RAISE
HELL „Not Dead Yet“ 7
Nuclear Blast,
2000
„Dance With
The Devil“
Sicher, dieses
Album hat schon mehr als ein halbes Jahr auf dem Buckel. Allerdings wäre
diese CD nicht die erste, die bei einem Großteil der Metal konsumierenden
Gemeinde unterging, da der Veröffentlichungswust im vergangenen Jahr
einfach ungeahnte Dimensionen annahm. Deshalb sei an dieser Stelle an die
schwedische Jungriege RAISE HELL erinnert.
Bei „Not Dead
Yet“ sprachen einige selbsternannte Szene-Kenner von einem bevorstehenden
Thrash-Metal-Revival. Damit lastete auf den Schultern der jungen Burschen
schon wieder eine Bürde, die sie sich selbst gar nicht aufnacken wollten.
Denn eigentlich bedienten sie sich doch nur eines Stils, der ihnen gefiel.
Und es ist garantiert immer besser, als talentierte Band wahrgenommen zu
werden, als die Sperrspitze einer wiederkehrenden Musik-Richtung sein zu
müssen. Nun, und Thrash kam auch nicht wieder. Das zeigten 2000 die
Rohrkrepierer von Destruction und Thanatos.
Nichtsdestotrotz
lieferten RAISE HELL mit ihrem zweiten Album „Not Dead Yet“ ein sehr gutes
Stück Musik ab, das allerdings keine Eigenständigkeit besaß.
Die ständigen Verweise auf Kreator waren durchaus berechtigt. Aber
warum auch nicht, denn die deutschen Vorbilder kann man guten Willens heute
eh nicht mehr hören. Entweder man greift auf die alten Alben zurück
oder - hört RAISE HELL.
„Not Dead
Yet“
RAISE HELL
hatten mit ihrem Debüt „Holy Target“ 1998 eine gehörige Portion
Glück, als sie ohne Anlauf zu Presselieblingen avancierten. Das steigert
bekanntlich das Ego einer so jungen Band, deren Mitglieder eh glauben,
sie seien die Größten. Und solch eine Bestätigung kann
die kreativen Potentiale wecken. Dies scheint bei RAISE HELL der Fall zu
sein. Ob sie allerdings wirklich so gut sind, wie sie scheinen und wie
so mancher Schreiberling behauptet, werden die Skandinavier uns mit ihrem
dritten Album beweisen müssen. Und das kommt hoffentlich noch in diesem
Jahr.
„Black
Attack“
JUB
DORO
„White Wedding“ 5
Steamhammer/SPV,
2001
Ende letzten
Jahres hat sich DORO fulminant mit ihrem Album „Calling The Wild“ zurückgemeldet
und all jene Fans versöhnt, die mit „Machine II Machine“ und
„Love Me In Black“ überhaupt nichts anzufangen wußten.
Aber natürlich weiß der laufende Meter Doro Pesch als Fast-Amerikanerin,
daß es sich gut macht, singletaugliche Songs auf einem Album mitzuliefern.
Und genau das tat sie unter anderem mit dem Billy Idol-Hit „White Wedding“.
Die dazugehörige Maxi war schließlich nur eine Frage der Zeit.
Neben der Album-Version des Songs - die unbestritten die bessere ist -
gibt es hier eine „White Wedding“-Single-Version und einen CD-Extra-Track
des Stücks. Wirklich interessant macht die Maxi allerdings das bisher
unveröffentlichte „I Adore You“. Ein starker Song, der auch Warlock
gut zu Gesicht gestanden hätte.
„White
Wedding“
JUB
IN FLAMES
„Clayman“ 9
Nuclear Blast,
2000
Da gibt es
doch diesen permanenten Vergleich von Dark Tranquillity und IN FLAMES.
Der rührt sicher daher, daß beide Bands den gleichen musikalischen
Background besitzen, quasi stilprägend für den Schweden-Death
waren und auch schon miteinander Musiker austauschten. Während IN
FLAMES mit „Colony“ (99) gnadenlos gegen Dark Tranquillitys „Projector“
untergingen, haben die Mannen um Gitarrist Jesper Strömblad jetzt
mit „Clayman“ gegenüber „Haven“ wieder die Nase um Längen vorn.
Auf diesem
Album gehen Härte und Melodiegefühl konsequent Hand in Hand.
Kaum Schnickschnack, es wird sich aufs Wesentliche konzentriert. Während
auf den beiden ersten Alben „Lunar Strain“ (94) und „The Jester Race“ (96)
bei den Kompositionen eine gewisse Aufgesetztheit nicht zu überhören
war, entwickelten sich IN FLAMES über „Whoracle“ (97) und „Colony“
zu ausgefeilten Songwritern, die beinahe jede musikalische Hürde zu
meistern verstehen. Die verwendeten Stilmittel auf „Clayman“ treffen den
Nagel auf den Kopf.
„... As
The Future Repeats Today“
In Sachen
Besetzungen ging es bei IN FLAMES wie eigentlich bei den meisten skandinavischen
Bands drunter und drüber. Derzeit agieren neben Jesper Sänger
Anders Friden, Björn Gelotte an der Gitarre, Peter Iwers am Baß
und Schlagzeuger Daniel Svensson miteinander. Beständigkeit
in der Mannschaft würde den Schweden garantiert gut tun und den Fans
als nächstes eine ähnlich wohltuende Scheibe wie „Clayman“ garantieren.
„Square
Nothing“
Zum Schluß
noch eine Anekdote: Mit einem 3-Track-Demo kamen IN FLAMES einst bei Wrong
Again Records unter Vertrag. Die wollten dann für ein erstes Album
die von der Band in Aussicht gestellten 14 Songs. Und binnen eines Tages
soll - und ich betone: soll - die Band an einem Tag die restlichen elf
Stücke geschrieben haben. Hübsche Legende.
„Pinball
Map“
P.S. Ein Hinweis
für fanatische IN FLAMES-Fans: Die Refrain-Melodie von „Square Nothing“
ist der des Titels „Irgendwann“ von der Ost-Rock-Band Rockhaus äußerst
ähnlich.
JUB
HAVAYOTH
„His Creation Reversed“ 7
Hammerheart/Connected,
2000
„The Watcher“
Keyboard-Teppiche,
ach, was sag ich, Keyboard-Wiesen sind es, was die Musik von HAVAYOTH trägt.
Gitarren-Leads, die sehr harmonische Melodien drauflegen, kehliger aber
stimmiger Gesang, Zauberland-Piano, glitzernde Synthi-Klänge. Die
Stücke hätten in den 80ern zum Teil bestimmt als Pop-Songs funktioniert.
Interessant
ist bei HAVAYOTH auf jeden Fall die Besetzung: Die Stimme stammt von -
Vintersorg-Fans aufgepaßt - Andreas Hedlund, Gitarren und Keyboards
spielt Marcus E. Normann von Ancient Wisdom und Bewitched und der Baß
wird von Naglfar-Gitarrist Morgan Hansson bedient. Wenn man HAVAYOTHs Musik
mit einer der eben genannten Truppen vergleichen will, dann vielleicht
noch mit der von Vintersorg, denn die Melodien - und hier wiederhole ich
mich - sind stellenweise wirklich beachtlich. Die Musik einfach unter Gothic
abzuhaken, wäre sicher ein wenig ignorant, doch wird die Band garantiert
in eben dieser Szene die meisten Anhänger finden. Allerdings ist zu
vermuten, daß dieses Projekt - wenn überhaupt - nur sporadisch
zusammenkommen wird, um vielleicht irgendwann eine zweite Scheibe einzuspielen.
„Teloah“
JUB
MYSTIC
CIRCLE „The Great Beast“ 5
Massacre Rec,
2001
„Hate“
MYSTIC CIRCLE
sollen ja eine ziemlich eiserne Anhängerschar besitzen, wohl aber
vermag ich in meinem Umfeld niemanden zu kennen, der diese Band verehrt.
Dafür wird es sicher die unterschiedlichsten Gründe geben. Am
akzeptabelsten wäre diese Haltung, wenn jemandem bisher die Musik
von MYSTIC CIRCLE nicht gefallen hat. Die war nämlich bis auf das
Debüt nichts weiter als billiges Cradle Of Filth- und Dimmu Borgir-Getöse.
Und es ist von der Band einfach unehrlich zu behaupten, sie würde
sich nicht an Trends hängen. Warum sich MYSTIC CIRCLE für „The
Great Beast“ aber ausgerechnet Crematory zum Vorbild genommen haben, ist
rätselhaft. Geht man jedoch davon aus, daß die Band erneut einer
Welle hinterher rennt und auf Gothic zu machen versucht, machen diese Crematory-Ähnlichkeiten
schon wieder Sinn.
Kurios wird
es schließlich, wenn konstatiert werden muß, daß MYSTIC
CIRCLE mit „The Great Beast“ ihr bisher bestes Werk abgeliefert haben.
Die Scheibe ist sicher nicht besonders innovativ oder gar eine Offenbarung,
allerdings hat die Band beim Kreieren griffiger Songs ein geschicktes Händchen
bewiesen.
„Eyes Of
Horror“
JUB
MILLENIUM
„Hourglass“ 10
Frontiers
Rec/Now & Then/Sumthing/XIII BIS Rec/Point Music, 2000
Als ich den
Namen MILLENIUM las, wäre mir beinahe alles aus dem Gesicht gefallen.
Wie kann man sich als Band nur so nennen, wo dieses Wort doch ausgenudelter
ist, als meinetwegen „Jeanshose“. Und schon hatte ich eine äußerst
negative Einstellung zur „Hourglass“-Scheibe, ohne auch nur einen Ton gehört
zu haben. Als sie dann aber den ersten Durchlauf hinter sich hatte, wußte
ich: Hier liegt eines der besten Melodic-Metal-Alben des Jahres 2000 vor.
„Masquerade“
An MILLENIUM
kann man sehen, daß Multikulti manchmal sogar Sinn macht. Die Band
setzt sich nämlich aus folgenden Musikern zusammen: Jorn Lande (Norwegen,
Gesang), Ralph Santolla (USA, Lead- und Rhythmusgitarre, Keyboards), Shane
French (USA, Rhythmus- und Leadgitarre), Manfred Binder (Österreich,
Baßgitarre) und Oliver Hanson (Österreich, Schlagzeug). Und
dieses illustre Team hat ein Meisterwerk zustande gebracht, das mit exzellenten
Melodien protzt. Die nötige Härte ist jederzeit präsent,
Gas wird hier und da auch ordentlich gemacht. Und dann der Gesang. Jorn
Lande ist ein Meister seines Fachs, einfach perfekt. Das gilt auch für
die phantastischen Satzgesänge. So erinnert zum Beispiel „Masquerade“
sicher nicht zufällig an Styx. An anderer Stelle gibt es dann Querverweise
zu Queen oder wie bei „Hourglass“ zu Whitesnake.
„Hourglass“
Die Geschichte
der Band reicht bis in das Jahr 1990 zurück, als Ralph Santolla und
Oliver Hanson Eywitness gründeten. 1995 erschien das vielbeachtete
Debüt, Release Nummer zwei „Messiah Complex“ ging unter. Die Namensänderung
kam mit einem intensiven Besetzungswechsel. „Millenium“ und „Angelfire“
erschienen. Und jetzt „Hourglass“. Diese Scheibe ist für jeden Melodic
Metal-Fan ein Muß. Alle anderen, die hin und wieder gern einmal ein
Ohr in Richtung melodiösen Heavy Metal riskieren, sollten hier auf
jeden Fall einmal reinhören.
„Power
To Love“
JUB
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