An dieser Stelle findet Ihr Tonträger-Rezensionen der INTERREGNUM-Sendungen.
Die kursiv geschriebenen Titel sind in den Sendungen gelaufen 
und gelten gleichzeitig als Anspiel-Tip. 
Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten.

ABGEHÖRT vom 22. Januar 2002


VIRGIN STEELE „The Book Of Burning“ 8
Sanctuary/Noise/T&T, 2002

Virgin Steele - The Book Of Burning

„Conjuration Of The Watcher“
Das ist schon ein Ding. Es gibt eine Menge Heavy Metal-Bands, die drei Kreuze machen würden, gelänge ihnen endlich einmal solch ein Song wie „Conjuration Of The Watcher“, und VIRGIN STEELE packen das Ding halt mal eben in die Schublade, um das Stück auf dieser Kompilation der unveröffentlichten und neu aufgenommenen Songs herauszukramen. Und so brillant geht es auf dem „The Book Of Burning“-Album auch weiter: „Don’t Say Goodbye (Tonight)“, „Rain Of Fire“, „Hellfire Woman“ ... Da fragt man sich, warum ausgerechnet Manowar zu den Vorzeige-Metallern aus den Staaten wurden, denn in Sachen Songwriting stecken DeFeis und Co. die Mannen um Joey DeMaio streckenweise voll in den Sack. Aber vielleicht war es halt ein Nachteil, daß Sänger David DeFeis doch nur knapp einen Meter mißt.
Stimmlich ist dieser Mann aber unschlagbar. Wenn er auch in heftigen Momenten an Eric Adams von Manowar erinnert, ist er doch in der Lage in Sopranhöhen á la Freddie Mercury zu trällern und selbst Rob Halford blaß aussehen zu lassen.
„I Am The One“
Leider hat die Scheibe in der zweiten Hälfte ein paar Schwächen, klingen Stücke wie „Guardians Of The Flame“ oder „The Final Days“ doch wie Füller. Aber nichtsdestotrotz ist auch dieses Fan-Geschenk von VIRGIN STEELE wieder ein echter Hammer geworden.

JUB

DAWN (D) "Demo" 6
Eigenproduktion, 2001

Dawn

Nein, nicht die schwedischen Endlos-Song-Schreiber der Melodic Death Metal-Fraktion melden sich mit einem neuen Demo zurück. Nein es sind vielmehr Berliner, die sich auf dem Vier-Song-Silberling vorstellen. Darauf zu hören sind zwei aktuelle Lieder aus dem Jahre 2001 sowie zwei ältere Stücke von 1998. Bei den älteren Sachen ist der Haupteinfluß deutlich im Thrash Metal (instrumental) und im Death Metal (gesanglich) angesiedelt. Es gibt typische Bay Area-Riffs und Taktwechsel, gut und solide gespielt. Zwar ist das Songwriting an einigen Stellen noch etwas hölzern aber der Fuß wippt trotzdem mit. Nicht schlecht. Die aktuellen Sachen sind von der Machart her nicht wirklich anders, doch klingen die Songs runder und treibender. Auch die Idee mit dem Einstiegsschrei (eine Grunzstimme und ein True Metal-Eunuchenschrei übereinandergelegt) finde ich witzig. Hat was. Der Sound ist im Gegensatz zum Cover durchaus professionell angelegt.
Eine gute Undergroundveröffentlichung. Daumen hoch für DAWN. http://www.dawn-berlin.dehagen_h@hotmail.com
"Carnival In Hell"

THOMAS

ALAS „Absolute Purity“ 3
Hammerheart, 2001

Alas - Absolute Purity

Oha, das ist harter Tobak. Nicht etwa, weil Erik „Morbid Angel“ Rutan in seiner Projektband ALAS die Sau raus läßt, nein, vielmehr hat der Mann den Künstler in sich entdeckt und fühlt sich offenbar berufen, der Nachwelt Werke zu hinterlassen, die sich irgendwann auch tolerante Jazz-Freaks reinziehen werden. Nun, vielleicht gehe ich mit dieser Zielgruppe ein wenig zu weit, Progressiv-Metal-Fans werden an Rutans neuem Faible allerdings die helle Freude haben. Vetrackte Rhythmiken gibt es hier en masse. Die Melodien, die sich eh nur einem ganz geringen Hörerkreis erschließen werden, gehen zu keiner Zeit ins Ohr. Was natürlich beabsichtigt ist. Wäre ja sonst keine Kunst.
Das Zusammenspiel der Musiker - Basser Scott Hornick ist übrigens ganz großer Jazz-Fan, was man seinem Spiel durchaus anhört - ist natürlich brillant. Allerdings liegt bei soviel Liebe zum verschachtelten Detail die Annahme nahe, daß hier einmal mehr eine CD produziert wurde, die vor allem für Musiker geeignet ist.
Dann wäre da noch Sängerin Martina Astner, die durch ihre Arbeit bei Therion bekannt sein dürfte. Sie hat die Aufgabe, in getragenem Singsang gegen die brettharte Gitarre Rutans anzusingen. Das klingt manchmal, als hätten sich beide nicht recht verstanden. Vor allem ist das Geträller von Martina doch eher für sanfte Melodiebögen gedacht. Ich werde das Gefühl nicht los, daß ALAS mit einem Grunzgesang durchaus ihre Reize hätten haben können, denn nicht wenige Death Metal-Bands halten es mit der Technik. Und an Death Metal erinnert Rutans Spielweise nicht nur einmal, wenn auf der CD „Absolute Purity“ auch nicht einmal wirklich auf Tempo gemacht wird.
„Rejection Of What You Perceive“

JUB

DEVILYN "Artefact" 8
Blackend/PHD  2001

Devilyn - Artefact

Sind euch Morbid Angel zu punkig geworden? Immolations Songstrukturen zu durchschaubar. Cannibal Corpse minimalistische Grobmotoriker? Und überhaupt gehört Ihr zu der Spezies von Extrem-Metal-Fans, die panische Angst vor geraden Beats und klar erkennbaren Rhythmen haben? Mathematik ist für Euch neben der Musik das Größte? Euch kann geholfen werden. Aus Polen kommen mit DEVILYN ein paar Gesinnungsgenossen (wahlweise auch Kameraden) daher, die auch der Meinung sind, daß Musik neben den Attributen laut und hart auch für kompliziert stehen muß. Kompliziert? Ach was sage ich? Sie veröffentlichen eine deathmetallische Sachaufgabe: Nimm die Anzahl der Riffs pro Lied, teile sie durch die Breaks und subtrahiere sie durch die Tempiwechsel. Addiere nun die Quersumme der Blastparts und lese das Ergebnis rückwärts. Ihr seid trotzdem nicht schlauer? Aber ihr habt elf skurrile Klangkonstruktionen in den bizarresten Formen gehört. Meisterhaft dargeboten von Vollblutinstrumentalisten mit Hang zum kontrollierten Chaos. Fans oben genannter Bands sollten hier zugreifen. Mit leicht verwirrten Grüßen:
"Kingdom Of The Blind"

THOMAS

TIAMAT „Judas Christ“ 9
Century Media/Magic Arts Publishing, 2002

Tiamat - Judas Christ

Seien wir mal ehrlich: TIAMAT haben eigentlich eine ähnliche Entwicklung hinter sich wie Paradise Lost. Einst im Death Metal zu Hause, aalte sich die Band allerspätestens auf „Wildhoney“ (1994) im Gothic. Und dann diese Pink Floyd-Bezüge. Nun, und mit „Judas Christ“ zeigen Johan Edlund und Mannschaft sogar Sisters Of Mercy den ausgestreckten Mittelfinger.
„Vote For Love“
Songs dieser Marke gibt es diesmal einige zu hören. Aber auch ihr Floyd-Faible wird nicht vernachlässigt („Heaven Of High“, „Too Far Gone“). Und schließlich haben wir auf „Judas Christ“ auch die typischen getragenen Stücke, bei denen man sich verträumt ein Bein absägen oder die Pulsader aufschneiden möchte. Sisters, Floyd und Todessehnsucht haben TIAMAT auf ihrem neuen Album so perfekt nebeneinander gestellt, daß es eine Wonne ist. Paradise Lost - um den eingangs gewählten Bezug noch einmal aufzugreifen - wurden eine peinliche Pop-Kapelle, TIAMAT gehen dem Kitsch aus dem Wege und sind an den richtigen Stellen metallisch heftig, wie es sich gehört. Und während ich das „Wildhoney“-Album durchaus für überbewertet halte, mir die Experimente auf „A Deeper Kind Of Slumber“ viel besser gefielen und „Skeleton Skeletron“ irgendwie wie ein Zwischenstop wirkte, schwant mir, in „Judas Christ“ das bisher beste TIAMAT-Album entdeckt zu haben. Ganz dolle Empfehlung.
„Fireflower“/„Sumer By Night“

JUB

POVERTY'S NO CRIME "One In A Millon" 7
LMP Music/SPV/Inside Out, 2001

Poverty's No Crime - One In A Million

In letzter Zeit schießen die Prog Metal-Bands wie Pilze aus dem Boden, und Veröffentlichungen aus der Ecke häufen sich meterhoch. Mit "One In A Millon" von der deutschen Band POVERTY'S NO CRIME ist's wieder eine mehr. Doch läuft die Band nicht Gefahr, eine von Hunderten zu sein, ohne eigene Identität oder Stil. Denn ähnlich wie die Kollegen von Evergrey fröhnen POVERTY'S NO CRIME nicht dem laschen, fröhlichen Homo-Tralala vieler Papageihemdmusikanten, sondern transportieren eher ein Gefühl von dezenter Melancholie, ohne daß diese im Vordergrund steht oder aufdringlich wirkt. Die Gitarristen versuchen nicht, sich in der Höchstzahl der Noten pro Sekunde zu übertreffen. Und der Gesang hat, aller Klarheit zum Trotze, zwei heile Eier. Die Kompositionen sind ausufernd aber nie planlos. Und somit ist "One In A Million" eine richtig gute Scheibe geworden.
"Open To Attack"

THOMAS

THE GREAT KAT „Rossini’s Rape“ 8
Eigenprod./TPR Music, 2000

The Great Kat - Rossini's Rape

Auch wenn diese Mini-CD schon mehr als ein Jahr auf den Buckel hat, wird sie wohl kaum jemandem bekannt sein. Denn soweit ich weiß, hat olle GREAT KAT hierzulande keinen Vertrieb gefunden. Das war 1987 noch anders, als KAT über Roadrunner europaweit ihr „Worship Me Or Die!“-Album unters Volk mischen konnte. Und dieses Teil hat für so manchen Höhepunkt auf Metal-Partys gesorgt: Welch lustige Bilder, was für sagenhaft genial-bescheuerte Texte und die Musik - einfach unglaublich. Da gniedelte eine total Verrückte zwei Plattenseiten lang ständig auf den letzten zwei Bünden herum und schrie immer etwas von „Satan says, follow me“. „Satan goes to church today“, „I’ll kill you motherfucker.“, „I’ll fuck your brains out“, „Cut your head and now your dead, boy. Metal Massacre!“ .... und poste als die schnellste Gitarristin der Welt durch die Metal-Magazine. Ach ja, und sie hatte den Anspruch, Speed Metal mit Klassik zu verbinden. „Beethoven On Speed“ sage ich da nur.
Nun, und rund 13 Jahre später sieht KAT eigentlich immer noch so aus wie einst. Fast noch ein bißchen besser. Vermutlich ist der Baby-Speck weg. Und der Plattentitel „Rossini’s Rape“ verrät es uns ja: Immer noch ein Faible für Klassik.
„Rossini’s William Tell Overture For Symphony Orchestra & Band“/“Sodomize“
Das Orchester ist KAT quasi selbst. Die Violinen und die Viola hat sie eingespielt, der Rest kam als MIDI-Datei. Und „Sodomize“ zeigt uns an, daß sich KAT immer noch auf lustige Art und Weise der Abartigkeiten bedient: „Lick my ass, you fucking piece of shit ... I’m gonna shove this big fat stick up your little ass!“ Jawoll. Und es kommt noch besser: „Sever off his penis, chop off his balls. Squeeze his dick off, slit his hairy ass!“ Hoffentlich ist dies kein Tatsachenbericht, ansonsten kann ich nur sagen: „Das arme Schwein.“
„Castration“
KAT ist Kult wie eh und je. Bin auf ihr Album gespannt, daß sie uns in zehn oder 15 Jahren vorlegen wird. Da wird dann vermutlich noch mehr rumgesaut.

JUB

FACTORY OF ART "Story Of Pain" 4
Eigenproduktion, 2001

Factory Of Art - Story Of Pain

FACTORY OF ART, also Kunstfabrik, das nenne ich mal einen hochtrabenden Namen. Von "Story Of Pain" erwarte ich jetzt auch nicht weniger als drei kleine Göttergaben in Form der Lieder "Story Of Pain", "The Mass" und "Twilight Zone". Eine Band im "gehobenen" Undergroundstatus, welche im CD-Cover gleich zweimal Fotos mit Autogrammen abdruckt, muß über viel Selbstvertrauen verfügen. Entweder weil sie wissen, was sie können und ihre CD ist bahnbrechend und wird in zehn Jahren ein Sammlerstück sein, weil es gar nicht anders geht, oder weil sie glauben, viel zu können aber einfach nur durchschnittliche Angeber sind (siehe Rough Silk/Abgehört vom 20. November). Die Entscheidung liegt bei Euch. Meiner Meinung nach ist aber eher letzteres der Fall. Denn die Lieder sind zwar handwerklich richtig gut gespielt, und der Sound ist klar und transparent, auch verstehen FACTORY OF ART ihr songschreiberisches Handwerk, dennoch sind die drei Stücke auf der CD eben nur drei Songs unter Millionen von Hunderttausenden von Bands, die zu Hauf innovativer, interressanter, spannender und gehaltvoller sind. Die Musik von FACTORY OF ART ist zwar klischeeloser,dafür aber auch identitätsloser Heavy Metal, nicht speziell melodisch, nicht einzigartig hart, nicht besonders künstlerisch anspruchsvoll. Eben nette, handwerklich gute Musik,wie sie viele andere Bands auch spielen. Fazit: Ihren selbst auferlegten Ansprüchen werden FACTORY OF ART mit "Story OF Pain" leider nicht gerecht. http://www.factoryofart.defactoryofart@gmx.de
"Story Of Pain"

THOMAS

TEARS OF MYSTIGMA „Reflect Project: Colder Side“ 6
Eigenprod., 2000

Tears Of Mystigma - Reflect Project: Colder Side

Heavy Metal-Fans können diese Review getrost auslassen, denn bis auf den ein oder anderen aufblitzenden Gitarrenmoment hat die CD „Reflect Project: Colder Side“ nichts, was einen Headbanger begeistern könnte. Vielmehr zielen TEARS OF MYSTIGMA mit ihrer Musik auf die Dark Wave-Gemeinde. Allerdings haben wir es bei der seit acht Jahren existierenden Band nicht mit einer dieser Allerweltskapellen zu tun. Denn TEARS OF MYSTIGMA sind mit ihrer Musik sehr im Gothic der 80er Jahre verwurzelt, haben gar hier und da einen Touch von New Romantic. Einige Gitarren-Einleitungen erinnern an ganz frühe The Cult, manch Melodie hätte auf einem The Name-Album auftauchen können, selbst die Anfangstage der legendären Fields Of The Nephilim fallen einem ein. Dabei bleibt die Musik, die sich quasi in einer Geschwindigkeitssphäre bewegt, immer unaufdringlich und gefällig. Der Gesang ist zwar nicht gerade der facettenreichste, paßt aber irgendwie in die Stimmung der Musik. http://www.tears-of-mystigma.deinfo@tears-of-mystigma.de
"Weakness"

JUB

KIP WINGER "Songs From The Ocean Floor" 3
Now&Then/Point Music/XIII Bis Rec./Frontiers Rec., 2000

Kip Winger - Songs From The Ocean Floor

Schon einige Zeit auf dem Buckel, veröffentlichungstechnisch betrachtet, hat die Solo-CD des Ex-Alice Cooper-Bassisten und Frauenschwarms KIP WINGER, erschien "Songs From The Ocean Floor" doch bereits im Jahr 2000. Der sichtlich gealterte, ehemalige Chef seiner Band WINGER, die in den 80ern und noch Anfang der 90er respektabel Platten verkaufte, fröhnt auf dieser CD eher dem ruhigen Liedgut. Mit WINGER hat das, denke ich, nicht allzuviel zu tun. Nicht das WINGER eine brettharte Speed-Kapelle wären, aber im Gegensatz dazu wirkt KIPs neues Material ziemlich hüftsteif. Langweiliger, zahmer Allerweltsrock tümmelt sich neben KIPs neuem heimlichen Steckenpferd, den blutleeren Weltschmerzballaden. Das rockige Zeug wirkt konstruiert und wie zum Alibi aufgenommen. Seine Schlaftablettenballaden hingegen scheinen ihm Spaß(?!) zu machen. Aber nur ihm. Die mit altägyptischer Symbolistik liebäugelnde CD ist am besten dafür geeignet, einer alten Dame den Einstieg in die Rockmusik zu erleichtern. Doch welche Daseinsberechtigung hat "Songs From The Oceans Floor", wenn die rüstige Rentnerin Motörhead bevorzugt?
"Song Of Midnight"

THOMAS

TERRY BROCK „Back To Eden“ 4
Frontiers/Now&Then/XIII BIS/Point, 2001

Terry Brock - Back To Eden

So stell ich mir ein Rock-Radio in den Staaten vor: Musik zwischen Michael Bolton und Richard Marx, hier ein bißchen Journey, dort etwas R.E.O. Speedwagon, und fertig ist der perfekte Mix für den Highway oder meinetwegen auch den Stau in New York. TERRY BROCK liefert mit seinem ersten Solo-Album „Back To Eden“ eben genau solche AOR-Mucke ab.
Trotz dieses Solo-Debüts ist der Mann mit dem albernen Kinnbart und der Vokuhila-Frisur kein unbekannter in der us-amerikanischen Melodic Metal- und Rock-Szene. Als Background-Sänger hat er bei Kansas angefangen, um später mit Johnny van Zant zusammenzuarbeiten, bei Network zu singen, mit der Steve Morse Band zu touren und dann mit den Strangeways ein ganz kleines bißchen Melodic Metal-Geschichte mitzuschreiben. Seinen bedeutendsten Auftritt in der Szene hatte er allerdings bei The Sign (siehe Abgehört vom 10. April). Deren Scheibe „Signs Of Life“ stellte 2000 eines der Melodic-Highlights des Jahres dar. Allerdings konnte er auf „Back To Eden“ trotz Unterstützung von Sign-Mitstreitern, Billy Greer (siehe Abgehört vom 18. Dezember/Seventh Key) und Mark Mangold, deren Esprit zu keinem Moment erreichen. BROCKs Zeug klingt viel zu brav und austauschbar. Das ist sicher für entsprechendes Airplay in den USA von großem Stellenwert, kann hier bei uns aber garantiert nichts reißen.
„Up All Night“

JUB

ANGEL DUST „Of Human Bondage“ 7
Century Media/Magic Arts Publ., 2002

Angel Dust - Of Human Bondage

Eigentlich heißt es doch “Alle guten Dinge sind drei”. Für ANGEL DUST gilt dieses geflügelte Wort leider nicht. Nach den nahezu genialen Scheiben „Bleed“ (1999) und „Enlighten The Darkness“ (2000) sind die deutschen Ex-Thrasher mit „Of Human Bondage“ um einige Punkte in der Qualitäts-Skala hinabgerutscht. Teufel auch, hatte ich doch im Vorfeld dieser CD bereits einige Befürchtungen geäußert, wie schwer es sein wird, immer wieder solch wunderbare Melodien zu erfinden, wie auf den genannten Vorgängern. Und da Ähnliches diesmal eigentlich überhaupt nicht vorhanden ist, scheint die Band aus der Not eine Tugend gemacht zu haben: Die Stücke sind streckenweise härter, in ihrer Art ruppiger heruntergespielt, haben Thrash-Anleihen und alles wird schließlich mit einer dunkleren Atmosphäre erklärt. Nur ist damit leider die Unverwechselbarkeit der Band etwas flöten gegangen. Das reißen auch Nummern wie „Forever“ oder „Freedom Awaits“ nicht raus. Selbst die Balladen wollen nicht so recht ins Herz gehen.
Warum es zu dieser kleinen Stil-Wandlung kam, ist schwer zu erklären, kann aber mit dem Wechsel an der Gitarre zu tun haben (für Bernd Aufermann kam Ritchie Wilkison). Das ist aber halt nur eine Spekulation.
Nichtsdestotrotz bewegen sich ANGEL DUST auf einem enorm hohen Level. Ohne die selbstgelegte Latte wäre „Of Human Bondage“ sicher eine auffälligere Platte, den vom sanften Saitenstreichler bis zur Thrash/Power Metal-Granate bekommen wir ein breites musikalisches Spektrum geboten. Warum ANGEL DUST nun aber ausgerechnet den 91er Song „Killer“ von Seal und Adamski coverten, bleibt an dieser Stelle erst einmal ungeklärt.
„Unreal Soul“

JUB

MANDRAGORA SCREAM „Fairy Tales From Hell’s Caves“ 2
Nuclear Blast, 2001

Mandragora Scream - Fairy TalesFrom Hell's Caves

Ätzend. - Dabei bin ich wirklich neugierig gewesen, als mich dieses blasse Weibchen herausfordernd vom Cover anblickte. – Doch schon der erste Song, „Fairy“, bringt die volle Breitseite der Unerträglichkeiten dieses Albums zum Tragen. Daß man im Gothic derzeit so ziemlich alles verzapfen kann, was irgendwie einen Hauch von Schwermut oder Melancholie hat, ist ja bekannt, MANDRAGORA SCREAM treiben es aber echt zu weit. Abgesehen davon, dass jeglicher Anflug von Düsternis durch die an französische Chancons erinnernde Melodien sofort flöten geht, sorgt Sängerin Morgan Lacrioix für eine echte Tortur, klingt sie doch wie Schpeiß-Görl Melanie C, die sich mal eben im Aufnahme-Studio gerirrt hat und nicht so recht weiß, warum ihre neue Platte plötzlich so „rockig“ klingen soll. Und angesichts des streckenweise wirklich penetranten Gesangs ist die Dame definitv zu sehr in der Vordergrund gemixt worden.
Textlich fahren MANDRAGORA SCREAM natürlich ein Konzept. Die ganze Sache soll auf der „Göttlichen Komödie“ von Dante Aligheris beruhen. Das ist aber angesichts der ungeschickten Umsetzung nicht wirklich wichtig.
Die beiden Punkte gibt es für die Fähigkeiten der Musiker, die Arrangement-Bemühungen und den Song „Starquake“, den man anbieten kann. Genaugenommen müsste man jedoch schon wieder einen dieser Punkte für die Frechheit abziehen, dass uns MANDRAGORA SCREAM fast 20 Minuten auf den Hidden Track warten lassen, der dann nur aus Meeresrauschen, Morgans Härtetest-Stimme über einer Akustikgitarre und Kindergepläre besteht.
„Five Tear Drops“

JUB
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