An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen
- unter der 14-tägigen Rubrik "Abgehört" -
des Jahres 2001 in der entgegengesetzten Reihenfolge ihrer Ausstrahlung.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

MOONSPELL-Special vom 21. Oktober 2003

DESPAIRATION „Songs Of Love And Redemption" 8
Moonstorm/EFA, 2002

DESPAIRATION - Songs Of Love And Redemption

Hallo Gothic-Fans! Natürlich habt Ihr in Eure Szene einen weit intensiveren Einblick als wir ihn hier bei INTERREGNUM haben könnten, da wir gar nicht die Zeit hätten, uns ausschließlich mit einem Ableger der uns alle verbindenden Metal-Musik zu kümmern. Aber vielleicht ist Euch die Band DESPAIRATION ja trotzdem durchgegangen. Dann bekommt Ihr an dieser Stelle die Möglichkeit, darauf aufmerksam zu werden. Zu recht, übrigens. Denn die CD "Songs Of Love And Redemption" hat alles, was das Herz eines Schwermütigen begehrt. Fangt bei DESPAIRATION ausnahmsweise mal hinten an. "Melissa Kissed The Sky" und "Transcen-Dance" haben die Düsternis gepachtet. Diese breiten, grausig angenehmen Weisen zerren an Deinem Mantel, daß Du auch in die Gruft rutschtst, ohne daß der Boden unter Deinen Füßen vom Regen aufgeweicht ist. Und wenn wir bei den Sachen sind, die diese CD zu einem Verkaufs-Schlager hätten machen müssen, dann zappt auf "The Electric Shaman" - welch wunderbarer Song.
Alles in allem haben wir es hier mit einer härteren Depeche Mode-Variante zu tun, die sich mit allen Vorteilen der Synthi-Pop-Stars schmücken kann, deren Metal-Attitüde verdammt kurz gehalten wird, was der Musik allerdings in keinster Weise ein Leid antut. Ach so, um es nicht zu vergessen, alte New Romanticer sind hier natürlich auch goldrichtig.
Nicht jeder Song auf "Songs Of Love And Redemption" ist dermaßen gelungen wie genannter "The Electric Shaman". Auch finde ich "Man On The Moon" von R.E.M. im Original schon völlig überflüssig, so daß das Stück hier hätte nicht zu Cover-Ehren kommen müssen. Im Großen und Ganzen aber ein treffliches Produkt, das jede "Schwarze Nacht" in diversen Clubs bereichern sollte.
"The Electric Shaman"

JUB

KALMAH "Swampsong" 9
Century Media/Ranka Publ., 2003

KALMAH - Swampsong

Huch, was muß ich da lesen? "Swamp-Metal"? Na na, da werden die Leute von Century Media doch nicht etwa schon wieder einmal eine neue Heavy Metal-Spezifik kreieren wollen, nur um die Musik von KALMAH als einmalig zu preisen? Nein, war nur eine kleine fast scherzhafte Randbemerkung, denn in dem Begleitschreiben zur CD wird die Musik ganz profan als melodisch-bombastischer, rasender Death/Black Metal bezeichnet.
Nun, und Bands, die Black und Death Metal vermischen, gibt es viele. Die einen neigen mehr zu der einen, die anderen mehr zu der anderen Seite. Diese wiederum kreieren eine neue melodiöse Form des Death Metal, jene hingegen versuchen den Black Metal wuchtiger zu machen. Also ist es doch gar nicht so einfach, KALMAHs Musik auf der dritten CD der Band, "Swampsong", den richtigen Stempel zu verpassen.
Ich kenne finnische Sümpfe nicht, aber ich kann mir vorstellen, daß deutsche Sumpf-Geschöpfe weitaus schwerfälliger zu Werke gehen würden. Denn KALMAH verpacken ihre Sumpf-Geschichten in bretthartes Melodic Death-Gaballer, das streckenweise gar winzige Klingt-wie-Amon-Amarth-Momente zuläßt (zum Beispiel bei "Moon Of My Nights"). Hin und wieder blitzt ein Keyboard auf, das recht verspielt klingt, bei ganz genauem Hinhören jedoch folkige Tanzweisen durchschimmern läßt. In "The Third, The Magical" bestätigt sich unsere Ahnung, indem KALMAH den Dorf-Musikanten endgültig von der Leine lassen.
Das Album ist durch und durch gelungen, haben sich die Finnen doch vollends auf ihre Stärken verlassen und einmal mehr wilde aber immer dynamische Alarm-Nummern abgeliefert, die uns wunderbare Leads und großartige Melodien bescheren, die man nicht suchen muß.
"Man With Mystery"

JUB

ATARGATIS "Accurst From The Deep" 7  - BANDS BATTLE-Band 2004
Eigenproduktion, 2002

ATARGATIS - Accurst From The Deep

Nehme ich den Gesang von Stephanie Meier auf der CD "Accurst From The Deep" als Maßstab, wird es verdammt interessant zu erleben, wie das junge Geschöpf gegen die metallische Gitarren-Wucht ansingen will. Die elfenhafte Stimme Stephanies trägt soviel Sanfheit in sich, daß sie manchmal droht, von den räudigen Growls von Michael Epner zerissen zu werden ("The Mirror Within"). Oder sie schneidet sich an den spitzen Klampfen-Riffs bei "Neverwake". Aber gerade diese Kontraste sind es, die die Aufmerksamkeit des Hörers von Song zu Song steigern, denn die Sanges-Künstlerin bleibt bis zuletzt eine unverbrüchliche Säule im Gesamtklangbild von ATARGATIS.
Der Name der Band bezeichnet eine syrische Meeres- und Mondgöttin und so haben sich die fünf Deutschen Legenden der Meeres-Mythologie zum Thema gewählt. ATARGATIS versuchen dem auch Rechnung zu tragen, indem vor allem Epners Ausbrüche mit einem Unterwasser-Mikrophon hätten aufgenommen werden können. Auch sind die "feuchten" Samples mit Bedacht und gelungen eingesetzt. Stephanies Gesang könnte zwar durchaus des Abends kaum wahrnehmbar über die ruhige See an unser Ohr dringen, bringt uns aber nicht zwingend ins maritime Element.
Wo wir wieder bei dieser Stimme angekommen sind. Gothic-Bands kommen ohne das Wechselspiel zwischen zarten Frauen-Tönen und kraftmeierischen Manns-Gebrumme kaum noch aus. Das könnte bei der Gründung von ATARGATIS 1997 durchaus eine Rolle gespielt haben. Allerdings kann man dieses Stilmittel auf der CD "Accurst From The Deep" nicht mehr ohne weiteres als Klischee abtun. Denn zeigt uns doch "Last Goodbye", daß diese folkig-mystische Weise ohne das filigrane Trällern Stephanies kaum funktionieren würde. Allein dieses Stück verbietet es, ATARGATIS einfach zur Gothic-Truppe zu machen. Schwermut, Verzweiflung, Resignation, Selbstvergessenheit begleiten die Musik in jeder Note, nur wirkt sie nie wie in Gruften zelebriert, sondern suggeriert ständig taghelle Momente in der Natur. Diese Musik bräuchte eine fette und professionelle Produktion, um die letzten Nuancen herauszukitzeln. Zum Beispiel hätten die Gitarren einen wärmeren Klang nötig. Auch mit den Stimmen kann man dann unendlich viel mehr machen, was der Stimmung der Musik einen Schub verleihen würde, der Gänsehaut erzeugt.
Wie gesagt, bei dem Live-Gig dieser Band ist Spannung angesagt. www.atargatis.de / band@atargatis.de
"The Mirror Within"

JUB
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