ABGEHÖRT vom 22. März 2005

MURDER PERSONS
"The Final Solution"
Erschienen: 2002
Label: Eigenproduktion
Homepage: http://multiweb.cz/mpersons
MURDER PERSONS - The Final Solution On Air: "March To Die"
"Death Metal will never die" lautet der Leitspruch, den sich MURDER PERSONS auf die Fahnen geschrieben haben. Sehr löblich. Das tschechische Trio, bestehend aus den Gitarristen Renda und Libor sowie Frontdame Jana bekam beim Song schreiben und bei der Aufnahme von "The Final Solution" Schützenhilfe von Michal Filipi, seines Zeichens Gitarrist bei Fleshless.
Zwar muß man sich doch schon ziemlich an den recht klinischen Sound gewöhnen und eine Schwäche für Drumcomputer haben, um "The Final Solution" unvoreingenommen hören zu können, doch dann entpuppen sich - drucklosen Gitarren zum Trotze - so manche Songs als kleine Death Metal Leckerbissen mit filigranen Strukturen. Samples der Marke "Alle anständigen Deutschen werden Nationalsozialisten, nur die besten Nationalsozialisten sind Parteigenossen" sowie die Widmung auf der Rückseite der CD "This Album Is Dedicated To All Victims WW II" machen schon neugierig auf die nicht beigefügten Texte. Ist es jetzt gut oder schlecht, daß man Grunzfee Jana nicht versteht? Ein amtliches Organ hat sie alle Male. 6 von 10
THOMAS

WYKKED WYTCH
"Nefret"
Erschienen: 2004
Label: Demolition/Dreamcatcher
Homepage: www.wykkedwytch.com
WYKKED WYTCH - Nefret On Air: "Nefret"
Da haben wir es wieder. Der Europäer erfindet etwas, perfektioniert es und der Ami muß es gleich kopieren, da er im Traum nicht auf diese Idee gekommen wäre. In diesem Fall ist es dramatischer Black Metal, wie ihn Cradle Of Filth schufen und zur Perfektion trieben. Bei WYKKED WYTCH ist es nicht d e r  Ami, der kopiert, sondern es handelt sich hierbei um die Frontfrau und musikalischen Kopf der Band Ipek. Egal ob es sich um Gitarrenläufe handelt, die Art und Weise wie die Songs sich aufbauen oder die Stimme, alles haben Cradle schon gemacht. Nur um Längen besser. Apropos Stimme, auch wenn Ipek faucht und kreischt wie Dani Filths Schwester persönlich, also eine Eigenständigkeit alles andere als naheliegend ist, so ist es schon unterhaltsam zu hören wie sie sich dabei die allergrößte Mühe gibt. Dafür meinen Respekt. Dennoch, "Nefret" ist von vorn bis hinten unspannend, weil schon so oft von Cradle-Klonen gehört. So originell wie Holländern Tulpen verkaufen. 4 von 10
THOMAS

ALTERNATIVE ALLSTARS
"110% Rock"
Erschienen: 2004
Label: Steamhammer/SPV
Homepage: www.alternative-allstars.de
ALTERNATIVE ALLSTARS - 110% Rock On Air: "110% Rock"
Die Scheibe hat zwar schon ein Jahr auf dem Buckel, aber das ist angesichts der zeitlosen Musik der ALTERNATIVE ALLSTARS absolut nebensächlich. Hier stimmt alles, die Songs knallen, haben Drive, kommen ohne Kinkerlitzchen aus und machen Lust auf unangeschnallt Auto fahren, Drogen nehmen, Fernseher zerschlagen, Nächte durchmachen, noch mehr Drogen nehmen, blau machen und um die Häuser ziehen. Auch wenn man die "selben" Songs schon von vielen anderen Bands vor den ALTERNATIVE ALLSTARS gehört hat, das Feeling stimmt einfach. Eh man es sich versieht, ist die Platte zu Ende. Selten vergehen knappe 42 Minuten so schnell. Frontmann Claus Grabke kann man attestieren: Prozentrechnung 6, setzen. Musik 1, mit Bravour bestanden. So, "repeat" gedrückt jetzt. 8 von 10
THOMAS

PAATOS
"Kallocain"
Erschienen: 2004
Label: InsideOut/SPV
Homepage: www.paatos.com
PAATOS - Kallocain On Air: "Gasoline"
Die Schweden von PAATOS bieten mit ihrer zweiten Scheibe "Kollacain" ein Ambivalent zum Schaffen von The 3rd And The Mortal. Das soll nicht heißen, daß die Schweden die Norweger kopieren, sondern, daß sich beide Bands nur schwer in irgendeine Richtung drängen lassen. Beide Combos schreiben ihre Lieder auf einer abstrakten Art und Weise. Während die Norweger jedoch zusehends zu einer Musikerkommune werden, haben PAATOS hingegen eine etwas klarere Linie in ihrer Musik. Keine flippigen Experimente, vielmehr sind die Sounds von spaciger Natur, schwermütige Drumloops wechseln mit Jazz Versatzstücken ab. Streicher untermalen sanft den Gesang von Frontfrau Petronella Nettermalm. Viele der Lieder klingen wie spontane Improvisation, und doch geht der Faden nicht verloren. So manches Mal fühlt man sich durch die Musik aus dem Raum gesogen, in dem man sitzt. PAATOS bieten definitiv kein Easy-Listening-Stoff, doch wenn man sich genug Zeit nimmt, kann man auf "Kollacain" viel entdecken. 7 von 10
THOMAS

YELLOWHOUSE
"Illusions Of Everyday"
Erschienen: 2003
Label: Rockwerk Rec./MMN/Noisegate Prod.
Homepage: www.yellowhouse.de
YELLOWHOUSE - Illusions Of Everyday On Air: "For Ever"
Selten ein so häßliches Cover gesehen, meine Fresse, da schießen sich YELLOWHOUSE gleich ein ganzes Magazin in die eigenen Füße. Musikalisch haben sich die Musiker um Hartmut Kreckel schon etwas mehr Mühe gegeben. Rein handwerklich gesehen, stehen die Songs wie eine Eins. YELLOWHOUSE beherrschen ihre Instrumente, kein Zweifel. Doch so grenzgenial wie sich die Band in ihrem Begleitschreiben zu der CD selbst anpreist, ist sie beileibe nicht. Von "Dynamik pur" ist die Rede, "cleveres Songwriting", "Vielsaitig(!)", "spritzig" und "heftig dämonisch" soll die Musik sein. Dynamik? O.k.. Doch klingen viele der „spritzigen“ Einfälle infantil. Die wenigsten Riffs können sich lange im Gehör festsetzen und die Melodien sind nett, mehr nicht. Schön, wenn sich Gitarrist Kreckel mit der CD selbst verwirklichen kann, doch muß er sich nicht wundern, wenn auch nur er seine Genialität erkennt. Nichts für ungut, aber "Illusions Of Yesterday" zündet zu keiner Minute. 2 von 10
THOMAS

DISGROOVE
"Down On Myself"
Erschienen: 2004
Label: N-Gage Prod./ZYX Music
Homepage: www.disgroove.com
DISGROOVE - Down On Myself On Air: "Upside Down"
Man nehme die depressive Grundstimmung des Grunge, die rockigen Elemente von Nickelback und vermenge sie mit dem Groove diverser New-Metal-Leichtgewichte und einer gehörigen Prise Pop-Appeal und fertig ist "Down On Myself", das Debüt der Band DISGROOVE. Die Musiker haben ihr Handwerk unter anderem bei der Schweizer Thrash/Core- Kapelle Gurd erlernt. Aus diesen alten Tagen resultiert wohl noch die Verbindung zu Pro-Pain, deren Gitarrist Eric Klinger die Scheibe co-produzierte. Für Druck ist also schon einmal gesorgt. Nur kommen die Songs nicht häufig genug auf den Punkt, um wirklich fesseln zu können. Über Potenzial verfügt das Trio zweifelsohne, doch wird dieses (noch) nicht konsequent genug ausgeschöpft. Somit bleibt "Down On Myself" erst einmal im Mittelfeld liegen. 4 von 10
THOMAS

MISANTHROPIC
"Soulreaver"
Erschienen: 2003
Label: Xtreem Music
Homepage: www.misanthropic.de
MISANTHROPIC - Soulreaver On Air: "Restless Life"
Die Germanen MISATHROPIC sehen sich musikalisch irgendwo zwischen Death und Black Metal angesiedelt. Kann man so stehen lassen. Fakt ist das MISANTHROPIC ein Gespür für melodische Läufe haben. "Fly" ist dafür ein Paradebeispiel. Schleppende Passagen werden clever mit Highspeedgetrümmer verbunden. Dabei kommt auch der Groove nicht zu kurz. Doch begehen MISANTHROPIC noch den Fehler, zu viel in ihren Songs passieren lassen zu wollen. So mancher Part steht dem Fluß in den Liedern noch etwas im Weg. Meistens sind es die zwanghaften Akustik-Breaks, die noch Knoten in den roten Faden machen. Aber hey, das ist Geschmackssache. Im großen und ganzen ist "Soulreaver" eine abwechslungsreiche Death/Black-Metal-Scheibe in bester Schweden-Manier. Mir gefällts. 7 von 10
THOMAS

WITCHHAMMER
"Raise Hell"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.witchhammer.de
WITCHHAMMER - Raise Hell On Air: "Rock To Shock"

New Wave Of Saarländisch Heavy Metal - Humor haben die Herren von WITCHHAMMER. Die selbstfinanzierte CD "Raise Hell" wird all diejenigen ansprechen, die eine Schwäche für klassischen Heavy Metal der Marke Diamond Head, Angel Witch oder Tygers Of Pan Tang haben. Treibende Beats, absolut frickelfrei, im Dialog mit doppelläufigen Leadgitarren. Dazu eine Stimme, die natürlich klar und hell ist, fernab von Eunuchengequietsche und Opernarien vieler Spaghetti-Metaller der Neuzeit. Dadurch kommt die Musik (nicht zu) entspannt rüber und die Songs an sich stehen im Vordergrund. Derer gibt es einige gute zu hören. "Rock To Shock", "Raise Hell", "Inquisitor" oder "Welcome To The Nightshow" sind nicht von schlechten Eltern. Die Refrains werden of genug wiederholt, so daß sie sich im Gehör einnisten. "Raise Hell" ist zwar nicht epochal, aber ein zu würdigendes Old-School-Bekenntnis ist es dennoch. 6 von 10
THOMAS

TIERRA SANTA
"Las Mil Y Una Noches"
Erschienen: 2003
Label: Locomotive Rec.
Homepage: www.tierra-santa.net
TIERRA SANTA - Las Mil Y Una Noches On Air: "La Cancion Del Pirata"
Manchmal sind die Spanier echt für Überraschungen gut. Firmierten TIERRA SANTA bei mir bisher unter "Nett aber unspektakulär", muß man den Heavy Metallern eines lassen: Live knallen ihre Hymnen so etwas von gnadenlos, Hut ab. Die Livescheibe "Las Mil Y Una Noches" vermittelt einem tatsächlich das Gefühl, dabei zu sein. Mitreißend gespielt hat etwa ein Song wie "La Cancion Del Pirata" das Flair wie "Rime Of The Ancient Mariner" von Iron Maiden. Und das ist keine bodenlose Übertreibung. Überhaupt erinnert TIERRA SANTAS Live-Scheibe stark an Maidens "Live After Death". Der Baß klackert wie der von Steve Harris, die Publikumschöre verursachen Gänsehäute, die Lead-Gitarren klingen magisch und die Songs werden mit absoluter Leidenschaft vorgetragen, was man zu jeder Sekunde hören kann. Klasse Scheibe. 9 von 10
THOMAS

IRA TENAX
"Demo(n) 2003"
Erschienen: 2003
Label: Eigenproduktion
Homepage: www.iratenax.de
IRA TENAX - Demo(n) 2003 On Air: "Pure Power"
IRA TENAX in eine Schublade pressen zu wollen, ist nahezu unmöglich. Die drei Songs auf "Demo(n) 2003" haben Grunzgesang und schwere Riffs, ohne Death Metal zu sein. Klare Gesangsmelodien stehen gleichberechtigt neben dem kellertiefen Geröhre. Die Drums möchten mächtig klingen, doch haben sie etwas swingendes an sich. Die Klampfen wollen drücken, doch kommen sie von Zeit zu Zeit fast schon rockig rüber. So recht weiß man nicht, was IRA TENAX denn nun wollen. Frauenherzen erobern oder Genicke brechen. Beides wird noch nicht konsequent genug verfolgt. "Demo(n) 2003" läßt noch einiges an Überzeugungskraft missen. 3 von 10
THOMAS

MALSTROM
"Malstrom"
Erschienen: 2004
Label: Exutoire Rec.
Homepage: http://malstrom.free.fr
MALSTROM - Malstrom On Air: "Built On Water"
Ein ziemlich wüstes Hardcore/Metal-Gebräu liefern die Franzosen Malstrom mit ihrer ersten CD da ab. Die EP umfaßt sechs Songs, die stilistisch, glücklicherweise, nicht dem typischen N.Y.-Hardcore entsprechen. Dafür sind die Franzosen zu verfrickelt. Gangshouts sucht man hier vergebens. Da sind MALSTROM eher Metal. Zwar sind die Rhythmiken etwas vertrackt, mit viel Synkopen-Gekasper und dergleichen, doch die Blastsau wird oft genug rausgelassen. Rifftechnisch scheinen die Baguette-Fans dem Thrash nicht abgeneigt zu sein. Instrumental haben MALSTROM jedenfalls einiges zu bieten. Nur ist die Musik nicht Headbanger- oder Moshpit-kompatibel genug. Dazu wechseln sie viel zu oft die Takte. Hardcore/Metal-Prog trifft es hier wohl eher. 4 von 10
THOMAS

TIME REQUIEM
"The Inner Circle Of  Reality"
Erschienen: 2004
Label: Regain Rec./cmm
Homepage: www.anderssonmusic.com
TIME REQUIEM - The Inner Circle Of  Reality On Air: "Reflections"
Nachdem sich nun auch in der Melodic/Prog/Neo-Classical-Metal-Szene die untalentierten Trittbrettfahrer und kreativen Nullnummern breitgemacht haben, um auch noch schnell ein paar Yen in Japan abzugreifen, kristallisieren sich dafür aber auch ein paar echte Konstanten heraus. Diese bürgen für Qualität und Klasse. TIME REQUIEM sind eine von diesen Konstanten. Die Schweden scheinen vor Kreativität zu platzen. Wo anderen Bands in den Melodien und Refrains bereits nach ein, zwei Windungen die Luft ausgeht, drücken TIME REQUIEM opulente Hymnen mit Ohrwurmgarantie durch die Boxen. Ergreifend, erhaben oder einfach nur stimmig kommen die Lieder auf spektakulär gewebten Soundteppichen daher. Die Klampfe säuselt in einem Moment die zerbrechlichste Melodie, da wird sie zur reißenden Bestie im nächsten Augenblick und braucht sich hinter denen von etwa Children Of Bodom nicht zu verstecken. Die Drums galoppieren durch alle Bereiche: stampfender Groove, Speed, vertrackte Figürchen, Blastbeats, oder Jazz-Gerühre, alles kommt auf den Punkt und fügt sich prächtig in die Songs ein. Fürwahr, man muß schon was für Keyboards übrig haben, um mit TIME REQUIEM warm werden zu können, doch ist das Spiel stets um Abwechslung bemüht. Verdammt! TIME REQUIEM werden der oben aufgeführten Spielarten in jedem einzelnen der Worte absolut gerecht. „The Inner Circle Of Reality“ sollte man gehört haben. 10 von 10
THOMAS

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