ANGRA
"Rebirth"
2
Steamhammer/SPV
2001
ANGRA sind
zurück. Frohe Kunde? Mit Nichten. Die Brasilianer, einst in der Auflösung
begriffen, haben ihre Besetzung runderneuert und wagen mit "Rebirth" einen
Neuanfang. Und sie machen dort weiter, wo sie aufgehört haben - bei
beliebig austauschbarem und ideenlosem Eunuchen-Metal ohne Ecken und Kanten.
Der ganz große Wurf gelang ANGRA schon damals nicht und es müßte
mit dem Teufel (in ANGRAs Fall wohl eher mit dem "Allmächtigen") zugehen,
sollte es ihnen diesmal gelingen. Um es mit Trappatonis Worten zu sagen:
ANGRA haben fertig. Ich glaube schon.
"Rebirth"
THOMAS
BURDEN
OF GRIEF „On Darker Trails“ 6
Massacre Rec/Connected,
2001
Solide ist
dieses zweite Album der deutschen BURDEN OF GRIEF allemal. Allerdings erfüllt
es meiner Ansicht nach nicht die Erwartungen, die eine ganze Reihe von
Vorschußlorbeeren weckten. Dazu ist die Scheibe einfach zu vorhersehbar.
Natürlich ist diese Thrash/Death-Mischung gelungen, natürlich
sind die Songs an sich gut und natürlich hat die Produktion Kraft,
der „Oha“-Effekt stellt sich allerdings nicht ein. Auch wenn man die CD
„On Darker Trails“ immer und immer wieder hört. Allenfalls das Metallica-Cover
„Master Of Puppets“ sorgt für ein Achtungszeichen. Eigentlich für
zwei. Zum einen hört man hier deutlich, was den Eigenkompositionen
von BURDEN OF GRIEF fehlt, zum anderen könnte man unter Umständen
angeregt werden, bei allem Neuzeit-Geschwurbel von Hetfield & Co sich
doch mal wieder alte Metallica-Scheiben aufzulegen.
„Cold Fire“
JUB
ZAUNPFAHL
"Gesicht" 6
W-Music/EFA
2001
Zum Glück
mit wenig Deutschpunk-Klischees beladen, kommt die neue "Gesicht" betitelte
CD der Malchiner Punk´n´Roll-Band ZAUNPFAHL daher. Die zum
Teil lustigen, zum Teil bissig-zynischen Texte sind eher folgenden Kalibers:
"Wir haben heut´nen Baum gepflanzt, dort irgendwo am Strassenrand,
und irgendwann in ein paar Jahren wird schon einer von Euch dagegen fahren."
So wird in "Baum gepflanzt" der durchschnittliche Autoproll mit wenig Hirn
und viel PS aufs Korn genommen. Ebenso bekommen Aufschneidertypen der Marke
"Ich hab´ne Gitarre zuhause, kann nicht spielen, doch die Frauen
stehen drauf" ihr Fett weg. Verpackt werden die kleinen Bosheiten in recht
simpel gestrickte aber unterhaltsame Musik mit den typischen Punk-Mitgröhl-Refrains.
Kleine Kuriosität am Rande: Was ZAUNPFAHL sicherlich nicht wissen,
ist, daß das Thema "Mann trifft tolle Frau und beim ersten Mal dann
stellt Mann fest, daß Frau auch ein Mann ist" schon mal von den nicht
ganz so "politisch korrekten" Kahlkopf auf ihrer "Soldat" betitelten CD
aufgegriffen wurde. Siehe ZAUNPFAHL-Song "Mehr". Kahlkopfs Version fetzt
aber mehr, hehe!
"Baum gepflanzt"
THOMAS
GUERRILLA
„On Target“ 8 (BANDS-BATTLE-BAND)
Eigenproduktion,
2001
„Red Moon
Rising“
Teufel auch
eins, GUERRILLA beeindrucken laut Bandinfo nicht nur durch die Größe
ihrer Geschlechtsteile, sondern haben ohrenscheinlich auch eine Menge wirklich
geiler Songs am Start. Mit ihrem nach zwei Demos und einer Mini-CD ersten
selbstproduzierten Long-Player „On Target“ gibt es die absolute 80er-Jahre-Thrash-Metal-Vollbedienung,
daß einem Hören und Sehen vergehen. Die progressiven Elemente
in der Musik sind ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sprengen sie ein
wenig die Gängigkeit der Songs, zum anderen verleihen sie GUERRILLA
natürlich eine eingenständige Note. Ansonsten kann man bei den
Kölnern, die seit 1995 existieren, eine Reihe Querverweise finden.
Nuclear Assault zum Beispiel, oder Suckspeed in einigen Gesangspassagen.
Aber auf jeden Fall eine ganze Menge Sacred Reich und das ist natürlich
allererste Sahne. Wer sich das Teil besorgen möchte, und das
solltet ihr wirklich tun, wendet sich an Martin Below, Weisser Hauptstraße
54, 50 999 Köln. Dann haben wir da noch www.guerrilla-metal.com und
contact@guerrilla-metal.com.
„Follow
Me“
JUB
THE
CLAYMORE "The Claymore" 4
Eigenproduktion
2001
Die aus Castrop-Rauxel
stammende Band THE CLAYMORE hat sich ganz dem Power Metal verschrieben.
Treibende Drums, epische Gitarrenriffs und heller Gesang sind eindeutige
Indizien dafür. Die drei Songs der CD plus Intro sind zwar noch etwas
hölzern arrangiert, dennoch läßt sich in der Hinsicht Potential
erahnen, da der Titelsong "The Claymore" nach nur einmaligem Hören
schon ein fieser Ohrwurm ist. Leider hinken die anderen Songs der CD, "Element
Of Hate" und "Arborlon", dem erstgenannten Highlight etwas hinterher. An
dieser Stelle sei auch Sänger Andy erwähnt, welchem man ohne
weiteres seine gesanglichen Fähigkeiten anhört. Dennoch, Andy,
ich bin mir absolut sicher, daß Du es besser kannst. An Talent mangelt
es Dir nicht, nur solltest Du Dir mehr zutrauen als bisher. Das Zeug dazu
hast Du. Vielleicht beim nächsten Mal?! Bis dahin erst einmal vier
Punkte.
Kontakt: Hardy
Kölzer, Am Zügel 20, 44575 Castrop-Rauxel, Tel.: 02305/33966,
www.Theclaymore.de
"The Claymore"
THOMAS
THRESHOLD
„Hypothetical“ 10
Inside Out/SPV,
2001
„Light And
Space“
Es gibt nur
wenige Alben in der Heavy Metal-Geschichte, vor denen man sich bedingungslos
verneigen möchte. THRESHOLDs „Hypothetical“ läßt einem
allerdings gar nicht die Zeit, lange darüber nachzudenken. Schon beim
Opener „Light And Space“ sinkt man fasziniert auf die Knie, wird überwältigt
von Größe und Erhabenheit: Was für eine Melodie, was für
eine Stimme, welch Intensität in der Gitarrenwand. Selten sind solche
überirdischen Songs zu Papier gebracht worden. Und ebenso außergewöhnlich
ist die Umsetzung, die die Position jeder Note rechtfertigt.
„Turn On
Tune In“
Die Geschichte
dieser britischen Band ist 12 Jahre und mittlerweile sieben Alben alt.
Das Herz der Band bilden die Gründungsmitglieder und Gitarristen Nick
Midson und Karl Groom. Sie sahen eine Reihe Mitmusiker kommen und gehen,
haben in dem Ex-Sargant Fury-Sänger Andrew „Mac“ McDermott jetzt
allerdings einen Frontmann verpflichtet, der die Bedeutung der THRESHOLD-Musik
rüberbringt, wie kein anderer Mitstreiter zuvor. Der Schotte singt
majestätisch, bewußt, ebenso majestätische Musik hinter
sich zu haben. Egal, welches Lied man sich gibt, es bleibt Erstaunen zurück.
Selbst „Keep My Head“, das eher einem Frank Sinatra gut zu Gesicht gestanden
hätte, wird durch THRESHOLD geadelt. Wenn es heißt, man habe
es hier mit Englands Progressiv-Metal-Import Nummer 1 zu tun, kann das
von mir unbesehen unterschrieben werden. Gigantonomie hat einen neuen Begriff,
und der heißt THRESHOLD.
„Oceanbound“
JUB
KISS
OF DEATH "Stronger Than Before" 5
Eigenproduktion
2001
Recht thrashig
kommt die CD "Stronger Than Before" der Italiener von KISS OF DEATH daher.
Ganz unkompatibel für die mit Bravo- und Poprocky-Postern tapezierten
Kinderzimmer der No Angels-Fraktion klingt auch die Produktion. Räudig
trifft es wohl am besten. Das jedoch im positiven Sinne, denn die Instrumente
sind jederzeit ortbar und nichts wird verschleiert. Leider auch nicht die
Tatsache, daß KISS OF DEATH hin und wieder moderneren Sounds frönen.
Denn die eine oder andere Stakkato-Attacke klingt in meinen Ohren doch
etwas störend, und so wird der an sich gute Gesamteindruck geschmählert.
Der Thrash Metal der Band ist im Groben und Ganzen eine handwerklich runde
Sache, und Songs wie "Envy" oder "Rising Fear" lassen den Kopf unweigerlich
auf und ab bewegen.
Kontakt.:KISS
OF DEATH, c/o Max Serafino, Via G.Malecore, 21, 73100 Lecce Italy, Tel.:
39.832.340919, KISSOFDEATH@TISCALINET.IT
"Envy"
THOMAS
BOB
CATLEY „Middle Earth“ 4
Frontiers/Now&Then/XIII
BIS/Point Music, 2001
„Middle Earth“?
Na, worum kann es sich dabei schon drehen? BOB CATLEY erzählt die
„Herr der Ringe“-Saga auf seinem aktuellen Solo-Album zwar nicht nach,
fühlte sich durch Tolkiens Bücher allerdings inspiriert. Melodien
schreiben konnte der Ex-Magnum-Frontmann zwar noch nie, wozu gibt es jedoch
Kumpels wie Gary Hughes, der nicht nur sämtliche Kompositionen beisteuerte,
sondern das Album produzierte und auf der CD Keyboards spielte und im Hintergrund
mitträllerte. Und herausgekommen ist eine Scheibe, die zu der ganz
ganz soften Variante des Melodic Metal gehört. Nicht nur, daß
Keyboards dominieren, die Gitarren irgendwo aus dem Hall dringen und die
Melodien teilweise doch recht abgegriffen herüberkommen, hätte
die „Middle Earth“-Scheibe in dieser Form auch gut als Pop-Platte in den
Mitt-Achtzigern weggehen können. Wie hieß dieser Typ? John Farnham
oder so? Jedenfalls geht es ein bißchen in solche Richtung.
„Where
You Lead I’ll Follow/Stormcrow And Pilgrim/Where You Lead I’ll Follow (Reprise)“
JUB
ROUGH
SILK "Symphony Of Life" 3
SPV/Breaker
2001
Die deutsche
Band um den Keyboarder und Produzenten Ferdy Doernberg geht mit "Symphony
Of Life" in die nächste Runde, um der Welt zu zeigen, was für
tolle Komponisten sie sind. Die verwendeten metaluntypischen Instrumente
wie Akkordeon, Bouzouki, Mudharmonika, Mandolinen, Flöten ect. sind
zwar durchaus legitim. Doch wie ROUGH SILK sie einsetzen, klingt das Ganze
irgendwie einfältig und kautzig. Besonders das Titelstück zeigt
in seiner neunminütigen Spielzeit, wie unpassend die eigentlich gut
klingenden Soundstücke aneinander gereiht sind, um ein möglichst
langes Stück zu schreiben. Daß die Band es durchaus ernst meint
und dennoch sehr von sich überzeugt ist, merkt man an der stark übertriebenen
Covergestaltung mit selbstverliebten Musiker-Fotos.
Savatage scheinen
offensichtlich einen großen Einfluß auf die Band ausgeübt
zu haben (was ja nichts schlechtes ist), doch von deren Meisterhaftigkeiten
sind ROUGH SILK soweit entfernt wie Aldi-Fertiggerichte von einer opulenten
Festtagstafel. Dennoch konnten die Deutschen den Mountain King Jon Oliva
zur Mittat überzeugen, was sich im Song "Luzifer" niederschlägt,
in dem Jon die Rolle des "Allmächtigen" übernimmt.
"Symphomy
Of Life"
THOMAS
KAMELOT
„KARMA“ 7
Noise/Sanctuary,
2001
Perfekter geht
es eigentlich kaum. Top-Melodien, Top-Arrangements, Top-Sound. Wenn da
die beiden aufgesetzten Balladen nicht wären und Sänger Roy Khan
nicht hin und wieder zu pathetisch klingen würde, müßte
eigentlich alles stimmen. Tut es aber dann doch nicht, da die KAMELOT-Scheibe
„Karma“ einfach viel zu aalglatt rüberkommt. Denn die Cover-Mädels
der Hochglanz-Zeitschriften sind eigentlich auch nicht wirklich schön.
Deshalb treten bei den Amis um Gitarrist Thomas Youngblood rasch Verschleißerscheinungen
auf, die auch beim beinhärtesten Melodic Metal-Fan dazu führen
könnten, daß „Karma“ nach einer gewissen Zeit in Vergessenheit
gerät. Erwähnenswert sei noch, daß KAMELOT in ihrem 10.
Jahr und auf dem nunmehr fünften Album mit drei Songs eine Geschichte
über Elisabeth Bathory erzählen, jener ungarischen Gräfin,
die jungfräuliches Menschen-Blut zum Erhalt der eigenen Jugend hektoliterweise
konsumierte und jetzt trotzdem tot ist. Netter Versuch, klingt bei KAMELOT
aber ein bißchen banal. Ich erinnere da bloß an „Countess Bathory“
von Venom oder „Woman Of Dark Desire“ von Bathory. Diese beiden Bands haben
das Thema in nur einem Stück ergreifender umgesetzt als KAMELOT in
ihrem Mini-Musical.
„Forever“
JUB
MIDNIGHT
SUN „Metal Machine“ 7
LMP/SPV, 2001
Die Mischung
wirkt anfangs abstrus: Judas Priest zu „Turbo“-Zeiten mit Rhapsody-Schlagseite,
angereichert mit progressiven Elementen, vorgetragen von Ami-Lookalikes,
die ihrem 4. Album, „Metal Machine“, ein Stoner Rock-Cover verpaßten.
Läßt
man die ganze Sache allerdings sacken, ist zum Beispiel dieser kanonenbewehrte
Ami-Schlitten durchaus ein direkter Verweis auf die recht powervolle Mucke
des Schweden-Vierers MIDNIGHT SUN. Die protzigen Metal-Rules-Texte passen
hervorragend zu dem Priest-Touch („Keeper Of The Gate“ kommt gar mit einer
„Breaking The Law“-Harmonie) und warum soll man seine Musik nicht mit hymnenhaften
Chören oder spielerischen Raffinessen aufpeppen. Am Ende ist „Metal
Machine“ doch noch ein passables Album, das nicht nur einen Hit aufzuweisen
hat und selbst in den schwächeren Momenten noch interessant bleibt.
Und - um es noch einmal hervorzuheben - die Texte dieser Band („Metal Will
Stand Tall“, „Steel To Steel“, „Metal Gods“, „Dungeons Of Steel“) sind
schwer kultverdächtig.
„Keeper
Of The Gate“
JUB
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