VIRGIN
STEELE „The Book Of Burning“ 8
Sanctuary/Noise/T&T,
2002
„Conjuration
Of The Watcher“
Das ist schon
ein Ding. Es gibt eine Menge Heavy Metal-Bands, die drei Kreuze machen
würden, gelänge ihnen endlich einmal solch ein Song wie „Conjuration
Of The Watcher“, und VIRGIN STEELE packen das Ding halt mal eben in die
Schublade, um das Stück auf dieser Kompilation der unveröffentlichten
und neu aufgenommenen Songs herauszukramen. Und so brillant geht es auf
dem „The Book Of Burning“-Album auch weiter: „Don’t Say Goodbye (Tonight)“,
„Rain Of Fire“, „Hellfire Woman“ ... Da fragt man sich, warum ausgerechnet
Manowar zu den Vorzeige-Metallern aus den Staaten wurden, denn in Sachen
Songwriting stecken DeFeis und Co. die Mannen um Joey DeMaio streckenweise
voll in den Sack. Aber vielleicht war es halt ein Nachteil, daß Sänger
David DeFeis doch nur knapp einen Meter mißt.
Stimmlich
ist dieser Mann aber unschlagbar. Wenn er auch in heftigen Momenten an
Eric Adams von Manowar erinnert, ist er doch in der Lage in Sopranhöhen
á la Freddie Mercury zu trällern und selbst Rob Halford blaß
aussehen zu lassen.
„I Am The
One“
Leider hat
die Scheibe in der zweiten Hälfte ein paar Schwächen, klingen
Stücke wie „Guardians Of The Flame“ oder „The Final Days“ doch wie
Füller. Aber nichtsdestotrotz ist auch dieses Fan-Geschenk von VIRGIN
STEELE wieder ein echter Hammer geworden.
JUB
DAWN
(D) "Demo" 6
Eigenproduktion,
2001
Nein, nicht
die schwedischen Endlos-Song-Schreiber der Melodic Death Metal-Fraktion
melden sich mit einem neuen Demo zurück. Nein es sind vielmehr Berliner,
die sich auf dem Vier-Song-Silberling vorstellen. Darauf zu hören
sind zwei aktuelle Lieder aus dem Jahre 2001 sowie zwei ältere Stücke
von 1998. Bei den älteren Sachen ist der Haupteinfluß deutlich
im Thrash Metal (instrumental) und im Death Metal (gesanglich) angesiedelt.
Es gibt typische Bay Area-Riffs und Taktwechsel, gut und solide gespielt.
Zwar ist das Songwriting an einigen Stellen noch etwas hölzern aber
der Fuß wippt trotzdem mit. Nicht schlecht. Die aktuellen Sachen
sind von der Machart her nicht wirklich anders, doch klingen die Songs
runder und treibender. Auch die Idee mit dem Einstiegsschrei (eine Grunzstimme
und ein True Metal-Eunuchenschrei übereinandergelegt) finde ich witzig.
Hat was. Der Sound ist im Gegensatz zum Cover durchaus professionell angelegt.
Eine gute
Undergroundveröffentlichung. Daumen hoch für DAWN. http://www.dawn-berlin.dehagen_h@hotmail.com
"Carnival
In Hell"
THOMAS
ALAS
„Absolute Purity“ 3
Hammerheart,
2001
Oha, das ist
harter Tobak. Nicht etwa, weil Erik „Morbid Angel“ Rutan in seiner Projektband
ALAS die Sau raus läßt, nein, vielmehr hat der Mann den Künstler
in sich entdeckt und fühlt sich offenbar berufen, der Nachwelt Werke
zu hinterlassen, die sich irgendwann auch tolerante Jazz-Freaks reinziehen
werden. Nun, vielleicht gehe ich mit dieser Zielgruppe ein wenig zu weit,
Progressiv-Metal-Fans werden an Rutans neuem Faible allerdings die helle
Freude haben. Vetrackte Rhythmiken gibt es hier en masse. Die Melodien,
die sich eh nur einem ganz geringen Hörerkreis erschließen werden,
gehen zu keiner Zeit ins Ohr. Was natürlich beabsichtigt ist. Wäre
ja sonst keine Kunst.
Das Zusammenspiel
der Musiker - Basser Scott Hornick ist übrigens ganz großer
Jazz-Fan, was man seinem Spiel durchaus anhört - ist natürlich
brillant. Allerdings liegt bei soviel Liebe zum verschachtelten Detail
die Annahme nahe, daß hier einmal mehr eine CD produziert wurde,
die vor allem für Musiker geeignet ist.
Dann wäre
da noch Sängerin Martina Astner, die durch ihre Arbeit bei Therion
bekannt sein dürfte. Sie hat die Aufgabe, in getragenem Singsang gegen
die brettharte Gitarre Rutans anzusingen. Das klingt manchmal, als hätten
sich beide nicht recht verstanden. Vor allem ist das Geträller von
Martina doch eher für sanfte Melodiebögen gedacht. Ich werde
das Gefühl nicht los, daß ALAS mit einem Grunzgesang durchaus
ihre Reize hätten haben können, denn nicht wenige Death Metal-Bands
halten es mit der Technik. Und an Death Metal erinnert Rutans Spielweise
nicht nur einmal, wenn auf der CD „Absolute Purity“ auch nicht einmal wirklich
auf Tempo gemacht wird.
„Rejection
Of What You Perceive“
JUB
DEVILYN
"Artefact" 8
Blackend/PHD
2001
Sind euch Morbid
Angel zu punkig geworden? Immolations Songstrukturen zu durchschaubar.
Cannibal Corpse minimalistische Grobmotoriker? Und überhaupt gehört
Ihr zu der Spezies von Extrem-Metal-Fans, die panische Angst vor geraden
Beats und klar erkennbaren Rhythmen haben? Mathematik ist für Euch
neben der Musik das Größte? Euch kann geholfen werden. Aus Polen
kommen mit DEVILYN ein paar Gesinnungsgenossen (wahlweise auch Kameraden)
daher, die auch der Meinung sind, daß Musik neben den Attributen
laut und hart auch für kompliziert stehen muß. Kompliziert?
Ach was sage ich? Sie veröffentlichen eine deathmetallische Sachaufgabe:
Nimm die Anzahl der Riffs pro Lied, teile sie durch die Breaks und subtrahiere
sie durch die Tempiwechsel. Addiere nun die Quersumme der Blastparts und
lese das Ergebnis rückwärts. Ihr seid trotzdem nicht schlauer?
Aber ihr habt elf skurrile Klangkonstruktionen in den bizarresten Formen
gehört. Meisterhaft dargeboten von Vollblutinstrumentalisten mit Hang
zum kontrollierten Chaos. Fans oben genannter Bands sollten hier zugreifen.
Mit leicht verwirrten Grüßen:
"Kingdom
Of The Blind"
THOMAS
TIAMAT
„Judas Christ“ 9
Century Media/Magic
Arts Publishing, 2002
Seien wir mal
ehrlich: TIAMAT haben eigentlich eine ähnliche Entwicklung hinter
sich wie Paradise Lost. Einst im Death Metal zu Hause, aalte sich die Band
allerspätestens auf „Wildhoney“ (1994) im Gothic. Und dann diese Pink
Floyd-Bezüge. Nun, und mit „Judas Christ“ zeigen Johan Edlund und
Mannschaft sogar Sisters Of Mercy den ausgestreckten Mittelfinger.
„Vote For
Love“
Songs dieser
Marke gibt es diesmal einige zu hören. Aber auch ihr Floyd-Faible
wird nicht vernachlässigt („Heaven Of High“, „Too Far Gone“). Und
schließlich haben wir auf „Judas Christ“ auch die typischen getragenen
Stücke, bei denen man sich verträumt ein Bein absägen oder
die Pulsader aufschneiden möchte. Sisters, Floyd und Todessehnsucht
haben TIAMAT auf ihrem neuen Album so perfekt nebeneinander gestellt, daß
es eine Wonne ist. Paradise Lost - um den eingangs gewählten Bezug
noch einmal aufzugreifen - wurden eine peinliche Pop-Kapelle, TIAMAT gehen
dem Kitsch aus dem Wege und sind an den richtigen Stellen metallisch heftig,
wie
es sich gehört. Und während ich das „Wildhoney“-Album durchaus
für überbewertet halte, mir die Experimente auf „A Deeper Kind
Of Slumber“ viel besser gefielen und „Skeleton Skeletron“ irgendwie wie
ein Zwischenstop wirkte, schwant mir, in „Judas Christ“ das bisher beste
TIAMAT-Album entdeckt zu haben. Ganz dolle Empfehlung.
„Fireflower“/„Sumer
By Night“
JUB
POVERTY'S
NO CRIME "One In A Millon" 7
LMP Music/SPV/Inside
Out, 2001
In letzter
Zeit schießen die Prog Metal-Bands wie Pilze aus dem Boden, und Veröffentlichungen
aus der Ecke häufen sich meterhoch. Mit "One In A Millon" von der
deutschen Band POVERTY'S NO CRIME ist's wieder eine mehr. Doch läuft
die Band nicht Gefahr, eine von Hunderten zu sein, ohne eigene Identität
oder Stil. Denn ähnlich wie die Kollegen von Evergrey fröhnen
POVERTY'S NO CRIME nicht dem laschen, fröhlichen Homo-Tralala vieler
Papageihemdmusikanten, sondern transportieren eher ein Gefühl von
dezenter Melancholie, ohne daß diese im Vordergrund steht oder aufdringlich
wirkt. Die Gitarristen versuchen nicht, sich in der Höchstzahl der
Noten pro Sekunde zu übertreffen. Und der Gesang hat, aller Klarheit
zum Trotze, zwei heile Eier. Die Kompositionen sind ausufernd aber nie
planlos. Und somit ist "One In A Million" eine richtig gute Scheibe geworden.
"Open To
Attack"
THOMAS
THE
GREAT KAT „Rossini’s Rape“ 8
Eigenprod./TPR
Music, 2000
Auch wenn diese
Mini-CD schon mehr als ein Jahr auf den Buckel hat, wird sie wohl kaum
jemandem bekannt sein. Denn soweit ich weiß, hat olle GREAT KAT hierzulande
keinen Vertrieb gefunden. Das war 1987 noch anders, als KAT über Roadrunner
europaweit ihr „Worship Me Or Die!“-Album unters Volk mischen konnte. Und
dieses Teil hat für so manchen Höhepunkt auf Metal-Partys gesorgt:
Welch lustige Bilder, was für sagenhaft genial-bescheuerte Texte und
die Musik - einfach unglaublich. Da gniedelte eine total Verrückte
zwei Plattenseiten lang ständig auf den letzten zwei Bünden herum
und schrie immer etwas von „Satan says, follow me“. „Satan goes to church
today“, „I’ll kill you motherfucker.“, „I’ll fuck your brains out“, „Cut
your head and now your dead, boy. Metal Massacre!“ .... und poste als die
schnellste Gitarristin der Welt durch die Metal-Magazine. Ach ja, und sie
hatte den Anspruch, Speed Metal mit Klassik zu verbinden. „Beethoven On
Speed“ sage ich da nur.
Nun, und rund
13 Jahre später sieht KAT eigentlich immer noch so aus wie einst.
Fast noch ein bißchen besser. Vermutlich ist der Baby-Speck weg.
Und der Plattentitel „Rossini’s Rape“ verrät es uns ja: Immer noch
ein Faible für Klassik.
„Rossini’s
William Tell Overture For Symphony Orchestra & Band“/“Sodomize“
Das Orchester
ist KAT quasi selbst. Die Violinen und die Viola hat sie eingespielt, der
Rest kam als MIDI-Datei. Und „Sodomize“ zeigt uns an, daß sich KAT
immer noch auf lustige Art und Weise der Abartigkeiten bedient: „Lick my
ass, you fucking piece of shit ... I’m gonna shove this big fat stick up
your little ass!“ Jawoll. Und es kommt noch besser: „Sever off his penis,
chop off his balls. Squeeze his dick off, slit his hairy ass!“ Hoffentlich
ist dies kein Tatsachenbericht, ansonsten kann ich nur sagen: „Das arme
Schwein.“
„Castration“
KAT ist Kult
wie eh und je. Bin auf ihr Album gespannt, daß sie uns in zehn oder
15 Jahren vorlegen wird. Da wird dann vermutlich noch mehr rumgesaut.
JUB
FACTORY
OF ART "Story Of Pain" 4
Eigenproduktion,
2001
FACTORY OF
ART, also Kunstfabrik, das nenne ich mal einen hochtrabenden Namen. Von
"Story Of Pain" erwarte ich jetzt auch nicht weniger als drei kleine Göttergaben
in Form der Lieder "Story Of Pain", "The Mass" und "Twilight Zone". Eine
Band im "gehobenen" Undergroundstatus, welche im CD-Cover gleich zweimal
Fotos mit Autogrammen abdruckt, muß über viel Selbstvertrauen
verfügen. Entweder weil sie wissen, was sie können und ihre CD
ist bahnbrechend und wird in zehn Jahren ein Sammlerstück sein, weil
es gar nicht anders geht, oder weil sie glauben, viel zu können aber
einfach nur durchschnittliche Angeber sind (siehe Rough Silk/Abgehört
vom 20. November). Die Entscheidung liegt bei Euch. Meiner Meinung
nach ist aber eher letzteres der Fall. Denn die Lieder sind zwar handwerklich
richtig gut gespielt, und der Sound ist klar und transparent, auch verstehen
FACTORY OF ART ihr songschreiberisches Handwerk, dennoch sind die drei
Stücke auf der CD eben nur drei Songs unter Millionen von Hunderttausenden
von Bands, die zu Hauf innovativer, interressanter, spannender und gehaltvoller
sind. Die Musik von FACTORY OF ART ist zwar klischeeloser,dafür aber
auch identitätsloser Heavy Metal, nicht speziell melodisch, nicht
einzigartig hart, nicht besonders künstlerisch anspruchsvoll. Eben
nette, handwerklich gute Musik,wie sie viele andere Bands auch spielen.
Fazit: Ihren selbst auferlegten Ansprüchen werden FACTORY OF ART mit
"Story OF Pain" leider nicht gerecht. http://www.factoryofart.defactoryofart@gmx.de
"Story
Of Pain"
THOMAS
TEARS
OF MYSTIGMA „Reflect Project: Colder Side“ 6
Eigenprod.,
2000
Heavy Metal-Fans
können diese Review getrost auslassen, denn bis auf den ein oder anderen
aufblitzenden Gitarrenmoment hat die CD „Reflect Project: Colder Side“
nichts, was einen Headbanger begeistern könnte. Vielmehr zielen TEARS
OF MYSTIGMA mit ihrer Musik auf die Dark Wave-Gemeinde. Allerdings haben
wir es bei der seit acht Jahren existierenden Band nicht mit einer dieser
Allerweltskapellen zu tun. Denn TEARS OF MYSTIGMA sind mit ihrer Musik
sehr im Gothic der 80er Jahre verwurzelt, haben gar hier und da einen Touch
von New Romantic. Einige Gitarren-Einleitungen erinnern an ganz frühe
The Cult, manch Melodie hätte auf einem The Name-Album auftauchen
können, selbst die Anfangstage der legendären Fields Of The Nephilim
fallen einem ein. Dabei bleibt die Musik, die sich quasi in einer Geschwindigkeitssphäre
bewegt, immer unaufdringlich und gefällig. Der Gesang ist zwar nicht
gerade der facettenreichste, paßt aber irgendwie in die Stimmung
der Musik. http://www.tears-of-mystigma.deinfo@tears-of-mystigma.de
"Weakness"
JUB
KIP
WINGER "Songs From The Ocean Floor" 3
Now&Then/Point
Music/XIII Bis Rec./Frontiers Rec., 2000
Schon einige
Zeit auf dem Buckel, veröffentlichungstechnisch betrachtet, hat die
Solo-CD des Ex-Alice Cooper-Bassisten und Frauenschwarms KIP WINGER, erschien
"Songs From The Ocean Floor" doch bereits im Jahr 2000. Der sichtlich gealterte,
ehemalige Chef seiner Band WINGER, die in den 80ern und noch Anfang der
90er respektabel Platten verkaufte, fröhnt auf dieser CD eher dem
ruhigen Liedgut. Mit WINGER hat das, denke ich, nicht allzuviel zu tun.
Nicht das WINGER eine brettharte Speed-Kapelle wären, aber im Gegensatz
dazu wirkt KIPs neues Material ziemlich hüftsteif. Langweiliger, zahmer
Allerweltsrock tümmelt sich neben KIPs neuem heimlichen Steckenpferd,
den blutleeren Weltschmerzballaden. Das rockige Zeug wirkt konstruiert
und wie zum Alibi aufgenommen. Seine Schlaftablettenballaden hingegen scheinen
ihm Spaß(?!) zu machen. Aber nur ihm. Die mit altägyptischer
Symbolistik liebäugelnde CD ist am besten dafür geeignet, einer
alten Dame den Einstieg in die Rockmusik zu erleichtern. Doch welche Daseinsberechtigung
hat "Songs From The Oceans Floor", wenn die rüstige Rentnerin Motörhead
bevorzugt?
"Song Of
Midnight"
THOMAS
TERRY
BROCK „Back To Eden“ 4
Frontiers/Now&Then/XIII
BIS/Point, 2001
So stell ich
mir ein Rock-Radio in den Staaten vor: Musik zwischen Michael Bolton und
Richard Marx, hier ein bißchen Journey, dort etwas R.E.O. Speedwagon,
und fertig ist der perfekte Mix für den Highway oder meinetwegen auch
den Stau in New York. TERRY BROCK liefert mit seinem ersten Solo-Album
„Back To Eden“ eben genau solche AOR-Mucke ab.
Trotz dieses
Solo-Debüts ist der Mann mit dem albernen Kinnbart und der Vokuhila-Frisur
kein unbekannter in der us-amerikanischen Melodic Metal- und Rock-Szene.
Als Background-Sänger hat er bei Kansas angefangen, um später
mit Johnny van Zant zusammenzuarbeiten, bei Network zu singen, mit der
Steve Morse Band zu touren und dann mit den Strangeways ein ganz kleines
bißchen Melodic Metal-Geschichte mitzuschreiben. Seinen bedeutendsten
Auftritt in der Szene hatte er allerdings bei The Sign (siehe Abgehört
vom 10. April). Deren Scheibe „Signs Of Life“ stellte 2000 eines der
Melodic-Highlights des Jahres dar. Allerdings konnte er auf „Back To Eden“
trotz Unterstützung von Sign-Mitstreitern, Billy Greer (siehe Abgehört
vom 18. Dezember/Seventh Key) und Mark Mangold, deren Esprit zu keinem
Moment erreichen. BROCKs Zeug klingt viel zu brav und austauschbar. Das
ist sicher für entsprechendes Airplay in den USA von großem
Stellenwert, kann hier bei uns aber garantiert nichts reißen.
„Up All
Night“
JUB
ANGEL
DUST „Of Human Bondage“ 7
Century Media/Magic
Arts Publ., 2002
Eigentlich
heißt es doch “Alle guten Dinge sind drei”. Für ANGEL DUST gilt
dieses geflügelte Wort leider nicht. Nach den nahezu genialen Scheiben
„Bleed“ (1999) und „Enlighten The Darkness“ (2000) sind die deutschen Ex-Thrasher
mit „Of Human Bondage“ um einige Punkte in der Qualitäts-Skala hinabgerutscht.
Teufel auch, hatte ich doch im Vorfeld dieser CD bereits einige Befürchtungen
geäußert, wie schwer es sein wird, immer wieder solch wunderbare
Melodien zu erfinden, wie auf den genannten Vorgängern. Und da Ähnliches
diesmal eigentlich überhaupt nicht vorhanden ist, scheint die Band
aus der Not eine Tugend gemacht zu haben: Die Stücke sind streckenweise
härter, in ihrer Art ruppiger heruntergespielt, haben Thrash-Anleihen
und alles wird schließlich mit einer dunkleren Atmosphäre erklärt.
Nur ist damit leider die Unverwechselbarkeit der Band etwas flöten
gegangen. Das reißen auch Nummern wie „Forever“ oder „Freedom Awaits“
nicht raus. Selbst die Balladen wollen nicht so recht ins Herz gehen.
Warum es zu
dieser kleinen Stil-Wandlung kam, ist schwer zu erklären, kann aber
mit dem Wechsel an der Gitarre zu tun haben (für Bernd Aufermann kam
Ritchie Wilkison). Das ist aber halt nur eine Spekulation.
Nichtsdestotrotz
bewegen sich ANGEL DUST auf einem enorm hohen Level. Ohne die selbstgelegte
Latte wäre „Of Human Bondage“ sicher eine auffälligere Platte,
den vom sanften Saitenstreichler bis zur Thrash/Power Metal-Granate bekommen
wir ein breites musikalisches Spektrum geboten. Warum ANGEL DUST nun aber
ausgerechnet den 91er Song „Killer“ von Seal und Adamski coverten, bleibt
an dieser Stelle erst einmal ungeklärt.
„Unreal
Soul“
JUB
MANDRAGORA
SCREAM „Fairy Tales From Hell’s Caves“ 2
Nuclear Blast,
2001
Ätzend.
- Dabei bin ich wirklich neugierig gewesen, als mich dieses blasse Weibchen
herausfordernd vom Cover anblickte. – Doch schon der erste Song, „Fairy“,
bringt die volle Breitseite der Unerträglichkeiten dieses Albums zum
Tragen. Daß man im Gothic derzeit so ziemlich alles verzapfen kann,
was irgendwie einen Hauch von Schwermut oder Melancholie hat, ist ja bekannt,
MANDRAGORA SCREAM treiben es aber echt zu weit. Abgesehen davon, dass jeglicher
Anflug von Düsternis durch die an französische Chancons erinnernde
Melodien sofort flöten geht, sorgt Sängerin Morgan Lacrioix für
eine echte Tortur, klingt sie doch wie Schpeiß-Görl Melanie
C, die sich mal eben im Aufnahme-Studio gerirrt hat und nicht so recht
weiß, warum ihre neue Platte plötzlich so „rockig“ klingen soll.
Und angesichts des streckenweise wirklich penetranten Gesangs ist die Dame
definitv zu sehr in der Vordergrund gemixt worden.
Textlich fahren
MANDRAGORA SCREAM natürlich ein Konzept. Die ganze Sache soll auf
der „Göttlichen Komödie“ von Dante Aligheris beruhen. Das ist
aber angesichts der ungeschickten Umsetzung nicht wirklich wichtig.
Die beiden
Punkte gibt es für die Fähigkeiten der Musiker, die Arrangement-Bemühungen
und den Song „Starquake“, den man anbieten kann. Genaugenommen müsste
man jedoch schon wieder einen dieser Punkte für die Frechheit abziehen,
dass uns MANDRAGORA SCREAM fast 20 Minuten auf den Hidden Track warten
lassen, der dann nur aus Meeresrauschen, Morgans Härtetest-Stimme
über einer Akustikgitarre und Kindergepläre besteht.
„Five Tear
Drops“
JUB
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