INCANTATION "Blasphemy" 9
Candlelight/PHD, 2002
Da sich immer mehr gesellschaftskritische
und romantische Themeninhalte, gespielt von körnerfressenden BWL-Studenten,
in der Death Metal-Szene breit machen, tut es gut, mal wieder einer wahrhaft
blasphemischen Band zu ihrem Wiederaufmarsch auf der düsteren Bildfläche
ein paar Opferziegen schlachten zu können, ohne daß die Musiker
gleich "Iiihh, ich kann kein Blut sehen!" rufen. Die Underground-Legende
INCANTATION schickt sich an, ein neues blasphemisches Werk unter die nach
neuen Noten dürstenden Death Metal-Maniacs zu verteilen. Morbide Tonfolgen
scheinen direkt aus ihren fauligen, stinkenden Gräbern vor des Zuhörers
Augen an die Oberfläche zu kriechen und verfolgen Dich bis in den
Schlaf. Im Dunkeln können die doomigen Passagen schon mal Beklemmungen
auslösen. Nicht selten werden Erinnerungen an Immolation wach, die
ähnlich gewollt sperrig zu Werke gehen. Tempo machen beherrschen INCANTATION
natürlich auch wie im Traum, selbst die vertracktesten Läufe
kommen flüssig und brachial. Kurzum, man kann der Band anhören,
daß sie den Death Metal auf ihre Art und Weise lebt und alle, die
INCANTATION vorwerfen, identitätslose Klone zu sein, sollten sich
vor Augen halten, daß die Band immerhin seit über zwölf
Jahren dabei ist und diese Stilrichtung praktisch mit erschuf. Die Meister
sind zurück.
"The Sacrilegious Apokalypse
Of Righteousness And Agonizing Dementia (The Final Defilement Of Your Lord)"/
"Deceiver (Self-Righteous Betrayer)"
THOMAS
MEDUZA "Now And Forever" 6
Massacre Rec., 2002
Das Genre des melodischen Power Metal
mit progressivem Einschlag ist so langsam aber sicher an dem Punkt angekommen,
wo es seinen kreativen Zenit überschritten hat. Es gibt gute bis starke
Bands auf diesem Sektor, zu ihnen zählen auch zweifelsfrei MEDUZA,
die mit guten Musikern ausgestattet sind, gefällige Songs schreiben
und auf technischer Ebene voll zu überzeugen wissen. Doch irgendwie
können auch die besten Bands dieses Genres nicht mehr mit Innovationen
aufwarten, und so verkommt auch eine an sich gute Platte wie zum Beispiel
"Now And Forever" zu einem Stück eines bekannten, sich tot laufenden
Ganzen. Doch bertrachtet man MEDUZA als eine Band, die losgelöst von
einem Genre existiert, haben wir es hier mit einer guten Band zu tun. Elf
kurzweilig arrangierte und nicht übertrieben instrumentierte melodische
Metal-Songs gibt es auf der CD der Schweden zu hören. Sänger
Apollo (ex-Majestic) hat eine angenehme, nicht zu hohe Stimme, und die
Lieder sind auf den Punkt gespielt, ohne die für Metal notwendige
Härte missen zu lassen und dennoch dem Progressivanspruch gerecht
zu werden, in dem eine mit Keyboard und Gitarren-Hero-Leads geschwängerte
Dynamik aufrecht gehalten wird. Produziert wurde das MEDUZA-Debüt
übrigens vom ehemaligen Mercyful Fate/King Diamond-Gitarristen Mike
Wead im Studio Los Angered, welches pikanterweise dem ebenfalls beim König
in Lohn und Brot stehenden Andy LaRoque gehört.
"Sleep"/"Shed No Tears"
THOMAS
RAM-ZET "Escape" 7
Century Media/Magic Arts
2002
Eine verdammt interessante Band ist
RAM-ZET aus Norwegen. Interessant deswegen, weil mir als direkter Vergleich
dazu nur Arcturus einfallen. Das heißt, RAM-ZET gehen ähnliche
experimentelle Wege wie ihre Landsleute um Garm und Hellhammer. Auf ihrer
neuen Veröffentlichung "Escape" werden Stile gemischt, daß es
nur so eine Art hat. Obendrein wird das Ganze mit einem krank-psychotischen
Anstrich versehen. Hauptbestandteil der Musik sind kalte, treibende Gitarrenriffs,
welche an straightere Fear Factory erinnern. Diese werden dann schon mal
mit Violinen begleitet oder mit Loops versehen. Den Gesang teilen sich
ein Herr mit dem Namen Zet und eine Sängerin namens Sfinx. Zet ist
für das hysterische, sich überschlagende Gekeife zuständig,
was streckenweise durch seine dezente Verzerrung an The Kovenant erinnert.
Und Sfinx stellt das cleane Gegenstück dazu dar. Funkioniert prima,
denn eine weitere Band mit männlicher Growl- und weiblicher Clean-Stimme
wäre sinnlos. Das ist schonmal ein Pluspunkt für RAM-ZET. Desweiteren
fällt positiv auf, daß sich die Norweger nicht zu einem weiteren
Rosen-Romantik-Shakespeare-Gemalle hinreißen lassen, was sich doch
schon arg totgelaufen hat. Nein, RAM-ZET ist nichts für Schöngeister.
Eher ist "Escape" ein Soundtrack zu einem kaputten Drogentrip mit Horrorvisionen,
Gruppensex mit einschlägig vorbestraften Dominas und nächtlichen
Geisterfahrten auf stark befahrenen Autobahnen. Aber wer das alles schon
kennt, kann sich RAM-ZET auch einfach nur so anhören und in Erinnerungen
schwelgen.
"R.I.P."
THOMAS
NACHTFALKE "Hail Victory Teutonia"
7
Christhunt Productions, 2002
Verdammte Axt, die Aufmachung des
CD-Covers läßt mir erst einmal einen kalten Schauer über
den Rücken laufen.
Und das in den Zeiten, wo tiefer
gelegte bunte Autos, mit denen sich die deutsche Jugend vor Mc Donalds-"Restaurants"
trifft, das Non Plus Ultra sind,
wo billige Rapmusik aus Amerika und das dazu gehörige Outfit der schwarzen
Hip Hopper eine kulturelle Bereicherung darstellen. Wo Pädagogen öffentlich
behaupten dürfen, daß es gut für uns sei, immer mehr deutsche
Wörter aus unserem Wortschatz durch englische zu ersetzen, um Rechtsradikalismus
vorzubeugen. In diesen Zeiten kommt eine CD ins Haus geflattert, die einen
- wenn auch romantisch verklärt dargestellten - Wikinger mit seinen
Mannen beim Angriff auf dem Cover hat und zudem noch "Hail Victory Teutonia"
heißt.
Voller Vorfreude packe ich das Ding
also in den Player und lausche den Klängen des sogleich hereinwalzenden
"Ode To The Fallen One". Als erstes fällt der Sound auf, der zu meiner
Freude nicht nach "Hochglanz" klingt, sondern nach besserer Proberaum-Aufnahme.
Das ist allerdings eher positiv zu bewerten, denn eine Peter Tägtgren-Produktion
hätte NACHTFALKE viel ihrer Identität genommen. Zur Musik kann
ich sagen, daß sie stark von Bathory beeinflußt ist. Nicht
nur, daß NACHTFALKE "Man Of Iron" coverten spricht dafür, sondern
auch die Art und Weise wie das Schlagzeug gespielt wurde. Die Gitarrenriffs,
wenn sie schnell gespielt werden, sind kaum als solche zu erkennen. Eher
klingt es wie ein stetes Geräusch, mal höher, mal tiefer. Doch
bei den Leads haben sich die Gitarristen merklich Mühe gegeben und
so manche Perle auf die CD gepackt. Der eigentliche Pluspunkt NACHTFALKEs
ist auch ihre Achillesferse: Die Texte. So interessant und vielfältig
die nordische Geschichte und Sagenwelt auch ist, man kann es übertreiben.
Als Negativbeispiel hatte Jub seinerzeit Hel gebranntmarkt. Diese schnitten
dermaßen mit ihrer Kenntniss über die nordische Mythologie auf,
daß sie in fast jeder Zeile Namen wie Odin, Wotan, Yggdrasill, Walhalla,
Ragnarök, Mjölnir u.s.w. verbrieten, so daß man die Texte
schon gar nicht mehr ernst nehmen konnte. Fast in die gleiche Kerbe hauen
NACHTFALKE. Aber im Gegensatz zu Hel hat man bei "Hail Victory Teutonia"
ein paar bildreiche Geschichten. Diese sind zwar wie das Cover romantisch
verklärt aber nett gemacht. Geil kommen auch die unverzichtbaren Schlachten-
und Gewittersamples, die die Athmosphäre der Musik unterstreichen.
Einziger richtiger Kritikpunkt ist eigentlich die unzureichende Gesangsleistung
in den klaren Tönen. Sicher, Quorthon ist auch kein Sangesgott, aber
"Man Of Iron" eiert bei ihm nicht so doll. Aber dieses Manko sollte bei
der nächsten CD sicher schon beseitigt sein. Ansonsten eine feine
Scheibe.
"Man Of Iron"/"Ode To The Fallen
One"
THOMAS
SCUMBUCKET "Dia Castado/Otro
Dia" 3
Nois-o-lution/Indigo/CD Promotion,
2002
Als äußerst Viva II-kompatibel
erweist sich die Musik von SCUMBUCKET, die eine Art von entschärften
Stonerrock
plus Popappeal spielen. Die Melodien
sind gefällig und die Gitarren nicht zu druckvoll, der Baß jedoch
schön knarzig. Die Songs "Dia Gastado" und "Otro Dia" hauen voll in
diese Kerbe. "El Dia De Manana" ist schon etwas ruppiger. Doch dann folgt
auf dieser CD etwas, was mir einen fragenden Gesichtsausdruck verschafft.
Das Stück "Dia De Cucu" ist in fünf Teilen vertreten und nimmt
den meisten Spielzeitanteil ein. Aber alles, was es hier zu hören
gibt, scheint von einer dieser komischen CDs zu sein, die es in Drogerien
und Esotherik-Läden gibt: Entspannungsmusik für den Widder oder
andere Sternzeichen. Also keine Songs, sondern wabernde Geräusche,
die sicher nur im zugedröhnten Zustand zu hören Sinn machen.
Eigenartig.
"Dia Gastado"/"Dia De Cucu Part
1"
THOMAS
BABYLON WHORES "Death Of The
West" 7
MotorMusic/Universe, 2002
Death Rock ist das musikalische Selbstverständnis
der babylonischen Huren. Rock ja, Death hä? Naja, die Kompositionen
peitschen ganz gut nach vorn und der Sound ist meterdick, aber von Death
(Metal) fehlt jede Spur. Eher kann man sich BABYLON WHORES als eine Mischung
neuerer Entombed (ca.15%), neuerer Sentenced (ca.10%) Sisters of Mercy
(ca.30%) heftigerer My Dying Bride (10%), Rock`n`Roll im allgemeinen (20%)
und einer Portion Doom-Metal (15%) vorstellen. Der Mix ist durchaus interessant.
Nur ist mir die Stimme von Ike Vil etwas zu dünn. Hätte der ehemalige
Sentenced-Frontmann Taneli Jarva, der hier und da einige Backing Vocals
auf dieser Scheibe einsang, den Hauptgesang übernommen, wäre
"Death Of The West" sicher ein Kracher geworden. Doch so ist die Scheibe
mit fortlaufender Spielzeit nicht frei von stimmlich bedingten Längen.
"Life Fades Away"/"Death In Prague"
THOMAS
DORMITORY "Inhuman Conditions"
7
Eigenproduktion, 2001
Eine ordentliche Thrash/Death Metal-Harke
steht uns mit DORMITORYs "Inhuman Conditions" ins Haus. Die fünfte
Veröffentlichung der Band aus Melle b.z.w. Hagen glänzt durch
nicht sehr zimperlich vorgetragenem Doublebass-Drumming und geilem Thrash-Gehacke
sowie sehr entschlossen klingende Riffs der Klampfen, um es mal vorsichtig
auszudrücken. Man merkt DORMITORY die zwölf Jahre Erfahrung,
die sie auf dem Buckel haben, an. Die Songs sind schlüssig und haben
genug Drive, um sich von der breiten Masse der 08/15-Bands abzuheben. Besonders
"Mindraper" fällt trotz vertracktem Mittelteil positiv auf. "Fall
Out" macht wenig Gefangene. Auch "Suicide" und "Fortress of Lies" krachen
gut in die Dielen. Der Sound ist für eine Eigenproduktion verdammt
gut, weil transparent und druckvoll. Einzig die etwas hardcorigen Vocals
sind gewöhnungsbedürftig, aber nach dem dritten Durchlauf kann
man sich die Stimme kaum noch wegdenken. Nun ist es an Euch, mit der Band
Kontakt aufzunehmen um Euch ein Exemplar der CD zu sichern.
DormitoryMetal@aol.com,
www.dormitory.de
"Suicide"/"Fall Out"
THOMAS
SADORASS "Strength And Wisdom"
3
Christhand Prod, 2002
Das Einmann-Projekt SADORASS, bestehend
aus S., ist ein Black Metal-Ding der Sorte Beherit. Nur musikalisch gesehen,
denn so ähnlich wie deren legendäre "The Oath Of Black Blood"-Scheibe
klingt auch "Strength And Wisdom". Grell, fauchend und sehr unkommerziell.
Allerdings funktioniert die Schiene bei SADORASS nicht, da 1. die Klampfen
nur hauchdünn sind ohne jeglichen Kultcharakter, 2. die Songs zu durchschnittlich
sind, um guten Black Metal abzugeben, allerdings zu gut, um nur als vernichtendes
Chaos durchzugehen. Hinzu kommt das etwas konstruierte Image der Band:
Da wäre das in ganz normalen Druckbuchstaben geschriebene Logo und
das Cover mit dem Vollmond-Foto an einem warmes Blau verstrahlenden Himmel
auf der einen Seite (So manche Gothic-Band wäre neidisch), und der
totale Unsound, ein Songtext von Charles Manson (sehr stark übrigens)
auf der anderen. Und viermal "I hate you" auf dem CD-Druck. Das ruft in
mir das panische aus allen Rohren feuern hervor, ohne zu wissen, wo im
Dunkeln der Feind steht. Und "Strength And Wisdom", also Stärke und
Weiheit, verkörpert die CD nicht im Geringsten. Okay, Ihr merkt
vielleicht, daß SADORASS nicht ganz mein Ding ist. Aber hört
selbst.
THOMAS
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