An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 20. Februar 2001


SAVATAGE „Commissar“ 7
Steamhammer/SPV, 2001

Savatage - Commissar

„Commissar“
Ein neues SAVATAGE-Album versprach Gitarrist Chris Caffery bereits in einem Interview mit INTERREGNUM Ende 1999. Da hat man sich offenbar Zeit gelassen. Diese Maxi läßt allerdings Großes erahnen. Zumindest das Titelstück „Commissar“ ist Musik, wie wir sie von den Amis SAVATAGE erwarten: ausladende Strukturen, griffige Melodien und - endlich wieder - beinharte Gitarrenriffs.  „Drive“ kommt auch gut, hat aber nichts Besonderes an sich. Song Nummer drei, „Voyage“, scheint der „Abgesang“ Al Pitrellis zu sein, der ja bekanntlich zu Megadeth ging. Hier ist er noch einmal für zweieinhalb Minuten per Akustik-Gitarre zu hören. Allein dieses Stück macht aber noch nicht den Sinn der Single aus, denn „Commissar“ und „Drive“ gibt es auch auf dem zu erwartenden Album in eben jenen vorliegenden Versionen.

JUB

AISENMOND "Erare" 4
Eigenproduktion

Aisenmond - Erare

Ziemlich eigenwillig haben AISENMOND ihre Musik gestaltet. Die acht Songs ihrer "Erare"-CD warten mit Versatzstücken unterschiedlicher Musikstile auf. "Last Human" zum Beispiel ist noch ziemlich düster (ich möchte hier nochmal auf die Relativität des Wortes hinweisen). Wohingegen das nächste Lied "Seelenfeuer" mit funkigem Slapbass beginnt, um in eine gefällige Melodie überzugehen und am Ende eine punkmäßige Steigerung zu erfahren. Bei "Ewigkeit geschenkt", einem eher ebenfalls düsteren Lied, lugt ab und zu mal ein schelmisches Akkordeongeräusch um die Ecke, um den Zuhörer vollends zu verwirren. Letztendlich klingt das Ganze zu planlos und konfus aber vielleicht gefällt es Euch? CD Bestellungen gehen an:
contact@aisenmond.de und eine Website haben die Jungs auch.
"Seelenfeuer"

THOMAS

NECROPHAGIA „Holocausto de la Morte“  10
The Plague/Connected, 2000

Necrophagia - Holocausto de la Morte

„Children Of The Vortex“
NECROPHAGIA riffen, was die gichtigen Pfoten hergeben, geröchelt wird aus dem Zwölf-Finger-Darm, Tonfolgen werden dermaßen schräg aneinandergereiht, als hätte man den Musikern das Trommelfell durchstochen und von Veränderungen auf dem Metal-Markt haben die Typen dieser Band offenbar auch noch nichts mitbekommen.  Seit dem legendären Debüt „Season Of The Dead“ 1987 ziehen NECROPHAGIA ihr Ding durch: Es wird immer noch fleißig rückgekoppelt, man stolpert weiter übers Schlagzeug und die Gitarren werden an den Wänden entlanggeschrabt, daß das nur so eine Art hat.
„Deep Inside, I Plant The Devil’s Seed“
Natürlich sind NECROPHAGIA pervers, natürlich sind sie mit dem Teufel im Bunde und natürlich sind die Musiker dieser Band potentielle Serienmörder. Wie sonst kommt man auf die Idee, musikalisch einem der abgefahrensten Splatter-Regisseure, Lucio Fulci, ein Denkmal zu setzen. Und wer sich in der Branche der spaßigen bunten Filme aus Italien auskennt, der weiß: Bei Fulci werden Eingeweide gekotzt, Leiber aufgerissen, wird sich in Exkrementen gesuhlt und menschliche Körperteile verzehrt. Bei uns in Deutschland sind die meisten dieser Filme verboten. Aber, was uns die Zensur bisher bildlich vorenthielt, können wir jetzt zumindest mit den Ohren genießen. Und so eignet sich diese wunderbare Platte hervorragend für einen gemeinsamen Nachmittag im Kreise der Familie bei Kaffee und Kuchen. Nicht umsonst gibt es auf „Holocausto de la Morte“ auch ein hübsches Lied vom Weihnachtsmann ...
„It Lives In The Wood“
Pantera-Sänger Phil Anselmo - das ist der, der neuerdings immer betrunken auf die Bühne kommt - spielt auf „Holocausto“ Gitarre und Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder  ...  nein, der spielt nicht mit auf diesem Teil. Aber trotzdem gehört sein Name mit in diese Rezension. Uns Eddie sah das NECROPHAGIA-Home-Video „Through Eyes Of The Dead“ als er Joey Ramone besuchte und alarmierte daraufhin das FBI: Perlen-Marmeladen-Vocalist Vedder glaubte nämlich, ein Snuff-Movie gesehen zu haben.

JUB

SOULFLY "Primitive" 1
Roadrunner, 2001

Soulfly - Primitive

Yo Muthafuckaz - MC Cavalera's in da House! Check him out! Aua, Aua, Aua, wat is dat denn? Der ehemalige Sepultura-Frontantichrist und jetztige "One-world-Rastamann" gibt sich auf seiner neuen CD "Primitive" (zumindest für Europäer) gänzlich dem Spott und Hohn seiner ehemaligen Anhängerschaft preis. Hüpfen statt Headbangen ist die Devise. Multikultivibes statt Evilzeichen. Und am schlimmsten: grottiger Nu Metal statt kräftigem Thrash. Die Songs machen aggressiv, so aggressiv, daß ich die CD schon aus dem Fenster geworfen habe (um sie später wieder reinzuholen um Euch "Jump Da Fuck Out" vorspielen zu können). 
"Jump Da Fuck Out"

THOMAS

DISPATCHED „Motherwar“ 5
Music For Nations, 2000

Dispatched - Motherwar

„Dies ist tatsächlich Metal: Das Logo sagt Metal, das Artwork schreit Metal, der Album-Titel ist von Metal durchdrungen, der Sound trieft vor Metal ... DISPATCHED sind nicht irgendeine Metal-Band, sondern die definitive Metal-Band ...“ Das sagt die Plattenfirma. Allerdings liegt dem Ganzen auch ein Band-Foto bei, welches nach Liquido schreit, von Offspring durchdrungen ist und vor Smashing Pumpkins trieft. Selten haben sich (aufdiktierter?) Anspruch und Präsentation so widersprochen, wie bei DISPATCHED. Aber immerhin gibt es ja auch noch die CD. Und die Musik, die darauf zu finden ist, ist zwar kein definitiver Metal, mit seinen Schweden-Death-Anleihen, Speed-Attacken und 80er-Metal-Referenzen zum Teil aber gar nicht so übel.

„Motherwar“
Dieser Song macht deutlich, daß es sich bei dem DISPATCHED-Album um irgendein Album irgendeiner jungen neuen Band aus Schweden handelt, das klingt wie irgendein Album irgendeiner anderen jungen neuen Band aus Pusemuckel. Was Music For Nations geritten hat, von dem „Metal-Album des neuen Jahrtausends“ zu sprechen und in der Band die Personifizierung der Zukunft des Metals zu sehen, weiß allein der Whiskey-Händler in der Straße des Band-Info-Schreibers. Fakt ist, daß jeder Song des Albums klingt wie das Titelstück. Selbst die Europe-Cover-Version „The Final Countdown“ macht da keine Ausnahme.
„The Final Countdown“

JUB
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