An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT-Spezial vom 20. November 2001


ANGRA "Rebirth" 2
Steamhammer/SPV  2001

Angra - Rebirth

ANGRA sind zurück. Frohe Kunde? Mit Nichten. Die Brasilianer, einst in der Auflösung begriffen, haben ihre Besetzung runderneuert und wagen mit "Rebirth" einen Neuanfang. Und sie machen dort weiter, wo sie aufgehört haben - bei beliebig austauschbarem und ideenlosem Eunuchen-Metal ohne Ecken und Kanten. Der ganz große Wurf gelang ANGRA schon damals nicht und es müßte mit dem Teufel (in ANGRAs Fall wohl eher mit dem "Allmächtigen") zugehen, sollte es ihnen diesmal gelingen. Um es mit Trappatonis Worten zu sagen: ANGRA haben fertig. Ich glaube schon. 
"Rebirth"

THOMAS

BURDEN OF GRIEF „On Darker Trails“ 6
Massacre Rec/Connected, 2001

Burden Of Grief - On Darker Trail

Solide ist dieses zweite Album der deutschen BURDEN OF GRIEF allemal. Allerdings erfüllt es meiner Ansicht nach nicht die Erwartungen, die eine ganze Reihe von Vorschußlorbeeren weckten. Dazu ist die Scheibe einfach zu vorhersehbar. Natürlich ist diese Thrash/Death-Mischung gelungen, natürlich sind die Songs an sich gut und natürlich hat die Produktion Kraft, der „Oha“-Effekt stellt sich allerdings nicht ein. Auch wenn man die CD „On Darker Trails“ immer und immer wieder hört. Allenfalls das Metallica-Cover „Master Of Puppets“ sorgt für ein Achtungszeichen. Eigentlich für zwei. Zum einen hört man hier deutlich, was den Eigenkompositionen von BURDEN OF GRIEF fehlt, zum anderen könnte man unter Umständen angeregt werden, bei allem Neuzeit-Geschwurbel von Hetfield & Co sich doch mal wieder alte Metallica-Scheiben aufzulegen.
„Cold Fire“

JUB

ZAUNPFAHL "Gesicht" 6
W-Music/EFA  2001

Zaunpfahl - Gesicht

Zum Glück mit wenig Deutschpunk-Klischees beladen, kommt die neue "Gesicht" betitelte CD der Malchiner Punk´n´Roll-Band ZAUNPFAHL daher. Die zum Teil lustigen, zum Teil bissig-zynischen Texte sind eher folgenden Kalibers: "Wir haben heut´nen Baum gepflanzt, dort irgendwo am Strassenrand, und irgendwann in ein paar Jahren wird schon einer von Euch dagegen fahren." So wird in "Baum gepflanzt" der durchschnittliche Autoproll mit wenig Hirn und viel PS aufs Korn genommen. Ebenso bekommen Aufschneidertypen der Marke "Ich hab´ne Gitarre zuhause, kann nicht spielen, doch die Frauen stehen drauf" ihr Fett weg. Verpackt werden die kleinen Bosheiten in recht simpel gestrickte aber unterhaltsame Musik mit den typischen Punk-Mitgröhl-Refrains. Kleine Kuriosität am Rande: Was ZAUNPFAHL sicherlich nicht wissen, ist, daß das Thema "Mann trifft tolle Frau und beim ersten Mal dann stellt Mann fest, daß Frau auch ein Mann ist" schon mal von den nicht ganz so "politisch korrekten" Kahlkopf auf ihrer "Soldat" betitelten CD aufgegriffen wurde. Siehe ZAUNPFAHL-Song "Mehr". Kahlkopfs Version fetzt aber mehr, hehe!
"Baum gepflanzt"

THOMAS

GUERRILLA „On Target“ 8 (BANDS-BATTLE-BAND) 
Eigenproduktion, 2001

Guerrilla - On Target

„Red Moon Rising“
Teufel auch eins, GUERRILLA beeindrucken laut Bandinfo nicht nur durch die Größe ihrer Geschlechtsteile, sondern haben ohrenscheinlich auch eine Menge wirklich geiler Songs am Start. Mit ihrem nach zwei Demos und einer Mini-CD ersten selbstproduzierten Long-Player „On Target“ gibt es die absolute 80er-Jahre-Thrash-Metal-Vollbedienung, daß einem Hören und Sehen vergehen. Die progressiven Elemente in der Musik sind ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sprengen sie ein wenig die Gängigkeit der Songs, zum anderen verleihen sie GUERRILLA natürlich eine eingenständige Note. Ansonsten kann man bei den Kölnern, die seit 1995 existieren, eine Reihe Querverweise finden. Nuclear Assault zum Beispiel, oder Suckspeed in einigen Gesangspassagen. Aber auf jeden Fall eine ganze Menge Sacred Reich und das ist natürlich allererste Sahne.  Wer sich das Teil besorgen möchte, und das solltet ihr wirklich tun, wendet sich an Martin Below, Weisser Hauptstraße 54, 50 999 Köln. Dann haben wir da noch www.guerrilla-metal.com und contact@guerrilla-metal.com.
„Follow Me“

JUB

THE CLAYMORE "The Claymore" 4
Eigenproduktion  2001

The Claymore - The Claymore

Die aus Castrop-Rauxel stammende Band THE CLAYMORE hat sich ganz dem Power Metal verschrieben. Treibende Drums, epische Gitarrenriffs und heller Gesang sind eindeutige Indizien dafür. Die drei Songs der CD plus Intro sind zwar noch etwas hölzern arrangiert, dennoch läßt sich in der Hinsicht Potential erahnen, da der Titelsong "The Claymore" nach nur einmaligem Hören schon ein fieser Ohrwurm ist. Leider hinken die anderen Songs der CD, "Element Of Hate" und "Arborlon", dem erstgenannten Highlight etwas hinterher. An dieser Stelle sei auch Sänger Andy erwähnt, welchem man ohne weiteres seine gesanglichen Fähigkeiten anhört. Dennoch, Andy, ich bin mir absolut sicher, daß Du es besser kannst. An Talent mangelt es Dir nicht, nur solltest Du Dir mehr zutrauen als bisher. Das Zeug dazu hast Du. Vielleicht beim nächsten Mal?! Bis dahin erst einmal vier Punkte.
Kontakt: Hardy Kölzer, Am Zügel 20, 44575 Castrop-Rauxel, Tel.: 02305/33966, www.Theclaymore.de
"The Claymore"

THOMAS

THRESHOLD „Hypothetical“ 10
Inside Out/SPV, 2001

Threshold - Hypothetical

„Light And Space“
Es gibt nur wenige Alben in der Heavy Metal-Geschichte, vor denen man sich bedingungslos verneigen möchte. THRESHOLDs „Hypothetical“ läßt einem allerdings gar nicht die Zeit, lange darüber nachzudenken. Schon beim Opener „Light And Space“ sinkt man fasziniert auf die Knie, wird überwältigt von Größe und Erhabenheit: Was für eine Melodie, was für eine Stimme, welch Intensität in der Gitarrenwand. Selten sind solche überirdischen Songs zu Papier gebracht worden. Und ebenso außergewöhnlich ist die Umsetzung, die die Position jeder Note rechtfertigt. 
„Turn On Tune In“
Die Geschichte dieser britischen Band ist 12 Jahre und mittlerweile sieben Alben alt. Das Herz der Band bilden die Gründungsmitglieder und Gitarristen Nick Midson und Karl Groom. Sie sahen eine Reihe Mitmusiker kommen und gehen, haben in dem  Ex-Sargant Fury-Sänger Andrew „Mac“ McDermott jetzt allerdings einen Frontmann verpflichtet, der die Bedeutung der THRESHOLD-Musik rüberbringt, wie kein anderer Mitstreiter zuvor. Der Schotte singt majestätisch, bewußt, ebenso majestätische Musik hinter sich zu haben. Egal, welches Lied man sich gibt, es bleibt Erstaunen zurück. Selbst „Keep My Head“, das eher einem Frank Sinatra gut zu Gesicht gestanden hätte, wird durch THRESHOLD geadelt. Wenn es heißt, man habe es hier mit Englands Progressiv-Metal-Import Nummer 1 zu tun, kann das von mir unbesehen unterschrieben werden. Gigantonomie hat einen neuen Begriff, und der heißt THRESHOLD. 
„Oceanbound“

JUB

KISS OF DEATH "Stronger Than Before" 5
Eigenproduktion  2001

Kiss Of Death - Stronger Than Before

Recht thrashig kommt die CD "Stronger Than Before" der Italiener von KISS OF DEATH daher. Ganz unkompatibel für die mit Bravo- und Poprocky-Postern tapezierten Kinderzimmer der No Angels-Fraktion klingt auch die Produktion. Räudig trifft es wohl am besten. Das jedoch im positiven Sinne, denn die Instrumente sind jederzeit ortbar und nichts wird verschleiert. Leider auch nicht die Tatsache, daß KISS OF DEATH hin und wieder moderneren Sounds frönen. Denn die eine oder andere Stakkato-Attacke klingt in meinen Ohren doch etwas störend, und so wird der an sich gute Gesamteindruck geschmählert. Der Thrash Metal der Band ist im Groben und Ganzen eine handwerklich runde Sache, und Songs wie "Envy" oder "Rising Fear" lassen den Kopf unweigerlich auf und ab bewegen.
Kontakt.:KISS OF DEATH, c/o Max Serafino, Via G.Malecore, 21, 73100 Lecce Italy, Tel.: 39.832.340919, KISSOFDEATH@TISCALINET.IT
"Envy"

THOMAS

BOB CATLEY „Middle Earth“ 4
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point Music, 2001

Bob Catley - Middle Earth

„Middle Earth“? Na, worum kann es sich dabei schon drehen? BOB CATLEY erzählt die „Herr der Ringe“-Saga auf seinem aktuellen Solo-Album zwar nicht nach, fühlte sich durch Tolkiens Bücher allerdings inspiriert. Melodien schreiben konnte der Ex-Magnum-Frontmann zwar noch nie, wozu gibt es jedoch Kumpels wie Gary Hughes, der nicht nur sämtliche Kompositionen beisteuerte, sondern das Album produzierte und auf der CD Keyboards spielte und im Hintergrund mitträllerte. Und herausgekommen ist eine Scheibe, die zu der ganz ganz soften Variante des Melodic Metal gehört. Nicht nur, daß Keyboards dominieren, die Gitarren irgendwo aus dem Hall dringen und die Melodien teilweise doch recht abgegriffen herüberkommen, hätte die „Middle Earth“-Scheibe in dieser Form auch gut als Pop-Platte in den Mitt-Achtzigern weggehen können. Wie hieß dieser Typ? John Farnham oder so? Jedenfalls geht es ein bißchen in solche Richtung.
„Where You Lead I’ll Follow/Stormcrow And Pilgrim/Where You Lead I’ll Follow (Reprise)“

JUB

ROUGH SILK "Symphony Of Life" 3
SPV/Breaker  2001

Rough Silk - Symphony Of Life

Die deutsche Band um den Keyboarder und Produzenten Ferdy Doernberg geht mit "Symphony Of Life" in die nächste Runde, um der Welt zu zeigen, was für tolle Komponisten sie sind. Die verwendeten metaluntypischen Instrumente wie Akkordeon, Bouzouki, Mudharmonika, Mandolinen, Flöten ect. sind zwar durchaus legitim. Doch wie ROUGH SILK sie einsetzen, klingt das Ganze irgendwie einfältig und kautzig. Besonders das Titelstück zeigt in seiner neunminütigen Spielzeit, wie unpassend die eigentlich gut klingenden Soundstücke aneinander gereiht sind, um ein möglichst langes Stück zu schreiben. Daß die Band es durchaus ernst meint und dennoch sehr von sich überzeugt ist, merkt man an der stark übertriebenen Covergestaltung mit selbstverliebten Musiker-Fotos. 
Savatage scheinen offensichtlich einen großen Einfluß auf die Band ausgeübt zu haben (was ja nichts schlechtes ist), doch von deren Meisterhaftigkeiten sind ROUGH SILK soweit entfernt wie Aldi-Fertiggerichte von einer opulenten Festtagstafel. Dennoch konnten die Deutschen den Mountain King Jon Oliva zur Mittat überzeugen, was sich im Song "Luzifer" niederschlägt, in dem Jon die Rolle des "Allmächtigen" übernimmt.
"Symphomy Of Life"

THOMAS 

KAMELOT „KARMA“ 7
Noise/Sanctuary, 2001

Kamelot - Karma

Perfekter geht es eigentlich kaum. Top-Melodien, Top-Arrangements, Top-Sound. Wenn da die beiden aufgesetzten Balladen nicht wären und Sänger Roy Khan nicht hin und wieder zu pathetisch klingen würde, müßte eigentlich alles stimmen. Tut es aber dann doch nicht, da die KAMELOT-Scheibe „Karma“ einfach viel zu aalglatt rüberkommt. Denn die Cover-Mädels der Hochglanz-Zeitschriften sind eigentlich auch nicht wirklich schön. Deshalb treten bei den Amis um Gitarrist Thomas Youngblood rasch Verschleißerscheinungen auf, die auch beim beinhärtesten Melodic Metal-Fan dazu führen könnten, daß „Karma“ nach einer gewissen Zeit in Vergessenheit gerät. Erwähnenswert sei noch, daß KAMELOT in ihrem 10. Jahr und auf dem nunmehr fünften Album mit drei Songs eine Geschichte über Elisabeth Bathory erzählen, jener ungarischen Gräfin, die jungfräuliches Menschen-Blut zum Erhalt der eigenen Jugend hektoliterweise konsumierte und jetzt trotzdem tot ist. Netter Versuch, klingt bei KAMELOT aber ein bißchen banal. Ich erinnere da bloß an „Countess Bathory“ von Venom oder „Woman Of Dark Desire“ von Bathory. Diese beiden Bands haben das Thema in nur einem Stück ergreifender umgesetzt als KAMELOT in ihrem Mini-Musical.
„Forever“

JUB

MIDNIGHT SUN „Metal Machine“ 7
LMP/SPV, 2001

Midnight Sun - Metal Machine

Die Mischung wirkt anfangs abstrus: Judas Priest zu „Turbo“-Zeiten mit Rhapsody-Schlagseite, angereichert mit progressiven Elementen, vorgetragen von Ami-Lookalikes, die ihrem 4. Album, „Metal Machine“, ein Stoner Rock-Cover verpaßten.
Läßt man die ganze Sache allerdings sacken, ist zum Beispiel dieser kanonenbewehrte Ami-Schlitten durchaus ein direkter Verweis auf die recht powervolle Mucke des Schweden-Vierers MIDNIGHT SUN. Die protzigen Metal-Rules-Texte passen hervorragend zu dem Priest-Touch („Keeper Of The Gate“ kommt gar mit einer „Breaking The Law“-Harmonie) und warum soll man seine Musik nicht mit hymnenhaften Chören oder spielerischen Raffinessen aufpeppen. Am Ende ist „Metal Machine“ doch noch ein passables Album, das nicht nur einen Hit aufzuweisen hat und selbst in den schwächeren Momenten noch interessant bleibt. Und - um es noch einmal hervorzuheben - die Texte dieser Band („Metal Will Stand Tall“, „Steel To Steel“, „Metal Gods“, „Dungeons Of Steel“) sind schwer kultverdächtig.
„Keeper Of The Gate“

JUB
[vor][zurück]