seinem Solodebüt "Silicon Messiah" zu beweisen.
Da gelang es ihm nur bedingt, seine Kritiker zu überzeugen. Das lag
jedoch nicht so sehr an BLAZEs Sangeskünsten, sondern vielmehr an
der recht langweiligen Musik auf der damaligen Scheibe. Mit "Tenth Dimension"
sieht die Sache schon ganz anders aus. Wesentlich frischer klingend geht
die Band um den ehemaligen Wolfsbane-Sänger zu Werke.
Die in ein
futuristisches Konzept eingebetteten elf Songs plus Intro sind zwar nicht
frei von Füllpassagen ("Stranger Of The Light"), ansonsten haben wir
jedoch solide, brauchbare Metal-Songs, die mitunter zum mitsummen animieren
und anerkennend den Kopf nicken lassen.
Kein Geniestreich
aber um Längen besser als "Silicon Messiah". Rockt solide.
"Kill And
Destroy"
THOMAS
ROO-JAW
„Roo-Jaw“
Eigenprod.,
2001
Tackernder
Baß, Gitarren zwischen Crossover-Groove und New Metal-Gequieke, Gesang
zwischen Rap und Hardcore-Geschimpfe, Platten-Gescratsche, Motherfucker-Sprüche:
Das ist die Hölle für den Heavy Metal-Fan. Und für diese
Spezies Mensch ist die Musik der Gruppe Roo-Jaw nahezu unhörbar. Da
sich die Kieler allerdings so gut wie gar nicht von ihren US-amerikanischen
Vorturnern unterscheiden, darf angenommen werden, daß sie ihre Sache
für New Metal-Verhältnisse ganz gut machen. Mir ist das allerdings
völlig egal. Subjektiv gesehen wären hier bestenfalls 2 Punkte
drin. Da es sich jedoch um Undergrounder handelt, enthalte ich mich der
Stimme. contact@roo-jaw.com, http://www.roo-jaw.com
„Breakdown“
JUB
S.A. ADAMS "Stovepipe"
9
Hardware Rec./Point Music, 2002
Aber hallo! Was ist denn das für
ein Gewitter?!
S.A. ADAMS aus der um zwei Häuser
ärmeren Stadt am Big Apple reißt die Amps auf, fönt und
dreht sie erst wieder runter, wenn die CD vorbei ist. Die Musik von "Stovepipe"
erinnert nicht nur wegen der permanent offen gespielten Gitarrenriffs sehr
an Motörhead oder an Dee Sniders letzte Soloplatte. Geile Stimme,
gute Melodien, treibendes Schlagzeug, Tonnen von Killerriffs und der Einfluss
der N.W.O.B.H.M. machen "Stovepipe" zu einem Pflichtkauf für Partyhengste
und Headbanger gleichermaßen. Wie beschreibt S.A. seine Musik im
Promoschriebs sogleich? "No rap, no pop, no ballads, no loops, no DJ`s,
no alternative, no music samples, no effects, no whining, no grunge, no
techno, no filler, no additives, no bullshit, 100% Heavy Fuckin´Metal!"
Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen. Punkt.
THOMAS
FLOWING
TEARS „Serpentine“ 7
Century Media/Magic
Arts Publ., 2002
„Tears Of Time“
war d e r Überhit für Crematory und ließ die Band bis zu
ihrer Auflösung auch nicht mehr los. Was einst als Glücksgriff
begonnen hatte, wurde zum Fluch. Ständig wurden die Crematory-Sachen
an der Gängigkeit eines „Tears Of Time“ gemessen. Ähnliches könnten
FLOWING TEARS auch mit „Swallow“ passieren. Dieser Song fräste sich
mit einer Vehemenz in die Gehörgänge, daß man auf der aktuellen
CD „Serpentine“ auf Grund der Eindringlichkeit der Stimme von Stefanie
Duchéne ständig mit einem Melodie-Überfall á la
„Swallow“ rechnet. Aber nichts dergleichen geschieht. Gothic sind FLOWING
TEARS zwar immer noch, klingen über weite Strecken aber nahezu störrisch,
als würden sie sich sanftmütigen Harmonien absichtlich verweigern.
Selbst ein ruhiges Stück wie „Portsall“ schmeichelt sich nicht gleich
ein.
Trotzdem gelingt
den Deutschen der ein oder andere wirklich starke Songs, „Justine“ zum
Beispiel, oder „The Carnage People“. Und es macht doch am Ende tatsächlich
Laune, bei FLOWING TEARS die Nuancen zu entdecken, so wie das obergeile
Riff bei „Merlin“, dem eine starke Keyboard-Melodie hinterlegt ist. Je
öfter man diese CD hört, desto deutlicher wird, daß die
Band ein zweites „Swallow“ offenbar gar nicht braucht.
„Merlin“
FLOWING TEARS
halten es übrigens mit dem Abnehmen. Nach der Namens-Verkürzung
(& Withered Flowers fiel weg) ist die Band vom Sextett zu einem Quartett
zusammengeschrumpft.
JUB
URBAN TALE "Urban Tale"
3
Frontiers Rec./Now & Then/Point
Music/ XIII Bis, 2001
Überhaupt nicht vom Hocker hauen
mich die fünf finnischen Journey-Fans mit ihrer Band URBAN TALE und
gleichnamiger Platte. Gut, AOR soll natürlich keine Soundwände
aus infernalischen Riffgebirgen und Drum-Unwetter fabrizieren. Vielmehr
steht die feine Melodie im Vordergrund, die leicht nachzuträllernden
Refrains und zarter Bombast. Doch damit das Ganze nicht zu sehr nach rosa
Zuckerwatte klingt und ein gewisses Etwas in der Musik vorhanden ist, muß
man schon etwas umherexperimentieren mit Soundeinstellungen, Songwriting
und dergleichen. Dann machen die eingefuchsten Soundtüftler auch sicherlich
guten AOR. URBAN TALE sind zweifelsfrei auch schon kleine Meister ihres
Faches. Die Melodien erkennt man wieder, der Klangteppich wurde weich geknüpft
und Kimmo Blom, der Sänger der Band, säuselt zart ins Mikro,
so daß sicherlich niemand einen Schreck vor dem Radio bekäme,
wenn URBAN TALE gespielt werden würden. Aber da ihnen das gewisse
Etwas fehlt, klingen die Finnen leider sehr nach kollektivem Pullerküssen
im Proberaum, um dannach Cola light in rosa Fummeln zu trinken. AARRGGHH!!
Abstand!
"Engine"
THOMAS
EMERALD
„Calling The Knights“ 9
Eigenprod.,
2000
Die Schweiz
hat nicht bloß Celtic Frost, Krokus und Samael zu bieten. Gedacht
haben wir uns das ja eigentlich schon immer, nur ist das Land, das sich
erfolgreich der Euro-Scheiße entziehen konnte, einen echten Beweis
immer wieder schuldig geblieben. Mit der Scheibe „Calling The Knights“
könnte es jedoch damit klappen, daß man den paar Namen aus der
Schweiz künftig einen neuen hinzufügen muß: EMERALD.
„Hard To
Be True“
Der Heavy
Metal von EMERALD ist schnörkellos, stark den Sachen aus dem NWOBHM
verhaftet. Beschwört aber beim ersten Mal hören nicht sofort
irgend welche Vergleiche herauf. Das liegt zum einen an den Hammer-Melodien,
die manchmal etwas sehr Melancholisches an sich haben und zum anderen an
der sehr markanten Stimme von Jvo Julmy, die sicher nicht jedermanns Sache
ist, mir aber ausgesprochen gut gefällt. Hey, und sogar die Ballade
„You Belong To Me“ funktioniert. Diese Scheibe hätte unter Label-Fittichen
und einem fetteren Sound definitiv eine Wiederveröffentlichung verdient.
Ganz dicke Empfehlung. msvaucher@freesurf.ch,
http://www.emerald.ch
„Across
The Sea“
JUB
CANNIBAL CORPSE "Gore Obsessed"
10
Metal Blade, 2002
Über CANNIBAL CORPSE noch großartig
Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Nur soviel: Mittlerweile
sind sie in der Death Metal-Szene dort angelangt, wo sie hingehören:
Nämlich ganz oben. "Gore Obsessed", ihre neue CD, dürfte dieser
Tatsache nur dienlich sein, denn CANNIBAL CORPSE bieten ihren Anhängern
genau das, was sie hören wollen.Technisch perfekte, brutale Nackenbrecher
mit simplen und dadurch einprägsamen Refrains. Gespielt in einem Mordstempo,
energisch und kraftstrotzend. Corpsegrinders Stimme ist unglaublich wie
immer, der Mann scheint die Lunge eines Pferdes zu besitzen. Er grunzt,
schreit und grollt sich durch die elf Songs (bei "Mutilation Of The Cadaver"
gleich vierzehn Sekunden ohne Luft zu holen am Stück), daß es
nur so eine Art hat. Dabei wartet die Band mit Tempowechseln auf, die mancher
Progband die Kinnlade runterklappen lassen würden. Einzigartig! Großartig!
CANNIBAL CORPSE können mit "Gore Obsessed" ihre Vormachtsstellung
halten, ja sogar festigen. Für mich schon jetzt eine der besten zehn
Platten des Jahres.
"Hatched To The Head"/"Dormant
Bodies
Bursting"
THOMAS
CONCERTO
MOON „The End Of The Beginning“ 10
LMP/SPV, 2001
Man kann wirklich
nicht alles kennen, was da weltweit Heavy Metal fabriziert. Aber es gibt
Bands, die sollte man einfach kennen, egal welcher Hartmetall-Stilistik
sie frönen und aus welchen Breitengraden sie stammen. Eine dieser
Muß-Bands ist definitiv CONCERTO MOON aus Japan.
„Victims
Of Desire“
Die ersten
Samson-Alben ließen Kritiker von einem Bindeglied zwischen 70er-Jahre-Metal
und neuer Generation sprechen. Allerdings hörte man bei den Briten
sehr deutlich die Blues-Rock-Schemata heraus, war die Deep Purple/Rainbow-Schlagseite
allgegenwärtig. Auch wenn CONCERTO MOON keine Band der ersten Stunde
sind, sondern erst 1995 (!!!) gegründet wurden, schlagen sie eine
ähnliche Brücke. Natürlich gehen die Japaner auf ihrem Live-Album
„The End Of The Beginning“ weitaus härter zur Sache, müssen sie
doch keine Pionier-Rolle mehr spielen. Allerdings ist dieses Gipfeltreffen
von 70er-Verspieltheit und Power-Metal-Lärm brillant. Auch CONCERTO
MOON halten es bei ihrer Musik vor allem mit Deep Purple und Rainbow („King
Of The Judas“, „Surrender“, „Victims Of Desire“ und bei „Alone In Paradise“
wartet man förmlich auf das „Mistreated“-Riff), trotzdem ist diese
Band nicht nur etwas für Ritchie Blackmore-Puristen. Die Japsen machen
nämlich auch den Stellen Alarm, wo Deep Purple vermutlich einen Gang
zurück geschaltet hätten. Und daß das Gitarrenspiel von
Norifumi Shima über jede Kritik erhaben ist, versteht sich von selbst.
Schließlich ist "The End Of The Beginning" endlich wieder ein Live-Album
ohne Overdubs und Glattbügeleien. Der Sound ist rauh und das Publikum
spielt eine ganz wichtige Rolle.
„Alone
In Paradise“
JUB
NEON
SUNRISE "Twisted Nerve" 6
Eigenprod.,
2001
Gar nicht mal
so schlecht, was die Bochumer Band NEON SUNRISE auf ihrem neuen, "Twisted
Nerve" betiteltem Demo so fabriziert. Die drei Songs plus ein Livestück
kommen der Anfang der 90er gebräuchlichen Bezeichnung Techno Thrash
ziemlich nahe. - Nein, Techno Thrash ist nicht eine Mischung aus Marusha
und Slayer. Bands wie Coroner oder alte Depressive Age kommen mir in den
Sinn, wenn ich Stücke wie "Twisted Nerve" oder "Prostitude Your Pride"
höre. Verzerrte aber sehr transparente Gitarren mit exzentrischer
Rhythmik, dazu klagender Gesang, leicht in den Hintergrund gemischt. Ziemlich
progressiv aber nicht wie Dream Theater, sondern melancholischer, wie gesagt
eher wie Depressive Age. Wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte unbedingt
mal bei NEON SUNRISE reinhören.
Zu ordern
bei: info@neon-sunrise.de, http://www.neon-sunrise.de
"Twisted
Nerve"
THOMAS
VISION
DIVINE „Send Me An Angel“ 4
Atrheia Rec,
2002
Bei VISION
DIVINE haben wir es mit einer unheiligen Allianz zu tun. Oder anders: Nicht
immer klappt es, große Namen in einem Club zu vereinen, um gegenseitig
von den Fähigkeiten zu profitieren. Denn abgesehen von zum Teil durchaus
guten Songs, funktioniert die Scheibe „Send Me An Angel“ schon mal deswegen
nicht, da ausgerechnet Rhapsody-Sänger Fabio Lione bei VISION DIVINE
seine Stimmbänder strapaziert. Dieses Vibrato klappt gerade noch so
bei Liones Stamm-Combo, für den straighteren Strukturen dieser Songs
ist es denkbar ungeeignet. Etwas mehr Kraft hätte hier weitaus mehr
gerissen.
Ansonsten
sind die Zutaten typisch für melodisches Power Metal-Zeug mit italienischer
Beteiligung: Double Bass-Gehoppel, rasches Tempo, Gitarren-Geflitze und
eine Keyboard-Überdosis (und das im wahrsten Sinne des Wortes). VISION
DIVINE werden auf Grund ihrer Connections sicher tolle Support-Rollen bekommen.
Auch die Magazine dürften die ein oder andere Nettigkeit verbreiten,
bereichert wird Szene durch diese Band allerdings nicht.
„Black
& White“
JUB
PUDDLE OF MUDD "Come Clean"
5
Flawless Rec./Interscope/Geffen,
2002
Die große Zeit des Grunge mit
ihren Dinosauriern wie Soundgarden, Mother Love Bone, Pearl Jam oder Nirvana
ist längst vorüber, da kommt mit "Come Clean" von PUDDLE OF MUDD
eine CD daher, die so klingt, als wären die letzten acht bis zehn
Jahre Musikgeschichte nie passiert. Dabei orientieren sich die Ziehkinder
von Fred Durst (neben Limp Bizkit Labelchef von Flawless Rec., zusätzlicher
Produzent von "Come Clean") am meisten an Nirvana, was sich sehr stark
beim Gesang von Wesley Reid Scantlin bemerkbar macht. PUDDLE OF MUDD jedoch
als bloße Kopisten abzutun, wäre ungerecht, denn ihre Musik
ist, wenn auch nicht sehr originell, durchaus hörenswert. Der Song
"She Hates Me" zum Beispiel ist sogar ein kleiner Hit. Vorrausgesetzt natürlich
man steht auf Grunge.
"She Hates Me"
THOMAS
KICK „Sweet Lick Of Fire“
8
Sanctuary/Noise, 2001
KICK waren 1999 dermaßen über
den Klee gelobt worden, daß ich den Melodic-Kracher an sich erwartete.
Außerdem war ihr Debüt „Consider This ...“ unter den Fittichen
von Steve „Iron Maiden“ Harris entstanden. Man durfte also Großes
erwarten, erst Recht, da Queen-Vergleiche angestellt wurden. Was dann aber
vorlag, war ein laues Lüftchen. Ganze zwei Song auf der „Consider
This ...“ waren wirklich des Bemerkens wert, der Rest faules Obst.
Das haben die Mannen um das Gebrüder-Paar
Chris und Mickey Johns sicher trotz schleimiger Lobes-Hymnen in diversen
Major-Metal-Zines auch bemerkt und die ganze Sache auf „Sweet Lick Of Fire“
auf den Kopf gestellt. Hier sind es nämlich lediglich zwei Stücke,
die nicht ganz so gut kommen („Sweet Lick Of Fire“, „Time“). Der Rest ist
1 A Melodic Metal-Kost, daß man meinen möchte, die neue Scheibe
ist komplett von einem anderen Team komponiert worden als „Consider This
...“. Hinzu kommt noch ein Härtegrad, wie man ihn von KICK nach ihrem
Debüt garantiert nicht mehr erwartet hat. Also geht es den Jungs doch
um Heavy Metal und nicht Top Of The Pops-Auftritte.
„Inhibition“
JUB
[vor][zurück]