SETHERIAL
"Endtime Divine" 7
Regain Records,
2003
SETHERIAL sind
das typische Beispiel für eine skandinavische Black Metal-Band. Sicher
auch in musikalischer Hinsicht. Allerdings ist an dieser Stelle vor allem
die Geschichte der Gruppe gemeint. Hoffnungsvoller Beginn 1993 mit einem
festen Line up von ein paar unverbesserlichen Idealisten, die allerdings
schon nach dem ersten Release "Nord" auseinanderrannten, um sich auf dem
immer größer werdenden Markt der Schwarz Metall-Kapellen zu
tummeln. Seither krepelt die Band so vor sich hin, nahm mit zwei Stamm-Musikern
und ein paar gedungenen Studio-Leuten zwei weitere Alben auf, um sich jetzt
reaktivieren zu lassen und mit "Endtime Divine" Album Nummer vier vorzulegen.
Nicht ohne vorher noch einmal altes Demo-Material unter dem Titel "From
The Ancient Ruins" unters Volk zu mischen. Und wieder ist das Ganze mehr
ein Projekt, bei dem im Line up beinahe noch Gast-Sänger Wrath von
Naglfar am interessantesten ist.
Aber nichts
desto trotz können die SETHERIAL-Macher zufrieden auf diese Scheibe
schauen. Völlig ohne technischen Schnickschnack haben Kraath und Alastor
Mysteriis hier eine Scheibe eingehämmert wie sie ebensogut 1995 hätte
veröffentlicht werden können. Ultraschneller, kompromißloser
Black Metal, bei dem Melodien in den Gitarrenläufen meist nur als
Fragmente existieren, weil man sich stark auf Wechsel konzentriert, die
bei SETHERIAL bemerkenswert flüssig daherkommen. Eine Veränderung
in Tempo oder Rhythmus nimmt man manchmal erst wahr, wenn die ersten Takte
bereits durch sind. Für den klassischen Black Metal-Fan, der in Dimmu
Borgir schon einen Abgesang auf die Szene sah, ist dieses Album unverzichtbar.
"The Night
Of The Nights"/"Crimson Manifestation"
JUB
AURORA
BOREALIS "Time, Unveiled" 8
Die Hard Music/Neo,
2003
Wenn wir uns
auch bisher so ziemlich sicher sein konnten, daß Black Metal ein
europäisches Phänomen bleibt, dürfen wir jetzt durchaus
unruhiger werden. Damit meine ich nicht die zum Teil qualitativ hochwertigen
Versuche südamerikansicher Bands, sich in dieses Genre zu wagen. Denn
das wird sporadisch bleiben. Vielmehr fangen die Amis an, mehr und mehr
gutartige Bands über den Teich zu schicken. Im eigenen Saft werden
diese Leute kaum zur Geschmacksverstärkung beitragen, denn Heavy Metal
geht in den Staaten im großen und ganzen über Metallica und
Aerosmith nicht hinaus. Selbst Bands wie Slayer dürften für sich
im Verhältnis auf die Größe des Landes gesehen wieder einen
Underground-Status akzeptieren.
Was sollen
da erst Bands wie AURORA BOREALIS sagen. Solche Leute können doch
froh sein, wenn sie nicht von wild gewordenen Farmern auf offener Straße
erschossen werden (hatten wir schon mal zu Zeiten der Hippies). Also auf
nach Europa. Und hier dürfte dieses Duo, bestehend aus Ron Vento (voc/g/bg)
und Tim Yeung (dr), eine enorme Fan-Schar ansprechen. Denn der Black/Death
Metal des Duos ist durchaus nordisch geprägt. Nicht selten klingen
AURORA BOREALIS in den hastigen Passagen zum Beispiel wie Marduk ("Reign").
Auch bei AURORA BOREALIS fallen die Tempi- und Rhythmus-Wechsel auf. Allerdings
geschieht das hier häufig recht abrupt, manchmal gar unmotiviert.
Und trotzdem versprüht dieses zum Teil recht unbedarfte und rohe Gebolze
einen unwiderstehlichen Charme. Die Scheibe "Time, Unveiled" wirkt gegenüber
ihrem Vorgänger "Northern Lights" trotz der Rohheit runder. Abwechslung
ist garantiert. Das gilt sowohl für die CD an sich als auch für
die einzelnen Songs, die bei allen Arrangement-Ideen aber immer noch kompakt
bleiben, so daß gängige Gitarren-Parts wiederkehren und zum
Hirnwurm werden. Zwei Songs stammen vom 94er Demo. Sehr kraß. Erinnern
an Messiah.
Textlich befassen
sich AURORA BOREALIS mit geschichtlichen Ereignisse aus der Epoche zu Beginn
unserer Zeitrechnung. Vor allem die Wikinger haben es ihnen angetan. Allerdings
wehren sich die Amis vehement, mit diesen Dingen mental oder verwandschaftlich
in Verbindung gebracht zu werden. Ron Vento weist darauf hin, daß
in seinen Adern kein nordisches Blut fließt. Dennoch interessiere
ihn diese Zeit. Ein Grund darüber zu singen. Verständlich. Worüber
in der amerikansichen Geschichte soll man auch singen, ohne vor Scham sämtliche
Haare zu verlieren?
"Berzerker"
JUB
BLOOD RED THRONE „Affiliated
With The Suffering“ 7
Hammerheart Productions, 2003
Plakativer kann ein Cover bald nicht
sein: Ein uns die Zunge herausstreckender langhaariger Bombenleger erfreut
sich gerade eines Blutbades. An die Wand schrieb er vermutlich mit dem
Lebenssaft seiner eben erledigten Opfer den Namen jener Scheibe, die er
mit ein paar Kumpels wenig später noch im Eindruck des eben getanen
Werkes einspielte: "Affiliated With The Suffering" (heißt sovbiel
wie "dem Leid verbunden").
BLOOD RED THRONE waten logischerweise
im Blut, wenn sie uns etwas erzählen möchten. Und da das Blut-Thema
zu den Klassikern im Death Metal gehört, verweigert sich die Musik
der Norweger auch strikt jeglicher verspielter Einflüsse. Schneller,
ultra-brutaler Death Metal auf hohem technischen Niveau. Nichts epochales
aber äußerst kurzweilig. Verbrochen haben das Ganze unter anderem
die Ex-Satyricon-Leute Tchort und Dod. Das üble Gegrowle steuerte
Mr. Hustler bei. Wer das Debüt der Norweger "Monument Of Death" besitzt,
kann sich mit "Affiliated With The Suffering" auf eine enorme Steigerung
freuen.
"Mercy Killings“
JUB
NAER
MATARON „River At Dash Scalding“ 8
Black Lotus
Records, 2003
Während
sich die skandinavischen Waldschrate langsam wieder in ihre Wälder
zurückziehen, um eventuell neue Inspirationen zu sammeln oder gänzlich
dem Hier zu entsagen, ergreifen die Osteuropäer die Fackel, um neue
Brände zu legen. NAER MATARON sind eine dieser Bands, die Black Metal
norwegischer Prägung zelebrieren und ganz der Tradition verhaftet
den Nationalismus predigen. Als Griechen hat man da im Moment zwar wenige
Ansätze, die Geschichte strotz aber vor Begebenheiten, die es zu besingen
gilt. Das passiert mal hysterisch wild, mal episch ausufernd. Und so entstehen
auch Stücke, die immense Überlänge aufweisen. Aber keine
Angst, das Trio verzettelt sich nicht, kann bei jedem Song einen roten
Faden vorweisen. Interessant ist der Song "The Triumph Of Will" (Triumph
des Willens). Nicht, weil er etwa einen ganz bestimmten Text hat, denn
auch hier geht es um griechische Mythologie. Vielmehr werden Erinnerungen
an eine der innovativsten deutschen Filmemacherin wach, die in diesem Jahr
102 Jahre alt werden dürfte: Leni Riefenstahl. Die hat nämlich
1938 den Film "Triumph des Willens" gedreht, in dem der Reichsparteitag
dokumentiert wurde. Die cineastische Pionier-Leistung Riefenstahls in dem
Werk war enorm, was international anerkannt wird. Die Greisin wird für
ihre Leistung weltweit verehrt. In Deutschland ist der Film verboten, Leni
Riefenstahl konnte nach dem Krieg gut 30 Jahre in Deutschland nicht mehr
arbeiten. Gedankenloser wurde selten künstlerisches Potential zerstört.
So, jetzt habt ihr wieder einmal etwas dazu gelernt. Hat zwar nichts mit
der CD zu tun, ist aber Wert zu wissen.
"River At
Dash Scalding" ist absolut zu empfehlen, auch wegen des extrem kultigen
Outfits der Band-Mitglieder. Oder habt Ihr schon einmal mit Gesichtsbemalung
verzierte Skinheads gesehen?
„The Triumph
Of Will“
JUB
FOREST OF IMPALED "Forward
The Spears" 9
Red Stream, 2003
Was "Bashyrk" für Immortal war
(ja, leider war, denn die Band hat sich aufgelöst) und "Bombenhagel"
für Sodom ist, könnte der Titelsong ihres Debüts für
FOREST OF IMPALED werden. Dieses "Forward The Spears" ist eine herrlich
kompromißlos nach vorn gespielte Black/Thrash-Nummer, die nach einmaligem
Hören sofort ins Ohr geht. Die Titelzeile wird wie ein Angriffs-Befehl
Kommando-artig immer wieder wiederholt, daß man sich förmlich
angetrieben fühlt. Und kein Ballast zerreißt diese famose Wirkung.
Das Album "Forward The Spears" ist
eine nahezu perfekte Symbiose aus Black, Death und Thrash Metal. Die Songs
beinhalten die Riff-Brillanz des Thrash, die brutale Wucht des Death und
die spitze, haßerfüllte Rasanz des Black Metals. Und selbst
Sänger Marcus M. Kolar bedient zwischen krankem Gekeife und knurrigem
Growl eine breite Stil-Vielfalt. Mit welcher unbeschreiblichen Gewalt FOREST
OF IMPALED zu Werke gehen, dokumentiert unter anderem das monotone Geballer
von "I Am The Temple To Eternal Death". Stellt man sich bei voll aufgedrehtem
Regler vor die Boxen, wickeln sich die Gesichtslappen um den Hinterkopf.
"Hand Of Vengeance" ist nicht minder brachial, wartet aber mit einem deathigen
Gitarren-Gequieke auf, als würden die Forest-Jungs einen Riesenschwarm
von Wildgänsen massakrieren. Zum Ende hin werden die Songs auf der
CD schwarzmetallischer, allerdings nicht weniger aggressiv.
Und zu allem Schreck kommt diese
Band auch noch aus den Staaten. Ich möchte es ja nicht beschreien,
aber die Heckenschützen gebeutelten Amis rücken uns hier in der
alten Welt mit Hammer-Acts immer bedrohlicher auf den Pelz.
"Forward The Spears"
JUB
HARMONY
DIES „Impact“ 5
Morbid Records,
2003
Ich mag diese
Band. Schon seit ihrer Gründung, als man noch mit zwei Sängern
und einer Bassistin auftrat. Allerdings scheint die Band derzeit in ein
kreatives Loch gefallen zu sein, denn "Impact" wirkt dermaßen unspektakulär,
daß ich für einen Moment fassungslos vor der Anlage saß.
Nicht, daß die neue HARMONY DIES-Scheibe jetzt etwa schlecht wäre,
denn für so manch eine andere Death Metal-Band in unseren Landen wird
selbst dieses Niveau für immer unerreichbar bleiben. Aber vielleicht
war es gerade diese doch immense Erwartungshaltung, die mich ob des neuen
HARMONY DIES-Materials ein wenig mit den Berlinern hadern läßt.
Dabei sind die Zutaten fett: heftige Death Metal-Songs zwischen dommigen
Grooves und poltrigem Blast, technisch durchaus beeindruckend. Für
HARMONY DIES-Verhältnisse allerdings nur Durchschnitt. Old School-Fans
sind hier aber gut aufgehoben.
„Toxicated“
JUB