JIM PETERIK/PRIDE OF LIONS-Special vom 20. Juli 2004

PRIDE OF LIONS
"Pride Of Lions" 
Erschienen: 2003
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.jimpeterik.com
PRIDE OF LIONS - Pride Of Lions On Air:
"Criminal"
"First Time Around The Sun"
"Sound Of Home"
"Interrupted Melody"
"Love Is On The Rocks"
"Music And Me"
Wenn Gary Hughes von der Gruppe Ten ein Hauch des Göttlichen umweht, dann ist Jim Peterik der, der diesen Atem versendet. Denn, wenn es wirklich d e n Melodien-Erfinder schlechthin gibt, dann ist es dieser ehemalige Survivor-Mann.
Peteriks Referenz-Nummer ist auch heute noch "Eye Of The Tiger" aus dem Hollywood-Streifen "Rocky IV", ohne daß den Komponisten jemand darauf reduzieren würde. Zumindest nicht jene, die das Schaffen dieses unglaublichen Künstlers über all die Jahre verfolgten.
Denn Survivor waren - wenn auch eine maßgebliche - nur eine Station Jim Peteriks. In den zurückliegenden Jahren schrieb er Songs für 38 Special, Lynyrd Skynyrd, Sammy Hagar, Mecca, Ides Of March und viele andere. In seinem World Stage Project holte er eine Vielzahl von Melodic-Stars zusammen, die Peterik-Songs interpretierten. Mensch, wieviele Hits hat dieser Mann bloß geschrieben?!
Und mit 53 ist Peterik immer noch auf der absoluten Höhe, platzt vor Kreativität und Energie. Das belegt der Gitarrist und Sänger mit seiner Band PRIDE OF LIONS, in die er sich den 26-jährigen Toby Hitchcock ans Mikrophon holte, ein Vokaltalent, das bisher nur in lokalen Bands von sich reden machte. Bei PRIDE OF LIONS legt der junge Mann aber eine Leistung hin, die ihn in eine Reihe mit den ganz großen der US-Melodic-Metal/Rock-Szene rückt. Dabei hat hat Hitchcock vor allem eine große stimmliche Nähe zu Bobby Kimball von Toto, wenngleich der PRIDE OF LIONS-Sänger wärmer klingt.
Die Songs sind ausnahmslos phantastisch. Peterik hat hier offenbar sein gesamtes songschreiberisches Talent ausgelebt. Balladen wie "Last Safe Place" und "Interrupted Melody" oder Rocker vom Schlage "Unbreakable" und "Turn To Me" oder Toto-angehauchte Groover á la "First Time Around The Sun" und "Music And Me" sind auf den Millimeter perfekte Musik-Meisterwerke, die so einfach klingen und doch so schwer zu machen sind. Diese Lieder gehen unverzüglich ins Ohr, ohne dabei aber gleich ihre kleinen Geheimnisse zu offenbaren. 
Mit PRIDE OF LIONS ist Peterik sehr nahe am alten Schaffen Survivors dran, was Fans dieser Band freuen wird, die vor allem Peteriks Weggang Mitte der 90er Jahre sehr bedauerten. Das Debüt von PRIDE OF LIONS ist eine Scheibe, die sich im CD-Player festbrennt, eine Sternstunde des US-Melodic-Metals/Rocks. 10 von 10
JUB

LIONSHEART
"Abyss"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: "Witchcraft"
LIONSHEART - Abyss On Air: www.lionsheart.com
Noch nach dem dritten Durchlauf dieser CD hätte ich nicht gedacht, daß sie sich zu einem Ohrwurm entwickeln könnte. Zu trocken klingt der Gesang von Steve Grimmett (Grim Reaper, Onslaught), der aber auch zu keiner Zeit mal Background-Unterstützung erfährt (jedenfalls nicht wirklich). Und die Songs im Dunstkreis von Dio, Whitesnake und frühen NWOBHM-Erscheinungen wirken im ersten Moment ein bißchen hausbacken. Aber da habe ich mich selbst ausgetrickst. Irgendwie kam ich nicht dazu, die LIONSHEART-CD "Abyss" aus meinem Auto-CD-Player zu entfernen - und siehe da: Die Scheibe ist verdammt geil. Die Midtempo-Nummern haben doch tatsächlich Sahne-Melodien, an denen man sich einfach nicht satt hören will. Die balladesken Stücke bleiben durch den etwas ruppigen Stil und die harte Stimme Grimmetts immer mannhaft, gleiten nie ins Schwülstige ab. Diese Art von Heavy Rock wird vermutlich schon seit 35 Jahren gemacht und ist bis heute nicht tot zu kriegen. Und warum nicht? Weil es so verdammt ehrlich klingt. Denn irgendwie ist es doch schon ziemlich selten geworden, daß eine Band ihre guten Songs ohne viel Brimborium auf Tonträger bannt. Bescheidenheit könnte man das nennen. Aber die haben LIONSHEART gar nicht nötig. 8 von 10
JUB

HOUSE OF LORDS
"The Power And The Myth"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: ---
HOUSE OF LORDS - The Power And The Myth On Air: "Today"
Und wieder eine Reunion, wo sich die Gründungsmitglieder einer Band zusammenfinden, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Bei den HOUSE OF LORDS ist das selbstbetitelte Debüt noch nicht ganz so lange her (1988). Damals wie heute gehörten Basser Chuck Wright (Quiet Riot), Drummer Ken Mary (Alice Cooper), Gitarrist Lanny Cordola und Sänger James Christian zur Truppe. Aber Achtung!
Wer den Erstling mit Begeisterung immer mal wieder auflegt, wird mit "The Power And The Myth" so seine Probleme haben. Denn von dem einstigen zum Bombast neigenden Melodic Metal ist fast nichts mehr übrig. Vielmehr wird heutzutage sparsamer agiert. Nicht nur, was den Sound anbetrifft. Auch die Melodien, die vor 16 Jahren Gänsehaut förmlich herausforderten, sind auf der neuen Scheibe intellektuell verbrämt.
Die letzten zehn bis zwölf Jahre sind an den HOUSE OF LORDS nicht spurlos vorübergegangen (Alternative, Aerosmith-Balladen). Vieles klingt versonnen, verträumt, vielleicht sogar ein wenig verschlafen. Man setzt weniger auf spontane Überzeugungskraft, sondern läßt die Stücke am Hörnerv des Fans vorbeifließen, in der Hoffnung, es schwappt doch mal ein Element in Fächer für die Langzeiterinnerung. Das gelingt den Lords bestenfalls mit dem Opener "Today", der unbestritten schön ist. Ansonsten muß man der Scheibe schon eine gehörige Portion Aufmerksamkeit widmen, um die kleinen Feinheiten herauszufiltern. Und schafft man das, muß einem ein Song wie "Living In Silence" aber trotzdem nicht gefallen.
Die Band-Mitglieder mögen ihre neue Musik reifer nennen. Ich finde sie mit ihren orientalischen Einflüssen, den manchmal etwas zu verspielten Arrangements einfach nur angestrengter. Sicher hört man diese CD mit anderen Ohren, wenn man das frühe Schaffen der HOUSE OF LORDS nicht kennt. Aber die alten Scheiben wurden ja nun mal gemacht, daß man sie sich nach Lust und Laune reinzieht. Und das werde ich demnächst auch mal wieder tun. Macht einfach mehr Spaß. 6 von10
JUB 

OVER THE EDGE feat. MICKEY THOMAS
"Over The Edge" 
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.starship.pp.se
OVER THE EDGE feat. MICKEY THOMAS - Over The Edge On Air: "Over The Edge"
Ja, er ist schuld daran, daß aus dem einstigen Kult-Act Jefferson Airplane  - bei seinem Einstieg 1979 bereits zu Jefferson Starship mutiert - ein amerikanisches Mainstream-Sternenschiff wurde, mit dem die Protagonisten zwar Geld verdienten, jedoch nicht wirklich glücklich werden konnten. Paul Kantner ging schon bald und auch Grace Slick, die den Richtungswechsel vom progressiven Hippie-Club zum Rock-Boot noch am konsequentesten mitgetragen hatte, warf 1988 das Handtuch. Bis dahin gab es eine Reihe von Chart-Notierungen im neuen Gewand: "We Built This City", "Sara", "Nothing's Gonna Stop Us Now". 
Nun, deswegen ist Mickey Thomas aber kein Böser. Denn immerhin hat er genau das interpretiert, was ihm am besten gefällt und liegt: leicht verdauliche Rock-Kost, die flink ins Ohr geht.
Nichts anderes gibt es demnach auch auf dem OVER THE EDGE-Album zu hören, das reine Projekt-Arbeit ist. Hier rücken eine Reihe von Melodic-Komponisten Mickey Thomas' Stimme ins rechte Licht, was aber nicht immer 100prozentig gelingt, da das Timbre von Thomas manchmal einfach zu durchschnittlich wirkt. Da kommen Stücke wie "One World" oder "Eyes Wide Open" nicht unbedingt voll zur Geltung, sind sie doch wie auch "Thief" oder "Surrender" echte Melodic-Edelsteine, denen eine glasklare Intonation á la Tommy Shaw zum Beispiel besser bekommen wär.
Verantwortlich zeichnen für die Kompositionen unter anderem keine Geringeren als Jack Blades (Night Ranger, Damn Yankees) oder Neal Schon (Santana, Journey). Obendrein ist Schon auch als Gitarrist an dieser Scheibe beteiligt, selbst Richie Kotzen (Poison, Mr. Big) und Steve Lukather (Toto) tragen ihr Scherflein zum Gelingen bei. Da konnte ja auch nix schiefgehen. Ist es auch nicht: Schöne Platte, nette Songs mit einem manchmal einfach zu eindimensionalen Sänger, der es nichtsdestotrotz drauf hat. 7 von 10
JUB

V.A.
"Influences And Connections -
 Volume One: Mr Big"
Erschienen: 2004
Label: Frontiers/Soulfood
Homepage: www.mrbigsite.com
V.A. - Influences And Connections - Volume One: Mr Big On Air: "Colorado Bulldog"
Ich würde einen rechten Backenzahn verwetten, daß die meisten von Euch die Gruppe MR. BIG für schwule Chart-Topper halten. Ist ja auch kein Wunder, denn hier in Europa waren sie doch eigentlich nur mit dem Kindergeburtstagslied "To Be With You" und dem luschigen Cat-Stevens-Cover "One World" bekannt. Die Realität war allerdings eine ganz andere. Welche, das könnt Ihr jetzt auf "Influences And Connections - Volume One: Mr. Big" nachhören. Vom coolen Rocker ("Addicted To The Rush") über Deep-Purple-"Highway-Star"-Reminiszenzen ("Daddy, Brother, Lover, Little Boy") bis hin zu Bluesrock ("Price You Gotta Pay") und Südstaaten-Geballer ("Colorado Bulldog") entwickelte die Band um den Ex-David-Lee-Roth-Basser Billy Sheenan, der die Band 1988 gegründet hatte, eine enorme stilistische Bandbreite. Und das Material war alles andere als tuntig. Hier gab es mächtig an die Ohren. Nebenbei fielen dann auch noch immer mal wieder riesige Melodic-Metal-Nummern vom Schlage "Take Cover" ab.
Nun, und diese Tribut-Scheibe strotz vor Prominenz: Joe Lynn Turner (Deep Purple, Yngwie Malmsteen, Rainbow), Glenn Hughes (Deep Purple, Black Sabbath, Voodoo Hill), Ann Wilson (Heart), Mickey Thomas (Starship), Richie Kotzen (Poison) sind nur einige Namen, die sich das Mikrophon durchreichen. Die Gitarristen-Liste liest sich ähnlich beeindruckend: Lanny Cordola (House Of Lords), Steve Lukather (Toto), noch einmal Kotzen, Yngwie Malmsteen. Und auch an den anderen Positionen geht es hochkarätig zu, was zum Beispiel Matt Sorum am Schlagzeug (The Cult, Guns'N'Roses) oder Chuck Wright am Baß (House Of Lords) belegen.
Und zuguterletzt haben wir noch einen der Sangesgötter schlechthin am Start: Paul Rodgers, der einst mit Free den Song "Mr. Big" intonierte und dies hier wieder tut. Cooler Gag und starke Version im Verbund mit Kotzen, Sheenan und Schlagzeuger Pat Torpey.
Dieses Album macht durch die Bank eine Riesenlaune. 9 von 10
JUB

PINK CREAM 69
"Thunderdome"
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.pinkcream69.com
PINK CREAM 69 - Thunderdome On Air: "Gods Come Together"
Seit "Electrified" (1999) sind sich PINK CREAM 69 offenbar sicher, in den richtigen Regionen herumzuwildern. Denn seitdem hat sich an dem Melodic Metal der Band, der nie zu hart ist und immer mit gefälligen Melodien zu überzeugen weiß, nicht viel geändert. Die Amis wären stolz auf eine solche Kapelle. Mit "Thunderdome" läßt sich nämlich herrlich über Straßen ohne Kurven heizen. Auch Partys, an denen ein erheblicher Anteil Nichtmetaller teilnimmt, geraten bei PINK CREAM 69 nicht in Gefahr, in einem Fiasko zu enden. Am Ende werden alle - ob Matte oder gegelter Schopf - am Bratwurst-Grill das Bier schwenken und bangen. Solche Scheiben kann man jahrelang machen, ohne jemandem auf den Sack zu gehen. Und wer die ersten drei hat, kauft sich garantiert auch alle anderen, die danach kommen.
Und am Ende noch ein dickes Lob aus der Reihe. Denn "My Sharona" von The Knack zu covern, war eine gute Idee. Zum einen ist der Song sowieso genial, zum anderen haben PINK CREAM 69 das Stück vortrefflich hinbekommen. 7 von 10
JUB

ANDRA
"Circle Of Fire"
Erschienen: 2003
Label: Darkeden Records
Homepage: www.andrarocks.com
ANDRA - Circle Of Fire On Air: "Love Changes To Hate"
Typischer Fall von Selbstüberschätzung. Andrea hält sich mittlerweile für so gut, daß sie unter ANDRA eine Quasi-Solo-Karriere gestartet hat, auch wenn dieses Projekt unter dem Band-Banner firmiert. Das vorliegende Album, "Circle Of Fire", wurde noch von der Gruppe VIISins eingespielt, erscheint jetzt aber unter ANDRA feat. VIISins, da irgend welche Leute glauben, die Sängerin wäre Dreh- und Angelpunkt der Musik. Das ist allerdings ein Irrtum, denn alles, was die Instrumentalisten durch ihre Fähigkeiten und ihr Talent aufbauen, reißt Andrea mit ihrer quarrigen Stimme wieder ein. Im Info heißt es, ihr Organ sei eigenwillig und unvergleichbar. So kann man es sehen, muß aber nicht. Denn diese Stimme ist vor allem eins: nicht schön.
Die Songs haben Futt. Die Gitarren des geschaßten Georg Palm wummern machtvolle Riffs, die im Sound zum Teil Tuchfühlung zum Thrash Metal aufnehmen. Der ebenfalls gefeuerte Guido Breidt vollbringt am Schlagzeug eine beeindruckende Arbeit, die den Stücken zusätzliche Dynamik verleiht. Uli Kusch (Masterplan), der das Album produzierte, den Baß, Keyboards und Backing Vocals beisteuerte, muß mit den Musikern befreundet sein oder er hatte ein Schäferstündchen mit Andrea. Denn den Gesang kann Kusch nicht gut gefunden haben, denn sonst würde er seine Reputation als Produzent verlieren.
Wer diese Scheibe mal zu Gehör bekommt, sollte das Schaffen von Breidt und Palm weiterverfolgen, denn wo die auftauchen, wird vermutlich gutartiger Heavy Metal fabriziert. Diese ominöse Dame, namens ANDRA, könnt ihr aber getrost vergessen. Es gibt in der Szene nur wenige Frontfrauen, die mieser sind als die hier. Mit einer richtigen Stimme hätte dieses Album durchaus drei oder vier Punkte mehr einheimsen können. 4 von 10
JUB

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