An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

BELPHEGOR Spezial - Interview mit Helmuth (voc/git) und Sigurd (bg) vom 19. August 2003


SETHERIAL "Endtime Divine" 7
Regain Records, 2003 

Setherial - Endtime Divine

SETHERIAL sind das typische Beispiel für eine skandinavische Black Metal-Band. Sicher auch in musikalischer Hinsicht. Allerdings ist an dieser Stelle vor allem die Geschichte der Gruppe gemeint. Hoffnungsvoller Beginn 1993 mit einem festen Line up von ein paar unverbesserlichen Idealisten, die allerdings schon nach dem ersten Release "Nord" auseinanderrannten, um sich auf dem immer größer werdenden Markt der Schwarz Metall-Kapellen zu tummeln. Seither krepelt die Band so vor sich hin, nahm mit zwei Stamm-Musikern und ein paar gedungenen Studio-Leuten zwei weitere Alben auf, um sich jetzt reaktivieren zu lassen und mit "Endtime Divine" Album Nummer vier vorzulegen. Nicht ohne vorher noch einmal altes Demo-Material unter dem Titel "From The Ancient Ruins" unters Volk zu mischen. Und wieder ist das Ganze mehr ein Projekt, bei dem im Line up beinahe noch Gast-Sänger Wrath von Naglfar am interessantesten ist.
Aber nichts desto trotz können die SETHERIAL-Macher zufrieden auf diese Scheibe schauen. Völlig ohne technischen Schnickschnack haben Kraath und Alastor Mysteriis hier eine Scheibe eingehämmert wie sie ebensogut 1995 hätte veröffentlicht werden können. Ultraschneller, kompromißloser Black Metal, bei dem Melodien in den Gitarrenläufen meist nur als Fragmente existieren, weil man sich stark auf Wechsel konzentriert, die bei SETHERIAL bemerkenswert flüssig daherkommen. Eine Veränderung in Tempo oder Rhythmus nimmt man manchmal erst wahr, wenn die ersten Takte bereits durch sind. Für den klassischen Black Metal-Fan, der in Dimmu Borgir schon einen Abgesang auf die Szene sah, ist dieses Album unverzichtbar.
"The Night Of The Nights"/"Crimson Manifestation"

JUB

AURORA BOREALIS "Time, Unveiled" 8
Die Hard Music/Neo, 2003

Aurora Borealis - Time, Unveiled

Wenn wir uns auch bisher so ziemlich sicher sein konnten, daß Black Metal ein europäisches Phänomen bleibt, dürfen wir jetzt durchaus unruhiger werden. Damit meine ich nicht die zum Teil qualitativ hochwertigen Versuche südamerikansicher Bands, sich in dieses Genre zu wagen. Denn das wird sporadisch bleiben. Vielmehr fangen die Amis an, mehr und mehr gutartige Bands über den Teich zu schicken. Im eigenen Saft werden diese Leute kaum zur Geschmacksverstärkung beitragen, denn Heavy Metal geht in den Staaten im großen und ganzen über Metallica und Aerosmith nicht hinaus. Selbst Bands wie Slayer dürften für sich im Verhältnis auf die Größe des Landes gesehen wieder einen Underground-Status akzeptieren.
Was sollen da erst Bands wie AURORA BOREALIS sagen. Solche Leute können doch froh sein, wenn sie nicht von wild gewordenen Farmern auf offener Straße erschossen werden (hatten wir schon mal zu Zeiten der Hippies). Also auf nach Europa. Und hier dürfte dieses Duo, bestehend aus Ron Vento (voc/g/bg) und Tim Yeung (dr), eine enorme Fan-Schar ansprechen. Denn der Black/Death Metal des Duos ist durchaus nordisch geprägt. Nicht selten klingen AURORA BOREALIS in den hastigen Passagen zum Beispiel wie Marduk ("Reign"). Auch bei AURORA BOREALIS fallen die Tempi- und Rhythmus-Wechsel auf. Allerdings geschieht das hier häufig recht abrupt, manchmal gar unmotiviert. Und trotzdem versprüht dieses zum Teil recht unbedarfte und rohe Gebolze einen unwiderstehlichen Charme. Die Scheibe "Time, Unveiled" wirkt gegenüber ihrem Vorgänger "Northern Lights" trotz der Rohheit runder. Abwechslung ist garantiert. Das gilt sowohl für die CD an sich als auch für die einzelnen Songs, die bei allen Arrangement-Ideen aber immer noch kompakt bleiben, so daß gängige Gitarren-Parts wiederkehren und zum Hirnwurm werden. Zwei Songs stammen vom 94er Demo. Sehr kraß. Erinnern an Messiah.
Textlich befassen sich AURORA BOREALIS mit geschichtlichen Ereignisse aus der Epoche zu Beginn unserer Zeitrechnung. Vor allem die Wikinger haben es ihnen angetan. Allerdings wehren sich die Amis vehement, mit diesen Dingen mental oder verwandschaftlich in Verbindung gebracht zu werden. Ron Vento weist darauf hin, daß in seinen Adern kein nordisches Blut fließt. Dennoch interessiere ihn diese Zeit. Ein Grund darüber zu singen. Verständlich. Worüber in der amerikansichen Geschichte soll man auch singen, ohne vor Scham sämtliche Haare zu verlieren?
"Berzerker"

JUB

BLOOD RED THRONE „Affiliated With The Suffering“ 7
Hammerheart Productions, 2003

Blood Red Throne - Affiliated With The Suffering

Plakativer kann ein Cover bald nicht sein: Ein uns die Zunge herausstreckender langhaariger Bombenleger erfreut sich gerade eines Blutbades. An die Wand schrieb er vermutlich mit dem Lebenssaft seiner eben erledigten Opfer den Namen jener Scheibe, die er mit ein paar Kumpels wenig später noch im Eindruck des eben getanen Werkes einspielte: "Affiliated With The Suffering" (heißt sovbiel wie "dem Leid verbunden").
BLOOD RED THRONE waten logischerweise im Blut, wenn sie uns etwas erzählen möchten. Und da das Blut-Thema zu den Klassikern im Death Metal gehört, verweigert sich die Musik der Norweger auch strikt jeglicher verspielter Einflüsse. Schneller, ultra-brutaler Death Metal auf hohem technischen Niveau. Nichts epochales aber äußerst kurzweilig. Verbrochen haben das Ganze unter anderem die Ex-Satyricon-Leute Tchort und Dod. Das üble Gegrowle steuerte Mr. Hustler bei. Wer das Debüt der Norweger "Monument Of Death" besitzt, kann sich mit "Affiliated With The Suffering" auf eine enorme Steigerung freuen.
"Mercy Killings“

JUB

NAER MATARON „River At Dash Scalding“ 8
Black Lotus Records, 2003

Naer Mataron - River At Dash Scalding

Während sich die skandinavischen Waldschrate langsam wieder in ihre Wälder zurückziehen, um eventuell neue Inspirationen zu sammeln oder gänzlich dem Hier zu entsagen, ergreifen die Osteuropäer die Fackel, um neue Brände zu legen. NAER MATARON sind eine dieser Bands, die Black Metal norwegischer Prägung zelebrieren und ganz der Tradition verhaftet den Nationalismus predigen. Als Griechen hat man da im Moment zwar wenige Ansätze, die Geschichte strotz aber vor Begebenheiten, die es zu besingen gilt. Das passiert mal hysterisch wild, mal episch ausufernd. Und so entstehen auch Stücke, die immense Überlänge aufweisen. Aber keine Angst, das Trio verzettelt sich nicht, kann bei jedem Song einen roten Faden vorweisen. Interessant ist der Song "The Triumph Of Will" (Triumph des Willens). Nicht, weil er etwa einen ganz bestimmten Text hat, denn auch hier geht es um griechische Mythologie. Vielmehr werden Erinnerungen an eine der innovativsten deutschen Filmemacherin wach, die in diesem Jahr 102 Jahre alt werden dürfte: Leni Riefenstahl. Die hat nämlich 1938 den Film "Triumph des Willens" gedreht, in dem der Reichsparteitag dokumentiert wurde. Die cineastische Pionier-Leistung Riefenstahls in dem Werk war enorm, was international anerkannt wird. Die Greisin wird für ihre Leistung weltweit verehrt. In Deutschland ist der Film verboten, Leni Riefenstahl konnte nach dem Krieg gut 30 Jahre in Deutschland nicht mehr arbeiten. Gedankenloser wurde selten künstlerisches Potential zerstört. So, jetzt habt ihr wieder einmal etwas dazu gelernt. Hat zwar nichts mit der CD zu tun, ist aber Wert zu wissen.
"River At Dash Scalding" ist absolut zu empfehlen, auch wegen des extrem kultigen Outfits der Band-Mitglieder. Oder habt Ihr schon einmal mit Gesichtsbemalung verzierte Skinheads gesehen?
„The Triumph Of Will“

JUB

FOREST OF IMPALED "Forward The Spears" 9
Red Stream, 2003

Forest Of Impaled - Forward The Spears

Was "Bashyrk" für Immortal war (ja, leider war, denn die Band hat sich aufgelöst) und "Bombenhagel" für Sodom ist, könnte der Titelsong ihres Debüts für FOREST OF IMPALED werden. Dieses "Forward The Spears" ist eine herrlich kompromißlos nach vorn gespielte Black/Thrash-Nummer, die nach einmaligem Hören sofort ins Ohr geht. Die Titelzeile wird wie ein Angriffs-Befehl Kommando-artig immer wieder wiederholt, daß man sich förmlich angetrieben fühlt. Und kein Ballast zerreißt diese famose Wirkung.
Das Album "Forward The Spears" ist eine nahezu perfekte Symbiose aus Black, Death und Thrash Metal. Die Songs beinhalten die Riff-Brillanz des Thrash, die brutale Wucht des Death und die spitze, haßerfüllte Rasanz des Black Metals. Und selbst Sänger Marcus M. Kolar bedient zwischen krankem Gekeife und knurrigem Growl eine breite Stil-Vielfalt. Mit welcher unbeschreiblichen Gewalt FOREST OF IMPALED zu Werke gehen, dokumentiert unter anderem das monotone Geballer von "I Am The Temple To Eternal Death". Stellt man sich bei voll aufgedrehtem Regler vor die Boxen, wickeln sich die Gesichtslappen um den Hinterkopf. "Hand Of Vengeance" ist nicht minder brachial, wartet aber mit einem deathigen Gitarren-Gequieke auf, als würden die Forest-Jungs einen Riesenschwarm von Wildgänsen massakrieren. Zum Ende hin werden die Songs auf der CD schwarzmetallischer, allerdings nicht weniger aggressiv.
Und zu allem Schreck kommt diese Band auch noch aus den Staaten. Ich möchte es ja nicht beschreien, aber die Heckenschützen gebeutelten Amis rücken uns hier in der alten Welt mit Hammer-Acts immer bedrohlicher auf den Pelz.
"Forward The Spears"

JUB

HARMONY DIES „Impact“ 5
Morbid Records, 2003

Harmony Dies - Impact

Ich mag diese Band. Schon seit ihrer Gründung, als man noch mit zwei Sängern und einer Bassistin auftrat. Allerdings scheint die Band derzeit in ein kreatives Loch gefallen zu sein, denn "Impact" wirkt dermaßen unspektakulär, daß ich für einen Moment fassungslos vor der Anlage saß. Nicht, daß die neue HARMONY DIES-Scheibe jetzt etwa schlecht wäre, denn für so manch eine andere Death Metal-Band in unseren Landen wird selbst dieses Niveau für immer unerreichbar bleiben. Aber vielleicht war es gerade diese doch immense Erwartungshaltung, die mich ob des neuen HARMONY DIES-Materials ein wenig mit den Berlinern hadern läßt. Dabei sind die Zutaten fett: heftige Death Metal-Songs zwischen dommigen Grooves und poltrigem Blast, technisch durchaus beeindruckend. Für HARMONY DIES-Verhältnisse allerdings nur Durchschnitt. Old School-Fans sind hier aber gut aufgehoben. 
„Toxicated“

JUB
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