An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

Abgehört vom 20. August 2002


INCANTATION "Blasphemy" 9
Candlelight/PHD, 2002

Incantation - Blasphemy

Da sich immer mehr gesellschaftskritische und romantische Themeninhalte, gespielt von körnerfressenden BWL-Studenten, in der Death Metal-Szene breit machen, tut es gut, mal wieder einer wahrhaft blasphemischen Band zu ihrem Wiederaufmarsch auf der düsteren Bildfläche ein paar Opferziegen schlachten zu können, ohne daß die Musiker gleich "Iiihh, ich kann kein Blut sehen!" rufen. Die Underground-Legende INCANTATION schickt sich an, ein neues blasphemisches Werk unter die nach neuen Noten dürstenden Death Metal-Maniacs zu verteilen. Morbide Tonfolgen scheinen direkt aus ihren fauligen, stinkenden Gräbern vor des Zuhörers Augen an die Oberfläche zu kriechen und verfolgen Dich bis in den Schlaf. Im Dunkeln können die doomigen Passagen schon mal Beklemmungen auslösen. Nicht selten werden Erinnerungen an Immolation wach, die ähnlich gewollt sperrig zu Werke gehen. Tempo machen beherrschen INCANTATION natürlich auch wie im Traum, selbst die vertracktesten Läufe kommen flüssig und brachial. Kurzum, man kann der Band anhören, daß sie den Death Metal auf ihre Art und Weise lebt und alle, die INCANTATION vorwerfen, identitätslose Klone zu sein, sollten sich vor Augen halten, daß die Band immerhin seit über zwölf Jahren dabei ist und diese Stilrichtung praktisch mit erschuf. Die Meister sind zurück.
"The Sacrilegious Apokalypse Of Righteousness And Agonizing Dementia (The Final Defilement Of Your Lord)"/
"Deceiver (Self-Righteous Betrayer)"

THOMAS 

MEDUZA "Now And Forever" 6
Massacre Rec., 2002

Meduza - Now And Forever

Das Genre des melodischen Power Metal mit progressivem Einschlag ist so langsam aber sicher an dem Punkt angekommen, wo es seinen kreativen Zenit überschritten hat. Es gibt gute bis starke Bands auf diesem Sektor, zu ihnen zählen auch zweifelsfrei MEDUZA, die mit guten Musikern ausgestattet sind, gefällige Songs schreiben und auf technischer Ebene voll zu überzeugen wissen. Doch irgendwie können auch die besten Bands dieses Genres nicht mehr mit Innovationen aufwarten, und so verkommt auch eine an sich gute Platte wie zum Beispiel "Now And Forever" zu einem Stück eines bekannten, sich tot laufenden Ganzen. Doch bertrachtet man MEDUZA als eine Band, die losgelöst von einem Genre existiert, haben wir es hier mit einer guten Band zu tun. Elf kurzweilig arrangierte und nicht übertrieben instrumentierte melodische Metal-Songs gibt es auf der CD der Schweden zu hören. Sänger Apollo (ex-Majestic) hat eine angenehme, nicht zu hohe Stimme, und die Lieder sind auf den Punkt gespielt, ohne die für Metal notwendige Härte missen zu lassen und dennoch dem Progressivanspruch gerecht zu werden, in dem eine mit Keyboard und Gitarren-Hero-Leads geschwängerte Dynamik aufrecht gehalten wird. Produziert wurde das MEDUZA-Debüt übrigens vom ehemaligen Mercyful Fate/King Diamond-Gitarristen Mike Wead im Studio Los Angered, welches pikanterweise dem ebenfalls beim König in Lohn und Brot stehenden Andy LaRoque gehört.
"Sleep"/"Shed No Tears"

THOMAS

RAM-ZET "Escape" 7
Century Media/Magic Arts   2002

Ram-Zet - Escape

Eine verdammt interessante Band ist RAM-ZET aus Norwegen. Interessant deswegen, weil mir als direkter Vergleich dazu nur Arcturus einfallen. Das heißt, RAM-ZET gehen ähnliche experimentelle Wege wie ihre Landsleute um Garm und Hellhammer. Auf ihrer neuen Veröffentlichung "Escape" werden Stile gemischt, daß es nur so eine Art hat. Obendrein wird das Ganze mit einem krank-psychotischen Anstrich versehen. Hauptbestandteil der Musik sind kalte, treibende Gitarrenriffs, welche an straightere Fear Factory erinnern. Diese werden dann schon mal mit Violinen begleitet oder mit Loops versehen. Den Gesang teilen sich ein Herr mit dem Namen Zet und eine Sängerin namens Sfinx. Zet ist für das hysterische, sich überschlagende Gekeife zuständig, was streckenweise durch seine dezente Verzerrung an The Kovenant erinnert. Und Sfinx stellt das cleane Gegenstück dazu dar. Funkioniert prima, denn eine weitere Band mit männlicher Growl- und weiblicher Clean-Stimme wäre sinnlos. Das ist schonmal ein Pluspunkt für RAM-ZET. Desweiteren fällt positiv auf, daß sich die Norweger nicht zu einem weiteren Rosen-Romantik-Shakespeare-Gemalle hinreißen lassen, was sich doch schon arg totgelaufen hat. Nein, RAM-ZET ist nichts für Schöngeister. Eher ist "Escape" ein Soundtrack zu einem kaputten Drogentrip mit Horrorvisionen, Gruppensex mit einschlägig vorbestraften Dominas und nächtlichen Geisterfahrten auf stark befahrenen Autobahnen. Aber wer das alles schon kennt, kann sich RAM-ZET auch einfach nur so anhören und in Erinnerungen schwelgen.
"R.I.P."

THOMAS 

NACHTFALKE "Hail Victory Teutonia" 7
Christhunt Productions, 2002

Nachtfalke - Hail Victory Teutonia

Verdammte Axt, die Aufmachung des CD-Covers läßt mir erst einmal einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
Und das in den Zeiten, wo tiefer gelegte bunte Autos, mit denen sich die deutsche Jugend vor Mc Donalds-"Restaurants"
trifft, das Non Plus Ultra sind, wo billige Rapmusik aus Amerika und das dazu gehörige Outfit der schwarzen Hip Hopper eine kulturelle Bereicherung darstellen. Wo Pädagogen öffentlich behaupten dürfen, daß es gut für uns sei, immer mehr deutsche Wörter aus unserem Wortschatz durch englische zu ersetzen, um Rechtsradikalismus vorzubeugen. In diesen Zeiten kommt eine CD ins Haus geflattert, die einen - wenn auch romantisch verklärt dargestellten - Wikinger mit seinen Mannen beim Angriff auf dem Cover hat und zudem noch "Hail Victory Teutonia" heißt.
Voller Vorfreude packe ich das Ding also in den Player und lausche den Klängen des sogleich hereinwalzenden "Ode To The Fallen One". Als erstes fällt der Sound auf, der zu meiner Freude nicht nach "Hochglanz" klingt, sondern nach besserer Proberaum-Aufnahme. Das ist allerdings eher positiv zu bewerten, denn eine Peter Tägtgren-Produktion hätte NACHTFALKE viel ihrer Identität genommen. Zur Musik kann ich sagen, daß sie stark von Bathory beeinflußt ist. Nicht nur, daß NACHTFALKE "Man Of Iron" coverten spricht dafür, sondern auch die Art und Weise wie das Schlagzeug gespielt wurde. Die Gitarrenriffs, wenn sie schnell gespielt werden, sind kaum als solche zu erkennen. Eher klingt es wie ein stetes Geräusch, mal höher, mal tiefer. Doch bei den Leads haben sich die Gitarristen merklich Mühe gegeben und so manche Perle auf die CD gepackt. Der eigentliche Pluspunkt NACHTFALKEs ist auch ihre Achillesferse: Die Texte. So interessant und vielfältig die nordische Geschichte und Sagenwelt auch ist, man kann es übertreiben. Als Negativbeispiel hatte Jub seinerzeit Hel gebranntmarkt. Diese schnitten dermaßen mit ihrer Kenntniss über die nordische Mythologie auf, daß sie in fast jeder Zeile Namen wie Odin, Wotan, Yggdrasill, Walhalla, Ragnarök, Mjölnir u.s.w. verbrieten, so daß man die Texte schon gar nicht mehr ernst nehmen konnte. Fast in die gleiche Kerbe hauen NACHTFALKE. Aber im Gegensatz zu Hel hat man bei "Hail Victory Teutonia" ein paar bildreiche Geschichten. Diese sind zwar wie das Cover romantisch verklärt aber nett gemacht. Geil kommen auch die unverzichtbaren Schlachten- und Gewittersamples, die die Athmosphäre der Musik unterstreichen. Einziger richtiger Kritikpunkt ist eigentlich die unzureichende Gesangsleistung in den klaren Tönen. Sicher, Quorthon ist auch kein Sangesgott, aber "Man Of Iron" eiert bei ihm nicht so doll. Aber dieses Manko sollte bei der nächsten CD sicher schon beseitigt sein. Ansonsten eine feine Scheibe.
"Man Of Iron"/"Ode To The Fallen One"

THOMAS

SCUMBUCKET "Dia Castado/Otro Dia" 3
Nois-o-lution/Indigo/CD Promotion, 2002

Scumbucket

Als äußerst Viva II-kompatibel erweist sich die Musik von SCUMBUCKET, die eine Art von entschärften Stonerrock
plus Popappeal spielen. Die Melodien sind gefällig und die Gitarren nicht zu druckvoll, der Baß jedoch schön knarzig. Die Songs "Dia Gastado" und "Otro Dia" hauen voll in diese Kerbe. "El Dia De Manana" ist schon etwas ruppiger. Doch dann folgt auf dieser CD etwas, was mir einen fragenden Gesichtsausdruck verschafft. Das Stück "Dia De Cucu" ist in fünf Teilen vertreten und nimmt den meisten Spielzeitanteil ein. Aber alles, was es hier zu hören gibt, scheint von einer dieser komischen CDs zu sein, die es in Drogerien und Esotherik-Läden gibt: Entspannungsmusik für den Widder oder andere Sternzeichen. Also keine Songs, sondern wabernde Geräusche, die sicher nur im zugedröhnten Zustand zu hören Sinn machen. Eigenartig.
"Dia Gastado"/"Dia De Cucu Part 1"

THOMAS

BABYLON WHORES "Death Of The West" 7
MotorMusic/Universe, 2002

Babylon Whores - Death Of The West

Death Rock ist das musikalische Selbstverständnis der babylonischen Huren. Rock ja, Death hä? Naja, die Kompositionen peitschen ganz gut nach vorn und der Sound ist meterdick, aber von Death (Metal) fehlt jede Spur. Eher kann man sich BABYLON WHORES als eine Mischung neuerer Entombed (ca.15%), neuerer Sentenced (ca.10%) Sisters of Mercy (ca.30%) heftigerer My Dying Bride (10%), Rock`n`Roll im allgemeinen (20%) und einer Portion Doom-Metal (15%) vorstellen. Der Mix ist durchaus interessant. Nur ist mir die Stimme von Ike Vil etwas zu dünn. Hätte der ehemalige Sentenced-Frontmann Taneli Jarva, der hier und da einige Backing Vocals auf dieser Scheibe einsang, den Hauptgesang übernommen, wäre "Death Of The West" sicher ein Kracher geworden. Doch so ist die Scheibe mit fortlaufender Spielzeit nicht frei von stimmlich bedingten Längen.
"Life Fades Away"/"Death In Prague"

THOMAS

DORMITORY "Inhuman Conditions" 7
Eigenproduktion, 2001

Dormitory - Inhuman Conditions

Eine ordentliche Thrash/Death Metal-Harke steht uns mit DORMITORYs "Inhuman Conditions" ins Haus. Die fünfte Veröffentlichung der Band aus Melle b.z.w. Hagen glänzt durch nicht sehr zimperlich vorgetragenem Doublebass-Drumming und geilem Thrash-Gehacke sowie sehr entschlossen klingende Riffs der Klampfen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Man merkt DORMITORY die zwölf Jahre Erfahrung, die sie auf dem Buckel haben, an. Die Songs sind schlüssig und haben genug Drive, um sich von der breiten Masse der 08/15-Bands abzuheben. Besonders "Mindraper" fällt trotz vertracktem Mittelteil positiv auf. "Fall Out" macht wenig Gefangene. Auch "Suicide" und "Fortress of Lies" krachen gut in die Dielen. Der Sound ist für eine Eigenproduktion verdammt gut, weil transparent und druckvoll. Einzig die etwas hardcorigen Vocals sind gewöhnungsbedürftig, aber nach dem dritten Durchlauf kann man sich die Stimme kaum noch wegdenken. Nun ist es an Euch, mit der Band Kontakt aufzunehmen um Euch ein Exemplar der CD zu sichern.
DormitoryMetal@aol.com, www.dormitory.de
"Suicide"/"Fall Out"

THOMAS

SADORASS "Strength And Wisdom" 3
Christhand Prod, 2002

Sadorass - Strength And Wisdom

Das Einmann-Projekt SADORASS, bestehend aus S., ist ein Black Metal-Ding der Sorte Beherit. Nur musikalisch gesehen, denn so ähnlich wie deren legendäre "The Oath Of Black Blood"-Scheibe klingt auch "Strength And Wisdom". Grell, fauchend und sehr unkommerziell. Allerdings funktioniert die Schiene bei SADORASS nicht, da 1. die Klampfen nur hauchdünn sind ohne jeglichen Kultcharakter, 2. die Songs zu durchschnittlich sind, um guten Black Metal abzugeben, allerdings zu gut, um nur als vernichtendes Chaos durchzugehen. Hinzu kommt das etwas konstruierte Image der Band: Da wäre das in ganz normalen Druckbuchstaben geschriebene Logo und das Cover mit dem Vollmond-Foto an einem warmes Blau verstrahlenden Himmel auf der einen Seite (So manche Gothic-Band wäre neidisch), und der totale Unsound, ein Songtext von Charles Manson (sehr stark übrigens) auf der anderen. Und viermal "I hate you" auf dem CD-Druck. Das ruft in mir das panische aus allen Rohren feuern hervor, ohne zu wissen, wo im Dunkeln der Feind steht. Und "Strength And Wisdom", also Stärke und Weiheit, verkörpert die CD nicht im Geringsten.  Okay, Ihr merkt vielleicht, daß SADORASS nicht ganz mein Ding ist. Aber hört selbst.

THOMAS
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