DESPAIRATION
„Songs Of Love And Redemption" 8
Moonstorm/EFA,
2002
Hallo Gothic-Fans!
Natürlich habt Ihr in Eure Szene einen weit intensiveren Einblick
als wir ihn hier bei INTERREGNUM haben könnten, da wir gar nicht die
Zeit hätten, uns ausschließlich mit einem Ableger der uns alle
verbindenden Metal-Musik zu kümmern. Aber vielleicht ist Euch die
Band DESPAIRATION ja trotzdem durchgegangen. Dann bekommt Ihr an dieser
Stelle die Möglichkeit, darauf aufmerksam zu werden. Zu recht, übrigens.
Denn die CD "Songs Of Love And Redemption" hat alles, was das Herz eines
Schwermütigen begehrt. Fangt bei DESPAIRATION ausnahmsweise mal hinten
an. "Melissa Kissed The Sky" und "Transcen-Dance" haben die Düsternis
gepachtet. Diese breiten, grausig angenehmen Weisen zerren an Deinem Mantel,
daß Du auch in die Gruft rutschtst, ohne daß der Boden unter
Deinen Füßen vom Regen aufgeweicht ist. Und wenn wir bei den
Sachen sind, die diese CD zu einem Verkaufs-Schlager hätten machen
müssen, dann zappt auf "The Electric Shaman" - welch wunderbarer Song.
Alles in allem
haben wir es hier mit einer härteren Depeche Mode-Variante zu tun,
die sich mit allen Vorteilen der Synthi-Pop-Stars schmücken kann,
deren Metal-Attitüde verdammt kurz gehalten wird, was der Musik allerdings
in keinster Weise ein Leid antut. Ach so, um es nicht zu vergessen, alte
New Romanticer sind hier natürlich auch goldrichtig.
Nicht jeder
Song auf "Songs Of Love And Redemption" ist dermaßen gelungen wie
genannter "The Electric Shaman". Auch finde ich "Man On The Moon" von R.E.M.
im Original schon völlig überflüssig, so daß das Stück
hier hätte nicht zu Cover-Ehren kommen müssen. Im Großen
und Ganzen aber ein treffliches Produkt, das jede "Schwarze Nacht" in diversen
Clubs bereichern sollte.
"The Electric
Shaman"
JUB
KALMAH
"Swampsong"
9
Century Media/Ranka
Publ., 2003
Huch, was muß
ich da lesen? "Swamp-Metal"? Na na, da werden die Leute von Century Media
doch nicht etwa schon wieder einmal eine neue Heavy Metal-Spezifik kreieren
wollen, nur um die Musik von KALMAH als einmalig zu preisen? Nein, war
nur eine kleine fast scherzhafte Randbemerkung, denn in dem Begleitschreiben
zur CD wird die Musik ganz profan als melodisch-bombastischer, rasender
Death/Black Metal bezeichnet.
Nun, und Bands,
die Black und Death Metal vermischen, gibt es viele. Die einen neigen mehr
zu der einen, die anderen mehr zu der anderen Seite. Diese wiederum kreieren
eine neue melodiöse Form des Death Metal, jene hingegen versuchen
den Black Metal wuchtiger zu machen. Also ist es doch gar nicht so einfach,
KALMAHs Musik auf der dritten CD der Band, "Swampsong", den richtigen Stempel
zu verpassen.
Ich kenne
finnische Sümpfe nicht, aber ich kann mir vorstellen, daß deutsche
Sumpf-Geschöpfe weitaus schwerfälliger zu Werke gehen würden.
Denn KALMAH verpacken ihre Sumpf-Geschichten in bretthartes Melodic Death-Gaballer,
das streckenweise gar winzige Klingt-wie-Amon-Amarth-Momente zuläßt
(zum Beispiel bei "Moon Of My Nights"). Hin und wieder blitzt ein Keyboard
auf, das recht verspielt klingt, bei ganz genauem Hinhören jedoch
folkige Tanzweisen durchschimmern läßt. In "The Third, The Magical"
bestätigt sich unsere Ahnung, indem KALMAH den Dorf-Musikanten endgültig
von der Leine lassen.
Das Album
ist durch und durch gelungen, haben sich die Finnen doch vollends auf ihre
Stärken verlassen und einmal mehr wilde aber immer dynamische Alarm-Nummern
abgeliefert, die uns wunderbare Leads und großartige Melodien bescheren,
die man nicht suchen muß.
"Man With
Mystery"
JUB
ATARGATIS
"Accurst From The Deep" 7 - BANDS BATTLE-Band
2004
Eigenproduktion,
2002
Nehme ich den
Gesang von Stephanie Meier auf der CD "Accurst From The Deep" als Maßstab,
wird es verdammt interessant zu erleben, wie das junge Geschöpf gegen
die metallische Gitarren-Wucht ansingen will. Die elfenhafte Stimme Stephanies
trägt soviel Sanfheit in sich, daß sie manchmal droht, von den
räudigen Growls von Michael Epner zerissen zu werden ("The Mirror
Within"). Oder sie schneidet sich an den spitzen Klampfen-Riffs bei "Neverwake".
Aber gerade diese Kontraste sind es, die die Aufmerksamkeit des Hörers
von Song zu Song steigern, denn die Sanges-Künstlerin bleibt bis zuletzt
eine unverbrüchliche Säule im Gesamtklangbild von ATARGATIS.
Der Name der
Band bezeichnet eine syrische Meeres- und Mondgöttin und so haben
sich die fünf Deutschen Legenden der Meeres-Mythologie zum Thema gewählt.
ATARGATIS versuchen dem auch Rechnung zu tragen, indem vor allem Epners
Ausbrüche mit einem Unterwasser-Mikrophon hätten aufgenommen
werden können. Auch sind die "feuchten" Samples mit Bedacht und gelungen
eingesetzt. Stephanies Gesang könnte zwar durchaus des Abends kaum
wahrnehmbar über die ruhige See an unser Ohr dringen, bringt uns aber
nicht zwingend ins maritime Element.
Wo wir wieder
bei dieser Stimme angekommen sind. Gothic-Bands kommen ohne das Wechselspiel
zwischen zarten Frauen-Tönen und kraftmeierischen Manns-Gebrumme kaum
noch aus. Das könnte bei der Gründung von ATARGATIS 1997 durchaus
eine Rolle gespielt haben. Allerdings kann man dieses Stilmittel auf der
CD "Accurst From The Deep" nicht mehr ohne weiteres als Klischee abtun.
Denn zeigt uns doch "Last Goodbye", daß diese folkig-mystische Weise
ohne das filigrane Trällern Stephanies kaum funktionieren würde.
Allein dieses Stück verbietet es, ATARGATIS einfach zur Gothic-Truppe
zu machen. Schwermut, Verzweiflung, Resignation, Selbstvergessenheit begleiten
die Musik in jeder Note, nur wirkt sie nie wie in Gruften zelebriert, sondern
suggeriert ständig taghelle Momente in der Natur. Diese Musik bräuchte
eine fette und professionelle Produktion, um die letzten Nuancen herauszukitzeln.
Zum Beispiel hätten die Gitarren einen wärmeren Klang nötig.
Auch mit den Stimmen kann man dann unendlich viel mehr machen, was der
Stimmung der Musik einen Schub verleihen würde, der Gänsehaut
erzeugt.
Wie gesagt,
bei dem Live-Gig dieser Band ist Spannung angesagt. www.atargatis.de
/ band@atargatis.de
"The Mirror
Within"
JUB